Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 4 (29.1.1921)
- Date
- 1921-01-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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NR. 4 Hntu ickluug hat .sie jeecbch -- unter Vergrößerung m ilii-om wahren LMnV crozrMgt. Mit der üriimhin.sj: dm' solb.stämliiron W'ommunisHsclioii i'.niti [Iniions ist dos Fundarnonl zu dem Aufbau einer zielsicheren Diktatur des italienischen Proletariats irelro-t. Oh inii SriTMti nd««r «r.'iron Um -i«> wird vcrw'irklirhf werden. Der Einigungsparteitag der Kommunisten Deutschösterreichs. Der Jahresbeginn 1921 steht im Zeichen zweier großer geschichtlicher Ereignisse, die für die weitere Entwicklung der sozialen Umwälzung bestimmend und ausschlaggebend sind: des Sieges der Revolution in Rußland — der Reaktion in allen anderen Landern! So und nicht anders lautet das Fazit der Revolutionsjahre seit dem Zusammenbruch des nissischen Zarismus und des Imperialismus der Zentralmächte: die jetzige politische Weltlage bedeutet das Aufgeben der Offensive der Weltbourgeoisie gegen Räter ußlaiul und ihren verschärften Kampf gegen das eigene ,.völkische" Proletariat. Somit scheint der strategische Plan des imperialistischen Kapitalismus von Grund aus geändert zu sein: nicht mehr soll die Niederlage der sozialistischen Republik die des Weltproletariats besiegeln — die Nfederschmettertmg der Arbeiterschaft „im eigenen Lande" soll der Bourgeoisie aller Staaten den siegreichen Angriff gegen Rußland vorbereiten und sichern. Da alle Söldnerheere an dem eherneu Wal! des russischen Proletariats zerschellten, «sollen die „gezähmten Volksheere" nach der Zerrnürbung und Zerschmetterung der Arbeiter mit besserem Erfolge verwendet werden. Von diesem Gesichtspunkte aus ist die Flut der Reaktion, die sich jetzt über alle vier Erdteile — die rote Trutzfeste des Weltproletariats ausgenommen — ergießt, nur das Gegenstück zu der Nichtintcrventionspolitik der Entente in Rußland. Der Generalangriff, den die amerikanische Bourgeoisie gegen ihr eigenes Proletariat aufgenommen hat und dessen Fortsetzung in England imd in den romanischen Ländern sich bereits deutlich bemerkbar macht, ist riur der Auftakt zu der großen Offensive des Kapitalismus gegen die organisierte Arbeiterschaft. Denn es ist für die Herren aller Länder nunmehr klar geworden, daß es mit ihrer Herrschaft vorbei ist, wenn das durch den Weitkrieg revolutionierte Proletariat nicht auf den früheren Stand der Macht 1 o sigk ei t gedrückt wird. Die jetzige wirtschaftliche Krise läßt den Augenblick des Kampfes als günstig gewählt erscheinen, um die große Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit in den Staaten der bürgerlichen - Diktatur "für diese zu entscheiden. Von diesem Gesichtspunkte aus 'betrachtet, erhält die Einigwmgsaktion der Kommunisten in Europa und A m e r i k a, wie sie auf den verschiedenen Parteitagen zum Ausdruck kommt, eine ganz besondere — nicht z u f ä 11 i g e, sondern s y m ptomatische und notwendige Bedeutung. Die nahe bevorstehende Vereinigung der Kommunisten Englands und der Tschechoslowakei, die vollzogene Einigung der deutschösterreidiisch'en Kommunisten, sind nur die Ringlein einer Kette, die nunmehr von der Avantgarde des revolutionären Proletariats zur Abwehr des Angriffes der Weltbourgeoisie geschmiedet wird. Die Kämpferrei'h'en [werden gerichtet und geschlossen, die proletarischen Vorposten gefestigt und ausgebaut. Gerade dieser letzte Einigungsparteitag unserer deutschösterreieWischen Genossen liefert die besten Beweise dafür, daß der Zusammenschluß des proletarischen Vortrupps nur in Flammenzeichen den bevorstehenden Endkampf verkündet. Besonders scharf kam diese Tatsache in den Referaten der Genossen Tomann und Koritschoner über die nächsten Aufgaben der Partei, bzw. über die Anschlußfrage zum gaben lückenlos, daß auch die