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Freie Tribüne · 1920-11-06 · 39 (6.11.1920) · page 5

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
39 (6.11.1920)
Date
1920-11-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Beilage zu Nr. 39 der „Freien Tribüne4*. Zum 7. November. Genossen 2 Der 7. November ist der dritte Jahrestag des großen Iiistorischen Kampfes, den das russische Proletariat gegen den Weltimperialismus aufnahm. Drei schwere blutige Jahre hat das nissische Proletarial durchgeh allen, bis es gesiegt und die erste Räterepublik der Welt gefestigt ha!. Drei Jahre haben die Arbeiter Rußlands allein unter den schwersten B e d i n g u n g e n mil dem Wei[kapitalismus gerungen, im eigenen Lande — eine durch den Welt- und Bürgerkrieg zerstörte Wirtschaft demoliertes Transportwesen, Hunger, Not und Seuchen, gegenrevolutionäre Verschwörung, Un - wissenheit und gesellschaftliche Demoralisation als traurige Hinterlassenschaft des Zarismus. Sodann Sabotage der Intelligenz, falsche Orientierung und ver- {fehlte Taktik auch linksstehender Sozialisten, die anstatt zu helfen, aufzubauen, nur gestört und ,.bekämpft'1 haben. Von draußen drohte bewaffneter Ueberfall; überall Frontlinie, in Ost und West, Nord und Süd. Ein eherner Blockadering; Boykott seitens der Entente und aller ..neutralen" Staaten. Unter solchen Bedingungen mußte Sowjetrußland den Kampf gegen den Weltimperialisrnus ausfechten. Und nach diesen leidvollen, blutigen Jahren steht Rußland felsenfest, stark wie nie zuvor. Alle Intriguen, Verschwörungen und Raubzüge Englands und Frankreichs, konnten es nicht vernichten. Mit dem Heldenmut und der Begeisterung seiner Roten Armee hat es alle Angriffe der Entente und ihrer gedungenen und aufgehetzten Agenten heroisch abgewehrt. Die drei Revolutionsjahre waren nicht bloß Jahre übermenschlichen Kampfes, sondern auch die der Siege: Siege, die an der blutigen K ri e g s f r o n I oder auf der Friedensfront der Arbeit errungen wurden. Das Proletariat des rückständigsten Landes Europas fühlte in sich Kraft genug, die Verwaltung des Staates, den Wiederaufbau der Wirtschaft und der Kultur auf eigene Schultern zu laden. Drei Jahre lang besteht, zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte eine Gesellschaft, die s i c Ii auf Arbeit, ohne Ausnutzung und Lohnsklaverei, ohne politische Vergewaltigung der breiten arbeitenden Massen stützt. Dies ist das Ergebnis der dreijährigen Revolution und proletarischen Diktatur Rußlands. Welche Ergebnisse jedoch haben die zwei Jahre Revolution in Westeuropa gezeitigt? im November 1920. l>r jüdische Arbeiter ist bei dorn groß «vi Well kämpfe, der «ich in Rußland abgespielt halte, /u spar £9k.üimiK'n. Er hat sich clor Oktoberrevolution «r^i lange, nachdem sie zur Wirklichkeit geworden ist, angeschlossen. , Dies soheiut auf den ersten Blirk im liegen salz* zu den guten, revolutionären Traditionen der jüdi 'schon Arbeiter zu stehen. Demi wer sollte die Tai saehe leugnen, daß der „jüdische Arbeiterbun.i dje erste und bestdisziplinierte revolutionäre Partei Kurlands war!