Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 46-47 (30.12.1920)
- Date
- 1920-12-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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IR. 46—47__________________________.......__________________......_____________ ..igen mit den zu Tausenden angebotenen Schuhe« versorgen. . Nachfrage: Gewiß, die Nachfrage wird dadurch, laß die Volksmassen in Lumpen herumgehen, in dieen noblen Schuhwarenhäusern nicht kleiner. Das niändische und ausländische Schiebergesindel kauft u Dutzenden am liebsten diejenigen Stiefelchen, die Is Luxuswarc bezeichnet und zu wahnsinnigen Prei en angeboten werden. Also will die Regierung die Preise regeln. Wahrlich, man erinnert sich an die Worte des -ord Courzon im englischen Unterhause. Schon vor ■craumc-r Zeit erklärte er in Beantwortung einer \nfrape über das Elend in Wien, er wüßte keine :weite Stadt in der WGIt, in der der tollste Luxus leben dem furchtbarsten Elend sein Unwesen treibt. Der Arbeiterrat ist es, der allein berufen ist, eine indere Preisregulierung anzubahnen. Nicht nach den besetzen von Angebot und Nachfrage, sondern nach ien Bcdürfnisscirder arbeitenden und leidenden Bevölkerung. Ein Streik löst den anderen ab, aber mit Recht .rklären die Südbahnen: Mit den paar Banknoten st der Arbeiterschaft nicht geholfen. Andere radialere Mittel müssen ergriffen werden, damit die kostarste Kraft des Volkes — die Arbeitskraft - nicht öl-ig zerstört wird. Der Luxus in allen Abarten muß aufhören; alle Inlande aufzubringenden und aus dem Auslände rpgenen Lebensmittel und Bedarfsgegenstände müs- i gerecht aufgeteilt werden und so die wirt- 'laftliche Konsolidierung, den wirtschaftlichen Aufeg ermöglichen. "Das Bürgertum hat uns in den letzten zwei onaten anschaulich bewiesen, daß es zu diesen rnsten Versuchen nicht fähig ist. Die Arbeiterschaft i.lein ist es, die den sittlichen Ernst und die morali- he Verantwortlichkeit für den wirtschaftlichen Aufrdu besitzt. Der Arbeiterrat muß nun diesen Weg ^schreiten. Die jüdische Wanderung, deren Richtung und Ziel. \Vir haben es immer wieder begreiflich '/.u machen Vermont, daß das eigentliche .jüdische Problem --- dasjenige der üdisohen Wanderung - nicht dureli dies oder jonos p o Iiis c, h e 'Regime verursacht, daher auch, nicht mit der Anfleb'nhg dieses oder jenes p o 1 i t i s,e h e n Systems aus der iVelt y,\i sehalfen sei. Wir werden es so oft wiederholen', bis auch du? Tar.h- •einwoLIenclen es hören und verstehen, bis any-h die Blinder. 'S handgreiflich empfinden: d i e j ü d.i sehe Wände- u n. g, v e. r n r s a o h t d u r r Ii d i.e Extrrv i i o r i n 1 in t, der j ü d i s c, h e n W i r l s o h a f t, karrti nur d u r c h •ine 1> I a n m ä!.\ i g . L e n I; :i ii g n a h n u d / i c 1 b ev ii ß t' e K n n z e n t r i e r u u g i i: P :\ 1 ii s l i n a g e 1 ö s I verde u. Wold hat die graue Wirklieldveit immer wieder uuso - •en programmatischen Behauptungen besonderen Nachdruck /orlieheri. Allein diese Zeilen, sollen keinesfalls der engeren Parteipolitik, sondern der breiten Klassenpoliiik der jüdi - ichen Arbeiterschaft gewidmet sein. Die Tatsache, daß sich Hieb diesmal tui.sere eigene Parteipolitik mit der aufrechten Klassonpolitik der jüdischen Arbeiterscliafr harmonisch vnr- 2r, sein ganzes Leben e'ne* andern Kriecht -bleibt. Der Jude hat einen starken Unternehmungsgeist. Er will njeht Proletarier bleiben und benützt die geringste Möglichkeit 2 um Aufstieg auf der sozialen Leiter. \ Der Drang nach oben charakterisiert die jüdischen Arbeitermassen. Schneider, Schuhmacher, Ziyurrcnarbeite:- verlassen ihr Handwerk und streben mit den größten Anstrengungen, mit bittersten Opfern zu etwas heiserem, sie werden Versicherungsage-.ilen, Zahnärzte, Aerzte, Re:ht->anwälte und noch öfters selbständige Geschäitslcute. Der Menschenbestand der jüdischen Arbeiterklasse fließt forlwänrend: Tausende re Ben sich lo.