Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 33 (25.9.1920)
- Date
- 1920-09-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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NR. 33 Klassenfeinden — den jüdischen Ausbeutern ausliefern. An Stelle der internationalen Arbeiters^lidarität soll die jüdischnntiomde Solidarität zwischen Arbeiter und Meister, .zwischen Angestellten und Chef treten. Als Mittel zu diesem Zweck soll, das langjährige Streben der jüdischen Volksmassen, iti Palästina eine jüdische sozialistische Ä rbe i t sg eme i u sehn ft zu e r r i c h len, dienen. So wollen die zionistischen „Volksfreunde" das Klassenbewußtsein der jüdischen Proletarier trüben, indem sie ihnen das gleiche Ziel .vorheucheln und mit dem Hinweis auf die schöne Zukunft jn Zion, die Aufmerksamkeit von der grauenhaften Wirklichkeit hier abzulenken und so den Klassenkampf zu verhindern suchen. Die Interessen des jüdischen Kleinbürgertums zu schützen versprechend, liefern sie es in der Tat dem Großkapital auf Gnade und Ungnade aus und bilden eine einheitliche Front mit den ChristUchsoziateu und Großdeutschen, wenn es gilt gegen Arbeiterschutz, gegen Steuerzahlung, gegen Sozialisierung. der Großbetriebe zu demonstrieren. D a r u m jü d isc he w e rktät ige Mä n n e r und Fraueng e'd en k e t: Keine Stimme den Jüdischnafionaleti! A3ie Stimmen den Arbeiten*er!referrs f Doch, auch die Arbeitervertreter, die diesmal um Euere Stimmen, werben.' sind wesentlich1 verschieden, von denjenigen, die im Februar um sie geworben hatten. War es damals die S o z i a 1 d e m okratie allein, die die parlamentarische Vertretung der Arbeiterschaft mistrebte, so sind es heute auch die Kommunisten, die die parlamentarische Tribüne im Interesse der revolutionären Entwicklung ausnützen wollen. Es gilt daher zwischen beiden zu entscheiden. Es gilt, schon vor der Stimmenabgabe sich der Bedeutung fies Wn laktes bewuflt zu werden: nicht mit dem Stimmzettel allein ist die SS©f das V®S§ces m lindem, die Qöfahr der Resslcti^n m bannen und der Sieg des Sozialismus zu sichern Zwei jähre unermüdlicher Parlarnentsarbeit der Sozialdemokratie lehren uns, daß der „Weg zum Sozialismus" nicht über die Nationalversammlung führt. Kein Bergwerk, kein Großbetrieb, keine Fabrik ist sozialisiert; keine jüdische Großbank nationalisiert; kein jüdisches oder fürstliches Palais enteignet. Nichts von alledem. Hingegen stehen wir vor einer Gefahr monarchistischer Reaktion, atmem die vergiftete Luft ge* genrevoiutionärer-antisemiti.scher Verhetzungen und erleben die beschämendste Praktik, daß redliche jüdische Arbeiter und Angestellte samt ihren Angehörigen den antisemitischen Verhetzunigen geopfert und erbarmungslos ausgewiesen werden, während die jüdischen Spekulanten, Schleichhändler und Schieber sich frei bewegen und an der Volksnot noch mehr sich bereichern dürfen. Deswegen gilt es, jüdische Proletarier, sich bei diesen Wahlen von der gefährlichen Illusion zu beheien, als ob die redlichste positive parlamentarische Arbeit noch so vieler "und noch so tüchtiger Arbeiterverhcier imstande wäre, die Macht der Ausbeuterklassen zu brechen und die Her/>ch.aft der Ausgebeuteten und UnterdrückSein zu errichten. Rur die "iuternntknid organisierte Massenaktion der Arbeiterschaft kann die.se Aufgabe erfüllen. Es gilt auch zu erkennen, und diese