Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 20 (15.5.1920)
- Date
- 1920-05-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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SESTE 2 FREIE TRIBÜNE NR. 20 Entwicklung voraussieht und an ihr aktiv mitwirkt. Taten! Taten! Das ist heute das A und Z eines jeden .sozialistischen Programmen. Und zur Tat/, zur sozialistischen Tat sind die Unabhängigen nicht fähig. Und nicht nur in Deutschland, aus sonst nirgendsf Betrachten wir zum Beispiel Deutschösterreich: Sind denn hier die Unabhängigen nidht denselben Weg geflangen, wie ihre Genossen im Auslande? Es ist ja noch in aller Gedächtnisse, wie rosig, einfach von MiJch und Honig triefend „Der Weg zum Sozialismus" von Otto Bauer gesdhildert wurde! Und heute? Gibt es denn »och ein vernunftbegabtes Wesen, einen ehrlichen Menschen, ider glauben würde, daß man der Bourgeoisie die Produktionsmittel abkaufen kann, um sie zu sozialisieren? Im Gegensatze zu Marx' Lehren haben K au tsky, Bauer und andere den Sozialismus durch Verhandlungen, durch Feilschen und durch Ablösung der Produktionsmittel beim Bürgertum erreichen wollen. Die Sozialisierun£skominissionen in beiden Ländern — in Deutschland und Deutschösterreich — sind der beste Beweis dafür wie grundfalsch die ganze Anschauung des Marxistischen Zentrums ist. Ueberall wie diese Richtung die Geister und Kräfte der Arbeiterbewegung beherrscht, geschieht es zum Nachteil des sozialistischen Kampfes. Die Franzosen haben in letzter Zeit in Straßburg ein revolutionäres Aktionsprogramm angenommen, sie sind aber noch immer nicht fähig, alle Kräfte des französischen Proletariates um das eine Ziel zu sammeln: Die WcRevolution. Sie zersplittern die Kräfte des Proletariates rn kleineren und größeren Teilstreiks, die notwendigerweise m\t Niederlagen enden und nicht imstande sind, die Arbeiterklasse aus dem Sumpfe herauszuziehen, in den sie, dank der reformistischen Richtung, geraten ist. In dem unbarmherzigen Gegensatze zwischen Worten und Taten liegt die Tagödie des marxistischen Zerrtrums. Und schuldtragend ,ist wieder keinesfalls die böse Absicht, die dieser Weltanschauung innewohnen würde, sonden die Weltanschauung an und lür sich, die Weltanschauung, die es unternimmt, die reformistische Richtung in der Arbeiterbewgung mit der revolutionären in Einklang zu bringen. Darum eben droht diese Richtung mit viel größerem Gefahren der Arbeiterbewegung, als die rein reformi- Msistiscfoen. Denn während diese mit offenen Karten •pfelt und sehr bald ihr wahres Antlitz offenbart, hüllt «Ida die erste in einen Schleier revolutionärer Phrasen, versteckt sich hinter einen. Nebel revolutionärer Ideologie und schafft auf diese Art Verwirrung in den Geistern der Arbeitermassen. .; Dieser junüberbruckbare Abgrund zwischen Worten und Taten offenbart sich' am unzweideutigsten, wiewnl »an erwägt: dieselben, die die deutsche Sozialdemokratie gehaften haben, können sich nicht fassen vor Zorn über die Kommunisten; da sie es unternehmen, die Arbeiterklasse unter ihrer Fatale zu organisieren; die •eft*a?.i; die unaufhörlich die Einheit des Proletariates predigen, möchten gern außerhalb der drei bestehenden «taeivierte internationale ins Leiben rufen; der Gegensatz aber wird noch auffallender, wenn man sieht, daß die- »elbe Partei; die sich auf den Boden der dritten Intern ■ätiomale gestellt hat, in der Wirklichkeit an der Schaffung einer . . . vierten mitwirkt. Die reformistisch-revo^tionäre Richtung ist der le* toerKbige Zwiespalt zwischen sozialistischem Denken •tTdf sozialistischem Tun. Sagen wir es aufrichtig: Diese Richtung ist bei uns, in