Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 18 (1.5.1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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NR. 38 SEITE 5 die Herstellung von Reserveteilen auf 30 Prozent gesunken. Äehnlich liegen die Verhältnisse auf den anderen Gebieten der Metallbearbeitung wobei die Leistung der Fabriken für landwirtschaftliche Maschinen 30 b;s 40 Prozent gegenüber der Leistuno von 1913 beträgt. Eine Ausnahme machen nur die Sensen*mit 123 Prozent und die Sicheln mit 81 Prozent. Die Herstellung von Pflügen, Eggen, Getreideschwingens Dreschmaschinen usw. schwankt dagegen zwischen 43 bis 20 Prozent; Pflüge 43 Prozent, Eggen 26 Prozent, Erntemaschinen 36 Prozent. Das gleiche Bild zeigt auch der Maschinenbau. Die Leistuna betrug gegenüber 1913 30 Prozent, d. Ii. 357.900 Pud gegenüber mehr als 1 Million Pud. Die Zahl von 30 bis 40 Prozent gilt fast für alle wichtigen Industriezweige. Das heißt jedoch, daß in wirtschaftlicher Beziehung in Bezug auf die Versorgung der Bevölkerung mit Schuhwerk, Kleidern, Metallwaren, in Bezug auf die landwirtschaftliche Produktion Sowjetrußland nur mit einem Drittel dessen lebt, was Rußland vor dem Kriege zur Verfügung stand. Das kann das eine, das andere Jahr so aehen. In dieser Zeit und in diesem Zeitraum konnten wir von den alten Vorräten zehren, von dem leben, was uns von der früheren Epoche der russischen Geschichte zurückcelassen worden war. Diese Vorräte gehen 'edochzu Ende und wir nähern uns täglich und stündlich einer vollständigen Krise auf diesen Gebieten der Industrie. Dje wirtschaftlichen Fragen müssen daher jetzt in ihrer ganzen Größe aufgerollt werden, denn es darf keinen Äugenblick länger gezögert werden, und es müssen alle Kräfte angespannt werden, um eine rasche Hebung des Wirtschaftslebens zu erzielen. Die Textilindustrie. Ich nenne noch ein paar Zahlen aus der Textilindustrie, die vollständig nationalisiert ist und die wegen Mangel an Rohstoffen zu feiern gezwungen war. Betrachtet man die Erzeugnisse unserernationalisierten Unternehmungen der Textilbranohe im Jahre 1919, so kommt man nicht auf 30 oder 50, sondern nur auf 10 Prozent der normalen Leistung. Noch schlimmer steht es hinsichtlich der Spindeln. Von den insgesamt zirka 7 Millionen Spindeln waren bei uns nur 7 Prozent in Betrieb, von 164.000 Maschinen nur 11 Prozent. Wendet man sich der Frage der Baum w oll Versorgung zu, so ist zu ersehen, daß in der letzten Zeit so gut wie nichts geliefert werden konnte. Insgesamt verfügten wir 1919 gegenüber dem normalen Bedarf unserer Textilindustrie über 4.5 Prozent Baumwolle. 1918 besaßen wir noch 15 Prozent, im verflossenen Jahre hatten wir nach der Eroberung von Turkestan. und nachdem es uns nicht möglich war, Baumwolle von dort auszuführen, nicht einmal mehr 5 Prozent Rohstoffe für unsere Textilindustrie zur Verfügung. Diese Grundzahlen sind für die ganze Text lindustrie kennzeichnend und lehren, daß es uns nicht möglich sein wind, die Bevölkerung mit Kledern zu versorgen, wenn wir nicht sofort energische Maßnahmen zur Versorgung der Industrie mit Rohstoffen und zur Ingangbringung der Textilfabriken ergreifen. Gegenwärtig verfügen wir über 476.000 Pud Garn, während wir vor einem Jahre noch 723.000 Pud besaßen, fluch die Zahl der Halbfabrikate, die auf den Fabriken vorrät g sind, hat sich verringert. Insgesamt