Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 23 (5.6.1920)
- Date
- 1920-06-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 FREIE TRIBÜNE beiterrat fordert die gesamte Ärbeitersdraft auf, auch den Schteidrfiandel-mit Waffen und KfiegSgeffit nach Polen und Ungarn zu bekämpfen und zu verhindern. Der Reichsar beiterrat erkennt die Bemühungen - des ReichsvollÄugsaussdiusses um di« Verhinderung der Watfentransporte nach Polen an und; fordert den neu zu wählenden Reichsvoll2ugsausschtiB auf, diese im Interesse der .proletarischen Revolution ge'egenen Bemühungen mit ungeschwächter Energie fortzusetzen. In Erwägung, daß Deutschösterreich gemäß dem Friedensvertrag binnen drei Monaten nach der "Ratifi. ierung des Vertrages alles Kiiegsgerät an die Entente abliefe™ soll, beauftragt der Reichisarbeiterrat den Relchsvollzugsausscbui), jetzt schon alle proletarischen Parteien in Frankreich, Großbritannien, Italien und den Vereinigten Staaten auf die Gefahren aufmerksam zu machen, daß diese Mächte das Kriegsgerät zum Kampfe gegen Sowjetrußland benützen. Der Reichsr'jrneitenat verlangt, daß oie normalen diplomatischen und wirtschaftlichen Begehungen mit Rußland so schnell als möglich wiederhergestellt werden-, daß die Heimkehr unserer Kriegsgefangenen aus Sowjetrußland durch direkte Verhandlungen mit der Sowjetregierung beschleunigt wrd, und fordert die proletarischen Genossenschaften auf, ihre Bemühungen um die Anknüpfung von Handelsbeziehungen mit Rußland mit größler Energie tortzusetzen. Der Reiehsarbeitenat'protestiert gegen das Wüten der ungarischen Konterrevolution, die nicht nur das ungarische Proletariat entrechtet und; mordet, sondern auch die Freiheit und den Frieden des aroeitenden Volkes Deutschösterreichs bedroht. Sobald die Internationale Gewerkschattsxentrale den Boykott über Horlhy-Lng irn verhängt haben wird, ist er mit aller Kraft durchzuführen. Der Reichsarbeiterrat fordert die Befreiung und, unbeschadet des Selbstbesümmungsrechtes Deutschwestungarns, schon'vor der vorzunehmenden Volks- ' abstimmung das energische Eingreifen der deutschösterreichischen Regieruna zum Schutz aller Opfer der ungarischen Konterrevolution in dem uns durch den Friedensvertrag zugesprochenen Lande Der Reichisarbeiterrat fordert, daß das Äuslieferungsbegehren gegen die flüchtigen Revolutionäre aus Ungarn und Bayern endlich abgewiesen werde und zugleich die noch internierten Revolutionäre auf freien Fuß gesetzt werden.. Der Reichsarbeiterrat protestiert gegen die Rüstungen der Konterrevolution in Deutschösterreich selbst. Er stellt fest, daß reaktionäre Klüngel unter passiver oder aktiver Teilnahme christlichso..i.i!er und deutschnationaler Landesregierungsmitglieder in offenkundiger Verbindung teils mit der ungarischen, teils mit der bayrischen Konterrevolution in völliger A\ißschtung der Bestimmungen des Friedensvertrages Heitnwehren organisieren und Bürger und Bauern gegen die Arbeiter mit Kampfmitteln aller Art bewaffnen. Der Reichsarbeiterrat stellt weiter fest, daß die Vertreter der kapitalistischen Westmächte,, die gegen jede Arbeiterwehr als gegen eine Verletzung des Friedensvertrages protestieren, gegen die Bewaffnung der Bourgeoisie und der Bauernschaft keine Einwendung erheben. Angesichts dieser Tatsachen erklärt der Reichsarbeiterrät: Die Bestimmung des Friedensvertrages, die Deutschösterreich die Volksabstimmung verbietet, * kann nur allgemein oder gar nicht durchgeführt werden. Die deutschösterreichische Arbeiterschaft kann den Schutz der Republik der Wehrmacht, zu deren republikanischem Geist das Proletariat volles Vertrauen hat, überlassen, wenn auch Ungarn zur Abrüstung verhalten wird und wenn auch die Bourgeoisie und die Bauernschaft Deutschösterreichs entwaffnet wird. Wenn aber die ungarische Konterrevolution gegen Deutschösterreich rüstet und in Deutschösterreich selbst die Reaktion si-h bewaffnet, dann ist auch die Arbeiterklasse Deutschösterreichs gezwungen, Heimwehren aus verläßlichen Republikanern zu organisieren. Zur Sicherung der Republik gegen die Bedrohung durch die Konterrevolution fordert der Reichsarbeiterrat die Demokratisierung der Verwaltung, ohne die keine Verfassungsreform zugelassen werden kamn, die Entfernung von Bürokraten, die .die republikanische Verwaltung offenkundig sabotieren, die Kpmmunalisierung der Polizei und die Besetzung alier freien oder freiwerdenden Posten von der Polizei und. Gendarmerie mit klassenbewußten Arbeitern. Das Gesetz über die Vermögensabgabe darf keinesfalls hinter den bereits vorliegenden A\inderheitsanträgen der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion "zurückbleiben Der -Reichsarbeiterrat fordert, daß (\te proletarischen Vertrauensmänner in der Regierung demissionieren, sofern die Nationalversammlung die Vermögensabgabe dieser Mindestbedingungen nicht vor . dem Beginn' der Somraerferien zum Gesetz'erhebt. Folgender Antrag Freys wird als Zusatz beschlossen: Da die Bauerndirrchwegs bewaffnec sind und nun die Bourgeoisie in TiröL Kärnten und in den anderen Älpenländern ünter der Führung Chi istüchsozi der und deutschnflionaler LandesregierungsmUglieder aller reaktionären Elemente offen in Hebnwehren orgmisiert und mit Gewehren, H&ndgrana en, Maschinengewehren, Geschützen bew.iifnet, schließ ich mit Rücksicht darauf, daß die deutsche Reaktion zum Staatsstreich rüste., fordert de* Reichsar beiterrat: In allen Orten haben die Arbeiterratc unveraiglich Heimwehren aus verläfi.'i:hen RepubJkanenn?u organisieren. Außerdem wurden folgende Anträge des Arbeiterrates Linz engenommen: Die wirtschaftliche und politische Lage Deutschösterreichs erfordert nicht nur die Orientierung nach Westen, sondern auch nach Osten Der Reu hsarbeiterrat wird deshalb aufgefordert, sofort eine Kommission einzusetzen, die I U V eLen f.»r oie Em endung euier Studienkommission II .Üi Uußiand ..ui treffen ha. Die Kommission hat sofort mit allen maßgebenden und in Betracht kommenden Körperschaften in Verbindung zu treten, um die Finanzierung, Pässe uiw. sicherzustellen. Der Reichsarbeiterrat beschließt die Aufstellung eines Reichswirtschoftsrates, bestehend aus Arbeitern aller Länder, Welcher die Aufgabe hat, sich bei den Landwirtschattsämtern den nötigen Einfluß zu verschiffen, um bei der Preisbildung" und Verteilung von Lebensmitten und Bedarfsartikeln mitzuwirken Insbesondere wäre es notwendig, eine einheitliche PreLfestieteung im gesamten Wir tschat tsgebiet für diese Artikel anzustreben. Der Keiohswktschaltsral hätte sich sofort zu konstituieren. Ebenso wurde nachstehender Antrag K 1 o i n 1 angenommen : Die Arbeiterschaft