kommunistischen Ge- Ausdruck. Die daran anschließenden Debatten ernossen aus der Provinz und den Betrieben den Zentralpunkt des zu lösenden Problems vollständig erfaßt hafcen: welche Funktion ■ und Rolle muß das deutschösterreichische Proletariat in dem bevorstehenden Kampfe zur Abwehr des Angriffes der bürgerlichen Reaktion erfüllen, welches sind insbesondere die taktischen und strategischen Aufgaben, die sein Vortrupp, die gesamte kommunistische Partei, im Hinblick auf geographische, wirtschaftliche und politische Lage des Landes und — nicht zuletzt die hier gegebene Existenz der stärksten sozial-opportunistischen Partei, der dsutschösterreicli'isch'en Sozialdemokratie, ihrer geschichtlichen Lösung zuführen muß. * * * Bei der Eröffnung des Parteitages sind 118 Delegierte der K. P., 50 Delegierte der Linken und 6 Delegierte der Tschechen anwesend. Nach der Eröffnungsrede des Gen. Wertheim, der ein Manifest an das internationale Proletariat vorlegt, in welchem mit markanten Strichen der Sieg des russischen Proletariats und die Aulrichtung der kommunistischein Einheitsfront in den Ländern Zentral- und Westeuropas gezeichnet wird, wird d:e Solidaritätskundgebung für das ungarische Proletariat als Ansage der Sühneaktion einstimmig angenommen. In seiner Begrüßungsrede beleuchtet sodann der Gen. Stöcker .von der K. P. Deutschlands die allgemeine politische Lage und den sich von Tag zu Tag verschärfenden Klassenkampf, dessen Zeichen in allen Län der a auf Sturm stehen: olle Probleme und Fragen müßte i unter dem Gesichtswinkel der Förderung der Weit.evolution betrachtet und gelöst wer- FREIE TRIBÜNE den. Er kennzeichnet auch die neueste A\ache der Sozialunabhängigen, die internationale Zweieinhalb, als eh Zwittergebilde, dem kein allzu "langes Leben beschert sein w,rd. In seinem Referate über die nächsten Aufgaben der Partei hebt Gen. Tomann zunächst die Schwierigkeiten hervor, mit welchen die kommunistische Partei DeutschösUrre:chs bei ihrer Gründung und Entwicklung zu kämpfen halte. Nun ist die kritische Zeit überwunden und die Vereinigung mit der Linken bildet die Grundlage, auf welcher die Massenorganisation aufgebaut werden müsse. Die Lösung praktischer Tagesförderungen müsse unbedingt angegangen und als Propagandamitte! ausgenützt werden. Die Erfassung des Landproletariats und des Kleinbauerntuma ist hiebet die notwendigste Voraussetzung. In der im Namen des Parteivorstandes von dem Referenten vorgelegten Resolution wird insbesondere die Taktik der sozialdemokratischen Partei in der bürgerlichen Republik untersucht und unter anderem das Steuergesetz als eine ihrer bezeichnendsten Schöpfungen gewürdigt. Die Koalitionspoliiik wurde durch die Demission der Sozialdemokraten gekrönt, „doch gab der Ausgang der Wahlen der Bourgeoisie keine einzige Machtposition, deren sie sich nicht bereits bemächtigt hat". Weiterhin fordert die Resolution die Ausnützung des Arbeiterrates zur Revoluttionicrung der Massen: es gilt selbst den menschewistischen Arbeiterrat aufrechtzuerhalten als Zentrum des Widerstandes, als Organisation des Gesamtproletariats". Gen. Koritschoner. hat den Fragenkomplex des Anschlusses an Deutschland und des von \Vestungain an Deutschösterreich in einem ausführlichen Referate behan^ delt. Seine Ausführungen gaben in prägnanter. Form die Leitlinien an, welche für die Lösung des ArischluBproblems ausschlaggebend sind. Der taktische Gesichtspunkt des Abwehrkampfes gegen die zum Angriffe übergehende Bourgeoisie Deutschlands und Ungarns, die Notwendigkeit der geographischen Durchbrechung der konterrevolutionären Front wurde von ihm besonders hervorgehoben. Demgegenüber „ist es eine Illusion, eine t r ü ge r i s c h c ~111 u s i o n, zu glauben, wir würden durch den Anschluß a n Deutschland i r - g e n d w j e unsere politische Machtposition stärken". Ein nicht zu unterschätzendes