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Freie Tribüne · 1920-12-04 · 43 (4.12.1920) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
43 (4.12.1920)
Date
1920-12-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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SEITE: 3 Liga 7. w (I p r e n B c 1< n m p f u u g. wohl aber eine a n- 1.1 I) o 1 s e Ii f w i s I i s c h o L i g a Ueberzeugt. daß die .-Freiheit• dies nicht sein wird, fragen wir: gesetzt den Fall, die Arbeiter versprechen der Bourgeoisie ihr Handeln in Bezug auf Einheit oder Spaltung der V. S. P. D. vom Willen der Ausbeuter abhängig zu machen, .sagen wir, .sämtliche Kapitalisten durch ein demokratisches Keferandum darüber zu befragen oder einen Fehrenbaeh nach Halle einzuladen und ihn dort um einen unparteiischen objektiven Rat zu ersuchen! Was würde er uns anempfehlen?, Glaubt die ..Freiheit" den Austritt der „Linken", zur Spaltung — zur Schwächung des Proletariats?! Oder vielleicht eine große, in Eintracht und Friede, La Friede und Einigkeit am. liebsten auch mit den Reclltssozialisten versöhnte und unter Philip]) Scheidemann florierend» grandiose deutsche Arbeiterpartei? Tausendmal lieber ein musterhaft organisiertes und wohldiszipliniertes g r o ß e s Lager des O p p o r t u n i sm u s, als eine weniger imposante, wenn auch nur kleine, ie v o 1 tt t i o n ii v e P a r f o i d <> s K o m m u n i s m >i s - - so denkt die Bourgeoisie! Deshalb jubelt sie nicht, sie triumphiert, nicht anläßlich der Spaltung. sie bedauert sie. sie beglückwünscht sich nicht, sondern sendet, ihr aufrichtiges Beileid nach rechts, während sie den Handschuh nach links wirft. Ungeachtet eines „Vorworts", der sio_ mit iW Vorsicherung zu beruhigen sucht. ..die äußere Linke sei keine allzu große Gefahr" und „w enn sie eine Gefahr ist. dann ist sie es tnieh sicherlich nicht für das Bürgertum und den Kapitalismus, sondern nur für die Arbeiterbewegung." Obwohl zwischen dem „Vorwärts" und der Bourgeoisie selten eine Meinungsverschiedenheit zu verzeichnen ist. so besteht doch zum Bedauern diesmal zwischen ihr und ihren Freunden, rienen sie so oft für so manchen guten Rat und Belehrung mindestens zum Pank verpflichtet ist - - :nuc kleine Differenz. Tu Beurteilung der Frage, wer ihr Feind sei und ob der Kommunismus für die Arbeiterbewegung oder für sie selbst von Gefahr sei, verläßt sich die Bourgeoisie mit Recht ausschließlich auf ihren. Selbsterhaltungstrieb, der ..Vorwärts1kann ruhig schlafen und. braucht sich keine grauen Haare wachsen lassen! Ebenso, wird sich aber auch der deutsche Arbeiter nicht täuschen und nicht durch die .„Gefahr der Spaltung", wie ein Kind mit einem Rauchfangkehrer erschrecken lassen. Auch sein Selbsterhaltungstrieb und noch mehr sein revolutionäre? Klassenbewußtsein -werden ihn begreifen lassen, daß die fortschreitende SpaUiin»- eine progressive Par-ctlysc dos Opportunismus bedeute. Die deutsche Arbeiterklasse befindet sich heute am Vortag eines geschichtlichen Ereignisses. Dieser Tage wird der Verschmelzungsparteitag dr-r K. P. D. mit der ..Linken* TJ.' S. P. D. zusammentreten. Von diesem Parteitag wird die kommunistische Bewegung Deutschlands geistig und orgaul- saloriseh kristallisiert, und geeinigt hervorgehen. Die. /ukünflige Partei wird gegen 700.000 klassenbewußte, kampfbereite Proletarier zählen — eine Mitg]iodorznh!,t die Jener der russischen kommunistischen Partei