Erkennung durch Stimmen abgäbe zu dokumentieren, daß einzig und allein die Herrschaft der Arbeiterklasse den Sieg des Sozialismus' ermöglicht und verbürgt. D a r u m rufen w j r E u ch, j ü d } sc h e A r bei! e r u n d Angestellte: stimmt am 17. Qk®b®r kommunistisch! Aber nicht allein eine 'Demonstration und ein Bekenntnis soll Euere Stimmenabgabe sein Kein. Dadurch sollet Ihr gleichzeitig kundtun, daß Ihr Euch von der Ideologie des assimilatorisch-entartetett und des national-chauvinistisch gestimmten jüdischen Bürgertums endgültig befreit, da!> ihr Euer Schicksal mit demjenigen der revolutionären deutschösierreichsehen Arbeiterschaft auf ewig und immer verbunden habet und daß Ihr entschlossen seid, am der Seite des internatienaien Proletariats für die sozsiie und .natiofi:de Befreiung aller Ausgebeuteter un'd Unterdrückter zu kämpfen. indem Ihr für die kommunistischen Kandidaten .stimmt., stimrat ihr: . für die kommunistische« vöiker&efretende Internationale,. f ihr cäia sozialistische Sowietireoubük Oeutsch0sterr.ei.ch, fiir die vereinigten sozialistiscKeii, förderet!ven' Sowietfireilubnkefn derWeSt-9 Kämpfend und siegend schafft das internationale revolutionäre Proletariat die Voraussetzung für die endgültge Befreiung v:n MensCh und Volk. Kämpften d und siegend an der Sete der sozia listsciien Arbeiter schart werden wir jüdischen Proletarier — de Unterdrücktesien aller — auch die Voraussetzung unserer endgültigen Besfr-eung schaffen.. 'Immerdas sozialistische Ideal als Endziel, stets den Klassenkampf als das einzige Mittel betrachtend, können wir auch niemals vergessen, daß die Ursache unserer 'besonderen Nöte und eigen artigen Bedrückung in der Exterritorialität des jüd i sehen 'Volkes. I ieg'f. Darum werden wir auch heute in diesem Kampfe zwischen Arbeit und Kapital an der Seile der kommunistischen Arbeiterschaft kämpfend gedenken: unsere besondere geschichtliche Aufgabe sei es, ge in e i n s a in m i t den jüdischen Arbeitern der W e 11 d i e 1 r e i e, j ü d i s c h e, s o z i a 11 - s t i s c h e A r b e i t e r s i e d 1 u u g i n P ä l ä s t i na zu sc h a f f e n. Die sozialistische Idee, die internationale Arbeiterbewegung verbürgen die Freiheft aller, auch unsere Freiheit. 'Durch unsere Stimmenabgabe wollen wir uns die Verpflichtung auferlegen:1 mitzukämpfen für die grosse kommynisfische Sache, für die Diktatur des Proletariats, J üd isc h c Pro! eta r i er( Wählt k o m mu n i s 13 s c hf Wien, Im S&pl&mtBfgr 1920. Jüdische soiiaSIsf if cii® Urbeiierpartei P®ale Zion9 Deuf schösterreichs. Unsere Belui uptu ng: Der Weltkrieg hut den wirtschaftlichen Sau der jüdischen Volksmassen zerstört, die Macht der jüdischen Bourgeoisie dort, wo sie unter den Alssen materiell sowie moralisch wirkte, vernichtet und somit die objektiven und subjektiven Vorbedingungen für die dominierende Stellung des jüdischen Proletriats vorbereitet. Durch den Fortgug der sozialen Revolution, durch die geogrpäiischeu Bedingungen ihrer Ausbreitung sowie durch die eigentümlichen Vorussetzungen des jüdischen Wirtschftslebens gewinnt dieser Prozeß noch an Kraft und Geltung. In seiner unausbleiblichen Folge wird die jüdische Arbeiterschft zu den Schicksal - schf Senden Trägern der Ideen der proletarischen, ntionalen Autonomie und des revolutionären Pa~ iästinismus. Die jüdische Bourgeoisie, sowohl in