Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 27-28 (24.7.1920)
- Date
- 1920-07-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nfc 28 mm tmßONE SElTfi 3 pagiftren unsere Brud«rparteien den, : Gedanken der proletarischen Völkerautonomie unter den jüdischen Arbeite!massen und bereiten das jüdische Proletariat auch organisatorisch vor, das Selbstbestimmungsrecht im »Interes&e des jüdischen Proletariats und im Sinne der sozialistischen Befreiungsidee auszunützen- In diesen Ländern* schreiten unr sere Bruderparteien schon jetzt daran, sofern dies möglich ist, gemeinsam mit den änderen jüdischen sozi&Üatisehon Ar* beiterparteien, die Organe der proletarischen Selbstverwaltung, wie Kulturligen, wirtschaftspolitische Organisationen. Emigrationsbüros etc. zu gründen. Diese Organe sollen befähigt werden, sofort positive Arbeit zu leisten und hiedurch die Basis für die protetarische jüdische Autonomie zu schaffen. Es ist die Aufgabe des Weltverbandes, die jüdische Arbeiterklasse ideologisch und organisatorisch für die Diktatur des - jüdischen Proletariates vorzubereiten. Nur so wird es möglich, die Idee -der sozialistischen Selbstbestimmung im Leben der jüdischen arbeitenden Nation zu verwirklichen. Zusatzantrag Kandel: Die Parteiberatung verwirft prinzipiell jede Anteilnahme an den Wahlen«für die jüdische Kultusgemeinde und spricht -sich gegen jede Mitarbeit sowohl in den Kuliusgemeindeu, als auch in den sogenannten Volksgemeinden, aus. Sie vermag nicht, in den jüdischen Kultusgemeindeu oie Zelle der jüdischen proletarischen Autonomie zu eilvicken, da sie de* Ansicht ist, daß nur die jüdischen, Arbeiteiräte {ja. den Ländern der proletarischen Diktatur und in denen überhaupt Arbeiterräte vorhanden sinoV und die wirtschaftlichen und kulturellen Arbeiterojganisationen^in, Ländern des kapitalistischen Begimes)„die Grundsteine der jüdischen proletarischen Autonomie werde« köftuien.;. Jiidiscüer Kongreß und jüdischer Arbeite r k o n g r e ß. Kesoiution Kandel: Mit Bücksicht darauf, daß die gegensätzlichen ICiasseninteressen der Bourgeoisie und äes Proletariats und dw mit dem Klassencharakter unauflöslich verbundenen nationalen Interessen zunächst den schäz-fsten- Kampf in der iMation selbst entfesseln und sodaqin den internationalen Klassenkampf des, Weltproletariats gegen die vereinigte Weltbourgeoisie [hervorgerufen, daß, insnesoindere in der ersten Periode der sozialen Revolution die Klassengegensätze ihren Höhepunkt erreichen und dem Klassenkampfe das schärfste Gepräge aufdrücken, daß weiterhin eben dieselben Gesetze die Aenderung der ökonomisch-sozialen Struktur der jüdischen, Massensiedlunjgen und den Klassenkampf des jüdischen Proletariats in der sozialen Bevolution beherrschen, weist die IX. Parteiberatung der jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Po,ale-Zion sowohl prinzipiell als auch faktisch jegliches Zusammenarbeiten, mit der jüdischen Bourgeoisie zurück und lehnt entschieden ab, die Anregung zu einer derartigen Mitarbeit des jüdischen Proletariats mit der jüdischen Bourgeoisie izu geben oder sie unter irgendwelcher Form, wie durch die Beschickung jüdischer Landes- .oder Weltkongresse, zu verwirklichen. Die II. "P.. B. drückt dagegen den festen Entschluß aus, folgende .vier Hauptaufgaben gemeinsam mit dem allweltlichen jüdischen Proletariat, der einzigen berechtigten Instanz seines ^evolutionären Kampf.es, d. h. dem jüdischen A r; b e i t e r k o n g r e!