Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 33 (25.9.1920)
- Date
- 1920-09-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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FREIE TRIBÜNE SEITE 3 zaristischen Schulden bercksicittigt und die drückenden Lasten, die den besiegten Völkern, Deutschland, Oesterreich), Bulgarien, Türkei, aulgehördet wurden, so erscheint die Bevölkerung der ganzen Erde in ungefähr folgendem Verhältnis aufgeteilt: eine und ein Viertel Milliarde Menschen befinden sich im Zustand wirtschaftlicher Fron zum Vorteil von einer Viertel Milliarde AVenschcn (fttnerSka, Japan, eifrige neutrale Staaten, England — insoferne es nicht auch &n Amerika verschuldet ist); oder besser: zum Vorteil der privilegierten. Schichten dieser auserwüMten Nationen, die schon dafür zw sorgen versteh an. daß der imaginäre Begriff des „Nationalreichtums" in seine zwei wirklichen Bestandteile zerfalle: UebsrfluB und Verschwendung für die Wenigen, Not und Elend für die große Mass?. Weiter untersucht Lenin an der Hand des Buches von Keanes ,,Dis wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages" und der Broschüre von Braun „Wer soll die Krieffsrecteiung bezahlen?" die wirtschaftlichen Verhältnisse der eüizejnea kapitalistischen Staaten, um -A\m Schlüsse zu gelangen: Die kapitalistische Welt befinde!, sich im Zustand akuter Krise, es ist nicht abzusehen, wie die Wunden, die ihr der Weltkrieg vge - schlagen, wieder gut gemacht werden sollen, und die Erkenntnis dieses kritischen Zuslandes des Kapitalismus xivxW „zur Grundlage unserer revolutionären Tat" werden. Insoweit könnte mancher, dem die Ideologie der Kommunistischen Internationale vertraut ist, aichLs Neues oder besonder;-. Bedeutungsvolles entdecken, es sei detitn, daß nach -den verschiedenen Friedensschlüssen der Bankerott des Kapitalismus noch mit viel größerer Berechtigung aufgewiesen werden kann als vorher und daß es für die "Iii. Internationale eine Lebensfrage bedeutet, alle Momente zusattunenzutragen, welche die bereits ai\2:knn.\[c (Ireorettsche Grundlage für Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit ihrer Entstehung und Entwicklung beleuchten. Do besondere Bedeuiung der Reck- Lenins, durch die sie r'.chhuigqebend wurde für die Arbeiten des Kongresses, l:e<ji unserer Ansicht noch ia den Worten: „Hier müssen v;>r allem;.wei sehr verbreitete Fehler festgestellt werden: eiinerseHs stellen die bürgerlichen Wirtschaftler diese Krise als einfache „Beunruhigung", wie sich die Engländer so schön ausdrücken, dar. Andererseits sind die Revolutionäre oft bemüht, nachzuweisen, daß diese Krise eine absolut aussichtslose s.ej. Das ist ein Fehler. Absolut aussichtslose Lagen gibt es uictu. Die Bourgeoisie benJmmt sich i.ie ein frecher Rauber, der seinen Cfopf verloren hat, Sie macht eine Dummheit nach der anderen, verschärft die Lage und beschleunigt den eigenen Uaiergang. Das ist alles richtig, ober man kaiin uich\ ,,beweisen", daß es absolut keine Mögliclrkedt gäbe, daß es ihr nicht gelingen könnte, eine bestimmte Zahl von „Ausgebeuteten" durch Konzessionen wieder zu beruhigen oder, "daß es ihr nicht möglich wäre, eine Besserung oder einen Aufstand eines bestimmten Teiles der Uiiteildrückleiu und Husue - beuleten im KeSme xu ersticken. Die „absolute" Ausweglosigkeit „nachweisen" wollen, wäre eine leere Pedanterie oder ein Spiel mit _Begriffen und Worten. Den wirklichen „Beweis" für die:;'e und ähnlich2 Fragen kann uns »die Praxis ergeben. Die bürgerliche Gesellschaft der grnueu Welt macht augenblicklich eicie revolutionäre Krise durch, letzt muß durch die Praxis der revolutionären Parteien „bewiesen" weiden, daß sie ganiigend klassenbewußt, organisiert, enlschlossen sind, daß sie in inniger Verbladung mit den ausgebeuteten Masseti stehen, um diese Krise für eine erfolg- und siegreiche