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Freie Tribüne · 1921-02-05 · 5 (5.2.1921) · page 2

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Journal
Freie Tribüne
Volume
3 (1921)
Issue
5 (5.2.1921)
Date
1921-02-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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■ i: 2 Fruk tri u;:<k m ä. Neutralität? Nim sind schon bereits sechs Monate nach unserer fünften Weltkon reretiz vorbei, und wir haben ebenso Bedürfnis als Pflicht, die von ihr formulierte Wirklichkeit der poalc-zionistischenIdee", d.h. die Verwirklichung des von ihr gefaßten Aktions¬ und Prinzipiellprogramms nähar ins Auge zu fassen. Kein Zweifel ist, daß die alleinige Vorbedingung dieser Verwirklichung d i e n e u e O r g a n i s a t i o n sforin ist, weiche unsere Bewegung nach ihrer Spaltung sich zu schaffen bsgonnen hat. Denn es muß von vornherein mit allem Nachdruck hervorgehoben werden, daß, ebenso wie der Ausschluß der Rechten aus unserem Verbände nicht bloß eine parteitedrnische Angelegenheit war, sondern ein prinzipielles und sachliches Moment, die jetzige Organisationsform unseres Verbandes nun eben kein formal'er, sondern materieller und wesentlicher Faktor seiner Entwicklung ist. Gar vielen Genossen zwar, auch an leitender Stelle, mag die durch unsere letzte Weitkonf'erenz bewirkte Spaltung" als ein bloßer ,(mechaTiisdiier" Akt, der von ,.äußeren und zufälligen Umständen" heedingt war, erscheinen. So wird es auch klar, daß sie die notwendigen Folgeerscheinungen der Bildung zweier Verbände, die eintretenden „Spaltungen" in den einzelnen Landesparteien, nicht einheitlich beurteilen und — nach' ihrem Sinne gestalten konnten. Wer freilich diese unter derrf Gesichtswinkel der Intensivierung und Zentralisierung des revolutionären Poale-'Zionismus auffaßt und wertet, als einen organischen Prozeß, und nicht als' einen mechanischen und zufälligen Tatbestand, der wird sich auf einen wesentlich anderen Standpunkt stellen. Zwei Tatsachen, rechtfertigen in erster Linie diese Auffassung: die Konstituierung der ostgalizischen Partei außerhalb beider Verbände und der Anschluß unserer palästinensischen Organisation an den allgemeinen jüdischen Arbeiterverband. Daß sfe in engem Zusammenhang stelhen, läßt sich' leicht beweisen: denn beider einheitliche Formel heißt — Neutralität! Nun soll diese Neutralität zwar sich bloß ,auf die Organisationsform der betreffenden Körperschaft erstrecken, im, übrigen jedoch jegliche Propagandatätigkeit, wie auch besonders bei unseren palästineiisischeji. Genossen die politische Aktionsfähigkeit gewährleisten. In beiden Fällen will sie nur ein Teilgebiet des politischem Betätigungsfeldes umfassen, sonst aber „freie Hand" lassen. Vondieser Seite besehen, scheint die farblose Ffagge der Neutralität recfyt (harmlos zu sein und wenigstens das AsuJ noch anzuzeigen, in welcb'em! „sich die Rechtem und Linken zu gemeinsamer Arbeit finden könnten". Welch verlockender Scih'ein? Doc'h wie steht es damit in Wirklichkeit? Traurig genug. Denn es heißt recht 'klar und deutlich, daß unsere Genossen in Palästina — um1 der schönen Neutralität willen — sich' auf den Standpunkt einer klassenlosen (!) Organisation hinab- 1 e:fu?mt und — sie in Osigaiizicn nur mit Teuie! und Beelzebub die Internationale 21 ■> sjch vom Lc-i'oe ferngehalten h'aben. Eigens zu diesem "Zwecke mußten sie auf dem Parteitage der entscheidenden Mehrheit der „Neutraliten" und Rechten mit der Spaltung drohen? Doch