unserer Wettbewegung, die „herrschende". Wir sind beileibe nicht der Meinung, daß unsere Genossen wirklich ihr zustimmen. Wir sind vielmehr überzeugt, daß der überwiegende Teil unserer Bewegung wirklich bereit ist, den Gegensatz zwischen Worten und Taten abzuschaffen. Bis heute ist es jedoCh nun gelungen, durch revolutionäre Worte den opportunistischen Charakter unserer offiziellen politischen Tätigkeit zu verdecken. Es ist daher an der Zeit, unseren Genossen das wahre Antlitz dieser Politik zu zeigen. Nehmen wir ein Beispiel: Man verzeichnet bei uns bis heute mit Stolz, daß unsere offizielle Politik während des Krieges eins... „internationalistische" war. Wer kann aber die Tatsache leugnen, daß eine Legion, gegründet vofi einigen Poale Zion, für die Interessen des englischen Imperialismus gekämpft hast? ' Unti sogar heute, da wir das Glück genießen, an unserer Spitze einen „revolutionären Sozialdemokraten" zu haben, est es möglich, daß sich unter der Maske von revolutionären Phrasen der gefährlichste, giftig^ ste Chauvinismus breitmacht und daß in Palästina eine Legion geschaffen wird, in der poale-zionistische Ge* nossen dem Kommando eines . . . Wladimir Jabotinski unterstellt sind. Der Verstand steht einem einfach still. Ist das wirklich keine traurige Tatsache? Während und nach der Oktoberrevolution haben sich unsere führenden Genossen in Rußland den Stand- ■ punkt der sogenannten „Internationalisten" zu eigen" gemacht. Im offiziellen Parteiorgan „Jüdische Arbeiter- Chronik" zog der Genosse Redakteur Woche für Woche in tim heiligen Kampf gegen die „Abenteurer-Bolsche» wiken". Und einige Monatei später wurde derselbe Redakteur Kommissär der Sowjetregierung. Und das nennt man proletarische Politik, gemacht durch verantwortliche „Parteiführer"! vEs war wahrhaft ein jämmerliches Nachhinken, unwürdig unserer Bewegung. All das geschah beim besten Willen, dem jüdischen Proletariat zu dienen! Gewiß! Der gute Wille war da, es fehlte nur die gute Richtung. < Oder kann das Folgende als prinzipientreue proletarische Politik betrachtet werden? Zwei lange Jahre rang Sowjetrußland auf Leben und Tod mit der Konterrevolution, die es vion außen und innen bedrohte. Und während dieser zwei Jahre war unser Weltverband der neutrale Zuschauer, ohne sich zu einer positiven Tat-entschließen zu, können. Er wartete auf die Reise der Untersuchungskommission der zweiten Internationale. Plötzlich ergeht an die PoaJe Zion-Parteien die Aufforderung des Verbandes, den Kampf gegen den Krieg mit Sowjetrußland aufziunehimen. Bedeutet das ein weitsichtiges Erfassen der Entwicklungsmöglichkeiten und eine politische F ü hrung der arbeitenden Massen oder ist es nichtsandjeres als ein Nachhinken hinter den Massen? Und das Merkwürdigste dabei ist, daß wenn wir die/Genossen auf diese „ganz geringe Verspätung" aufmerksam machen, sie von Zorn gegen uns erfüllt werdletn. Sie hoffen für diese revolutionären Taten vielleicht noch Beifall ernten zu können. Das ist die offizielle Politik des marxistischen Zentrums. 1 Sei es in Bezug auf die Internationale; sei es auf dem Gebiete der jüdischen Arbeiterpoditik, ist die unabhängige Orientierung unseres Verbandes bankerott. Je früher wir uns dessen bewußt werden und es offen gestehen, desto besser für unsere Bewegung, desto besser für das jüdische Proletariat. Zur Krise des Kommunismus in Deutschland. Von Ernst Jung. IV. Wie ist die kommunistische Einheit möglich? Die deutsche Arbeiterbewegung zerfällt gegenwärtig in nicht weniger als sechs Gruppen von verschiedener Grdue, die einander in heftigster Weise bekämpfen: die Reohtssozi»- listen, die „rechten"^ (sozialdemokratischen)^Unabhängigen, die „linken-',,- (kommunistischen) Unabhängigen, die i{. P. D. t (Spartakusbund), die „Kominunistische Arbeiterpartei Deutschlands" und die eigentlichen Syndikalisten. Die. zwei erstgenannten Gruppen stehen auf dem Boden des bürgerlich-demokratischen Staates, die weiteren drei Gruppen °erstreben die Errichtuug eines proletarischen Staates uul Grundlage des Rätesystems, endlich glaubt die letztgenannte Gruppe bei Einführung der neuen Gesellschaf tsorduung überhaupt ohne den Staat auskommen zu können. Daß zwischen diesen drei Grundrichtungen der Staatsauftas^uug bei dem heutigen Stande der Sozialwissenschaft eine Verständigung undenkbar ist, daß zwischen ihren, Anhängern unter den jetzigen gesellschaftlichen Verhältnissen keine Einigung möglich erscheint, braucht man hier nicht erst zu beweisen. Anders steht es dagegen um die drei kommunistischen Gruppen. Diese haben in der Diktatur des Proletariats einen gemeinsamen Nenner, obwohl sie :-ieh üiese Diktatur in verschiedener Weise vorsteu^u. Bs ist aber ein großer Fehler jetzt, wo es sich darum handelt. <! a 1.» die Diktatur überhaupt errungen wird, wegen der Methode ihrer künftigen Ausübung die kommunistischen Kräfte zu zersplittern. Die Fragen, ob mit oder oh;.e Terror, ob Paneidiktatur oder Klassendiktatur, verdienen gewiß auch jet*>l eine theoretische Erörterung, aber sie richtfo; tigen keineswegs die sektiererische Absonderung der drei Gruppen. Uebrigens hat selbst in Rußland die Diktatur des 'Proletariats keinen eindeutigen Charakter. In deii. ersten Monaten Ihres Bestandes war sie nicht terroristisch, erst die wiederholten Attentate auf die Volkskommissare zwangen ihr dieses Kampfmittel vorübergehend auf. Anfang-, die Diktatur einer Partei, welche die opponierenden Menschewiki und Sozialrevolutionäre aus den Arbeiten aton einfach vertrieb, entwickelt üie sich mit dem geistigen Aulstlcg der Arbeitermassen immer mehr zur Diktatur det ganzen Klasse. Sicherlich wird sie in Mitteleuropa eine andeie Poau annehmen, aber wir können darüber nichts nahcics voraussagen und sollten uns den ganzen Streit tibei die Anwendungsform lieber für die Zeit aufsparen, wenn die Diktatur erst einmal etabliert sein wird. Nach Ausscheidung dieses ideologischen Momente^ i«v Widerstreit der drei Gruppen verlbeiben die allein aktuellen, taktischen und organisatorischen Streitfragen, deren einheitliche Lösung bei einiger Selbstkritik aller drei Richtungen sehr wohl möglich ist. Was trennt heute praktisch die „linken" Unabhängigen von der R. P. D. (Spartakusbund) <»?. Nichts, ais das Gitter eines Parteikäfigs. Beide Gruppen vorfolgten während des Kapp-Putsches dieselbe Taktik, boide kämpfen In den Gewerkschaften Hand in Hand um die herrschende Bürokratie zu stürzen, beide bedienen sich zeitweise de» Parlamentarismus zur Massenü,gitation, ohne sich über dessen Bedeutung irgendwelche Illusionen hinavigebeu-,. Warum also die Absonderung der beiden Fraktionen? Wir haben im zweiten Kapitel gesehen, daß der Spartakusbund zur Bildung der Sonderpartei gekommen ist. wie die Jungfrau zum Kinde. Die revolutionäre Situation Ii» Dezember 1918 hat ihm diesen Schutt aufgezwungen und er durfte ihn umsomehr entschlossen wagen, als er eine schwindsüchtige U. S. P. verließ und sich dafür mit den Linksradikalen vereinigte. Jetzt ist aber die Situation »aiira umgewandelt. Die Unabhängige Sozialdemokratie Hat jetat roto Backen bekommen, sie ist wohl die größte Arbeiterpartei Deutschlands und was immer man von ihr halte», mag, sie zeigt nicht die geringste Lust, sich auhhalosen oder zu spalten. Die Widerherstellung des