Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 11-12 (9.4.1921)
- Date
- 1921-04-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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SEITE 4 ERtilb. TRIBÜNE HR. H -12 sehen Inhalt. Sie wird das Organ des neuen sozialen Aufbaues und Fortschrittes. Die sozialistische Ordnung kann ohne die „Produktionsdemokratie", die die nationale Autonomie in sich einschließt, nicht verwi klicht werden. Ebensowenig wie die nationale, d. h. tatsächliche Leitung des Wirtschafts- und Kulturlebens durch die Massen selbst ohne das Räteregime möglich und verwirklichbar ist. Nur unter diesem Gesichtswinkel erhalten die Worte vonTrotzki ihre eigentliche historische Deutung: „bloß ckis Räteregime gewährleistet das Regime der freien Nation". Doch wie stet's nun um die jüdische nationale Autonomie? Diese Frage soll den Liegenstand eines besonderen Aufsatzes bilden. Ä. Wald. „Geschichtsfälschungen und Legenden". Der kommunistische „Bannfluch gegen den Zionismus" ist ein gefundenes Fressen für unsere „Hechten". Man verdaut es unter dem schrecklichsten Wutgeheule gegen die III. Internationale, die man „vor das hohe Gericht des Zionismus stellen will." Man benutzt es, um auf verstohlenen Wegen Palästina in dc^ Haushalt der Zweieinhalblen. einzuschmuggeln. Da es nun den Herren, dem bürgerlichen Zionismus gegenüber au dem Mute der „historischen, Wahrheit" allzusehr fehlt, entschädigen sie sich dadurch, daß bie den Ba-iinflach" für persönliche Angriffe und „sachliche Vermutungen" über „Entstellung von Tatsachen, Fälschung der historischeu Wahrheit und Dichtung von Legenden"*) Jin der ihnen eigenen Weise platt- und breittreten. Zunächst einige Worte pro domo. Wir hätten die Beratungen in Stockholm in falschem Lichte dargestellt. Da Gen. Locker sich mit meiner Wenigkeit besonders intensiv beschäftigt, so muß ich es wohl oder übel nachtun . . . Wir hätten angedeutet, „daß die polnische Partei gegen" — die Anteilnahme au der internationalen sozialistischen Konferenz in Luzern war. Nun ist eine „Andeutung" sicherlich eine höchst subjektive Sache, eine innere Angelegenheit sozusagen desjenigen, der sie mit feiner Spürnase aufnimmt und „feststellt". Da auch Locker sich auf „Deutungen'' unserer „Andeutung" festlegt, muß ihm die Verantwortung hierfür ganz und gar überlassen werden. Doch sieht er hiebei ganz besonders auf mich ab'. Er „beweist in aller Öffentlichkeit," daß ich damals für die Anteilnahme an der II. Internationale war. — Ist dies nun das große Geheimnis, das der „deutende" Locker ans Licht der Sonne gezerrt? — Bekanntlich habe ich darüber (im September und Oktober 1919) „ ausführiieh in der Warschauer Arbeiter - Zeitung und in dem Jüdischen Kämpfer geschrieben, und lein liegt ei mir, daraus ein Hehl zu machen. Doch bleibt sicher ein Umstand übrig, den Locker nicht deuten kann: ich war für den Verbleib in der II. Internationale, solange sie noch dio großen Massen des Proletariats und ansehnliche revolutionäre Organisationen, wie die deutschen Unabhängigen und die französischen Sozialisten in sich einschloß. Wir Getonten, daß wir ihre Revolutionierung und Erfassung allein im Auge haben müßten, um sie geschlossen der III. Internationale zuzuführen. Für mich, den Anhänger der proletarischen Diktatur und des ßätesystems war dies der* entscheidende Punkt, den ich nicht bloß „andeutete" . . . Nach