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Freie Tribüne · 1920-09-04 · 30-31 (4.9.1920) · page 5

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
30-31 (4.9.1920)
Date
1920-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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NR. 30—31 FREIE TRIBÜNE SLTi MüZ'Aiig bei den Arbeitern und Bauern des ganzen Landes gefunden haben. Von der riesenhaften V o r a r u ei t, die von den Bolschewiki seit der Märzrevolution geleistet wurde, iiaicen unsere Radikalen nichts gewußt, oder wollten davon nichts wissen. ünCl gar von dar fünfzehnjährigen, zähen, gedaldigen und trotz scheinbarer Erfolglosigkeit nie erlahmen* den Maulwurisarbcit der Bolschewiki im zaristischen Rußland, harten diese Genossen keine biasse Ahnung. Für sie erschöpfte sich der Bolschewismus in der;.sofortigen Ausrufung der Räte* republik". Und zu ihrer Entschuldigung, wenn auch keineswegs zu ihrer Rechtfertigung mag daran erinnert werden, daß die Art, wie die bayerische uni ungarische Räterepublik jwstanciegekommen sind/ leicht die Illusion erwecken konnte, daß es dabei nur auf einen gelungenen Geniestreich ankomme, der keiner gründlichen Vor.-rbeit bedarf.! Der Zusammenbruch der Kätemacht in den Machbarländern Deutschesterreichs — wie gewonnen, :.o zerronnen! — ihgt den hinimeistürmenden „Radikalismusvieicr Genossen merklich abgedämpft. Auer es wäre ein Irrturn, ihn dir tot zu halisn, er hat ein sehr zähes Leben. Man erinnert sich noch, wie schwer die Redaktion unseres Zenlraiorgmies angefeindet wurde, als sie den Gru.ml.saiz verfochten hatte, daß wir erst die Mehrheit des Proletariat rar den Komrnir niSi-nus gewinnen müssen, bevor wir die Staatsgewalt er* greifen flürlen. Nur unter Berufung au; ausdrückliche Er» Klärungen Lenins konnte sie es wagen, diesen Grundsatz aufzustellen und selbst dann wurde sie noch des „Mensche* wisrriiis" bezichtigt. Die „radikale" Ideologie beherrscht aber nach wie vor einen großen Teil unserer Partei Praktisch kommt das al'erdings nur weniu zur Geltung. Die organisatorische Arbeit ist v4n ihr nicht angekränkelt "und sie entwickelt sich i;i sehr hoTimngsvoiler Weise Die Partei steht durch ihre Betriebs-- grnopen" in enger Fühlung mit einem Teil der ./Wasser!, sie hat'in den Gewerkschaften Fuß gefaßt und arbeitet erfolgreich in den Betriebsrnlen. Das „Sein' der kommunistischen Bewegung in Oesterreich ruht also auf gesunden, feiten Grund» lagen. Aber mit ihrem ,,Bev. ußtscin" ist es noch sein schlecht bestelll. Sie hat die Kinderkrankheit des Kommunismus noch nicht überwunden und es ist sehr zu befürchten, daß taktische, {-eh!er, die vom „Bewußtsein" ausgehen auf das „Sehl" schädlich zurückwirken, und den Fortschritt der kommunistischen Partei troiz ihrer gesunden Basis tun lange Zeit hemmen könnten. Ein Beweis, wie stark der „Radikalismus" "unsere. Partei noch beherrscht, ist der Beschluß der Reichs * Parteivertretung, die u. P. D.