Deutschösteneiehs führt einen schweren Kampf für. ihre wirtschaftliche Besserstellung und ihre endlich errungene politische Freiheit. Die politische Umwälzung, welche die Zerschlagung der Vor. echte de? Adels und der Offuie.s"kastc gebracht hat, ist nooh nicht beende;; diese Kasten sind mit Eifer daran, ihre Vorrechte wiederherzustellen. Sie Denützen dazu die kapitalistischen Instinkte bürgerlicher Schichten dieses hartgeprüften Landes, aber auch durch politische Umtriebe, besonders in uen Lände n der Entente versuchen »sie dies zu erreichen. Diese Umtriebe bedeuten nicht auf eine Gefahr finden Frieden Deutschösterreichs, sondern sind auch geeignet, die Zukunft Mitteleuropas neuerdings von jenen Menschen abhängig zu machen, welchen allein die Schuld am Unglück Europas zaifällt Wir foidern deshalo die Arbeiter aller Länder auf, ihren Regierungen den Wil'en aüer Arbeiter Europas aufzuzeigen, der sein muß: Weder eine direkte noch indirekte Unterstützung darf jenen Kasten der unglücklichen Länder Mitteleuropas zur Wiedererringung ihre: 'politischen Macht geliehen werden, denn dies würde nicht nur die politische Umwälzung in Oesterreich fördern, sondern den »Frieden Europas neuerlich schwer gefährden. Die wdik Gefahr. Das Satyrspiel der den Bürgern und Bauern von. den Soziaddbmola-nteu aufgortrungenen« demokratisch-m Republik entwickelt sioh allgemach zur Tragödie. Die Österreichisch krotinistische Auffassung, daß eine Gefahr, die man nicht wahrnehmon will, nicht besteht, kann wohl angesichts der für jedermann greifbaren Tatsachen kaum mehr aufrechterhalten worden. Dir: Reaktion samm .lt sich innerhalb und außerhalb der rot-weiß-roten Grenzpfähle. Aus den mangelhaft' kontrollierte™ Waffenbcstäridon der Sa^hdemobilisieruiig werden große .Mengen von Gewehren, Hnndgranat-n, selbst Maschinengewehre gestohlen und zur Bewaffnung der Kärntner -und Tiroler Bürger- und Bauovngarden, zur Ausrüstung der sich jenseits der ungarischen Grenze sammelnden w^ißetn öst^rr.Mßhisclicn Ol'h'/ierslegionen verwendet. Für uns Komtnurdston sind di^se Nachrichten keine Neuigkeit. Seit vHen Monaten werden wir*nioht müde, auf die Rüstungen der Reaktion hinzuweisen und als einzig wirksame Gegenmaßnahme die Bewaffnung der Arbeiterschaft zu fordern.. Das entsetzliche ungarische Exempel der langsamen aber sicheren llihmordung einer wehrlos gemachten Arbeiterklasse, ließen uns im Falle eines sieghaften reaktionären Putsehes, das Schlimmste befürchten. Die vSozialdemokraten hatten aber' für alle von uns erhobenen Vorstellungen nur ein überlegenes Achselzucken und höhnten, die Kommunisten sehen überall wedße Mäuse. Nun die weißen Mäuse sind dank der TCqalitionsmeierei und Scheuklappentaktik unserer Regierungssozialisten groß und fett geworden und habon sieh über das ganze Land verbreitet. Auch jotzt noch scheuen die Sozialdemokraten vor der einzigen Maßnahme, die die Situation noch retten könnte, vor der Bewaffnung des-Proletariats zurück und versuchen die Gefahr durch salbungsvolle diplomatische Noten an die betyarische Mordregierung zu barmen. Dieses Vorgehen unseres sozialdemokratischen S'natsamtes dokumentiert so recht den geistigen Niedergang der Partei, die wohl" der marxistischen Gebärden und Deklamationen nicht müde wird, in der Tat aber das Gegenteil von dem übt, was sie