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Freie Tribüne · 1920-06-26 · 26 (26.6.1920) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
26 (26.6.1920)
Date
1920-06-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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inR. 26 Die jüdische kommunistische Bewegung in den Ländern Rußlands. Das neueste, neunte, Heft der „Kommunistischen Intei-nationale", des Organa der Exekutive der Kommunistischen Internationale, bringt den nachfolgenden Aufsatz eines namhaften Führers der jüdischen Sektion der russischen Kommunistischen Partei. Wir haben uns verpflichtet gefühlt, ihn aus dem rus-* lachen Originale zu übersetzen und vollinhaltlich unseren Lesern zu übermitteln, trotzdem er sehr einseitig und stellenweise ungenau inlormlert. Der Autor war Führer des „Bundes". Daher tragen gewisse Tatsachen nicht den sonst sehr objektiven Charakter der Darstellung, sondern sind aus begreiflichen, parteipolitischen Gründen einseitig gefärbt, ^Nichtsdestoweniger bietet der Aufsatz eine solche reiche Fülle von geschichtlichem Material und dokumentarischer Schilderung, daß wir diesen unbedingt der eingehendsten •Aiitinerksamke t unserer Leser empfehlen können. Eine Korrektur der Darstellung, bezüglich der po'aier zionistischen Bewegung' in. den Ländern Sowjet-ttutilaüds findet der Leser in den ersten Nummern der „Mitteilümgenj des Organisationsbüro», der Linken Poale Zion", die als Beiblätter zu den Nrn. '46 ff." der „Freien Tribüne" erschienen sind. Die dort verölten dichten „Briefe aus Sowjetrußland" geben zusammen mit dem vorliegenden Aufsätze ein. genaues und , aufschlußreiches Bild über die für die all weltliche . jüdische Arbeiterbewegung so wesentliche Bewegung in den Ländern des alten russischen Staates. Einige Tatsachen möchten Wir hier gleich korrigieren. So ist festzustellen, daß die poalezionistiöche Bewegung sich von der Politik des Burgfriedens, der Vateriahdsverteidigung stets ferngehalten hat, während die namhaftesten Führer vom „Bund", wie Lieber und Ehrlich, mit dein sozialpatriotischen Kurs des Plechauowschen „Jedinstwo" verknüpft waren. Die Haltung, der russischen Poale-Zion war eine radikal zimmerwaldischej eine revolutionär internationalistische. So hatte die, gegen Ende des Jahres 1916 tagende P i;i s k i e r Konfereu z, die Zimmer walder und Kien'aler Versuche des Wiederaufbaues der revolutionären Internationale begrüßt und energisch gegen den Reformismus uifd Opportunismus der im August 1914 zusammengebrochenen .-Internationale Front gemacht. Nach der Revolution hat die rechte Führung der Partei die Martowsche, internationalistisch^ Richtung verfolgt,, allerdings im-Widerspruch mit dem. in'der Stimmung der .Massen wurzelnden, linken Flügel. Dies führte sogar zeitweilig zum ersten Abspaltungspro-soß nach der siegreichen bolschewistischem Revolution. Eine ausgesprochen kommunistische Gruppe, unter der Füihrunig des Gen, Bezalel, löste sich von der Partei und suchte im revolutionären Drange die Diktatur auf der jüdischen Gasse, zu verwirklichen« Als jedoch die ganze Partei sich, wenn auch" mit > Protei vollkommen hinter die Sowjetregierung und aktiv zur Mitarbeit, sich gestellt hat« schloß sich die Gruppe wieder der Partei an. Demgegenüber hat der „Bund" die Politik des rechten Flügels .der Mensche wild mitgemacht Sein prominentester Führer L i e b e r stellte sich direkt an die Spitze der antibolschewistischen konterrevolutionären Propaganda.