-Oc. als an i ipurlamenlarisdf zu erklären und die nächsten Wahlen?,ur Naliounivcrsamrn« lung zu boykottieren. ' Es fügt sich daher sehr glücklich, daß gerade jetzt, toro die Wahlen ausgeschrieben sind und die Partei daran gehen soll, ihren hyperradikalen Beschluß in die Tat um» zuseF.en, durch diese unüberlegte Aktion den Kommunismus und d?js> ganze Proletariat aufs empfindlichste zu schädigen, daß gerade ,etzt die Broschüre erschienen ist, in welcher Lcnin^ mit dem „Radikalismus" unbarmherzig zu Gericht geht. Zwar polemisiert er dort nicht direkt gegen die österreichischen „Radikaien". Der Beschluß unserer Parteivarirelu ig über den Wnhlboukott war ihm bei der Niederschrift seiner Broschüre offenbar noch nicht bekannt. Sonst hätte er sicher dieses Prachtstück unseres*" heimatlichen Radikalismus unter seine kritische Luppe genommen, i'ber wem. wir Lenins Ausführungen über' den deutschen und englischen „radikalen" Kommunismus kennen lernen, wird es nicht schwer sein, di? Schlußfolgerungen für Deutsches {.erreich zu ziehen, böigen wir zunächst .seinem Gedankengang. II. \Lenin gibt in den ersten .Kapiteln seiner Schrift einen lieber"- iiek der ganzen bolschewistischen Parieigeschiehte von 1903 >A:> i917 und oespriehl die Eri:ahVungen,. die in diesem Zeitraum gemacht: wurden. Dabei erinnert er r?u den vVahlboykott der Bolschewiki im Jährt?" 1905, als die er.->te Dum. 2 •vom Zaren einberufen wurde. ——-,0er bolschewistische Boykott des -Parlaments im Jahre 1905 hat das revolutionäre Proletariat durch ieine' außcrordeni-lich wertvolle Eriahrung bereichert, er (h.,t gezeigt, daß es bei Kombhution von legaler! (.nid illegalen, parlamentarischen und außerparlameu* tarischen Formen des Kampfes bisweilen nütz» /ich und sogar unbedingt notwendig ist, die paria-: im entmischen Formen abzulehnen. r.!:er ein blindes, (nachahmendes, kriiii-do.se» Liebertragen dieser Lrlah- D-ung auf andere Bedingungen, a n n e r e umstände i s t der g r ö ß t e F e h 1er." (S. 16—!'(.) Welche Bedingungen und Umstände waren es nun, ■ die den VVahlbojuoti damals zweckmäßig machten V Leni i schilder-; uns die damalige Situation. Die Dum,! war das erste Zugeständnis der zjrisehen Regierung, welche durch .Bewilligung eines Geheinparianienies die wehere .'u ore'uu'Ui der kaum begonnenen Revolution zu verhindern hoi'rte Diese war ai:cr gerade im besten A n r's t i e g j;e;..ri.:fen, die Welle des y'Aassenstreiks breitere sich immer mehr aas und man stand noch vor einem Rei:h der unbegrenzten Möglich: keiten. Die Bolschewiiu sahen voraus, daß d;C e-'s'c Duma noch vor ihrem c'uraimnenn'Ut . durch den Gang der Ereignisse uuerholt und beiseite geschoben wird und um d'e.c Entwicklung ihrerseits zu varstää .'.en, beschlossen sie den Boykott. Tatsächlich wurde dann die Regierung durch uo-i Oklooerau Island gezwungen, ein wirkliches Parlament ml: erweitertem Wahirechzu bcwii.igeu. /«-Vier der Boykott der 'Arsten Duma „war nicht deshalb richtig, weil die Mich'.beieiügung a.n reakljonaren J-arlanien'.eu überhaupt rieh ig ist, so;; : ider-n». deshalb, weil die objektive Lage .Lh'i:, eln^e-- ■ schätzt worden war, die zur s c h n eile n v c r w a n u* Jung des /Massenstreiks erst in den r;o!i i-chen, da an in den revoludonären Streik und sehÜeBiK.h in den »'uifstand iuhrie ... Sobald nich! ,Üe Ü e w i ß!h e i i des Vor h a ndense i n eine r a 75 löge n L a g e, wie der gleichen ruihlimg und tles gleichen Tempos ihrer Hntwiekli.ng besiaaid 'und bestehen kjjtkc, h .0 r t e ' ti er F. o g k o 11 a u f, richtig zu sein.'' (S. 16.) uid daher erklärt Lenin, daß der b ji^chewikische -.Vali^ Boukoft in den späteren jähren „als ein besonders schrneli'es Einpürscliiageii der revolutionären Weile' und ihre iivn\ wickiung zum Aufstand nicht, zu erwarten war", ein „er::* ster und schwer zu ve bessernder he hier" ge-- wesen ist. (S. 17.) ' ■ Es ergibt sich somit als allgemeine taktische Regel für unsere Stellung zum Parlamentarismus: Der Wahlboykotl durch