war die monatliche Erzeugung folgenden Schwankungen unterworfen. In den Monaten Januar, Februar und März betrug die Erzeugung 100.000 bis 200.000 Pud Webstoffe, in den Monaten September, Oktober und November nur noch 25.000 bis 68.000 Pud, da die gesamte Textilindustrie des Zentralgebietes, die bei unserer Textilindustrie ene führende Rolle spielt und die an dritter Stelle hinter England und Deutschland steht, wobei sie hinter England nachsteht, mit Deutschland dagegen konkurriert, nahezu völlig zum Stillstand gekommen war. Um die Wollindustrie steht es em wenig günstiger. Die Zahl der im Betrieb befindlichen Fabriken belauft sich auf 64; der Prozentsatz der Spindeln ist schon geringer und beträgt 25 Prozent. Im verflossenen Jahre wurden 14.5 Millionen Ärschin erzeugt. Die Wollindustrie ist m;t Rohstoffen für die Dauer von etwa einem halben Jahre verseilen, und die Frage der Äufrechterhaltung des Betriebes auf den Wollfabriken ist hauptsächlich ene Frage der Versorgung mit Lebensmitteln und der Beschaffung von Arbeitskräfte«. (Fortsetzung folgt.) INTERNATIONALE RUNDSCHAU. Aufruf des Kiewer Rates der Arbeiter- und So^datendeputierten an das Proletariat Europas und Amerikas! (Beschlossen in der außerordentlichen Sitzung des Kiewer Sowjets am 24. Äpril 1920.) Ärn 19. Äpril wurde die Stadt Kiew, welche sich weit entfernt von der Front befindet, welche keine Festung hati seitens der Luftbanditen des bourgeoisen Polen auf d,ie niederträchtigste Weise überfallen. In das Arbeiterviertel wurden von Flugzeugen Bomben geworfen. Es wurden getötet: 7 Kinder im Älter von 8 bis 13 Jahren, 2 Frauen und ein Greis. Verwundet wurden 13 Personen. Der Ueberfall geschah am hellen Tage, als die Straßen von Passanten voll waren. Genossen! Die ganze Bevölkerung Kiews ist erregt von . dem abscheulichen Verbrechen der polnischen weißen Garden. Das werktätige Volk von. Kiew macht für dieses Verbrechen verantwortlich die Führer der Entente, mit deren Unterstützung die polnische reaktionäre Regierung existiert. Ihr wißt, daß dieser Tage unsere Regierung als Antwort auf die Vermittlung von Lord Gurzon erklärt hat, daß sie die von uns besiegten Denlkinscfoen Soldaten amnestiert hat. Hätte Denikin gesiegt, hätte er uns Bauern und Soldaten der Sowjetrepubliken vernichtet. Aber wir wollen kein zweckloses Blut vergießen, wir wollen keine unnötigen Opfer! Jedoch die polnische Bourgeoisie, welche gänzlich von den Machthabern in Paris und London abhängt, mordet in einer friedlichen Stadt Kinder und Frauen. Es ist kaum zu erwarten, daß die Herren QurzDn, Lloyd George und Millerand x sich auch jetzt an „Humanität", „Kultur" und „Gerechtigkeit erinnern werden. Jetzt, wo ihre blutigen Horden ihre Bomben über die Köpfe der schutzlosen Kinder schleudern. iWir haben öfters Polen den Frieden angeboten, wir waren zu verschiedenen Opfern bereit, aber das reaktionäre Polen setzt den Krieg gegen die Arbeiter Ukrainas und Rußlands fort. Es schlägt uns vor, den Brester Frieden zu wiederholen; es verlangt von uns, daß wir den polnische« Gutsbesitzern die Arbeiter und die Bauern Ukrainas zur Vertilgung übergeben. Mit der Ausrede von Friedensverhandlungen hat uns Polen in Boryssow ein verräterisches Netz bereitet. Polen führt Krieg im Warnen der drei Güter der polnischen Gutsbesitzer, welche jetzt in die Verwaltung der ukrainischen Bauern übergingen. Polen