*) i Es erübrigt sich wohl, in diesem Zusammenhange auf de poalezionistlschen roten Bataillone, auf die vielen gefallenen Helden hinzuweisen. Man les6 auch darüber die in unserem Blatte veröffentlichten Gedenkblätter. Und dann wird man die richtigen Farben in den nachstehenden Aufsatz nachtragen und ihn So mit großem Nutzen lesen. D. R. Die Oktoberrevolution im .Jahre 1917 hat in ihrem . Strome die selbständig organisierte jüdische Arbeiterbewegung nich? mitgerissen. In, den großen Zentren — ueilich — wie Kiew, Odessa, in denen sich die' jüdischen Massen immer unter dem Einflüsse der allgemeinen russi- . *)i-Hiebei möchten wir auf die ausgezeichnete Verteidigungsschrift dies österreichischen Genossen T äubler-.: „Die Verteidigung der Bolschewiki"r (Verlag Volksbuchhandlung J. Brand, Wien) v verweisen, die aus Anlaß der Liebersercen Angriffe entstand. --eh.cn Arbeiterbewegung befanden, sind sie auch durch die bolschewistische Strömung erfaßt worden. Aui die -Allgemein,' politische Linie der jüdischen Arbeiterparteien, die konsequent ihren Kampf gegen die bolschewistischen. „Utopien"" und „Demagogie-' fortgesetzt haben, ist si© ohne Einfluß geblieben. Tonangebend für alle Parteien war selbstverständlich die älteste Gruppierung der jüdischen Arbeitefmasseh, der „Bund", in den früheren Zeiten, wie im Jahre 190o und 1900, näherte sich der „Bund" oftmals in seiner Stellung der damaligen bolschewistischen Auffassung, aber vom Jahre 1907 und 190.H haben seine Führer eine offenkundige Wendung nach rechts vollzogen, dem „liq.uidatorisehen" Flügel der russischen sozialdemokratischen Partei immei näherkommend. Vom Jahre 1911' an steht der „Bund" in engeren organisatorischen Beziehungen "zu den Menschewiken, die bis zum Ausbruche der deutschen Revolution ununterbrochen fortdauerten. Was die Stellung zum Kriege . anbelangt,( sind im „Bunde", wie in der ganzen f uternationale zwei Strömungen : die .,V a t e r l a n d s v e r t e i d i g e r" und die „internationalistische" hart aneinandergeraten. Die Vaterlanclsverteidiger überwiegten und ihre Richtimg drückte unzweifelhaft dem „Bunde" ihren Stempel bis aar Februarrevolution auf. In Gemeinschaft mit den Menschewiken unterstützte der „Bund" die Kerenskische Koalitionsregierung und ihre Kriegspolitik. Der Zusammenbruch der Kerenski-Offensive und der - Juliaufstand des Proletariats führte zu einer Umgruppierung der Richtungen der „Bunde". Die Ideen der Vaterlandsverteidigung und der Koalition mit der Bourgeoisie treten in den Hintergrund, die internationalistische Richtung dringt vor und es wird eine neue politische Orientierung geschaffen, die Koalition mit der städtischeu'und ländlichen kleinen Bourgeoisie und in Verbindung mit ihr wiederum der Kampf gegen den Bolschewismus. Genau dieselbe Stellung haben im Zeitpunkte der Ok- . toberrevolution die zwei anderen jüdischen Arbeiterparteien eingenommen. Die „Vereinigte jüdische sozialistische Arbeiterpartei"/(S. S. und! J. S.)ieiitstand im März 1917 aus den Ueberresten der bis zum Ausbruche der .Revolution selbständig auftretenden Parteien der „Sozialiaten-Zionisten" und der „Jüdischen Sozialisten" („Sejmisten" oder „Serpisten'- genannt). Das Eindringen der revolutionären Bewegung in die breiten Arbeitermassen, insbesondere in der Ukraina,. wo die Traditionen des „Bund" nicht so eingewurzelt waren, hat zur Stärkung der Partei der „Vereinigten" bedeutend beigetragen. Die Hauptlosungj der Partei war die Förderung der national-personalen Autonomie für die jüdischen Massen, einer Autonomie ,auf breiter Grundlage, die den jüdischen Massen die Möglichkeit geben