Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 25 (13.6.1920)
- Date
- 1920-06-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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NR. 25 FREIE TRIBÜNE SEITE 3 die Sprache des Denkens. Es dient bereits dem Landarbeiter Palästinas zur Äroeitssprache, aber es ist noch nicht die Sprache des Handwerks, der Straße, des Handels und der Synagoge. Lehrer und Schüler ersticken in der Schule mangels einer heDräischen Atmosphäre außerhalb ihrer vier Wände, das Singen ■ und Sagen des Volkes ist ja nicht hebräisch. In dem heißen- Verlangen, schon den Säugling nur hebräisch hören zu lassen, und aus Angst vor dem Fluch der Zwiesprachigkeit, redet die Mutter mit dem Kinde ein unbeholfenes Hebräisch, und so wird das K i n d e r 1 eb e n jahrelang um die Sprache der Mutterseels Desto hl en." (Von mir spationiert.) Die „eiserne Notwendigkeit des Gen. J.Z... Man denke sich diese Tatsache im Maßstäbe einsr Masseneinwanderung nach Palästina. Da kann man sich eigentlich das weitere Argumentieren ersparen. Die klar voiraaiszusehende Linie der Entwicklung muß eben zur Fortentwicklung der jiddischen Kultur in Palästina führen. Worum es aber hier geht, ist: aufzuräumen mit den nationalistischen Ideelogieen, die in unseren Reihen wuchern und die den Geist der kämpfenden Unduldsamkeit zeugen, der in den bekannten Fällen Rewutsky, Nüssen, oder dem Boykott dies Druckes einer sozialistischen Zeitschrift in jiddischer Sprache, sich offenbart. Diese Vorfälle, Gen. J. Z., geben schon zu denken, da mögen sie ja recht haoen, aber beileibe nicht in der Richtung der „eisernen" Notwendigkeit des Hebräischen in Palästina und vor allem in der Richtung der unsozialistischen Unterströmungen, die von unserem Weltverbände ferngehalten werden müssen. Bedenken Sie doch, Gen. J. Z., zu welch groteskem Wahnwitz ihre Argumentation führen muß. Sie behaupten: „Denn in Palästina kommt, aus praktischen Gründen, die hebräische Sprache einzig und, allein in Betracht. In der Diaspora wieder wäre die hebräische Sprache als Volkssprache ein Absurdum. Nur jiddisch kann hier unsere Sprache sein." Das behaupten sie alles, unbeirrt durch die Tatsache der völligen Unmöglichkeit, aus einem lebendigen Volks-. Organismus (den sie ja auch wohl anerkennen müssen als Poale Zionist?) zwei Kulturen,1 zwei Nationen, eine hebräische;n Palästina und eine Jiddische im Golus, herauszudestillieren. Ja b n e e 1 i ist konsequent in seinem Denken. Es mag noch so unmarxistisch, unsozialistisch sein, aber immerhn ist es eine einheitlich durchdachte Willensäußerung: ich will Palästina hebräisieren, ergo muß ich das ganze Volk im Golus hebräisieren. Ob er das kann, soll ihm Gen. J. Z. nach seinen obiitierten Sätzen antworten... Somit kommen wir zum Wesentlichen: Für das jüdische Prolelariat in seiner Gesamtheit, in den großen Kaders seines Klassenkampfes, existiert die. Frage Hebräisch oder Jiddisch nicht, per jüdische Arbeiter lebt und wirkt und kämpft und wird auch siegen in der mit seinem Aufstieg als Klasse sich entwickelnden eigenen Kultur und deren Sprache. Was in. Palästina heute vor sich geht ist das überreizte Werk von idealistischen Pionieren, die aus lauter Opferfreud'igkeifc alles Augenmaß für die tatsächlichen Bedingungen und Verhältnisse verloren