• Die jüdischen Arbeiter, die überall / w j ol n c Ii e r Verfolgung — als Juden und Proletarier — ausgesetzt waren und denen die „rechtgläubige" (religiöse), und patriotische Anhänglichkeit an das Zarnt fehlte, haben sich natürlicherweise der sozialistischen und revolutionären Propaganda um vieles zugänglicher gezeigt, als ihre christlichen Kameraden, iilerzu koiomt, daß sie als das par excelienze städtische und intellektuelle Element die bestorganisiertesten und be wußtesten Teile der Klassenbewegunt» des russischen Pro let;i riats bil d eton. Die Hoffnung, auf friedlichem Wege und durch langwierige Reformen etwas zu erreichen, hat Bankerott erlitten. Die mannigfaltigen Koalitionskombinafionen in den neugeschaffenen Republiken barsten wie Seifenblasen und stärkten nur die Diktatur der Weltreakfion. Mit der letzten Koalitionsregierung Deutschösterreichs fiel auch die letzte Kompromißregicrung Europas. Deutschlands Proletariat liegt in Ketten geschmieder von der eigenen Bourgeoisie, deren Herrschaft mit dem Feigenblatt der S. D. Partei verdeckt wird. In Ungarn wüten die blutgierigen Horthybanden. Polen wurde zum Henkerpufferstaat zwischen dem roten Rußland und Westeuropa. In England herrschen ungezügelt die Helden des Weltmordens, und Frankreich ist zum tonangebenden Mittelpunkt der internationalen Konterrevolution geworden. Drei jähre russischer Revolution zeichneten dien Weg des proletarischen Sieges vor und schufen dessen zentrales Kampforgan — die III. Internationale. Die zwei jähre westeuropäischer Revolution dagegen kennzeichneten den Weg der Niederlage des Proletariats und gaben zugleich der zweiten Internationale den Garaus, die die Kapitulation des interna* tionalen Proletariats verschuldete. Dies sind die Erfahrungen der drei Revolutionsjahre in Rußland — und die der zwei jähre in Westeuropa! Die dauernde Krise der Weltwirtschaft; die Unfähigkeit der Bourgeoisie, die Welt vor der pjidnültiarn .Kataslmnhe vu n^-wahron. die sie durch den Krieg gebracht hat; die elementaren Ärbeitererhebungen in den ,, sieg reichen" Staaten; das Erstarken der kommunistischen Bewegung in der ganzen Welt, die nimmer zu bändigende Empörung der Ostvölker — der dauernde Kriegszustand üi Europa — all dies setzte die soziale Re vo 1 u ti on an die Tagesordnung des internationalen Proletariats. Sowjetrußland wurde zum Banner, zur Kampt'eslosung der revolutionären Arbeiterschaft. Wenn Räterußland in diesen drei Jahren seinen nianenkampf, bloß von dem Mitgefühl des europäischen Proletariats begleitet geführt hatte, wird das europäische Proletariat seineu Kampf von nun an mit der krähigen Mitwirkung der russischen Ärbeiterschatt lortselzen können. Um jedoch seine stärkste, revolutionäre Position zu halten, muß endlich das europäische Proletariat seine bisherige Rolle eines stummen Zuschauers bei dem großen Kampf zwischen Ratenrußlaud und Welt- Oi'-s alles war unbedingt in der Periode der Propaganda und der ursteu revolutionären Zusammenstöße von 1U05 festzustellen. Doch ist sehen ju dem weiteren Verlaufe des Kampfes das jüdische Proletariat vuu den i'rsteri Kampfü'men verdrängt worden. Die Ursache hierfür ist freilich nicht darin zu suchen, daü die jüdischen Arbeiter vveiüger revolutionär oder ausdau ernd sieh gezeigt halten, im Gegenteil! Noeh nie war die jüdische Arbeitergasse so sehr von dem Geiste des sozialistischen Opfermutes und der selbstlosesten fvainpfbegoislerung erfüllt, so sehr Eins mit dem »e vulutionären Strome, wie im Jahre 1905.' 