sollte, selbständig; ihre kulturellen, traditionellen (? Red.) und sogar sozial-ökonomischen Bedürfnisse zu befriedigen. Diese Losung hat. viel dazu beigetragen, daß breite Schichten des jüdischen Kleinbürgertums durch die Bewegung mitgerissen wurden. Als aber die revolutionären Wogej; im Abflauen waren, haben sich die jüdische Plutokratie und die Klerikalen derselben Losungen in sehr breitem Maße, zur Verstärkung ihres Einflusses auf .dasselbe Kleinbürgertum bedient. Die Partei „Poale Zion" hat im Verlaufe der zweiten Revolution die aktive Agitation für die Erlangung Palästinas auf die Seite gelegt und hat ebenso wie die „Vereinigten!" eine mehr oder weniger revolutionäre Tätigkeit begonnen. Wie es scheint, hat die zionistische Ideologie die Poale Zion von dem Wahne der Vaterlandsverteidigung ferngehalten. Ihr Nationalismus bestand nicht in der Verteidigung der staatlichen Selbständigkeit „fremder Völker", sondern im Streben zum eigenen Vaterlande. Die — sozusagen — Exterritorialität des Poale Zionismus machte ihn aufnahmsfähiger für bolschewistische Stimmungen. Die Poale Zionisten brauchten die Grundsätze. der II, Internationale mit der sie weder ideologisch, noch formell in Verbindung waren, nicht anzutasten. Die Traditionen der II. Internationale spielten eine verräterische Rolle in der Sache der Befreiung des allweltlichen Proletariates. Eine ebensolche Rolle spielten sie gegenüber der jüdischen Arbeiferbewegung. Die P^arteidisz-ipliri, die Festigkeit der Organisation, all dies, was' dem „Bund" während der ersten Revolution mit Recht den Namen einer Avantgarde des Proletariats verliehen hat, wandte sich jetzt im Oktober 1017 gegen das* Proletariat. Der „Bund" hat den natürlichen Prozeß der Differenzierung im jüdischen revolutionären Milieu mitgehalten. Die ganze Energie wandte der „Bund* in seiner Agitation gegen die soziale* Revolution, gegen die .proletarische Diktatur, eine Vereinigung mit den kieiübürgerücaea Massen auf, der Plattform der alten bürgerlich-demokratischen Ideale, wie der ide^ der allgemeinen Gründungsversammlung, der nationalen Autonomie usw. Selbst in den Tagen des bolschewistischen Umsturzes hat der „Bund", den Gedanken auf Verständigung mit den übrigen Sozialistischen Gruppen vertreten. Als' all die Bestrebungen wirkungslos waren, verblieb dein Bunde nur mehr die nahe Niederlage des Bolschewismus abzuwarten und sie durch seine Agitatiou zu beschleunigen. Kind ebensolche Stellung nahmen die „Vereinigten1- und die „P, Z." ein. In einigen Orten Räterußlands stelllen sich einzelne Gruppen der „P. Z." auf den Boden der Rätttä.vicht, das hat sie aber ke nesfalls zu Kommunisten gemacht und' von ihrer allgemein; nationalistischen Ideologie befreit. Ohne eine Spaltung in den Reihen der alten jüdischen sozialistischen Parteien konnte von einer kommunistischen Massenbewegung zwischen den jüdischen Arbeitern nicht die Rede sein. Unter der Wirkung der allgemeinen russischen Bewegung sind einzelne jüdische Arbeiter von, den rechten jüdischen sozialistischen Parteien zur Komrau- ' nistischen Partei übergegangen. Diese Pioniere der jüdischen kommunistischen Bewegung haben innerhalb i der R. K. P. kleine Zellen, sogenannte „jüdische Sektionen" geschaffen, die konnten aber zu dieser Zeit keine tiefgehender© Wirkung innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung ausüben, um^omehr, da sie zum größten Teil im innerer Rußlands, weit vom Westen und Süden, wo sich die irdischen Massen konzentrieren, entstanden sind. Diese Pioniere haben auch die Arbeit in den „jüdischen