Revolution auszunützen." Indem Lenin durch diese Wendung die Worte vom Marx „In der Praxis muß der Mensch' die Wahrheit, d. h. die Wirklichkeit und Mach:;, de Diessea'tigkeit seine-, Denkens beweisen" auf die gegebene Situation im Klassenkampf anwendet, reißt er die l'heoretischie Diskussion über die historische Lage, die in allen revolutionären Parteien aa der Tagesordnung war, von einer Gefahr zurück, die sich schon ziemlich fühlbar maöhte. Er stellt das Problem auf den richtigen marxistischen Boden, von dem allein er seine Fruchtbarkeit für die proletarische Bewegung erweisen kauu, und leitet eine R-einitgiingsaktioa ein, n;ch'i .nur vdu (den pazifistischen Hemmungen", welche die Ausnutzung der Lagi in revolutionärem Si.me verhindern, sondern auch' von vielen unmarxistische«, unreifen theoretischen Element ein. welche die vor jeder Aktion notwendige überlegene und verantwortungsvolle Kritik aller gegebenen tatsächlichen Faktoren imir.er wieder 7.11 fälschen und oft direkt zu unterbinden versuchten, weii ihnen der „Beweis", den Lenin hier venvirfli, als endgültig erbracht erschien. Für den Klärungsprozeß 'u.mej;- halb der bereits bestehendem komniuniatischen Sektionen!, namentlich in den besiegie-'i Ländern, erscheint uns sogar der zweite Teil der Leninschen Mattmunig, die AbleJining der These von der „absolutem Ausweglosigkeit" als besonders beherzigenswert, da hier die Erkenntnis der Zweideutigkeiten einer solchen Einstellung keineswegs mit dem Mißtrauen gegen opportunistische Verschwommenheiten gleichen Schrift gehalten hat. Man kann ruhig die Behauptung aufstellen, daß die meisten Verwirrungen und internen Kämpfe, welche-die revolutionären Gruppen in Westeuropa heimsuchieu, d'Q meisten politischen Fehler, die sie begingen u \d die im 11 ihre weitere Entwicklung schwer belasten," aus ihrer mehr psychologischen als intellektuellen Unfähigkeit slammen, n der historischen Entwicklung die wirklichen Umrisse dieser allgemeinen Theorie vom Zusammenbruch des Kapitalismus zu finden. Es überwog bei ihnen das Bestreben, alle Symptome des Verfalls ins Absolute zu steigern, -und alle Zeichen der noch lebendigen Kraft der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zu übersehen oder durch gewaltsame „Beweise" wegzuleugnen. Das Verlangen nach dem „absoluten Beweis" war' vielfach verknüpft mit einer bewußten oder unbewußten Angst vor der Wahrheit. Und aus dieser Mischung erstand jener seltsame marxistisch parfümierte Proudhonismus, in dessen Atmosphäre die „radikalen" Parolen wie giltige Parolen aus den frühesten Zeitei» der Arbeiterbewegung, mit ihrem ganzen Gefolge von Hysterie und Demoralisation, emporblühten. Denn die Wahrheit, die sich die Revolutionäre der besiegten Länder einprägen müssen, ist die, daß die kapitalistische Well uns heute e'n viel strengeres Gesicht zeigt, als die Ungeduldigen vor anderthalb Jahren auch bloß die Möglichkeit zugegeben hätten, und daß die Anschauung vom Zusammenbruch der kapitalistischen Weltwirtschaft im der unmittelbaren Folge des Weltkrieges abgelöst werden muß durch die Erkenntnis, daß für den Zusammenbruch des Kapitalismus der Weltkrieg die wichtigsste Ursache sein wird, deren einscheidendes Resultat 'jedoch erst durch eine ganze Reihe mittelbarer Prozesse in einer mühsamen, schmerzvollem dialektischen Entwicklung sich ergeben muß. Pflicht der revolutionären Parteien ist es, diese Tatsache nicht ihrem politischen Bewußtsein zu unterschlagen, wie es jene zu empfehlen scheinen, die von dieser Erkenntnis eine hemtnende Wirkung befürchten; sondern ihre Taktik so umzugestalten, daß durch alle Umwege hindurch die Richtlinien des revolutionären Sozialismus bewahrt bleiben. Diese Aufgabe bedeutetallerdings eine schwierigere Praxis als jene, welche die tatsächliche Macht des Kapitalismus immer wieder durch die Feststellung seines „objektiven