das ProlelarL,,, die vol'innndige üu-dieferung der „^chwaizbude" an die Bourgeoisie is: nur dann zweckmässig, wenn wir inmitten einer Revolution siehen, die sich noch in schnell aufsteigender Linie bewegt und wenn mit größter Wahrscheinlichkeit 'erwartet werden kann, daß die faktische .nacht dieses Parlaments, sein politischer Einfluß auf die rückständigen Vo&smassen durch die immer mehr sich steigernde revolutionäre Aktion schon entwurzelt sein wird, bevor es noch iu> sammentreten kann. In einer Zeil des revuiudonmen Niederganges dagegen, wenn die Reaktion ihre rvräfie von c:e;em sammelt, die kleinbürgerlichen Schichten wieder unter nireu £influß geraten und sie, um ihre tatsächliche Herrschaft vor Ernste politisch® und organisatorische Arbeiten vor, während und nach d«r Wcltkonfsrenz einerseits und die Abwesenheit einiger Redaktionsrnitgiieder anderseits, verursachtet! eine m eh rwöefr en II ich e Unterbrechung im Erscheinen unseres Blattes. Mit dieser verstärkten Nummer, die fast ausschließlich imneren parteipolitischen und Organisations-Fragen gewidmet ist, wollen wir u*sere Freunde und Leser einigermaßen für den Au»faH entschädigen. Die nächsten Nummern werden wieder pünktlich erscheinen. Die Redaktion. diesen rückslundigen Massen moralisch zu begründen, im Wahlergebnis eine demokratische Keditierliguhg für ihre Diktatur benöligi, bedeutet der Wahlboylcotr' eine Selbst* Unterwerfung des Proletariats nnier die Herrschaft der Bourgeoisie. Denn obwuhi das Parlament niemals ein Werkzeug des Proletariats zur Niederringung der Bourgeoisie, zur Einführung des Sozialismus weiden kann, so ist es doch? stets ein unentbehrliches A\iUel für die Bourgeoisie, Ihre Ivlasscnherrschaft in einen demokratischen Mantel zu Indien und sie innerhalb des ,,Volkes" moralisch zu festigen. , Wenn es daher in einer fortschreitenden, revolutionären Si,= tuation sehr nülziieh ist, die tatsächlich vor sich gerbende Entwurzelung der bürgerlichen Slaatsei:irieh;ungen durch einen Wahlbogkoti den Massen zum Bewußtsein;:u bringen und auf diese "Weise „auszusprechen was i.it:', so ist es umgekehrt, in einer Periode der aufsteigenden Reaktion höchst notwendig, durch möglichst zahlreiche Beteiligung au den. Wahlen, der Bourgeoisie die Ausnutzung des demokratischen Scheines ihrer Diktatur zu erschweren, 'sie zu zwingen, ihre Herrschaftsansprtiehe infoige der Unzaverlässigkeif der parlamentarischen Maschine auf außerparlamentarischem Wege durchsetzen zu versuchen und so ihrerseits — „auszusprechen was ist" i III. Von der russischen Vergangenheit gehl Lenin zur ftiiüel* und westeuropäischen Gegenwart 'über. Hier gibt es in jedem Lande eine kommunisti che Partei oder Gruppe* welche die Aufgaben einer revolutionären /Avantgarde erfüllt. Aber es ist diesen Gruppen fast in keinem Lande vorläufig gelungen, wirklich große Massen um sich zu sammeln. Das erkiart sich zum Teil aus der kurzen Zeit ihres bestanden,. .Aber in hohem Grade haben d szu die taktischen AHßgriife beigetragen, vor allem die resi/egung auf den üutiparla* inentarismus und die doktrinäre Ablehnung . jeglicher Kompromisse mit anderen proletarischen Parteien. Die deutschen „Radikalen" begründen ihre gänziiehe Abwendung von der parlamentarischen Tätigkeit 'mit der Behauptung, daß sich diese Kampfform historisch und po= Ii tisch überlebt hal. Lenin stimmt ihnen darin teilweise zu. Historisch hat sieh der Parlamentarismus überlebt. ,/Aber ein jeder weiß, daß es von