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Freie Tribüne · 1920-05-15 · 20 (15.5.1920) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
20 (15.5.1920)
Date
1920-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Riv, oz FREIE TRIBÜNE SEITE 3 keute wieder nichts mehr, als der alte SpartakusbnnO. Aber nas sie ist, muß sie auch zu scheinen wagen. Sie muß die trügerische Hoffnung aufgeben, daß sich die „jinkou" Unabhängigen von dem rechten Flügel abspalten werden, tun Bich aus freien Stücken mit der K. P. zu vereinigen. Es gilt vielmehr die Verbindung mit der Parteimasse der U. S., nier Wahrung der vollen Aktionsfreiheit für den Spartakusbund, herzustellen, aas kommunistische Clement innerhalb der U. S. P. zu verstärken, den Einfluß der opportunistischen Führer auf die Unabhängige Arbeiterschaft zu brechen und diese Führer ati zwingen, dort hinauszuwandern, wohin sie eigentlich gehören: in die rechtssozialistische Partei. Diese Taktik würde durchaus den Traditionen de« Spartakusbundes aus der Kriegszeic entsprechen und sie ergibt sich mit zwingender Logik aus der üesamtsitur.tion der deutschen Arbeiterklasse. Auch Karl Jtiadek gibt in seiner Broschüre über die „Entwicklung der Weltrevolution" zu, daß die Formel des Gründuugskongrosses der kommunistischen Internationale, es sei unbedingt' erforderlich, die revolutionären Elemente vom „Zentrum^, (d. h. den „rechten" Unabhängigen)_abzuspalten, die Sache zu einfach nimmt nnd für Deutschland schon überholt ist. „Wir glauben, " ~ schreibt iiadek — dalj es sich, was die U. S. t\ angeht, aicht so weit darum handelt, die linken Elemente vom Zentrum abzusplittern, wie ihnen zu helfe n, die „rechten" Führer aus der Partei herauszudrängen, um so durch Einigung der beiden kommunistischen Heerhaufen des Proletariats eine große kommunistische Partei zu bilden-,* (10. Kapitel, Seite 52, der österr. Ausgabe:. Leider vergißt ßadek, »laß den linken Elementen noch nicht „geholfen" ist, wenn man die „rechten" Führer von außen her kritisiert. Solango die Kommunisten selbst aus der ü. S. P. „herausgedrängt" sind, wird es Urnen nie gelingen, den opportunistischen Flügel aus der Unabhängigen Partei herauszudrängen. Natürlich wäre die Absicht des Spartakusbundes, sich der U. S. P. zu nähern, ohne in ihr aufzugehen, ohne auf seine Bewegungsfreiheit, und selbständige revolutionäre Initiative zu verzichten, nicht nach dem Geschmack dei unabhängigen Parteiinstanzen. Sie würden sich ganz bestimmt gegen eine Vereinigung auf dieser Grundlage aas allen Kräften wehren. Aber gerade dadurch würden sie sich vor den breiten Schichten der unabhängigen Arbeiter demaskieren. Es müßte diesen letzteren klar werden, daß das •igenüiche Hindernis, welches der Bildung einer revolutionären Einheitsfront ün Wego steht, der rechte Flügol ihrer Partei ist und sie könnten dieses Hindernis in ihren Reihen aicht länger dulden. Schon die bloi3e Annäherung des flpartakusbundes an "die U. S. P. müßte also die inneren Gegensätze im Schöße dieser letzteren entfachen und die Position des opportunistischen Flügels erschüttern. Und wenn erst die kommunistischen Hechte in den unabhängigen Karpfenteich frei gelangen können, dann werden die „rechten" Führer unvermeidlich um den Rest ihres Einflusses kommen. — Ganz anderer Nafair sind die Differenzen! zwischen der JC. P, — Spartakusbund und der neu entstandenen K. A. P. D. Ihr Kernpunkt ist die Gewerkschaftsfrage. Und da will es uns scheinen, daß die Gewerkschaftstaktik beider Jüchiungen den Marxschen Anschauungen gleichermaßen