Bankerotts'' bekämpfen will; aber von dieser praktischen Bereitschüiit hängt (harakter und Existenz der Parteien selbst ab. Indem Lenin nicht davor zurückschreckt, die histo-» rische Grundanschauung der III. Intemationaie von der notwendigen Umwandlung des Weltkrieges in den Bürgerkrieg als problematisch Hinzustellen, a. h. als eine ,zm erringende Forderung, nicht als eine fatalistlisch hinzunehmende Wirklichkeit, stellt er nicht nur dem guten Wallen, sondern auch der Erkenntnisfälhigkeit der europäischen Kommunisten die höchsten Ansprüche. Wir glaunen.es wird doch sehr viel Mühe und Arbeit kosten, bis man das Beispiel grausamer Selbstkritik und unermüdlicher Selbstüberprüfung so weit befolgt haben wird, daß alle fixen Ideen, die vielen van uns dm Ausblick noch verwehren, ausgerottet werden. Wir können hier nur andeuten, nach welcher Richtung hin eine Ueber - prüfung der Anschauungen am notwendigsten erscheint. Der verhängnisvollste Fehlschluß, der sich bei den Revolutionären der besiegten Länder einnistete, bestarid darin, daß sie mit einer naiven Selbstverständlichkeit der» zerrütteten Zustand, in dem sie die Wirtschaft ihres eigenen Landes erblickten, als maßgebend für die Verhältnisse auf der ganzen Welt annahmen. Von dieser summarischen Erledigung des vielseitig verschlungenen Problems der Kriegswirkungen aus, konnte auch nur eine schematisohe, unihästorische Betrachtungsweise erwachsen für die Beurteilung des Klassenkampfes des internationalen Proletariats. Sie verstrickten sich in rein voluntaristischen Gedankengängen und scheinen vollkommen den grundlegenden Satz vergessen zu haben; daß es nicht darauf ankommt, was der Proletarier will, sondern, was ev wollen muß. Sie versäumten es zu fragen, ivarurn die europäischen Proletarier nichl immer so mußten, wie es die Revolutionäre wünschten, und argumentieren daher notgedrungen an der Wirklichkeit vorbei. Das Verstehen dieser Wirklichkeit jedoch, nicht nur im eigenen Lande, sondern in allen Ländern, das Verstehen über das Wollen hinaus zum A\üssen des internationalen Proletariats wird täglich zum dringenderen Problem. Wir stehen vor der Tatsache, daß das "internationale Kapital in der neuen Situation verschiedene Anhaltspunkte gefunden hat, um eine Re - Organisation zu versuchen und seine neuen wirtschaftlichen Positionen kräftig zur Geltung bringt. Die;e Wendung muß notiert werden, untersucht, nach allen ihre.i Möglichkeiten abgewogen. Die wichtigste Folgerung wird wohl die sein, daß der Befreiungskampf des westeuropäischen Proletariats sich nicht im internationalen Rahmen abspielen wird, wie die russische Revolution, sondern nur dann zu entscheideniden Erfolgen führen wird, wenn sich ein viel engeres Zusammenspiel der Kräfte des Proletariats der verschiedenen Länder (Deutschland, Italien, Frankreich) herausgebildet haben wird, ein internationales proletarisches Kampfgebiet, auf dein an verschieden 211 Stellen sirnuitan Angrufsakt.ionen einer kombinierten Strategie sich entfalten können. Um die Anforderung211 dieses Kampfes zu erkennen, wird jedoch die proudhonistische Simpliziität nicht genügen. Wir wollten damit nur die beiläufigen Grenzen skizzieren, in denen das Denken der europäischen Revolutionäre sich wird in Zukunft bewegen müssen, wenn ihr Talwrlle die Tiefe und Krall erreichen soll, die y/hirer Aufgabe entspricht. Und d:ese entscheidende Wendung in der Denkrichtung, in der' kritischen Bereitschaft dem neuen Weltbild gegenüber, konnte nicht schärfer unterstrichen werden, als im Referate Lenins. Wir sollten aus ilum den Zweifel"; lernen, den Mut zum Zweifel, der ein Mut zur Wahrhteil ist. Da gewisse Unarten, besonders wenn sie sich fzu Systemen, zu organisierten Irrtümern ausgewachsen hüben, sich schwer abgewöhnen lassen, wird zi wohl noch eine Zeitlang dauern, bis alle, die. sie biisher gern und mit