Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 42 (27.11.1920)
- Date
- 1920-11-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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&&r<D£-er^FK'AUfÄ ^./WoffÄ "V^Ä^A/v/Qr £uCt-tf ||MHWMllimillimill«IMftmiH^^ IRFIITRIBUNI Organ tfer jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion in Deutschösterreich Erscheint jeden Sanistag REDAKTION UND VERWALTUNG: WIEN II, GLOCKENGASSE 6, Tür. 17 Erscheint jeden Samstag Bezugspreis samt Zustellung*. Ganzjährig K 45.— Halbjährig-K 24.- . f . . - Vierteljährig K 12.- ...... Poppehmmmer K t.S» iL Jahrgang Wien, 21. November 1920, Nr. 42 Der Kampf beginnt Kaum ein Monat, seitdem die Sozialdemokraten -aus der Regierung herausgetretensind.-und das Land ist bereits von einer Reihe wirtschaftlicher und politischer Kämpfe bestürmt. Der Klassenkampf. hggjA.it wieder. Wjchi etwa darum, wer \Deutsi?liösterr'ci(jW regieren, sondern einzig und allein darum, wie.'dieses Land regiert werden soll, geht der Kampf. Kaum hat sich das1 ^Bürgertum seine Regierung (lies "Priväteigentums und des.uneingeschränkten Profits aufgerichtet, als die Arbeiterschaft den neuen Äacht* feiabern schon ihre eigenen./Forderungen anmeldet. ja offenem Kampfe hat die Arbeiterschaft Deutsch* Österreichs der triumphierenden Bourgeoisie kundgetdn, was1 sie von einer bürgerlichen Regierung der demo* kratisehen Republik erwartet; Avas.sie ihr erlauben und was'sj-e ihr nicht erlauben' wird. Die klassenbewußt fem. Arbeiter haben unzweideutig bekanntgegeben, wie OeutschöS'ierreich regiert werden müsse. Und keift «nderer, als die Regierung selbst, bot der Arbeiter*, seh an die Gelegenheit zu (dieser ernsten Willens* «j&ufterung. '/ . M£ .' i Anstatt demi Volke, die im Wahlkampfe verspro* SfegQ'gjfr, S^r^agcri..^(^währe^ging_ flie bürgerli'e ^k^mg "daran, rfas Mgliäie Brot zu verschlechtern wild' zu vennindern. Sie konnte nicht anders. Denn sie ^var von der Bourgeoisie \iuTid den reichen Bauern, wahrlich, nicht dazu eingesetzt, damit sie deren ho* bss Profite schmälert, oder {gar die gefüllten Kornkanirnern für die arme Bevölkerung requiriert. Und. so müßte sie es versuchen, dem Münde des arbeitendem Volkes so viel abzusparen, ah. sie den Reichen. an Gewinnquote zugebilligt hat. Die- Regierung der weiße« Semmel gab dein Volke -getoes ungenießbares Brot. Dies alles versetzte die Arbeiterschaft in große Aufregung. Es bedurfte nicht einmal der kommunisti* schen „Hetzrede", damit die Proletarier sich zur Wehr Bietzen. Eine Reihe spontaner Streiks verkündete die Entschlossenheit der Arbeiterklasse, sieh ein. besseres 8rot zu, verschaffen. Aber nicht nur auf wiilsdiafUicfreiu, auch auf politischem Gebiete entbrannte einernster Kampf zwisehen Arbeit und Kapital, -zwischen der Republik ujud 4er Monarchie. Unter der Herrschaft ehier Christlichsozialen Buti* 4esregiefung wähnte, die ungeduldig lauernde monarchistische Landesregierung Tirols ihre Zeit gekommen. ' , Sie lud die im. geheimen und offen bewaffne* te.n monarchistischen Anhänger .(Heintwehren) zu einem Stelldi'ein zu sich. Nicht genug daran, sicherte sie sich1 das Erscheinen der schwarzen Königsbauden aus Bayern. ■ Escherich mit seinen „bewaffneten Kaiser- 'treuenj sollte beim Festschielten zugegen sein. Auf äiese Weise sollte nicht nur die monarchistische, s-on* •dem auch die separatistische Gesinnung dieser famosen Landesregierung demonstriert werden. Wie ein Mann hat sich die Arbeiterschaft Tirols dagegen erhoben und es gelang wenigstens, die be* waffnete monarchistische Verbrüderung zu verhindern. Also beginnt der Kampf — der Klassenkampf. Durch die Herrschaft der Bourgeoisie hervorge* fangen, wird der revolutionäre Klassenkampf solange