Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 27-28 (24.7.1920)
- Date
- 1920-07-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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NR. 28 FREIE TRIBÜNE SEITE 5 Rußland. Den 7.—11. Feber 1920 hat in Moskau eine Plenarsitzung des Zentralkomitees der I. S. D. A, P. Poale-Zion stattgefunden. Es wurden folgende Resolutionen angenommen: 1. Ueber die nächsten Aufgaben der Partei: Mit Rücksicht darauf, daß der ökonomische Zusammenbruch noch mehr den eigentümlichen Charakter und die spezifischen Bedürfnisse des jüdischen Proletariat? hervorgehoben, daß weiterhin die Zerstörung vieler Zweige der Volkswirtschaft, in welchen das jüdische Proletariat bisnun beschäftigt war, die Notwendigkeit seiner Umschichtung und Einbeziehung in die verschiedenen Formen der produktiven Arbeit erwiesen hat, beschließt die Plenarsitzung des Zentralkomitees, die Ortsgruppen aufzufordern, jüdische Arbeiterräte zu gründen, welche allein als die proletarischen Institutionen gelten können, die sich mit Erfolg ider Verwirklichung dieses Problems zu widmen im Stande sind. Gleichzeitig schlägt der Z. R. allen Organisationen vor, aktivsten Anteil an" dem Wiederaufbau der Städte und der Dorfkommunen durch jüdische Arbeiter, und in der Hilfsaktion für die Pogromopfer zu nehmen. 2. Ueber die Palästina emigration. Da die Befreiung der Ukraina sowie der Häfen am Schwarzen Meere und die nahe bevorstehende Aufhebung der Blockade über Rußland die Frage der Emigration aktuell machen, beschließt der Zentralrat, mit Hilfe der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen, die Vorbereitungsarbeiten hiefür, die Enquete über die damit zusammenhängenden Fragen zwischen den jüdischen Arbeitern und Angestellten anzufangen und in den größeren Zentren und Hafenstädten Informationsbüros zu schaffen. Die Gesamtaktion soll durch eine Palästina-Arbeitergesellschaft geleitet werden, die eigens 'hiefür gegründet wird. . ' 3. Ueber die nationale Autonomie. Der Beschluß des allrussischen Zentral-AusfüWrungs* komitees über die Gründung spezieller Kommissionen zum Studium der Probleme, die mit dem föderativen 'Aufbaue Rußlands zusammenhängen, wird lebhaft begrüßt und die Parteiexekutive wird bevollmächtigt, das russische Zentral- Ausführungskomitee über die nationalen Forderungen des jüdischen Proletariats aufzuklären. Konferenz der Jüd. Kommunistischen Partei (Poale-Zion) in So w je tr u ßland. 5 Laut den uns in den letzten Tagen zugekommenen, Nachrichten, hätte am 17. Juni d. )., eine allrussische Konferenz der Jüdischen Kommunistischen Partei (Poale Zion) in Charkow abgehalten werden sollen. Erwartet werden viele Delegierte von Sowjetrußland, Ukraina, Litauen und Weiß-Ruß* land. Genauere Nachrichten über diese Konferenz erwarten wir von der Delegation der J. K.P., welche <«;ur Welt" konferenz nach Wien unterwegs ist. Der außerordentlicne*Parteitag in Ostgalizien. fand am 6. Juni in Lemberg statt. Auf der Tagesordnung waren nur zwei Punkte aufgestellt: Sozialistische Taktik und Palästinaarbeit. Es waren 25 Organisationen durch 43 Delegierte vertreten. Außerdem wurde das Stimmrecht den vier Mitgliedern des Parteisekretariates zugebilligt. — Die Frage der Internationale stand im Brennpunkte der lebhaftesten Debatten, welche jedoch ein Widerspiel bloß zu dem kürzlich' Vorangegangenen Parteitag der polnischen Bruderpartei lieferten. Es waren auch hier 'die drei alt-neuen Richtungen aufgetreten, welche sich — einstimmig zwar in der