predigt. Denn wenn alle Geschichte die Geschichte; von- Klassenkämpfen ist, welchen 'Sinn hat es dann, der sieh ihrer Stärke bewußten magyarischen Mörd««rbande gegenüber, diplomatische Saiten aut/uziahen iind offenkundige kriegerische Rüstungen und Anschlüge gegen die oHUrreidiische Republik, mit dem Anrufen irgendwelchen abstrakten Rechtes zu beantworten? Die österreichische Republik ist solange in Gefahr, als das ungarische Proletariat am Boden Uogt und die Monarchisten mit ihremganzen reaktionären Anhang hierzulande* und jenseits der Leitha v/ohigei'üstet dastehen. Die weiße Gefahr wächst riesengroß, wenn die Führer der ArbeitersohaH, statt ihre proletarische Pflicht und Schuldigkeit zu tun. in die Koulitionsfalte •.rohen, wo sie als Bundesgenossen der ehristUehso::iajon Monaj-chistenclique zur Duldung «iltor reaktionären Machensehaften geradezu gezwungen werden. Ganz onders stünde es um uns, wenn db Führer des österreichischen Proletariats, pochend auf die Macht der Arbeiterklasse, statt zu bitten, fordern körmtmi; wenn das Klassenbewußtsein das Staatsbewußtsein überwiegen würde. Wenn die Arbeiorpolitik von marxistischem Geis'e erfüllt wäre, dann müßte die " Gegen wartsgeschichte des österreichischen Proletariats den Klassenkampf gegen die wohlgerüsteten Herren von ehemalsher, die bourgeoison und agrarischen Ausbeuter , bedeuten. Möhren die Führer der Arboiierhch&ft von dieser. Erkenntnis durchdrungen wa vion, bevor die Massen' des Proletariats in desorganisieren chaotisenen Ausbrüchen unter schweren Opfern, reinen Tisch machen.!jenn was nw.h unser Soitie!^/il in der nächsten Zukunft sein mag, 'die makabre Dynastenclique und ihr uniformierter Klüngel ist zu ewiger Ruhe Destattet. Jeder Versuch zur Auferstehung müßte an der Selbstachtung des österreichischen Proletariats scheitern. Das überpazifistische Verneinen aller Wchrhaftlgkeit macht uns gerade in dem Augenblicke wehrlos, da der Imperialismus des Westens, der iTort,und die Quölle der Weltreaktion, seine Fangarme nach uns Lenin zur Frage des¬ Parlamentarismus. Einer der englischem Genossen, ein angesehener Führer der englischen Kommunisten, wandte sich an den Gen. Lenin mit einem Brief, der eine sehr klare Vonstellung von der Lage des Sozialismus in England gibt. In diesem Brief wird die Frage vom Verhalten der Kommunisten zum Parlament direkt gestellt. Gen. Lenin antwortete auf diesen Brief mit einer ausführlichen Darlegung des kommunistischen Standpunktes in dieser Frage. > Diese beiden Dokumente hat Gen. Lenin der Redaktion der „Kommunistischen Internationale" zur Verfügung gestellt. Die Redaktion. I. Teurer Genosse Lenin! Ich wäre glücklich, weiuPieh die Gelegenheit fände, Sie zu sprechen Ich sehe, daß unsere englische Arbeiterbewegung am übermässigen Hang zu.n Parlamentarismus und zu den lokalen (Gemeinde-) Wahlen zugrunde geht. Alle sind von dem Streben erfaßt, zu wählen und gewählt zu werden — wo ist da an sozialistische Arbeit zu denken; die sozialistische Propaganda wird zugunsten der Eroberung von Stimmen vernachlässigt. Und die Gewählten — was ist das für ein wohlanständiges, selbstgefälliges Volk! Avit welchem Wohlwollen blicken sie auf alle Verbrechen des kapitalistischen Regimes! Ich bin überzeugt, daß es unmöglich ist, eine revolutionäre Stimmung unter Leuten hervorzurufen, deren