freilich, sie haben den Köder der Neutralität nur mit schwerem Herzen geschluckt -— um höherer Ziele willen. Der „Einheit" nämlich. Da und dort, in Ostgalizien wis in Palästina haben unsere linken Genossen allein dieser wegen sich neutral! gestellt — zum Klassenkampfe und zur Internationale des revolutionären Weltproletariats. >• Wir sind nicht schuld daran, daß die letzten Zeilen ebenso ironisch wie scharf klingen. Die Melodien der „Neutralität" in revolutionären Situationen können keinen besseren Ton erzeugen, doch zum! Schluß oft recht traurig und tragisch erschallen. Die letzten Geschehnisse in unserer Bewegung liefern hiefür treffliehen Beweis: wie anders könnten sich unsere „Rechten" darüber wundern, daß die Partei in Ostgalizien sich nicht ihrem Verbände angeschlossen, da „die Me'hrbeit doch ganz ihre Ideologie teilt''? Und die zionistischen Bulletins registrieren in Triumph, daß sich in Palästina eine klassenlose Arbeiterorganisation mit Einschluß der linken Poale-Zion gebildet hat. Unsere Philosophen werden erst die Ruinen treffen, doch werden sie stutzen, wenn auf dem. Wiener Konventikel der Internationale 21/2 die Palästinaorganisation slamt der Ostgaliziens den Chorus der Erwählten singen wird? ' Wir stoßen keine Unkenrufe aus, doch wollen wir darauf besonders die Aufmerksamkeit Fenken, daß uns letztens aus Ostgalizien Briefe zukamen, die eine Beunruhigung 'woM berechtigen. Gar viele Genossen beklagen sich über den durchdie Parteikonferenz geschaffenen „Modus vivendi" und erklären offen, daß sie die neue Organisationsform; weder verstehen nodh' achten oder beachten wollen. Uns sind auch schon Fälle des Austrittes mancher Parteimitglieder bekannt, die keineswegs unter der Nentealitätsmiastoe dem Faschinö>rummel' der zusammengekoppelfen Rechten und Neutralisten mitmachen wollen. Sie haben ihre kommunistischen Konsequenzen gezogen. Auf der Weltkonferenz ist es uns klar geworden, daß die Vorbedingung für die revolutionäre Aktion unseres neuen Verbandes seine Organisationsförm sei: die Zentralisierung aller Landesparteien auf der einheitüdien Grundlage des poale-zionistischen .Programms und seiner revolutionären Taktik. Dies haben wir auch als die vornehmste und erste Aufgabe unseres rieuen Vgrbaiiid'bliros betrachtet, das eirtheitlichie Gepräge durch eine revolutionäre und entschlossene Führung unserer Bewegung zu erzielen. Die letzten Geschehnisse in Palästina und Galizien geben nicht den Eindruck, daß unsere ihöchsta Instanz ihre Aufgabe erfüllt bat, den Lauf der Entwicklung zu bestimmen. Die Schuld der füihirenden Genossen in den betreffenden Ländern scheint uns deshalb auch geringer zu sein. Dofh mußte auc h für sie k'ar s2in, daß das Verbleiben in den „neutralen" Orgarnsaibneii sie sch'Lß'icn zum offenen N/errate an der Sache der Weltrevolution führen wird. In beiden Fällen mußten sie den Mut zur Gründung einer selbständigen Partei des klassenbewußten, kommunistischen Proletariats haben. Hatte sie in Ostgalizien durch den Zus inimenWang mit der starken polnischen Partei recht günstige Bedingungen, — so mußte sie besonders in Palästina trotz der größten Hindernisse — schon um des poale-zionistiscben Prinzips willen, seiner Mission, im nahen Osten wegen — verwirklicht werden! M. J. Der revolutionäre Dezemberstreik in der Tschechoslowakei*). Das klassenbewußte Proletariat der tschechoslowakischen Republik hat seine erste große und bedeutsame Massenaktion hinter sich! Bedeutsam im guten Sinne des Worte;. Wohl bemüht sich die gegemevolutionäre Presse aller Schattierungen — die Keohtssoziatete.i wie immer an der Spitze — den De- *e!mberstreik als einen m.'