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Freie Tribüne · 1920-11-27 · 42 (27.11.1920) · page 2

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
42 (27.11.1920)
Date
1920-11-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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*5£iTE * «chaullthcft1^^!^, tta» siö vötä tferi Msuir^ wrsprechiÄÄft aller Ä artet«* au halten ftatl Die soz ialMtol g^rltfi^Äffrf^ immer etlißT^fecher ^öfört^e Sozi öle Fürsorge^ Nöt* tfandsärb^ftört u. d£f. f^r die n feu* Angekomm^ten.; die EmigSf'arrtött bekamen «eilten .vVioiigesctitmack' der rukünftigeh Re^ulicraJig des großen Bmigrationsstromes und der verheißenen MassGJiM'onisatioti. Und so vereinigten sich beide — die /\Jisäsr*gen titid die ArigekomTneiiieti — zmt Selbsthilfe, zut revolutionären Tat in der Sozialistischen Arbeiterpartei Poate Zron Palästinas. Zunächst war es die gewerkschaftliche Bewe* guii/gf, die neu ins Leben glerufen wurde. ttchdut Haa? wodah, die die g2samte* Arbeiterschaft für den gcwcfksthaftlichen, politischen und kulturellen Kampf organisieren wollte, hat tatsächlich gerade auf dem' gfewerkschaftlicheri Gebiete jede ernste Arbeit verriachl-ässigt. Und so ist es das große Verdienst ums'erer BrurJörpartei ,(S A. P.), daß. sie die Arbeiterschaft Pa* löstinas gewerkschaftlich organisierte. Daß sie dabei das wahrhaft internatioinale Prinzip betätigte und die Arbeiter beider Nationen — Jude* mnd Araber — tri einer Gewerkschaft vereinigte, : machte die climi* virustische Achdut Haawcdali geradezu wütend. Gar bald machte sich diese organisierte Kraft idfer'S. A. P. fühlbar. In mehrerein kleinen und gros* sieren Streiks, besonders aber in der großen Dennon« sfträtion der Arbeitsloseni in Jaffa, erwarb die Partei r)i0Ue Kraft nirid Ansiehen und schuf so den Arbeitern töäSsere Arbeitsbedingungen, ^e:n Arbeitslosen Arbeits* rnöglichkeit. Der zionistischen Bourgeoisie und! vderen allge* waltigen Bürokraten war so die S. A. P. ein Dorn; im Auge, der Achdwt Haiawodah ein verh'aßter Gegner. Die Partei wiithls und' erstarkte; sie ist nun eine ernste politische Macht geworden. Ünd nachdem' «s sidi tum eine ausgesprochen revolutionäre poale? zionistische Partei handelt, Watte sie nun die „Auf? rrierksarnkeit" der hohen porBisehen Behörden, der zionistisch het>raistisdh'en Oligarchie und des «rcJhWarzenorthodoxen Schmorrertums auf sich1 ge* riditet. \ . Im Oktober sollte Genosse Jascha in Jerusalem einen, Vortrag über das Thema; „Poale Zionismus .und' Atdhtiut Haatwodah" halten. Der Vortrag; sollte an «lnem Samstag in einem Kimosaal' in j i d d i s c h' e r Sprache gehalten werden. Wias in Jerusalem anschiwär» 2»ar Gesännmig und politischer Macht aufzubieten war, ist gegen diese Vei^airistailtunigi der S. A. P.ö , ad> waarschiert. . . v per Rabbiner Kuk h'at die Orthodoxen awigefor* «fert, diese Entweihung des heiligen Samstages niChit tu dulden mnd verbot, dem1 Kinobesiteer, den Saal zur Verfügtiing zu stellen). Die Zionisten forderten ihre traute auf, zankeich zu ersdheinen und nicht zu' gestatten, daß in- Jerusalem jiddisch gesprochen werde. Der „Maikkabi" — die Mittelschuljugend — v'öber wollte sich besonderen Ruhm, holen und eing'e* denk der grossen Makkabiäer vollbrachte sie eine Heldentat; der „Makkabi" ging hin ... zum Gouverneur und ... deniunz'ierte Genossen Jascha, als gefährlichen Botedhewik. Das Resultat: der Gouverneur