dem Austritte der deutschen Unabhängigen war auch die Sache für uns entschieden. Für diejenigen freilich, die sich um die Tatsachen den Teufel scheren, blieb unsere „Aenderung" ganz und gar unverständl ch. ,"Desto schlimmer für die Tatsachen", erklären sie unbeirrt. In diesem Sinne schrieb ich bereits im Jänner 1920 aus Palästina an die polnische Partei, daß sie meiner Meinung nach ihren Austritt aus der II. und ihren AascalitB an d.e HI. Inte.nationale erklären sollte. Demgemäß wurde ich zu unserer V. Weltkonterenz als Delegierter der Richtung des sofortigen Anschlusses an Mpskau auf der Konferenz der polnischen Partei gewählt. Die polnische Delegation kam nach Stockholm, nachdem Kaplanski und Chasanowitsch nach Luzern abgereist waren. Auch waren wir darüber empört, wie die Vertreter des Verbandsbüros dort in der Frage der Entschädigungen, der Emigration, die sie ganz und gar verschwiegen haben, besonders aber in der Frage der russischen Untersuchungskommission gehandelt haben. Erinnert sich Locker nicht mehr daran, in welcher VVejse und Tonart wir gegen den gerichtlichen Charakter der Untersuchungskommission protestierten. Die von Locker erwähnte Resolution enthält zwar bloß unsere Forderungen betreffs der Zukunft, doch sollte er auch unsere Anklagen gegen die Vergangenheit des Verbandsbüros, wie es in der Diskussion und im Protokolle festgestellt wurde, nicht außer Acht lassen. Hand aufs Herz, Gen. Locker: Können S&r: noch die Behauplung aufrecht erhalten, daß die Vertreter des Verbaudsbüros in Luzern im Einklänge mit den Ansichten der polnischen Delegation handelten? Nun, da er es sicher nicht tun kann, verlegt er sich auf die oben erwähnten Andeutungen. Er läßt bloß dio bewährte Hegel gelten: „Haltet den Dieb." Zerubabel und ich, wir beide nahmen die Anerkennung in Amsterdam mit großer Freude auf. Wir * legton großen Wert der Tatsache bei, daß zum ersten Male große revolutionäre Parteien des internationalen Proletariats, wie dio deutschen Unabhängigen und die französischen Sozialisten unsere Forderungen annahmen. Dazu hatten Aviv umsomehr Grund, da ja große Teile dieser Parteien jetzt der III. Internationale angehören, und wir also auch holten dürfen, wie es ursprünglich von uns aufgefaßt wurde, daß sie m der einzig revolutionären Vertretung des Weltproiotariats unsere Forderungen beachten und unterstützen werden. Doch jetzt zum Kapitel „unserer Geschichtstälschungen". 1. Zunächst zur Frage des holländisch - skandinavischen Komitees I Unumwunden gebe ich zu, daß wir alle in Rußland, — ohne Unterschied — damals mit dieser Aktion zufrieden waren. Doch muß ich gleichzeitig feststellen, daß Borochow von uns kein Mandat erhalten hatte. — Wo in aller Welt haben wir abev in unserem Berichte diese Aktion zu „beschmutzen" versucht? .Wenn dies der Fall war, weshalb ließ Locker das „überführende Argument" außer Acht, daß Zerubabel an dieser Aktion teilnahm. Man mußte dies freilich an den Haaren herbeizerren, um die Reminiszenzen an die Verdienste des ehemaligen Verbandsbüros wachzurufen. Doch vergaß noch unser peinlicher Geschichtsschreiber die Begrüßungsdepesche an Wilson. Daran •wollen wir ihn unbedingt erinnern...... 