Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 37-38 (30.10.1920)
- Date
- 1920-10-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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snrni FRFIF. TRIBÜNE NR. 37- 38 ranfc geworden. Dies sind die wUk'ich'-n Fi-sach^a di^r Mobilisierungen und dieser Aufrufe, welche von unseren Feinden als Zeichen der Verzweiflung ausgelegt w«rd«n und fU« in Wirklichkeit Zeichen der Kraft und Stärke sind. Die Agrarpolitik. „Weptnik" schreibt: Sowjetrußiand ist das einaigt Land, wo die Mobilisierung von Millionen von Männern für die Front keine fühlbare Verminderung der Anbaufläche zur Folge hatte. Die Felder der Mobilisierten worden von de,- Dorfkommune unter die Kontrolle der Sowjets gestellt; und die ArbeiJ geht; auf ihnen vor sich, wie wenn der Betreffende anwesend wäre. Die Verteilung des Samenkorns wird regelmäßig geordnet. Soweit es die Verhältnisse gestatten und da> Material dazu ausreicht, geht man zur Industrialisierung großer Flächen rund um die großen Städte über. Es i:<' ferner bemerkenswert, daß die Sowjelregiorung mit unbeugsamer Energie ihre Verproviantierungsaktion verfolgt. Man könnte daraus schließen, daß die Bauern sich weigern, ihr Getreide abzuliefern und daß man sio dazu gewaltsam zwingen muH, daß Bauernrevolton ausbrechen usw. Allein e< muß festgestellt werden, daß das erstemal nach drei Jahron die Politik des Volkskommissariats für Aprovisionierung von vollem Erfolg gekrönt ist. Der Bauer iiefert niemals das Getreide, das er selbst baut, mit freudigem Gemüto ab, selbst wenn man ihm einen großen Toil davon läßt. Soit 1917 konnte man diese Erfahrungen in der elementarsten Psychologie machen. Aber gerade in diesem Jahre liefert der Bauer seine Ernteerzeugnisse mit weit weniger Schwierigkeit ab. Ehemals vorkaufte er das Getreide und zahlte mit dem Erlös seine Schulden und dio Steuern. Nachdem er diesen Verpflichtungen nachgekommen war, sah er sich das ganze Jahr dem größten Elend gegenüber. Heute liefert er seinen TTeberschuß der Regierung, die ihm dio Freiheit und ' den freien Genuß seiner Arbeit gegeben hat, die ihn von den Steuern und den Polizisten befreite und die ihmi vor allen alle Dingo liefert, die er benötigt. Der Staat liefext dem Bauern gratis seinen Pflug und andere Ackergeräte und öffnet seinen Söhnen allo Schulen. Dio lokalen Revolten gegen dfe Ablieferung von Getreide gehfiren beute der Geschichte an. Die Kulturarbeit. -nm 6. Oktober fand d e Siteunq des allrussischen Konnres e? der o: o'c:tari>chen Kuruvinst-'tutionen statt. Po- Ijanslci, welcher (ten Bcr cht erstattete, führte auus, daß trotz der tnarinigfaltioen u'iornsfqen Bedinqunqen die proletarischen Kulfurenrichhinq.?,-! an Zahl ständ q' wachsen and daß es deren bereits übe;- 300 tjjbt. S;e verteilen sich über die /entra'en Pectjonen Sibrieus, des Urals, der Ukraine, des Kaukasus und selbst Geonrans. Die Proielkultdee breitet sich sogar in Westeuvooa aus und <?