-., andere Tausende kommen an deren Stelle. Diese Fluktuation wiederholt sich in allen Fächern und in allen Vereinen.; Ah diese eigenartigen Erscheinungen des jüdischen Arbeiterlebens wurzeln in allgemeinen, historischen Eigenschaften unserer Wirtschaft. '■ Worin besteht also die Eigenart der jüdischen Oelotiomilk? Uni hier eine Formel zu linden, müssen wir uns zu der alten ponIe-z:«on!sr:schefl Literatur in Rußland — die »elhn Jahre und mehr zurückliegt — wenden, oder noch' weiter -- zum größten Denker 'des griechischen Altertums — zu Aristoteles. Dieser war nicht nur tri eminenter Pniiosop'h, sondern aueu ein großer Politiker und tiefsinniger Nationalökonom. Nicht umsonst zitiert ihn Karl Marx mit solcher Achtung. Ich ernnere hier aber an einen aristotelischen Gedanken, den die Marxisten ganz vergessen und vernachlässigt haben. Das ist seine Lehre von zweier'(ep Arten Einkommen. Das Einkommen von der Natur (kresis kata piujsin) und das Einkommen von Menschen (ktesis!;atu ap'anthropon). Der Bauer, der Bergarbeiter, der Fischer bekommen ihre Nanrung von der Natur. Der Kaulmann, der Bankier, der Mediziner, der Jurist verdienen von den Menschen. Wohn gehören die jüdischen Einkommen? Die klare aristotelische Einteilung antwortet uns sofort: anders, als alle anderen Völker, deren Haupte'nkornmen von der Natur kommt, erhalten die Juden inr Einkommen durchaus von Menschen. \ ■- Zur genaueren Darstellung dieses Sachverhaltes bedienen wir uns der interessanten, modernen, nationalök.inomischen Theorie von Theodor Eiert?, der die 'Produktionsarten nach relativer Beteiligung des Hodens und der Arbeit einteilt So schwer der Bauer auvh über >einem t:odenanteii brbeitet, so hat der Boden doch einen große.en Ant'el am Ertrag als de rnenschlicne Arbeit. Die Arbeit besteht f er im Düngen, Ai^'or-ierea des Bodens, Pfhiqea, Sä(e:i und dann Ernten des Getredes. Die Hauptproduktion des Getreides wird aber von den N:;turk-äften des Bodens selbst besorgt. Und umgekehrt: so klein auch die Arbeit einei jüdischen Schneiders an einem Stück Wolle sein mag, so hat die FREIE TRIBÜNE einigen, ja. geradezu identifizieren laßt, soll für bloß ein Grund mehr für eine tatkräftige Sektion sein. Und wer die heutige jüdische WirklielikeH . in deren tragischem Ernst vorurteilslos erkennt, der weiß. daß nur .•ine groß« Anstrengung aller schaffenden Kräfte, eine £«- mehisame, ■nif ein einheitliche;? Ziel gerichtete Aktion den völligen Zusammenbruch, die alles vernichtende Katastrophe verhindern kann. Eine wahre ITiobsboisrhah kommt aus Amerika. P> ist den Feinden der freien Einwanderung gelungen1, im Kongresse eine gesetzliehe Bestimmung durch7.nset7.en, die, wenn sie nicht noch in letzter Stunde aufgehoben, oder wenig - <teus gemildert", wird, beinahe einem Eiuwandcrungsverbote •rleiehkommt. Nun vergegenwärtige man sieh die durch ein derartiges Einwndclerungsverbot geschaffene Lage. Tn Polen. Galizien. Ultraina. T3eT.arn.bien