Gedanken einzig und allein auf den Wahlsieg gerichtet sind"— wenigstens ist das bei uns in England unmöglich; mit dem Herannahen der Wahlen verschwindet das Klassenbewußtsein. Man kann wohl mit Bestimmtheit die Behauptung aufstellen, daß eine Partei, die den Wahlsieg davongetragen, lür cien Sozialismus su existieren aufgehört hat. Wie es Ihnen bekannt ist, bestellen in England folgende Strömungen der Arbeiterbewegungen: 1. Der alte Führer der Trade-Union, der jeder , idealistischen Schwärmerei" und jedes Sozialismus bar ist 2. Der „Unabhängige'' (Mitqlied der Unabhängigen Arbeiterpartei, I. L. P.), der oft bürgeilich, oft ultrareligiös gestimmt ist. 3. Der „Britische Sozialist" (Mjtglied der B.-S. P.), der sich radikaler als die Unabhängigen hält, von kommunistische-n Gesichtspunkt aus aber nicht viel besser als die-;e isc. Die beiden letzten Typen sind'übermässig mit der Wahlkomöd e beschäftigt, und sind sie einmal Deputierte, so entfernen sie sich fest immer von der Arbeiterklasse li. Der „revolutionäre Syndikalist", der afte seine Hoffnungen auf die „direkte Aktion" setzt. Da* 1 -Tt das vielversprechende Element.' unter dem es so viele hervorragende Führer gibt, die dem Feinde gegenüber oft jene Unbarmherzigkeit offenbaren, die sich im A\omenc der Revolution als so wertvoll erweisen kann. Jedoch weisen sie oft geistige Hilflosigkeit in aliem auf. was über die Grenzen ihres Berufs bin<~ ausgeht, und sind außerdem nicht immer gute Organisatoren. Die russische Revolution hat äußerst verschiedenem! f die Vertreter der genannten Strömungen eingewirkt. Die Beamten deralten Trade-Unions sind in Unruhe geraten, während ihre Mitglieder den revolutionären Verbänden beigetreten sind. Ungefähr dasselbe läßt sich in Bezug auf die ■ Unabhängige Arbeiterpartei und die Britische Sozialistische Partei sagen". Was die revolutionären Syndikalisten anbetrifft, so erstreben sie eine gesellschaftliche Organisation, die sich auf .S.owjetprinzipien" gründet, von diesen Prinzipien jedoch haben sie eine äußerst dunkle Vorstellung. Sie verfolgen mit g o^er Aufmerksamkeit die Nachrichten aus Rußland. Ihrem Bestände nach sind es größtenteils Bergarbeiter und M'ascliinenbauarbeiter, obgleich in le: der Zeit unter ihnen auch Vertreter andere: Berufe zu finden sind. Die' revolutionären Syndikalisten verabscheuen die parlamentarische Tätigkeit und werden sich .nie mit einer Partei verbinden, die sich auf der Jagd nach Sitten im Parlament befindet Die.er Gruppe schließen sich die ArbeiLskomitees (Workers Comittees) und Fabrikälteste (Shop Stewards) an. * Weiter folgen: .;. Die „Sozialistische Arbeiterpartei" (S. L. P.), die zum Antiparlainentarismus neigte, während der letzten Wahlen jedoch dem allgemeinen Wahlfieber ver-iel, wodurch sie die revoluti:>nären Syndikalisten abgestoben hat, unter denen sie viele Anhänger zählte. b. Die „Soziulistische Arbeiterföderatiun" — eine engere und noch junge Organisation, die anfangs hauptsächlich aus Frauen bestand, gegenwärtig jedoch nicht weniger Männer in ihren Leihen hat Das ist vor allem die Partei der Armut, die jiquptsächlich nicht qoialifi derte Arbeiter vereinigt und ihren Generalstab in, Ost-London (East End)*) hat. obgleich in ihr auch Kontoristen und sogar cjniaHfinerte Arbeiter m linden -ind. Auf ihrer zu