Kommissariaten" übernommen. Die Aufgaben der letaleren beruhten im Umbau des jüdischen Lebens auf neuen Grundlagen, die der Epoche der sozialen Revolution entsprechen würden* Wegen der erwähnten Ursachen konnte die Wirksamkeit dieser Kommissariate nur sehr beschränkt sein, da die große Masse der jüdischen Arbeiterschaft außerhalb der .kommunistischen Bewegung stand. Die Wirkung dieser Kommissariate war nur in moralische j Hinsicht von Bedeutung. Die jüdischen. Massen erfuhren dadurch, daß die Räteregierung ihre spezifischen Bedürfnisse zu befriedigen' bereit ist und zu diesem Zweckt» ein besonderes Organ geschaffen hat. Eine ebensolche moralische Bedeutung ist der Bildung, der besonderen jüdischen; kommunistischen Sektionen zuzuschreiben. Die Tatsache, daß bei der kommunistischen Partei ein zentrales Bureau besteht, welches die Arbeit der jüdischen Masse führt, ist nicht ohne Wirkung geblieben. Viel hat auch die kommunistische Literatur, die in jüdisch«!' Sprache zum erstenmale in den Ausgaben der J. K. P. v.u. erscheinen beganÄ, gewirkt. Litauen xxnd Polen waren durch die ganze Zeit vok Räte-Rußland getrennt. In Weiß-Rußland Zeichnete sich 'da«' politische Leben nie durch besondere Lebhaftigkeit aus. Anders gestaltete* sich die politische Lage in der Ukraina iJer' "Umstutfz vom 25. Oktober, der die' zentrale, Petrograder Regierung gestürzt hat, führte in der. Ukraina die nationalistische, ukrainische Zentrale „Badu" zur Herrschail, die aber (bald durch eine Räteregierung abgelöst wurde. Die jüdsch-sozialistischen Gruppen waren in.dem Kämpfte, jeh^ seits der Barrikaden, indem sie die „Raäa" unterstützt haben. Teilweise war das eine Konsequenz ihrer allgemeinen politischen Einstellung, da sie die Möglichkeit einer baldigen 'sozialen ^Revolution bestritten hatten und feine Koalition mit den kleinbürgerlichen Elementeft ähgestföbt höiben, * teilweise aber war es eine « Folge ihrer, nationalistlsöhen Tendenzen. In der Ukraina ecilte, — auf Öruhd eines Abkommens zwisohen den ukrainischen, und jüdischen, »kleinbürgerlichen Sozialisten — der alte' Träuih der lüdi^oheh Sozialismen, die jüdische nationale Autöribmie, mit jüdisches. Kultusgemeinden, einem jüdischen Ministerium und mit der Aussicht auf eine jüdische Nationalversammlung verwirklicht werden. Die „Demokratie" feierte hier ihren vollständigen Sieg. Die Bolschewiken sollten diese frieäiiche kleinbürgerliche Idylle zerstören. Das war für die rechten, Sozialisten ein ernstes Argument mehr gegen die proletarisch.» Diktatur- Die jüdischen: Sozialisten saßen in cter Zeulral- Rada, nahmen In ihrem Ministerium teil, die Verantwortung für ihre ganze Politik, die die Vernichtung der proletarischen BewegWg bedeutete, mittragend. Schon das Jahr 1918 brachte den jüdischen Massen eine gro-ße Enttäuschung. Die berühmte ukrainische „Demokratie" hat sich als öenr chauvinistisch und sogar antiseral- ■ tisch gezeigt. Einzelne Pogrome haben bereits im November 1917 stattgefunden. Die Proklamierung der selbständigen Ukraina war gleichbedeutend einem Bruche mit der russischen Revolution und der Preisgabe der Ukraina an den deutschen^. Imperialismus. Den Sieg hat die reaktionäre öitejn. Sie scheuten sich nicht, all die Märchen und Lugen, über den Terrorismus der Sowjetrepublik dem Parteitage aufzutischen, den Terrorismus, dernichts anderes ist, als die Abwehr gegen den Versuch der Konterrevolution, den Arbeitern Rußlands Wieder das Joch aufzuerlegen. Sie suchten . die Unabhängigen Mitgliedschaften von dem Anschluß zurückzuhalten, indem sie an ihre