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Freie Tribüne · 1921-01-21 · 2-3 (21.1.1921) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
3 (1921)
Issue
2-3 (21.1.1921)
Date
1921-01-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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NR. 2-3 FRBIE TRIBÜNE SEITE 3 Preisabbau und Produktivität. Jeder der dem ABC der Volkswirtschaft nicht fremd ist, kennt die Binsenwahrheit, daß in der kapitalistischen Wirtschaft die Preise sich immer nach dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage regeln. Das Warenart £ebot hängt aber in einem Lande, das keine Einfuhrmöglichkeit hat, einzig und allein von der Eigenproduktion ab. 2ur Zeit des Krieges mußten sich die besitzenden Klassen in Stadt und Land verschiedene Einschränkungen gefallen lassen. Zweckproduktion, Lieferungskontingente und Höchstpreise, was man als „Kriegszozialismus" bezeichnere. Nach dem Zusammenbruch des Militärstaafes, als die Bourgeoisie angesichts der Lethargie des Proletariats Morgenluft witterte, begann sie die aufgezwungenen Sdirankenzu durchbrechen und forderte „das freie Spiel der Wirtschaftkräfte" worunter nur die Freiheit der ungestörten Brandschatzung der Bevölkerung ver* standen werden kann. Tatsädilich werden all^ Lieferungs¬ und Preisvorsdirifteu der Behörden seitens der agra* rischen Urproduzenten hohnvoll übertreten oder urrw gangen. Noch mehr! Wohl wissend, daß eine wirkliche Verbilligung der Lebensmittel angesichts der Entwertung unseres Geldes und der daraus resultieren^ den Unmöglichkeit der Einfuhr von Lebensmitteln, nur durdi die Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion (Erhöhung des Angebotes) bewirkt werden kann, sabotieren die Agrarier und ihre berufenen Ver~ treter alle Maßnahmen die zu einer Prodiiktionssteigerunfuhren könnten. So haben die Bauernvertreter beispiels* „weise den Austausch der degenerierten heimischen Saatikartoffeln durch gesunde holländische oder schottische ab* -gelehnt. Der Vorstand der landwirtschaftlichen Zentralstelle Dr. Geßmann verteidigt die Schleichhandel treibenden Wirtschaftsbesitzer und erklärt, von einer Erhöhung der Produktion könne nur nach einigen Jahren die Rede sein. Genau so wie einst die Pflanzer in Südamerika ganze Schiffladungen ins Meer versenken ließen, um eine Verminderung der Wucherpreise durch Erhöhung des Angebotes zu verhindern, wehren sich auch unsere biederen Bauern gegen jeden Versuch, die Erzeugung von Lebensmitteln zu vermehren. Die Regierung der bürgerlichen Republik, welche ihre Gewalt nur gegen demonstrierende oder streikende Proletarier gebraucht, hat sich gegenüber den Auswu* ehern in Industrie und Landwirtschaft aller Macht begeben. Sie erschöpft sich in wirkungslosen Appellen und ergebnislosen Enqueten. Gegenüber den immer stärker anwachsenden Staatslasten weldie zum größten Teil aus den naturgemäß immer höhere Dimensionen annehmenden Löh«* un d Gehaltsforderungen der Staatsangestellten bestehen, ist die Staatsverwaltung auf ein wahrhaft salomonisches Auskunftsmittel' verfallen. Die Gehalts-' Zuschüsse die angesichts der Teuerung den jtaajs arbeite™ gezahlt werden müssen, sollen den Taschen der Arbeiter welche selbst einen fortwährenden Lohn kämpf führen entnommen werden. Man muß sagen, das ist der Weisheit höchster Schluß. Ein volkswirtschaftliches Perpetuum mobile. Daß die Sozialdemokraten diesem Gesetz unter der Devise: „Rettet die Republik!" Pate gestanden sind, spricht nicht für das Gesetz, sondern gehört in die Naturgeschichte mensche* wikischer Entgleisungen der „berufenen Vertreter der Arbeiterklasse". Steuerfreier Profit — besteuerte Arbeitskraft. Unsere Volkswirtschaft müßte, angesichts der Un* möglichkeit einer Versorgung durch den Weltmarkt, von strengen autarkischen Grundsätzen geleitet sein: Restlose Erfaßung des vorhandenen