ß, '4ur, Lüftung vorzubereiten:, , 1. Kampf um die nationale Selbstbestimmung in den Galuthläudern, 2. Selbsthilfe der jüdischen Arbeitermassen beim Wiederaufbau und Produktivierung de,s Wirtschaftslebens der jüdischen halbproletarischen Massen, 3. Regulierung, der Emigration des jüdischen Prplelariats, i. seine Verankerung, u., a. auch eines bedeutenden Teiles der emigrierenden Massen, in der * Urproduktion. Alle diese Aufgaben, in rein proletarischem Sinne aufgefaßt, bilden - einen integrierenden Bestandteil des Klassenkampfes tles jüdischen Proletariats. Nur seine internationale Klasaenorganisation in der üestalt von jüdischen Arbeiterräten, Volkskommissariaten und den ArbeiterkomHeos, die von den Gewerkschaften, politischen Parteien, Geweikschaften;. und Bildungsorganisationen gemeinsam, geschaffen werden, können und müssen diesen Aufgaben gerecht worden. Der allwelüiche jüdische Aroeiterkongreß, verkörpert die höchste Instansi all dieser Klassenorganisationen. Diese Aufgaben müssen in enger Verbindung mit "ß<n revolutionären Proletariat in den einzelnen! Ländern imd mit dem, revolutionären Weltproletariate, das in der Iii. kommunistischen Internationale zusammengefaßt ist, durchgeführt werden« Die P. B. sieht deshalb die ureigenste und dringendste Aufgabe des jüdischen Proletariats, das im jüdisch»» sozialistischen Arbeiterverband Poale Zion organisiert ist, darin, das gesamte jüdische und internationale Proletariat für diese, Ideen m gewinnen- Palästinaarbeit. Zu diesem Punkte, der die lebhafteste Aussprache hervorrief, lagen der Parteiberatung 3 Resolutionen vor, und zwar Resolution Jasoha, Resolution Serpow-Sokal und Re= Solution Zloczower. Keine der drei Resolutionen erreichte die erforderliche Zweidrittelmehrheit. In der nächsten Niunmor werden wir den Text und die Richtlinien wiedergeben. Sozialistische Aufgaben und Taktik. Resolution A. Serpow», Wie der Weltkrieg den Beweis erbracht hatte, da3 die kapitalistische Wirtsohaftsmethode unfähig ist, die produktiven Kräfte der arbeitenden Völker zu entwickeln, so bringt uns die Nachkriegszeit tagtäglich aufs Neue zum Bewußtsein, daß die herrschenden Kapitalistenklassen nicht imstande sind, die Welt auf den Grundlagen des Privateigentums wieder aufzurichten, ohne daß die Not der arbeitenden Massen noch unerträglicher, das Joch des Kapitals unbarmherziger und jede freie, revolutionäre Bewegung durch die unvex'hüllte Diktatur der Bourgeoisie erdrückt wird. Infolge dieser, durch den Imperialismus geschaffenen Situation, ist die Arbeiterklasse vor die** Aufgabe gestellt, allein, mit eigenen Kräften, die Welt auf einer WhtschaUsgrundlag-e aufzurichten, welche Kriege unmöglich macht.. Der Aufbau muß aber ein solcher sein, wie er im Interesse dei arbeitenden Massen liegt und so durchgeführt werden, daß den jetzt herrschenden Klassen die Macht genommen, wird, das nou Geschaffene wieder einmal zu zerstören. Das klassenbewußte Proletariat hat die Aufgabe, die imperialistische-Krisis auszunützen, um auf den Trümmern des Kapitalismus die freie, sozialistische Gesellschaft aufaufzurichten. Um diese historische Aufgabe %u erfüllen, muß die Arbeiterklasse -i nach Marxens klarer "Voraussicht — „sich zur nationalen Klasse erheben, aloh selbst als Nation konstituieren" und durch Ergreifung der politischen Macht die Diktatur des Proletariats iu der Form der Arbeiterdemokratie — der Urbeiterräte — ausüben. Die große Krise des Weltkrieges und der Scheinfriede haben es auch deutlich gemacht, daß der Kampf für die proletarische Diktatur nur dann aum Siege führen kann, wenn die Arbeiterklasse eines jeden Volkes und Landes bestrebt sein wird, mit der eigenen Bourgeoisie fertig zu werden. Der heldenmütige Kampf einzelner Teile der Arbeiterbewegung gegen den Krieg, für Frieden, sozialistischen Aufbau und für die proletarische Diktatur, kahn nur zum, Siege