sogenannte Parteiehre appellierten, andern sie ihnen erklärten, wie könne die UnaDhängige Sozialdemokratie derselben Kommunistischen Internationale beitreten, die die Unabhängigen als Verräter des Proletariats geißelt. Die Parteiehre der Herreh, die während des Krieges bis zum letzten Augenblick die Einheit, mit den Scheidemännern verteidigten, die nach Ausbruch der -Revolution zusammen mit dten Scheidemännern das Proletariat zu überreden sachten, der Bourgeoisie die Macht zurückzugeben,' die mit allen Mittein das Proletariat von dem Wege des Kampfes um die Diktatur zurückzuhalten versuchten, die Ehre der Führer des rechten Flügels der Unabhängigen ist nicht die Ehre der revolutionären Unabhängigen Arbeiter. Diese Arbeiter können lür sich die große historische Ehre in Anspruch nehmen, daß sie entgegen allen Verwirrüngsversuchen der Führer den Weg des Kampfes gefunden haben,-daß sie heute aus eigener Einsicht, aus der mit eigener Mühe errungenen Klarheit dort stehen, wo sie stehen, aul dem Boden der Dritten Internationale. Nichts trennt diese von ihr. Nichts trennt die Kommunistische Internationale von ihnen, sie gehören zueinander. Wo die Verleumdung, wo der Appell an die Parteiehre versagte, da suchten die Hilterding die \Parteimitgliedschaflen, durch angeblieh revolutionäre Argumente zurückzuhalten. Sie erklärten, die Entscheidung der .Weiltrevohition wird dort lallen, wo das Weltkapital am stärksten ist, im Westen. Dort entscheiden sich . auch die Geschicke Sowjetrußlands. Wenn wir Sowjetrußland hellen wollen und wir die Weltrevolution weiterführen wollen, dann müssen wir uns vorerst mit den sozialistischen Parteien! des Westens verständigen, sie auf den gemeinsamen revolutionären Boden bringen, und dann wird erst eine revolutionäre ^Internationale entstehen — riefen sie den Arbeitern zu. So viele Gedanken und so viele Worte, so viel Schwindel und äatrug. Jawohl, die Entscheidung über die Geschicke der Weltrevolution wird nicht 8a Rußland fallen, wo nur die ersten Vorposten des internationalen Proletariats kämpfest, sie,-wird endgültig im Westen fallen, und es ist die Aufgabe der revolutionären Elemente dt;j Proletariats, den Westen im revolutionären Sinne zu beeL'i- Hussen. Aber eine Frage sei erlaubt: wer übt den größeren Einfluß im revolutionären Sinne auf die Proletarier des Westens aus, Herr Hilferding, wenn er sich im Kursaale, von Luzern mit den französischen schwankenden Elementen hinter einen Tisch zum Schmus setzt — zur rechten Hand den blutigen Wels, zur linken Hand den blutigen Zeretelli r~ oder die Sowjetrepublik, die seit zwei Jahren den Kamp! um den Sozialismus nicht in Worten, sondern mit Taten führte, für jedes ihrer Worte mit Blut einstehend. Das kann den Unabhängigen Arbeitern derselbe Roman erzählen, den jetzt dde „Freiheit" abdruckt, der „Jjmmie Higains'' S:nclairs, in dem der arme ausgebeutete amerikanische Arbeiter sich beim Anblick des heroischen Kampfes des russischen Proletariats aufrichtet und aus diesem Anblick die Entschlossenheit schöpft, auf Leben und Tod für die Ideale seiner Klasse zu kämpfen. Jimmie Higglns hat von Heldentaten der Hilferding nichts gehört; aber durch den Nebel der Verleumdung der Trustpresse erfuhr er, wie und warum die russischen Arbeiter kämpfen. Und die französischen sozialistischen Arbeiter haben trotz des Verleumdungsfeldzuges der französischen Rentierpresse in ihrem revolutionären "Instinkt den Weg zu Sowjetrußland gefunden, und wenn sie heute noch formell der Dritten Internationale nicht angehören, so zogen sie doch