2. Wir redeten von den Parteien des Ostens, während bloß unsere r/ussisohe Bruderpartei sich auf die Zimmerwalder Plattform gestellt hätte, — behauptet Locker. Nun *) Siehe Lockers Artikel Nr 6 „Unser Wort". soll er als hervorragendes Mitglied des ehemaligen Verbandsbüros doch wenigstens wissen, daß im Dezember 101S dio polnischen, litauischen und russisch-ukrainischen Teiie unserer Bewegung noch eine Partei bildeten. Und sie waren es nicht bloß formell. Auf der Konferenz in Pinsk (April 1915) waren Polen (Benjamin), Litauen (Gur-Arja, Scholom, Gerschon), Ukraina und Zentralrußlaiul (Altmann) offiziell vertreten. Dort auch wurden die Zimmorwaldschem Thesen, von Abramowitsch redigiert, zum Beschlüsse erhoben. Ais wir in der Folge, im Jahre 1917 (früher war es uns unmöglich) diesen Beschluß dem Verbandsbüro mitteilten und es mit unserer Vertretung in Zimmerwald betrauten, sprach die russ sehe Partei im Namen aller Bruderparteien de^ Ostens (der russisch-ukrainischen, po|.iischcn und lettischlitauischen). Bedeutet dies nun, daß „wir die Geschichte gefälscht," oder daß Geu. Locker seine Geschichte selbst macht? 3. „Jedenfalls famf die Politik des Verbandsbüros bis zu der internationalen Konferenz in Bern (Feber 1919) den vollen begeisterten Beifall aller Parteien. Ohne jegliche Ausnahme I" — Bekanntlich fand im Jänner 1919 (d. h. einen Monat vor der Berner Konferenz) in Minsk der Parteitag der damals noch einheitlichen russischen Partei statt, auf dem einstimmig beschlossen wurde, mit dorn Verbaudsbüv;; endgültig jede organisatorische Verbindung abzubrechen. Es wurde gleichzeitig auch beschlossen, den Anschluß au die TIT. Internationale zu vollziehen. Wer hat nun dio Tatsachen entstellt, Gen. Locker? 5. Wir behaupten, „daß1 das Verbaudsbüro die Bedeutung von Zimmerwald nicht genügend gewertet und seine Politik mehr nach den Leuten orientiert habe, die, anstatt den Krieg zu bekämpfen, es auf die Internationalisten abgesehen haben." Stimmt auch dies nicht?— Was tat das Verbaudsbüro mit den Forderungen! alier jetzigen Oot-Parteien unserer Bewegung. — Das Verbandsbüro, schreibt Locker, teilte den Beschluß der russischen Partei der internationalen Kommission mit, weigerte sich jedoch, die Partei dort zu vertreten, um „sieht nicht in die inneren Angelegenheiten der Internationale einzumischen." — Bedeutet dies auch, daß das Verbahdsbüro den Wünschen und Ansichten der Ostparteien Rechnung getragen oder gar „die Bedeutung von Zimmerwald gewertet hatte"? „Fälschen wir" auch diesmal, oder stellt sich Genosse Locker ein testimonium paupertatis aus? — Was bleibt also von Ihrem Versuche übrig, uns als Geschichtsfälscher zu überführen und bloBaustellen? Versuchen Sie es noch einmal, Gen. Locker, doch mit „tauglicheren Mitteln!" Beherzigen Sie auch vorerst da> Wort vom „Balken im eigenen Äuge". (Siehe Wiener Konte:enz der 2%) Dann werden S;e weitsichtiger werden. Nier. RUNDSCHAU. Die Arbeiterbewegung in Ägypten. (Brief aus Älexandria) Trotz der furchtbaren Repressalien der englischen Regierung beginnt die Arbeiterbewegung hier im Lande, immer größere Massen der einheimischen Bevölkerung durch die Gewerkschaften zu erfassen. Da die arabischen Arbeiter gerade jetzt in der Krise des europäischen Imperialismus der höchsten Ausbeutung und Unterdrückung ausge» setzt sind, kommen sie selbst zu der Erkenntnis, daß die Verbesserung ihrer Lage bloß von ihrer Organisierung abhängig sei. Spontan, aus eigener Initiative heraus, schließen sie sidvdcr bereits bestehenden Gewerkschaften an die jetzt schon über das ganze Land verbreitet sind und Hunderttausende Arbeiter umfaßen. (Eine genaue Statistik der gewerkschaftlich Organisierten nach den einzelnen Verbänden fehlt noch.) Einen großen Anteil an dem Aufschwünge der Klassenbewegung tragen ohne Zweifel die eingewanderten jüdischen griechischen und italienischen Proletarier, die als Pioniere der internationalen Solidaritär der Arbeiterschaft eine aufopferungsvolle Propagandatätigkeit entwickeln. 