haoen. Die erste Welle einwandernder jüdischer Arbeiter wird diesen künst ichen Bau hinwegschwemmen. Die im Verhältnis zur großen Masse kleine Zahl der sephardisohen oder jemenitischen Arbeiter wird rasch aufgesogen werden von den kulturell antivaren und schöpferischen Elementen, die den Aufbau des Landes Ln Angriff nehmen werden. Und mit der Entwicklung einer sozialistischen Siedlung in Palästina wird auch auf der Grundlage der Arbeit die proletarische, Kultur aufblühen, die wurzeln wird in der Seele des ganzen, lebendigen Volkes in allen Ländern seiner Siedlung», und nicht in der stickigen Atmosphäre der Schule und der Hbel. hanag. Genossen! Montag, am 14. Juni 1920, 7 Uhr abds., im „ Arbeitt rheime" (Blumauergasae 1) Parteiversammlung TAGESORDNUNG: „Die polftisdse Situation" Referent; Genosse Alexander Serpow Erscheinet pünktlich! Legitimation mitbringen! PARTEILEITUNG Betriebsräteorganisation. In Deutschland wird ein heftiger Kampf geführt um die beste Form der organisatorischen Zusammenfassung des Proletariates, als deiidierenden Faktor im wirtschaftlichen Leben des Landes. In Deutschösterreich findet man für diese Probleme kein Interresse. Wir machen aufmerksam, auf die-zwei wichtigsten Grundlagen der Diskussion über dieses Problem, auf den Entwurf der Berliner GeweVkschaftskommission und den der Betricbsräteze^trale. Wir werden dann in dieser wichtigen Fragestellung nehmen. D. R. Entwurf des Ausschusses der Berliner Gewerkschaftskommission. Die wirtschaftlichen und politischen Kaiastrophen mit ihren volksverderbenden und kulturzerstörenden Folgen resultieren aus der kapitalistischen Gesellschaft. Daht-r wird die Arbeiterklasse, solange die kapitalistische Klasse be3teht, in ihrer Lebenshaltung von den kapitalistischen Verelendungstendenzen bedroht. In Erwägung, daß die Arbeiterklasse mit dem Ringen gegen die kapitalistischen Verelendungstendenzen zugleich den Kampf um die Überwindung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung führen muß, damit die Grundlagen dieser Klassengesellschaft beseitigt werden und planmäßig organisierte sozialistische Gesellschaft herbeigeführt wird, müssen die Kämpfe bewußt und zielklar gemeinsam von den revolutionären proletarischen Organisationen der Gewerkschaften, der Räte und der Parteien geführt werden. Daher ergeben sich als Aufgaben für die Betriebsräte in .ihrem Zusammenwirken mit Gewerkschaften Und Parteien: 1. die sozialistische Aufklärung der Arbeiterschaft, 2. der planvolle Kampf um die Eroberung a) des Rechtes der Einstellung und Entlassung der Arbeiter und Angestellten, b) der Mitbestimmurig-bei der Festlegung der Arbeitsbedingungen, c) der völligen Bilanz- und Inventureinsicht, d) der Mitbestimmung bei der Produktion ln Art nnd Qualität, e) der Mitbestimmung bei der Kalkulation. Da diese Aufgaben nur erfüllt werden können wenn die Betriebsräte der Arbeiter und Angestellten restlos erfaßt sind und deren Aktionskraft bis zur denkbar größten Stärke gesteigert wird, erachtet es der Ausschuß für notwendig, daß die Betriebsräte von den Gewerkschaften erfaßt werden. Doch nicht als Funktionär der .einzelnen Gewerkschaften, sondern Industriegruppen, wobei der Betrieb und nicht der Beruf des einzelnen entscheidend sein muß. Der Ausschuß glaubt hierdurch nicht nur die Betriebsräte, sordern