Mannheim
Compact Memory

Freie Tribüne · 1921-01-29 · 4 (29.1.1921) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
3 (1921)
Issue
4 (29.1.1921)
Date
1921-01-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2827798-2827799-2827802--464-2828548
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SplTE 2 i'KBIL TRiBÜNt NU. 4 Genosen! Leser! Wir haben bisher unter größten Opfern und mit Aufbietung aller A\ittel der Partei den Preis unseres Blattes beispiellos niedrig gehalten. Unser heißester Wunsch ist es, unser Wort demweitesten Kreise jüdischer Arbeiter zu sagen, auch jenen, die nur schwer einen höheren Betrag auswerfen können. Unsere Verluste werden aber unerträglich. Die Lohnerhöhungen, die im Jänner eingetreten sind, stellen d|,e Existenz des Blattes in Frage und das würde den Verlust der einzigen freien Tribüne bedeuten, von der unsere Ideen, die, Gedanken des kommunistischen Poale-Zion'ismns, den Massen des westjüdischen und des internationalen Proletariats verkündet und s.e zu kommunistischer Tat aufgerufen werden. Aus diesem Grunde sehen wir uns genötigt, d;e Bezugspreise für unser Blatt Ai erhöhen, * wobei es noch amrner im Vergleich zu anderen, und gemessen an seinem Inhalt, unvergleichlich billig bleibt. Von der nächsten Wo:he ab kostet das Blatt jährlich K 91—, halbjährig K vierteljährig K 2-1.—, de Einzel mumm er K 2.— . Diiese Erhöhung wird aber nicht geniigen, um den Fehlbetrag unseres Blattes zu decken und so' müssen, wir Euch Genossen auffordern, mit angespannten Kräften finden Preisfonds zu sammeln und den Bestand Eures Blattes zu sichern. Die Fiedaktion und Administration. Der italienische Parteitag, Ohme Zweite) liojit die Bedeutung des letzten Parteitages clor italienischen sozialistischen Partei nicht so sein' in dein Umstünde verborgen, daß eine bereits der I;ÜIi. rntormitiomtle ungehörige Laudpsorganisa Ii oii gespalten wurde, als darin, — duü t ii r d o i' - h i .n d' e n o i' )" e n e n u u d v e r k a. p p t e n II n n bhängigen Tor und Tür zu der revolutionären Internationale verwchrl wird! Mag auch die Fraktion Serrali, mag auch die von ihr vertretene Tendenz der „gemäßigten KoiMinunisterr*. — wie sie übereinsüm - mend von der italienischen Telegraphenagentur und von der „Arboiter-Zcitung" bezeichnet wird — sowohl die revolutionäre Tradition als auch einen, guten Ted der Kemtruppou des italienischen Proletariats vertreten und bestimmen, so ist und bleibt der Parteitag von Livorno, der über ihre Ausschließung aus der Avantgarde der Wcltrevolutio.n entschieden hat, d o e h eine u n mitte I b n r e u n d 1 o g i s c Ii e F, o r t s e t z u n g d e r K o n f e r e n / der f r u n - ö s i s c h e n 8 o z i a 1 i s t e n i n T o u r s. Diese Zusammenstellung der politischen Truppenschau der Arbeltersehaft der beiden führenden romanischen Völker ist wohl dazu geeignet, auch die scheinbaren Paradoxe und Mißverständnisse, die die verseil e d e n e B o w e r 1 u n g der französischen und .italienischen Unabhängigen durch die Exekutive der Moskauer Internationale hervorgerufen hat, volistän - dig zu beseitigen. Bekanntlich hat auch Serrati zum Haupiarg'nraent seiner .Ausführungen den Vorwurf gegen Moskau gemacht, daß „man in Frankreich mit Erlaubnis der Internationale die Autonomie erzielt hat, die man Italien verweigern will." Bs ist eine unbestreitbare Tntsache, daß die Exekutive in Tours viel mäßigere Forderungen gestellt hat als in Livorno. Ebenso' unbestreitbar ist .jedoch die Berechtigung dieses „verschiedenen. Maßes", wenn man die allgemeina und parteipolitische Lage in beiden Ländern vor - gleicht. Frankreich ist der Vorkämpfer des siegreichen Erltentekapitalismus, sein