widerspricht. Die erste Richtung will die Macht in den bestehenden Gewerkschaften erobern., indem sie den. Geist der «la**-gesammelten! Massen revolutioniert. Die Form der gewerkschaftlichen Organisation erscheint ihr dagegen als ganznebensächliche Frage. Sie übersieht dabei die Grundtehre des historischen Materialismus, daß das Bewußtsein «ler Menschen von ihrem Sein bestimmt wird, oder konkreter gesprochen, daß die Veränderungen in der Idelologie 4er Massen immer die Folge von Umwälzungen der gewÄlschaftlichen Verhältnisse sind, unter denen dieso Massen leben und wirken. Was aber von der Gesellschaft im allgemeinen gilt, das gilt nicht minder in Bezug auf die Gewerk- «chaften. Die „Form" der Organisation ist ja nur ein »n- Merer Ausdruck für die Marxsche Kategorie der gesell- «ahaftlichen „Verhältnisse". Wer die fundamentale Wirkung der Organisationsform auf den Tilassengeisfc leugnet, der verleugnet überhaupt die materialistische Geschichtsauffassung. 3s ist wahr, die Revoluöonierung der Gewerkschaften fet im wesentlichen eine Machtfrage. Aber alle großen: Machtkämpfe in der bisherigen Geschichte wurden in der äußeren Form von Verfassungskämpfen ausgetragen. Die Arbeiterschaft muß begreifen, daß es sich im Machtkampf innerhalb der Gewerkschaften nicht darum handelt, ob der kommunistische iiina oder uer sozialdemokratische Kunz in den Verbandsvorstand gewählt wird, nicht um einen Wechsel der Clique, welche über die Macht in der Gewerkschaft verfügt, sondern um die Aentleruiif; in der Machtstellung der organisierten Arbeiterschaftgegenüber den von ihr gewählten Organen, d. h. also Umformung der inneren gewerkschaftlichen Verfassung. Eine Uevolutionierung der Massenideologie, die in der blauen LuA der Versammlungsdebatten und Vereinsabstimmungen vollzogen wird, kann nie eine nachhaltige Wirkung haben. Dauerndes Gemeingut breiter. Arbeiterschichten kann sie nur werden, die geistige Umwälzung einen greifbaren Niederschlag iu neuen organisatorischen Einrichtungen findet, in welchen die Resultate der ideologischen Wandlung kristallisiert und versinnbildlicht erscheinen. Lnsoierne also nie „syndikalistischen" Kommunisten die Frage der Betriebsorganisation in den Vordergrund «teilen, sind sie vollkommen im Rechte. Ihr Fehler besteht aber darin, daß sie diese Betriebsorganisation nicht aus den Eingeweiden der Masse hervorgehen lassen wollen, als Produkt des Selbstbesümmungskampfes der organisierten Arbeiterschaft gegen die gewerkschaftliche Bürokratie, sondern sie als fertiges Produkt ihrer erfinderischen; Köpfe außerhalb der geschichtlich entstandenem Gewerkschaftsbewegung zu verwirklichen trachten. Den histotischen Prozeß eines gewerkschaftlichen Verfassongskarnpfes, in dessen Verlauf die Passivität der Masse überwunden, itir revolutionärer Drang entfaltet, ihre ganze Denkweise umgewälzt werden soll, diesen historischen Prozeß wollen die Laufenberg und Genossen einfach unterschlagen, indem bie un seine Stelle den individuellen Akt des Uebertritte;> von den „freien" Gewerkschaften in die „Allgemeinen Arbeitermiionen" setzen, wodurch den Arbeitern alle die unnützen Kämpfe und Anstrengungen in wohltätiger Weise erspart werden sollen. Zugegeben mußwerden, daß die Uinorganisiöruug der alten Gewerkschalten auf große Schwierigkeiten stoßen wird. Aber soweit es sich um Schwierigkeiton ökonomischer und technischer Natur handelt, welche mit bestimmten Berufszweigen zusammenhängen, konnten auch die patentierten „Allgemeinen Arbeiierunionen" dagegen nichts ausrichten. Soweit hingegen