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Freie Tribüne · 1920-05-28 · 22 (28.5.1920) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
22 (28.5.1920)
Date
1920-05-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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NR. 22 FREIE TRIBÜNE SEITE 3 daß man Kriegskredite bewilligen und das Vaterland verteidigen mußte. Nur die bolschewistische Richtung Lenin — Luxemburg konnte und wollte vom ersten Momente an nicht „verstehen", daß ein Sozialist das kapitalistische Vaterland, unter was für Vorwänden immer, nicht verteidigen darf. Sie, die Kommunisten, haben es begriffen, daß man vom marxistischen Standpunkte alles unternehmen, — den Klassenkampf führen, einen bewaffneten Aufstand vorbereiten, den Bürgerkrieg schüren — für keinen Fall aber das Proletariat eines gegen das Proletariat eines anderen Volkes zum Kampfe führen darf. Der Unterschied zwischen den marxistischen Zunftgelehrten und zwischen Lenin — Luxemburg beruhte darin, daßKautsky, Plechanow und Renner, Marx auf dasPiedestal einer Gottheit gehoben haben, und als seine „wahren" Propheten den in den Bruderkampf ziehenden Heeren ihrer Vaterländer einen Segenswunsch aus Marxens Gesetzestafeln mitgegeben, haben, währenddem Lenin und Luxemburg in Marx eine Richtung, eine Mer thode, eine Weltanschauung gesehen haben und wohl begründet. Daß das .Wesen der marxistischen Wertanschauung darin besteht, daß sie jeden Krieg, der von innerlich in Klassen gespaltenen Staaten geführt wirc£ als Ausdruck der Klasseninteressen der herrschenden Klasse betrachten; darum eben haben sie, die Bolschewiken, den Krieg verflucht und t^so hat jeder von ihnen sein „eigenes" Vaterland, die herrschenden Klassen seines „eigenen" Volkes verwünscht und bekämpft. Der Marxismus des marxistischen Zentrums entpuppte sich vor uns .als . . . Kriegsbegeisterung, später im besten Falle in cder Gestalt einer pazifistischen Formel: „Keine Sieger und keine Besiegten", als Kriegsnationalismus. Der Marxismus der Kommunisten Lenin-Luxemburg offen» barte sich nun als wirklicher . . . Internationalismus. Und bildet der Internationalismus der Inhalt der äußeren Politik der Kommunistischen Richtung, so ist und bleibt in ihrer inneren Politik-nur der Klassenkampf. '• Den wahren Wert der sozialen Reformen richtig einschätzend, weiß der Marxismus der Kommunisten Lenin-Luxemburg, daß nur die soziale Revolution imstande sein wird, die Klassendifferenzierung und tmit Ihr auch die Klassengegensätze aus der iWelt zu Schäften; keineswegs die bedeutenden Wirkungen der bürgerlich-demokratischen Entwicklung verkennend', vier« steht er es, daß erst durch die p r o 1 e t a r i s c h e D i k-' tatur die soziale Revolution möglich wird. Das faktische Kräfteverhältnis innerhalb der heutigen kapitalistischen Gesellschaft analysierend, gelangt er zum alten marxistischen Grundsätze, daß jede Regierungsform in ihrem Wesen . die Diktatur der herrschenden Klasse über alle anderen Klassen (der GeseliscnaU darstellt und daß diese Diktatur und mit ihr jede Staatsform nur dann abgeschafft werden ,'kann, wenn die Wirtschaftsordnung, die in der gesellschaftlichen Klassenteilung begründet ist, aus der Welt geschaffen wird. Der realen Wirklichkeit Rechnung tragend, kommen die Kommunisten zu der marxistischen Auffassung, daß die. kapitalistische Wirtschaftsordnung eigentlich unter der Maske der Gesetzlichkeit geführter Bürgerkrieg in Permanenz ist und daß die Bourgeoisie diesen Bürgerkrieg mit