führen, wenn dieser Kampf ein allgemeiner, internationaler wird, ein Kampf des Weltproletariats für die Weltrevolution. Durch den Parlamentarismus und die sogenannte bürgerliche Demokratie kann die Diktatur des Proletariats nicht verwirklicht werden. Die Bourgeoisie wird auf ihre politische oder wirtschaftliche Vorherrschaft niemals freiwillig verzichten. Nur der kompromiißfreie Klassenkampf ox'ganisiert in großen Massenaktionen, kann sie dazu zwingen. Die schreckliche Katastrophe des Kapitalismus hat das internationale; Proletariat ganz desorganisiert und desorientiert vorgefunden. Die sogenannte II. internationale hatte nicht nur nicht die organisatorische Macht, dem Völkerkrieg entgegenzutreten, es fehlte ihr auch die ideo ogische, moralische innere Kraft, sich gegen den Brudermord der Arbeiter aufzulehnen. Ja, sie hat diesen Brudermord unterstützt, gerechtfertigt und heilig gesprochen. Damit hat die II. Internationale als internationale Vereinigung der Arbeiterklasse bankerottiert. Aber wie der Weltimperialismus, der Weltkrieg, die Weltrevolution gezeitigt hat, so sehen wir auf den Trümmern der desorganisierten, desorientierten LI- Internationale, den großen, schönen Bau der revolutionären, Internationale der Tat, die Ilil. Internationale erstehen. Der kleine, aber gesunde marxistisch-kommunistische Kern der internationalen Arbeiterbewegung hat es schon während des Krieges .versucht, alle Partien und Gruppen der Internationale, die dem sozialistischen Ideal der Iiiternationalität und des Klassenkampfes treugeblieben sind, zu sammeln. Mit dem Kampfruf: Krieg dem Kriege! mit dem sozialistischen Prinzip: „Frieden um jeden Preis!", und mit dem Völker befreienden Ruf:, „W e 11 r e v o 1 u t i o nU" entsteht die III. kommunistische Internationale, die einzig und .alleinimstande ist, die historische Aufgabe des internationalen Proletariats zu verwirklichen: die Macht der herrschenden Parasiten^ assen zu brechen, die proletarische' Diktatur zu erdichten und die Weltwirtschaft auf sozialistische!- Grundlage aufzubauen. In dieser Erkenntnis macht sich die V. Weltkonferenz des allweltlichien Verbandes Poale-Zion Pro q r atnm und Taktik des!• Gründnugskongresaes der icommunistiseta Internationale zu eigen und beschließt, .sieh der III. internationale anzuschließen und in ihren Reihen für die eigenartigen Bedürfnisse des jüdischen Proletariats, für die Anerkennung des allweltlich organisierten jüdischen Proletariats .als nationale Sektion und für die Lösung der jüdischen proletarischen Probleme durch die Schaffung einer jüdischen, sozialistischen Gesellschaft in Palästina au kämpfen. Die, Grundlagen: des W e lt y e y h;vn d e s. Resolution Serpow. # 1. Der Weltverband Poale Zion führt einheitlich, cien Prinzipien der dritten kommunistisohen Internationale getreu: ... , a)lDen Klassenkampf 'des jüdischen Proletariates in allen Ländern der jüdischen Massensiediungeh für die sozialistische Gesellschaftsordnung. Jb^Den Kampf der jüdischen Arbeiterklasse für ihre eigenartigen Bedürfnisse, wie nationalen olotariscbo Autonomie, teritoriale Konzentration der jüdischen Wanderung und Kolonisation Palästinas. 