Bejahung der sozialen Revolution und in der Verneinung der Taktik "und der Prinzipien der II. Internationale — in der Konkretisierung der Probleme \der sozialen Revolution und der Würdigung des Aktionsprogramms der III. Internationale nichtsdestoweniger leidenschaftlich befehdeten. Entsprechend den drei Richtungen wurden auch dem Parteitage drei Resolutionen vorgelegt, die als eine neuinternationalistisehie, linksintematiionalistjsche und kommunistische bezeichnet werden können. Die erste Resolution spricht sich für das innigste Zusammenarbeiten mit <ien großen sozialistischen Parteien beim Wiederaufbau einer revolutionären Internationale aus, wobei sie besonders den putschistischen Geist der III. Internationale und ihren. Kosmopolitismus brandmarkt. Die zweite fordert unter gewissem Vorbehalt den Anschluß an die III. Internationale. Die kommunistische Resolution dagegen stellt den bedingungslosen Eintritt in die III. Internationale als 'die vornehmstet Aufgabe der Jetztzeit und des revolutionären Proletariats hin. Auf den „neuinternalionalistiseihen" Antrag entfielen 25 von den abgegebenen Stimmen und wurde somit zum Parteibeschluß erhoben. Die. kommunistische Resolution hatte 15 Stimmen — die „ünksinternationaltetische" 7 Stimmen auf sich vereinigt. Auch die Palästinafrage, deren Aktualität von allen drei erwähnten Richtungen des Parteitages anerkannt wurde, hatte eine umfassende Diskussion entfesselt. Eine Vorbereitungsarbeit für die Emigration wurde eingehend besprochen und die Gründung von Palästinakommissionen mit einer Zentrale in Lemberg beschlossen. (Bemerkenswert ist der einstimmige Beschluß, das Verbandsbüro aufzufordern, die die sozialistische Poale-Zion Partei Palästinas unter gleichen Bedingungen wie die „Achduth-Hawoda" zu der Weltkonferenz einzuladen. Laut dem Kräfteverhältnis wird die Poale-Zion=Partei Ostgaliziens auf der Weltkonferenz mit 16 Stimmen der neuinternationalistischen Richtung, mit 4 der linksimternationaljstjschen und mit 10 der kommunistischen vertreten sein. * Weißrußland. i Ein rühmliches Kapitel in der Geschichte des revolutionären Poale-Zionismus wird "die stets aufopfernde Tätigkeit unserer weißrussischen Genossen unter dem kanibalischinquisitorischen Terror der polnischen Pani bleiben. Von vornherein war ihre revolutionäre 'Propagandaaktion auf das engste Zusammenarbeiten mit den dortigen Kommunisten ein»- gestellt: gemeinsame Agitation im Dorfe, in der Truppe, Sabotageakte hinter der Front. Die Minsker Beschlüsse unseres Aktions-Programms wurden hier pflichtgetreu in die Wirk* lichkeit umgesetzt. Und dies den ungeheuerlichsten Verfolgungen der polnischen Ochrana, welche ihre russische Vorgängerin weit in den Schatten stellten, zum Trotze. So schreiben unsere Genossen! „Ganze Familien werden der Schuld eines Angehörigen wegen verhaftet. Mit Zigaretten bebrennt man die Augen und das Gesicht, die Hände werden zwischen den Türangeln eingeklemmt, bis die Knochen zerbersten. Alle Mittel, die eine sadistische Phantasie erdenken kann, werden hier in gesetzlicher AVanier angewendet.'' Renaudel, welcher hier eine Zeitlang weilte, versprach über diese schrecklichen Zustände zu berichten. „Doch wir verzweifeln nicht! Wir sind starken Geistes, wir haben noch genug Mut und Willen, um den nahenden' Endkampf auszukämpfen. Im ganzen Lande steht das Bauerntum wie ein Mann gegen die polnische Macht auf, und es brennen ganze Dörfer ..." { ■ Lirtauen-Lettland. Die gewaltigen Verfolgungen und gesetzlichen Repressalien, die