nicht aufhören, bis die Diktatur des-KapitaIsi vernichtet! sund die politische Herrschaft des Proletariats aufgerichtet Ist.'' . Die Ausweisung jüdischer Arbeiter, . Mute? den Agenden, die ich in meiner Jftigenschafti als Landeshauptmann von-dev niederöfjtcrreicbisnhen^. Jjanciesregierim«; übernommen habe, befindet Hieb, eine, dio besondere Bedeutung für die Wohnuug:»- h-iigc- und die wirtschaftlichen Verhitlt- »itfse in Wien hat. Ks ist dies die AnsweiKtmg ortsfremder Personen *iu Wien. Di»1 zielbewußte, -aber gerech t e Ii e - u a. i). d 1 u n. g dieser Angelegen- 'heil erscheint mir im filtere we der gesamten Bevölikeriuijs clringendsfc geboten. Ks .Bollen ira erster Linie w irisch a f ttiche Schädlinge, dann aber auch tiberflüssige Wolinungsnehmer beseitigt werden. Bürgermeister R'cumftnn. J n der von uns ao oft, über freilich vex^» blieb nh'iHerten Angelegenheit der Ausweisung jüdischer Arbeiter wird eine Wendung /.am Mesclilichoren smgekündigf. Nuch all' den üblen Erfahrungen, die wir gemadil haben, drängt sieb uns ein linder Zweifei auf; Die .Botschaft hör" ich. wohl, »Ueini mir fehlt clor Glaube. Wenn es den Schutz, der elementarsten Mciis?ehon- . 'rechte.'der Aerrasten der Armen, der, jüdischen Proletarier £,üt, dann versagen gewöhnlich alle Grundsätze Her'Humanität und Klasscnßoli'darität, dann erweist sieh die glänzende Phraseologie in Versammlung unci. Presse als eitel Zunder und Plunder, gut genug, um. die Aufmerksamkeit der Parteigenossen vom. häßlichen. ■ peiitischen . Lied de« Alltags abzulenken, welches nur {•'allzuoft zu den einfachsten Grundsätzen der Mensch! ichkeif dört krassesten MiBton bildet. Dje.. Ankündigung, des sozialdemokratischen V/ü\-' qerineisters und Landeshauptmanns ist, so selbstverständlich sie auch für 'Westeuropäer klingen mag, für die in Nesterreich lebenden jüdischen Proletarier eine Trohe Botschaft. - Trotz aller Kntsehließungen de« Bezirks- und Kreisarbeiierrates ist es bis jejfczt nicht möglich. geweren„ eine nur einigermaßen zweckgerechte Behandh.rg der Ausweisungen - und Wohnnngsarüorderuiigen zu erreichen.. Reaktionäre und pogioraistische Tendenzen wurden offenbar. Das Wohnungsamt wurde immer mehr dio Domäne der deatschnationalen und ehristlichso«:hilan Beamten, die sozialdemokratischen Funktionäre nur Marionetten in. den Händen dieser Beamten, welche nach ihrem Gutdünken amtshandelten und'die Anordmingeri oft in ihr Gegenteil verdrehten. Während Fremde von'- Distinktio'n ihre Herrschall-.- wohnungen und Prachtvillen behielten, aller Erlässe ' und Verordnungen hohnlachend, wurden, viele Arbeiter und Angestellte der Wohnung beraubt und aufs Pflaster geworfen. Um für die nach Wien gefluchteten Beamten Unterkunft zu schaffen, wurden nicht etwa. »Zimmerfluchten in den Ringstraßen wohnungen reqnii riert, nein, arme jüdisoue Arbeiter in "der IJrigtftenau mußten ihre; Wohnstätten verlassen und einHundeiebön in Holzbaracken führen. Wer wollte daran zweifeln, "daß dieser HantiHnngsweise eine reaktionäre Absic'nt. zugrunde )a,%? > Die Absicht, zwei Arheiterkategorien gegoneinändor. zu hetzen^, um sie .dann beide unterdrücken zu können! Kieht minder arbeiterfeindlich waren dio, Trakt; ken der Behörden bei der Ausweisung ortsfreiadci' ,^vii"i.schaftJicher Schädlinge". In unmittelbarer Nachbarschaft der Polizeidirektiout mit dem Schottenring, wird tägliohvon den Börsenfiyäncn ein schamTöser Tanz um das goldene Kalb aufgeführt. Kino dichtgedrängle Menge von j Schiebern., Wucherern und Gelegenheitsmachern staut sich vordem Tempel des heiligen Kominerz, die Konkursmasse Oesterreich vorschachernd. Was wäre da vom Gesichtspunkte der Volks Wohlfahrt natürlicher,' als sich vor allem dieser „wirtschaftlichen Schädlinge" /,u «ut ledigen??, Weit gefehlt. Diese ganze Parasitenhandcer freut sich der besonderen Wohlgeneigfheit der Behörden, welche im Raufen um die valutarischen Uebcrreste des gefällten Oesterreich wohl den Pul&schfag eines neuen Wirtschaftslebenß erkennenf.