Moment ist weiterhin, daß der Anschluß an Deutschland den an jede einzelne neu entstehende Räterepublik in den Nachbarländern, wie z. B. in der Tschechoslowakai, unmöglich mache. Der Schaffung einer einheitlichen deutsch-tschechischen Kommunisterifront in dieser Republik wird hierdurch sicherlich Elinha.lt geboten. Die Resolution des Gen. Koritschoner (der Mehrheit des Parteivorstandes) fordert demgegenüber den Anschluß Wcs*ungarns, ,,um das Proletariat Westungarns in unseren Kampf mit dem internationalen Kapitalismus miteinzubezichen'*, — „um vor allem aber der Arbeiterklasse des bei Horthg verbleibenden Gebietes durch dessen bewirkte Macht- und Prestigeschwächung die ersten revolutionären Aktionsm ö g 1 i ch ke i ten zu bieten".--In der Debatte hat Gen." Friedländer im Namem der V o r s t a n d s m i n o r i t ä t den Anschluß an Deutschland verlangt, weil „Deutschlandviel größere Möglichkeiten zur Errichtung und Autrechterhaltung ejner Räterepublik hat". Andere Genossen haben sidh .sodann für den Standpunkt der vollständigen „revolutionären Neutralität" ausgesprochen, um die Anschlußiosungeti der Sozialdemokratie desto besser als Ablenk ungsmanöv e r zur Besänftigung der revolutionären Gätfirung der Massen zu brandmarken. — Bezielicihnend ist, daß die ganze Diskussion nur von dem einen Gedanken, der Ausnüzung der revolutionären Möglichkeiten, getragen und bestimmt wurde. Dies hatte auch schließlich den Ausschlag für dje Resolution Koritschoners gegeben, die somit zum Beschluß erhoben wurde. Auch die weitere Debatte über die „Arbeiterräte und die Gewerkschaften" (hat die ungeheure Kompliziertheit und Schwierigkeit der Fragen, die ihrer Lösung durch die geeinte K. P. Oe. harren, in klarem Lichte dargelegt. Gem. Friedländer hat in seinem Referate zumachst die jetzige Bedeutung der Arbeiterrätc eingehend untersucht, wobei er das Erstarken des Rätegedankens in der Arbeiterschaft trotz der praktischen Passivität und Sabotage der von der Sozialdemokratie bevormundeten Arbeiterräte hervorhebt. Es ist demnach die taktische Aufgabe der kommunistischen Fraktion, in den Arbeiterräten sachliche und positive Arbeit zu leisten: in den Ernährungs- und Wohnungsangele genhejten, in der Kontrolle der Waffen- und Munitionstränsporte. Vorbedingung hiezu ist das geschlossene Vorgehen in allen Fragen. — Dem trägt auch Rechnung das von dem Referenten vorgelegte Fraktionsstatut, das von dem Parteitag angenommen wird. Ueber die Gewerkschaften und Betriebsräte referierte Glass: ,,d,]e vergangenen Monate haben gezeigt, daß es uns bereits gelungen ist, große Massen von den Gewerkschaftsführern zu trennen. Auf dieser Grundlage muß das weitere Aktionsprogramm entwickelt werden: „unter Erhaltung der E f n h e i t s f r o n t der G e w e r k s c h a ften müssen wir im Sinne des proletarischen Klassenkampfes, der proletarischen Revolution, die Gewerkschatten erobern." Der Betrieb ist sodann als der gemeinsame Boden zur Zusammenfassung aller durch das Kapital ausgenützten Werktätigen, der Angestellten und Arbeiter, manueller sowie geistiger, aufzufassen, umihre einheitliche Organisation zu bewirken. Mit der Annahme der hier zitierten Thesen über die Gewerkschaften wurde die Hauptarbeit der Konferenz in ihrem theoretischen Teile erledigt. Als die praktische Ergänzuna des hierdurch festgelegten Aktionsprogrammes muß noch das Referat über das Organjsationsstatut und der daran sich knüpfende rege Meinungsaustausch der Konlerenzfmitglieder bezeichnet 'werden. Auch die Resolutionen über die Presse, die Frauenarbeit und das Verhältnis zu der Jugend fanden erst nach einer gründlichen Aussprache ihre Annahme. Somit bot der Parteitag in seineu durchgeführten Arbeiten das einheitliche Bild der zielklaren und kampfwilligen Entschlossenheit der kommunistischen Avantgarde des' deutschösterreichischen Proletariats, im gemeinsamen