unsere jumge litauisch-lettische Bruderpartei in den „selbstbestimmten, freien Republiken" bedrängt haben, konnten ihren raschen, hoffnungsvollen Aufschwung nicht lange hemmen. Auf der künstlichen Nordbalkanhalbinsel, eingezwängt, hinter sich das Schliumen der neu zu rauschen - beginnenden Flut der deutschen Revolution, zu ihrer Seite das Agonieröcheln des reaktionären Polens, vor sich;den Ansturm des russischen Proletariats, so waren die Zeichen, unter welchen das Ringen unserer litauisch-lettischen Genossen sich vollzog. Von dem Geiste, der unsere Genossen beseelte, legen die Resolutionen der letzten Parteikonferenz vom 15. bis 18. Juni einstimmig gefaßt, beredsames Zeugnis «b. Sofortiger Anschluß an die III. Internationale. Weiterhin wird scharfer Protest gegen die Beziehung des B.-Büros zu unserer palästinensischen Partei erhoben und die Konferenzdelegierten werden verpflichtet, unbedingt für ihre Anerkennung einzutreten. Außerdem wird der Achduth Haawoda der schärfste Kampf angesagt und dem linken O.-B. vollständiges Ver* trauen ausgesprochen. Der Kongreß der amerikanischen Poafe-Zioti*> Das Jüische Korrespondenz-Büro meldet aus Pittsburg, vom 9. Juli: Die amerikanischen Poale-Zion hielten ✓ h(er ihren Jahreskongreß ab. Nach einer eingehenden und heftigen Debatte wurde beschlossen, dem Zionistenkongreß beizuwohnen. Eine zweite Resolution spricht sich' für (die Unterstützung der Bruderpartei in Palästina, der „Achduth Haawoda" aus. Als Delegierte zur zionistischen Jahreskonferenz in London sind die Herren Zuckermann, Braun und Zag gewählt worden. Der Kongreß hat auch die Herausgabe einer Tageszeitung „Die Zeit" beschlossen. Ferner wurde der Beschluß gefaßt aus der zweiten Internationale auszutreten, sich jedoch nicht der III. Internationale anzuschließen, sondern an den Bemühungen zur Schaffung einer neuen und zwar vierten Internationale Anteil zu nehmen.; Die linke Poale-Zion in Amerika. Um ein ergänzendes Bild des Zustandes und der mannigfaltigen Bestrebungen unserer amerikanischen Genossen zu entwerfen, bringen wir noch an letzter Stelle die Stellungnahme „Oer Linken" zu den laufenden Problemen unserer Bewegung. Von besonderem Interesse für uns ist ihre Beurteilung der kommenden Weltkonferenz, die als ein dialektisches, gegensätzliches Widerspiel zu der im Vorjahre Stattgeilundenen Stockholmer Beratung bezeichnet wird. Diese letztere ist geradezu als ein in der Entwicklung des Poale-Zionismus auftretendes, geschichtliches Paradoxon charakterisiert, da sie in einer von Revolutionsstürmen so durchtobten Zeitepoche so viel nach rechts abschwenkte. Freilich wird das Wunderliche der Stockholmer Ergebnisse In einer gewissen Weise dadurch verständlich, daß sie .niebit von allen, insbesondere den bedeutendsten, revolutionären Poale-Zionparteien wie der russischen J. S. D. P. und J. K. P. beschickt wurde. Als die bedeutsamste Folge der Stockholmer Beratung wird jedoch die Gründung des 0. B. gewertet* das später den Kristallisationspunkt für die Organisation und Konzentration aller kommunistischen Gruppen in unserer Bewegung abgab. ( Ueber die Stellung der „linken Opposition" in der amerikanischen Bewegung erfahren wir gewisse Einzelheiten, die unserem europäischen Verständnis ziemlich fern liegen und un--. gioiesif anmuten. Ueber die Delegierung zur Weltkonferenz stellt die „Jüdisch-sozialistische Moriatschrift" fol* genden Tatbestand fest: Obwohl auf der Kandidatenliste manche „Linke" figurierten und auch gewählt wurden, verzichteten sie auf jede Kandidatur, "da das Zentralkomitee schon vorher erklärte, es könne uns ihre sAnte litt ahme an der Dele,gaT:ion nx'cht zusichern. Dies wird damit begründet,, daß, es in Amerika keine Richtungein gibt. — Unsere Genossen'haben deshalb in »verschiedenen Vereinen (und mancherorts standen die Vereine geschlossen auf unserer Seite!) an den Wahlen keinen Anteil gsnommea und unter ausdrücklichem Protest gegen das Dekret des Z.