53 P* Die Organisierung, des arabischen Proletariats findet verstand« literweise die größten Hindernisse und Schwierigkeiten infolge der feindseligen Stellung der englischen Regierung, die ihre Gefahr schon jetzt voll zu werten gelernt hat. Die schärfsten Massnahmen werden ergriffen, ja sogar ein striktes Verbot jeglicher Koalitionsbetätigung wurde verfügt. Ein Gesetz des Sultans bedroht alle gewerksdiaftlidi Organisierten und ihre .Helfershelfer" mit den härtesten Strafen. Es wurde von dem englischen Vertreter, Lord Allenby, mit der ausdrücklichen Erweiterung auf alle europäisdien Arbeiter bestätigt. Die englische Administration, die jetzt aus rurdit vor der „bolschewistischen Verpestung des Ostens" ihre alten höflichen Kolonisationsmethoden ablegt, erklärt nunmehr in zynisdier Offenheit, daß „alle Europäer, die an dem Aufbau der Gewerkschaften mitarbeiten, sofort aus dem Lande verwiesen werden". Dieses Gesetz freilich kam bereit zu spät. Die arabisdien Proletarier, die die Macht der Organisation bereits erkannt lassen sich in ihren Betreiungsbestrebungen aus der ^tausendjährigen Sklaverei nicht mehr aufhalten. Auch keine drakonischen Maßnahmen werden sie daran hindern können I . Vor einigen Wochen fand in Alexandria ein Streik aller Bankangestellten statt, der mit ungewöhnlicher Heftigkeit und Wiederstandskraft gegen die Finanzmagnaten und ihre Bestechungspolitik geführt wurde. Die Bankinstitutionen mußten mit Truppen besetzt werden, um einer Demolierung zu entgehen. Ein Solidaritätsstreik aller Handelsangestellten und eingeborenen Steatsbeamten zwang jedoch die Unternehmen und die Regierung zur Erfüllung der herausgestellten Forderungen. Da nun die englischen „Kulturträger" nicht mehr an die völlige Unterdrüdmng der Bewegung denken können, versuchen sie sie zu spalten und zu demoralisieren. So ist es dem Gouverneur von Alexandria gelungen, die Führer der städtischen Arbeiter zu bestechen: sie erhalten jetzt offiziell Löhne von der Regierung, deren Befehle sie auszuführen verpflichtet sind. In jeglicher Weise versucht man auch, die ungebildeten Massen <durch Fanatismus, Religion usw.) irrezuführen und für sie zu gewinnen. An der zweiten Konferenz der Gewerkschaftsverbände in Alexandria nahmen 30 Arbeitersyndikate teil. Davon zählen 10 Syndikaie ungefähr 50000 Mitglieder/ in ihnen sind tätsächlich Arbeiter des Suezkanals, der städischen Gasanstalt, Wasserleitung, der Druckereien und Eisengießereien'.'vereinigt. Viele Organisationen, die keine Delegierten zu der Konferenz schideen konnten, ließen sich nichtsdestoweniger vertreten. Es wurden scharfe Resolutionen gegen die englische Regierung und die eingeborene Kapitalistenklicrue gefaßt. Auch der rasche Aufschwung der Gewerkschaften wurde mit Genugtuung zur Kenntis genommen und ausdrücklich die Einberufung einer Gründungskonferenz des allgemeinen Gewerkschaftsverbandes bestimmt. An die Konferenz wurde ein Begrüßungsschreiben der Komm. Partei gesandt. Es ist auch mit großer Sicherheit