«> erbt selbst internationale Protetktil'mstifut orten. Die russischen Proietkulfur-Einrichtwicfcn haben?n dar Armee ein bedeutendes Werk verrichtet, indem sie an dc:i versch-«denen Fronten Konzerte, Versammlungen Theatci Vorstellungen usw. arrangierten. Auf dem Gebiete der Kunst,kämpft der Pro'etknlt hartnäckig gegen Kubismus, Futurismus und andere kranke Formen der bürgerlichen Kminst. Die /Irbeterklnsse Rußlands hat bereits ihre eigenen' Muusikcr, Komp jn'steu, Bildhauer und Maler, wie euueft Schriftsteller und Dichter. In der Sitnimi vorn 7. Okiober wurde der Bericht des Genossen Luiuitscbarski;.ur Kenntnis genommen und folgende Resolution beschlossen: „In seiner wissenschaftlichen und künstlerischen schärfende!» flrbe't muß das Proletariat sich' -kritisch aH das berinifsmäßine Wissen der Künstler von den akademischen. w'«e auch den neuen Tendenzen zunutze machen, indem es all dies auswählt, was d e Organisation kommunistischer Kunst beschleunigt. Berti fsluinsUer als solche sind ]<e\m w:rl'.lichen Trauer irgend e;ner wirklichen Kuunst. Die Aufgabe des Proletariats ist es. massive, monumentale Knust zu. schaffen besonders im Thealer. und dieser Kunst e'ueu neuen und großen kommimist scheu Inhalt zu geben. Der Proletktiult muß aus der Arbeiterklasse die begabtes'.en heraussuchen und sie. du« cli enl sprechende Schulung Meistern der neuen sozial sllsclieu Kirnst machen. 9 In dem Koinmissariai für Volkituntavrioht hat sieh eine allrussische außerordentliche ' Kommission ^ebildftt, die b» sondere Maßregeln ergreift, tun Analphabeten les.m und schreiben zu lohren. Bio Kommission bat weitgehende TV ftignisse, so zum Beispiel das Hecht, die örtlichen scr/ialen und staatlichen Institutionen zu überprüfen und 'Maßregeln zu ergreifen, liegen alle Personen, die die ihnen auhvleate Aufklärungsarbeit nicht durchführen. Instandsetzung des Hafens von Petersburg. Wie ..Syron" nus Rußland erfährt, haben, mit Rücksicht auf die erhofften Handelsbeziehungen; Bemithwsge.i ein- .gesetzt, den Hafen von Petersburg weder instand :ui setzen. Nicht weniger als 700 Fahrzeuge eller Art waren In den Bassins und Zugangskanälen gesunken; der Nsw.i-Kanal war durch Versenkung von zwei Dampfern unp-'issterbar gemacht worden; die Entladevorrichtungen waren unbenutzbar, die Kais zerstört und dm Tiefe dos Newa-Kanal von 27—29 auf höchstens 23 Fuß .gesunken. Sinowjew behauptet, daß im letzten Halbjahr sich dies alles geändert hat und daß jetzt 20 Schiffe .edeieh^eitig abgefertigt " werden können. Tatsächlich sind dem gen.mnleu Blatt zufolge alle Wracks aus den Bassins und Zugängen irohoheu. sodaß 4," ' Schiffe*(von 1000 bis 3000 Tonnen)>'im Hafen "liegen können. Die Bahnlinien um den Barotschuy-ITafen sind erneuert und die dortigen Kohlenlager teilweise aufgefrischt. 2000 Quadratmeter Kai sind instand gesetzt, die elektrischen Kräne reparier!. Etwa 30 Prozent des schwimmenden Mateiials ist benutzbar. Infolgedessen können nun gleichzeitig 8 Schiffe im ganzen laden oder entladen, wenn auch unter Schwierigkeiten. Humbert Dros von seiner Moskauer Reise, Jules Humbert-Droz, der Führer der sozialistischen Räte der Schweiz, ist aus Rußland nach La Chaux de¬ Fonds zurückgekehrt. Humbert-Droz berichtete über seine Eindrücke beim Besuche Moskaus, Charkows, Kiew 3 und "Poltawas und von seiner Bückkehr durch dio Ukraine in Gesellschaft der italienischen, französischen und deutschen Kommunisten. Das wirtschaftliche Leben ist noch nicht das ' kommunistische Leben, wie er es versteht. Dio kommunistvfohe Ordnung funktioniert in Rußland noch nicht, aber Grundlagen sind sicher gelegt. Seines Erachtens ist dio kapitalistische Gesellschaft vollkommen abgeschafft. Dio Sowjetarmee besteht aus 4 Millionen Mann. Diese 4 Millionen sind bereit, ihre Arbeit, des