hier, Iiis zur '(praktischen Lieberwindung noch sehr weil ist. Vom Kapitalismus konnte man schon vor vielen Jahrjzehnten feststellen, daß er sich historisch überlebt (habe, das beseitigt aber durchaus nicht die Noiwen= Idigkeit, sehr lange und sehr hartnackig auf dem , Boden des Kapitalismus zu kämpfen."" (S. 36.) < „Hat sich aber der Parlamentarismus politisch überlebt?" fragt Lenin. Au? diese /-rage kann man /uaiürlich' nicht mit allgemeinen Redensarten" antworten, sondern nur durch die Verfolgung der politischen Entwicklung im betreffenden Lande in Deutschland ist der P-:r!-?.mentarisnius ganz bestimm,! poü'iseh noch nicht überlebt. Die Bourgeoisie kann auf ihn'- nicht vei-ziclueu, große Schichten des" Pro» Ipfariats vvoüen aber noch nicht auf ihn .verzichten, *um- Teil, weil sie noch die Hoffnung hegen, durch k'e-vie nar* lafnentarische Reformen ih--e Lage In der he:;iige»i Gesebschaft lue und da vorübergehen vi zu verbessern, zum Teil in der ganz richligen Erkenntnis, daß eine voiisländigc Pressgal^e des parlatnentnrisehen i-.'odens," noch' ehe man in der Lage ist, diesen Boden in die Luft zu sprengen, den ßiirgeriichea nur ihre Herrschaft erleichtern würde. Diese Haltung der Massen maß von der kommunistischen Partei bi-is'ick.ijchl.ßf werden. Sie darf sich nivht damit begnügen, in den Mas-en das Sowjelstjslem zu propagieren und sie von der Notwci« oigkeit seiner üininhrung iheoretisch zu liberL'eugeri.' Sie nuiß dem Proletariat gerade durch pr-iktische Anwcnduig: dw-r parlamentarischen Methode Tag für 'i'ag an haud;;rciiiichen Beisjdelen beweisen, wie unfruchtbar' diese Methode ist, wie notwendig ihre Ueberwimdung. Ein Parlamentsbogkott-- in Deutschland muß die /fassen vom h"oiumunisu:us abstoßen, u zw. s'..«w-cnil die rückständige! Arbeiterkreise, die v,ui der Aus>.ich-r.iodgkeU des Paririi-ientarisaius innerlich noch t.icht überzeugt sind, als;udi die fortschreitenden Elemenie, die si h oei aller An-hängli-chkeii: V\r die Räte doch sagen uitissen, daß man die alte Position, nicht preisgibt, bevor die neue novh nicht ausgebaut ist. .Oer Mangel an Hinsicht in diese Situation h;t der K. P.D. schon in ihrer Gc-iv;rtssaiudc sehr geschadet, jm länner 19 i 9 war der linke r lüg ei der Lnabh snip^eu bereit, sich mit der eben entstandene'! K. P. D. orgartisal-oriich zi ve; einigen. Es galt Mein:iu;;sverschiedenhedeii in mehreren Punkten, aber' man h aie'sich d triMer doch sch!ieß!i:h gepeinigt. Da beschloß der i;ommunisd-the Parteitag den Bog' koL der Naiionalvcrsdnimlu'igsvvahien und damit war ein trennender Strich zu:i--cheu beiden Gruppen gebogen. V.'enn der deutsche Konmumismu; bi; heute noch nich1. im.wnv.e war, hreite Arbeitern lassen z i ero!;-ern, so ist d,;.-. .cum größten 'Lei! auf jenen unüberlegten Beschluß zurüeluud'hceii. Bis die Partei ihren rehler erkannte und dea Parlame-iiarisinus als noch noiwendige:; l'ampi;uiviei erk;.-rle, wer es schon zu spät. Mocb jei'/.t ist es in üeutsch.land nicht gelmiue«, die Scheidewand zwischen den „üakeir* Unabh «ngirjen und den Kommunisten zu ueseitigeu. ■ Die Vereinigung dieser zwei Gruppen ist aber die erste Voraussetzung für eine ^/iederbe'euun^ der revolutionären Aktion in Deutschland, hreiheh. ohae Kompromisse kann sie nicht zustande kommen und aichb ist. geeignet, die „radikalen ' Kommunisten so sehr zu entrüsten, als <üe Zumutung eines Kompromisses mit der unabhängigen Partei.. Lenin ist allerdings anderer' Meinung darüber. -Aor allem stellt er fest, daß die Geschichte der boischewikisehen Panei von Komprori!i>.sen geradezvi wimmelt. „Daher ist es versl iudlich, doß die ilngrifle der deutschen „Radikalen" auf das Zentralkomitee der Ii. P. .D. wegen der Zulassung des Gedankens au einen Block mit den Unabhängigen, von uns nicht ernst genommen werden und uns anschaulich beweisen, daß die „Radikalen" Unrecht haben ' (S. 52.