direkten Kontakte« mit den Massen der unabhängigen Arbeiter ist geradezu > die- Lebensfrage des deutschen Kommunismus, wenn er nicht zu einer Sekte ausarten soll- Andererseits haben sieb die früheren Linksradikalen von der K. P. abgesplittert Sie isi Das Programm der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Poaie Zion) in Rußland. geschaffen von der theoretischen Konferenz nach dem kontrollierenden Parteitag im Februar 1906 und eingehend dis- Irttfort auf dem II. ordentlichen Parteitag in Krakau im August 1907. Wir geben im folgenden die beiden letzten Punkte dieses Programms wieder und glauben damit vielen neuen •enosson» die den gegenwärtigen Mangel einer programmatischen Schrift unangenehm empfinden, entgegenzukommen. Itenn mag auch dieses in vielen Teilen nur mehr histoii- •«hen Wert besitzen, da ea noch auf der sozialdemokratischen Ideologie und den damaligen politischen Perspektiven beruht, so sind die marxistischen Analysen von Internationalismus, Nationalismus und Judenfrage sowie die Behandlang des Territorial'.smus in ihrer Prägnanz heute ebenso aktuell wie im Jahre 1906. Dia Redaktion. 3. taferxiflitanalftsiEHs rnd Nationalismus Im Proletariat. Auf seinem Marsche erobert der Kapitalismus immer »cößere Flächen der Erdkugel und vereinigt die bis dahin vereinzelten Gesellschaften, Wirtschaftsgebiete und Märkte ■jm einer Weltwirtschaft und einem Weltmarkte; damit unterwirft er die Arbeiterklasse aller Länder und Völker gemeinsamen ökonomischen Bedingungen und die Arbeiterbewegung nimmt internationalen Charakter an. Dies gelangt in der internationalen Politik und Ideologie der Arbeiterklasse zum Ausdruck. Die Losungsworte von internationaler Brüderschaft des Proletariats, vom gemeinsamen Kampf gegen Ausbeutung ■nd Militarismus, gegen die ausbeute risene Kolonialpolitik der kapitalistischen Staaten, alle diese Bestrebungen sind tief in der Entwicklung der Weltwirtschaft begründet. Doch verläuft die Entwicklung des Proletariats zum ▼ollen Internationalismus 'nicht in gerader Linie und nicht ohne Unterbrechung, weil es in die Notwendigkeit versetzt "vti, die innere Reibung zu beseitigen, die durch die Konkurrenz unter den Arbeitern selbst' entsteht. Die Kristdli» ■aüon des proletarischen Klassenbewußtseins ist ein nicht ungestört ablaufender, voa Gleichgewichtsstörungen duictisotzter Prozeß, der infolge der besonderen Bedingungen, water die das einzelne Volk im Verlaufe seiner Geschichte gestellt wdVden ist, kompliziert wird und sich differenziert. Der Kapitalismus fand, als er sich an die Stelle der früheren Produktiousmethoden setzte, die Menschheit nicht einig, sondern in Nationen geschieden. Die Besonderheiten der Völker sind auf Grund der Verschiedenheit der territorialen Produktionsbedingungen: >. geographischer, klimatischer, anthropologischer, innerer und äußerer gesellschaftlicher Zustände, unter denen diese Völker sich entwickelt haben, entstanden. Indem der Kapitalismus sich den territorialen Produktionsbestrebungen anpaßt, differenziert er seine Formen entsprechend den nationalen Gruppen und die Entwicklung seiner Produktivkräfte stößt auf den Widerstand der herrschenden territorialen Produktionsbedingungen. Während aber der Kapitalismus allgemein danach strebt, sich die ganze Welt zu unterwerfen, geht dieses zentralisierende Streben gleichzeitig von vielen Zentren aus. Jede territoriale Einheit, die Bourgeoisie eines jeden Landes bemüht sich, die lokalen Produktivkräfte in der Richtung zu entwickeln, daß sich alle Fäden der Weltwirtschaft in ihrem Lande konzentrieren, daß sie die ganze Welt ökonomisch beherrschen kann. Auf diese Weise