wirtschaftlichen Wiederaufbaues als Arbeitsarmee wieder aufzunehmen, sobald der Friede geschlossen ist. Bezüglich der von Moskau gestellten 21 Bedingungen für den Anschluß an die III, Internationale, erklärte Humbert-Droz, daß diese Bedingungen von den fremden Delegierten, <v sich auf dem Kongresse befanden, rers-'-härft wni '1' v Die Kohlengewinnung im Moskauer Becken, Di« Kohlengewinnung im Moskauer Becken Ter-?:rößerte sich im Laufe dieses Jahres um 63 Prozent, verglichen mit der Produktion im Jahre 1018 und ntn ü.~» Prozent verglichen mit 1919. RUNDSCHAU. Englische Sympathiekundgebungen. Letzten Sonntag wurden von den Aktionsräten der nri tischen Arbeiterschaft im ganzen bände Versammlungen abgehalten, die zu. großen.- Demonstrationen für den Frieden mit Rußland wurden. Ueberall wurden. Resolutionen angenommen, welche einen unverzüglichen Friedem&sohluU mit Rußland, Aufnahme der Handelsbeziehungen mit diesem Lande und den Abbau der Koston der Lebenshaltung in Großbritannien fordern. Hilfe der Quäcker. Nach Mitteilung im „PetrograLskajn Pravda" haben die englischen Quäker 14 Tonnen verschiedener Waren als Geschenke an dio Bevölkerung von Petersburg und Moskau geschickt. Die Waren kommen über Reval in 14 Waggons, von denen 11 nach Petersburg gingen und drei nach Moskau. Diese Senduung war die zweite, die von den Quäkern ausgegangen ist. Schon im Frühjahr schickten sie tl Waggons kondensierter Milch, Aspirin, Eipulror, Hafergrütze, Fischtran, Salz, Reis, Mehl, Seife und verschiedene Medizinen. Die Quäker erbieten sich, ihre menschenfreundliche Wirksamkeit fortzusetzen und man sieht neuen Sondtmgon iji nächster Zelt enigegen. Die Waren werden durch das Volkskommissariat verteilt, unter unmittelbarer Kontrolle zweier Repräsentanten der Quäker. Die Krisis der westeuropäischen Arbeiterbewegung. Die „Pn.vda" schreibt in einem Artikel über „Die Krisis der westeuropäischen ArDciterbewegung" folgendes: „Der zweite Kongreß der Iii. Internationale ist zum misgangspunkr maar;jgfol:^ er und notwendiger Krisen in der westeuropäischen Arbeiterbewegung geworden, Krisen, d e der ganzen Bewegung neue Wege "weisen. Am Kongreß Wurden die Beschlüsse n\<Att ctezu cjolaBl, üm sie in kurzer 7eit cler Vergessenheit zw überliefern. Lind deshalb geschah es, dnß nach der flnklmlt der Delegierten in ihrer "Heimat derr prjletnrischü Gedank-- aufs lebhafteste zu arbeiten anfing mid da» diese Arbeit e.'ne wohltuende u.ul «viellüge L'nijiiuppieniiig der Kräfte :.ur Folge hätte. Vor allein ist dies in der deubchien Bewegung bemerkbar geworden. Die. Herren rechten Unabhängigen erleben eine Wederlage nach der anderen. Fälle von Ausschließung opportunistischer Fiitr<>r, des dem;insl!\]l;vai A.'üchlusse:; an die Korn'triunist'sdre Partei und des reslloscn Einvarstäudnisses mit den russischen Vorschlägen mehren sich. Njch dein ^weiten Kongreß der Iii. nlieinationale ist für jeden e;hrlichen ur.d bewußten* Arbeiter klar geworden, daß es sich nicht um den Kampf nissist h-esiaiische-r Bolschewiken handelt, sondern, daß der Tag der Futsche dt ng über den Kampf'zwischen den prole- Iarischen und den bourgeDiu-n Elementen innerhalb der Bewegung e;nge!.rc;en Das deutsche Proletariat hat es erfaßt, l'nd deshalb sehen wir dorr ein Zunehmen dar Kommunistischen Partei; dies ist ein gutes Pfand für den Sieg der Arbeiterklasse über die Bourgeoisie. Der