Volksvermögens, Haushaltung, mit dem Vorhandenen, Erhöhung der Produktivität d. h. Vermehrung der Arbeitsmittel und der Arbeitskraft. Weit entfernt, überhaupt irgend welche planwirtschaftlichen Probleme in Betracht zu ziehen, ist die Staatsverwaltung zum Spielball der parasitären volksauswuchernden Schichten geworden. Offen wird erklärt, das Einkommen der Schieber und Kettenhändler könne nicht ermittelt werden, was für den Handelsstand in hohem Maße Steuerfreiheit bedeutet. Restlos kann in diesem Staate eben nur der Arbeitslohn des Proletariers erfaßt werden und so legt denn der Staat seine Hand darauf, bereit, dem Arbeiter das letzte Stück Brot vom Munde zu reißen. Wir haben eingehend dargetan, daß die jetzt gezahlten Arbeitslöhne lange nicht zur Erneuerung der Arbeitskraft ausreichend sind. Diese Hunger löhne noch besteuern, hieße mit dem kostbarsten Gut, das uns geblieben ist, mit der Arbeitskraft d e s V o 1 k e s, S ch i n d 1 u d e r treiben, hieße mit dem Holze heizen, aus de m u n s e r e H ü tt e gezimmertist. Wenn die besitzenden Klasseu in ihrem k 1 a ss e n wa h n s i n n i g e n Eg o is m u s b e r e i t sind selbst die Arbeitskraft des Volkes zu zerstören, so ruft ihnen das Proletariat einentschiedenes Halt! entgegen, denn es ist die Kraft, die „das a 11 e mo rsch e Di ng,den S taat", zur freien kommunistischen Gesellschaft jung hämmern wird. R. G. Niedriger hängen! Unsere „Rechten" nämlich. Auch diese Aufgabe muß von uns in Kauf genommen werden und mag sich mancher Genosse (selbstverständlichervveise) gegen drei elfte Herkules'arbeit sträuben — sie muß gelöst werden. Denn die Erscheinung, die wir zu analysieren haben, bildet einen typischen Fall, ein charakteristisches Beispiel, das sich sicherlich nicht bloß auf „unsere Rechten" beschränkt. Für uns Poate-Zionisten war sie freilieh seit langem, seit dem bekannten Kriegsregime unseres „hinausgetretenen" Verbamisbüros ein groteskes Schauspiel, an dem die Mehrheit unserer Genossen desto Verständnis- und bewußtloser hing, je mehr es — das Verband sbüro nämlich — „über allen Wolken hing". Die Affenkomödie der hohen Politik, Diplomatie, Konventikel' und Denkschriften, an denen sich unsere ehemaligen „berufenen" Vertreter der zweitjen Internationale nicht genug tun und lassen konnten, scheint indessen so sehr zu dem Charakterspiel unserer Rechten zu gehören, daß sie sich darin( völlig erschöpften. Von dem Stockholmer Rummel von 1917, von der „Denkschrift an das holländisch-skandinavische Komitee", über Brest-Utowsk, wohin Chasanowitsch mir zufällig die Route an Seite des Generals Hoffmann nicht fand, zieht sich ein roter Faden der Stetigkeit dessen — nach Bern — nächstfolgender Knoten sich pffichtgemöß in Wien, bei der Konferenz der revolutionären Unabhängigen, finden wird. Nun, Schopenhauer ist wieder im Rechte, daß der Charakter des Menschen unwandelbar. Sehen wir doch, wie hurtig und geschäftig unsere „Rechten wieder zur Stelle sind. Sehen wir auch, wie sehr ihr „Glück" vom „Verdienste" begleitet und vollberechtigt ist. Das Verdienst, daß sie „unter den Besten" gegen die dritte Internationale ihre Lanzen gebrochen, wird ihnen wohl das revolutionäre jüdische Proletariat nitfht vergessen. Auch das Organ der Longuetisten stimmt das' Lied vom braven Mann, Morris Meyer, an. Wörtlich: „Morris Meyer ist ein Demokrat von altem Stamm und er stellt seit vielen Jahren seine Feder in ökm Dienst der Arbeiterklasse." Sein Artikel ist betitelt: „D i e d r i 11 e Internationale, eineGefahrfüt die Arbeiterbewegung." Morris Meyer ist den Delegierten unserer Weltkonferenz bestens bekannt. Er hatte den traurigen Mut gefunden, a 1 s e i n z i g e r für die zweite Internationale zu plädieren. Da er sich damals auf die englische Labour Party berufen, hat er seine Gönner Kaplansky und Genossen nicht wenig in Verlegenheit gebracht. Nun wird