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Freie Tribüne · 1920-12-30 · 46-47 (30.12.1920) · page 5

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
46-47 (30.12.1920)
Date
1920-12-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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NR. 46—47 FREIE TRIBÜNE SEITE 5 Und nun zu den soK«uannteu AvbeiterfukuiUv.M. fra allgemeinen sind dic-o Fakultäten am leichtesten uU Personen y.uuiiiigiioh. die Empfehlungen vor AvbtnU'u-orgwi>ano»...m haben '"oder für Angehörte« der Arbeiterklasse seihst. Augenblicklich ist dio Stelluug der ArbeiKu-Iakultäien sehr gut iuui berechtig zu den besten llomnmgeu. Das Experimentier •Vrbcitoriakulüiteii hac uns viel gute Lehren in iJo/.ug aut <,to iniivci^uäü im allgemeinen gegeben. .Nach einem AuUrag des \Vir!seliait>lvuiuiiii.-,sariais itat das j iauptkoraitee für techm- ,clirii Unterreht vorgeschlagen, das Bildungsniveau cier Ar- Lin'r erhöhen. Zu" diesem Zwc-lc sind eine große Anzahl •Cbeudsci'ulen üir die Arbeiter eröffnet worden. Außerdem hüben "wir die Notwendigkeit. Spezialisten von den höherem c'-i-i-rh-iit.au.smituit cloithm zu schickem große AusnmrKsaiu- 1 i%.u--oweudet Der Oberste Uat; IÜ Volkswirtschaft hat eine "rol.1.'. Aniurderung an uns gestellt, Nach seinen B<n-oohmm- "en sollten iiudU Ingenieure jährlich ausgebildet werden. Um uie,en Bedarf zu decken, hat das 11 auptkomilco Uliloclmi- ■<eueu Unlorrnlil beschlossen, daß ■üo Studenten in allen ln- -ciueurschuleu den unterrichtenden Professoren voho _ Vornjle''ung ui d Ver<"runiig garantieren sollen. Diese Sucu.ago hihk-tsicherlich eine Ausnahme, aber wird sind trotzdem imstande, UdUU neue Ingenieure, jedes Jahr auszubilden. Die alte zartsüsehe .lie.u'ie: ung betrachtete jede Universität als politischen Bumbenherd, aber wir habon ,keiue sondern erweitern die Universität soviel wir ko.nner morksamkeü. die Energie, den Willen und die vorhandenen spärlichen Kräfte der jüdischen Volksmassem von deren Hauptaufgabe ~ Konzentration und Produktivierung der jüdisehen Massen in Palästina — ablenkt und für eine Aventiure. iü,v einen Streit um des Streites willen vergeudet. Die (frenzen. Palästinas worflen dort gezogen werden, wo den Wirtschaftfiehen Kräften der jüdisehen Volksmasson eine Grenze gezogen ist. Viel können wir selbst unter An - strengitnp aller pofontiellon Kräfte heutzutage nicht schaffen. Das wenige, das wir jedoch unter allen Umständen mit aller Energie heute sehen vollbringen und damit eine ernste- Grundlage für die Zukunft legen müssen, darf nicht unter dem Verwände, einer vorherigen Sicherung irgend welcher Grenzen venmehlässigt werden. Die jüdische Arbeiterschaft muP. sieb von diesem Grenzenrummel fernhalten und ihre Kräfte dazu verwenden, soviel als möglich jüdischer Proletarier in Pahistina zu sammeln, produktiv zu machen und so die dauernden inneren Grenzen Palästinas zu befestigen - die wirtschaftlichen Grenzen einer sozialistischen Arbeitsgemeinschaft, die stets bestrebt ist, mit den Arb'eiiervölkern jenseits der Grenzen in Frieden und Freundschaft zu leben. Augs Auch liier ist die Zahl von aul gestiegen. Dazu kommt „och d7J"UuiversiLLU m Turkestaii, die eben erst organisiert und bald uroliuet vdiu Augenblicklich gibt es in ltulUud vier medizinische Hochschulen, :5 arctiäoLogische Hochschulen und au Stehe der ehemaligen Ii Yoienn.mnsütulo nauen wir jetzt Ü. Die Zahl der Proiessoron i-,t dadurch bedeutend gestiegen, ciuJJ diu Duzenten zu Professoren belördert worcloiO Ks gibt jetzt lüli Professuren. Jetzt kommen wir zu einem ,v..hr wichtigen Arbeitsfeld ... nämlich zur AtdkJvriutgsarbcit außerhalb der Schulen, iiier hat das ivonnuissariat iür Volksauikläruug große liosuJtate erreicht. Die Zahl der Bibliotheken in Kubland ist ganz bedenlend unter der Sowjutherj schalt der drei ieUJ.en Jahre gestiegen: und wachst noch immer mit orsUiunlichoij-jc-lliH-Higkcit. Nach statistischen Angaben hat UulUand im Jahre lUlU zehnmal mehr Bibliotheken, als im vorhergehtmden Jahr. Im Gouvernement Twer gibt es /.. 