und lüur.iinien warten hunderttausende, jüdischer Familien auf die e^ste Moeiiehkcil zur Auswanderung. Nicht die politische Verfassung dieser Staaten, aueh nicht deren seit jeherbekannte Antisemitismus a I i c i n sind die Ursriehen dieses ungeheuren Umigratinnsbedürhiisses: obwohl beide — politische Tyranne und nationale Verfol - gungon — die Wanderung verstärken. Der sechsjährige Krieg! der in diesen Ländern besonders wütend getobt, hat deren wirtschaftliche Grundlagen vollkommen erschüttert, die Berufs- und Kfasscnschiehiuug von Grund auf geändert, besonders aber die wirtschaftliche Existenz der großen und kleineren t rundelsst;i((.en untergraben und dadurchdies" :ranzo wirtschaftliche Dasein, der jüdischen Massen a 1 s E r w c r b s s c h i cl) t e n in Frage gestellt. Deshalb ist auch in denjenigen Ostländeru, in denen das nackte Leben des einzelnen Juden keiner unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt ist. dns Bedürfnis nach Auswanderung so mächtig gestiegen. Die Aiiswandcrungsinögliohkeit ist für dieso Unglücklichen aber erst dann gegeben, wenn einerseits die Aus - und Finwauderungsgi'crizou geöffnet werden und anderer - seits entweder gesellschaftliche Organisationen oder. verwandtschaftliche Tlilfe die hohen Reisekosten zur Votlügung stellt. Sind aber die Finwanderungstoro gesperrt, dann wird es weder der gesellschaftlichen noch der individuellen Hilfe, gelingen, die F r w e r b s f ä h i g k e i t dieser Hundertt.ausonden zu retten. "Man kann wohl durch Zusendung einiger Dollar und mehrerer Lchensmittelpakc'te das nackte Leben dieser Unglücklichen für einige Zeit, retten, ja man kann sogar durch gut organisierte gesellschaftliche Hilfe Manchen erwerbsfähig machen: \v».s mau aber durch derartige Palliativen nicht erreichen kann, da« ist. diese Hunderttausende noner. schaffender Arbeit und somit sicherem Erwerx an Ort uci! Stelle zuzuführen. Die Wanderung hat eben den geschichtlichen S'an, die durch wL-tsoha.nil-.-he Ivri.-eu in einem Lande Entwurzelten durch Uobersiodlung in em anderes Land auf neuer, wirlschnftlich gesünderer Grundlage einzuwurzeln; rlio "Wändei-tuig allein ist es. d-.e nicht nur das Tndivjdiuum, sonde.n dessen Erwc .bsfähigkeit zu neuem Lc/r-n ctiMM,rhobi. Und so wird uns die katastrophale G oße dieser üiob'sposf erst urlciu.:bar. Aber es wäi\^ ebenso verfehlt da.s Finwanderungsvorbot auf politische Tntrigueu und nationale Veifolgungen allein zurückzuführen, wie es verfehlt ist, den Emigraüonstrieli auf diese Weise erklären zu wollen. Jahrelang haben in Amerika nächtige, politische Faktoren den Kampf für die menschliche Arbeit doch e'nen viel größeren ttn-.eil am Produkt als der Grund und Baden: d'e Naturdie Natur „pr.v duz:erte" nur die Schafe und ihre Wil'e, olles andere machen schon verschiedene Menschen. Sie scheren d'e Schale, be-* arbeiten die Wolle, sp'nicn sie, färben und weben s'e, bis sie zum Stoff wird. Schon inv dieser Ware üeqt 2:ne Menne menschlicher Hrbc-t und nur noch e;ne sehr c/eringe Beteiliiriuncj der Natur. Dann kommt der Schneider und macht aus diesem Stoff einen An mg, so daß der iert'ge An •_'.