von Jerusalem verbot den Vortrag und ließ Gen. Jasdja zu sich „bitten'J. Als dieser aber die „Einladung" ablehnte, ließ der Gouverneur ihn durch die Gendarmerie und Detektivs überall vergebens suchen. {Achdut Haaiwodali? Sie „begnügte" sich mii;t «f^ear öffentliChien Erklärung: Genosse Jascha sei kein Äitglied desjenigen Wleitverbandes,, dem sie aaigeschlossen ist. Reinliche Scheidung. Damit der Gouverneur ganzgenau informiert ist. Zifm 7. Növembfer erH^ft unsere BftÄtfcfpattei einet att atideret*" Stelle a§^drtÄ?kt«n Aufriß. Sic forderte dfe Arbeiter-Schaft Palästinas auf, zum Zeichen deren Solidarität mit Sowjetru-ßland am 7. November die Arfcieit ruhen zu lassen und' in Versattitn Hingen und StraBendemonstratiorten den Willem zum revolutionären Karnpf kiindjcutun. Einzelheiten über das Gelingen dieses Geherai* Streiks fehlen uns noch; soviel wissen wir aberschon: mehrere unserer Genossen wurden bereits verhaftet, andere Werden durch ein ganizes Aufgebot von Spitzeln und Provokateuren verfolgt. Also arbeiten und kämpfe1! die Poale Zion in Palästina. Die Nationalsozialisten — Achdut Haawodah — aber rühmt sich, die „Arbeiten" der sogenannten Konstituante (Assifat=Ha:»iiwchorim) dadurch ermög licht zu haben, daß sie auf jeden Klassenkampf von ä vorneherein verzichteten. Aber darüber dasnächste Mal. Krise oder Bankerott*). ii. Das Alarmgeschrei des untergehenden ostjüdischvin Kleinbürgertums, der verschiedenen ..Linken" und' pVolikssoziallsten", ihr zörnerfülltes Wehklagen über den Klassenegoismus der Amerikaner darf man niemanden irreführeftr Zwar ist es richtig, daß die panperisierten Kieinbürgermassen, deren Existerumiöglichkeiten in Osteuropa vollständig zerstört wurden, sehr stark an der Freigiebigkeit und Weitherzicfkeit der Amerikaner verintei-esstert sind, aber ihre Siedlungsarbeit und Aufbajutätigkeji wäre bloß die Verkrüp, elung des sozialistischen Gedankens — besten Beweis hiefür liefert ihre mit inhaltslosen Phrasen durch'und durch gespickte Ideologie und ihre ganze ,yGolus!äfbeit" —, übrigens fbegnügen sie sich gewöhnlich nur mit Geschrei und unterwerfen sich sonst 'dem Kommando der klassenbewußten, kapitatkräftigen Zionisten vom Westen, da sie selbst —* wie die gesamten Kleinbürger aller Länder und Völ ker — unfähig sind, \jrgendwelchc größere politische" oder wirtschaftliche Aktion zu unternehmen. Geld' und nationale Kapitalien — das. sind die zwei Kardinalfragen, die die zionistische Oef f entliehkeit unablässig beschäftigen. Der »viele Lärm wird aber nichts erwirken. Freiwillige Spendlen lassen sich zwar, bis zu höhen Summen — insbesondere bei der heutigen Valutaentwertung! —■ sammeln, sie wertJen aber nie für den Aufbau einer starken, produktiven Arbeitsgesellschaft genügen, nie für eine großzügige sozialistische Aktion äusieichen. Die führende Initiative wird, solange die kapitalistische Weltordnung andauert, in Händen des Privatkapitals sein, auch in der bürgerlich zionistischen Bewegung. Welchen sozialen Wert übrigens, auch »dfie größten ' Kapitalien unter kapitalistisch«- Patrönanz besitzen, -zeigt am1 deutlichsten die „konstruktive" Arbeit ides „Joint". Sich der Hoffnung hinzugeben, die Jointbourgeoisde würde im Interesse. der Arbeiterschaft mit den Kapitalien anders als bis jetzt verfahren, wäre entweder politischer Kretinismus oder Unehrlichkeit.. Die Bourgeoisie — mag sie auch zionistisch heißeu — kann eben