2. Sämtliche Poale-Zioa-Parteien, dio dem Weltverband angeschlossen sind, unterwerfen sich den Beschlüssen der Verbandskonferenzen und sind verpflichtet, die Direktiven des Verbandes in allen Fragen internationaler Politik sowie der jüdischen Hrbeifcerpolitik, die ein gemeinschaftliches Interesse für die jüdischen Proletarier aller Länder haben, durch* zuführen. » C * Einstimmig wird folgender Antrag angenommen: Die zweite ordentliche Partei'beratung der Jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion in Deuteehöstorreieh beschließt: Das Verbandsbüro aufzufordern, es wolle unbedingt die' sozialistische Arbeiterparteij^Poale ZionHPaläslhias zur Weltkonferenz einladen. Unsere Delegierten werden beauftragt, diese Forderung bei der Wellkonferenz zu vortreten. Mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit und auf die noch nicht behandelten Fragen der Tagesordnung, wie Organisation und Presse, Emigration und Palästhvaarbovt, wirtschaftliche Organisation, Bildungsarbeit u. a. beschließt die Parteiberatung, die Waiden vorzunehmen und sich vertagen. Die Parteileitung wird beauftragt, die Parteiberatung späfestons i4 Tage nach der Weltkonferenz einzuberufen. Gewählt wurden: In die Parteileitung: Serpow ..(Vorsitzender), Nagler, Setorr, Kolwi, Kandel, Zloczower, Wattenberg, Sokal, Singer und (Bloch. Als Ersatzmänner: Glücksmann, MargulieB, Menkes, Schiller iukT Wagmann;. i,u das Redaktionskollegium: Serpow (Chnfredakteuvj, Nagler, Zloczower und Sokal. In das Wirtschaftsreferalfc: Kolm, Serpow, Koch. Revisoren: Kuöbel, Dick. Di? Wahl des Emigrations- und Palästinabüros wird bei der Schlußsitzung der Parteiberatung vorgenommen- L. Trotzki: Das Nationale in Lenin. Der Internationalismus Lenins bedarf keiner be* sonderen Empfehlung. Er ist am besten gekennzeichnet durch den unversöhnlichen Bruch in den ersten' Tagen des Weltkrieges mit jener "Nachahmung des Inter* nationaJismus, der in der 2. Internationale herrschte. Die offiziellen Führer des „Sozialismus" brachten auf der Tribüne des Parlaments die Interessen des Vater» landes mit den Interessen der Menschheit durch abstrakte Ausführungen im Geiste der alten Kosmopolit ten in Einklang. In der Praxis führte das, wie wir wissen, zu einer Unterstützung des raiibgierigen Vater« landes durch das Proletariat. 1 Der Internationalismus Lenins ist durchaus keine Formel einer Ineinklangbringung des Nationalen und Internationalen In Worten, sondern die Formel eines internationalen revolutionären Handelns. Das von der sogenannten zivilisierten Menschheit bewohnte Territorium der Welt wird als ein einziges zusammenhängendes Katmpffeld betrachtet, auf dem die einzelnen Völker und deren Klassen einen gigantischen Kampf miteinander führen. Keine einzige Frage von Bedeutung läßt sich in den nationalen Rahmen zwängen. Sichtbare und unsichtbare Fäden verbinden diese Frage wirksam mit Dutzenden von Erscheinungen in allen Enden der Welt, Bei der Bewertung internationaler Faktoren und Kräfte ist Lenin mehr denn sonst jemanjd von nationalen Voreingenommenheiten frei. Marx war der Ansicht, daß die Philosophen genügend die Weit erklärt hätten und erblickte seine Aufgabe darin, diese Welt umzugestalten. Selbst hat er, dieser geniale Verkünder, das nicht erlebt. Die Umgestaltung der alten Welt ist gegenwärtig in vollem, Gange, und der erste, der auf diesem Gebiete tätig ist, ist Lenin. Sein mternationaüismus ist eine praktische Bewertung der geschichtlichen Ereignisse und ein praktischer Eingriff in deren Gang in einem die ganze Welt umfassenden Maßstab und zu Zwecken, die die ganze Welt berühren. Rußland und sein Schicksal bedeuten nur ein Element in diesem gewaltigen hfystorisehen Ringen, von dessen Ausgang> das Schicksal der Menschheit abhängt, Der Internationalismus Lenins bedarf keiner be* sonderen Empfehlung. Dabei ist Lenin selbst in hohiejm Maße national Er wurzelt tief in der neuen russischen Geschichte, nimmt sie in sich auf, gibt ihr den prägnantesten Ausdruck und erreicht gerade auf diesem Wege den Gipfel internationalen Wirkens und internationalen Einflusses. ' ■ [ Im ersten Augenblick mag die Charakteristik Lenins als „national" unerwartet