•;! g nur zfum verschwindend kleinen Teil durch den Boden, zürn größten Tel aber durch menschliche Arbeit entstanden ist. So ist in der jüdischen Produktion der Anteil des Bodens, der Natur, verschwindend klein, der Ante! der menschlichen Arbeit aber unvergleichlich größer. Bei nndere'] 'Völkern dagegen hat auch 'der Boden a"ncn gewaltige 1 Anteil an ihrer Produktion. Es wird nicht umsonst behauptet, daß die jüdische Wirtschaft eine „Lul'twirtschnft" und das jüdische Leben x>in" ..Luftleben" ist. Der scharfsinnige Max Nord au führt den Ausdruck ,.Lu!im-zmch" en. Der'Sinn d'escr Worte ist. daß das jüd:sche Leben nicht hodenständig, nicht natürlich ist. Auch d:e anderen Völker leben n;chx .•.•nsschl;eßlichj von der Natur, ihre Produktion vereinigt in sich beid2 -demente — Boden und Arbe t, und je mehr sich die In'du'slsrie entwickelt, um so orößer wird der Posten „Arbeit" und entsprechend ilde'n der Posten „Boden". Aber das Bod&ielement ble'bt ein ständiae; Element in der Wirtschaft der anderen Völker, während es in der jüd'sclien Produktion fchlr und diese nussdilicßlidi in dem Kleinem „Arbeit" besteht. Ferner besteht auch de Arbe't selbst au; zwei Elementen;-die Handarbeit, genauer d'c ...körperliche" Arbeit, und Kopfarbeit oder crenauer „geistige" Arbeit. Es ist bekannt, daß bei den jüdischen Beruieu die geistige Arbfeit e'nen viel größeren Platz einnimmt als bei anderen Völkern. Auch bei anderen Völkern wächst m't der , Ku!tur"-Entwicklung der Anteil der geistigen /'rbeit, aber niemals in deit Umfang wie bei den Juden. i Der Kapitalist wendet be: seinei UntcnehmiiiKfen vorwiegend „geistige" Arbeit an.' Er organisiert das Geschäft und leitet e~. Der Lohnarbeiter weidet be der Produktion, vorwiegend 'körperliche Arbeit an. Jener Un'eru'ehmungsgeist, der den jüd'sclien Arbeiter veranlaßt, se!:bsl.'ändig'e;- Geschäftsrnann zu werden, Int se'nen Ursprung eben darin, daß d'c Juden gern mir de-n Kopi arbeMe.i' So wiirL'cH jener Individualismus de;- jüdischen Wirtschaft in ihrer historischen Bodenfremdhfrt. Wir habc-.i also bei den Juden zwei wichtige Erscheinungen: ■ J. Das Uebergewicht de- Arbeit über den Boden und 2. das Uebe.gewicht de;- „geistigen" und die „körperliche" Arbe't. f (Fortsetzung folgt."M SEITE 3 Einschränkung der "Einwanderung geführt. Ohne Erfolg. Di« Landwirtschaft, hat die frischen Bauernhände aus dem Osten gebraucht, die in rasendem Tempo sich entwickelnde Industrie den Zustrom neuer Arbeitskräfte benötigt. Nun ist in Amerika die Wirtschaftskrise, die sich bereits knapp vor dein Kriege bemerkbar machte, jedoch durch die ]3estellun - gen der kriegführenden Staaten überwunden schien, wieder akut uoworden. Der Kongreß stimmte daher den Einwandern ugsboschränkungen zu. Fs wäre daher verfehlt, wollte man; heute den Weg ciliar Protestaktion beschreiten und sich damit begnügen, dia offenflieho Meinung: i n- und a u ß e r b a 1 b Amerikas aufztdvlären und aufzurütteln. Damit allein wäre den jüdischen Massen, die sic,h nun täglich aufs neue fragen, „Wohin?'. *ehr wenig geholfen. Es gilt, neue Wege zu beschreiten. Den Weg de'- Sclh.-taktivität, der schöpferischen .Selbsthilfe. Darüberob und in welcher Weise dieser Weg zum sicheren Erfolg fi'dn-i. wollen wir in unseren weiteren Aufsätzen «rörteru- Die „Partei" der Exportafeademiker. Es ist nun einmal das Schicksal aller Kleinbürger, Einheit zu predigen und Zwietracht zu säen. Auch die kleinbürgerliche Intelligenz, die sich der sozialistischen Arbeiterbewegung angeschlossen hat, ist diesem Fluche verfallen. Ueberall und zu allen Zeiten redet sie von Einheit und schafft Z \v i c s p a 11 So auch bei uns. Es war eine 'Zeit — wir alle erinnern uns noch lebhaft daran — da hüllte sie sich in die Mäntel der