diese Schwierigkeiten auf den Widerstand der alten Gewerkschaftsführer berhhen, die ihre Machtstellung verteidigen werden, bedeutet die Gründung der „Arbeiteruiüonen" ein feiges Ausweichen vor dem Kampfe mit der gewerkschaftlichen Bürokratie und ist nicht weniger als revolutionär. Wir sehen, beide Richtungen führen in die Irre, wenn sie für sich selbst betrachtet werden. Die Revolutionierung der Massenideologio in den bestehenden Gewerkschaften, ohne Aendenuig ihrer Organisation, hätte keine dauernden Folgen. Die Bildung von Betriebsorganisationen außerhalb der Gewerkschaften, abseits vom großen Strome der geschichtlichen Arbeiterbewegung führt dagegen zur unhistorischen Eigenbrötelei. Es gibt aber ein Drittes, eine Formel, welche beide Bestrebungen harmonisch zusammenlassen könnte: Die Revolutionierung der Massenideologie vermittelst des Kampfes um die Verwandlung der bestehenden Gewerkschaften in Betriebsorganisafcionen. Die Umsetzung dieser Formel in die Praxis wird jahrelange angestrengte Arbeit erfordern, aber hur auf diesem Wege läßt sich die Einheit des Kommunismus herbeiführen. Die syndikalistischen Tendenzen können durch theoretische Polemik nicht beseitigt werden. Nur durch den praktischen Beweis, daß die Umformung der alten Gewerkschaften in Betriebsorganisationen möglich ist, wird der Syndikalismus überwunden werden. Und diesen praktischen Beweis zu erbringen ist die revolutionäre Aufgabe der K. P. D. Diese Gruppe nimmt zwischen den linken Unabhängigen und dem syndikalistischen Kommunisten eine zentrale Stellung ein. In; ihr verkörpert sich der revolutionäre Gehalt des Marxismus und sie allein kann zur Kristallisakionsachse einer verjüngten Arbeiterbewegung in Deutschland werden. Aber sie kann es nur werden, wenn sie das Klasseninteresse des gesamten Proletariats höher stellt «1» das Prestige der eigenen Partei, wenn in ihr die sektiererische Absonderungstendenz um das Prinzip „rein" zu erhalten, überwunden wird, durch ein Bestreben zur Sammlung der revolutionären Kräfte, wenn1 diese auch nicht gleich auf der Höbe der „reinen" Prinzipien stehen. Marx hat bekanntlich nach der 48er-Revolution mit allen Parteien and Gruppen1 jener Zeit rücksichtslos gebrochen, als es galt, in einer Periode des Stillstandes seinen eigenen Standpunkt klar herauszuarbeiten. Aber er hat keinen Augenblick gezögert, von der Höhe seiner Erkenntnis zu den Mttssen herabzusteigen, um die proletarischen Kräfte in der Internationalen Arbeiterassoziation zu sammeln. Die kommunistische Partei Deutschlands darf nicht marxistischer sein, als Marx. Wenn die praktischen Voraussetzungen der kommunistischen Einheit gegeben sind, möge sie nicht vergessen, daß von ihrer Einsicht und, Selbstlosigkeit die Zukunft der kommunistischen Internationale abhängt. RUNDSCHAU. Tagung des italienischen Partei Vorstandes. Am 18. April und den folgenden Tagen fand in Mailand eine Tagung des Vorstandes der italienischen sozialistischen Partei statt, auf der die nationalen und internationalen Kampfaufgaben der Partei besprochen und die prinzipiellen Beschlüsse der letzten Parteitage bekräftigt wurden. Den Bericht über die nationale Lage gab der Parteisekretär Gen. Gennari, der hervorhob, daß die Situation in Italien schon heute eine durchaus revolutionäre ist, woraus sich die Notwendigkeit ergibt, das italienische Proletariat zu einheitlichen Massenaktionen zusammenzufassen. Er sprach sodann über die Aufgaben der sozialistischen Kammergruppe und organisatorische Probleme. Ueber die titernationale Lage sprach