gleich ist. Beachten wir nun, daß in Rußland MO Millionen Einwohner leben, während die gesamte Einwohnerzahl Deutschlands zweimal kleiner ist, daß die russische komimml.4i.scho Partei schon, das vierte Jahr die politische Heirsehait ausübt, während die kommunistische Partei. Deutschlands noch v-o r d, e r E r o b e r u n g der politischen Macht steht, — dann werden wir erst die, Größe des Erfolges und der Stärkung der deutschen Arbeiterbewegung begreifen! #!?n ' M Spultiuig des 'Opportunismus, seine Schwächung und Vernichtung, Vereinigung und endgültige Verschmelzung sämtlicher kommunistischer Elemente zu einer revolutionären, wachsamen und jeden Augenblick zum letzten Angriff gegen die Ausbeuter bereiten kommunistischen Armee — das ist die notwendige Bedingung für den Sturz des Kapitalismus und den baldigen Sieg des internationalen Proletariats! Das „Organistiaonsbüro der linken Poale Zion" hat im Sinne der Erklärung der kommunistischen Fraktion auf der V. Weltkonfereiiz seine Geschäfte liquidiert. Der politische Tätigkeits- sowie der Kassabericht werden in der letzten Nummer „Avantgarde" (Nr. 20) der Parteiöffentlichkeil unterbreitet. Vorschläge aber, die Carhjle macht: eine neue Religion, einen pantheisfischen Herdenkultus und dergleichen mehr, berief er sich auf Brunno Bauer und Feuerbach. Zilie Möglichkeiten der Religion seien erschöpft, auch der Pantheismus, den Feuerbachs Thesen in den Anekdot'is für immer abgetan Hütten. „Die Frage ist b:sher immer gewesen: Was ist Gott?, und die deutsche Philosophie hat die Frage dahin gelöst: Gott ist der Mensch Der Mensch hat sich nur selbst zu ernennen, alle Lebensverhältnisse an sich selbst zu messen, nach seinem Wesen zu beurteilen, die Welt nach den Forderungen seiner Natur wahrhaft menschlich Anzurichten, so hat er (las Rätsel unserer Zeit gelöst." Und wie Marx den (Menschen Feuerbachs sofort als' das Wesen des Menschen, Staat, Sozielät erläuterte, so sah Engels in dem Wesen kies Menschen die Geschichte, de „unser Eins und Älles" sei und „von uns" höher gehalten werde, als irgend von einer anderen, früheren, philosophischen Richtung, höher selbst als von Hegel, dem sie am Ende auch nur als Probe auf sein logisches Rechenexempel habe dienen sollen. : Es is uugetmeiu reizvoll, in den je zwei Hufsätzen, die Engels und Marx für die Deutsch-Französischen Jahrbücher gestiftet haben, bis ins einzelne hinein zu verfolgeci, wie die gleichen Gedanken aufkeimen, anders gefärbt hier im Lichte der französischen Revolution und dort im Lichte der englischen Industrie, der beiden großen historischen Umwälzungen, von denen die Geschichte der moderne«, bürgerlichen Gesellschaft datiert, aber im Wesen der Sache sich gleichen. Hatte Marx aus den Menschenrechten das anarchische Wesen der bürgerlichen Gesellschaft herausgelesen, so erläuterte Englels die Konkurrenz, „die Hauptkategorie des Qekonomen, seine liebste Tochter": „Was soll man von einem Gesetze denken, das sich nur durch die periodischen Revolutionen der Handelskrisen durchsetzen kann? Es ist eben ein Naturgesetz, das auf der Bewußtlosigkeit der Beledigten beruht." War, Marx zu der Erkenntnis gelangt, daß die menschliche Emanzipation erst vollbracht ist, wenn der Mensch durch die Organisation seiner eigenen Kräfte als gesellschaftlicher Krätte zum Gattungswesen geworden sei, so sagte Engels: Produziert mit Bewußtsein, als Menschen, nicht als zersplitterte Atome ohne