zu nrwarten, daß der zukünftige Verband den Zusammenschluß aller r ev o u t i o nären Kräfte des ägyptischen Proletariats, bedeuten wird. Die komm. Partei, die letztens infolge des verzweigten Spionagesystems und seinen Provokationen große Einbußen erlitt, auf's neue ihre rege Tätigkeit auf. In Alexandria und Kairo sind auch bereits Keimzellen zur Bearbeitung der Provinz und des flachen Landes gebildet worden. Es ist auch ein enger Kontakt mit der palästinensischen Komm. Partei hergestellt worden. Beide Parteien leiden jedoch noch sehr an dem Mangel an Geld und erprobten Organisatoren und Agitatoren. Trotzalldem verbreitet sich die Popularität der kemmunistischen Idee und ihrer Partei mit fast märchenhafter Schnelligkeit und Kraft in . dem ganzen islamitischen Osten. Georg Aelim. Frankreich. Briands Sanktionen. Der französische Ministerpräsident hat wieder eine grofis Programmrede über den, Wiederaufbau Frankreichs" gehalten. Diesmal glaubte er schon nicht mehr, diplomatische Metappern für seinwshren Absichten und Ziele gebrauchen zu müssen. Er nahm sich sozusagen kein 3latt vor den Mut, um sein grimmiges „Wehe dem Besiegten" dem teuflischen Erbfeinde entgegenzuschleudern. Hiezu freilich hat er der Gründe genug: die bisherigen Sanktionen trafen kaum ihr Ziel, die Stinnesbourgoisie zeigt sich widerspenstig und hartnäckig wie nie zuvor, sie ignoriert gänzlich die Forderungen der Entente, da sie noch lange „durchhalten" kann. Auch findet sie Beschäftigung und Zeitvertreib an der Kommunistenhetz, die ihr politisches Interesse gänzlich in Anspruch nimmt . . . Nun glaubt Briand doch andere Töne anschlagen zu müssen. Auch er stellt der deutschen Bourgeoisie eine Exproprierung in Aus * sieht, die jedoch der völkerrechtlicheu Grundlage nicht entbehren soll: „An dem Tage, an dem die deutschen Großindustriellen unter der Gewißheit des Zwanges, der dort vor sich gehen wird, einen Teii der deutschen Einnahmequellen für die Bezahlung der Schuld verwenden müssen, werden sich nene Quellen erschließen. W o der ehemalige Sozialist seinen Exproprierungshebel ansetzen will, darob besteht kein Zweifel. Das ganze Ruhrrevier soll gepfändet werden, jedenfalls die „gesetzmäßigen deutschen Besitzer" auf eine gewisse Weise ihrer „Rechte" verlustig gehen. Die oberschlesische Frage soll dann gewissermaßen als Nachspiel hiezu gemäß dem Versailler Vertrag und dem Abstimmungsresultate geregelt werden. Wo Deutschland en canaille behandelt würde, sa man davor einem Jahre nodi mit Teufel und Beelzebub geschundene Ruße land viel glimpflicher davonkommen. Die Termine der /,Banditcne Usurpatoren" kamen in der Rede nicht mehr vor, dagegen wurde noch die tatsächliche Regierung der von Rechts wegen anerkannten gegenüber gestellt. Nun, da auch Briand an dieser Tatsache nichts ändern kann, zog er es vor, seine Beziehung zu Rußland nadi Amerika zu orientieren. Die Rede Lenins auf dem allrussischen Transporiarbeiter-Kongreß. Lenin begann se.ne Rede damU, daß er aur die ineucjtcn Plakate liinwies, deren Text folgendermaßen lautet: ,,Das Reich der Arbeiter und Bauern wird niemals enden" und „Aui zum letzten Kample!" — „Noch einmal", sagte L 'niu, „müssen wir die Kräfte mustern', die einander gegenüberstehen und deren Kampf für die Entwicklung der Diktatur des Proletariats und das Geschick der Sowjetmacht ein entscheidender sein wird." Vor dreieinhalb Jahren hat das