nicht anders arbeiten, als nach ihren Begriffen, ihren Anschauungen und .Klasseninteressen. Da liegt nun die versteckte Ursache der Krise im bürgerlichen Zionismus. Der Pälästinismus in seiner schwerwiegendsten tiefsten Bedeutung — ist eben die Produktivierung, Revolutionisieiung des jüdischen Lebens. Dazu nun kann der niphtproletarischeZionismus niemals führen, er kann dabei — wie es die I rit üii" hr. bisherig«" zionistische Praktik vollauf bewies — nur sMfen. Öa tielfen keine (kathttisichten Aufrufe rier „Ijföfcen 2fdhi®ten und r«lrrten * Poale-Zloti, „zur schöpterisefteft, solidai-ischen Ärlöeit äller Klassen, für \M im Nämen der. nur in ihrer lebhaften Phaütasiiii existierenden, „Volksgömeinschaft". tJmsonst! Das Kapital sucht Profit, o^e zionistische Bourgeoisie, neu«, durch die Macht des »Proletariats iMcht gefährdete Ausbeutungsmöglichkeiten. Sie ist ebenso ~wie die Boui-geoisie dw ganzen Welt, nicht mehr zu schöpferischer Aufbauarbeit fähig. In einer seiner , vielen, aücht so großen, wi«; i langen Reden, segt Weitzmann: „Die wirkliche Ursache der Krisis ist \der Beschluß von San Remto. jetzt stehen die Zionisten vor Alltagsaufgaben. Das hat die Krisis im Zionismus hervorgerufen und aus ihr muß man herauskommen, .(jüd. Rundschau Nr. 78). So sieht es nun in der Wirklichkeit aus. Man konnte eine efhlabane Pose und den Glorienschein schöpferischer Arbeit annehmen, so lange es möglich war, papierene,\im Interesia? Englsrndk gelegene „Siege" einzuheimsen, Die innere Lüere, die vollständige Ohnmacht des bürgerlichen Zionismus; mußte sich aber entpuppen, als die Zelt zum Schaf-, fen und Bauen heranbrach. Es irrt also Weitzmann gewaltig, weum er (glaubt, die Krise könmie überstanden werden. Nein, aus dieser Krisis gbt es^ für den bürgerlichen Zionismus 'ke!n0n Ausweg. Für ihn bedeutet sie: Principium finis, BegJnn des volldtgen ßankerofts. Iii. jetzt, da einerseits der Klassencharakter in der zionististthen Bevegung so deutlich zum Vorschein kommt, da er sich in seiner größten SchÄndlichkeit ~ und Scharfe äußert, anderseits aber die Revolution, nisierung unseres Wirtschaftslebens durch den pro-' letarischen PalÄstinismus ein konkretes und dringendes Postulat der jüdischen Arbeiterbewegung wird ist; es die wichtigste Pflicht rdes klassenbewußten, jüdis'hen Proletariats den sch^öristen Kampf gegen den bourgeoisen und kleinbürgerlichen Zionismus — mag er sich noch so „sozialistisch" gebärden — aufzunehmen Die jüdische Großbourgeoisie «will zusammen mit dem englischen Imperialismus in Palfistine ein Schutz- und TrutzbÖl^verk für sieli errichten und unter den Fittichen dieser Gewaltigem will das jüdische Kleinkrämertum a'ucii für sich ein Beinclient: aus dem großen Fleischtopi erhaschen um sein kümmerliches Dasein weiter fristen zu können. Der einzige levchitionierende Faktor, die einzige schöpferische Kraft in dem jüdischen Volk ist die Klasse der jüdischen Arbeiter, die ihren revolutionären Paläste nismus aufbaut, im Kampfe gegen die jüdische Bourgeoisie, wo auch immer diese ihre' iÄacliiposiiioneiJ zu festigen, sucht, sei es im Gal'uth oder in Paliästina. Der sozialistische Aufbau Palästinas kann nur durch revolutionären, projetarischen Klassenkampf vollendet werden. « ■ Deshalb muß auch, die durchl die „kongreßrreundlichen rechten" Genossen' herb2!ig;eführte Spaltung in unserer Bewegung, als Verrat an den bitonessem des Proletariats