Gattungsbewußtsein, und ihr seid über alle diese künstlichen und unhaltbaren Gegensätze hinaus. Man sieht, wie d;e Uebereinstimmung fast bis auf den Wortlaut reicht. RUNDSCHAU. Die GötzendÄmmerung der Sieger. Lenins vor einem Jahre noch wunderlich klingende Kampf- und Arbeitslose, daß die Bollwerke des westeuropäischen Kapitalismus von außen, d. h. von den Kolonien aus. gesprengt werden müßten, daß zu diesem Zwecke die Weltrevolulion d.c national-revolutionäre Bewegung in den Domänen des „weißen" Imperialismus als einen ihrer Hauptposten buchen und in Umsatz setzen müßte, erhält nunmehr stets deutlichere Wirklichkcitssumrisse. Der Vertrag von Sevres, der die Türkei das Moslem-Opfer zweiter christlichen Imperialismen nicht bloß im Zustande des kranken Mannes von Europa zu belassen sieb begnügte, sondern sie an allen Stücken iui A s i e n selbst amputierte, wird nunmehr von den Machthabern der Entesite offiziell als aufgehoben bezeichnet. Daß hierdurch das ganze Machwerk von' Versailles bedroht wird, daß das Nachgeben und Lockerlassen gegenüber dem schwächsten der zu Boden gerungenen Gegner aus dem Weltkriege nur eki Zeichen für das Ende der Weltherrschaft der' Sieger ist, darüber kann kein Zweifel mehr bestehen. — Bemerkenswert ist jedoch, daß der Sieg von Keinal Pascha die gleichzeitig« und gemeflnsame "Niederlage von England und Frankreich bedeutet. Seine Bedeutung liegt vor allem dar;«, daß die Aufteilung der Beute im'nahen Osten durch eine revolu- Uofnäre-nationylc Bewegung, d. h. durch ein autochthone;; Bauerntum zumindest iii Frage gestellt wird. Die Erhebung Kem.'il's und der kleinasiatischen Bauern, die trotz ihrer geringen Anzahl und schlechter Ausrüstung den griechischen und französischen Truppen eine entscheidende Schlappe beibrachten, muß als ejn Bruchstück der allgemeinen Erhebung und Gährung des Ostens gegen die europäischen Kulturträger gewertet werden. Was sich jetzt auf dem Hochplateau von KUfuasien abspielt, muß unbedingt als ein TeiT der allgemeinen Aufstandsbewegung betrachtet werden, die ihre Wellenkreise sowohl in Persien wie Kurdistau als auch in Mesopotamien und Indien zieht. Unter diesem Gesichtswinkel erscheint der Bankrott der Millernndsehen Politik in Griechenland nur als eine gering zu schätzende Episode. Es ist nur natürlich, daß das im den Weltkrieg gehetzte Hellenenvolk nunmehr an den Danacsgescltenken ihrer Freunde genug hat. Viel wichtiger ist, in welchem Tempo und mit welcher Krall das Sinken des Siegerprestiges sich nunmehr bei den unterdrückten Völkern des Ostens bemerkbar machen, wird Zu dem nationalen Haß gegen die europäischen Ausbeuter wird sicher der religiöse treten. Gerade der Sieg der Türken, die stets noch als die Paladine des moslemischen Khalifats und die Fahnenträger des Propheten gelten, wird hiebei c.;ne große psychologische Wirkung ausüben. In diesem Zusammenhange isl besonders interessant, daß die siebzig Mjillionen m oh am e d an i s c h e r britischer Untertanen die Zerstückelung der Türkei als die höchste Schmach betrachten. Das Zentrale Khalifatskatnitec von Indien hatte sie zum Hauptanlasse ihrer englandfeindlichen ßojjkoltbewegung gemacht. Die- Führer der Bewegung erklären, daß "durch sie die völlige Befreiung Intliens innere flalb eines Jahres bewirkt, werden würde. Ihre unmittelbare Wirkung ist aber, daß England jetzt schon ihre indischen Truppen in Mesopotamien und der Türkei im Kample mit dem