allen -Waffen führt, (die ihr der gesamte Staatsapparat zur' Verfügung stellt, wie Militär, Polizei, Bürokratie usw., und daß rdas Proletariat daher gezwungen ist, ob es will oder nicht, ob es uns genehm ist oder nicht, im offenen Bürgerkrieg die politische Macht zu ergreifen und auf diese Weise die alten, bürgerlichen Formen ,des Re- ■ gierungsapparates zu zerstören und .neue, proletarische Staatsformen zu bilden, die die Herrschaft der Arbeiterklasse befestigen und ihr die Macht geben sollen, die Gesellschaft auf solchen Grundlagen umzubauen, die jede Herrschaft und damit jede Staatsform!aüs der Welt schaffen. Den großen Einfluß des organisierten Proletariats der demokratischen Länder auf den Gang der Produkten, in Betracht ziehend, weiß er es, daß ein Gesetz eines bürgerlichen Parlamentes > unter gar keinen Verhältnissen die Macht haben kann, um die Sozialisierung der Produktion und die Kommunisierung des Gebrauches durchzuführen, kein Plan einer organisierten Wirtschaft imstande ist, die Bourgeoise zur freiwilligen Uebergabe oder zur Veräußerung der wirtschaftlichen Macht an die arbeitende Gesellschaft zu bewegen, und daß nur die rücksichtslose Enteignung "des gesamten Privateigentums die Grundlage für die sozialistische Wirtschaftsordnung schaffen kann. Während die kommunistische Richtung das Proletariat zum Kampfe um seine Tagesinteressen organisiert, warnt sie vor der gefährlichen Einbildung, als ob dadurch allein bereits die Erlösung kommen würde und bereitet es zum Kampfe um seine historischen Klassenyiteressen, um den Sozialismus, vor. Während sie alle brgerlich-demokratischen Möglichkeiten für den proletarischen Kampf ausnützt, schärft die kommunistische Richtung unaufhörlich der Arbeiterklasse ein, daß nur der kompromißlose Klassenkampf zum Ziele führen kann. Und was bei der kommunistischen Weltanschauung das Wesentliche ist . . . Sie betrachtet die Entwicklung nicht mechanisch; die Entwicklung ist ^für sie wohl —wie Marx es gelehrt hat —ein Gesetz, aber ein Gesetz, welches zum großen Teile durch die arbeiten^ den Volksmassen geschrieben wird. Sie macht daher das Proletariat nicht zum taktlosen Beobachter, £ie bereitet ihn vielmehr unaufhörlich zur Tat vor und macht ihn auf diese Art zum aktiven Träger der geschichtlichen Entwicklung. \ Nach den Progromen in Jerusalem. Die Sozialistische Arbeiterpartei Palästinas (Poale Zion) hat unmittelbar nach den Pogromen folgenden Aufruf erlassen: / Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! An die jüdischen Arbeiter in Palästina! Genossen! Die letzten blutigen Ereignisse in Jerusalem, die noch immer die jüdische Siedlung in Palästina, bedrohen, haben uns die schrecklichen Folgen offenbart, welche die volksfremde Abenteurerpolitik' ^unserer „Führer" zeitigt, die in unserem Namen* dieselben „Wohltäter" um - Gnadengaben anflehen, deren ganzes Bestreben auf die. Verhetzung eines Teiles der friedlichen Bevölkerung gegen den aideren gerichtet ist, um beide nachher umso leichter ins Joch spannen zu können. In diesem Augenblick, da, die Grundlage. - unserer Existenz im Lande gefährdet ist, ist es unsere Pflicht, die Pflicht der jüdischen revolutionären Arbeiter, laut unsere Anklage zu erheben. ,' Wir klagen an! Aber nicht nur die blutrünstige englische Bestie, die mit ihren Krallen die besten Söhne Irlands zerrissen hat, deren Tatzen die Freiheit Indiens und Aegyptens erdrosselt haben, die Millionen von Kindern und Frauen des heldenmütig kampfenden Sowjet-Rußlands das Leben geraubt "hat und jetzt sich in unserem Blute badet! Auch gegen ihre Helfershelfer, die jüdischen N o t a b e 1 n aller Art, die ganz gut gewußt haben, in welchen Abgrund ihre Bittgänge zu den Mächtigen dieser Welt führen müssen, erheben wir unsere Anklage! Eine grausame Lehre ist uns zu „Das haben sie mit Absicht getan ... mit Absicht... wir wissen... sie sind Union-Leute! ... verfluchte Union- Leute r« „Der ist Gott die Seele schuldig," rief' eisier von Tomsons Angestellten und deutete mit dem Finger auf den „Meinen Bundist", der die ganze Zeit regungslos, mit totblassem Gesicht und glänzenden, verwundert-erschrockenen Aeuglein dastand, „es ist einer vo,i dliesen zweien, ich kenne die Sorte..." „Er sagt doch selbst, daß er es..." wies man auf Charles. „Komm her, mein Junge," wendete sich der Kommissär zu Beni, „erzähle die Wahrheit, diir wird nichts geschehen, wir wissen, daß du unschuldig bist." „INun sprich, sei ein braves Kind!" Der Poü'z'eäkommissär legte ihm väterlich die Hand auf die Schulter. Beni schwieg. Beni zuckte - zurück. „Ich weiß nichts, ich bin gefallen... Die Zwei habei mich aufgefangen..." Er warf sich plötzlich zur Erde und begann laut zu schluchzen. .. Schließlich ließ man uns laufen, es fehlten die Beweise, uns des absichtlichen Mordes zu beschuldigen. Es war klar, der Tod von Charles Globek war ein Zufall — ein unglücklicher, bedauerlicher Zufall... „Jedenfalls habt ihr hier nichts mehr zu suchen. Leute, die vielleicht ab3ichtlich gemordet haben, beschäftige ich1 nicht," sagte mit verhaltener Feindschaft Williams. Ohne zu erwidern, nahmen wir unsere Werkzeuge und Kleider und traten auf die Gasse. Wir gingen still, ich und Charles voran, Beni blieb die ganze-Zeit hinter uns. Wfr blickten oft nach ihm zurück; es schien uns, daß er bald umkehren und alles gestehen könnte. Er hätte das auch .getan, wenn es seine Sünde wäre. Er ging mit gesenktem Kopfe und unsicheren, schwankenden Schritten, wie ein Mensch, dem man plötzlich eine schwere, drückende Last aufgelegt. Als wir uns schon von Tomsons Haus weit entfernt hatten, holte uns der Russe, der Piqiuet-Mann, ein. Erstellte keine Fragen — wußte wahrscheinlich schon alles. Seine Züge und Bewegungen waren -gemessen und ruhig wie Immer, er wart nur auf Beni von Zeit zu Zfl&t besorgte Blicke. - % „Tretet ein!" Er blieb plötzlich vor einem „Salon" stehen. Keiner von uns wunderte sich über die Einladung. Wir traten ein. Schweigend tranken wir unser Bier. Es herrschte eine schwere, drückende Stimmung und nur vereinzelte Worte Wurden von Zeit zu Zeit gewechselt. Der flachshaarige Russe hatte sich zum „kleinen Bundist" herabgebeugt und redete auf ihn still, weich und überzeugend ein. Beni schwieg. Von seinem Gesicht war die irühere Blässe nicht gewichen. Der Russe fuhr ihm zärtlich mit der Hand über den Rücken.. Ich hörte, wie er zu ihm sagte: „Es muß 'so sein... lern rubiat — schtschepki letiat..." „Oh", schrie Beni bitter, ,,,war das nur ein Splitter'?" Er warf auf uns einen zornigen Blick, es traten ihm wieder Tränen in die Augen. „Laß ihn", brummte Charles — „was hast Du ihm gesagt?" Der Russe schwieg. Der Amerikaner sagte zu mir: „Nichts besonderes... ein russisches Sprichwort: Wenn man einen Wald fällt, fliegen Splitter." „Äh! Das ist gut... Das ist wahr!..." sagte mit harter Ueberzeugung Charles Hexton. Keiner von uns erwiderte. Der „kleine Bundist" ließ den Kopf auf die Tischplatte fallen und saß so still da, nur ein schwaches Zittern lief über seine Schultern. Der Russei