10s war dies zwar nicht das Ergebnis der subjektiven Iftn- Stellung der jüdischen Arbeiter, sondern die unumgängliche objektiv e Folge ihrer wirtschaftlichen Lage. Oer (jeneraistreik, welcher damals in, einem so grandiosen Maßstäbe zum ersten Maie von dem russischen Proletariat augewendet wurde, hatte hauptsächlich seine Stütze in den» srroßindastrieelt.e n Proletariat. Die jüdische Arbeiterschaft dagegen. ka|<italismu> aufgeben. Es muß durch eine vereinte Massenaktion den Frieden l ü r S o w j e t r u ß 1 a n d e r z sv in Q e n. Der 7. November sali der Tag der Solidaritätskundgebung mil Rät er uBland und des Kampfes finden »Frieden mit der aus tausend Wunden blutenden Arbeiterrepublik werden. Kuliland feiert den 7. November — den Jahrestag seiner Siege und Eroberungen durch Arbeit. Das internationale Proletariat wird ihn durch Kampf leiern. Hehr und heilig ist dieser Tag auch dem jüdischen Arbeitervolk. Mit jüdischem Blute ist der Weg der Gegenrevolution gezeichnet. Mit noch nie gewesenen Massenschlächtereieii beantwortet der Kapitalismus die Weltrevolution. Ueberall, wo der Kampl mit der untergehenden kapitalistischen Welt ausbricht, fließt jüdisches Blut; Petljuras und Deiiikins Mordbrenner in der Ukraine, Horthus,, schwarze Hundert" in Ungarn, weiße Legionen in Polen. Die alte kapitalistische Welt hat dem jüdischen Volke nichts als Haß und Massenpogrome gebracht. Nur unter dem roten Banner, unter dem Schutz der Roten Kommunarden finden die jüdischen, arbeitenden Massen Sicherheit, Freiheit und wahre ßrüderlichkeiet. jede handbreit Erde von dem revolutionären Proletariat erkämpft, ist auch ein festes Bollwerk für den jüdischen Arbeiter. Nur durch spontane Entwicklung und weiteren Ausbau der Revolution, werden —- .abgesehen von dem vorderhand eingetreneu Rum des jüdischen Wirtschaftslebens — Bedingungen geschaffen, die die endgültige Lösung des jüdischen Arbciterprobiems im internationalen Maßstab ermöglichen. 1 Genossen! Am 7. November werden alle Parteien, die der dritten Internationale angeschlossen sind, die ganze Arbeiterscnau auffordern, eine große gemeinsame Aktion für Räterußland zu unternehmen. Alle unsere Laudesparteien und Gruppen müssen sich an diesem Kample beteiligen, sie müssen jegliche Aktion des internationalen Proletariats für Räterußkuid aufnehmen und unterstützen.; ' 1 > Fried e rn i t Rußland! Es lebe die Soziale Revolution. Dieser Rur möge den großen historischen Tag — au allen vier Weltteilen veikündBii und begrüßen!. Der 7. November muß das freudige Fest des Wieltproletariats und seine Kainpfesdrohung an die Weitbourgeoisie werden! die aussohlicUliuli fast in dem Xleiiigewmbe der 'deinen Stüdtu beschäftigt worden war, hat jegliche Bedeutung in dem aus^ebroeheneu w i r t s rf h a f t 1 i e h e n Kample gegen den Kapitalismus eingebüßt. Aber noeb -.klarer und ungünstiger gestalteten die in der ersten russischen, Revolution augedeulet e n Verhäitmsse sich in den Jahren l'Jl7—19iii, all* die wirtschaftliche Aktion zu einem politischen Aulstände gegen das Zarat erwuchs. Oie hJlementa krittle der Oktoberrevolution .siud m der ]ü diseben Arbeitergasse gänzlrou vermiUt v/erden. Weder die breiten Bauernmassen, die uaoh Lanu und Frieden» ieeh/.teu, noeh die organisierten, m det i ndustrie konzentrierten Großstadtproloia v. i e r, die sowohl die wirtschaftliche,, als auch, die p s ye h o 1 o g i s e h e Macht besaßen, Führer und Be herrseker des entfesselten Kampfes zu werden,, waren bei den jüdischen sverktätigon Maasen zu finden, iiier waren bloß Vertreter der Mittelbourgeoisie odar kleinbürgerliehe Handwerker zu finden. Dio Klasse der Luft- und üandeisuienschen war duroh dau Weit- Müm^m ki jüfcsoz. ärtciieriwteuiMs Juk Zmi". Der jüdische Arbeiter im Rate-Eu^iand.

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