er als Kronzeuge der französischen Zentristen angerufen: „Die ganze (!) tatsächliche Arbeit der dritten Internationale besteht in der Spaltung, die sie in vielen Ländern hervorgerufen hat." Also urteilt der grosse Morris über die Avantgarde der Weltrevolution. Den Delegierten zur Weltkonferenz und den Wiener Genossen wird es sicherlich nicht wunderbar erscheinen, wenn sie sich noch an seine in der Pracht der demokratischen Dpl'Iaria schimmernde Gestalt, an diesen ,,alten Stamm" der Demokratie erinnert. Kein Wunder auch, daß ersieh von der zweiten Internationale zu der 2% verirrt hat. Doch bezeichnend, wie Lonjguet den Weg zu ihm gefunden, nachdem er sich Renaiidel und Sembat verschworen hat. Nun ist wohl die Vertretung des „rechtmäßigen" Verbandes der rechten Poal'e Zion an der Wiener Konferenz aller Sozialunabhängigen die wohlverdiente Krönung ihres Werkes. Daß der Aufruf „an das jüdische Proletariat", nach dem neuen Mekka des Kretinismus der sozialistischen Diplomatie zu wandern, nicht lange ausbleiben wird, besteht kein Zweifel. Auch darüber nicht, daß „berufene Vertreter der Mehrheiten" erscheinen werden. Der Sturmtauf gegen Moskau war der Auftakt erst zu der hohen Politik, die von jetzt ab — in der „wahren Internationale des revolutionären Proletariats" — fortgesponnen wird. Dabei durften „unsere Rechten'' sicherlich nicht fehlen. 1L?L wäre" berufstätig Produktionszweig im russischen AnsiedlungBrayon in Oalizien Juden Prozent-Verhältnis zur Gesamtbevölkerung Inrfpn 1 Prozent-Verhältnis zur June" i Gesamtbevölkerung 1. Landwirtschaftliche Urproduktion: Ackerbau, Gartenbau, Viehzucht 35 822 0,6 47 996 | 1,5 2. Industrielle Urproduktion: Bergbau, Erdgewinnung Stein- und Erzgewinnung Forstwirtschaft 1006 5 187 4 298 1,8 12,5 12,4 1 053 698 928 8,3 10,6 10,6 Zu ammen 9 393 7,7 2 677 ' 9,5 "' 3. Sekundäre Mittelstadien: Metallindustrie Textilindustrie Baugewerbe 40082 33 260 37136 21,2 19,0 18,9 4410! 15,9 1421 { 14,7 3110 1 13,0 Zusammen 110418 19,7 7 941 14,5 Tertiäre Mittelstadien: ' |5,'VoJzbearbeitung Cheni.:'8«*? Industrie I-Mfer m. Papier 41359 I 27,2 6 514 j 34.1 20446 1 43,9 4229 ' 18,1 1430 j 37,9 1 938 j 89.2 Zusammen 68319! 31,3 7 597 __________23,7______ 48,9 70,8 35,2 21,4 > Letzte Pröfflio^nssitadien: Lebentmittelino «strie Getränke und Tai^ak Bekleidüngs- und hFfitemsche Industrie Druckereigewerbe unu* ähnliches Uhren- und räzisl ns^nstrumente 44 797 34,8 23 548 38,3 244797 1 48,1 18 996 I 23,9 5240 1 66,5 11 Q36 22981 20 298 450 ( \f Zusammen | 337 115 45,5 54 765 47,7 " " Diese Tabell» lehrt \ms| folgendes:-. a) pie jüdische Arbeit ilst last vollständig d»r Natur entrückt." In der Landwirtschaft bilden die Juden nur etwas mehr als Va Prozent in Rußland und 1V2 Prozent', in (ralizion. , ) , . . „ r .. . , Ii)'Der Prozentsatz der Jif.don in den Berufen wachst in dem Maß, wie sich dio Borate vom Boden entfernen. In der industriellen 'Urproduktion bUldon die Juden nu ganzen 8—9 Prozent. In den sekunäareu\ Mittelstadien steigt schon dio Beteiligung der Juden auf 1:5-20 Prozent, in den ter- ' tiären Mittolstadieub «den sie seJjion Vi bis Vs der Niehtjuden.; e),!In den letzten Stadien der Produktion bilden nie Juden schon last die HälHe, grade dort also, wo man nichts mehr mit dein Boden zu tun hat xuidjedeBerührung mit der Mutter Natur fehlt. 0 d)iDie große 'Mehrheit der Nichtjuden hat ihr Einkommen \on der Natur (die Klassen 1 und. 2 der Tabelle.), während die große Mehrheil der Juden von Menschen lebt. In Rußland wie in Galizien sind 70 Ins 80 Prozent aller Juden in dem vorletzten und letzten Produktionsstudium ■beschäftigt. 