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Freie Tribüne · 1920-09-04 · 30-31 (4.9.1920) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
30-31 (4.9.1920)
Date
1920-09-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SEITE 4 NR. 30—31 ans Werk zu gehen. Alle Kräfte müssen ausgenützt werden, keiner, der zu uns gehört, darf sich fem. halten. Alle Mann an Bird! Damit das Schiff unserer Hoffnung den STirmen der Zeit Trotz bic!e:i und den Hafen der Zukunft erreichen kann, tWr heißt: die sozialistische Gesellschaft und ein be< freites jüdisches Proletariat. Unsere Farteiberatung. Samstag, den 28. und Sonntag, den 29. August wurda die zweite ordentliche Parteiberatung, deren erste Session am 10. und 11. juli getagt hat, fortgesetzt und zu hnde ge führt. Es slanden noch die nicht erledigteil Punkie der Tages* Ordnung zur Behandlung, und zwar; Kooperative Tätig« keit, Emigralion und Palästinaarbeit, Organisation, Presse, gewerkschaftliche und ßildungsarbeil, Jugend und Eventuatin. Vor Eingang der Tagesordnung stellt Gen. Hilnik im Namen der rechten Opposition den Antrag, als erstell Punkt: „üen Ausgang der W e 11 k o n f e r e n z und unsere nächsten Aufgabe n" zu behandeln. Trotzdem die Mehr« heit der Beratung sich keineswegs darüber im Unklaren war, welche Stellung die deut.schösieVrßichische Partei zur Spat tung des Weitverbandes einzunehmen habe und der Ansicht war, daß unsere Stellung durch die April« und Novemberberatungen des vorigen Jahres unzweideutig festgelegt sei, beschloß man dennoch, dem Verlangen der Opposition zu willfahren, damit es nicht den Anschein habe, al& ob die Beratung! einer Erörterung dieser besprochenen Frage aus dem Wege gehen wolle. Es spielte dabei auch der- Wunsch mit, die Opposition, die seit der Spaltung des Weltverbandes eine ziemlich unverhüllte SpaltungstaktiK innerhalb unserer Partei betrieo, keine erwünschte Abgangs» gelegenheit zu geben, in ihrer loyalen Haltung ließ sich uie Mehrheit auch nicht durch die unüetriedigende ausweichende Erklärung der Opposition auf die Frage des Präsidiums, ob sie sich den Beschlüssen der Beratung unterwerfen werde, beirren. Das Mißlingen ihrer Manöver zwang denn auch später die Opposition mit offenen Karten zu spielen und ihre bekannten salbungsvollen Phrasen von der Ei.nheiF der Weltbewegung durch die Spaltung der deutschüsierrejehischen Partei in traurige Wirklichkeit zu setzen. Vor Eingang in die Tagesordnung wird an Stelle der abwesenden üen. Schorr, Gen. Serpow ins Präsidium gewählt: v [ Der Vorsitzende begrüßt den Vertreter des V. ß. Gen. Serubawel, der an die Beratung warme Worte der Begrüßung richtete und ihren Arbeiten vollen Erfolg wünschte. Zum ersten Punkt: „Der Ausgang der Weltkonferenz und unsere nächsten Aufgaben — ergreift Gen. Serpow als Referent das Wort. In längerer Hede weist er darauf hin, daß die Zusarn» mensetzung der deulschösterreichischen Delegation zur Welt* konferenz, die ein Spiegelbild der Kräfteverhältnisse der Partei war in ihrer Gesamtheit eine gebundene Marschroute hatte in der Frage der Beteiligung am Zionistentoongreß, in ihrer überwiegenden Mehrheil in der Frage der Internationale. Bei den Wahlen zur W. K. haben die Anhänger des Zionisten« kongresses sich nicht einmal getraut einen Kandidaten auf' zustellen, während der Anschluß an die iü. Internationale auf allen unseren Beratungen mit überwieg&ider und auf der II. Beratung im Juli d. J., mit fast DreivierteFAiajorität beschlossen war. Ein