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Freie Tribüne · 1920-11-06 · 39 (6.11.1920) · page 6

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
39 (6.11.1920)
Date
1920-11-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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krieg ms Unermeßlich« vergrößert svorden, und «o fotfte sieh auch der .sehr geringe Prozentsatz der jü diiwhöu kleinindusirieller Arbeiter in „Massen Spekulanten ge wandelt Dok jüdische Bürgertum war schon durch die „Kerontfkj-Itovolution" vollständig in ihren Appetiten befriedigt worden. Ihre Ideale des „freien Siodlungsfeebtes" und aller ,.bürgerlichen Rechte'- sind zur Gänze erfüllt worden. So waren auch ihr Liberalismus und ihr „Rovolutionarisinus" erschöpft. Sie hatten kein „Laad" notig, auch bestand lür sie keine Agrarfrage. Das jüdische Proletariat tu seiner kleingowerbhohen Zusammensetzung hatte aber .jie Notwendigkeit einer Diktatur n i c ii i e r k a ii 11 t, da es in einem verschwindend gelingen Verhältnisse zu den anderen Gesellsohaftssohn;nu;n «tand. Der jüdische ."Sozialismus, der wesentlich „intellektuell, liberal1' und kleinbürgerlich war, war ment nur nicht zu der Lösung diese» Problems, sondern sogar zu seiner Aufstellt! n g lähig und vorbereitet. Deshalb haben auch alle sozialistischen Parteien (a u. ß e r den P. o'a 1 e - ZG o n) last zwei zwei Jahre das Räterußland sowie die kommunistische Partei bekämpft. Besonders hat sich der Bund in seinem i?Anatisehen, orthodoxen Mensehewisuius ausge zeichnet. Dieser älteste Organisationsverband dei jüdischen Arbeiterschaft hat sich unzerretßüch mil »iom Reformismus, mit dem fried'lieheu, idyllischen Soziaipatriotismus, verbunden: Der „Bund" ist zur kleinbürgerlichsten, opportunistischesten Partei Kußlands geworden. Der Fortgang der Kevoiution hat schheßlioh jedoch die jüdische Arbeiterschaft von ihren verhängnisvollen Fehlern überzeugt. Das „Massendenken in Tat-Sachen", diese unvergängliche Wahrheit, die ßakirain geprägt, hat die russische Kevoiution vollauf bestätigt. Durch „Tatsachen" haben sieh die Bauern Sibiriens überzeugen lassen, daß Koltschak ihnen so wenig in den Kram passe, wie Häterußiand für ihre Bc dürfnisse zweckentsprechend sei. Durch ebensolche „Tatsachen" haben die jüdischen sozialistischen Parteien eingesehen, daß Häterußiand in ihrem Interesse Jioge. .Nach 3Va Jahren der Konterrevolution und der Arbeitermassakros sind sie zur Einsicht gekommen, daß der Kommunismus jn seiner von den Bolschewik! angewandten Form die einzige Kraft ist, weiche da^ Land organisieren und es auf die große lleeresstraße des Schaltens und des Gedeihens hinausführen kann. Sie haben am eigenen Leibe erfahren, wie sich die ».sozialdemokratischen Gesten'1 in das grausige Judenblulbad verwandelt haben, wie die Sozialrevolutionären und tuensohevvLstisohen Aktivisten Agenten der „Schwarzen Hundert" geworden, nie sie mit den teuf lischesten Handlungen und Befohlen Denikins sieh „solidarisch erklärt" haben. Am Ende haben *ie klar erkannt, daß alle anderen Wege in den Abgrund von Blut und grausamster Reaktion führen und sind „mit Leib und Seele" zu der Kätemaoht übergegangeo. Die ideologische Entwicklung unserer Arbeiterschaft gibt ein Kapitel für sich ab. loh will hier nur die wesentlichsten Momente der jüdischem Arbeiterbewegung in Häterußiand anführen. Vorerst hat sie ganz, besonders darunter zu leiden, daß sie in drei kom muiüstische Parteien gespalten ist. Dies stört ungeheuer die Durch!