• „Die deutsche Unabhängige Sozisldemokratic i,t in ihreai Jhiieru ofleosichuich ungleicharLg; neben den alten opportunistischen rührein... hai sicti ein linker proletarischer rlügei cebildet, der außerordentlich schnell anwächst Hunderttausende der Mitglieder dieser Parter sind Proletarier, die sich außerordentlich schnell dem Kommunismus zuwenden ... Ein Kompromiß mit diesem Hügel fürchten, ist direkt lächerlich. Im Gegenteil, die Kom munisten müssen unbedingt eine geeignete horm des Kompromisses mit ihnen suchen und finden, eines solchen Kompromisses, das einerseits, die vollständige VerscfomeS* zyng mit diesem Flügel erleichtern und beschleunigen, ander* scits die Kommunisten bei ihrem ideell poi.it sehen Kampfe gegen den opportunistischen rechten Müael der „Unabhämgigen" in nichts beengen würde." (S. 52—53.) ' i Die Unvermeidlichkeit der Kompromisse mit anderen proletarischen Gruppen und Parteien begründet Lenin mit dem Hinweis auf die starke Differenzierung des Proletariats innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Das Proletariat zeriällt in verschiedene Schichten, deren Reifegrad rächt gieichmässjg ist und daraus folgt „mit absoluter Notwendigkeit für die Vorhut des Prci fletariats, für die Kommunistische Partei, ihre Zu * flucht zum Lavieren. Paktieren, zu Kompromissen mit den verschiedenen proletarischen Gruppen, mit den verschiedenen Parteien der Arbeiter und kleinen Besitze!- zu nehmen. 1:1s handelt sich nur darum, idaß man verstehen muß, diese Taktik zum Zweck der Erhöhung und nicht der Herabdrückumj des allqemeinen Niveaus der proletarischen Erkenntnisfühigkeit,! (der Fähigkeit zum Kampfe und zum Siege aaszu« vjenden. (S. 53.) Diese Ausführungen des erfahrenen Taktikers der Revolution müssen auch uns Oesterreichern viel zu denken geben. Denn auch bei uns beginnt sich die Arbeiterbewegung zu differenzieren. Innerhalb ' der Sozialdemokratie ist eine starke Strömung entstanden, die den „linken" Unabhängigen sehr ähnlich ist. Vorläufig ist sie nur da.s Produkt einer augenblicklichen Massenstimmung. Aber es liegt an uns, diese unklare Stimmung zur festen Erkenntnis zu ea!wickeln. Wir müssen trachlen, durch eine Taktik des „Lavjerens" und „Paktierens", wie Lenin sagt, eine dauernde Anaäheruno dieser Gruppe an unsere Partei -herbeizuführen. Wir müssen erwägen, ob es nicht möglich ist, einen «lock mit der „neuen Linken" anzubahnein, der eine Vorstufe zur späteren Verschmelzung mit ihr bilden könnte. Vor allem ober düjden wir sie nicht durch huperradikale Beschlüsse über den VVahlboijkott abschrecken. Wir würden sie .dadurch ebenso' vor den Kopf stoßen, wie es im Jänner v. J. in Deutschland geschah Diese Gruppe hält noch aus verschiedenan? Gründen am Parlamentarismus fest. Wird ihre Wahlpropa* ganda durch unseren Boykott gestört und sabotiert, so kann das nur zu einer unnötigen Erbitterung ihrer Anhänger gegen uns fähren und sie in die Arme des rechten Sozialdemokrat tischen Flügels zurückwerfen. Dies muß jedoch nnter allen Umständen vermieden werden. \ ■ Folgt aber daraus, daß