Proletariat dio Staatsgewalt in seine Hände genommen. Unter allen Klassen hat das Proletariat am meisten gelitten und entbehrt ttiid es hat die Staatsgewalt mit dem festen Willen in die Hände genommen, die Diktatur des Proletariats zu verwirklichen. Dreieinhalb' Jahre lang mußte das Proletariat einen r eroischen Kampf mit Entbehrungen, mit inneren und äui. den Feinden führen, so daß nach diesen übermenschlichen Anstrengungen eine Ermüdung wohl begreiflich ist. "Woher nahm das Proletariat die moralische Krall, alle diese Entbehrungen zu ertragen? Die Antwort darauf ist sehr einfach: das Bewußtsein, daß das Proletariat aller kapitalistischen Länder, selbst dort, wo es sich offen zu den Menschewiken und Sozialrevolutionären bekannte, uen Kampf der Kapitalisten gegen Sowjetrußland nicht unterstützte. Diese Arbeiter haben durch ihren passiven und h<\lb passiven Widerstand den Krieg gegen uns verhindert. Dank der revolutionären Energie des Proletarial; ist das Klejnbauerntum mit seinen Feinden, den Gutsbesitzern und Kapitalisten, für immer fertig geworden. Was die politische .Richtung dieser kleinbürgerlichen Massen botriiit, ließen sie sich bald von der Bourgeoisie, bald vom P3 oletariat führen. Unsere eigenen Erfahrungen und dio Geschichte der Entwicklung der Revolution in den letzten 150 Jahren zeigen, daß die kleinbürgerlichen Massen infolge der wiitschaffliehen Bedingungen, unter denen sie leben, unfähig sind, sich zu einer festen Organisation zusammenzusohlicösen. Alle Versuche, die sie gemacht haben, die Wirts« :haliapolitik ihren Interessen gemäß zu leiten, erlitten ein Fiaska, wie die Erfahrungen im Dongobiet, in der Ukraine und nn Kubangebiet beweisen." Thesen der russischen kommunistischen Partei zur Agrarreform. Moskau, 5. April. „Rosta Wt'en u Das Zentralkomitee der russischen kommunistische:« Pfit veröffenilicht Thesen für die Agitatoren, welche den Sinn urd die Tragweite der Agrarreform entwickeln und erklären sol eti. Unter anderem heißt es im Schlußartikel: Die wirlsahaftlichen Beziehungen in Sowjetrüßland nach Einführung dei Natursteuer sind, wie folgt, gegeben: Alle Produkte, die früher monopolisiert waren, unterliegen der Steuer. Diese Steuer ergibt weniger als die früheren Requisitionen. Das Fehlende wird durch Austausch der Produkte gegen Petroleum, Zündhölzchen, Tabak, Sal7, Nägel usw. oder gegen im Ausland gekaufte Waren aufgebracht. Da die Warenfabrihation im Innland allmählich steigt, wird der Staat die Mittel haben, dieses Jahr das Mehrfache von Millonen Puo- Getreide und anderen Produkten über das Steuererträgnis hinaus zu erhalten. Dabei nicht gerechnet die Zufuhr tüs dem Auslande, die dieses jähr den Mangel deckt. Die Arbeiter werden vom Staate unmittelbar versorgt. Die Vergrößerung der Anbaufläche, die Verbesserung des Transportwesens und die Steigerung der einheimischen Fabrihation bringen noch eine bedeutende Verbesserung der Verpflegung. Wenn das ausländische Kapiial dreh die Konzessionen ausgenützt werden kann, wird die ruussische Industrie rascher, als wenn wir auf unsere eigenen Kräfte ange 3 iesen sind, wieder hergestellt werden. Sebald die Hauptbrancken unserer Industrie im Gang sind, kann dtr Staat die Besteuerung von Jahr zu Jahr weiter herabsetzen, die ohne Schaden für die Versorgung der Arbeiter durch den Austausch der landwirtschaftlichen Produkte gegen Fabrikate erset2. werden kann.