Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 30-31 (4.9.1920)
- Date
- 1920-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2827798-2827816-2827843--375-2828444- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
NR. ^0—31 SEITE 3 und sich dabei für die spätere Diktatur vorbereiten muß. Mit 132 Stimmen wurde die Resolution Kiwin angenommen, wclclie den Standpunkt des aktiven Kampfes für die baldige Verwirklichung der nati > nalen Selbstverwaltung des jüdischen Proletariats vertritt, und die unseen Pateien die Möglichkeit läßt, sich in kapitalistisch regierten Ländern — den Kampf* bedingungen der einzelnen Ländern entsprechend — an den demokratischen Gemeinden zu beteiligen. Die Resolution der kommunistischen Fraktion erhielt 62 Stimmen. / Im Rahmen des Referates über die nationale Autonomie referierte Gen. Kandel (Wien) über den jüdischen Weltkongreß und jüdischen Arbeiter*Weltkongreß. Im Referat und in der Diskussion wurde der Gedanke der Teilnahme am jüdischen Welt* kongreß verworfen und die Einberufung eines jüd. Arbeiter-Weltkongresses unterstützt; gleichzeitig wurden die Aufgaben des jüd. Arbeiter*Weltkongresses umschrieben. Angenommen wurde die Resolution des Gen. Buxbaum mit einem Zusatzantrag des Gen. Serpow. t ( Da ein Teil der amerikanischen Delegation zur Karlsbader Hilfskouferenz eilte, wurde der Punkt „Wiederaufbau und Hilfsarbeit" sofort nach dem Bericht des V.B. und des P.A.F. behandelt. Der Referent Gen. Schipper (Polen) spricht sich gegen allgemeine Hilfskomitees und für eine gesonderte proletarische Hilfsarbeit aus. Er verweist auf die konstruktiven Aufgaben der Hilfsarbeit, die das Leben der jüdischen Massen produktivieren und aktivieren soll. Er ist gegen die. Teilnahme an der Karlsbader Hilfskonferenz, weil diese bloß eine Stärkung des Einflusses einer „gewissen" jüdischen, politischen, gesellschaftlichen Gruppe bezweckt. Der Korreferent, Gen. Zuck e r m a n u (Amerika), ist für das Zusammenarbeiten in allgemeinen Komi« tees, weil wir nur so eine breite Arbeitsmöglichkett erhalten und den Wohltätigkeitscharakter der Hilfs« arbeit mit ihren demoralisierenden Folgeerschejnungen bekämpfen können. Mit eigenen Mitteln können wir keine konstruktive Arbeit leisten. Auf der Karls* bader Hilfskonferenz muß auch die proletarische Kritik gehört werden. In der Diskussion schloß sich die Mehrheit dem Standpunkt rjes Referenten an. Ein Teil der Genossen war der Ansiciit, daß der ganzen Frage keine besondere prinzipielle Bedeutung zukomme, da mit den Hilfsgeldern eine breite konstruktive Arbeit über' haupt nicht geleistet werden könne. Die Formen der Hilfsarbeit müssen den Verhältnissen der ein« zßlnen Länder angepaßt werden. Im Allgemeinen war die Stellung der Weltkonferenz zu Karlsbad eine negative. Ein Beschluß wurde über diese Frage nicht An die Arbeit. Die zweite Parteiberatung, die im Juli d. J. im Zeichen der Weltkonferenz zusammengetreten war, hat am 28. und 29. August ihre Arbeiten beendet,. Schon der Zeitpunkt, für den die Beratung angesetzt war — knapp vor der Tagung der 5. Weltkonferenz — läßt die besondere Wichtigkeit dieser Beratung für die innere und äußere Entwicklung unserer Partei erkennen. Galt es doch, unsere Delegierten zur Weltkonferenz mit dem notwendigen ideologischen Rüstzeug zu versehen, ihnen bestimmte Diiektiven zu geben, die es ihnen ermöglichen" sollten, unsere Weltbewegung in dem Sinne zu beeinflussen, m dem die deutsch österreichische Partei bereits seit der Aprilberatung des vorigen Jahres arbeitet, im1 Sinne des revolutionären Klassenkampfes für die Beseitigung der kapitalistischen- Gesellschaftsordnung durch die Diktatur des Proletariats. Seit anderthaib Jahren führt unsere Partei im Rahmen im* seres Weltverbandes den Kampf für diese Idee und