führt Krieg im Namen der Fabriken, die früher den polnischen Kapitalisten gehört haben und nun der Räterepublik gehören. Polen kämpft für die Wiederaufrichtung der Macht der Kapitalisten und Gutsbesitzer in der Ukraina. In diesem Kampfe haben die polnischen Lakaien des Wettkapitals sich in der Person des bekannten Abenteuerers Petljura einen Gehilfen gefunden. Seine Banden brennen und zerstören ganze Dörfer, plündern das werktätige Volk aus, veranstalten grausame Judenmassakers und terrorisieren die friedliche, arbeitende Bevölkerung. IWir wollten den Frieden ohne Krieg erreichen. Die polnische Schlachta will den Krieg. Und so werden wir den Frieden im siegreichen Krieg erkämpfen müssen. Die ukrainischen Arbeiter, Soldaten und Bauern werden zum letztenmal alle ihr Kräfte anstrengen und zusammen mit ihren russischen Brüdern werden sie die Armee Pilsudskys verjagen, ebenso wie. sie schon die Armeen Komilows, Kaledins, Koltschaks, Judenitschs und Denikins vernichtet haben. iWir werden unsere Freiheit und Unabhängigkeit verteidigen. Wir werden unsere Dörfer und Städte retten. W$r werden den polnischen Adeligen nicht erlauben, daß sie wiederum die ukrainischen Arbeiter und Bauern versklaven. Man zwingt uns diesen Krieg auf; wir werden aber in diesem Kriege siegen.; Genossen! Ihr wißt, daß das kapitalistische Europa uns, die siegreichen Arbeiter und Bauern, Räuber und Banditen nennt. Ihr wißt, daß die Bankiers und Börsenköfnige, die Kapitalisten und Gutsbesitzer des Westens uns durch Haß und Verleumdung zu (kreuzigen versucht haben. Sie haben gelogen. Der niederträchtige Ueberfall der polnischen weißen Banden auf das friedliche Kiew zeigt noch einmal deutlich, daß die tückischen Mörder sich in der Reihe der Bourgeoisie befinden. Genossen! Trotz allem siegten wir auf den zahlreichen Fronten, und jetzt, wo wir unsere ganze Energie und Kräfte dem inneren Wiederaufbau widmen wollen, hindert uns daran die letzte polnische Front. (Wir wenden uns an euch, Arbeiter Europas und Amerikas, fordert mit allen Kräften, daß die Kapitalisten und Bankiere der Entente ihre blutigen Lakaien aus Warschau beruhigen. Fordert, daß die bewaffneten polnischen Banditen mit der Hirunordung von Kindern, Weibern und Greisen aufhören! Legeteure ganzeMachtin die Wagschale zugunsten der Arbeiterrepubliken, zugunsten der Arbeiterschaft, die unter dem Joche der polnischen Bourgeoisie leidet! Erhebt eure Stimme gegen die polnischen Henker des Volkes und der Revolution; Der -Kiewer Rat der Arbeiter- und Soldatendeputierten: der Vorsitzende: fwanow Andre}. Offener Brief an die Gen. Kommunisten und revolutionäre Sozialisten in Osteuropa und Amerika. Sehr geehrte Genossen! Ita verschiedeneu Ländern Europas und auch in Amerika befinden sich derzeit Exponenten der sogenannten „Regierung der Ukrainischen VolksrepublikVCoder wie man sie gewöhnlich nennt; der „Regierung Petliuras")^ in» der Gestalt von Gesandten, Missionen, Kommissionen usw. Diese Repräsentanten treten den Behörden der Staaten gegenüber, auf deren Gebiete sie sich befinden,;, im Hamen des ukrainischen Volkes und als Vertreter der einzigen rechtmäßigen Regierung der Ukraina auf. In dieser ilolle pflegen sie Verhandlungen mit den Behörden, Parteien und Privatpersonen, veröffentlichten "Mitteilungen und gehen im Namen der arbeitenden ukrainischen Massen Verpflichtungen ein. Als