gestempelt werden.. Schamloser Verrat ist und bleibt es, wenn mjan zur Zeit,, da die zionistische Bourgeoisie bankrottiert, an ihren Kongressen und anderen „gfemeiinnützigen" Institutionsejti, teilnehmen, oder, wie sich die rechten Genossen/mit schelmisch-süßer Naivität ausdrücken... solche 'freiwillige allgemeine Institute .schaffen will, in deroein» man die Bourgeoisie dort zum Klassenkampfe zwingein werde, wo sie es am allerwenigsten erwartet. Während es ^lancheh, Ziejrej-Zionisten sogar, schon klar zu werden beginnt, daß die amerikanisch© und überhaupt bürgerlich-zionistische Aufbautajigkei* Zerubabel. Sch. An-ski. (1863-1920.) Wie tauige ist es berfj 4m Grabe Jakob Dinosou drängt sich eine taubwiditöpfige Menschenmenge. An--Rki, gebückt wid gebrochen, qiramt Abschied voat demverstorbeaeft Schriltsteller,, \ioc keine oigeneii' Kinder 'Zurückließ, um den aber tausende verwaiste „»Joselech." und „Herschelech" trauern. An-skii-i Gesicht ist gelblichblaß, die tränenerstjekte Stimme zittert, die sonst so freudigen Augen sind weifc «.reöünet und starren ins offene Grab. Und in allen Herzen hatte sich unwillkürlich die trübe Vorahnung eingeschlichen: „Wer weiß es, wie laugo noch An-^ski aushalten wird?," Vom. Herzen drang es in den Mund; blieb aber äui den Lippen hängen Stumm fragte milder Blick: Sähet ihr An-skir1, Nicht wahr, er ist schon dem Irdischen, fern?,- Und nun ist Au—ski wirklich „jenseits", doit an Seite Ües feurigen Perez und sentimentalen' I>inesolm. 'An-ski gehört nicht au den Begründern der jüdischen Iiiteratur, auch nicht ku den Meistern der jüdischen Sprache. Er hat nie, wie Diuesohu z. B-, den „echten" jüdischen Konian zu schaffen gesucht, nie Vertiefte er sich, wie cy, Perei; getan halle,, in die Vcrwandlungsprozesse und tragischen Konflikte des jüdischen Geistes, mit nichten hat er auch ewige Monumehtalwerke, der aufs neue sich erhebenden und nach Freiheit ringenden, jüdischen Individualität, geschaffen. Er war vor allem ein Mensch mit tiefem Verständnis für die Proiuüeuie des realen Lebens. Er war Dichter. Seine Dichtung war aber das Leben selbst. Nicht die Idee war der Gegenstand seiner Betrachtungen, sondern der Träger der Xdee — der Mensch. Von seiner, frühesten J ugend an war er SostaUst und wurde als reifer Mann' in seinen Idealen von dem russischen SoziaJphiJosoph Lawrow (dessen Privatsekretäo. er iange Jahre hindurch war) bestärkt. Abi Dichter hat er euch die Träger und Vä-wirklicher der sozialistischen Idee ger Bucht und sie unter dem gemeinen Volk, den einfachen Arbeitern gefunden. Hier fand er echte Menschlichkeit, gesunde soziale Instinkte, einfache,- ungezwungene Beziehungen, hier unter diesen ungekünstelten Verhältnissen fandj er sein eigentliches, Betätigungsfeld und widmete sich*«ihm mit .Leib "und Seele. Sch. An-ski war sein ganzes Leben hindurch ein Yolksdichter, vom. echten spezifisch-rassischen Typus. Das Kolorit seiner Erzählungen war. immer seiner Wirkungssphäre angepaßt. Anfangs war es die einfache russische Bauernschaft, unter jder er als Volkslehrei- Licht und Wissen verbreitete,. von der, er auch gleichzeitig Lobenskrait und wahre Sittlichkeit schöpfte. Später wurde es die jüdische Volksma^c, der Stand des einfachen, biederen, von «einer Hände Arbeit sich nährenden, jüdischen Volksmenschon, wo sich seinem Künstlerauge ein verborgener Schatz erhabener Schönheit und ewige Werte zeigten. Sch< An-ski