- Kom. das 0. B. mit ihrer Vertretung betraut. Die Beziehung der linken Genossen in Amerika zu der heikelsten Frage, die sich der Weltkonferenz darbieten wird, der Frage der- Zulassung des sozialistischen PoaIe-Zion=Partei Palästinas ist eine unzweideutige und entschiedene. Sie geben vorerst ihrer Verwunderung Ausdruck, daß diese zu derselben Zeit schroff abgewiesen wurde, wie doch <Jie koommunistische Poale-Zion Parteien, die s o gar aus dem Weltverbande ausgetreten sind, eingeladen wurde. Wie sehr gerechtfertigt diese ^Maßnahme seitens des Z.-Büros im Falle unserer russischen Genossen war, so unbegründet und ungerecht erscheint sie den palästinensischen Genossen, gegenüber. .Alle unsere Vereine müssen jetzt ihre Erpörung über das ungeheuere Unrecht, welches an der Bruderpartei Palästinas begangen wurde, vielleicht aus dem einzigen Grunde bloß, daß sie für die „Sprachenfreiheit" war, laut und unbefchränkt kundgeben!" — Solcherart ist die Stellungnahme der „Linken" in Amerika zu den brennendsten Problemen! der Jetztzeit, die zugleich ein bezeichnendes Licht auf däe allgemeinen Verhältnisse unserer dortigen Partei als auch auf die jüdische oroletariscbe Bewegungen Amerika überhaupt wirft. * England. Ueber, die außerordentliche Tagung unserer englischen Bruderpartei, welche Anfang Juni stattfand, erhalten wir folgende Meldung: Gemäß dem einleitenden Bericht des Gen. Pomeranz über "den "jetzigen "Zustand tier Partei, welche einerseits durch die inneren Reibungen stark gelitten andererseits durch die A u f n a h m e i n die „Labourpa rtei" an moralischen Ansehen viel gewonnen hat, würde ein großer Teil der Arbeit den praktischen Problemen "des Poale-Zionismus, ganz besonders der Außen* Politik, gewidmet. Nach dem Pogrjn in Jerusalem hat das Exekutivkomitee ein besonderes "Memorandum an die „Labourpartei" überreicht, welche sich in dieser Sache sodann an die Konferenz in San Remo wandte. Ohne Zweifel waren diese Schritte mitbestimmend für den bekannten Beschluß * des obersten Rates. In der Aussprache, welche sich besonders mit der Gründung einer genossenschaftlichen Arbeiterbank und der Massenkolonisation Palästinas auf genossenschaftlicher Grundlage beschäftigte, hatten die Genossen Reuweni aus Palästina und der "Redakteur der ,fZeit" Monis Meyer regen Anteil genommen. Folgende Resolutionen wurden zum Beschlüsse erhoben: a) Forderung der freien Emigration nach Palästina und Kolonisierung auf Grundlage der Verstaatlichung des Bodens, des Transports und der Industrie, b) Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongresses zwecks Erledigung aller Palä'stinafragen. cj Anerkennung der Achduth-Hawoda als "ffer einzigen Poale* Zinpartei in Palästina, d) Forderung des Wiederaufbaues der Internationale unter gleichzeitiger und gleichmäßiger Verneinung der II. und III. Internationale. *) An»m. d. Red. Wir geben'diesen aus zionistischer Quelle stammenden Bericht mit gewissem Vorbehalt wieder, da uns bisnun von unseren Genossen keJae direkte Meldung vorliegt.; Als Delegierten zur Weltkonferenz wurden entsendet die