Schaffen und Kämpfen für die Sache der Weltrevolution nicht zurückzubleiben. * Im Namen unserer Partei hat Gem. Mich. Kohn die Konferenz begrüßt. Er gab seiner festen Zuversicht Ausdruck, daß die Einigung der revolutionären Arbeiterschaft im Zeichen der III. Internationale die beste Gewähr sei, daß der Endsieg uns zufallen müsse. Wir wissen wohl, daß auch der unter unserem Banner organisierte Teil der jüdischen kommunistischen Arbeiterschaft bej diesem Endkampfe nicht fehlen wird, daß er Schulter an Schulter mit seinen Brüdern um die Sache des WeltproJetariats streiten und — siegen wird. Das jüdische Proletariat hat kein anderes Ziel und keinen anderen Weg als' das Gesamtproletariat: den We I t' bund der Sowjetrepubliken durch die proletarische We 11 r e v o h\ t io n. Unvermeidlich ist daher, daß wir uns nicht mehr begnügen mit der bisherigen treuen Kampfgenossenschaft mit der K. P. Oe., sondern daß wir unseren Willen durchführen, uns mit der Laudespartei .........._......._..........si-ir^3 ais ihre jüdische Sektion zu verschmelzen. Dem jüdischen Proletariat sind noch besondere Probleme gestellt, die seine,- eigenartigen sozialen Lage entspringen. Obwohl sie nur der Ausdruck alltäglicher Nöte sind, deren Befriedigung nicht (Sie sofortige Ausrufung der Räterepublik herbeiführt, müssen sie doch gelöst werden, wie wir ja gelernt haben, jn allen aktuellen Fragen des Proletariats einzugreifen, in den. Gewerkschaften und im Parlament zu wirken, weil wir eben das Proletariat durch den Kampf um seine Alltagsforderungen schulen, es zum Endkampf einreihen müssen. Semen Kampf könne das jüdische Proletariat nur im Rahmen der internationalen proletarischen Organisation führen. Darum hoffe unsere Parteileitung, daß die Vereinigung unserer Parte; mit der nunmehrigen K. P. 0. bald durchgeführt saia werde. RUNDSCHAU. Der Kampf und den „freien Betrieb" in Amerika, Wie der Weltkrieg einst die „neutralen" Länder in den Wirbel seiner Orkanstürme hineingezogen und ihnen die Rolle des lachenden Dritten wohl verwehrt hat, so läßt such auch die Krise des Kapitalismus nicht auf Ländergrenzen beschwören, sondern marschiert, siegreich, durch di« ganze Erdkugel Sie spottet auch höhnisch der Monroedoktrin und zahlt mit Zinsen an Amerika zurück, was dieses an Europa getan hat! Kein Zweifel, daß der amerikanische Kapitalismus den Krieg gegen Deutschland nur zur Deckung seiner Investierungen bei der Entente begonnen hat, um seine Schuldner und somit sich selbst über Bord zu halten. Dieser Augenblick der militärischen Intervention war aber zugleich der Umschwung, der das reine Business des Jankees in ein kost** spieliges und gefahrvolles Spiel verwandelte. Zwar hatte, sich die Lebenslage der amerikanischen Bevölkerung infolge des Aufblühens der Kriegsindustrie, die den ganzen Bedarf der Ententemächte 'an Munition und Materialien zu decken hatte, wesentlich gebessert, die Löhne der Arbeiter waren um 100 bis 200 Prozent vergrößert worden, die Steigerung der Lebensmittelpreise dagegen hielt anfänglich mit der Erhöhung der Lohnskala nicht Schritt. Doch1 hatte siehe dies mit efnem Schlage geändert, als die ersten amerikanischen Divisionen über den Ozean hinübergeschickt wurden. Di* größere Inanspruchnahme der Tonnage für die Kriegstransporte, die allgemeine Mobilisierung, die viele Arbeiter dem Betrieb entzog, wobei die Kriegsindustrie zum Schaden der lebensnotwendigen Produktion geschont wurde, nicht zuletzt der aufblühende Kettenhandel im Inlande hatten bald zur Folge, daß auch Amerika alle Segen der kriegerischen Aktion am eigenen Leibe erfuhr. Die Preise der Lebensmittel begannen bald mit Riesensprüngen dje Löhne zu überholen, sie" verdrei- und vervierfachten sich im Vergleich mit den Friedenspreisen und wurden für die Mehrheit der Arbeitenden unerschwinglich. Die Rückkehr zum Friedenszustand zeitigt in Amerika