jetzt sollte sie durch die Weitkonferenz zur einheitlichen Losung unseres Weltverbandes werden. Alle Probleme der jüdischen Arbeiterbewegung muß' fen mit dieser Idee in Einklang gebracht werden, die Frage der jüdischen Wandüibeweguug, der Pro* duktivierimg der jüdischen Massen, die jüdische proletarische Autonomie, die Arbeit in und für Pa« Iflstina usw. Wien ist jetzt, dank seiner geographischen Lage und den politischen Verhältnissen,' ein Durchzugs' ort für Hunderte und Tausende jüdischer Wanderer und die Zukunft wird den Strom jüdischer Arbeiter verzehnfachen, ja verhundertfachen. Wir müssen den wandernden jüdischen Arbeitern mit Rat und Tat zur Seite stehen, für zeitweilige menschenwürdige Beherbung, für die Befriedigung kultureller Bedürfnisse sorgen, andererseits muß" die jüdische Wanderung reguliert und, soweit es die Verhältnisse möglich machen, nach Palästina gelenkt werden. Unsere kooperative Tätigkeit, der die dop* pelte Aufgabe zufällt, die Produktivierung der jüdU sehen Proletarier anzubahnen und diese der Profitgier der Schleich- und ,,legitimen" Händler aller Konfessionen zu entreißen, muß ausgebaut und verzweigt werden, andererseits müßten wir darauf bedacht sein, diese Institutionen unter beständiger und schärfster Kontrolle der Partei zu erhalten, damit sie nicht den sozialistischen Charakter verlieren und zu gelben Wohlfahitsinstitutionen herab* sinken. gefaßt. Die Konferenz beauftragte das V.B., auf Grundlage der in der Diskussion hervorgetretenen Meinungen, Thesen auszuarbeiten und diese den Z.-K. zur Beschlußfassung vorzulegen. Zum Punkt „Organisation und Presse" referierte Gen. Wescher (Polen). Sein Vorschlag, ein wissen* schaftliches Monatsorgan in jiddischer Sprache und periodische „Mitteilungen des V.B." in mehreren Sprachen herauszugeben, werden zum Beschluß er* hoben. Das von der Budget=Kommission vorgelegte Projekt wird angenommen. » Der vorgelegte Entwurf eines Organisations < Statuts wird dem V.B. zur endgültigen Redigierung sowie Unterbreitung an die Z. K. behufs Annahme übergeben. < Im Zusammenhange mit den Organisationsfragen befaßte sich die Konferenz mit der Situation, die durcli das Ausscheiden eines Teiles der Delegierten für den Weltverband geschaffen wurde und erwog die Möglichkeit koordinierter Arbeit mit dem anderen Teil auf einigen gemeinsamen Gebieten. Es wurde folgende Resolution des Gen. Serubawel angenommen-. „Die V. Weltkonferenz stellt fest, daß der Verband weiterhin der Weltverband bleibt, der seine organisatorische und Propagaudaarbeit unter den jüdischen Arbeiter aller Länder zu führen hat. Das Verbands» büro wird beauftragt, sich mit der Zentrale der ausgeschiedenen Delegationen zwecks Koordinierung der Arbeit und Unterhaltung gemeinsamer Institutionen auf den Gebieten der Hilfstätigkeit, Regulierung der jüdischen Arbeiterwanderung, wirtschaftliche Tätigkeil für und in Palästina; gemeinsame Initiative'für die Einberufung des jüdischen Arbeiter=Weltkongresses, in Verbindung zu setzen. Nach einer längeren Debatte über die Spaltung der Poale=Zion in Rußland und über die Aufnahme der J.K.P. in den Verband, wurde von der Mehrheit die Resolution Serubawel angenommen: Die V. Weltkonferenz bedauert lebhaft die Spaltung der Poale=Zion in Rußland. In dem jetzigen, für das jüdische und das internationale Proletariat verant* wortungsvollen Augenblick hält es die Weltkonferenz für ihre unerläßliche Pflicht, alle Teile unserer Bewegung, die die Plattform und die Taktik unseres Verbandes anerkennen, zu vereinigen. Zu diesem Zwecke beauftragt die Weltkonferenz das VerbandsbürOi Delegierte nach Rußland mit der Aufgäbe zu entsenden, im Einverständnis mit dem Z.-K. der J.sS.-D. und der J.-K.