Teil der oppositionellen Delegierten hat auf der Weltkonferenz auch in richtiger Einschätzung der Sachlage gehandelt. Umso merkwürdiger muß -daher die Hai» tung des Gen. Singer erscheinen, der das Vertrauen der Genossen direkt mißbraucht hat, indem er sich in eine Reihe mit der Achduth Haawodah und den amerikanischen An« hängern des Zionistenkongresses gestellt hat. I D(ieBeschlüsse der Weltkonferenz haben unserer Weltbewegung die Richtung des reinen, unverfälschten Klassen* kampies gegeben und müssen uns insoweit befriedigen. Unsere Aufgabe ist es, innerhalb des Weltverbandes unseren kommunistischen Anschauungen zum vollsten Durch» bruch zu verhelfen. Er schlägt der Beratung folgende Re« Solution vor: : I. Die Parteiberatung konstatiert mit Befriedigung, daß unser Weltverband auf der V. Weltkonferenz das Klassei* Prinzip im Zionismus anerkannt, den Austritt aus der zioiii. Organisation vollzogen, sich entschlossen hat, im Kampf für den proletarischen Zionismus sozialistische Klassenpolitik zu führen und sich für den sofortigen Anschluß an die III. Komm« Internationale entschieden hat. Die Parteiberatung bestätigt die Haltung der Mehrheit der deutschösterreichdschen Delegation und betrachtet die deutsc'hösterreichiische Partei als Teil desjenigen Wel'iver« bandes, der der geschichtliche und geistige Erbe d<2s Welt« Verbandes ist. II. Die Parteibmi tung verurteilt die Handlung des Gen. Singer auf der Weltkonferenz und sieht im Verlassen der Konferenz seitens des Gen. Singer zusammen mit den Ameri« kanern,' Achduth Haawodah usw. ein Mißbrauchen "des Ver« trauens der deulschösterreichischen Genossen. Als Korreferent erhält Singer das Wort. Er begründet in längeren Ausführungen seinen Antrag, der dahingeht, daß die Deutschösterreicihische Partei sich vorläufig keinem der beiden Verbände anschließen, sondern jenen Kader bilden soll, der die Weltbewegung wieder zu vereinigen hat. In der Debatte ergreifen das Wort: Bielatschew s ki: Spricht gegen den Antrag Singer-. Sokal: Unterstützt den Antrag, für den nach seiner Meinung gewisse ideologische Tatsachen sprechen. Das 0.«B. hat auf der Weltkonferenz einen vollen Sieg errungen. Es hat einen großen Teil der Weltbewegung theoretisch demoralisiert. Halbheiten in der Palästinafrage bedeuten voll; ständigen Bankerott. Der sogenannte linke Verband ist ideo« logisch nicht einheitlich und kann deshalb auch nicht von der III. Intei-nationale anerkannt werden. Die Spaltung hat weder Klarheit noch Einheitlichkeit gebracht. Redner beduuert, daß die Einheit der Organisation nicht erhalten wurde. Die polnische Delegation, die den Ausschlag gegeben hat, hut nach seiner Meinung nicht im Sinine der polnischen Genossen gehandelt, da die Krakauer Konfeienz Resolutionen im Geiste der Unabhängigen gefaßt hit. Was die Resolutionen der Weltkon-erenz bezüglich Palästinas betrifft, so seien sie Ausflüsse eines wirklichkeitsfremden Geistes, der nicht mit Tatsachen iftid Möglichkeiten rechnet. Die lan'd« wirtschaftliche Kolonisation in Palästina kann 'nur durch« ijetüln-t werden auf genossenschaftlicher Grundlage mit na« Tionalcn Mitteln, während der industrielle Aufbau nur durch' das private Großkapital verwirklicht werden kann; das haben jahrzehntelange Erfahrungen, praktische und theoretische, hin * reichend bewiesen und diese 'Erfahrungen müßte sich unser Verband zi eigen machen und die nötigen Konsequenzen ziehen, was in den Beschlüssen der Weltkonferenz keineswegs zum Ausdruck kommt. «Wattenberg: Der Vorwurf des Gen. Sokal, daß der Verband keine ideologische Einheitlichkeit verkörpere, ist ungei-ech;. du der Verband auf seine Fahne die eiu< beitlictie i.osiiiiy des Klassenkampfes geschrieben hat. Die Haltung der Opposition Ist einzig und aHein durch icüe Stellung des Verbandes zur Internationale diktiert und ist eine inkonsequente und sektiererische. Dieselben Elemente^ die früher immer n laut ff;r die Einheit eintraten, betreiben jetzt, da der Verbau! nicht n:ich ihren Anschauungen orientiert ist, die Spaifung. Der Verband, der die Mehrheit der Weil' beweguna hinter sich hat, ist die Verkörperung der Ten* denzen, die in de i Massen des jüdischen Proletariats leben. Redner richtet an die Opposition den Apell, die (Einheit der Partei nicht za brechen und unsere Front, die einzig und allein gegen das judische und allweitlichc Kapital gevrichtet sein muß, nkht zum Tummelplatz des Bruderkampfcs zu machen. / . . Es spricht noch Gen. Klipper, der ebenfalls vor der Spaltung warnt. Gen. Serubawel; Wei.,t entschieden die Behauptung des Gen. Sokal, die polnische Delegation hatte ihre Korn» peienzen überschriiieu, zurück. Der Beschluß der Krakauer Konferenz ist weder dem Wortlaut noch dem Sinne nach als unabhängig zu bezeichnen und wer die Stimmung der polnischen Genossen kennt, weiß, daß die polnische Delegation ihre Aufgabe richtig erfaßt und gelöst hat. Er weist äut den .Widerspruch in ebr Ausführung Sokals hin, der einerseits behauptet, der linke Verband sei ideologisch nicht einiieiil-.tCh und bald daran/ bedauert, daß die Einheit der Organist liun nicht erhalten wurde, die doch eine noch größere jdeo« logische Zersplitterung bedeuten würde. Der Vorwurf der Halbheit bezüglich Palästinas kann den Verband nicht b> rühren, da die gefaßten Beschlüsse in richtiger Erkenntnis der Wichtigkeit des Palästinaproblems für das jüdisch1« Proletariat diesem Problem den breitesten Raum gegeben habsn. \ 1 1 Die Abstimmung über die Resolution Serpow wird getrennt durchgeführt. Der erste Teil wird mit 2o gegen 9 Stimmen angenommen. Der zweite Teil — Mißtrauens« votum gegen Singer — wird mit lö Stimmen bei restlichen Stimmenthaltungen angenommen. Hierauf gibt Singer irn Namen der Opposition eine Erklärung ab, in der der Aus* tritt der rechten Opposition aus der jüd.«soz. Arbeiter-Partei Poale«Zion D. Oe. und die Gründung einer neuen vPoale Zion-Partei angekündigt wird. Die Opposition verläßt den Saal. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung; Korporative Tätigkeit, ergreift als Referent Gen. Rizek das Wort.?Rizek weist auf die Wichtigkeit der Koopera« tiven iür die Arbeiterklasse, welche allein an der Koopera« liven=Bewegung ein Interesse hat. Eine weitaus größere Bedeutung als für die Proletarier der anderen Völker hat die Kooperative-Bewegung für das jüdische Proletariat, da die^ dank verschiedener historischer Ursachen nirgends in der Welt die Majorität besitzt, die eine wichtige Voraussetzung der anderen Formen des Klassenkampfes — des politischen und gewerkschaftlichen ist. In der Kooperaliven=ßewegung kann auch eine Minderheit ein wirksames Kampfmittel gegen den Kapitalismus rinden. Auch in der Kooperativen Bewe* gung müssen wir eine scharfe Teilung durchführen, zwischen revolutionären und reformistischen Tendenzen. Durch das System der Dividenden« oder Gewinnverteilung wurde in die genossenschaftliche Bewegung ein reformistischer, ja oft reaktionärer Geist getragen. Von den beiden Formen der