Proletariat stand und^ steht noch unter der zersetzenden Wirkung des Kriegs Patriotismus und der „Siegeshypnose". Italien hat sich nur „z u i ä 11 i g" zu 'den Feinden der Zentralmäehte bekannt, sein Proletariat ist stets kriegsfeind - lief) und der Koalition mit der eigenen Bourgeoisie abhold geblieben. Upuuiii dies ais ein Verdienst der Gruppe Serratis und Lazzaris in erster Linie betrachtet werden muB. so sind seine Konsequenzen und Forderungen nach dem Sprichworto „noblesse ohlige" auch keine geringen: denn, sie besagen soviel smIumlieh, daß dem italienischen Proletariat in dem W e i - 1 e r i r e i b e n d e r \V e 11 r e v o 1 u t i o n eine \ ei zügliche Funktion und Rolle zufallen muß. Die Fyekufive der 1 IT. Internationale hotte di<> unbedingte Ausschließung von Turati und der ..rete - mistischen Kougregationsanhänger" gefordert. W-r ihre Tätigkeit und ihr Treiben in der Partei- und Ii,' werkschattspolitik der italienischen Arbeitcrschnii kennt, wird diese gesteigerte Rigorosität als n o \ wendig erachten. Denn es ist bezeichnend für du.-; Versagen der Kommunisten während der letzten spontanen Aktion des italienischen Proletariats, während d >r Fabriks- und Betriebsbesetzung, daß es von 'I u rati und der reformistischen Kongregation verschuldet und in der Folge „entschuldigt" wurde. Auch aiie anderen ..Betriebsunfälle" von Serrati sind sicherlich auf die Rechnung der ..sozialistischen Vatcrlandsver'- feidiger" zu setzen. T e r r a z i n i hat es unverhohlen zum Ausdruck gebracht, daß die Rechten t r u t > i h r e r v e r s c h \v i n d e n d e n M i n d e r h e i i bald doch wieder das Heft in Händen halten würden, wenn sie in der Partei blieben. Die Einheit (Ter Partei, die Serrati zur Losung seines Kommunismus erhebt, bedeutet in diesem Faiic i -doch d e n Stillstand "der revolutionären ' -; >' wicklung in Italien; dos Verbleiben der Sozialisier misten in der kommunistischen Partei besiegelt Avi Zersetzung aller revolutionfi ren Kralle oder venu teil sie mindestens zu unnötigem Ballastfragen. Ein anderes Moment, welches jede lokale Bedeuhing weit überschreitet, ist hiebei noch zu. berücksie?itigen. Durch den Beiditkniefall Turatis, welcher nun seine Sünden reumütig bekennt und die Moskauer \> dingungon „mit- Vorbehalt und Disziplin" anerkenn:, wird sozusagen der Sozialpatriotismus in die Mos kauer Internationale mit Stiel und Stengel verpfhin/i. Daß Serrati, der nicht einmal nach Wien zu der 1 n ternationale I T-Vs pilgern will, dennoch seine Partei - genossen vod der IL Internationale „retten1'- wiLi. ist nicht bloß ein schlechter Witz. Es ist eine olfen sichtliche Provokation der russischen Führer des revolutionären Weltproletariats, daß er Arm in Arm mit den demokratischen Sozialisten die Anerkcn - nung durch Moskau erzwingen will, während Longu.-i. und seine Genossen, die doch in Straßburg sich deutlich, von der IL Internationale geschieden hoben, draußen bleiben. Eine Provokation, die das „diktaio rische" Gebaren der Russen ad absurdum führen und allen Unabhängigen die goldenen Brücken der A'er - ständigung zurückaufbauen will. - Deshalb muß die Parteipolitik' Serratis auch, wie oben gesagt, als eine Folgeerscheinung und ein taktisches Gegenstück der Vereinigung der französischen Longuetisten mit ihren Renaudels und Sembats bc - trachtet werden. Der Einheitsrummel der „gemäßiglen Kommunisten", will eben den unliebsamen Zwischen - fall, der nach Halle und Tours sieht ereignete, \v,- hindern: die Zentristen wollen sich die Mühe ei-spa - ren, von der Rechten (wenn auch nur vorübergehend getrennt zu sein, um dann sich wieder mit ihnen zu - .summenfinden rM\ müssen. In der