Einheitsapostel und riefen in alle Gassen: Einheit, Einheit über alles. Es war damals, als die Wogen der Revolution in Mitteleuropa; hochgingen und auch Westeuropa zu überschwemmen drohten. Es war die Zeit, als in den Gehirnen Tausender unserer Genossen, die Erkenntnis der proletarischen Kampfmethoden aufdämmerte und diese Erkenntnis zu entscheidenden Schritten drängte; es war damals, als der kommunistische Gedanke die Köpfe der Poalezionisten erhellte und unserer Bewegung dadurch neue Ziele und neue Wege gewiesen hatfe. Damals riefen sie alle — von Kaptansky' bis Sokal — nach ... Einigkeit. Einigkeit um jeden Preis. „Mögen die Meinungsverschiedenheiten in unseren Reihen noch so scharf aufeinander prallen, in der Aktion müssen wir einig bleiben." Das war das •Leitmotiv ihrer Argumentation. Und, wahrlich, sie hatten „sicheren" Grund Einigkeit zu predigen. Konnten sie doch', bei aller „Freiheit" von Propaganda, bei aller „Toleranz" der Ueberzeugungen, ungestört im Namen des ganzen Verbandes — also auch irn Namen der Linkein — den Präsidenten Wilson begrüßen, die-Intervention der Entente anrufen, Legionen für die englisch^ Armee stellen usw. Einigkeit hat damals eben bedeutet soviel, wie: ihr Linken redet undiwir Rechtem schalten und walten in der Bewegung nach unserem eigenen Gutdünken. Allen Einigkeitsaposteln voran schritten unsere heimischen, unsere Wiener Rechten. Wer erinnert sich nicht, wie sie auf allen Versammlungen schweißtriefend schrien: „die We l;t k onf er enz ist souverän", ,,erne Spaltung des Verbandes werden wir unter gar keinen Umständen zulassen'', und Aehnliches mehr. Nicht genug an dem, haben unsere Wiener Rechten für die Einheit unserer Wiener Partei noch andere, eigenartige Argumente ins Treffen geführt. So behaupteten sie damals, sie wären ja ebenso wie wir Linken „entschiedene Gegner des sogenannten amerikanischen Poalezionismus, Verneiner des zionistischen Kongresses und Anhänger der Klassen - Politik im Zionismus", so daß für eine Spaltung der Wiener Organisation gar keine Ursache vorhanden wäre. 1 In ihrer Argumentation gegen Linke gingen sie so weit, sieh ein für allemal auf unsere polnische ■»Bruder-Partei festzulegen. ,,Wir, die jüdischen Proletarier Wiens können und dürfen uns nicht trennen von der Massenbewegung der jüdischen Arbeiterschaft in Polen; unser Platz ist an der Seite der polnischen Partei", also schrien sie stets in ohnmächtiger Wut und in Ermangelung ernsterer, begründeter Einwände. . Nun haben sie sich selbst lügen gestraft, sich allein demaskiert. Nämlich, in dem Moment, als sie sahen, daß die Rechten in unserer Bewegung in die Minderheit gedrängt sind; als sie gewahr wurden, daß die Hochachtung vor dem Dollar gänzlich geschwunden, ja selbst der Respekt vor „Autorität" einer ernsten Kritik Platz gemacht hat, da tauschte sie die Einigkeitsphrase auf die Heuchelei vom gefährdeten Palästinismus. Jawohl, es soll1 hier dieser widrigen Heuchelei die Maske vorn Gesichte gerissen werden. Es wird noch allen in Erinnerung geblieben sein, wie Syrkin bei uns den amerikanischen Poalezionismus vorgetragen hat. Damals wollten die Rechten von diesem „imponderabilien-Palästinismus" nichts wissen. Und es sei uns gestattet, daran zu erinnern, daß kein Geringer von ihnen die Syrkinsche Theorie geradezu verhöhnte und mit Epyteten. wie „Ochs", „Esel" u. dgl. krönte. Ergo: gerade denjenigen Palästinismus, dem der rechte Verband heute huldigt,