wurde nachdenklich und vergaß uns scheinbar. Charles Hexton saß aufrecht da und schaute mit seinen harten, dunkelglühenden Augen auf die Wand. Draußen begann es wieder dicht zu schneien. Ueber Gasse lag ein trüber, kalter Nebel. Drinnen, im Salon, wars warm — es wogte um uns ein übelriechender, grauer Dunst. Ich sah den „Splitter", wie er im großen Saal stand und klagend stammelt: „Ein krankes Weib... six tschild..." Alle lachen: „Der dumme .Grünhorn' weiß nicht einmal, daß .tschild' falsch ist, daß es .chikjren« heißt! Ein komisches Individuum ... jetzt ist sein Weib ohne Mantel geblieben ... bloß mit den ,six tschild"'. Mir wurde kalt, ich goß in einem Zuge ein Glas Bier hinunter. In meinem Kopfe wirbelte es vor Aufregung, Hunger und Trunkenheit. Ich bog mich zum Russen hinüber. „Six tschild", raunte ich ihm still ins Ohr. Er warf auf mich einen eigenartigen Blick und erwiderte nichts. (Schluß.) Teil worden und es ist an der Zeit, sfch\ Rechnung darüber zu geben, was unsererseits geschehen ist, um die schrecklichen Pogrome zu verhüten. Für jeden judischen Arbeiter, insbesondere aber für diejenigen, die sich des Vertrauens der Arbeiterschaft erfreut haben, für die „Arbeitervorsteher" mußte es klar sejrt, daß ein sozialistisches Palästina nicht durch! Deklaraticnen ausgerichtet wird, daß vielmehr der Grundstein für eine freie Arbeitergesellschaft im' Lande nur durch gemeinsame Arbeit mit den arabischen Volksmassen im Wege einer Verständigung, durch Aufklärung, daß unsere Interessen in keinem; Gegensatze zu den ihren stehen, gelegt werden kann. i Wir klagen sie an, diese „unsere Führer", daß sie im Laufe vieler Jahre den jüdischen Arbeiter bei der Erfüllung dieser Pflicht gegen sich selbst und die Proletarierbrüder — die arabischen Arbeifer — ge^ hindert haben. Bewußt und systematisch haben sie in den Geistern der jüdischen Arbeiter das Gift des chauvinistischen Hasses gegen den unkultivierten arabischen Fellachen verbreitet, und haben gegen die ärmstem! der Armen einen Konkurrenzkampf geführt. Wir klagen sie an, weil sie anstatt die gesunde" politische Vernunft und das sozialistische Bewußt^ sein der Arbeiterschaft zu wecken, sich bestrebt haben, sie in den Sumpf einer alljüdischen Politik zu verschJep-; pen und ihnen „nationale Sendung" gepredigt haben. \ Jetzt haben wir die Früchte ihrer Arbeit erlebt. Die rückständigen arabischen Massen, von der engli-' sehen Regierung, - ihren Großgrundbesitzern und der chauvinistischen Intelligenz aufgehetzt, haben für den kulturellen Boykott, den w^r über sie verhängt haben, blutige Rache genommen. Aber dieser Zustand darf für keinen Fall länger andauern! Einmal für allemal müssen wir mit denjenigen brechen, die durch ihre verruchte Politik zu diesem blutigen Zusammenstoße geführt haben. Wir müssen gegen die imperialistischen Räuber, die diese Ereignisse hervorgerufen haben, einen offenen Kampf aufnehmen. Wir müssen unsere Arbeiterführer zwingen uns zu folgen und nicht die alljüdischen „Majofes-tänze" mitzumachen. - Wir haben einen einzigen Weg vor uns: Den Weg, der den Arbeiter zu seiner sozialen Befreiung! führt, den Weg des revolutionären Kampfes gegen die internationale Bourgeoisie, und gegen ihren Beschützer, das internationale Junkertum. .' V.. < Unerschütterlich und entschlossen stellen wir uns dem aufgehetzten Pöbel entgegen, bereit unser Leben und das Leben unserer Nächsten gegen jeden verbrecherischen Ueberfall« zu! verteidigen. | ✓ Die Pogromwelle wird aber bald vorbei sein, verschwinden