unsere Partei selbst parte* mentarisch werden soll? Hai sie dem Beispiel der deutschen Kommunisten folgend, eigene Kandi kiten aufzustellen und als besondere Partei den Wohlkampf mitzumachen? Keineswegs. Selbst wenn wir organisatorisch ";r den V/ahikampi gerüstet wären, wäre diese Taktik bei uns ciaaz verfehit. Denn ob wir durch einen Boykott die sozialdemo* kralischa Wahlagitation schädigen, oder durch lufsteiimg unsercr besonderen Kandidaten die proletarischen Stimmen zersphttern, jedesmal erhält die Sozialdemokratie die Möglichkeit, ihre Sehiappe auf uns abzuwälzen, uns vor den rück-» ständigen Avneiiern als die Böse wich ter anzuklagen, welche ihre Position gegenüber den Bürgerlichen geschwächt habei und ihr im entscheidenden Augenblick m den Rücken gefallen sind. Aber so leicht dürfen wir es den Sozialdemokratennicht machen. Wir brauchen weder den Bo.iko-u noch die selbständige Wahlbeteiligung und haben tro;z.iem die Möglichkeit, den Wahlkampf zur intensivsten k o m m u n i s 1. T« sehen Massenpropaganda auszunützen. Wir können die Parlamentspolitik der Sozialdemokratie vor den Arbeitern, rücksichtslos diskreditieren, ohne ihre Position gegenüber den bürgerlichen Parteien im geringsten zu schwächen. Wir sind in der Lage, den parlamentarischen Loden für unsere Zwecke restlos zu verwerten, ohne auch nur einen kommunistischen Abgeordneten ins „hohe Haus' zu entsenden. Wie das be werksteiiigt werden konnte, das zeigen uns die taktischen Iiotschläge, welche Lenin unseren englischen Genossen er* teilt. Es genügt, diese iiafschlägc ins Öesierreichische sinn* gemäß z;i übersetzen und wir erhallen die Richtschnur cur eine großz -gige, revolutionäre Taktik, welche den Sieg des Kommunismus bei uns wesentlich beschleunigen könnte IV. I! Der Arbeiterpartei Englands ist es bi; heute noch ge* langen, sich die ihihüH/lichkeit der übergroßen Mehrheilt des englischen Proletariats zu sichern, in der ersten Phase des Weltkrieges, als der demsche Imperialismus die brifscha Weilherr.vvhun bedrohte, unters tu izte sie in aktivster Weise die eigene o-ourgeoisie und entsau.jie sogar ihre Vertreter in die Legierung Seiner Maje.;.täi. nber seit dein /Susbruch der russisch-n ivevoiuüon, als der imperialistische iriedeasiend» liehe v..harakier dieser Regierung selbst den rückständigsten Arbeitern offen kundig wurde, konn;e;i die rührer der Labour* Part.j nicht länger diese PoiiJk vor den M:isse:i rechtfertigen. Es kam zu einem Bruch zwischen Lloyd-George und Heuderson und die. .-rbeiterpartei mußte eich von nun ab auf das , Arttena Brot" der Opposition verlegen. Die Folgen des Krieges haben die Klassengecjen äilze auch in England außerordeutdeh verschärft und breite arbeilerschich-eh stark radikalisiert Dar Kampf Sowjetrußlands gegen die A\ächlc der Reaiüion fand in der englischen Aroeilerbewegung einen mächtigen Wieder* hall. Und die Labour--Party hat es verstanden, diesen S'iinmungen in der Arbeiterschaft politisch Rechnung zu tragen. In der auswärtigen Politik bekampr, sie in anerkennend werter V' eise, die Versuche, zur Intervention in Rußland^ In der Wirtschaftspolitik verliehe sie die verschwommene Forderang einer „Nationalisierung" der Bergwerke und Eisenbahnen, was ihr einen sozi-iüsüschen Anstrich verleiht. Daher erfreut sie sich noen heute des allge neinen Vertrauens iin britischen Proletariat und die Kommunisten Englands habe:* einen schweren Stand.

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