>8kingenen Streich, ja als kläglich i.Lisarnmengebrodieneii Versuch der Revolution selbst hinifu'steilen. Dodi die Hoffnung der vereinigter! Reaktionäre, den Glauben der proletarischen Massen an ihre eigen« revolutionäre Kraft 2.11 brechen, hat sich nicht erfüllt. Das Vertrauen dieser Massen in den Komnnm'smus. wurde aitfht nur nicht erschüttert, sondern im Gegenteile vertieft und gefestigt. "< Wollen wir •nun zu einer richtigen Wertung des Streiks gelangen, so ist es notwendig, vor allem d'e wirklich negativen oder bei oberflächlicher Betrachtung so erscheinenden Seiten desselben zu erkennen. Ohne Zweifel mangelte dem Dezemberstreik Eirihe/tlichkeit und straffe Organisierung. Tatsächlich lag der taktische Vortei'l mehr bei der Regierung als bei "der Streikleitung. Die Regierung war es, welche durch die Besetzung des Volkshauses seitems der Polizei und der Gendarmerie, die .Arbeiter provozierend), die Kampfeßjuitiative ergriff. Sie war si'ch der Intaktheit der in Anwendung gebrachten Gewaltinstrumente bewußt. Instand der ganze techn'isciie Staatsapparat zur Verfügung, was sich bei der Sperre und Drosselung von Telephon, Telegraph und Post besonders fühlbar machte. Demgegenüber erwies sich d«e technische Vorbereitung des Streiks als ungenügend und überstürzt. Die legale Organisation mußte im solcher Situation versagen, während sich die illegale Organisation als nahezu nicht existent erwies. Die Vorbereitungen hatten um so gründlicher erfolgen müssen, als der Anlaß zur Aktion ein solcher war, der sich nicht unmittelbar aus den tatsächlich bestehenden, revolutionierenden, wirtschaftlichen Leiden der Massen ergab. Die Erweiterung der Streikzie{e war zwar ein kluger Schiachzag, konnte jedoch in Anbetracht der mangelhaften Organisation der Akti'oin nicht voll zur *) Dein nachstehendem Artikel, der zur Veröffentlichung in unserem Bruderorgan „Der jüdische Sozialist" bestimmt war, von den tschechischen Behörden konfisziert wurde, geben wir nachträglich umso williger Raum, als seine Ausführungen bis jetzt noch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. (Anm. d. Red.) Die Aufgaben der neuen Wissenschaft. S. Kriwzow, (Schluß.) Auch das zweite ist für uns, die wir an Maulwurfsarbeit gewöhnt sind, fremd. Wir müssen die alten rostigen Ketten zerbrechen, wir müssen aus unserem Loch in die reine, freie Luft treten. Nur auf diese Art kömnen. wir den NUebergang von der individuellen zur kollektiven Arbeit vollzüehen. Noch mehr! Die Revolution ist ein Sprung, eine Unterbrechung der gewohnten Monotonie, ein plötzlicher Uebergang der Quantität in die Qualität. Dasselbe muB auch auf dem Gebiete der Wissenschaft geschehen. Die Naturwissenschaft und die Mathematik haben mehr als einmal schon solche Krisen durchgemacht und sind aus ihnen verjüngt und erneuert hervorgegangen. Die Revolution auf dem Gebiete der Gesellschaftswissenschaft hat Marx begonnen, ihm folgten seine Schüler. Das waren jedoch einzelne Personen; jetzt ändert sich das ganze Leben. Jeder Pädagoge muß daran denken, daß die gesellschaftliche Struktur des heutigen Lebens imchts Gemeinsames mit der Vergangenheit hat (.vorläufig, aber nur vorläufig sind noch die Komponenten des Lebens die alten geblieben). Deshalb ist uns ein übertriebener Historismus schädlich. Wir wollen deutlicher sein: wir hätten nichts gegen