70 bis 80 Prozent Nichtjuden »xieüeren durch di« Natur, 70 bis 80 Prozent der .Ii: sehen. den aber leben ron Men- Die Zahlen sind der offiziellen Statistik entnommen, die sicher keine -zionistischen Theorien begründen sollte um" sich überhaupt um diejüdische Frage nicht kümmerte. Die Klasseneinteilung vollzog ich selbst und da meine. Einteilung ganz anders ist, als dio der Landesstatistik, da die österreichische Einteilung außerdem mit der russischen nicht übereinstimmt, so sind sicherlich oft verschiedene Borufsgruppen nicht den Rubriken zugezählt wurden, in die sie nach unserer Auflassung; gehören^ So umfaßt die offizielle Bezeichnung „Metallindustrie" ^ebenso die großen Werke, die in unsere dritte Klasse gehören, wie auch dio kleinen Handwerke, wie Schmiedegewerbe, Schlosserei, Klempnerei, die eigentlich der fünften Klasse zugerechnet werden sollten. Würde die offizielle Statistik nichi alles durcheinander werfen, so würden die jüdischen Verhältnisse noch besser zuni 'Vorschein kommen. Aber auch so tritt das (Ac-.h-M der jüdischen Wirtschaft deutlich aus dein Gemisch der offiziellen Statistik hervor, und dieses Gesetz besagt, da Ii, je weiter ein Beruf von der Natur entfernt ist, umso mehr gorad« diesem Beruf die jüdische Arbeit konzentriert, wird. Wio wenn, die Juden von einer unermüdlichen historischen Peitsche immer weiter von der Erde und der Natur getrieben, wären, immer höher in die Regionen der verdünnten sozialen Luft! Wie wenn eine futtore historisch« Verschwörung de jüdischen Massen, in den1 Ketten der ökonomischen Entwurzelung hielte und dem Boden immer mehr entfernte! Die "trockenen Zahlen der Tabelle besagen, dalö die Juden gerade den wichtigsten, den. sichersten, den einflußreichsten Produktionszweigen fernstehen, jenen Zweigen, um die sich das Rad der Geschichte dreht. Statt in dio gesunden, kräftigen Zentren des ökonomischen Lobens einzudringen,- verbreiten sich die jüdischen Massen auf seiner Peripherie,, auf seiner Oberfläche. Das Schicksal der Gesellschaft is-'t nicht im mindesten abhängig von der Nadelindust.rie,\ von der Bäckerei, von der Tabakfabrikation. Alle Fäden der Arbeit und Entwiokelung laufen durch die zentralen Berufe: die Landwirtschaft, die Viehzucht, die Erzgewinnung, der Eisenbahn- und Seeschiffahrtsverkehr — bis weit zur Oberfläche des, sozialen Lebens, zum Markt der fertigen Industrieprodukte. Die trockenen Ziffern klagen, daß die jüdische Wirtschaft rückständig bleiben muß, daß die jüdische Kultur verfällt, daß diei Abhängigkeit das ständige politische Los der Juden bleiben muß --- solange das jüdische Volk der Natur, dem Boden, der Urproduktion entfremdet ist. Die Zittern zeugen, daü der jüdische Sozialismus, der jüdisene Klassenkampf, und in der Revolution der Nachbarvölker oine ebenso unbeträchtliche Rolle spielen werden, wie die jüdische Nadel, das jüdische Plätteisen einen unbeträchtlichen Wert darstellen, wenn man sie mit der niebtjüdischen Dampfmaschine, mit dem niehtjüdischen Ueberseedampier vergleicht. Dies .ist ateo die historische Krankheit des jüdischen Wirtschaftslebens. Und alle die, die das jüdische' Volk an diu verdünnte Golusluft ketten wollen, es mit Gohtsgosängen und (Jolushoffnungen einlullen — wollen diese Krankheit verewigen. Sc stellt, sich die historische Krankheit des jüdischen Volkes dar, die wir in modernen ökonomischen Begriffen darzustellen suchten. Nun wollen wir diese. Ebrßeheirttmg im l.i-'ht.' der marxistischen Lehre betraehfelfc Das ganze moderne Kapital teilt Marx in zwei große Gruppen ein: 1. Das konstante Kapital» das sich zusammensetzt aus Produktionsmitteln, Materialien und solchen objektiven Pruduktiunshodiiigungeu wie die Bodenrente, die FabnU.urbäiule, Verkehrsmittel, Rohmaterialien, Kohlen, Maschinen, Werkzeuge usw. 2. Das variable Kapital, dys» aus der menschlichen Arbeitskraft besteht. Das von einem einzelnen Kapitalisten in ein Unternehmen inveatiorts Kapital muß nach Karl Marx als eine Summe zweier Bestandteile betrachtet, werden; das, was der Unternehmer in Rente,

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