auch die Gewerkschaften zu Trägern des Sozialirierungsgedank ns und dessen Kampforganen zu machen, die gesamte Arbeiterschaft zu dem großen Kampfe völlig vorzubeseiten und mit Machtbewußtsein zu erfüllen. Organisationsaufbau der Betriebsräte. Die Berliner Gewerkschaftskommission beschließt im Anschluß an Ihre prinzipielle Erklärung folgenden Organisationsaufbau zur Betriebsräte-Organisation für Berlin und das Reich: a) Die Zusammenfassung aller Betriebsräte (Arbeiter¬ und Angestellten» äte) erfolgt auf Grund'age der Industriegruppen, wo^ei nicht der Beruf, sondern der Betrieb für die Zugehörigkeit zur Gruppe ausschlageebend ist. Unbeschadet dessen haben die Gewerkschaften nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, zur Erledigung von Berufs- und Bildungsfragen ihre Betriebsräte zusammenztiberufen. Die Zusammenfassung der Betriebsräte erfolgt durch die Ortsausschüsse der Berliner Arbeiter- und Angestellten Gewerkschaften nach folgenden Industriegruppen: 1. Bank- und Handelsgc erbe. 2. Baugewerbe, Steinindustrie. 3. BeMeidungs- und Textilindustrie.. 4. Chemische Industrie. 5. Freie Berufe. 6. Graphische Gewerbe und Papierindustrie. 7. Holzindustrie. 8. Landwirtschaft. 9. Lebens-, und Genußmittelindustrie. 10. Lederindustrie. . 11. Metallindustrie. 12. Staat'iche und kommunale Behörden und Institute. 13. Verkehr. 14. Bergbau, Hütten, Salinen, Torfgräbereien. Entstehen über die Zuteilung zu einer Industripgruppe Zweifel, so snll nach der in der Anlage gegebenen Einleitung verfahren werden. " b) Leitung der Berliner Betriebsräte-Organisation. Jede der in Absatz a) genannten Industriegmppen wählt eine der Stärke ' entsprechende Gruppenleitung. Die Obleute der Gruppenleifung bilden die Betriebsräte-Zentrale der Berliner Gewerkschaften. wahren sozialistischen Gleichheit, die keinen Betrug darstellt" — also sprechen wir. 7. In allen kapitalistischen Ländern ■ gibt es neben dem Proletariat oder demjenigen Teil des Proletariats, der sich seiner revolutionären Aufgaben bewußt und imstande ist, für ihre Verwirklichung zu kämpfen, zahlreiche unbewußt proletarische, halbproletarische, ihalbkleinbürgerliche werktätige Bevölkerungsschichten, die der Bourgeoisie und der bürgerlichen Demokratie (darunter auch den* „Sozialisten" der 2 Internationale) folgen, von ihnen betrogen werden, nicht an ihre eigene Kraft, noch an die Kratt des Proletariats glauben, nicht die Möglichkeit fassen, auf Kosten der Enteignung der Ausbeuter die Befriedigung ihrer dringendsten Bedürfnisse zu erlangen. Die Schichten Ü'er Werktätigen und'lfus^ gebeuteten bilden für die Vorhut des Proletariats Verbündete, im Verein mit denen es eine feste.Mehrheit der Bevölkerung besitzt. Doch kann das Proletariat diese Verbündeten bloß vermittelst einer solchen Waffe, wie die Staatsmacht, gewinnen, d. h. erst nach dem Sturz der Bourgeoisie und der Zertrümmerung des bürgerlichen Staatsap parates. 