ücn. Serrati, der Chefredakteur des „Avanti". Er betonte, daß die italienische Partei sich vorbehaltlos der dritten Internationale angeschlossen hat, unbeschadet der verschiedenen Aufgaben, die sich aus den verschiedenem Stadien des Kampfes für die russischen und die italienischen Genossen ergeben. Die italienische Partei weigert sich, den Bestrebungen der französischen Partei und der deutschen Unabhängigen zum „Wiederaufbau" der „Internationale" die Hand zu bieten. Das schließt nicht aus, dar) sie mit den Parteien, die sich zum Eintritt in die dritte Internatonale noch nicht entschließen konnten, Besprechungen pflegt, ohne von ihrem Standpunkt, der nur das Wirken innerhalb der Kommunistischen Internationale anerkennt, im geringsten abzurücken. Serrati ging dann auf die Organfcsattonsfragen der dritten Internationale ein, auf die Schwierigkeiten des Verkehrs mit der Moskauer Executive, auf die Schaffung der Unterbüros in Berlin und Wien, welch letzterem die Partei ebenfalls ihren Anschluß angemeldet habe. Er erinnerte an die Konferenz von Imola, die den Zweck hatte, die Schaffung und Förderung von Organisationen der dritten Internationale in den westeuropäischen Ländern vorzubereiten, die aber angesichts der ungeheuren Schwierigkeiten in diesen Ländern noch wenig leisten konnte. Auch die kürzüche internationale Zusammenkunft in Amsterdam hat keinen Fortschritt gebracht. Um so mehr sei es die Pflicht der italienischen Partei, alte Anstrengungen zu machen, damit die dritte Internationale in Westeuropa FuB fasse. Serrati sprach den Wunsch aus, daß den drei bestehenden Büros der Kommunistischen Internationale nicht noch ein viertes hinzugefügt werde, da die Gefahr der Zersplitterung der Bewegung naheliege, daß vielmehr die, russischen Genossen den Sitz für w» Zentralbüro bestimmen möchten, in das jede nationale Partei einen Vertreter zur Herstellung der Verbindung entsenden würde. Daran schließt sich -eine rege Diskussion. Als deren Ergebnis wurde ml. zirka Zweidrittelmehrheit die Resolution Cazzamalfi angenommen, in der der Parteileitung empfohlen wird, mit größter Energie an <fie* Leitung folgender Aufgaben zu gehen: 1. Sicherung eines Minimums von proletarischer Solidarität im internationalen Maßstäbe; 2. wirksames Zusammenarbeiten mit den Sektionen der dritten Internationale; 3. Aktion zur Zersetzung der militärischen Macht des bürgerlichen Staates und zur Vorbereitung der bewaffnete! Macht des Proletariats; 4. Verstärkung der Propaganda der kommunistischen Prinzipien unter den politisch weniger fortgeschrittenen Massen. Der Kommunismus ist — verglichen mit dem Kapitalismus — die höchste Form der Organisation der Arbeit, bei der die Arbeiter freiwillig bewußt, vereint alle Hilfsmittel der Wissenschaft anwenden. solchen Autonomie fordern sie die Freiheit der nationalen Erziehung, Gleichberechtigung aHerümgangsspraohen und proportioneile Tertretung nach Nationen in den geuehfebendon' und,' Verwaltungskörperschaffc © n. Das Proletariat verwirklicht auch seine» nationalen üojrderangen durch; den Klassenkampf; auch sie tragen po- JÄfe*ofaen Charakter, denn der moderne Staat ist allgemein; tfft* Instrument des nationalen Druckes. Obwohl die nationalen Forderungen anfänglich nur ▼oa den Proletariern der unterdrückten Nationen aufgestellt werden, finden sie doch allmählich auch die Unterstützung «tos Proletariats der herrschenden Nationen; denn nur duroh 4ie Freiheit nationaler Selbstbestimmung, duroh nationale Gleichberechtigung und Autonomie wird ein ruhiges Zutaimmenleben verschiedener