einheitlichen Partei glauben sie den „Erzradikaleu" mit Hilfe der Kviegsso/ialisteu besser" Trotz zu bieten oder wenigstens nicht schließlich in der hoffnungslosen Minderheit zu •bleiben. Ohne Zweifel ist es einer der Hauptgründe, der Serrati bestimmt hat, sieh von ..Seinesgleichen nicht zu trennen. Unter diesen Gesichtspunkten erscheint es uirtbe rechtigt und den objektiven Verhältnissen kaum eu sprechend, daß der „Fall Serrati" von manchen! kommunistischen Genossen zu nachsichtig und zu vc söhnlich behandelt wird. Ganz besonders sind i>. die deutschen Kommunisten, die ihn nur ungern den Unabhängigen mit Leib und Seele ausgeliefert wisse-, wollten. Sicher auch seine Verdienste, wie die Lazzaris um die revolutionäre. Entwicklung und Grgamsie rung des italienischen Proletariats unleugbar^ ohn Zweifel sind viele revolutionäre Kerutruppen uoci unter ihrer erprobten Führung un.d Autorität -- niu-l nach der Gründung der neuen Kommunistischen Pav :ei - geblieben. Dies alles aber nnden an der .'Notwendigkeit der stattgefundenen Spaltung nur wenig! Viele Gründe sprechen dafür. Zunäehsl ist es aus gemachte Sache, daß die bisherige sozialistische Partei Italiens nicht das Geschick ihrer revolutionären Mas -en zu lenken, nicht die Geschichte des Proletariats zu ün'dern vermocht hat oder es zu tun je vermögen würde. Dies war jedoch das Gebot der Stunde, und so mußte eine n c u e akti nusf ilhi^'o und -bereite kommunistische Partei ins Leben, auf den PLu; gerufen werden. Es war keineswegs die fanatische Unduldsamkeit der Moskauer Exekutive, die solches forderte, d i e r e v o 1 u t i o n. ä r e E n 1 w i c k hing d e r M a s s c n gebot e s. Zeugnis hiefür sprechen die 6O.000 Stimmen, die die unbedingten Kommunisten unter Bombacci und Graziadei auf sich vereinigt haben. Soll aber auch jemals das gesamte Proletariat Italiens zur revolutionären Aktion z u s a m m o n g e 1* a ß t werden, sollten auch, die schwankenden Zentristen „von der Blässe des Gedankens" für die Folgezeit befreit werden, so war die. Rxj stenz einer s e 1 b s t ä, n d i g e n k o m m u n i - s tischen Partei auf der Appeninenhalbinsel ein umso höheres Gebot. Wissen wir doch, daß auch in Deutschland die Entwicklung der Unabhängigen bis Halle ohne das Bestehen der K. P. D. mindestens auf die lange Bank hinausgeschoben worden wäre. Die Spaltung der sozialistischen Partei Italiens bedeutet somit ein Fortschreilen der Weltrovoluiion. Be zeichnend ist, wie die Ausreifung der revolutionären Arbeiterschaft in Westeuropa eine solche Stetigkeit und Genauigkeit aufweist, dal keine Durch- "•angspunkte. übersprungen werden, sondern ins Einzelne markiert und sodann ausgelöscht werden. Die ilaiionische Arbeiterschaft hatte seit dem libyschen Kriege von 1912, der sie von allen patriotischen Illusionen befreit hat, einen verhältnismäßig kleinen Weg zu dem Standpunkte des revolutionären Bürgerkrieges zurückzulegen. Die kluge Politik der Führer während des Weltkrieges hatte die Massenorganisierimg vorbereitet und bald nach seiner) Beendigung sie nicht bloß in der Stadt, sondern auch im Dorf vollständig durch, geführt. Die eintretende wirtschaftliche Krise hatte ebenso das Wachstum der politischen Partei und Gewerkschaften wie die Radikalisierung ihrer Mitglieder begünstig^ Seit dem letzten Kongreß von Bologna hat sieh die Anzahl der Parteimitglieder verdoppelt, sie beträgt nunmehr' 216.000, die sich auf mehr als 41)00 Organisationen verteilen. Ungefähr 00 Prozent der Mitgliedschaft sind für die ITT. Internationale und die 21 Bedingungen von Moskau und mehr als die Hälfte treten für den sofortigen Ausschluß der Reformisten ein. Unter diesen Umständen ist es