gewaltige ökonomische Krisen, die von elementaren Streiks cier Arbeiterschaft gekennzeichnet werden. Die gelben Gewerkschaften, die im Kriege eine ungewöhnliche Stärkung in Mitgliederzahl und Kapitalien erfahren haben, suchen zwar auf dem Wege der A r b e i t s g e m e i n s c h' a f t der sozialen Spannung die Spitze abzubrechen, doch können auch iüire Bemühungen nicht an der stets wachsenden Arbeitslosigkeit und der Verelendung der Arbeiterklasse ändern. So seihen sich die großen Trusts der Kotilen-, Nap'hta- und. Stahlmagnaten schließlich zu einer radikalen Wendung und Aktion genötigt: unter der Lösung der freien Betriebe (open s'hop) nehmen sie auch den Kampf gegen die Gomperzgewerksehaften auf und verwerfen entschieden das Prinzip der Arbeitsgemeinschaft. Von nun an wird zum Gebot der erwähnten Unternehmungen gemacht, daß keine organisierten Arbeiter in ihren Betrieben beschäftigt werden dürften. .; Die Führung in diesem Kampfe zwischen Kapital and Arbeit liegt in den Händen der beiden größten Stalhitrusts der Neuen Welt, die aber ihre Kontrolle auf den ganzen Arbeifsimarkt erstrecken. So wurde über ejne Anzahl der Unternehmungen, die die Aussperrung der organisierten Arbeiter nicht durchführen wollten, die Boykottiereng der Trusts verhängt. So-herrlich weit haben es die Gomperz- Je u t e am Ende doeih gebracht. Fast selbstverständlich ist es, daß der Kampf um die „freien Betriebe" im Lande des rollenden Dollars — nun eben unter dem Zeichen der demokratischen Freiheit geführt wird. „Der Arbeiter soll sich frei betätigen können", erklärte unlängst ein Trustianer, „deshalb dürfen wir keine Gewerkschaffen dulden, die ihn und uns vergewaltigen". Als Gegenstück dieser Demokratie und Freiheit wird freilich zum Schutze der Streikbrecher, die den Kampf gegen die gewerkschaftlich Organisierten durchführert. sollen, eine Armee von bewaffneten Garden und Detektiven aufgeboten, die Bestechuiigsgekier der Beamten und der Streikbrecher erreichen das Drei- und Vierfache der gewöhnlichen Arbeitslöhne und zuletzt entfaltet die ganz>e bürgerliche Presse ejne fieberhafte Propagandaaktion ...... „für die Freiheit der Arbeit". Doch zeugt das Vabanquespiel der amerikanischen Ka- . pitalisten nicht so sehr für ihren persönlichen Mut, als für die Hoffnungslosigkeit der Wirtschaft, die sie beherrschen wollen. Die unaufhaltsame Vergrößerung der Arbeitslosenlarmee. die sich trotz der Reduzierung der Arbeitslöhne in stets steigendem Maße vollzieht, wird den überspaunr t«n Bogen des Kapitalismus zum Brechen bangen. Polen. in der allgemeinen Weltwirtschaftskrise bildet auch Polen keine Insel der Seligen. Das Land, das im Weltkrieg* den Invasionen aller Heere ausgesetzt war, ist auch nach dem „Frieden" von Riga zum Tummelplatz weiterer nationaler und sozialer Kämpfe 'geworden. Die reaktionär-chauvinistische Nationaldemokratie, die stärkste Partei des Bürgertums knüpfte bei der Entstehung des unabhängigen Staates soforL*an den alten Gedanken des poiniscnen „Messiantsmus" an und wählte diesmal als Objekt ihrer schamlosen Raubpolitik die historische Sendung, Europa vor der roten Gefahr des Bolschewismus zu beschützen und zu bewahren. Der Mangel jeder auch halbwegs sachverständigen Finanzpolitik brachte es dahin, daß der Notenumlauf im Lande die ungeheuerliche Summe von 50 Milliarden .Mark erreichte und dfe jährlichen Zinsen der enormen Staatsschuld alle'« 12 Milliarden Mark ausmachen. Mit Mühe werden Baumwollkredite aufgebracht; die Teuerung ist infolge der niedrigen Währung unbeschreiblich gestiegen und wird auch durch die „verständige Zollpolitik" aufs 'höchste verschärft. Die Produktion ist itji allgemeinen auf 25 Prozent der Vorkriegszeit gesunken, so daß große iRrbeitennassea arbeitslos sind. Der «in; ige Produktionszweig, der auf voller Höhe steht und von der Regierung tatkräftigst gefördert wird, ist de; der