13. jetzt 30Ü0 Bibliotheken. VJV.) existierten in jU Gouvernements Li.äUU Bibliotheken. .VugenbJicklich gibt es -7.01)0 Büdiotheken, ohne daß die Losestubon mitberechnet sind- Das rasche Anwachsen der Bibliotheken ist ganz staunenswert und .uiau muLi auch noch beifügen* daß eine stattliche Menge Besucher (Uese Bibliotheken benutzen, nicht zu vergessen, daß wir uns dabei in einer Periode von Hunger und Zerstörung belindeu. in dieser, Zeit wurden in Petersburg L'iw.üOfJ Bücher von iöU.UUü Lesern entliehen. Einer der wichtigsten Erlässe der Sowjetregierung ist das Dekret über die „Ausrottung der Analphabeten", dadurch, da!'; sie im Sehreiben und Uesen unterrichtet werden selten. Im Gouvernement Tseheiepo welsk haben 5Ö.0ÜÜ Personen so lesen und schreiben gelernt, in Iwauowo-Wosnesetisk oO.UOU. In der Stadt Nowozybkow gibt es keiuea einzigen Analphabeten mehr. In Petersburg wird mau auch bald nicht mehr viel Leute finden, die nicht lesen und schreiben können. Zuerst war der Mangel an AßC-ßüehem sehr groß, aber jetzt hat man Millionen solcher Bücher drucken lassen. Eines der größten Felder des Arhklärungskouuuissariats ist der Schutz von monumentalen Bauwerken und Museen. So ist viel Arbeit geleistet worden, um alte historische Gebäude zu reparieren. Auch die Zahl der Museen ist gewachsen. Gegenwärtig gibt es 119 Provinzmuseen, früher bat es nur Hl gegeben. Museumskenuer sagen, daü sie er staiuii sind über den großen Eifer, den die ganze Bevölkerung und alle Organe der Sowjetregierang an den Tag legen, um wertvolle Kunstdonkmäler zu sammeln und zu erhallen. Unsere Eremitage i Die ersie ivuusigalerie in l'etersourg hat ihre Sammlungen verdoppoll. .Wiberdeiu haben wir eine musikalische Abteilung. Die Zaitl der Sehulen ist dieselbe wie früher, aber die Zahl der Stni.mtuu ist bis auf DUOÜ gesliegen. Im Theaiorvveseii hüben wir ein großes Stück Arbeit geleistet. Folgende Zahlen werden einen Ikgni'L von dem K.cMihal, gelien: Frankreich besitzt nur .Lio Proviuztheator, während Uublaud im Gouvernement Kostroma allein -100 hat Alles in aücm gibt es im ganzen Land oOOü solcher TheaU.f. l'JOenso glänzemie llesultate sind in Fragen der Klein, kindoivrzioiutng erreicht, worthm. lüiO gab es 3ö'33 Kinderg^uaai und seitlir,- worden jäbrück' 1000 neue erö'Tuet. GLOSSEN. Grenzenrummel. ßin sonderbares Geschick verfolgt die zionistische Weiforganisation. Solange c* sich um papierene Siege handelt, da schreitet der bürgerliche Zionismus geradezu von Sieg zu Sieg. Kaum aber denken die jüdischen Massen daran, au die errungenen Siege zu glauben und am denm Grundlage Positives zu vollbringen, da offenbart Bich der Fluch, der auf der bürgerlichen zionistischen Arbeit lastet. Wer erinnert sich nicht an den Sieg der zionistischen Organisation, der darin' seinen Ausdruck fand, daß England das Mandat über Palästina zugesprochen erhieii. Hat man doch aus lausenden Fanfaren dem jüdischen Vo;ko die .,Erlösung" verkündet. Kaum aber sind einige wenige llunderto Juden nach Palästina gegangen, so sind sie am die völlige Unfähigkeit der zionistischen Organisation gestoßen. Man er nnere sieh an die Arbeitslosen-Demonstration in Jaffa, und