den Historismus, wenn er vorn dialektischen Gejste durchdrungen wäre. Wir beobachten in der Wirklichkeit jedoch nur das Gegenteil davon. Wir müssen uns der jetzigen Revolution tieiinnerst bewußt Wiarden, und dieses Bewußtwerden wird uns zwingen, s".e aufzunehmen und an ihr weitemischaffen.' Indem wir an einzelne Gebiete herantreten, müssen wir stets daran denken, daß der Ausgangspunkt jetzt ein ganz* anderer geworden ist. Nehmen wir z. B. die politische Oekonomie. Wie haben wir s:e bezeichnet? Als eine Wissenschaft über die Beziehungen auf dem Gebiete der Produktion. Diese Beziehungen haben aber aufgehört zu sein; wir sind alle Arbeiter und der voile Arbeitsertrag gehört uns allen. Wir dürfen nicht mehr die Produktion von dem Standpunkte des einzelnen Kapitalisten, sogar nicht meftr vom' Standpunkte des einzelnen Arbeiters betrachten, sondern mir von dem der allgemeinen Produktion, und zwar nicht im nationalen Maßsfaoe, sohde.n dem der ganzen! Weltwirtschaft. Sogar daran sind wir nicht gewöhnt. Da haoen wir eine Aufgabe vor uns. Deshalb behaupten aber mauci;j, cu.ß die ^aticualisiesang einer sozialistischen Wirtschalt ejrie Wis'.exscliaii i-.t, d.'e mit der alten policipcheu O^ko^omic ni'iits g<-'!;.<> 1 hat. Nehmen w.r die Hrage.i der Moral, des Rechts, der Religio^. Auch da. werden wir alsbald den völligen Bruch mit der Vergangenheit erk&'ipjen; wir werden alsbald einsehen, wüe weniig zur richtigen Erklärung der Erscheinungen auf diesem Gebiete in der Vergangenheit getan wurde. Das ist auch verständlich. Nachdem sie ihre Herrschaft errichtet hatten, wurde die Bourgeoisie eine konservative Klasse, die auf viele Mittel der sozialen Ausbeutung der öffentlichen Erörterung entzog. Wurde denn in der fortschrittlichsten, aufgeklärtesten, demokratischen Gesellschaft eine konsequente radikale Analyse geduldet? Niemals! Nach einem stillten Uebereinkommen wurden gewisse Fragen wie das Allerheiligste behandelt, zu dem Uneingeweihte keinen Zutritt haben durften. Kam denn das Bewußtsein der neuen Lebensformen, der neuen Art, des neuen Stiis des Lebens des Proletariats zum Ausdruck? Vorläufig noch nicht. Wir bauen die neue Schule. Sind wir uns ihrer Aufgaben (bewußt? Lunatscharski bezeichnet ganz richtig eine Arbeitsenzyklopädie der Kultur als ejae ihrer wichtigsten Aufgaben, in seiner Deklaration gibt es uns die allgemeinen Umrisse einer solchen Enzyklopädie, jedoch ist ihr Stoff für uns an der Oberfläche des Lebens noch nicht sichtbar. Der TodesprozeB der jetzigen Mittel- und Hochschulen kommt uns gar nicht so furchtbar vor. Das ist ein dialektischer Prozeß, und wir nehmen an, daß schon jetzt kraft des Lebens, kraft der Revolution an vielen Punkten. Neues geschaffen wird, daß man sich des Geschehens bewußt wird. Ein solcher Bruch äst nicht zu umgehen. Nur muß gleichzeitig Imit dem Zusammenbruch Neues entstehen. Hier liegt die ungeheure Bedeutung der Schaffung unserer neuen Wissenschaft. Man muß nur mehr Glauben an sich, an seine Zeit haben, nicht immer nach rückwärts schauen. Die Sechzigerjähre sind uns dafür ein Fingerzeig. Nur darum, weil die damalige Jugend mit der Epoche Nilkotaus I. gänzlich gebrochen hatte, konnte sich die politische und kulturelle Bewegung der neuen Männer behaupten. Wir haben uns von dem Joch der Niikolausepoche, die nicht nur bei uns, sondern in der ganzen Welt herrschte, befreit. Wollen wir hinter unseren Ahnen zurückbleiben und uns an einen dünnen Faden der Tradition klammern? : Nein, das wird