ihrer asslmUtorischen, wie in ihrer nationalistischen Färbung, hat ihre Rollen nunmehr mit einem vollständigen Bankerott zu Ende gespielt. Diese Tatsache, wie sehr auch die Versuche ihrer Versenleienig sich häufen, muß von allen revolutionären Parteien des jüdischen Proletariats, mit aller Schärfe betont werden; uns aber fällt die besoderc Aufgabe zu, da sich unsere Zielsetzug der Entwicklung der jüdischen Volksmasseu, dem Manien und der äußeren Form des Prozesses nach, mit der des zioistischen Teiles der jüdischen Bourgeoisie entspricht, den volksfeindlichen und fortschrittswidrigen Charakter der zionistischen Partei und ihrer Aktionen aufzuzeigen. Demgegenüber den revolutionären Ponte-Zionismus aufzustellen, um von vornherein die sehr wohl möglichenjllusionen der kleinbürgerlichen Massen, die ins Schlepptau der Zionisten kommen, zu zerstören und sie an die b e w u B t e Bewegung des jüdische n Proletariats zu ketten. Unsere Menschewiki, Kaplanski, Locker und Jaiirblum (denn für eine Auseinandersetzung mit den Saars-Ben-Gorious usw. finde ich keinen sozialistischen Standpunkt) behaupten das Gegenteil: * Noch ist der Augenblick für ein Dominieren des proletarischen Einflusses im jüdischen Leben; nicht gegeben, das jüdische Proletariat ist seiner historischen Aufgabe noch nicht gewachsen, und so muß es sich von seiner Bourgeoisie leiten lassen. Die zionistische Bourgeoisie, die eine weltpolitische Bedeutung erlangt hat, ist ein Machtfaktor, den die jüdische Arbeiferschaft auch für die Durchiührutvg ihrer b es onderen Aufgaben nicht en tbeh ren kann, so ist uns — der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe — der Weg der Zusammenarbeit mit der zionistischen Partei vorgeschrieben, im Vereine mit welcher wir erst die komplizierten Probleme der jüdischen Wirklichkeit iösen können. Unter diesem Gesichtspunkte wird der zionistische Kongreß nicht zu einem parteiischen Forum, sondern zum Ausdrucke des jüdischen „Volkswillens", zum Symbol der Volkseinheit und der Einmütigkeit der Volksbestrebungen. (Ben Gorions Korreferat.) So ungefähr argumentieren unsere Menschewiki in der Frage der nationalen Politik, was jedoch» sin Pendant bloß für ihre ..internationalen1- Anschauungen bildet: Wir sind keine Gegner der Diktatur des Proletariats, die Russen mögen ihre Revolution nach ihrem eigenen Sinne durchführen, aber ihre Revolution und Tendenzen als einen Katechismus für unsere Taktik und Politik zu akzeptieren, dagegen verwahren wir uns. (Aus Kaplanskis Referat auf der V. Weltkonferenz.) — Wir verkennen auch nicht den Umstand, daß bisnun die Macht sich in den Händen des englischen Imperialismus, der die Schlüssel zu Palästina besitzt, sich befindet, und so müssen wir ihm Rechnung tragen. Der Anschluß an die III. Internationale bedeutet die Kampfansage ii n d e n e u g [ i s c h c n Imperialismus, was nicht im Interesse des jüdischen Volkes dlege» kann, .