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Freie Tribüne · 1920-09-25 · 33 (25.9.1920) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
33 (25.9.1920)
Date
1920-09-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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PÄO/.£TAA/£Ä <£\LL &/=2. ii/WD£Ä V^Ä^//V/Qr £ (jCM^ ^\m\K\w\\\n\\w\\\K\n»\\\\\\nw\w\\\\\^ [REIf TRIBUN! Organ tfer jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion in Deutschösterreich Erscheint jeden Samstag REDAKTION UND VERWALTUNG: WIEN II, GLOCKEN GASSE 6, Tür 17 Bezugspreis samt Zustellung: Ganzjährig K 45.-.....Halbjährig K 24.-.....Vierteljährig K 12.~ . Erscheint jeden Samstag . . Einzelnummer K 1.— II. Jahrgang Wien, 25. September 1920. Nr. 33. Auf zur Wahl für die kommunistischen Kandidaten! Jüdische Arbeiter und Angestellte! Nach anderthalbjähriger Wirksamkeit geht die Nationalversammlung auseinander; sie ruft «las Volk Deutschösterreichs auf, am 17. Oktober das neue,1 Parlament zu wählen. Nun werden diese Wahlen unter wesentlich anders gearteten Bedingungen, als die Wahlen vom' Februar stattfinden; sie erlangen dadurch eine wesentlich andere, ja größere Bedeutung: für die Arbeiterschalt Deutschösterreichs. t Ging im Februar der Wahlkampf um die Frage; soll dieses kleine Land kapitalistisch' oder sozialistisch regiert werden; soll der Wiederaufbau der zerstörten Wirtschaft auf der alten Grundlage des Privateigentums, oder der neuen,— des gesellschaftlichen Eigentums fundiert werden. Hat es sich damals darum gehandelt, durch die vollkommenste Demokratie — durch die Herrschaft der freigewählten Volksvertreter — den „Weg zum Sozialismus41 frei zu machen, so wird am 17. Oktober lediglich darüber entschieden: soll Deufsch&sterreich monarchistisch oder republikanisch regiert werden. Was die herrschenden Klassen — Christlich soziale und Deutsch-national« — in vierjährigem Kriege an Menschenleben vernichtet, an materiellen und kulturellen Gütern zerstört, vermachte die ernste, selbstlose, ja aufopferungsvolle zweijährige Arbeit der deutschösterreichischen Arbeiterschaft nicht wieder gutzumachen. Zumal, da den '„Schuldigen am Kriege" — den Christlichsozialen, ein übermäßiger, ja vorherrschender Anteil an den Regierungs- und Wiederaufbauarbeiten, eingeräumt wurde. Das deutsch- "{österreichische Bürgertum beidervKönfessicmen' — Juden und Christ.etv,-.-r->.;.^^A^^^-'-§^l^stcin schränkung"der Arbeiterschaft dazu benützt, jede ernste gemeinnützliche volkswirtschÄ nähme,, durch versteckte und offene Sabotage, durch Niederhaltung der Produktion, durch Steuerhinterziehung und durch Hochverrat unwirksam zu machen. Durch reg 1 e m en ta risch en- und Schleichwucher haben die Großbauern, Fabrikanten, Bodenständige- und jüdische Preistreiber die Not der Massen schamlos dazu benützt, um ungeheuere Reichtümer zu häufen. Einzelne Parasiten nennen unzählige luxuriöse Wohnräume ihr „eigen", wäWrend zehntausende Proletarier obdachlos dem Winter entCgegensehen; Hunger zehrt am Volkskörper und verursacht Massentod und Verderben, während diese Parasiten in Saus und Braus leben und genießen. Und nun, da der Arbeiterschaft der „Weg zum Sozialismus" auf diese Weise verlegt wurde, da die Massen durch1 die bis aufs Höchste gesteigerte Not enttäuscht und erbittert sind, glauben die schwarzen Mächte der Reaktion, i h r Tag wäre gekommen. Sie haben das Volk last zur Verzweiflung, gebracht und wähnen sich nun die Herreh das Landes. Offen und unverschämt rufen sie jetzt nach dem Kaiser; sie wollen in Deutschösterreich das Horthyregirnent aufrichten. Wohl kennend die Macht der klassenbewußten organisierten Arbeiterschaft, haben sie auf Kosten der christlichen Gutsbesitzer und der jüdischen Großbanken arbeiterfeindliche HeimKvehren ausgerüstet. Immer noch unsicher des Sieges rufen sie — mit dem kommunistischen Gespenste drohend — die Hilfe der Eiltentekapitalisten — der Todfeinde von gestern ■— an und bereiten so den Einmarsch1 der Horthumörder in Wien vor. So soll der Ausgang der Wahlen darüber entscheiden, ob Deutschösterreich zurück unter das Joch der Monarchie gezwungen, oder ob es durch die Werktätigen frei aufgerichtet wird. Jüdische Proletarier! Es gilt daher: keine Stimme den Arbeiterfeinden! Alle Stimmen den Arbeiter Vertretern! Aber um die Stimmen der jüdischen Proletarier Wiens werben nicht nur Bürgerliche- und Arbeiter- Vertreter. Hauptsächlich an der Peripherie der Volkswirtschaft tätig, größtenteils im Handel und kleinen Handwerk beschäftigt, lastet das Elend auf den jüdischen Arbeitern und Angestellten mit erdrückender Vernichtung und drohender Schwere. Da melden sich schon die Retter, die „Freunde". — Deutsche mosaischen Glaubens und Jüdischnationale. Die assimilierte jüdische Bourgeoisie und deren Soldschreiber — die entartete, käufliche, auf „Lohn'' und „Ehren" bedachte jüdische großbürgerliche Intelligenz predigen den jüdischen Arbeitenden nationale Assimilation. Jedes fortschrittlichen Sinnes, sowie jedes religiösen Empfindens bar, wollen