-P. die vereinigte Partei Po£ile*Zion als die einzige Vertreterin unseres Verbandes in Rußland zu schatfen. Bis zur Durch' führung der Vereinigung und um diese zu ermöglichen, wird die J.=K.=P. als gleichberechtigtes Mitglied in den Verband aufgenommen. Dieser Beschluß tritt in Kraft, sobald das Z.=K. der J.=K.-P. dem Welt- Neben diesen praktischen Arbeiten darf unsere politische Arbeit' nicht leiden. Unsere Partei hat sich, dank ihrer zielbewußten revolutionären Tak* tik, in der deutschösterreichischen Arbeiterbewegung einen gebührenden Platz errungen; diesen Platz zii behaupten, ja unsere Stellung zu verstärken und wirklich das zu werden, als was wir gelten: die jüdische proletarische Parlei Deutsch' Österreichs, muß unsere ständige Sorge, unser unmittelbares Ziel sein. Wir müssen daher ein besonderes Augenmerk auf den inneren Ausbau unserer Organisation richten, sie mit revolutionärem Geiste erfüllen, ihre Schlagfertigkeit steigern. Unsere Presse, die sich weit über die Grenzen unserer Partei und dieses Landes einen guten Namen erworben hat, mußdurch die Schaffung eines jüdischen Organs bereichert werden und den Genossen aus dem Osten die Möglichkeit geboten sein, sich über alle Fragen des jüdischen und allgemeinen proletarischen Kampfes in der Sprache der jüdischen Massen inf-or» mieren zu können. Auch unsere Jugendbewegung dürfte nicht ver« gessen werden; ist doch diese der Jungbrunnen, aus dem unsere Reihen immer aufs neue frische Kräfte und stolze Kämpfer für die Sache des jüdi« scheu Proletariats erhalten werden. Unsere Jugend« Organisation muß daher einen besonderen Platz in unserer Arbeit einnehmen, es muß durch energische und sorgsame Arbeit für die körperliche und geistige Ertüchtigung unserer Jugendgenossen gesorgt werden. Die Schaffung eines Jugendweltverbandes mit dem Ziele: Anschluß an die kommunistische Jugend» internationale muß erwogen, und vorbereitet wer«» den. Die Beschlüsse der Parteiberatung beweisen, wie sehr sich unsere Genossen ihrer Aufgaben be^ wüßt waren und wie ernst und gründlich sie an ihre Lösung herangetreten sind, und wir können mit Befriedigung behaupten, daß die 2. Parteiberatinig eine wichtige Etappe in unserem Kampfe als Vortrab des revolutionären Poale-Zionismus sein wird. Nim gilt es an die Arbeit. Aber ganz ungetrübt können wir uns dem Froh* gefühl der Arbeit nicht hingeben, da uns die P. ß. auch viel und sehr Schmerzliches gebracht hat. Was schon lange ideologisch vorhanden war, ist jetzt auch organisatorisch Wirklichkeit geworden — die Spaltung der Partei. Die Spaltung des Weltverbandes oder richtiger die Sezession der extrem-rechten Minderheit bei der verbände mitgeteilt haben wird, daß es die Plattform der Weltkonferenz akzeptiert und sich ihren Beschlüssen in den Hauptproblemen des Poale-Zio* nismus unterwirft. Betreffs der Sozialistischen Arbeiterpartei Palästinas (Poale-Zion) wurde nach1 scharfem Kampf die Mehrheitsresolution angenommen: Die V. WeIt-Konferenz anerkennt die Notwendigkeit der Existenz einer poale-zionistischen Organisation in Palästina, die als angeschlossener Teil unseres Weltverbandes im Einklang mit unseren Programm und unserer Taktik die Arbeit zu führen hätte. Die existierende Soz. Arbeiterpartei Palästinas kann heutzutage wegen ihrer bisherigen programa* tischen Erklärungen und ihrer taktischen Stellung zu den Hauptproblemen des Poale*Zionismus in den Verband nicht autgenommen werden. Die Weltkonferenz beauftragt das Verbandsbüro, eine Delegation nach Palästina mit der Aufgabe zu entsenden, sich mit den Mitgliedern der S.