ührung auch der dringendsten Tu gesprobleme. Lud du- Aufgabonkreis ist om sehr großer. Außer der kommunistischen Erziehung der jüdischen Arbeitergasse, außer den besonderen Schul- und Kulturfrageu, steh? an erste»; Siehe d i e P. r uilukiivi e niug der deklassierl e ii M a s s e n. Die ehemaligen knuileute und Uaudelsaugosicliton haben nunmehr ihre Beruisbetiitiguug verloren und bilden eine zusammenhängende A r b o i1 s 1 o s e u m a s s <•. Dies ireilich ist kein Problem des Brotverdiensles und der Fürsorge. Gerade in dieser Hinsicht sind die jüdischen Voiksmasseu nicht schlechter dran, wie die nicht jüdischen, da sie sieh viel ieiohlor den Verhältnissen anpassen. Teilweise in der verbotenen Spekulation, zum größten Teile aber in den« verschiedenen Kate- und KommunalaustaiLen finden sie ihr Auskommen. Das sind jedoch, wie es aui den erstell Bück einleuchtet, provisorische und vorübergehende Airpas sungsformen. Denn die jüdischen Massen müssen zu der einzig möglichen Seinsform der kommunistischen Geselischait, zu der Produktion, schon jetzt übergehen. Ein Problem, weiches mit zu den .schwersten des „Weges zum Sozialismus" gehört. Dies iälit ais schwere Last aui die Schultern der jüdischen kommunistischen Partei, als der einzigen, die über den Staatsapparat zu diesem Zwecke verfügt. Der jüdische Arbeiter ist jetzt zum ersten Male in der Geschichte Herr und Gebieter über sein Leben. cMoru es die objektiven Bedingungen erlauben, ist die jüdische Arbeiterschaft ihrem eigenen Einsehen überlassen. Für die ganze jüdische Voiksinasse, die sich noch nicht von dem grausigen Zusammenbruche erhöh, winkt jetzt eine sichere A u s s i e h t, ein neues Volksgebdde, das jüdische Arbeitsvoik, aufzubauen. Unsere werktätigen Massen der Handwerker und gewesenen Kleinbüxger haben schon den Geist der neuen Zeit erlaßt und bereiten sich zum neuen Leben vor. So hat sich der „Setmas", der Verband der jüdischen Werktütigen gebildet. Er umfaßt alle die, welche durch die wirtschaftliche Krise entwurzelt worden sind. Seine Aufgabe liegt insbesondere darin, den Prozeß der Pro* duktivierung der jüdischen Massen zu beschleunigen. Diesem Programm des Aufbaues wird sieh nuel* die ierritorielle Massenkolonisation zum Ziale setzen müssen, wenn sie auoh in beschränktem Uufange schon in Sowjetrußland realisierbar ist. <•• bürgerlichen Teile des jüdischen Volkes sind, sicher für ihre „Lultgesohäfte" genügend bestraft wor-> den. Das Volk in seiner Gesamtheit wird jetzt zu dau* ernden Schaffens- und Lebensformen, zur physischen und produktiven Arbeit übergehen. Diese Revolution im jüdischen Wirtschaitsiebei» führt durch und wird vollenden der jüdische Hroj e t a r i e r. Zum ersten M a l e in unserer Galutgeseiiiehte arbeiten wir als phil an tropische Vereine, nicht als Volontäre und private 1 Militanten, sondern als staatlich* 1 uatitutiou. Dies hat nicht nur eine groLie Bedeutung im praktischen Sinne, daß nämlich die Arbeitsmöglichkeiton viel breiter werden, sondern wirkt auoh in psychologischer Hinsicht sehr fördernd. War doch dem jüdischen Volke im allgemeinen die direkte Beteiligung an> der Staatsverwaltung fremd. Denn es befand sich immer im „GaJuth", sei es im .,schlechten", wie z.B., Rußland oder Rumänien, sei es im guten Gallith, zum Beispiel in Amerika. •in der freien internationalen Rätegenie Lose hah Subjekt, dessen Interessen auf die Staatsverwaltung fühlt sieh die jüdische Arbeiterschaft zum ersten Mal© mitbestimmend wirkt. Sie sind dort in politischer Be-> Ziehung nicht mehr im Gallith, sie haben die weitgehendste Autonomie, wie aüe anderen Arbeiter Ruß* iands. Die jüdische Arbeiterschaft hat sich im/ Räterußland zum ers'uu Male in iU.er Geschichte das Ruh> mesblatt der „jüdischen Kommunards" erworben. Dia internationale revolutionäre Bewegung hatte aueti Iniher vereinzelte, heldenhafte Kämpfer zu verzeichnen,, aber eine geschlossene, revolutionäre Armee ist erst in Rateruljlund geschaffen worden. Das jüdische Rro« Jetariat in Rußland hat zum ersten Male in seiner Geschichte eine Massenmobilisierung für die reToiutic näre Front durchgeführt. Alle jüdischen, sozialistischen Parteien haben ihr« Genosson zu wiederholten Malen gemustert und an dis Front geschickt. Ihnen schlössen sich Tausende jüdische Proletarier freiwillig an; es wurde der Typus des jüdischen Rotgardisten geschaffen. Neue Perspektiven und Aufgaben eröffnen sieb, dem jüdischen Proletariat in Sowjetrußiand., im ruhigen, arbeitenden, sozialistischen Rußland wird das arbeitende jüdische Volk zu neuem Leben erwachen^.

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