sie die jüdischen Massen in Unwissenheit und konfessionellem Dunkel erziehen. Allem moralischen Denken und sozialen Wirken feind, besorgen sie ihre eigenen Geschäfte auf dem Rücken der eigenen und der fremdnationalen Volksmassen und wollen dabei stets als „fromme" Israeliten und „guteDeutsche" gelten. Sie verteidigen beides und verraten beides in dem Moment, wo es um ihren eigenen Geldsack geht'. Die jüdischen Großbanken — die typischen Vertreter dieser entarteten jüdischen Großbourgeoisie — unterstützen geheim und offen die christlichsozia leu Wahlfonds und dokumentieren damit, daß es ihnen lediglich darum zu tun sei, den Arbeiterin den, auch wenn diese Judenfeinde sind — zum Siege zu verhelfen. Das Horthygespenst schreckt sie nicht,, wenn es gilt, das kommunistische Gespenst zu bannen. Arbeitende Männer und Frauen des jüdischen Volkes gedenket: diesen Volksfeinden keine einzige Stimme! Aber auch denjenigen, die sich „volkstümlich" jüo'ischnatiomal nennen, darf keine Stimme eines Arbeitenden geschenkt werden. Auf die unermeßlichen Leiden des jüdischen Volkes spekulierend, wollen sie die jüdischen Proletarier den Klassengenossen anderer Nationen entfremden und %o den „eigenen" „Unser" Menschewismus. Die jetzige Phase der internationalen Arbeiterbewegung kennzeichnet Lenin mit folgenden Worten: „Die Geschichte der Arbeiterbewegung zeigt jetzt, daß es ihr in allen Ländern bevorsteht (und diesePh'ase hat schon begonnen), den Kampf des zunehmenden, erstarkenden, zum Siege streitenden Kommunismus vor allem und hauptsächlich mit seinem (in jfedem Lande auftretenden) „Menschewismus", d. h. mirdem Opportunismus und dem Sozialchauvinismus durchzumachen." Der Menschewismiis ist demnach eine internationale Erscheinung des proletarischen Befreiungstprozesses, die gemäß den gegebenen, mannigfachen nationalen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen in verschiedenen Ländern besondere Formen finden kann, deren allgemeines Kriterium aber in der Rolle der Menschewiki im Klassenkampfe der modernen Gesellschaft so recht ans Licht tritt. Denn überall entpuppen sie sich letzterdings als Schergen der Bourgeoisie und als Henker des Proletariats. In Rußland sowie in Deutschland haben die Menschewiki an der Seite der weißen Garden gekämpft, sie waren die geistigen oder tatsächlichen Mörder von Wolodarski, Luxemburg, Liebknecht und so vielen anderen RevoIutiomskämpfem; in den Ländern wiederum, in denen die Revolution sich noch nicht entwickelt und in aller Stärke entfacht hatte, schließen sie ein Bündnis mit der Bourgeoisie, um ihre Stellung zu sichern und den revolutionären Ansturm des Proletariats abzuwehren "oder zu hem- * rrii^ Demokratie. Der Menschewismus ist auch der poale-zionistischen Bewegung nicht erspart geblieben. Sie zeichnet sich aber hiermit keineswegs vor den anderen jüdischen sozialistischen Parteien aus. Doch hatte unser Menschewismus ein nur ihm eigentümliches Gepräge* das einerseits in den wirtschaftlichen-und sozialen Bedingungen.'der jüdischen Volksmassen, andererseits in ihren politischen Strebungen begründet war. All diese Momente mußten natürlicherweise den Menschewismus der jüdischen Arbeiterbewegung im allgemeinen und den in unseren Reihen insbesondere differenzieren und „(spezialisieren". Wenn man jedoch seine theoretischen Voraussetzungen und praktisch1-politischen Richtlinien analysiert, so ist man der höchsten Ueberraschuug ausgesetzt, dieselben altbekannten Züge des westeuropäischen, demokratischen Sozialismus unter der jüdischen Maske wiederzufinden. Dieselben Gesichtszüge im politischen Gebaren, dieselben Schliche und Finten in der Methode, dieselbe Verzerrung und Deutung der Tatsachen und ihrer Ursachen. Dies ergibt sich aus einem Vergleiche, den wir zwischen den bolschewistischen, und menschiewistischen Grundsätzen anstellen und ihrer Anwendung auf die jüdische Wirtschaft. Thesis der Bolschewiki: Die jetzt gegebena Krise des Weltkapitalismus muß durch das revolutionäre Proletariat in der Weise ausgenützt werden, daß es von der politischen Macht Besitz ergreift und durch die Diktatur des Proletariats den Weg zur sozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung bahnt. Antithese der Menschewiki: Die Krise der nationalen (lies: der bürgerlichen) Wirtschaft erfordert die höchste Anspannung .aller nationalen Kräfte, um den durch den Krieg bewirkten Zusammenbruch durch einen Wiederaufbau zu ersetzen und zum' status quo ante zurückzukehren. Revolution oder Bürgerkrieg bedeuten die größte Gefahr für die Nation, denn sie verschärfen bloß die wirtschaftliche Krise und untergraben die letzten Stützsäulen des „Staates". Deshalb kann als die einzige „Kampfmethode" des Proletariats nur ein Zusammenarbeiten mit der Bourgeoisie, ein zeitweiliges Verzichtleisten auf seine besondere geschichtliche Mission usw.... gelten. In dem Kampfe, den wir soeben mit unseren Menschewiki ausgetragen, modulieren sich die angeführten Grundsitze in folgender Weise:

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