aufständischen Islam ti;cht verwenden kann. Das Bindeglied zwischen dem kleiiiasiatlschen und indischen Mohammedauksmus bilden die Araber. Ihr Kampf gilt den Franzosen in Sijrien, den Engländern in ihrem ganzen Kolonialreich am "Koten Meere. "Mesopotamien und Aegypten geben vorläufig die beiden Brandherde dieser national-revolutionären Bauernbewegung ab, daß sie aber iin der nächsten Zeit schon auch Palästina, das zw,scheti beiden liegt, mit ihren züngelnden Flammen umfassen werden, ist wohl kaum zweifelhaft. Unseren Genossen drüben wird hiebei die schwere Aufgabe zufallen, diese Aufstandsbewegung mit den Zielen der Weltrevolution zu koordinieren. Daß die Räteorganisation auch :,n Ländern, in denen noch vorkapitalistische Beziehungen herrschen, möglich ist, ist auf dem II. Kongreß "der Komm. "Internationale festgestellt worden. So muß sich auch die revolutionäre jüdische Arbeiterschaft in Palästina für die Verwirklichung dieses Gedankens bereit halten. ' Der Sumpf der Konterrevolution. Die Zersetzung der „bürgerlichen Ordnung" in Deutschland, die durch den Junkerweltkrieg eingeleitet und durch den Revolutionsprozeß mit stets wachsender Beschleunigung ihrem Ende nahe gebracht wird, ist am prägnantesten wohl durch den vollständigen Zusammenbruch der gesellschaftlichen Moral, wie dieser Begriff der marxistischen Geschichtsauffassung als ein ideologischer Firnisüberzug der Gesetzgebung und Rechtssprechung der herrschenden Klasse erscheint, gekennzeichnet. Wer nämlich das wohlgesittete und ordnungsliebende Deutschland vor 1914 selbstverständlich — in der relativen Bedeutung dieser Worte für die Bourgeoisie — mH dem Räubereldorado der Kapp, Escherich, Noske usw von 1919 und 1920 vergleicht, der wird wohl erst das Gleichnis von Marx — von dem gesellschaftlichen Ueberbau, der sich nach dem Abtragen der wirtschaftlichen Grundlagen wj,e eine entspannte Feder abspringt — in seiner ganzen symptomatischen Tragweite würdigen können. Man braucht nicht allzuweit zu gehen, um Beispiele htel'iir zu finden. D;e Arbeit der vielfachen reaktionären 'Mörderzentralen, der Matrosenmord von Marloh, die Heldentat der Marburger Studenten usw. zeigen bloß wohl die ejne, wenn auch die entsetzlichste und' blutigste "Seite der „ewigen, bürgerlichen Rechtsordnung" dje auf den Leichen von 15.000 deutschen Proletariern fortbesteht. Es wäre verfehlt, in ihr, w:e überhaupt in der mannigfaltigen Verbrecher- Statistik der deutschen Revolution, nur einen sporadischen Busbruch einer durch den Weltkrieg großgezogenen Verbreclierpsychologie der Massen zu sehen — etwas anderes ist festzustellen und hervorzuheben: es sind nicht die Massen, die bewußt oder unbewußt den Weg des Verbrechens suchen — es ist das System des bürgerlichen Gewaltstaates allein, weicher sie methodisch und raffiniert auf ihn hinstößt. Der Prozeßder Berliner Mörderzentrale, der jetzt als die dekadent-selbstgefällige Tagessensa Hon der wurmstichigen deutschen Bourgeoisie dem Weltproletarial: den Verlust seiner größten Toten Liebknecht und Luxemburg in neue pein'volle und räche fordernde Erinnerung ruft, bietet für diese Behauptuno den trefflichsten Beweis. Gerade m den Verhandlungstagen dieses Sumplprozesses, in denen der angeklagte Prinz als Ankläger erscheint und der Vcrleumdungskläger, Heinrich Sklarz, der berüchtigte Freund und Talelgenosse von Scheidemann, Noske uiid Ebert, sicherlich das korrumpierte und korrumpierende, das