Verlauf der Veihvmdlungeu j i Itaücn, der Türkei, der Slovake; imd Skandinavh-n nnd anderen Ländern beweist auch, dnß die viel - eiwartete Krisis — der entscheidende Kampf zwischen allen reformistischen und aktivislischen proletarischen Elementen m der sozialdemokratischen 'Bewegi.ng — auch einen sehr ni'nstigen Verlauf nimmt und wir kühnen l'är die. nächste Zeit damit rechnen, daß die Spaltungen :n soz'alislische;i Parielen bedeutende Umgruppierungen und eine Verstärkung der Bewegung zur Folge haben 'werden. Die jüngsten Ereignisse des Parteilebens in, Westeuropa sind also als ein großer Fortschritt der Arbeiterbewegung auf ihrem Wege zur Errichtung der WeÜcliktatur des internationalen Proletariates zu verzeichnen. » 1 Kommunistische Demonstration in Athen Die erste bedeutende /Massenversammlung zu den Wahlen wurde am 10. Oktober, nachmittags, von den Sozialisten und Kommunisten veranstaltet. Mehrere Redner betonten die Bedeutung des Sowjetsystems für die arbeitenden Schichten. Die Demonstranicn, weiche rote Fahnen trugen, marschierten mit Hochrufen auf Lenin durch die Straßen. Die Demonstration verlief, von einigen kleinen Zwischenfällen abgesehen, in vollster Ordnung. W angel ruft zu Pogrome, Hier sind Originale der Aufrufe oingetrott'vu. dirc in sämtlichen von Wraivgel besetzten Städten angeschlagen werden und zur rücksichtslosen Vernichtung der jüdischen B?- völkmin« «auffordern. Niggertanz. W;ihrhVh, bist iui e.r mir leid, der liebe. £utmütn-e Gejiosso Saar! Von <\ov Insel der Seli,«?ea kam er zu uns, atn; einem Lande, wo i,i rlor poalo-ziouisiischen Partei kein ZvAsi geduldet wird, wo alles so fidel und gemütlich xngcUt. wo kein miumermordonder Kampf um P;*brzipien und TakMk <ict'übrt wird, da ja dort alle Rätsel des Löbens schon gelöst rdnd und im Schöße der seligmachenden Tradition friedlich nebeneinander .sehluinniei-ji. So kam er zu der "Weltkonfoiw-, der Heros dor neuen Welt, mit einem Abglanz auf der ehernen Stirn, der ihn zum Helden zweier Welten zu nrädosttnioreu schien. So kam er auch zu uns, zu den armen ,,verirrten und verzweifelten" Menschen von Osteuropa, als Künder der freudigen Botschaft Von der Einheit und Einmütigkeit, die auf der „wahren Aktionsl'ceiheit" jeder •'•inviDhlcn Partei beruht ebenso wie auf der ..unumschränkten .Souveränität aller Landsmandsehaflen" •-1 so kam Saar zu uva als ehrlicher Friedonsherold. Und wir, ,,die heimtückischen, tollen, ungebildeten Osteuropäer1', Anstatt mit Freude und Jubel, seine nusgestifckto Hechte zu ergreifen, anstatt ihn in seinen aufrtehtigon ßenrüh'(Tigon, unsere fitste Vor'bi ruh mg zu lockern, damit wir ja nur beisammen und ganz; bleiben", wir haben es verschmäht (o, die WahntolleiO, und so entbrannte der heftige Kampf um Prinzipien, Taktik und andere derartige „Kleinigkeiten", die ein gesunder und praktischer Verstand lies „Bussinesman" gar nicht zu erfassen vermag! Wahrlich, ein Fluch.-unserer Schlechtigkeit! Wir hatten dorn lieben (Jenossen Saar eine solche „Ueberrasehung" zugedacht, daß er am Ende ganz „kopflos" wurde. Er wußto nicht (der Arme!) ob er ..zwischen Butidisteu. '/ionsfressern oder Po.Ue-Zioiiisteu" weile? fn unserer riefen, jungfräulichen Naivität konntet wir niehr den ganzen Abgrund von Weisheit versieben, der in Saars Postulaten sich offenbarte. ..daß n.ita'i'Mi zwei Drittel der Konferenz den Charakter des Verbandes bestimmen sollten, alle anderen aber, die mit der Mehrheit nicht übereinstimmten, ihre Willens- und Handlungsfreiheit, bewahren soll ten'\ So charakterlos waren wir in der Aufiassung der wahren Demokratie. Wir hatten zwar gemeint, daß der Charakti r einer Bewegung sieh nicht in ihren Abstimmungen widerspiegele (auch meht beim Zweitfiritte'.voium l.