(Ben-Gorions Korreferat.) { Die Offenherzigkeit unserer Men-.chewiki in ihrer nationalen und internationalen Gesinnung läßt nur wenig zu wünschen übrig. Freilich sind sie nicht zu sehr auf Originalität erpicht, denn die russischen Mensch ew fki und die deutschen Scheklemäimev — bis in ihre letzten Crlspien-und DillmnnnsiüuFer boten hier ein würdiges Vor- und Musterbild. Höchstens kann man bei den „Stützen" des rechten Verbandes der Poa'c-Zion den besonderen Eifer rühmend hervorheben, den sie für dein jüdischen Volks willen und seinen 'konkreten Ausdruck, den „zionistischen Kongreß" zeigten. Wo ein solcher nicht vorlag, konstruierten sie ihn spontan und. unverdrossen! Weuu es kdnen Gott gäbe... In allen Stücken sind unsere Kosditiouspolitiker würdigo Alen? chewiki. Welche Resultate hat bis jetzt ihre Arbeit für unsere Bewegung gebracht? Wir haben es gesehen: amerikanische Legivncai. ..Rekonsttukfi'.-nsarbeü" an der internnü-ennie, Kampf gegen die jiddische Sprache jn dein zu sozialisierenden Palästina. Ihre Perspektiven für die Zukunft bedürfen nicht einer besonderen Ausführung. D^ch glauben wir nicht fehl zu.geWew, wenn wir bald ihre Betätigung nicht bloß an derrt einen „Voiksw"diensondern an mehreren ,,Nufcionaträten" werden feststellen können. Und in der internationalen Politik? — An ihren Flüchten wird man sie erkennen.... 0 Unsere Beziehung zil dem Menschewisinus, mag er in der Form des rechten Verbandes, oder in der Nachwirkung in unseren Reihen, sich geben, ist scharf und unzweideutig bestimmt: d er Menseli evv l sm u s, wiewohl eine notwendige "Erscheinung des Befreiungskampfes, m u ß übe r w u m d en w e r - den. Die Freunde von .„Gestern" sind nuumdhr Feinde von „Heute" geworden. Deshalb keine "Gefühlsduselei mehr — ihnen gegenüber: die gange jüdische Arbeiterschaft muß es deutlich und klar vernehmen: Diejenigen, die umemi Verband verlassen und sich auf die kleinbürgerliche und chauvinistische Politik der Achdulih-Haawoda orientiert: haben, säe alle, die den englischen Imperialismus der III. Internationale vorgezogen haben, schreiten an die Gründung eines neuen „rechten" Verbandes. In sachlicher Beziehung sind sie ausnahmslos Verräter an der jüdischen proletarischen Revolution und fret- oder unfreiwiüige Schergen der zionistischen Reaktion, Mit ihnen kann es, sowenig wie mit der Bourgeoisie, Vergleich' und Verständigung geben. Zwischen ihnen und uns kann es nur eine Beziehung geben: Kampf bis zur gänzlichen Vernichtung des Memschewismus auf der judischen Arbeitergasse! 1 W----1. Zum zweiten Kongreß der 3. Internationale. Von Otto Kaus (K. P. Oe.) (Freie Diskussion.)' Um die Beschlüsse ai varsteMan, die auf dem Ii. Kongreß der kommunistischen Internationale gefaßt wurden, and die Bedeutung des Kongresses für d>e,n zuk'inftigeji Aufbau und die Taktik der einzelnen Sektfiarfä.i der kiternationaia zu werten, müssen wir in erster Linie das gesamte Weltbild betrachten, mit dem sich' die Vertreter d<es revolutionären Proletariats auseinandersetzen mußten. Ebenso wie jede praktische Tätigkeit eines marxistisch' geschulten Sozialisten damit beginnen muß, „auszusprechen, was ist", wurden aueb die Beratungen in Moskau durch! eine Rede Lenins eingeleitet, die in großzügigen Umrissen die objektiven poli - tischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der ganzein Wejt darstellt, um ans ihnen die RicMliiniien für die Tätigkeit der kommunistischen Internationale abzuleiten, ' Lenin stellt vor allem in einer algememesi Uebersicht fest, daß infolge des Weitkrieges die Zahl der Länder und Nationen, die sich im, Zustand kolonialer Abhängigkait von kapitalistischen Staaten befinden, gewaltig zugenommen hat. Wenn man die versuchte Erdrosselung 'der 'russischen Sowjetrepublik zugunsten der ausländischen Gläubiger der