erscheinen, und1 doch1 ist sie im Grunde genommen etwas ganz Selbstverständliches. Um eine solche in der Geschichte der Vplker noch1 nie dagewesene Umwälzung wie die in Rußland vor sich gehende führen zu können, 'bedarf es offensichtlich einer unlöslichen organischen Verbindung mit den Griindkräiften des Volkslebens; einer Verbindung, die den Tiefen der Wurzeln entstammt, ,' Lenin verkörpert in sich das russische Proletariat, die junge Klasse, die politisch vielleicht nicht älter ist als Lenin selbst, eine tief nationale Klasse, denn, in ihr findet sich die ganze vorangegangene Entwicklung Rußlands ziusamlmengefaßt, in ihr liegt Rußlands ganze Zukunft, mit ihr lebt und fällt die russische Nation. Das Fehlen von Routine und Schablone, von Falschheit und Konvention, Entschiedenheit im Den ken, Wagemut im Handeln, ein Wagemut, der nie in Unverstand ausartet, kennzeichnet das russische Proletariat und zugleich auch Lenin. - Die Natur des /russischen Proletariats, die es gegenwärtig zu der bedeutendsten Kraft in der internationalen Revolution gemacht hat, ist durch den Gang der russischen nationalen Geschichte vorbereitet worden, durch die barbarische Grausamkeit des absoluten Staates, die Bedeutungslosigkeit der bevorzugten Klas? sen, die fieberhafte Entwicklung des Kapitalismus auf der Hefe der Weltbörse, die Entartung der russischen Bourgeoisie und ihrer Ideologie, die 'Minderwertigkeil' ihrer Politik. Unser „dritter Stand" kannte weder eine Reformation noch eine große Revolution und konnte sie auch nicht kennen. Einen um so umfass ende reu Charakter gewannen die revolutionären Aufgaben des russischen Proletariats. Unsere Geschichte hat in der Vergangenheit weder einen Luther, noch' einen Tho* mas Münzer, wieder einen Mirabeau noch einen Danton oder Ro'b'espierre gehabt. Gerade deshalb' hat auch das russische Proletariat seinen Lenin. Was an Tra< diitioin gefehlt hat, wurde an revolutionärem Schwung gewonnen. 1 : ' Lenin spiegelt in sich die russische Arbeiterklasse nicht nur in deren proletarischer Gegenwart, sondern auch in ihrer noch' so frischen bäuerlichen Vegan-= genheit. Dieser Mann, dessen Führerschaft im Proletariat am wenigsten bestritten wird, sieht nicht nur äußerlich einem Bauern ähnlich, sondern hat auch etwas stark Bäuerliches an sich. Vor dem Smoüny-Institut steht das Denkmal eines anderen großen Mannes' des Weltproletariats: Marx, in schwarzem Gehrock, auf einem Stein. Gewiß ist dies eine Kleinigkeit, aber nicht einmal in Gedanken kann man sich Lenin1 in einem schwarzen Gehrock vorstellen. Auf . einigen Por< träts ist Marx in einem .'breiten gestärkten VorhßJmd abgebildet, auf dem so etwas von der\Art eines Monokels baumelt. Daß Marx nicht zur Koketterie neigte, ist allen jenen klar, die einen Begriff von Marx'sCh'eni' Geiste haben. Aber Marx ist auf einem anderen Boden nationaler Kultur aufgewachsen,, hat in einer anderen Atmosphäre gelebt, wie auch die führenden Persön* Henkelten der deutschen .Arbeiterklasse mit ihren Wurzeln nicht in das Dorf zurückreichen, sondern in das Handwerk und die komplizierte städtische Kultur des Mittelalters. Auch der Stil von Marx, der reich und schön ist, in dem Kraft und Biegsamkeit, Zorn und Ironie, Rauh* heit und Eleganz miteinander gepaart sind, verrät die literarischen und ethischen Schichtungen der ganzen vorangegangenen sozialpolitischen deutschen Literatur seit der Reformation und noch weiter zurückreichend. "Der literarische und oratorisohe Stil Leninist furchtbar einfach, asketisch wie sein ganzes Wesen. Aber dieses machtvolle Äsketentujm hat auch nicht den Schar* ten von Moralpredigt an sich. Es ist dies kein Prin-