8. In jedem beliebigen kapitalistischen Lande ist die Kraft des Proletariats unvergleichlich größer als die Zahl der Proletarier in der Gesamtbevölkerung. Das kommt daher, daß das Proletariat die ökonomische Herrschaft über das Zentrum und den Nerv des ganzen wirtschaftlichen Systems inne hat; aber auch daher, daß das Proletariat ökonomisch und politisch die wahren Interessen der bedeutenden Mehrheit der Werktätigen unter kapitalistischer -Staatsordnung ausdrückt. Daher ist das Proletariat, selbst wenn es eine Minderheit der Bevölkerung bildet (oder wenn die vorgeschrittene und wahrhaft revolutionäre Vorhut des Proletariats eine Minderheit der Bevölkerung vorstellt) imstande, sowohl die Bourgeoisie zu stürzen, als auch hinterher zahlreiche Verbündete aus der Masse von Halbproletariern und Kleinbürgern zu werben, die sich nie und nimmer im voraus für die Herrschaft des Proletariats aussprechen, die Bedingungen und Aufgäben dieser Herrschaft nicht verstehen und erst aus fernerer, eigener Erfahrung sich von der Unerläßlichkeit, Richtigkeit und Gesetzlichkeit der proletarischen Diktatur überzeugen würden. 9. Endlich gibt es in jedemkapitalistischen Lande stets weite kleinbürgerliche Schichten, die unvermeidlich zw'schen Kapital und Arbeit schwanken. Um als Sieger hervorzugehen, muß das Proletariat vor allen Dingen den Moment für den entscheidenden Angriff auf die Bourgeoisie richtig wählen, unter anderem unter Berit cksichtigunq der Uneinigkeit zwischen der Bourgeoisie und deren kleinbürgerlichen Verbündeten oder der Haltlosigkeit ihres Bündnisses. In zweiter Reihe muß das Pro1etaria tn acb errungenem Siege diese Unschlüssigkeit des Kleinbürgertums in der Weise ausnützen, daß es das Kleinbürgertum neutralisiert, es verhindert, sich auf die Seite der Ausbeuter zu stellen. Das Proletariat muß imstande sein, sich trotz des Hin-, und Herschwankens des Kleinbürgertums eine gewisse Zeitläng zu halten usw. 10. Eine der unerläßlichsten Bedingungen für die Vorbereitung des Proletariats zum Siege ist ein langwieriger, beharrlicher, erbarmungsloser Kampf' gegen den Opportunismus, Reformismus, Sozialchauvinismus* und andere derartige bürgerlicher Einflüsse und Richtungen, die unausbleiblich sind, insofern das Proletariat sich in kapitalistischer Umgebuna befindet. Ohne diesen Kampf, ohne vorherige restlose Besiegung des Opportunismus (sowie des Anarchismus) , in der Arbeiterbewegung kann von einer Diktatur des Proletariats nicht geredet werden. Der Bolschewismus hätte die Bourgeoisie in den Jahren 1917 bis 1919 nic^t besiegen können, wenn er vorher, 1903 bis 1917. nicht gelernt hätte, die Menschewiki, d. h. die Opportunisten, Reformisten, Sozialchauvinisten, zu besiegen und sie schonungslos aus der Partei der proletarischen Vorhut zu vertreiben. Und der gefährlichste Selbstbetrug — manchmal aber auch ein ganz gewöhnlicher Schwindel den Arbeitern gegenüber — besteht in der jetzt angeblichen Anerkennung durch die Führer der deutschen „Unabhängigen" oder der französischen1 Longuetisten und anderen, die in Wirklichkeit der Tat nach aber fortfahren, in ihrer altgewohnten Politik der Kompromisse und Kornpiornißleln mit dem Opportunismus, der Aussöhnung mit dem letzteren, des Kriechertums gegenüber den Vorurteilen der bürgerlichen Demokratie (der „folgerichtigen Demokratie" oder der „reinen Demokratie", wie sie es nennen), gegenüber dem bürgerlichen Entwurf der Zentrale der Betriebsräte. Einleitung. Das Rätesystem wird als Organisattonsform def sozialistischen Gesellschaft anerkannt. Sein« beiden Betatlgungsiormen, die politische und die Wirtschaftliche, sind bereits vor der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat mit aller Energie