Nationen ermöglich! und dio Entwicklung der Produktivkräfte von vielen Hemmnissen befe«K. Das jüdische Volk bildet infolge seiner Exterritorialemt i (Laüdlosigkeii, im weiteren Sinne Trennung von der Urproduktion) überall eine machtlose nationale Minorität; -während alle anderen Völker durch den Kapitalismus in wechselweise Abhängigkeit geraten, bleibt das jüdische Volk fct jeder Hinsicht abhängig, unfähig, auf die Umvölker ökonomischen Druck auszuüben. Darum sind die jüdischen ▼olksmassen so ganz machtlos der nationalen 'Konkurrenz gegenüber, nnd die nationalen Widersprüche der kapita- Ißtischen Ordnung haben ganz besondere, spezifische Anomalien in der wirtschaftlichen Entwicklung de3 Judentums lervorgerufen. Intensiver als irgendeine andere wird die jüdische Kleinbourgeoisie durch dio Konzentration der Produktion ruiniert; sobald aber die jüdischen Massen den Arbeitsmarkt betreten, treffen sie da auf die Konkurrenz «Per proletarischen nicht jüdischen Massen und die wichtigsten Produktionszweige finden sie besetzt durch die Proletarier der Umvölker. Durchaus eigenartig wirkt auf <las jüdische ökonomische Leben jene allgemeine Erscheinung innerhalb der ökonomischen Entwicklung, daß das konstante Kapital, die Produktion der Produktionsmittel, verhältnismäßig aul Kosten des variablen Kapitals, der Produktion der Getfrauchsmittel, steigt. Infolge dieses Gesetzes sind jene Produktionszweige die wichtigsten und fortgeschrittensten, die »nmittolbar der Urproduktion entspringen, mit ihr und mit iem Masch'.cnenbau verbünden sind. Di» wirtschaftlich» •ohwiche der jüdis;hea Massen läßt «e an *ü>se wichtigsten nnd unabhängigsten Produktionszweige nicht heran und die jüdische Arbeit sammelt sich um die rückständigsten Formen der Wirtschaft, dio Pioduktion der Verbrauchsmittel und den Handel. Diese Zweige werden von jüdischen Arbeitsheischenden überfüllt und eine überwältigende Arbeitslosigkeit ist dio Folge. Das jüd:ache Proletariat steht abseits der bewegenden Nerven der Wirtschaft und darum trägt sein Kampf trotz grüßter Kraftanwendung nur beschränkten Charakter. So stark auch seine Organisation und so gefestigt sein revolutionäres Bewußtsein sein mag, zur Erlangung entsprechenden Einflusses auf das politische Leben des Landes genügt es nicht. Solange das jüdische Volk eine machtlose, exterritoriale Minorität bleibt, insolange es nirgends ein territoriales Zentrum besitzt, an dem die in den Ländern der Diaspora verstreute Judeuheit in der nationalen Konkurrenz eine Stütze finden kann, wird sogar die juridisch völlig durchgeführte bürgerliche Gleichberechtigung und die nationale Autonomie keine radikale Aendernng in dieser Lage herboiführen. >< Dieselben Kräfte aDer, die die moderne JudgnFrage Arm des jüdischen Emigrationsstromes, der zur Aehderung des ökonomischen Zustande* der Emigranten berufen ist, in steigendem Maße in ein halbagrarisches Land, das jüdischer kleinkapitalistischer Kolonisation zugänglich ist, — nach Pa,- lästina. / i Dank der Stellung Palastinas auf dem Weltmarkt, sowia der wirtschaftlichen und kulturellen Struktur der Lßndesbevötkerung ist die jüdische Siedlung in Paläst na von Beginn an von der lokalen Wirtschaft unabhängig und mit der Entwicklung des Weltmarktes direkt verbunden. Während der jüdische Einwanderer in andere, industriell entwickelte Länder als Vertreter einer niedrigeren Witrschaftsstufe gelangt, führt er nach Palästina neue, höhere, fortgeschrittene Produktionsmethoden. Während er in andere« Ländern in bereits existierende Wirtschaftszwe