gewesenes Haupt der obersten Behörde der ehemaligen ukrainischen Volk srepublik, des Direktoriums,, betrachte ich es für meine Pflicht zu erklären:: 1 Eiiine derartige Form der ukrainischen Staatlichkeit, wie sie diese Leute repräsentieren und die „Ukrainische Volksrepublik" heißen würde, existiert nicht mehr. Nicht einmal ein Quadratnieter eines Territoriums besteht mehr unter dieser staatlichen Form. Der derzeitige ukrainische Staat der Arbeiter und Bauern ist: Die Ukrainische Sozialistische S o w j et rje publik. 2. Die Menschen, welche sich „Regierung der Ukrainischen Volksrepublik" nennen, haben dazu weder eine juridische noch eine faktische Berechtigung und können als eigenmächtige Usurpatoren gekennzeichnet werden.. Der rechtmäßige Ursprung des Direktoriums lag im Arbeitskongreß der Ukraina. Das Direktorium hob aber im Feber 1919 in einer Erklärung an die Ententemächte den Arbeitskongreß, auf und entäußerte sich dadurch seiner einzigen rechtlichen Grundlage. Seit Februar lölä erscheinen das Direktorium der Ukrainischen Volksrepublik und ihr Ministerium bereits als eigenmächtige* keinem Vertretungskörper verantwortliche Machthaber, eine, kontrollose Gruppe von Menschen, die durch physische Gewalt sich das Verfügungsrecht über die materiellen und menschlichen Mittel des ukrainischen Staates angeeignet haben. Solange sich in der Macht dieser Menschengruppe ein kleines Territorium und eine bescheidene Armee befanden, konnte sie, wenn auch nicht rechtlich, so doch faktisch sich als Regierung dieses unbeträchtlichen Bruchteiles betrachten. Jetzt aber, da diese „Regierung" nicht einmal einen Quadratmeter Gebietes, nicht eine einzige militärische Einheit besitzt, wo hinter ihr nicht eiue einzige organisierte ukrainische Partei steht, wo es sich um eine verschwindende Gruppe in verschiedenen Städte Europas zerstreuter Leute handelt, die sich selbst, sei es als „Mitglieder des Direktoriums", sei es als „Minister" bezeichnen, haben sie auch in dieser^ Richtung kein Recht, sich diese Namen anzumassen. Die einzige wirkliche Regierung der TJkvatua ist die Regierung der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik der Arbeiter und B-a u e r n, die 7/8 des ukrainischen Gebietes umfaßt, die sich auf die Demokratie der ukrainischen Arbeiter und Bauern stützt und die den höchsten Vertretungskörpern der Ukraina, den Konferenzen der Arbeiter- und Bauern-Räte, verantwortlich ist. 3. Auf Grund der oben erwähnten Tatsachen erscheinen sämtliche Verhandlungen, Mitteilungen und Verpflichtungen, die im Namen des ukrainischen Staates und des ukrainischen Volkes von der sogenannten „Regierung der Ukrainischen Volksrepublik", wann es auch sei, seifi dem Februar 1919 unternommen wurden, für die arbeitenden Klassen der Ukraina keine Verantwortung übernehmen werden. Länger als ein Jahr bereits sind die Vertreter der „Regierung der Ukrainischen Volksrepublik" bestrebt, seitens der Behörden der Ententestaaten die Anerkennung des Ukrainischen Staates zu erlangen. Um diese Anerkennung waren sie über ein Jahr eine Stütze der Konterrevolution des Ententeimperialismus in Osteuropa und versprachen auch weiter gegen die sozialistische Revolution zu kämpfen. Diese schändlichen Dienste haben nicht die erhofften Erfolge gebracht. Der Imperialismus zieht nur sein eigenes Interesse und die Kräfte seiner Kontrahenten in