verständlich, dal; auch die italienischen Zentristen viel radikaler sich gebürdeten als ihre Gesinnungsgenossen in anderen Ländern. .Die Stetigkeitsforderung der revolutionären Die Aufgaben der muen Wissenschaft S. Kriwzow. Wir sind uns alie darüber einig, daß die alte Wdt zusammen aeh rochen und daß auf ihren rauchenden Trümmern eine Welt der organisierten Arbelt im Entstehen begriffen ist. Diese erfordert eine ungeheure Anspannimg aller unserer geistigen Kräfte, unseres Wissens. Haben wir jedoch die zur Lösung einer so lebenswichtigen Frage notwendige Erfahrung? Keinesfalls. Denn unser Wissen ist nicht nur Iklassenbedingter Art, sondern auch durch and durch vom Geiste der Schule des Lernens, der Scholastik durchdrungen. Im folgenden möchten wir, ohne uns auf eine Analyse der Wissenschaft der Vergangenheit einzulassen, die Aufgaben der neuen Wissenschaft in großen Zügen kennzeichnen Wir haben eben den scholastischen Charakter der alten Wissenschaft erwähnt, Auf dem Gebiete der Gesellschaft»; wissen schaffen bedingt er die Hypertrophie des Historismus. Und tatsächlich, welche Stellang wir auch bei der Gegenwart einnehmen, jeder von uns muß dach anerkainen, daß wir in einer für den wissenschaftlichen Gedanken himreil'enden Zeit leben. Der Weltkrieg, der alle unsere schultnfißiqen wirtschaftlichen Vorstellungen zertrümmert hat, d.e russische Revolution, die die Epoche der kommunistischem Weltrevolution eingeleitet hat, das alles müßte dte/Aufmerksamkeit eines ernsthaften Forscners fesseln. Es wäre wichtig, daß möglicnst viele dem aufgewühlten, überschäumenden Chaos der Revolution Sinn und Form zu geben versuchten. Geschieht so etwas in Wirklichkeit? Keinesialls. Aengstljch bemünen sich die Vertreter der allen Wissenschaft, vor dem Lärm der Gegenwart m fliehen und in der AUischel einer wissenschaftlichen Belanglosigkeit zu verkriechen. Däz Leben indessen fordert von uns gebieterisch ene Lösung seiner Probleme-, mit grauscr Faust durch Hunger, Kälte und Krankheiten zwingt es uns, das Piooleui des Lebens .in jahrhundert zu lösen. Wir aber, passiv und laui suchen in der Vergangenheit Ebenbilder für d.e Gegenwart und bemühen uns, vor uns und den anderein iestzustellen, {Hfl d-ese oder iane Lebenserscheinung unserer Gegenwart - o, o -ode- \\> guqenhe't ähnlich ist, geben bori.-.c.-'c pi-üsiorna-L-;.:ais::unqc. d e••;H,I; u ve v.\v\\?~\i Jede Zejt aber hat in Wirklichkeit ihren eigenen Charakter., Unsere Uebergangsepo'jhe vom Kapitalismus zum Sozia Limus muß ihr eigenes Gesicht haben. Seit dem Jahre 1917 hat Rußland die Diktatur des Proletariats, und immer noch fehlt es an einer Analyse, an einer Deutung der neuan. mit solcher A'iühe geschalfenen gesellschaftlichen Formen. Wusind im' Banne der alten Formen der Gesellschaft und ihrer Einrichtungen und sind darum unlähäg, weiter zu bljekan. Es sind zwar Fakultäten für Gesellschaftswissenschaften geschaffen, jedoch bemüht sich jeder Lehrende, die Gegenwart mit ihren unaufschiebbaren Forderungen zu vermeiden. Es kann nicht so weitergehen. Wir müssen den Kre's, in den wir eingeschlosseai sind, sprengen. Unser Leben baut sich jetzt auf Grundlagen auf, die denen der Vergacigenheit in keiner Weise ähnlich siad. Deshalb bemerkten wir oben, daß der übertriebecie Historismus für uns schädlich ist; denn ihm verdanken wir es, daß wir nicht die neuen Schößlinge Bemerken, d:e die Revolution emportrieb und die in keiner Weise dem Vergangenen ähnlich sind. Und doch ist das Neue für jeden wissenschaftlichen Forscher interessanter als das Alte. Es wäre doch komisch, von der Astronom'e zur Astrologie, von der Chemie zur Alchemie und zu den Vorstellungen über die Materie, die die Menschheit