hat viel geschrieben. Kein literarischen Gebiet war ihm fremd, in allen hat er sich versucht, in Poesie und Prosa, Drama und Publizistik. Zwar hat er öiuh nirgends besonders ausgezeichnet, in keiner der genannten Literaturgattungen eine hervorragende Stellung eingenommen und doch entsteht ein herrliches Werk, wemt man alles, was" er je geschrieben, zusammenfaßt und sein eigenes Leben — dyfs ein getreues Bild oder eher, die Fortsetzung seines literarischen Schaffens war hinzurechnet,, ein Werk schon und wunderbar mit dem Titel: Sch. Au—ski.' Er gehört zu jenen Naturen^ die sich für die Wahrheit aufopfern: können und wie mit geheimnisvoller Macht zieht •es ihn, solche Naturen in seinen Werken darzustellen. Das 'Leben hat für ihn einen, bestimmten sozialen Inhalt und;Wert und nur unter dem Gesichtswinkel* der sozialistischen 'I deenwelt schildert er seine Helden. Alle seine Werke durchzieht ein zornerfüllter Protestschrei gegen die heutigen verknöcherten, überlebten Formen und konventionellen Beziehungen der Menschen zueinander. Angefangen von seinem Einakter „Vater und Sohn", seiner, großen Erzählung mit dem Strom" bis zu, seinen „Pionieren" und Liedern, dröhn«, uns ein flammender IJuf zur Auflehnung imd sozialistische»;! Kampf entgegen. Er hat uns nie und nirgends künstlerisch vollendete» volle Typen geschaffen. Seine Schilderungen gleichen, eher einer chrouistisch-historischen Sammlung altvei'klungcner Ue-" schehnisse, von zartfeiner Hand perlengieich aneinandergereiht. Und doch war er der Einsöge in der jüdischen, Literatur, der uns die jüdische Arbeiterbewegu n g ■Mi schildern versucht hat, er allein stellt uns den Typus der neuen jüdischen M u 11 e r, (he ihren Sohn, dent Revolutionär, in seinen Idealen nicht hemmt, sondern unterstützt, der ähnlich wie ■/.. B. Gorki, den Typus der russischen „Muttergezeichnet hat. Die Jahre des Pogroms und der Revolution brachten 'ihm der jüdischen Gasse wieder näher, und da zeigte tich erst ganz seine liebevolle Seele in ihrem wahren Elemente. Wie so manche von den ,,Zurückgekehrten'' konnte auch An—ski sein Gleichgewicht nicht wiederfinden. Indem er sich in die Probleme des jüdischen Lebens vertiefte, erboste sein Herz ob der KulturlQsigkeit und finsteren Nacht, die die jüdische Gasse verdunkelte und er zog fort in die weife, allzu weite jüdische Vergangenheit. Hier suchte und fand er Wahrheit, Gerechtigkeit, Schöne. K Derselbe Au-ski, der mit seiner „Schwue" die Begeisternngslo'he im Herzen tausender, revolutionärer Kämpier entfacht hat, derselbe An—ski, .der der .jüdischen Jugend die Losung „Selbstschutz" gab, indem -er ihr zurief: „Schweig' nicht feige deinem Feinde, Kugeln spuck zurück!" derselbe Au-ski versank dann in die alte Welt religiöser Mystik, die seine einst so kampfesmutige Leier so sehr in ihre Netze bannte, daß auch ihr letzter, leiser Akkord mit der Bitte um einen . . . Kadisch ausklang. Im seinen Schriften war er tendenziös. Stets stürmte iü ihm eine Idee, die wie. Blut so rot seine Adern durchfloß. In den letzten Jahren waren es „zwei Seelen, die in seiner Brust kämpften". Einst bestand noch kein Gegensatz zwischen meinem Ghassidismus und seinen sozialen Idealen. Sein Rabbi ist der „Rabbi in L e i n w a n d ", nicht jener, der in Sammt und Seide prangt, sondern der in einfachen ..Leinenkleidern herumgehende, dehn der ist sein

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