Betracht. Alle Versprechungen und sogar die offiziellen Erklärungen, der Ententebehörden, sind wertlos, wenn es der Gegenseite an eigenen Kräften mangelt, um die Erfüllung der Versprechungen und Erklärungen durchzusetzen. Das Beispiel der Beziehungen der Ukraina zu den Ententestaalen kann diese Behauptungen am besten beleuchten. Im Jahre 1918 habe ich als Ministerpräsident der Regierung der Ukrainischen Volksrepublik (zur Zeit der Zentral-Rada) iam i. Jänner die offiziellen Vertreter Frankreichs und Englands, die Herren; Tabouille und Bage empfangen, die im Namen ihrer Regierungen in offizieller "Erklärung die Anerkennung der Ukraina durch diese Staaten mitgeteilt haben. Das war zu der Zeit, als der Ententeimperialismus zu dieser Anerkennung einerseits durch sein eigenes Interesbe, andererseits aber durch die Macht des ukrainischen Staate» gezwungen war. Als dieses Interesse für Frankreich und England verschwunden und andererseits die Kraft der Regierung im Sinken war, verschwand auch die Anerkennung der Ukraina als Staat. Alle Noten, Akte und Deklarationen Frankreichs und Englands entpuppten sich als zu nichts verpflichtende Papierfetzen. Die ukrainischen arbeitenden Maasen beuürien der Bestrebungen dieser nicht bevollmächtigten und unverantwortlichen Leute nicht, die Anerkennung der Rechte des ukrainischen Staates der Arbeiter und Bauern v/erden sie durch ihre eigene Kraft, mit oder gegen den V/dien des Weltimperialismus durchsetzen. Ferner treten die Gesandten der „Regierung der Ukrainischen Volksrepublik-' vor der europäischen und amerikanischen Oeffentlichkeit aU Verteidiger der Rechte der unterdrückten ukrainischen Nation auf. Angeblich das Ziel der Befreiung der ukrainischen Nation anstrebend, beabsichtigen die Leute die Räteverias-' sung der Ukraina zu vernichten, mit Hille do^ Ententeimperialismus die sozialistische Revolution nicdeizuliärnpfon und die Herrschaft der bürgerlichen Demokratie wiederherzustellen. Es ist dies entweder ein bewußtes Verbrechen wider das ukrainische Volk, oder ein unbewußter, veihängnisvoller Irrtum. Die beste und verläßlichste Sichcrdtellung der Befreiung und der Möglichkeit einer ungestörten, allseitigen Entwicklung für alle unterdrückten Völker, insbesondere aber des Typus des ukrainischen, ist ja ausschließlich die sozialistische Weltrevolution, welche die Vernichtung der kapitalistischen Ordnung, dieses Urquells aller — auch der nationalen — Unterdrückung anstrebt. Nur die sozialistische Weltrevolution wird der Untergang der kapitalistischen Macht, nur die Wellföderation der soziadstisohen Republiken kann allen unterjochten staatslosen Völkern die Sicherung einer freien, natürlichen Entwicklung treten. Jeder Angehörige eines unterdrückten Volkes, der wirklich aufrichtig dessen Befreiung anstrebt' soll daher ein tätiger und entschlossener Anhänger der kommunistischen Weltordnung sein. Die erwähnten Vertreter der „Regierung der Ukrainischen Volksrepublik" geben sich auch so oft sie yor der europäischen .Oeffentlichkeit als Gegner der sozialistischen Revolution der proletarischen Diktatur des Rätesystema und des Kommunismus auftreten, als die Verteidiger der Demokratie, der allgemeinen demokratischen Freiheiten und des ungezwungenen Volkswillens aus. Ich biu gleich am Anfang der uki^ainischen Revolution und des Auilebens des ukrainischen Staatswesens an der Spitze alle r^dreier sogenannter demokratischer, ja, sogar sozialistischer Regierungen der Ukraina gestanden. Auf Grund eigener Eclahrung kann ich mit einer gewissen Bestimmtheit behaupten, daß diese sogenannte .Demokratie" unter diesen Regieiungen nie verwirklicht war, — im Rahmen der kapitalistischen Ordnung ist sie nur ein Mittel zu.