Gen. Kaplansky, Kaufmann, Pomeranz, Traut und M. Meuer. Unsere linke Fraktion in England. Ueber die inneren Reibungen in unserer ennlischenschen Bruderpartei, von welchen auf dem letzten Parteitag so viel die Rede war, erfahren wir Näheres in dem uns vorliegenden Büchlein: „Wos wilen mir". Es ist von unserer linken Fraktion herausgegeben, welche sich von vornherein „auf den Standpunkt des' revolutionären Poale- Zionismus stellt und ihre Aufgabe darin erblickt, diesen unter den jüdischen Arbeitern In England zu verbreiten." Nach einer kurzen Analyse des kapitalistischen Zusammenbruches durch den Weltkrieg wird ein freudiges Bekenntnis zu der III. Internationale und zu ihren Zielen ,^der vollständigen Zerschmetterung der kapitalistischen Raubherrschaft durch die Diktatur des Proletariats" abgefegt. Eine scharfe Kritik wird sodann an der Tätigkeit des Verbandsbüros ausgeübt insbesondere wegen seines Nachbebens gegen die zionistischbürgerlichen Elemente, wodurch * unser Schicksal an das der Entente gekettet wird. Die Gründungsversammlung der Unken Fraktion hat folgende Resolutionen angenommen: Sofortiger und unbedLngter Anschluß an die III. Internationale, Anerkennung der spezifischen Not der jüdischen Arbeiterschaft, Einberufung eines „jüdischen Arbeiterkongresses", welcher das jüdische ökonomische Leben in allen Ländern normalisieren, die Auswanderung regulieren und Palästina kolonisieren soll. — Anschluß an das iinke 0. B. — Anerkennung der sozialistischen Poale- Zion-Partei als der politischen, der Achduth=Hawoda als der bloß gewerkschaftlichen Organisation Palästinas. Zum Schlüsse erklären unsere linken Genossen, daß 3Te fünf vom Parteitage zur Weltkonferenz gewählten Delegierten nicht die ganze englische Partei vertreien dürfen und fordern ihrerseits das Recht auf die Entsendung «ines Delegierten. Reichsparteitag in der Tschechoslowakei. Die Linksentwicklung unserer Bruderpartei in der tschechoslowakischen Republik, über deren Fortschreiten wir wiederholt berichtet haben, hat bei der 2. Tagung des II. ordentlichen Reichsparteitages, die am 27. und 28. Juni d. J. in M.-Ostrau stattfand, durch die einstimmige Erklärung des unbedingten Anschlusses an die III. Internationale klare Gestalt und entscheidenden Ausdruck gefunden. iNoch die 1. Tagung, welche drei Monate früher in Prag beraten hatte, ergab'einen scharfen Kampf zwischen jenen Delegierten, die "schon damals den unbedingten Aaschluß forderten und einer knappen Mehrheit solcher Genossen, die zwar grundsätzlich diesen Standpunkt akzeptierten, jedoch erklärten, daß eine derartige, der A\itgliedschaft ohlne vorherige Aufklärung und Ueberzeugumg aufgezwungene Beschlußfassung verfehlt wäre.; Wir freuen uns, nun feststellen. zu können, das diese Genossen, eben so wie jene, die damals eine linke Fraktion innerhalb der tschechoslowakischen Poale-Zionpartei bildeten, die drei Monate bis zur Fortsetzung des Parteitages zu intensiver persönlicher und publizistischer Aufklärungsarbeit im Sinne des kommunistischen Poale-Zionismus benutzt haben. Es ist anzuerkennen, daß der jetzt gefaßte Beschluß des unbedingten ^Anschlusses an die III. Internationale, da er sich jetzt, nach intensiver Aufklärungsarbeit aller, auf die überwiegende Mehrheit der Parteimitglieder stützt, als ein Endergebnis der bisherigen Entwicklung in der tschechoslowakischen Landespartei "zu werten ist. Die frühere offizielle Resolution, die bei der <ersten Tagung mit 21 gegen 20 Stimmen die Mehrheit erlangte, wurde überhaupt nicht eingebracht, so