Kooperativen«Bewegung ist vom revolutionären Standpunkt die konsumgenossenschaftliche der produkiivgenossenschaitli« chen vorzuziehen. Mangel an Kapital, Kredit und Disziplin wie die geringe Zahl ^cler Genossen, auf die sich die Pro« duktivgenossenschaft beschränken muß, ziehen der ßedeu« tung derselben als ökonomischer Machtfaktor enge Grenzen.. Das Interesse der Genossenschafter am raschen Erfolg des Unternehmens und am "Mehrwert wiritt demoralisierend auf diese Institutionen. Anders die Konsumgenossenschaft. Schon dadurch, daß sie geeignet ist, Zeihntausende von Arbeitern! heranzuziehen, muß sie nolens volencs den Geist der Mas« senbewegung und daher einen revolutionären traSjen. Die irn Anschluß an die Konsum=Genoss^nsctoait ges'chaff^nei produktiven Unternehmungen fallen nicht in die Bewertung der Produktivfjenossenschaften. Durch den Zusammenschluß der Genossenschaften zu einem internationalen kooperativen Verband kann ein starkes, ökonomisches Machtmittel gegeni den Kapitalismus geschaffen werden. Gewaltige Möglich« keiten hat für sich die landwirtschaftliche Genossenschaft. Verbunden mit der landwirtschaftlichen wird die Konsum« genossenschait eine große Bedeutung für die Entwicklung der sozialen Revolution erhalten. ( Hu diesem Punkt wird folgende Resolution angenommen: v Die P. B. konstatiert mit Zufriedenheit, daß es der Partei gelungen ist, die kooperative Tätigkeit zu entfalten, Die P. ß. hält es für notwendig, daß diese Tätigkeit unter der wachsamen Kontrolle und in Verwaltung der Partei steht. Die P. B. ist der Ansicht, daß, damit die kooperative Tätigkeit erfolgreich sei und dabei ihren Klassencharakter nicht verliere, diese unbedingt eine zeiitralisüsche, eine kons tun« genossenschaftliche sein muß. Die Genossenschaften dürfen nicht auf dem Prinzip der Gewinnverteilung auigebautwerden; der Reingewinn muß stets für das Ausbauen der bereits bestehenden, auf das Schaffen neuer kooperativer Institn« tionen sowie auf ßildungs* und Propagandaarbieit im sozialistischen Geiste verwendet werden. » Die Parteiberatung beauftragt die Parteileitung, die kooperative Tätigkeit in diesem Sinne zu führen. Emigration und Palästinaarbeit (Resolution Serpow): Wien ist jetzt ein Durchzugsort für die jüdische Arbeiterwanderung Dieser Umstand legt der deutschester« reichischen Partei besondere Pflichten auf, und zwar: a) zu sorgen 'für materielle und kulturelle Bedürfnisse, für hygienische Wohnstätten und menschenwürdige Selbst' hiü'e der durchziehenden Arbeiter«Einigranlen; b) den Wandernden mit authentischer Information über Reisemögliehkeilen und Reiseziel zur Seite zu stehen; c) alle Kräfte anzustrengen, um zusammen mit unseren Biuderparteien soviel jüdische Arbeiter als möglich nach Palästina zu befördern; t (I) die Wandernden im Geiste unserer Idee zu beeinflussen und sie in die Reihen unserer Parteien tfinzu» führen-. Die P. B. beauftragt deshalb die Parteileitung, die nötigen Institutionen zu schaffen, die diesen Aufgaben gerecht wrerden sollen. |2um Punkt Organisation und Presse referiert Gen. Kandel. Er weist auf die durch die Spaltung der Partei geschaffene neue Situation hin, welche eine straffe Anspan« uung unserer Kräfte und gesteigerte Aktivität unserer Ge nossen erforderlich macht. Unsere Partei muß das poli* tische Zentrum der jüdischen Arbeiterbewegung Deutsch- Österreichs werden. Die Mängel unserer "Organisation müssen durch den Ausbau des Vertrauensmärmersustems behöben und eine schlagfertige Organisation geschaffen werd&i, die allen Anforderungen 'des politischen und ökonomischen Kamp« fes angepaßt werden.