zu erstreben. Diese Notwendigkeit hat der bisherige Verlauf der soziaen Revolution bestätigt. Die soziale Revolution erfordert die Einsetzung alTe* Kräfte des Proletariats. Das deutsche Proletariat ist zur Stunde organisatorisch und politisch zerklüftet; es zu einheitlichen und geschlossenen Kampiformationen zusammenzufassen, ist das nächste Ziel. Das Rätesystem gewährleistet die Sammlung des Proletariats. Die Aufgaben und das Tätigkeitsgebiet der Rätevereinigung wird durch die Kämpfe im Verlauf der sozialen Revolution bedingt. Solange die politischen Arbeiterräte noch nicht in Funktion getreten sind, übernehmen die Betriebsräte die Durchführung der großen politischen Aktionen, die über den engen Partei- und Gewerkschaftsrahmen hinausgehen und die Wahrnehmung des politischen Ge:amtinteresses zum Ziele haben. Das macht eine Ergänzung der Leitung der Rätevereinigung durch Vertreter der politischen Parteien und Gewerkschaften, die sich zum proletarischen Klassenkampf bekennen, notwendig. > ' 1. 0 r ganisationsau f bau und Tätigkeitsgebiet der Betriebsräte. Die Zusammenfassung aller Betriebsräte (Arbeiter- und Hngestelltenräte) erfolgt auf der Grundlage der Industrtegruppen, wobei nicht der Beruf, sondern der Betrieb für die Zugehörigkeit zur Grup_e ausschhlaqgebend ist. Die Zusammenfassung der Betriebsräte erfolgt durch die Zentrale der Betriebsräte und durch die Ortsausschüsse der Berliner Arbeiter und Angestelltengewerkschaften nach folgenden Industriegruppen': 1. Landwirtschaft. 2. Bergbau-, Hütten- und Salin enwesen, Torfgräberei 3. Steina und Bauindustrie. 4. Metallindustrie. 5. Chemische Industrie'. 6. Bekleidungs- und Textilindustrie. 7. Papierindustrie. 8. Lederindustrie. 9. Holzindustrie* 10. Lebens- und Genußmittelindustrie. 11. Banken und Handel. 12. Verkehr. 13. Staats- und kommunale Behörden wnd Institute. 14. Freie Berufe. Die produktive Eigenart des Betriebes oder Berufes entscheidet über die Zugehörigkeit zu einer Hauptbezw. Untergruppe. Hat ein Betrieb mehrere Produktivarten, so ist der größte Produktionszweig des Betriebes für die Zuteilung maßgebend. Die Gewerkschaften haben das Recht und die Pficht, zur Erledigung von Berufs- und Bildungsfrageri Jhre Betriebsräte zusammenzuberufen. 3. Aufgaben und Tätigkeitsgebiet der Organ ederRäte Organisation. Die Räteorgani aiion will alle Kräfte des werktätigen Volkes sowohl zu einer Kampforganisation zur Erkämpfung des Sozialismus erfassen, wie auch gleichzei ig alle Vorbereitungen zur Uebernahme der kapita istischen Wirtschaft und deren Ueberleitung zum sozialistischen Gemeinwesen treffen, um sich selbst dann zu' einem, das ganze Wirtschaftsleben tragenden Organismus fortzubilden. a) Die Genera Versammlung der Räteorganisation nimmt zu allen wirtschart ichen und poetischen Fragen Stellung. Sie entscheidet über die Notwendigkeit politischer Aktionen und führt diese Aktionen gemeinsam mit den sozialistischen Parteien und den auf dem Boden des Klassenkampfes stehenden Gewerkschaften durch. Die Generalversammlung stellt außerdem einheitliche Fichtlinien für die Tätigkeit der Betriebsräte auf, wie sie auch das Verhältnis der Haaptgiuppear -zueinander regelte Die Beschlüsse der Generalversammlung sind bindend für die Räteorganisation. b) Die Vollversammlungen der Hauptgruppen entscheiden