augenblicklichen Erfolg anwandten, der Methode abgeschworen haben werden, jeden Versuch zur Analyse mit Ketzergerichten zu bedrohen, jeden Zweifel daran, daß der bequemste Weg auch der richtigste sei, als konterrevolirtioinär zu verschreiien. Diese Methode muß sich no'cb griindlleirr'die' Hörner -ablaufen, bevor überhaupt die Diskussion beginnen kann,' die in der vergifteten Athmospihäre der Re5ormistemschnüffele,i überhaupt nicht angebahnt werden konnte. Polen — Aufmarschgebiet der Weltreakton. i (Brief aus Warschau.) Ein jäher Szenen Weichsel ist eingetreten. Das gestern nccii so fliedensbedürftige Polen 'ist über Nacht rauflustig und expansiv geworden. Die weißen Paus, die — vor einem Monat kaum — zu allen Kanossagängen bereit warm, sind wiederum stolz und steifnackig geworden: sie vergessen, daß sie an der Curzon-Linie Genüge und Gefallen fanden und seh weifen jetzt über alle vorgeschriebenen Grenzen. Pilsudski marschiert auf's neue nach Ukraine, um die zerzausten Lorbeeren von Kiew zum zweiten Male zu pflücken. In Warschau ist jetzt das Hauptquartier der Welfreakiio.n aufgeschlagen. Der Gesundte Wraiigeis geht im Beivedere, der königlichen Burg des ehemaligen Sozialisten Pilsudski, aus und ein. Bei ihrem Stelldichein werden der ungarische und der rumänische Botschafter oft gesehen. Die nette Ge~ Das Ziel der großen Aktion, die hier vorbereitet wird, ist unverkennbar: ein g r 0 8 e r Ä n griff g egen Ru B 1 a n d steht unmittelbar "b e v o r. Ueber alldem schwebt der Geist Miiierands, des prädestinierten Präsidenten von Frankreich, des würdigen Nachfolgers des hirnverbrannten Deschanel. Die gewaltige V 0 r a r be i t, die von den französischen Generälen und Agenten bisnun geleistet wurde, zeitigt in der Warschauer Verschwörung ihre ersten Früchte. Nicht wenige Hindernisse mußten hiezu überwunden werden. In erster Linie mußte der erlahmende Kriegswüle des aus tausend Wunden blutenden Polen auf's neue angestachelt werden. Denn, auch nach dem Rückzüge der russischen Armeen, noch, waren sich alle politischen Parteien in der Friedensbereitschaft einmütig. Die Nati-cnaidemokraten, die Anhänger Dmowki's, hatten sie sogar zu einer wilden Pressekampagne gegen die ihnen verhaßte sellschaft, die sich kaum Mühe gibt, ihr teuflisches Machwerk zu verbergen, wird von Sawinkow, dem, ehemaligen Komplizen Azeffs, 'treffend ergänzt. Was in dieser Hexenküche des Weltimperialisrnus ausgebrütet wird, zeigt schon jetzt die freche Miene. Pilsudski hat es einem französischen Beschnüffletklipp und klar gesagt: „Ueber unser Verhältnis zu Wrangel wird die Welt schon in zwei Wochcß alles Genugende erfahren." Koalitionsregierung Witos—Daszynski benutzt: sie forderten die Einberufung des Sejm auf den 24. September, sie sprachen Sich entschieden gegen das persönliche Willkürregiment Pilsudskis aus und wollten die Entscheidung über Krieg und Frieden in? Parlament gefällt wissen. — Ein groteskes, politisches „Qui pro gno" war hiermit gegeben: Die Witos- Daszunski-Regierung, die zum alleinigen Zwecke des F ri eden ssch 1 u sses die Nachfolgerin des friedensfeindüchen, flaliona (demokratischen Kabinetts wurde, wurde jetzt der Kriegsshetze und des Imperialismus bezichtigt. Der eigentliche Angriff der Nationaldemokraten war jedech nicht so sehr gegen die wenig populäre Regierung, wie gegen die Petljurafreundliche Politik Pilsudskis gerichtet. Auf der einberufenden Sejmsession sollte nebst der Friedensfrage auch die der Beantwortung für die mißlungene Expedition nach Kiew, d. h. für das Petljuraabenteuer, behandelt werden. Durch diese so geschickt angelegte Aktion der Nationaldemokraten wurde Pilsudski und die Witos-Regierung zu der größten Nachgiebigkeit gegenüber Wrangel, dem Lieblingskinde von Dmowski, gezwungen. Die Forderung nach der gesetzlichen Sejmeinberufung konnte bloß durch den Hinweis abgelehnt