entsteht die koloniale Expansionspolitik der großen Staaten, während sich die kleinen bemühen, ihre ökonomische Selbständigkeit zu verteidigen. Gleichzeitig mit der stetigen Bildung eines Weltmarktes und einer Weltwirtschaft bilden sich territoriale Wirtschaften und nationale Märkte;, aus diesen Widersprüchen erhebt sich die nationale Frage unserer Zeit. Inwiefern noch die Konzentration der Produktion an den territorialen Grenzen, Hindernisse findet, gelangt dieser Zustand in einer besonderen Art Separateigentums zum Ausdruck; die herrschenden Klassen der Nation betrachten das Territorium, den Markt und die Kultur in demselben als nationales Eigentum. Um den nationalen Besitz, um die Eroberung fremden und Verteidigung des eigenen Besitzes wird der nationale Kampf geführt. Er erscheint in den Formen nationaler Konkurrenz einerseits und politischer, ökonomischer und kultureller Bedrückung andererseits. Das nationale Chaos herrscht noch mehr in jenen Ländern, in denen die Völker gemischt sind; dort bemüht sich jeder Teil der vielsprachigeu Bevölkerung, sich seinen Einfluß auf den Markt und die ganze territoriale Wirtschaft za sichern. So entsteht der nationale Kamp! um das Recht der Sprache und um die Macht in der Verwaltung. Diener Streit schafft schwer überwindliche Schwierigkeiten für die .szei Entfaltung der gesellschaftlichen Produktivkräfte und den normalen Verlauf des öffentlichen und politischen Lebens. Die Nationalitätenfrage kompliziert die allgemeinen. Widersprüche der kapitalistischen Ordnung durch einen Knäuel minderhedeutender, privater Zwistigkeiton, sie bedeutet eine ungeheuerliche Verschwendung menschlicher Energie und verschärft nooh die allgemeine Anarchie der kapitalistischen Wirtschaft. In der nationalen Frage gelangt die Klassenstruktur der modernen Gesellschaft zu scharfem Ausdruck. Die verschiedenen Klassen derselben Nation haben durchaus verschiedene und gegensätzliche nationale Interessen. Die nationalen Interessen der Bourgeoisie werden dadurch, bestimmt, daß das Territorium ihr Markt und die territoriale Wirtschaft die Grundlage ihres Einflusses auf den 'Weltmarkt ist, wogegen die nationalen Interessen des Proletariats darauf beruhen, daß ihm das Territorium dea Arbeitsplatz bietet. Daraus entsteht die Emigrationsfrage und die Umigrationspolitik der Arbeiterorganisationen; andererseits erweckt der nationale Druck in dem Proletariat unterdrückter Völker eigenartige nationale Interessen, weil die Unterdrückung den Umfang des Arbeitsplatzes verkleinert und so das Feld des ökonomischen und politischen Klassenkampfes ungünstig beeinflußt. Auf diese Weise nimmt der Klassenkampf des Proletariats unterdrückter Völker zu gleicher Zeit und in gleichem Maße internationale und nationale Gestalt au. Mit dem Streben, die kapitalistische Gesellschaftsordnung durch gemeinsame Akt'.on der internationalen Arbeiterschaft; zu bekämpfen und zu beseitigen, verbindet es als einen Punkt seines Minimalprogrammes den Kampf um die B ef r e I u n g von dem nationalen Druck. Die Ausreifung der nationalen Konflikte macht es, indem sie chronische Störungen im gesellschaftlichen Leben erzeugt, notwendig, die Sphären der nationalen Interessen innerhalb des Staates juridisch abzugrenzen, während rHe Möglichkeit hiezu durch die fortschreitende Demokratisierung der Gesellschaft geschaffen wird. Dementsprechend stellen die klassenbewußten Proletarier der unterdrückten Nationen die Forderung nach nationalpoliti scher Autonomie mit umfassenden ökonomischen und kulturellen Kompetenzen in allen nur-nationalen Angeiegonheiton. Als Vorbereitungsstufen «nd Vorbedingungen einer