schon uriterHhrer Fahne in den Kampf gegen ihre Bourgeoisie. In England sammeln sich die Arbeiter zum Kampf gegen den siegreichen englischen Imperialismus unter der .Losung: Hände weg von Sowjetrußland, und so zeigt sich die Kommunistische Internationale als der Odem der wachsenden Arbeiterrevolution selbst in den Ländern, wo die Hillerding es bisher zu verhindern Wußten, daß die sozialistischen Parteien sich ihr anschließen. Wehn Rudoll Hilferding auf der Parteikonferenz der Unabhängigen im Okotbber erklärte, man wisse nicht, ob Sowjetrußländ nicht fällt, man solle anwarfen und sich nicht mit einem sinkenden Schiffe verDinden. so wird jeder ehrliche UnaDhängige Arbeiter sagen, daß so nur ein Schieber der Revolution sprechen kann, ein Konj-unkturspekuiant. Eoen weil Sowjehjußland, die erste kämpfende Rote Armee, sich in Gefahr befindet, so gilt es, durch diesen Anschluß die Arbeiter des Westens zum Kampfe gegen ihre Bourgeoisie, zur Stärkung der Solidarität mit Sowjetrußländ anzufeuern. Die Dritte internationale ist nicht Sowjetrußländ. Die Kommunistische Internationale ist de?- sich langsam in allen Ländern durchsetzende erstarkende, wachsende revolutionäre Kampf aller Unterdrückten gegen das WeKkapital. Die Arbeiter Rußlands sind dje Vorhut dieses kämpfenden Weltproletariats, ihre Niederlage würde kein Ende der Kommunistischen Internationale bilden; aber sie würde den' Sieg des Weltproletariats verzögern. Darum nicht warten, sondern zur Hilfe eilen! heißt es für jeden, der die Worte der Weltrevolution nicht dazu in den Mund nimmt, um sein Schwanken zwischen der Konterrevolution und der Revolution zu verdecken. Nun, der Parteitag der Unabhängigen hat seine Solidarität mit der ^Dritten Internationale beschlossen, hat beschlossen, ihr in jedem Falle beizutreten; aber gleichzeitig hat er beschlossen, durch Verhandlungen mit den anderen' sozialistischen Parteien zu versuchen, sie gleichfalls zum Anschluß zu bewegen. Wenn die Führer der Unabhängigen Sozialdemokratie den Beschluß des Parteitages ehrlich ausfahren wollen, d. h. wenn ■> sie die Verhandlungen mit den westeuropäischen sozialistisclien. Parteien. — in Wirklichkeit kömmt es jetzt praktisch nur auf die französische sozialistische Partei an — nicht zur Verschleppung des Anschlusses an die Dritte Internationale benutzen wollen, sondern wenn sie es für ihre Aufgabe halten, den schwankenden Elementen des französischen Sozialismus, wie Longuet, die Notwendigkeit dieses Anschlusses zu beweisen, so ist dieser Beschluß nur zu begrüßen; aber wir befürchten, daß der Einfluß der rechten Führer noch groß genug sein wird, um monatelang die Ausführung der Resolution des Kongresses zu hintertreiben. Es hängt von den Unabhängigen Arbeitern ab, ob sie sich geschlossen hinter die linken Unabhängigen, hinter Däumig, Stöcker, Braß und Geyer stellen,, c' sie den Intriguen des alten bankerotten Führerfcums Paro^ bieten, ob siey kurz gesagt, die Herren im eigenen Hause sein werden. Jedenfalls ist die Situation jetzt vpllkommen Ida . Die Unabhängige Arbeiterschaft hat sich für die Dritte 'Internationale ausgesprochen, * wie sie sich für die proletarische Diktatur ausgesprochen hat. Wenn der formelle Anschluß an die Dritte Internationale nicht bald erfolgt, so wird dies Hildas Resultat der Tatsache sein, daß in der Leitung der Unabhängiaen Partei, in ihren lokalen Organisatonen und iurer Presse Leute sitzen, die gegen den revolutionären Wulm d<tc Parteimitgliedschaften arbeiten. (Schluß folgt.)

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