wird der Rausch derjenigen, die man inj wilde Bestien zu verwandeln versucht hat und dann ist es unsere Pflicht an den arabischen Arbeiter heranzutreten, sein Bewußtsein wach zu rufen, ihn zum re^ volutionären Kampfe aufzufordern und mit ihm zusammen denjenigen, die uns erdrosseln wollen ein „Hände weg" entgegen zu schleudern. Wir müssen eine festgeschlossene Einheit 'werden, -ein starkes Glied des! revolutionären Proletariates, das siegreich auf dem Wege zur freien sozialistischen Gesellschaft fortschreitet. Fester wie immer müssen wir jetzt die revclü&iären Kader sammeln und unseren Ruf erschaillen lassen: Proletarier aller Länder ver eini g t Euch! Nieder; mit den imperialistischen Mördern! Nieder mit der vo 1 ksverratenden Bourgeoisie! Es lebe das allweltliche Proletariat! Es lebe die^soziale Revolution!1 Aus der ungarischen Hölle. Die scheußlichen bestialischen Gewaltakte, welche die ungarischen Mordgardisten täglich an wehrlosen Arbeitern und Juden verüben, übertreffenalle Qualen und Martern, welche die Dante'sche Phantasie in der Hölle wähnt. Der Pressebericht meldet fürchterliche Details: Karl Friedmann war Beamter der GasglühÜcht-Aktiengesellschaft. Ueber Anzeige des Direktors Fazekas wurde er von den Brachialoffuieren verhaftet. Da bei seiner Leibesvisitation kein Bargeld vorgefunden wurde, wurde, er freigelassen, jedoch unter ständiger Beaufsichtigung gehalten. Als das 0|fiziersdetachement durch eine Denunziation erfuhr, daß Friedmann 300.000 Kronen bei sich trage, wurde er neuerdings in Haft genommen und sollte nach Halm-asker gebracht werden. Aber Friedmann kam nicht nach Hajmasker, erstens weil er Jude war und zweitens weil er 300.000 Kronen besaß. Friedmann liegt bereits in dem neben' Hajmasker befind.ichen Wäldchen verscharrt. Sem Mörder ist der Oberleutnant Baghu, der schon eine Anzahl solcher Falle auf dem Gewissen hat. Oberarzt Dr. Stefan Bokor ist laut einer in der vorigen Woche in der „Neuen Freien Presse" erschienenen Todesanzeige „unter tragischen Umständen" verschieden Diese in den aus Ungarn stammenden Todesanzeigen der Budapester und Wiener Blätter jetzt so häufig wiederkehrende euphemistische Redewendung bedeutet im vorliegenden Falle des Dr. Stefan Eokor nichts anderes, als daß die Pronau-Gardisten einen .Raubzug nach Czegled unternommen und dort mehrere Juden meuchlings ermordeten. Zu den Opfern dieser Exkursion des Pronay-Detachements gehört auch Dr. Stefan Bokor, der den Krieg auf sämtlichen Schlachtfeldern mitgemacht und sämtliche Auszeichnungen vom Signum laudis bis zum Eisernen Kreuz erhalten hat. Vor sechs Monaten kehrte er aus italienischer Kriegsgefangenschaft zurück, um nun „unter tragischen Umständen aus dem Leben zu scheiden". Und jetzt wirdvon den weißen Terroristen auch auf den jüngeren Bruder des Dr. Bokor Jagd gemacht .... In Rbmy hat die Mannschaft der Nationalarmee gemeutert. Die Terrorgruppe des Ivan Hejjas, eines intimen; Freundes des Horthy, wurde auf Lastautos von Kecskemet nach Äbony gebracht. Die Hufständischen wurden entwaffnet und dann fiel die Hejjasbande über die Juden her. Sämtliche Juden wurden ausgeplündert. Frauen und Kinder wurden blutig gepeitscht. Das erste Opfer war der Präsident der Kultusgemeinde Julius Pinter. Dann kamen die übrigen Vorsteher an die Reihe. Jeder einzelne Jude wurde mit 25 Stockhieben bcJegt. Der Tempeldiener Rosenberg. liegt schwer krank darnieder. Der Zustand des Kaufmannes Samuel Csapo

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