bis zur Entdeckung der radioaktiven Stoffe hatte, zurückzukehren. Eine solche Rückkehr bemerken wir jedoch auf dem Gebiete der Gesellschaftswissenschaften. Angefangen von der Losung: „Zurück zu Lasalle, zurück zu Kant" gehen wir immer weiter rückwärts. Die Revolution hat uns in Rußland alle Archive zugänglich gemacht. Alle, die mit diesen Archiven in Berührung kamen, erklären einstimmig, daß sie Offenbarungen bieten, wie man sie sich kaum denken könne. Diese Archive geben uns die Möglichkeit, die Stärke und die Schwäche der russischen Revolution richtig abzuschätzen. Und trotzdem stehen wir noch immer auf demselben Fleck. Abgesehen von einigen kle'nen Abhandlungen, ist die ganze Menge des Archivmaterials kaum in Angriff genommen worden Es wäre aber gut, an sie mit der neuen Methode heranzutreten. Diese neue Methode bietet uns der revolutionäre Marxismus. De Herren Bourgeois kannten deren Kraft gaiu vorzüglich., und d2Shalb versuchten sie, den Marxismus zu Beginn des Kr eges mit so viel Pomp z.\ begraben, indain sie ihn als ejne deutsche Waffe des imperialistischen Willens zur Macht hinstellten. Jetzt wissen wir, warum die Krtegspublizistik Piechanows. b?'!-»e-;e'i«gen Herrschaften ein solches Entzücken erregte, die bis dähin nicht ohne Schaudern seinen Namen hören konnten;; das wahre Gesicht dieser Herrschaften zeigte sich m Denikms und Koltschaks Lager. Unserer Ansicht nach haüen wir also schon jetzt die richtige Arbeitsmethode. Der Marxismus ist noch gestählter aus dem Fegefeuer des Krieges hervorgegangen, denn nur mit seiner Hille war es möglich, wenn auch schematisch und flüchtig, den Weg aufzuzeigen, den die russische und die Weltrevolution genommen haben. Das darl man niemals vergessen. Mit Hilfe dieser Methode können wir uns in dem Wirbel der Ereignisse, die um uns geschehen und au denen wjr beteilig! sind, zurechtfinden, Noch eines muß man sich zum Zwecke einer fruchtbaren Arbeit in dieser Richtung merken: Die alte Schule hat uns daran gewöhnt, den Bildungsgrad, eines Menschen nach der Zahl der von ihm gelesenen Bücherseiten, der von ihm durchgemachten Kurse und bestandenen Prüfungen zu beurteilen. Aber gerade dieses ist unwesentlich. Wie oft hört man Klagen darüber, daß an einer Universität irgendein Kurs nicht vollständig durchgeführt wurde. Ist denn das wichtig? Einen erschöpfenden Kursus zu halten, gibt es keine Möglichkeit; wichtig ist, daß der Lehrende in den Prozeß seiner wissenschaftlichen Arbeit einführt, daß er in seine persönlichen, mit verschiedenen Arbeitsmethoden gemachten Erfährungen einführt. L»ider wird nicht eine solche persönliche Erfahrung dem Hörer geboten, sondern umd(e Erfahruna der Vergangenheit, gegen die sich schon < der Dichter Niekrassow so bitter empörte. / Die Probleme und die Methoden ihrer Lösun/g sind also oegeben, es (heißt nun, an die Lösung heranzutr/etea. Dann ist eine neue Form der Organisation der geistigen Arbeit notwendig, und diese Form (hat das Leben schom geschaffen. Huf die initiative der Proletkulte (hin tritt die Firm der Laboratöriumarbeit auf dem Gebiete der Wissenschaft überall ins Leben. Das Bezeichnendste an ihr ist die Aktivität aller Beteiligten und der Versuch des kollektiven Schadens. Das erste ist noch ganz ungewohnt. Ich weiß noch, y.n welches Erstaunen uns seinerzeit die Antwort Kljutsodiewskis auf die Frage, wie man arbeiten' solle, versetztos: „Arbeite dich selber durch!" sagte er. Aktivität und Selbständigkeit wurden an den Mittel- und den Hochschule^ nur so weit geduldet, als sie nicht dem vom Herrn Professor gutgeheißene^ System und Lehrbuch widerspricheil. i (Schluß folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.