Pfingsten stiittgehudenen Konferenz oeschloß" diese Partei eine „kommunistische' :u werden, verlegte aber auf Anraten. einiger Genossen'die offizielle Umbenenuung der Partei zum Abschluß der Arbeiten, die die Schaffung'einer einheitlichen kommunistischen Partei aus den unter 3, f< ur^j o angeführten Organisationen und des (7) „Süd- Walles Soziaiistischen Vereins", in engen; Kontakt mit den reroiutionären Sundikalistai bezweckt. Viele sind überzeugt, daß letztere sich wohl kaum in der kommunistischen Partei *) Eines der ärmsten Vterlel von London. Die Red. werden einleben können, meiner Ansicht nach ist kein Grund zit solch einem Mißtrauen vorhanden. Wo;ii ich Ihnen die: alle; schreibe? Um Ihnen zu zeigen, wie sich die Frage des Parlamentarismus bei uns zuspitzt. Die Organisationen 3 und 5 setzen die Jagd nach den Kandidaturen fori und stoßen dadurch die Mitglieder der Organisationen % 6 und 7 ab. / Ich möchte sehr gern wissen, ob Sie sich davon Rerhenschaft ablegen, wie schwach bei uns das Klnsseabew.ßisein und wie stark das politische Intrigantentum entwicke'i Wir möchten von Ihnen ein Wort über den Parlamentarismus hören Die-; ist hier so nötig. Sie sollten diese; .so gewichtige Wort sprechen damit e; unsere Abkehr vom Reformismus beschleunigt Ihre Aeußerungen veranlassen un:v tatsächlich oile, die die Revolution wünschen, zum tieferen Nachdenken. Ich bin überzeugt, daß Sie wären SU unter uns, sagen würden: Alle Kräfte für die revolutionäre Aktion! Laßt die poetischen Maschinen stehen! Denn es gibt kein anderes Land, wo es den Arbeitern so schwe* fiele, sich von der politischen Maschine zu befreien, die sie an Händen und Füßen fesselt ' Ihr Ihnen aufrichtig eretebener ' (Unterschrift). London, 16. Juli 1919. P. S. Ich möchte hervorheben, daß unter den revoiutio-f nären Syndikalisten die Zahl derjenigen wächst, die nach der Revolution verlangen und nur auf. das Signal w^rlen, um zu beginnen. Doch wir können uns so schwer aufraffen. Wieviel hat die Welt Rußland zu verdanken! Sie werden sagen, daß Ihre Revolution durch den Gang der t-reigrtisse geschaffen worden ist Ja, aber Ihr heller Gedanke hnt viele Köpfe erleuchtet. Nur dank einer langen revolutionären Propaganda in Rußland war das Volk fähig, die geschaffene Lage auszunutzen. Wenn es nur gelingen könnte, alle diejenigen, die an die Revolution glauben, zu vereinigen, sie dem Wahlgetriebe zu entreißen und auf die revolutionäre Arbeit hin.nlenken! Außer der ' Propaganda brauchen wir Organisation Wir sind jetzt wie Kinder, die sich imWa'-de oder, in einem .unbekannte* Lande verirrt hüben. Wir müssen alle Winkel durchsuchen um im nütigeu Augenblick fähig zu sein, von unserer Macht Gebrauch zu machen. Wir werden alles tun, was in unseren Kräften steht, doch ein Brief oder ein Artikel von Ihnen würde uns in dieser Richtung sehr viel helfen Unsere Agjtatoreot sagen immer: „Nicht wir suchen Konflikte, sondern die Regierung schafft sie"— als od es eine Schande wäre, den Kapitalisten Unannehmlichkeiten zu bereiten letzt tut uns eine wirkliche Propaganda und Agitation not. II. Äntw/ortt des Genossen Lenin. Ihr Schreiben vom 1C> Juli 1919 habe ich erst ge lern erhalten Ich bin ihnen sehr dankoar für die informnti. nea über England und versuche Ihre bitte zu ereilen, d h. auf Ihre ' Fragen zu antworten.