wie merkwürdig klingen noch, heute die Worte der zionistischen. Erlösungsverküinter, man möge ja nicht zuviel nach Palästina reisen, das Land sei uoeh nichi autnahmslähig. Und nun, da die Zionistou es nicht vorfanden haben, den Mandatsieg auszunützen, und die wiiVchauhohoii Posilionen des jüdischen Volkes in Palästina zu befestigen, gehen sie jetzt daran, einen neuen Sieg zu erringen. Diesmal gilt es Frankreich „zu besiegen'- und die Nordgreuzc Palästinas zu erweitern. Die Schlacht ist noch in vollem Gange, aber schon melden zionistische, Jubelgesänge die Vernichtung des „französischen Imperialismus" und diß Triumphe der „Times- und des Prof. W'aitzmaiui. Verfolgt mau diesen Grenzenruinuiel. dann muh es jeden ernstlich deckenden Menschen mit Abscheu und Widerwillen erfüllen. Nicht etwa deswegen, weil im Kampfe zwischen Frankreich und England unsere Sympathien' auf Seiten Frankreichs sind, auch nicht deshalb., weil wir den Plänen, des lug. Hutenberg feindlich gegenüberstellen. Beide Momente sind in dieser Frage von keiner entscheidenden ikdeutmig. Widerlich ist. es. zuxusek-n. wie man diw Auf- Der Fall Schipper. Nun liegt die Resolution des Zentralkomitees unserer ßruderpartei zum Fall Schipper vor und wir konstatieren mit Befriedigung, daß unsere verantwortlichen Genossen in Polen so gehandelt haben, wie es Mitgliedern unseres Verbandes geziemt. „Das Z. K. dor J. S. D. A. P.. (Poalc-Zion) in Polen stellt fotjt, dal) die Pariamentstätigkeit dos jjoaIc-zioniritbchen Sejmabgeordneten Gen. Dr. Jizchok Schipper mit den Prinzipien und der Taktik der Polnischen Partei nicht im Einklang stand. Gleichzeitig wird konstatiert, daü die ganze politische Tätigkeit des Gen. Dr. Schipper in krassem Widerspruch zu den Beschlüssen unserer Parteitago und des Z. K. stand, worauf schon die auf unsorer zweiten Parteikonferenz angenommene liesolulion zum .Bericht Uber die Sojmlaligkett hinweist. Gen. Dr. Schipper aber,; hat ti otz der ausgesprochenen Unzufriedenheit und seiner Verpfttoh - tung den Beschlüssen und .Richtlinien des Z. K. gemäß zu arbeiten, sein. Verhalten im Sejm doch nicht geändert und hat teils ohne Wissen des Z. K. gehandelt, teils dessen Beschlüsse nicht ausgeführt oder ist direkt gegen sie vorgegangen. Am krassesten kam es zum Ausdruck, als Gen. Dr. Schipper sich vorerst ohne Wissen des 55. K\, dann gegen dessen ausdrücklichen Beschluß an den jüdisch-polui - schon Verständigungsunterhandlungen beteiligte. Mit. Püekisicht darauf, hat das Z. K. beschlossen: das .Mandat, dem Gen. Schipper zu, entziehen und es dem Beschlüsse der zweiten Parteikonferenz; gemäß, dem Paitelr.it vorzulegen. Feiner konstatiert das Z. K., daü Gen. Dr. Schipper, nach der Verlautbarung des Beschlusses, ihm da,s Mandat zu entziehen, erklärte, er werde sein Mandat erst nach eiern beireifenden Beschluß eines Parteitages niederzulegen und wenn auch dieser in allernächster Zeit abgehalten werden sollte, so würde er dennoch, auch gegen den Willen der Konferenz, sein Mandat einen Monat lang aulrechterhalttxn; des weitereu stellt auch das Z. K. fest, daß Genosse Doktor Schipper sich am Seniorenkonveut als Repräsentant der jüdischen Fraktion beteiligt hat. Deswegen hat auch das Z. K. beschlossen, dem Gen. Schipper bis zur Tagung des Parteirates die Hechte als Parteimitglied abzusprechen." Schipper hat nach den Ratschlägen der rechten Etuis - säre in seinen Erklärungen dio Angelegenheit seines Ausschlusses mit der Frage bezüglich des Weltverbandes yor - ■mischt. Daran zu glauben, wäre aber naiv und falsch. Dio Abschätzung über Seiiippens Tätigkeit ist von den poloi - sehen Genossen vielemal schon, vor der Weltkonferonz und besonders auf dem letzten Parteitag in "Krakau geäubevt worden. Noch mehr, die Konferenz in Krakau hat den Moment vorausgesehen, da mau Schippers Mandat übernehmen werde müssen und hat sogar den Modus bestimmt, auf welchem dies von statten gehenwürde. Das Z. iL. hat richtig gehandelt, richtig im Geiste der Konferenz und was das Wichtigsie ist — richtig im Interesse der Weltbewegung. .Jedenfalls ist, die Tatsache als solche bedauerlich. Man v ersteht es falsch, wenn mau daraus schließt, daß die Partei jetzt gegen die Anteilnahme am Parlament sei. Nein, sio will diesen. Parlamentarismus revolutionär, ausnützen und nicht die revolutionäre Energie der Massen einschläfern, sondern Nie wecken und organisieren. Die Arbeiterratswahlen. Die Wahlbeteiligung war diesmal sehr gering. Die Ursache ist wohl zunächst in der allgemeinen politischen Reaktion zu suchen. Sehr viel hat auch die vollständige Passivität des Arbeiterrates, angesichts der von Tag zu Tag sich steigernden Teuerung und Wohnungsnot, beigetragen. In dieser allgemeinen Äpatie-timmung machten sich die statutarischen organisatorisch-technischen Schwierigkeiten für Klein- und Zwerg-Betriebe besonders fühlbar und beeinflußten sehr ungünstig den Ausgang der Wahlen für uns — die Partei des jüdischen Proktarits. Konnten die großen Betriebe bei beh'ebigerWahlbeteiligung die volle Zahl Delegierte wählen, so war es sehr schwer, die in allen Teilen eines Bezirkes zerstreuten jüdischen Einzelarbeiter zusammen zu bringen. Hiezu kommt noch, daß die Waiilbehördeu der Arbeiterr.äte, der sozialdemokratischen Parole: „man braucht keine kleinen Parteien im Arbeiterrate! folgend, die Wahlen der kleinen und Zwerg-Betriebe geradezu sabotiert haben. Damit diese schwere Beschuldigung nicht unbegründet bleibt, wollen wir nur einige Tatsachen anführen: die angekündigten Wahltage sind willkürlich, ja absichtlich abgeändert worden; die Wahllokalitäten sind sehr schlecht gewählt und dabei systematisch unrichtig und irreführend plakatiert worden; manche Versammlungen sind von den Wahlleitern vertagt worden, ohne die nächste Versammlung — den Ort und die Zeit — bekannt zu geben. Dies alles ist zu berücksichtigen, bei Beurteilung unseres Erfolges oder Mißerfolges. Ziehen wir noch in Betracht, daß diesmal eine sogenannte „sozialdemokratische" PoalezionPartei um die Stimmen der jüdischen Proletarier geworben hat, so bestätigt der Ausgang der Wahlen, daß wir auch diesmal als die Partei des jüdischen Proletariats hervorgegangen und in den Arbeiterrat entsendet wurden. Wahrend fast sämtliche Arbeiterräte unserer Fraktion als Vertreter von mittleren oder kleinen Betrieben gewählt wurden, besteht die Fraktion der rechten Poale Zion fast ausschließlich aus ____Bxportakademikern, Zöglingen des jüdischen Pädagogiums, Bethausjünglingen und Vertretern der blau-weißen Beamtenschaft zionistischer Institutionen. Unsere Arbeiterratsfraktion setzte sich folgendermaßen zusammen: Innere Stadt 1 Leopoldstadt 9 Landstraße l\ Wieden 1 Neubau .Ü Josefstadt l Älsergrurtd il! Döbling 1! Zusammen 16 Wenn unsere Fraktion auch an der Zahl kleiner wurde, so sind die Aufgaben, die ihrer i'harren, keines- Falls geringer. Mit doppelter Energie werden unsere Genossen an diese Aufgaben herangehen. Als Vertreter der klassenbewußten jüdischen Arbeiterschaft Wiens. Aus unserer Bewegung. PaMstina-Ärbieiterfontls-Woclie. Das Verbandsbüro versendet folgenden Aufruf: Genossen! Inzwischen hat in Polen ein Parteirat getagt, zum Fall Schipper Stellung genommen und die Haltung des Z.