\ sondern in ihrem Handeln, in dem schöpferischen Akte, welcher ail» Teile zu einem ganzen verein* und das Ganze in den Teile» ungetrennf, läßt. Einsl glaubten wir. .laß rutg<\qengeyet/,te Elemente die Einheit und Integrität des Bewegung nur aufheben können und da es uns nicht tu.»ran gelegen war, die» ...feste Verbindung zu lockern", wie es Saar belichte, so haben wir den Streittanz begonnen. Wir waren eben der Meinung, daß das .Janusgesicht unseres Verbandes halbiert werden müsse, wenn auch aut Kosten der amerikanischen Hinterseite. Denn uns Osteuropäern erschien sin al«. solche Kehrseite der Medaille. .Ja, lieber Saar, wie sehr es mir um hr gepeiiiig.e-. Iferz leid tut, ich muß es doch offen heraus sagen. Hin des. heiligen Burgfriedens willen wollten wir keineswegs die Binhoi! des Verbandes und seine Aktionsfähigkeit aufgeben. Wir waren entschlossen, hinter die Epoche der Seiten-• spränge und der Schwankungen einen Sehlußpunkt v.u. setzen, wir wollten nunmehr eine eindeutige, scharfe Kurve der Kampfeutwicklung des jüdischen1 Proletariau-y zeichnen, in einer organischen Integrität, die nicht Wort- und Schwatzeinheit bedeutet, sondern Aktionseinheit mut Roid tät. Darum haben wir (o. weinen Sie nicht, lieber, Saar ihren Sirenenliedern vom Burgfrieden, so wenig Gehör geschenkt, darum hielten wir ihren verführerischen, manchmal nach drohenden Circekünsten stand. Freilich, nach ihrem süßen amerikanischen Frieden, nach diesem idyllischen Stilleben, das Sie uns vorgeschlagen haben, sehnte ich mich auch gar sehr, doch war der liebliche Traum von den rauhen Winden der Notwendigkeit bald zerstreut und davojigescheueht worden. Denn das v/erden. Sie mir auch zugeben, daß der Wille der puale-ziou\stischt!)l 'Müssen für uns höher zu bewerten war als Ihre fromme Friedenssehnsucht. Denn wir sind noch in Europa nicht so weit, daß wir den Willen der Massen -- mag dies auch eUugou „Führern" zu wenig in den Kram passen -- zu vergewaltigen bereit wären. So wie es bei Euch in dem demokratischen Araei-ika gegenüber unserer „Linken" g-3dchah! Doch ist Ihnen wenig nur zu helfen, lieber Saar, wenn die polnischen. Genossen, die noch so „sehr voh und unerzogen" sind, Ihre subtilen. Niggertänze nicht zu würdim-£.u verstehen! Volles Verständnis haben wir ireilicli dafür, daß die Gen. Juris, Schipper und Chomet in Ihren Augen liebliches Gefallen fanden. „Gleich und gleich gesellt s>ich gern." Durch seine letzte „Aktionnu polnischen Sejm hatte: sTch Schipper Euch sicherlich gleichgestellt. Er soli Euch, nicht genommen werden. J Ein Geheimnis will ich Ihneu preisgeben Sie (und die anderen Rechten) sind in hellen Aulrühr geraten,, däß^ ein Teil der polnischen Delegation seine Stellung in'der Frage der Internationale geändert hat und Ste stellen in der Verleumdung Ihren Meister, wie es für einenBusinessmann ge ziemt. Nun soll es Ihnen auch nicht verborgen bleiben, daß ein Glied der obenerwähnten Dreioihheit, die Sie in Ihr Herz, geschlossen; haben, die nach Ihrer maßgebenden Meinung mit „großen Vorzügen" behaftet sind, eine Stunde vorder Abstimmung erklärt hat, daß er für die Resolution der Linken stimmen werde. (Derselbe Genosse war auf dem. letzton polnischen Parteitage noch ein Erzrechter.)