ge sich eindrängen muß und da wachsender nationaler Konkurrenz begegnet, oder neue niedrigere Produktionszweige schaffen muß (z. B. die Kfeiderindustrie in England und Amerika), be- '■l hauptet er in Palästina die fortgeschrittenen', von ihm selbst f eingeführten Produktionszweige, die direkt von dem Welt- ' markt abhängen. Während der jüdische Arbeiter in England hervorrufen, führen auch die Vorbedingungen zu ihrer Lov* m^ Amerika gegen "den einheimischen Arbeiter durch niedrisung mit sich. Die sich verstärkende wirtschaftliche Isolie- ■y geren Lohn (Schwitz-System u. a.) konkurriert, bringt er rung der Juden, die im Antisemitismus mit all seinen Be-J^nach Palästina höheren Lohn und stärkere kulturelle Begleiterscheinungen zum Ausdruck gelsngt (ökonomischer Boy- |v dürfnisse. In dieser Weise erleichtert er die Krijstallisation kott; juridische oder tatsächliche Rechtlosigkeit der jüdi- & Von Klassen in der ansässigen Bevölkerung Palästinas wie sehen Massen auch in den konstitutionellen Staaten; Pogrome,^ auch die Organisierung der eingeborenen Arbeiter, verror denen die Juden auch in den fortgeschrittensten Ländern meidet die nationale Isolierung und besitzt die Fähigkeit, nicht gesichert sind), erzeugt eine intensive Emigrationsbeh die nationale Konkurrenz erfolgreich zu überwinden, wegung in allen Schichten des jüdischen Volkes. Diese Emi-^. Dank der ökonomischen Unabhängigkeit von der Togration wendet sich zunächst in die Länder mit großindukalen Wirtschaft ist den jüdischen Emigranten nach Palästriellem Kapital; in dieser Tendenz löst sie aber nicht dasV" stina der Eintritt in die wichtigsten grundlegenden Projüdische nationale Problem, sondern überträgt es nur in die ■'- duktionszweige und ein geordneter, allmählicher Uebergang neuen Länder: auch dort verharren die Juden in ihrer von der Produktion für den Konsum zur Urproduktion er- Absperruno von den wichtigsten Produktionszweigen, auch1';/ möglicht. Infolge dies*er Umstände wird ein gewisser Teil dort stoßen sie auf Isolierung und Antisemitismus, wie auch ^: der jüdischen Emigration elementar in Palästina konzentriert, auf die Immigrationsbeschränkungen, deren Schwere und.ju der stetig wächst und im Lande eine ökonomisch autonome Schärfe stetig zunimmt. Die Einwanderungsländer wandeln' jüdische Siedlung schafft. So wird der Territorialismus elesich den Juderp gegenüber in Aus Wanderungsländer um. Die mentar aisökonomische Revolution im jüdischen _Leben ver¬ Immigration erzeugt die Judenfrage auch dort, wo sie bisher nicht existierte, die ökonomischen Bedngungen des jüdischen Lebens bleiben überall gleich; die jüdischen Probleme der verschiedenen Länder vereinigen sich, passen sich an einander an und nehmen in einer Welt-Judenfrage feste Gestalt an. Die jüdische Emigration kann nicht in die neuen Länder mit ausgeprägter Agrarkolonisation fließen, weil de Jude» seit jeher Stadtbewohner und zu unmittelbarem Uebergang zur Landwirtschaft twfähig sind. Deshalb wendet sich jener wirklicht. Dies gelangt in der Entstehung und Entwicklung .der alle Länder umfassenden zionistischen Bewegung innerhalb . der jüdischen Bourgeoisie zum Ausdruck, die danach strebt, ' Palästina zu kolonisieren i.nd sich die Produktjons kr äffee des Landes anzueignen. -i Zu gleicher Zeit ruft die Kapitalisierung des jüdischen Volkes in den Diaspora-Lendern einen heftigen Klassenkampf der jüdischen Arbeiter gegen die Bourgeoisie hervor. Das jüdische Proletariat organisiert sich um de Fahne

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