daß 5 von 45 vertretenen Stimmen, die für diese Resolution in Betracht kamen, für die Resolution des Gen. Loria abgegeben wurden, die insgesamt 18 von 45 auf sich vereinigte "und gleichfalls den unbedingten Anschluß an die III. Internationale aussprach, ohne jedoch den Anschluß an das I. 0. B. zu beinhalten. Diese Resolution sprach gleichzeitig die Ueberflüssigke t der „linken Fraktion" aus und hätte in diesem Sinne, auf die Gegenwart bezogen, Einstimmigkeit, auf die Zeit zwischen den beiden Tagungen belogen, ebenfalls wesentlich mehr Stimmen erhalten. So blieb das Kriterium der Abstimmung zwischen den Resolutionen Dr. Loria einerseits, Brunner—Volk andererseits, die Frage des Anschlusses der Partei an das 0. B. Die Resolution Brunner—Volk hatte de fakto 27 Stimmen hinter sich, gegenüber 18 für die Resolution Dr. Loria. In der Frage des unbedingten Anschlusses ergab sich somit Einstimmigkeit, bei 2 nicht am Parteitage verrtretenen Stimmen, Die angenommene Resolution Brunner—Volk lautet: „Der 2. ordentliche Parteitag, dessen Fortsetzung am 27. und 28. Juni 1920 in M.-Ostrau tagt, erklärt sich für den sofortigen unbedingten Anschluß an die III. Internationale und erklärt sich in diesem Bestreben solidarisch mit dem Organisationsbüro der linken Poale Zion in Wien, um auf der Weltkonferenz den Zusammenschluß aller Parteien und Gruppen, welche diesen Standpunkt vertreten, zu bewirken." Hierauf gab Gen. Jablonski namens des Zentralausschüsses der linken Fraktion bekannt, daß sich die linke Fraktion hiemit auflöse, da sie durch die Annahme der Resolution Brunner—Volk ihr Ziel, den unbedingten Anschluß an die III. Internationale, erreicht hat. Hierauf gaben die Antragsteller folgende Interpretation zu Protokoll: „Der Beschluß betrifft das disziplinare Verhältnis bezüglich der Durchführung des Anschlusses an die III. Internationale und beläßt den Delegierten zur Weltkonferenz Freiheit der Abstimmung in allen anderen Fragen, soweit sie nicht durch Reich>parteitagbeschlüsse präjudiziert sind." Es ergaben sich 2'\ Stimmen für, 21 Stimmen gegen. Nach Berichtigung eines Delegierten, der mit drei Stimmen irrtümlich kontra stimmte, beträgt selbes richtig 27 gegen 18. Mit diesem Stimmenverhältnis wurde auch die "£Je - Solution des Gen. Dr. Loria abgelehnt, welche lautet: „Der 2. ordentliche Reichsparteitag (2. Tagung) verpflichtet die Delegierten zur WeltkonTerenz, für "den unbedingten Anschluß an die III. Internationale einzutreten. Im Hinblick auf1 diesen Beschluß erklärt der Parteitag die linke Fraktion innerhalb der tschezhoslowakischen Landespartei als Lüberflüssig und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß durch die Politik der linken Fraktion die enhetliche Führung der Partei als revolutionäre Gruppe gefährdet wird." Einstimmig angekommen uvurde die folgende Resolution des Genossen Brunner: „Der Parteivorstand wird ermächtigt, im geeignetenl Augennblicke Verhandlungen mit den anderen sozialdemokratischen Parteien oder deren Linken aufzunehmen, welche . die Schaffung einer internationalen Landespartei des sozialistischen Proletariats bezwecken und die Schaffung einer revolutionären sozialistischen Partei der proletarischen Massen auf Grundlage der III. Internationale anzubahnen. Er wird ermächtigt, solche Vereinbarungen abzuschließen, wenn sie eine Form der Organisation gewährleisten, welche die Fortsetzung der internen kulturellen, Emigrations- und Wirt* Schaftstätigkeit im Sinne des poale-zionistischen Programmen ermögUchen."