..Daß in der letzten Stunde dieser vielfache Verwandltmgskünstle.- wieder in der gelben Farbe erprangte, ist nur verständlich und lobenswert. So sieht Ihr neugewonnener Zuwachs aus. Herr Saar l Doch mit Bedauern muß ich feststellen, daß der kultivierte Niggertanz, den Sie unerbetener Weiso uns vorgeführt, Sie wirklich „kopflos" gemacht hat. Sie v spielen sich ala Lehrer (vielleicht auch Frediger) des Klassenkampfe auf, Sie s nd mit dem wohlgemeinten Eate zur Stell.-}, vot der jüdischen Bourgeoisie nicht zu fliehen, sondern noch ein Dutzend nationaler Kongresse zu schaffen,, und dorthin die jüdische Bourgeoisie zum Klassenkampfe einzuladen. Wenn auch kopflos, spielen Sie* den Narren nicht weiter, Heber Saar, Sie haben schon die Lachenden auf Ihrer Suite. Das gehört halt zu Ihrer Rolle. Eines noch sollen Sie, sich aber wohl merken. Sic und Ihre Partei, Sie waren es, die don Messias Wilson i.ejrrüßt haben! Sie haben die Salto mortaie um San Hemo und um die Bahourdeklaration gemacht. Sie werden es auch weiter tun, und dies war nicht der letzte Grund, weshalb wir ihnen ein Nimmer-Wiedersahen gesagt haben! Man soll den Balken im eigenen Auge sehen, lieber Saar! Wir raten Ihnen hiezu, hhre politischen Künste aufzugeben, sich im einsamen, stillen Kämmerlein, weltenfern, zu verschließen und Ihre idyllischen, so erdentrückten und lieblichen Träumo vai spinnen, wie Sie es in Ihrem Artikel :•<> glänzend getan haben. Träumen Sie. nur davon, daß „die Weltlage uns einst gestatten wird, die verlorene , Einheil (ach, wie lyrisch wieder zu gewinnen". Politik und das Schreiben von Artikeln auch auf .lankee-Doodle-Manier. überlassen Sie getrost Ihren fähigeren Gesinnungsgenossen, rlassu haben Sie einen zu schwachen Kopf. Kursen Lemberger. " Kleines Feuilleton. Ich muß es dir offen bekennen, lieber Juris. 12=- füllt schon eiuom schwer, vor deinem Autlitze zu bostehe.i. I>cun dir sind vorerst königliche Gedanken eigen. Ist nach unter ihnen „der königliche Gedanke der Allweltlichkcit zusammengebrochen," wie es für dich „ein schwer erschütttuidos Ereignis war," sc, hast ' du doch die Kvaft gefunden, uns neue Gedanken von nicht geringerer Herkunft und nicht geringerem Werte darzubieten. Doch fürchte ich, an mich., der zu den kleinen Leutchen mit g e m e i n e u. aber rd'-hovlieh nicht adligem Menschenverstände gehört, bist du übel geraten. Was nämlich dein Stilblüteakranz bedeutet: „mau suhuf geistige Abgründe, wo jede r* B o d e n d a •>. w I fihlf e, spitzte Gegensätze, dio n i c h t v o r h a u d c n waren, eigenwillig zu," dies alles kam meinem verballhornten Hirne noch bis zur Stunde nicht einleuchten. Es wird, so wie mir, auch wohl manch anderem •Storbiichon von nicht königlichem Geblüto des Geistes ergehen, daß er diese Logik des „bodenlosen" und dabei „geistigen Al>- grundschaffens," diese „Zuspitzung der Gegensätze, die lücht vorhanden waren," (— und bedenket „eigenwillig1'1 --), daß er sie für übermenschlich, göttlich oder mindestens gottbegnadet erklärt. Dazu gehört schon „Eigenwillentheorie", lieber Juris, un.d so mußt du Nachsicht üben auch mit denen, dir diw dein« Paraphrase gilt; ..Wo Gedanken feblon' usw."