moidüberhäulte und mordüberhäufende System der deutschen Konterrevolution in seiner ungeschminkten Blöße darstellt, gerade aus dem Anklagematerial und den Zeugenaussagen dieses Prinzprozesses der Reaktion ergeben sich.die wahren Ursachen und Urheber der „Versumpfung" der deutschen Volksmassen. Bekanntlich hatte Prinz behauptet, im Besitze einer von Scheddemanu unlerzeichneten Mordbefehls an Liebknecht und Luxemburg zu sein. Zwar mußte er die Möglichkeit der Fälschung*der Unterschrift zugeben, nichtsdestoweniger enthüllen seine Aussagen wie auch die Zeugen Feldwebel fischka und Oberleutnant Jürgen ein so scheußliches Bild des usammenhauges der offiziösen Recj;erungstellen m i t den Leuten, die öffentliche Preise für die Ermordung Liebknechts aussetzen, daß eine Reinwaschurfg von Sklarz . und Co. fast ausgeschlossen erscheint. Auch der Vorsitzende des Gerichtes mußte seinem Staunen darüber Ausdruck geben, „wieviel Leute sich von Sklarz vernehmen ließen", d. h. gut deutsch, wieviel Leute von ihm eingeschüchtert oder bestochen wurden. # # Das eigentliche Geheimnis des Prozesses bildet der jähe Tod der Braut von Prinz, einer gewissen Plaumann, die nach einer Unterredung mit Sklarz in ihrem Bette tot aufgefunden wurde. Es ist festgestellt, daß Sklarz durch Drohungen und Verleumdungen ihr das Geständnis von der Fälschung der Unterschriften durch ihren Bräutigam abgerungen hat. In seiner Kanzlei hätte er das Mädchen dies schriftlich bezeugen lassen. Doch soll es später, wie ihre Mutter und Schwester aussagen, sich zu Hause geäußert haben, daß „sie Prinz Unrecht getan .hätte." -- Unsicher ist. ob die Plaumann Selbstmord begangen hat oder ob ein /Word von Sklarz an ihr verübt worden sei, wie es Prinz behauptet. 'Die beiden Aerzte stellten fest, daß s.e die Schnur nicht selbst um den Hals knüpfen konnte . . . Noch ist das Gerichtsverfahren nicht abgeschlossen, noch ist das Pro und Contra von den Schöffen nicht gewogen worden Eins kann jedoch heute bestimmt behauptet werden : Auf den Anklagebänken in Moabit sitzt die korrumptierfe deutsche Bourgeoisie, d e mit ihrem Pesthauche die breiten Volksmassen vergifte! imt, auch über das System Noske- Sklarz wird dort hin vernichtendes, Urteil gesprochen. „Totentanz. b'ine bunte Gesellschaft toter Internationalisten und Fötor kaiserlicher und königlicher Minister haben sieh in Prag zu einem ekelerregenden, unmoralischen Totentanz va\- s a in men gel unclon. Da ist zunächst das ehemalige Oberhaupt der Internationale und derzeitiges Mitglied der kaUioiisch-soziuüfUschen Regierung in Belgien — Vaiuler'« cldo. Kr sprach als erster von deu Güsten. Ks war der, Reigen der Krinneruiig an seine Zusammenkunft mit Mnsaryk',' an den Genier Kongreß und an Versailles. Wunderschöne Erinnerungen eines Ministors zu Dienst. Dann lühmtc er die tschechischen Sozialdemokraten dafür, daß sie — nach dem Zeugnis Albert Thomas — und die Belgier „das Maximum an sozialen .Reformen verwirklicht haben _ und mit Erfolg dem Bolschewismus trotzton". Er vergaß bloß zu ' sagen, daß er dies im Namen seines Herrn und Gebieteis des belgischen Königs und seines Kollegen, und Freundes — Millerand, spricht. Wie lief er gesunken ist, schilderte er übrigens selbst, Indem er seiner letzten Zusammenkunft mit Hermana Müller in Versailles gedachte. Er — Vandervelde — diktierte und Müller untero'ihnoo den Friedensvertrag. Ein wunderschöner „Tanz der Erinnerung Dann kam ein