-Es muß eine energische gewerkschalt« liehe und Aufklärungsarbeit kinter den jüdischen Pro-« letariern geführt und unsere Parteipresse durch Schaffung eines Organs in jiddischer Sprache ausgebaut werden. Bibliothek und Kiu-e müssen erweitert und damit den jüdi« sehen Arbeitern die Möglichkeit zur Erlangung sozialistischen und allgemeinen Wissens gegeben werden. Zur Beseitigung aller Mißverständnisse muß unsere Partei auch den Namen jüdische Kommunistische Partei (Poale Zion) Deutschöster« teichs annehmen, doch müßte diese Namensänderung der P. L. für einen günstigeren AVoment vorbehalten bleiben. Nach einer anregenden und zuweilen leidenschaftlichen Debatte, an der sich die Gen. Klipper, Margulies, Hau flieg, Bjelatschewski, Serpow und Feld-- b 1 u m beteiligten, wurde folgende Resolution angenommen: ' a) Die P. B. beschließt, die politische Organisation auszubauen, die politische Propaganda für den Poale Zion« Gedanken zu verstärken und die Aktionsfähigkeit der Partei zu vergrößern. b) Die P. B. beschließt, die gewerkschaftliche Tätigkeit zu erweitern, damit alle jüdischen Proletarier Wiens ihren gewerkschaftlichen Organisationen zugeführt werden. c) Die P. H. begrüßt die Bemühungen der P. L. auf dem Gebiete der systematischen Bildungsarbeit und be« schließt, diese Arbeit zu vertiefen und zu erweitern. ' id) Die P. B. bestätigt noch einmal den November« b?stfjIuR. daß jeder Genosse verpflichtet ist, die Partei« und Verbandspresse zu abonnieren und zu verbreiten. 1 Das Referat über unsere Jugendbewegung hält Gen. Glücks mann, der scharfe Kritik nn der bisherigen Hai« tung der P. L. gegenüber unserer Jugendorganisation übt; es werden unerfahrene Genossen zur Arbeit bestellt, di**1 durch allerhand Experimente und Kurpfuschereien unsere Ju« gendpenossen in den Morast der Unorieniiertheit und Schlaff« hat führen. Es ist unsere Aufgabe, durch körperliche und geistige Ertüchtigung der Jugend uns eine kommunistische Känipi'erschnr zu erziehen, die in allen Fragen des sozla« listischen und jüdischen Lebens orientiert ist uad die der Lebensquell unserer Bewegung werden muß. In der Debatte beteiligen sich unter anderen die Ge« nossen Rapaport und Schulmann, die die Notwendig« keit eines p o a 1 e z i o n i s t i s c he n ) u g e n d w q 11 ~ Verbandes, der sich der K omm unis tisch en Ju*a gendinter nationale anschließen soll, be« gründete n. Es wird folgende Entschließung angenommen: Die Parteiberatung beschließt die Reorganisation der jüdischen Jugendbewegung in Wien. iZu diesem Zwecke designiert sie einen Vertrauens« mann in die Leitung des Jugendverbandes, welcher dieNöu* organisierune leiten und die Durchführung der wichtigsten Aufgaben mit tatkräftig.»her Unterstützung der Parteileitung betreiben soll. Diese Aufgaben sind: 1. Geistige und körperliche Ertüchtigung der Jugend. Mittel: Aufklärungsarbeit in - sozialistischer und »allgemein« kultureller Richtung durch Vorträge, LichtbIldervorführungivn, Kurse, Führungen, usw., ferner systematisches Turnen uwi, Förderung der bereits m Angriff genommenen SchwjmmkurW und sportliche Tätigkeit. 