- Erhaltung und zum Schutze des Kapitalismus. Die Klassen, aie nicht durch ihre Parteien in der Regierung vertreten sind, haben in einer derartigen Demokratie gar keine Möglichkeit, ihren faktischen Willen zu äußern. Als Klassenherrschaft ist das sogenannte demokratische System vollständig die Machtwaltung der Kapitalistenklasse. Deshalb muß jeder Sozialist, der n eine demokratische Regierung eintritt, sich in eine Koalition mit den bürgerlichen Parteien einläßt, ein Diener der Bourgeoisie und ein Feind der arbeitenden Klassen sein, mag er auch die ehrlichsten Absichten} haben, Demokrat und Sozialist zu sein. Sogar bei sogenannten „sozialistischen" RegierungeM fc(wie sie z. B. in der Ukraina waren, oder wie aie hie und da in Europa auftauchen).— wenn sie sich nicht den sofortigen energischen und unaufschiebbaren Kampf mit der kapitalistischen Ordnung zur einzigen Aufgabe stellen und sich nicht die Zerschmetterung des gesamten staatlich-bürokratischen Apparatos der bürgerlichen Gesellschaft und die vollständige Untergrabung der Grundlagen der kapitalistischen Wirtschaft zum ersten Ziele setzen, sondern von einem langsamen Umbau durch Reformen,' Kompromisse und Verhandlungen mit dem Bürgertum — sprechen, kann ich auf Grund der Erfahrung mit diosen „sozialistischen Regierungen", an denen ich teilgenommen habe, erklären, daß eine derartige Taktik immer, unabwendbar, mit fatalisti;icher Macht zum Opportunismus, zur Aufgabe aller wirklich sozialistischen Positionen, zu schmerzlichen Konflikten mit dem nnersten Wesen, zu kleineren oder größeren Zugeständnissen an die Bourgeoisie und zur faktischen Unterstützung der kapitalistischen 'Ordnung führt. In der Folge ergibt .sich unausweichlich ein Kampf mit den arDeitenden Klassen mit diesen Klassen — ja sogar Parteien — die diese „Sozialisten" angeblich in der Regierung vertreten. Zur Deckung dienen gewöhnlich die „allgemeinen nationalen Interessen", „das Wohl des ganzen Volkes" und alle anderen „patriotisch-demokratischen" Motive. Das ist aber entweder Selbstbetrug oder ein ganz gemeiner Betrug, in der Tat aber freie oder unfreie Verteidigung der "ünantaatbarkeit der Hauptgruudlagen der kapitalistischen Ordnung. Die letzte Folge einer derartigen „sozialistischen"' Politik ist gewöhnlich die Empörung der breiten Volksmassen gegen diese „Sozialisten" und bei entsprechenden Bedingungen ihre Vertreibung, wie es mit den , demokratischen" und „sozialistischen" Regierungen der Ukraina der Fall war. Für jeden wirklichen und konsequenten Sozialisten kann es nur eine Demokratie geben: Die der Arbeiter, die Demokratie der Arbeit; nur eine Regierung — die der Arbeiter und Bauern; nur eine?(im Uebergaugc)^ Regierungsform — die der "Räte; nur ein "Weg zu dieser Herrschaft: Die Diktatur des Proletariats. Nur in diesem # Falle können der Sozialist und seine Partei wirklich sozialistisch bleiben, trotz der Teünahme an der Regierung. Und nur mit vereinten Kräften solcher Sozialisten — und ein solcher Zusammenschluß vollzieht sich' mit Riesenschritten » den