werden, daß die Entscheidung über Krieg und Frieden dem obersten Kriegsrat zustehe. Nun ist aber hier ein offenes Geheimnis, daß der oberste Kriegsrat das willige Organ der französischen ..Berater" ist. Uni also de» letzten politischen Standort nicht zu verlieren, hatte .Dazsynski. der Führer der P. P. S., wenig Anstand genommen, den Beschluß des obersten Kriegsrates über den „Volkswillen", das Parlament, zu stelle« Unter diesen Auspizien sind die Friedensverhand lunjgeJn, die jetzt in Riga beginnen sollen, schon -von vorneherein entschieden. Sie werden uns jedoch interessante Aufklärung in Kürze liefern, in welcher Weise Polen die Befehle Miiierands ausführen will. 1 Die Entwicklung der Kriegsoperationen ander galizischen und südlichen Front wird hierauf dep größten Einfluß gewinnen. Denn es unterliegt keinem Zweifel, daß hierdurch die strategische Verbindung mit Rumänien geschaffen werden soll. Für eine etwaige polnische Frontverlängerung bis zu Wrangei käme bloß die rumänische Armee in Betracht. Welche Rolle hiebüi das neuerwachende Ungarn spielen soll, steht heute noch nicht fest. Man kann aber nacii den Berichten der polnischen Presse mit einem freien Durchzuge der Horthygruppeu durch rumänisches Gebiet nechnen, wo sie an dein Dniestr zur Eroberung Odessas eingesetzt werden soll. Auch hier ist die nötige Vorarbeit von den französischen Agenten (Generälen und Diplomaten) bereits geleistet. Denn es sind zunächst dieselben militärischen Sachverständigen, die das freundschaftliche Abkommen zwischen Rumänien und Ungarn getroffen haben, welche jetzt im Beivedere mit Sawinkow unter Daszinskis Auspizien konspirieren. Im Zusammenhange hiermit wird in der naticnaldemokratischen und sozialpatriotischen. Piesse oft die Frage der Slowakei erwähnt, und vielfache Drohungen gegen die tschechoslowakische^ Republik lautbar. Auch die Brücke zwischen Hor'thyungarn und Pilsudskipolen wird mit französischem Gelde gebaut. immer deutlicher werden die Umrisse des konterrevolutionären Blocks, der zur Isolierung des proletarischen Rußland v::n dem ..Bolschewikentöter" Millerand, geschmiedet wird. Der Judenitsch und Dienikim-Versuch vom September 1919 soll von Pilsudski und Wränge! 1920 mit besserem Erfolge wiederholt werden. Den zur Abwehr ausholenden heldenmütigen Roten Armeen, der Avantgarde der sozialen Revolution, muß das Weltproletariat zu Hilfe kommen. Denn das weiße Polen muß zerschmettert werden. Darüber, wie die Arbeiterbewegung in Polen unterdrückt und wie die Juden verfolgt und gemartert werden, in meinem nächsten Brief. ma. Polnische Greueltaten an den Jllden. KRosta, Wien.) Ein Spezialkorrespondent der „Freiheit" berichtet folgendes: Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich von den Geschennissein berichten soll, die die gesamte jüdische Bevölkerung Polens, Litauens und des polnischen Okkupationsgebietes in Empörung versetzen. Lange wollte ich nicht glauben, was Russen und Juden erzählten, und wartete auf jene Dokumente, die man mir versprochen hatte. Doch jetzt wäre v?s eine Sünde, zu schweigen, da der polnische Vormarsch Hunderttausende von Juden den größten Gefahren aussetzt. Wenn nur der zehnte Teil davon iwahr wäre, was die russischen Truppen und die jüdische Bevölkerung von den Greueln erzählt, die die Polen anläßlich ihres Rückzuges begangen haben, so müßte sich die Empörung der gesamten KuiturweU) teemächtigen. Diesen Greueln korn)ni£n in unserer (Zeit nur die Armeniergreuel gleich, Ich bin weder Jude, noch Bolschewik, daher unparteiisch. Anfangs nahm ich diese Erzählungen nicht ernster, als andere Kiiegserzäh hingen. Erst als Zeugen auftraten, deren Wahihaltigkeit keinem Zweifel unterlaß, welche die Nachrichten bekräftigten und Uebertrei{jungen berichtigten und als ich selbst die neue Völkerwanderung, sith, wie alle Landstraßen Polens und-Litauens von