-K. gutgeheißen. Darüber nächstesmal. Der zwölfstimmige Ghasanowicz ohne Resonanzboden. Wie; manchem Delegierten noch erinnerlich, war ';üiö der imposantesten oder imponieren wollenden Erscheinungen unf unserer letzten Weltkon leren/. Gen. Chazanowitsch, der neben einem erheblichen Stimmenaufwand auch dio personifizierte Zwöll'siimuienpythie (Hebräisch: Bai-kol), rou Argentinien mit gutem Ton und .Austand vorbrachte. Er briistete sich gar oit — bei seinem Hin- und Heipendoln /.wischen den beiden Verbänden —die zwölf Delogiertenstimmcu auf die Wagschale werlen zu können. Nun scheinen diese Heldcutenortöne einer bestimmten Resonanz zu entbehren, wie die uacldolgende Meldung ans Argentinien loh^l; „Resolution des, argentinischen Zentralkomitees, betreu* der Verbaudsbüros: Um, der kurzen Frist wegen, die uns vou dor zweiton Parteikonlerenz noch trennt, die Verantwortung für die Steltung zm Krise in der allweltlichen Bewegung nicht übernehmen zu müssen, erklärt «ich das Zentralkomitee beiden Verbänden gegenüber neutral und überläßt die Entscheidung über diei Verhandszugehörigkeit dem künftigen Parteitag. Gleichzeitig erklärt sich das Zentralkomitee mit dem Vorgehen des Gen. Chazanowitsch, „der sich im Namen der argentiniensiwehen Partei dem Verbände der Minorität anschloß, nicht einverstanden." Zentralkomitee deit jiid.-soz. Arbeiterpartei „P. Z." in Argentinien. Ungeheuer ist das Elend und die Not, der jüdischem arbeite'iullou Massen) in Ostouropa. Der ökonomische Zusammenbruch, der ganzen kapitalistischen Welt, der durch den Weltkrieg verursacht wurde, die chronische Krisis der kapitalistischen Wirtschaft in allen Ländern, in den „siegreichen'" wie besiegten, hat das jüdische Leben in Osteuropa am schwersten getroffen. Die jüdischen kleinen Handwerker und Arbeiter sind aus ihren ökonomischen Positionen, herausgerissen; die zerstörte Industrie bietet ihnen keine'Möglichkeit, ihre Wirtschaft wieder aufzurichten und ihren früheren Platz in der Produktion] wieder zu erobern. Das jüdische Kleinbürgertum ist der Spekulation und verbrecherischen Preistreiberei verfallen und zum großen Teil ruiniert und deklassiert. . \ Das verzweifelte Hingen zwischen Kapital und Revolution wird hauptsächlich in . Osteuropa ausgefochten» Der Kampf, der von der gesamten Weltboiu'geoisiö gegon di« organisierte Macht des Weltproletariats, gegen die revolutionäre rote Armee Räterußlands, geführt wird, hat alle Länder Osteuropas aufs schwerste getroffen. Die von der Entente organisierte und bewaffnete l£ontrerevohition nimmt in allen Ländern jüdischer Siedlung scheinbar antisemitischen Charakter an. Massensch-lachtereien von Juden und Pogrome sind die populärste Waffe dor Koutrerevofuüon geworden. Dadurch wird das Elend und die Not der jüdischen Massen in Polen, Ostgalizien, Rumänien, Ungarn und allen anderen Ländern, in denen die weiße Reaktion wütet, bis zur Unerträgljichkeit gesteigert. Das einzige RetfcungHmittc-l sehen diese Massen in der Auswanderung. 'Noch nie war das Bmigralionshedürfuis der jüdischen Massen so groß. Hunderttausende warten auf eine Gelegenheit,, um den Wanderstab zu ergreifen. Aber dieselbe Wirtschaftskrise, die die Auswanderung notwendig macht, raubt ihnen andererseits jede Einv/aud e r i! ii g s m ö g 1 i c h k e i t. Keines der früheren ßinwandei-ungsländor ist jetzt aulnahmsfähig. Dazu kommen unzählige „sanitäre- Beschränkungen, mit denen sich die kapitalistischen Läiuior vor der Einschleppung der revolutionären „Epidemieschützen wollen, und welche eine Massenwanderung fast unmöglich machen.

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