2. Wirksamer Rechtsschutz und Berufsberatung für Lehrlinge und Praktikanten, bewerkstelligt durch tüchtige. Juristen und Fachleute." ( 3. Durchführung aller zur Verwirklichung des „Programmes notwendigen gemeinsamen Aktionen, hauptsächlich den gemeinsamen Anschluß mit allen anderen bestehenden Bruderorgahisationen in den verschiedenen Ländern an die Kommunistische Jugendinternationale. < \ Einige andere Anträge, betreffend die Organisation-, werden der P. L. mit dem Auftrage zugewiesen, diese An« träge in kürzester Zeit mit Zuziehung von Vertretern der Bezirks»Organisationen ' zu beraten. f Es werden die notwendigen Ergänzungswahlen für di« verschiedenen Parteiinstitutionen vorgenommen. Gewählt wur* den: In die Parteileitung: Klipper; in das Redaktionskolle« gium: Köhn, Glücksmann und Hollinger; In den Wirtschafts« rat: Kohin, Serpow und Kandel. Nachdem die Gen. Serpow und Wattenherg einen Ueberblick über die Arbeiten der Beratung gegeben und eindringlich an die Notwendigkeit der angestrengtesten Mit« arbeit jedes einzelnen Genossen zur Verwirklichung unserer idee gemahnt hciicn, wird dem Präsidium für die ^energische und aufopferungsvolle Arbeit gedankt und die Beratung geschlossen. Lenins taktische Lehren.*) I Von Ernst Jung. (K. P. D.-Ö.). Diskusions-Artikel. Die. „radikalen" Kommunisten sagen sehr viel gutes über uns Bolschewik;. Manchmal möchte man sagen: wenn sie uns doch weniger lobeji, würden, wenn sie doch mehr in die Taktik der Bolschewiki eindringen, sich nähjr mit ihr bekannt machen würden! Lenin; Der ,Radikalismus", die Kinderkrankheit des Kommunismus. S.39. I . In seiner Schrift über den „Radikalismus" als Kintier« krankheit des Kommunismus befaßt sich Lenin sehr eingehend mit jener Spielart der internationalen kommunistischen Be« wegung, die, weil sie sich im Besitze eines neuen revoliitiO"» nären ^Prinzips für die Umgestaltung der Gesellschaft weiß, jedes Eingehen auf , Kompromisse" mit der Wirklichkeit Verabscheut, keine „Zwischenstaüonen" auf dem Wege zum Kommunismus anerkennenn will und mit dem „Endziel" allein vor den Augen, an die Lebensnotwendigkeiten der Bewe* gunq aum/Endziel gänzlich vergessen" hat. Diese Spielart hat sich besonders in Deutschland stark entwickelt, sie ist aber fast in allen komm. Parteien Europas wie Amerikas vertreten. Manche Gedanken, die von ihr propagiert werden, enthalten einen gesunden Kern, so zum Beispiel die Betriebs« Organisation. Aber die doktrinäre Art, wie diese Gedanken verfochten werden, bildet eine Gefahr für den Kommunismus, weil er dadurch von den breiten Massen der noch rückstäri' digen Arbeiter abgeschnitten werden könnte und so zum Dasein einer isolierten Sekte verurteilt wäre. \ (Bei uns in Deutschösterreich gab es im vergangenei. Jahre eine sehr starke Strömung dieses „radikalen" Koni' munismus. Begeistert durch die Erfolge der bolschewistische:! Revolution in Rußland, fragten die „Radikalen" sehr wenig nach dem Weg, auf dem sie erreicht worden sind. Sie sahen nur, daß sich die Petersburger Arbeiter und Soldaten Im Oktober—November 1917 gegen die bürgerliche Regierung erhoben, sich im bewaffneten' Aufstand der Staatsgewalt b& Inächtigten und in ihren Bestrebungen die sofortige Unter- *) Obiger Artikel wurde bereits vor einigen Wochen fertiggestellt und der Redaktion einer kommunistischen Zeitschrift zur Veröffentlichung zugeschickt, um die K. P. D. Oe. zur Ueberprüfung ihrer Wahitaktik zu veranlassen. E{ wurde aber a b g e 1 e h n i. Jetzt, nachdem Lenins Brie' an die österreichischen Kommunisten die Frage der Wahlbeteiligung neuerlich zur Diskussion stellt, nehme ich die Gastfreundschaft der „Fr. Tr." für den Abdruck mein** Artikels in Anspruch. Ernst Jung.

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