=A^P., den linken Genossen der „Achduth Haawoda" und der Genossen Poale- Zion, die außerhalb beider Organisationen stehen, zwecks Konstituierung unserer Landespartei Palästinas zu verständigen. Die Frage, ob diese Partei als Fraktion in der „Achduth Haawoda" oder selbständig existieren soll, wird der Entscheidung des Verbandsbüros — im Einvernehmen mit seinen Vertretern und den Genossen in Palästina — überlassen. Bezüglich des Absolutoriums für das zurücktretende Veibandsbüro wurde die Resolution des Gen. Buxbaum mit 186 Stimmen angenommen. Die Resolution des Gen. Kandel erhielt 54 Stimmen. Zum Punkte „Wahl des Verbandsbüros" wurde beschlossen: Das Verbandsbüro hat seinen Sitz in Wien und besteht ^ius neun Mitgliedern. Das Verbandsbüro hat das Recht der Kooptierung, die jedoch nur im Einvernehmen mit der Z.*K. durchgeführt werden dürfe. Ins Verbandsbüro wurden fünf Mitglieder gewählt: Berlinraut, Chaschin, Nir, Serpow und Serubawel. Die übrigen vier werden von den Parteien Rußland, Polen, Palästina und Ostgalizien nominiert. . Gen. Serpow erklärt, daß sowohl das Organisationsbüro der linken Poaie=Zion als auch die kom> munistische Fraktion von nun ab Organisationen aufgelöst werden. Die uenossen Kommunisten werden in den Reihen des einheitlichen Verbarides auch weiterwhm energisch dafür eintreten, damit der Verband der Taten und auchdem Namen nach der Jüdische Kommunistische Weltverband Po a 1 e - Z io n werde. Nach den Schlußreden der Gen. Dr. Wattenberg, Serubawel, Chaschin, Serpow, Buxbaum und Rosenhaus wurde die Konferenz unter den Klängein der ,Schwue" und der Internationale geschlossen. Weltkonferenz hat auch unserer Opposition keine Ruhe gelassen, und so hat dieselbe. Opposition, die der Mehrheit unserer Partei immer wieder Spal* tungstendenzen zugeschrieben und fortwährend mit frommem Augenverdrehen Einheit, Einheit, Einheit gerufen hat, ohne jeden zwingenden Grund, in leichtfertiger und verbrecherischer Weise die Einheit der deutschösterreiehischen Partei gebrochen. Sie, die das ungestüme Verlangen unserer Mehr* heit nach Anschluß an die III. Internationale mit dem Hinweis darauf zu unterdrücken pflegten, daß dies die Aufgabe des Weltverbandes sei, und unbe< dingte Unterwerfung unter den Willen der Mehrheit gefordert haben, sie, die unsere Forderung nach' Austritt aus der zionistischen Organisation ständig] dadurch zu entkräften suchten, daß sie hoch und heilig versicherten, sie seien die entschiedensten Gegner der Beteiligung am zionistischen Kongreß, sie haben ihr Wort in der rühmlichsten Weise gehalten, sie haben den Anschluß an jene Elemente gefunden, die den Beschluß der Mehrheit mißachtet und das Verbleiben in der zionistischen Organisation als eine conditio sine qua non des Verbandes erklärt haben. Das allein kennzeichnet zur Genüge die moralische Beschaffenheit und politische Ehrlichkeit der Spalter. Mögen sie noch so viele Erklärungen und lächerliche Sophismen zur Begründung ihres verantwortungslosen Handelns bereit haben, der wahre Grund ist ein zu durchsichtiger, als daß er nicht leicht gefunden werden könnte;. Und der wahre Grund ist der, daß der sogenannte rechte Verband, der zufällig oder in richtiger Einschätzung der Situation seineu Sitz in Wien hat, einer Stütze bedarf. Was schert es denn die rechte Opposition, daß sie in jahrelangem Kampfe Errungenes, das ganze politische Prestige und den Namen der Partei aufs Spiel setzt, daß! sie Verwirrung im jüdischen und deutschösterreichi» seilen Proletariat stiftet. Doch es ist sinn-« und zwecklos, in Klagen darüber auszubrechen, was vielleicht früher oder später eintreten mußte. Wenn unsere Parlei auch numerisch durch den Austritt einer an Zahl ansehnlichen, durch Aktivität und Intelligenz hervorragenden Gruppe eine empfind liehe Einbuße erleidet, so geht sie doch aus diesei- Krise geistig und organisatorisch gestärkt hervor, weil die inneren Reibungen, die bis jetzt unsere Arbeit auf Schritt und Tritt gehemmt haben, auf* hören. . Den Genossen aber erwächst jetzt die Pflicht, mit doppeltem Eifer und angestrengtester Energie