- Diesen Schmarotzern, welche uns förmlich da« Mark aus den Knochen saugen, die durch Untcrbklung der heimischen Werte die Kaufkraft der breiten Massen vernichten, wurde auch nicht ein Haar »ie krümmt. Die Ausweisungsmaßhahmen richteten sichi vielmehr gegen produktiv arbeitende ^adisohe Proletarier, welche aus Wohnung und Werkstatt geholt und Verbrechern gleich über die Grenze schubiert wuiden. Die gegen alle Regoln der Vernunft und Menschliciikeil derart Mißhandelten sind vürwiegend böchv qualifizierte in Arbeit stehende 'Handwerker, wie' Schuhmacher, Sehwejdör, SaktTer Sehriftse'ize\\ Metali-' ai beiler, Maga/.ineur*i' uind HandelsangestelUe. Dejvsoziaidcmokrali;>ehe ßürgoj'meister versprich*:, dttü das Ausvveisttngsverfaiuv.L'., fortan nur geg/?n „wirtschaftliche Schädlinge" Anwendung finden ßolL An seinem Manneswort soll nicht gedeutelt-und geinäkelt werden. Er wird mit gepanzerter Faust in daf; Wespeuuesi der reaktionären Saboteure dringen müssen, um sein Wort' wahrzumachen. Wir -werden a.bv.v nach wie vor auf der Hut sein, rnn dem elementarotcrr Rechte des von Land zu Land, einem Wilde gleich gehetzten jüdischen Proletariers Gellung zu verschaffen. Möge der Ruf der sich einer gequälten Brust entring«, in die Herzen und Hirne' aller Klassengenossen «ringen : Laßt uns; Üben! üepes^ aus Palästina. Unsere Bruderpartei proklamiert am 7. November den Göneralsteik*-- Oer Gouverneur vehaffet unsere Genossen. — Oenunflation ~ als nati&na9-zioni$fi$efte Heldentat Die rührend« hiijllc, die bisher zwischen Aus^ beuter untl Ausgebeuteten einerseits und zwischen Unterdrückten und . Unterdrückern andererseits in Paläsftina geherrscht hat, ist mm durch unsere Bruder* partei — der Sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion Palästinas — ,,unbarmherzig" zerstört worden. Der Klassenkampf gegen die Ausbeuter und die revolutiouäre Erhebung gegen die Okkupanten — im zionistisehen Jargon — Mandatare ist nun eingeleitet. Die klassenbewußte jüdische ArbeiterschaH Palästinas hat sich organisiert und ist nun laktiv auf die Sgeschiehtliche Arena des sozialistischen Befreiungskampfes getreten. Und, welch' ein Wunder! Auch dort im heiligen Lande unserer Viäter werden die jüdischen Arbeiter genau so gehetzt und verfolgt, wie in den Golus* landern. Es genügten bloß die ersten, Anzeichen einer ernsten sozialistisch'eJi Bewegung undalle Herren — von den frurnrnei* Schwarzen bis zu den höchsten Machthabern — gerieten in Aufregung, äl l e riefen nach ... Gewalt. . . Es geschah so : Nachdem der Bälfour^Rnrnrnel und die San; Remo^Erlösung von obiem bösen Kateenjainhier abgelöst wurden, und nachdem der zionistische Kongreß in London vor aller, Welt geoffenfoart hat, daß die zionistische Weltorganisation unfähig ist, d'as Land in den Besitz des jüdischen arbeitenden Volkes über* zuführen, erkannte die Arbeiterschaft Palästinas sehr bald, daß der Weg, den die gelben sozialistischen Parteien, von Hapoel Hazair bis AcMuth=Haav/odah, weisen, nicht zum Ziele führt. In rascherem Teytpc entwickelte sich das lassenibewusstsein, stets machte ger drängte es zur Aktion'. Dieser Prozeß der Ernüchterung und Revolution njsiemng wurde moch dadurch beschleunigt imd'ver* stärkt, daß sowohl die bürgerlichen als auch die so*, genannten proletarischen Organisationen Palästinas sidi; völlig außerstande zeigten', die wenigen Hundert Zuwanderer aufzuineh'mai und imterzübringen. Die? Jüdische Arbeiterschalt erkatrnte an Hand dieses an*