über alle Fragen der Hauptgruppen nach den von der Generalve^ ammlung der •Räteorganisation aufgestellten allgemeinen Richtlinien. Sie regeln außerdem das Tätigkeitsgebiet der Untergruppen. Die Org:ne der Hauptgruppen müssen mit den Leitungen der Gewerkschaften, die auf dem Boden des Klassenkampfes stehen, gemeinsam arbeiten, um einheitliche und geschlossene Aktionen durchführen zu können. Soweit reaktionäre Gewerkschaften Schwie.igkeiten bereiten, haben die Mitgieder die Pflicht, für die Beseitigung der rückständigen Leitungen dieser Gewerkschaften Sorge zu tragen. Parlamentarismus und dergleichen mehr. 16. Dezember 1919. Aus der Internationale. ( 9. Partei, ag der Kommunisttschen Partei Rußlands. Ueber den am 5. April d. J. abgeschossenen 9. Parteitag der Kommunistischen Partei Rußlands schreibt die „Prawda" vom 6. April, der wir nachstehendes entnehmen: „Bis zum 7. Parteitag war unsere Partei eine Partei, die noch um die Macht rang, die für die Zerstörung des alten Regimes kämpfte. Der 7. Parteitag befaßte sich nahezu ausschließlich mit den Fragen der Außenpolitik. Der 8. Parteitag . mußte für' die Arbeiterklasse den richtigen Kurs den Bauern gegenüber bestimmen und im Programm die Grundzüge für die künftige Tätigkeit testlegen. Der 9. Parteitag, der sich an der Grenzscheide zweier Epochen versammelte — , der kriegerischen und „friedlichen" (soweit man jetzt überhaupt von Frieden sprechen kann) — verlief unter dem Zeichen: Arbeit. Erst jetzt ersteht vor der Räterepublik die Möglichkeit, mit beiden Händen den Hebel der Arbeit zu ergreiien, und es ist daher kein ' Wunder, daß ^die regierende Partei des Proletariats auf ihrem Kongreß die Fragen der Organisation der Arbeit in der neuen'G es ellschaft als Kardinal fragen behandelte. Es war dies ein Kongreß wirklicher Erbauer der Zukunft. Die gesamte Partei als Ganzes hat schon vor diesem Parteitag die Notwendigkeit intensiver Arbeit klar erkannt. Der eine, der andere schwankte allerdings sowohl in der Frage der Militarisierung der Arbeit, als auch in der Frage der Verwaltungsmethoden. Der Parteitag hat mit überwältigender Stimmenmehrheit erklärt, daß ein Höchstmaßvon Sachlichkeit, Verantwortungsgefühl, Gewissenhaftigkeit und Disziplin erforderlich ist. Der Parteitag hat die kienbürgerlichen Illusionen beiseite geschoben und die Notwendigkeit proklamiert, eine strenge Selbstorganisation der Arbeit durch die Arbeiterklasse vorzunehmen.' Die Seibstorgauisation Ständig wurde die Notwendigkeit einer noch engeren Fühlungnahme mit den Massen betont. Hieraus ergab sich, daß der Parteitag, nachdem er alles den syndikalistisch-menschewistichen Geist verratende Gerede von, der Selbständigkeit der Gewerkschaften abgelehnt hatte, gleichzeitig mit aller erforderlichen Schärfe betonte, daß die Rolle der Gewerkscharten auf dem Gebiete der Organisation der Produktion ständig an Bedeutung zunehmen müßte. Der Parteilag verurteilte' entschieden die Versuche einiger Genossen, .diese Rolle zu schmiiierin. Mehr als das, der Parteilag un.erstatte ganz eindeutig die vom Genossen Lenin vertretene- Ansicht, 'daß die wichtigste Aufgabe des Tages, ohne deren Lösung wir nicht imstande sein' würden, die bedrohliche Lage abzuwenden, die durch die wirtschaftliche Zerrüttung entstanden ist, die tatsächliche absolute Ver-