nicht geschehen. Wir wollen das Alte von uns abschütteln, wir wallen mit einem selbständigen Bewußtsein an die neuen Lebensformen, an ihre allmähliche Rationalisierung entsprechend den neuen allgemeinen Voraussetzungien herantreten. Das Schaffen des Neuen fordert neue Formen, wir wollen das nicht vergessen. Das Neue hat die siegreiche Klasse schon früher durch die Arbeit für ihre Befreiung geschaffen. Jetzt ist der Augenblick gekommen, in dem sich d£ Arbeiterklasse mit der Wissenschaft verbündet, ein Bund, von dem Lasalle geträumt hat. Wenn wir uns auch in in vielem irren, wichtig ist, die allgemeine Richtung zu treffen, und die ist schon gehmden. Entsprechend dieser Richtung miis.en wir alle unseren kleinen Arbeiten lenken, die Gebiete berühren!, von denen oben dk> Redo war. Die wirtschaftliche Entwicklung des jüdischen Volkes. Von Ber Borochow. (Schluß.) Zum Glück ist die Ausstoßung der jüdischen Arbeiter keine plötzliches Erscheinung, sondern ein dauernder Prozeß. Die jüdischen Weber, Schuhmacher, Möbeltischler, Tabakarbeiter, Naphthagrubeuarbeiter werden in Europa nur longsam durch nichtjüclische Arbeit ausgestoßen. So brachte das Eindringen des Damphvebstuhles in Lodz und in Bialystok die christliche Arbeit statt der indischen mit sich und die jüdischen Weber sind dort so gut wie verschwunden. Eine ähnliche Evolution' machte das Schuhmacherge - werbe in Warschau und in, Odessa durch; der Uebergang vou der Handarbeit -zur Maschinenarbeit bedeutete den Uebergang von der jüdischen Arbeit zur christlichen. Die großen russischen Tabakfabriken sin'd fast ausschließlich zur christlichen Arbeit übergegangen. Von den Naphtbiigruben in Boryslaw bei Drohobicz (Galizien) {Wurden, die Juden vertrieben. Gleichzeitig finden aber die Juden ander» Beschäftigungen, emigrieren nach allen möglichen Ländern und gründen dort neue Industrien. Aber auch in den Eiiiwanderungsländern macht sich das Ausstoßungsgesotü geltend. Wir gründeten lu England eine große Konfektionsindustrie nach dem Prinzip der Arbeitsteilung. Das Ende ist, daß der jüdische Arbeiter dort durch christliche Mädchen ersetzt wurde. Auch Amerika verdankt seine ganze Bekleidungsindustrie dem jüdischen. Fleiß, und das Resultat ist, daß diese den jüdischen Händen immer mehr entgleitet. Langsam, Schritt für Schritt, verringert sich der Prozentsatz, der jüdischen Arbeiter in der amerikanischen Bekleidungsindustrie; dagegen wächst die Zahl der italienischen, polnischen, litauischen und irischen Arbeiter. Bisher haben wir gesehen,, daß die jüdische ökono - mische Struktur an einer Krankheit leidet, die „Naturentt'remduug" heißt. Dies ist ein. historisches, also stilles, chronisches Leiden. Mit einem chronischen Leiden kann man lange leben1; der jüdische Volkskörper schleppt sein Leiden schon seit zwei Jahrtausenden. Doch hat uns die marxistische Analyse zu einem anderen, schlimmeren Resultat geführt: wir sehen, daß in der modernen, kapitalistischen Gesellschaft diese jüdische Krankheit durch die Ausstoßung kompliziertere und gefahrvollere Formen annimmt. Die tausendjährige Krankheit hat statt der stillen chronischen, die akute, fieberhafte Form angenommen. Die historische Unmöglichkeit des jüdischen Goius* loben ist der Exterritorialisnuis, das Entrissenem von Grund und Boden. Diese Eigentümlichkeit, diese abnorme, krankhaft Erscheinung mußte in der kapitalistischen "Desollsc-liufi einen iH'luuhatwn Charakter annelunen.

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