Engländer und gab den langweiligen „Tan/ der Gegenwart'' ziun Besten: .,Der Sekretär der britischen Eisenbahuerorganisation Cramp' führte aus, die Aufgabe des Kongresses sei, über die Schritte zu beraten, die zur Umwandlung der Gesellschaft in die neue Ordnung unternommen werden könnten.;Er glaube nicht, daß der Fortsehritt des Sozialismus bei allen Nationen einheitlieh rasch sein könne. Die britische Arbeiterbewegung sei mit der Dritten Internationale unvereinbar, bekenne sieh aber zur Zweiten Internationale."; Die Gegenwart ist so schön, wozu so „rasch* zum Sozialismus streben. Wir Engländer haben) jedenfalls noch' Nach diesen kam Hermann Müller zum Wort. — Mau ließ ihn in Prag sprechen, zum Unterschied von Versailles, wo Vandervelde mit: ihm nur; auf schriftlichem Woge verkehren wollte. Er wünscht: „Seinen deutschen Parteigenossen sagen zu können, daß in der tschechoslowakischen Republik die tschechischen Sozialdemokraten bereit seien, mit ihnen Hand in Hand zu gehen." Sehr bescheiden, wie es einem Besiegten gebührt: Und nun erhob sich der Sekretär der Zweiten Internationale, Huvsmans, verdolmetschte die Grüße seiner Partei, die dem Sozialismus und der Demokratie treu geblieben sei. Er wünsche der tschechischen Sozialdemokratie zweierlei: Klarheit und Geduld. Der Sozialismus ist nicht durch Terror aufzurichten. Die Vereinigung aller Sozialdemokraten der Welt wird kommen, weil sie kommen; müsse. Ein garstiger Totentanz. Und so blieb dein, Vorsitzenden Nemeu nur noch lriuzu/.ufügen, ,,daß der Parteitag durch die Teilnahme der Delogierten aus dem Auslände eine große, internationalistische Manifestation darstelle". .fawohl, eine Manifestation für die banlcerottgewordeneu Minister Tusar, Müller und Vandervelde. Und damit bei diesem Bankett der Exellenzen a vi ß o r und zu Dienst das Heitere nicht fehle, klagte das naive russische Bäuerlein, der Sozial revolutionär! Euchomlinow, seinem Freund Tusar. über „die politischen, Verhältnisse in liuülainl, wo die sozialistischen Führer eingekerkert werden". Das sagt der Bauer dem Tusar, der seine eigenen Geuösjsen Muna, Skolde usw. einkerkern ließ. Ein Bauer. Ein Stelldichein der Toten der Zweiten International.' zum Kampfe gegen ciie Dritte. Das ist der Parteitag 'der T s e he eh osi o wak j s ehen S o zi a 1 d om okraten. Ein absehouerregender Totentanz. GLOSSEN. ■ Die „Wiener Morgenzeitung" für die Donaumonarchie, Wir erinnern uns noch lebhaft jener Tage vor O. m Zusammenbruch. Damals erklärte der Zionistentühror ^tiikker offen, er seif ü r e in \V e i t e r b c s t o h o n d ■ :• ö s t e r r e i p h i s o h - u n g a r i s e h e n M o. n a r h i ■ Später aber, als er durch Koppelung mit Anüzionisten, Abgeordneter der Nationalversammlung wurde,, war ihm die deutsehösterreiohisehe Republik nicht genügend rot. Udd jetzt, wo die Republik für Um nicht einmal ein Mandat übrig hat, ist er wieder für eine.,.. Donartronarehie. In der sanften, jedem Klassenkampfe abholden Sprache der „Wiener Morgen-Zeitung" tritt für eine Donauföderaliou ein. In der Nummer vom 28. November vergießt die „Morgeuzeituug" bittere Tränen darüber, daß die Sozialdemokraüe.i „nach dem Umsturz mit einer chauvinistischen alldeutschen Propaganda eingesetzt". — also beurteilen die Zionisten den Kampf der deutsehösterroiehischon Arbeiterschaft für ded Anschluß an Deutschland — „und die systematische

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