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Freie Tribüne · 1920-05-01 · 18 (1.5.1920) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
18 (1.5.1920)
Date
1920-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SEITE 4 FREffi TRIBÜNE NR. 16 bedeutet augenblicklich nur eine weitere Schwächuug der deutschen Arbeiterklasse, aber sie kann Ihr noch «um großen Heile gereichen, wenn der Streit in sachliche r Weise ausgetragen und aut jeder Seite nicht einen Augenblick vergessen wird, daß ihre Gegner im Nebenberufe zwar „Syndikalisten" oder Parlamentarier"* „FöderaÜslon' oder „Parteibonzen" sein mögen, daß sie aber yor allem und in der Hauptsache, für den Sieg der Arbeiterklasse nach bester üeberzeugung kämpfend©. Kommunisten sind! Wir wollen uns jetzt den konkreten Ursachen der Spaltung zuwenden. Zu ihrem Verständnis ist es aber notwendig, die Entwicklung des. deutschen Kommunismus bis auf seinen Ursprung zurück zu verfolgen. i. Spartakus und die Linksradikaten. Die am 30. Dezember 1918 gegründete komm. Partei Dautschlands ist aus zwei wesensverwandten, gruudsätziich übereinstimmenden' aber trotzdem taktisch und methodisch voneinander stark abweichenden. Bewegungen hervorgegangen: dem Spartakusbund und der linksradikalea Gruppe. Beide Richtungen waren sich von allem Anfang an darüber klar, daß die Abstimmung der sozialdemokratischen Reicht;- tagsfraktion am 4. August 1914 keine zufällige Verirrung war, die durch einige „radikale" Resolutionen wieder gutgemacht werden könnte,- sondern, daß sie den äußeren Abschluß einer Entwicklungsphase der Arbeiterbewegung bildete, auf welcher jetzt ein neuer Abschnitt notwendig folgen mußte. Beiden Gruppen war die Anschauung gemeinsam, daß die imperialistische Aera und die mit ihr gleichzeitig sich vollziehenden Veränderungen in der Struktur des Kapitals auch eine Aenderung in der bisherigen Kampfesweise .•s Proletariats gebieterl«ohi erfftrdoraji den Uebergang von der parlamentarischen Politik zur revolutionären Massentätigkeit. Und schließlich gingen beide Strömungen von der Erkenntns aus, daß die Periode der Sammlung, der bloßen Agitation und der negativen Kritik an dem Bestehenden, vorüber war und eine Epoche des positiven, unmittelbaren Kampfes um den Sozialismus angebrochen ist, zu welchem Kampfe, die Massen vorbereitet werden müssen. Aber die Wege, die sie nun einschlugen, um die Massen zur Erfüllung ihrer geschichtlichen Aufgaben vorzubereiten,, waren, grundverschieden. Der Spartakusbund, die stärkere von den beiden Gruppen, welcher unter der geistigen Führung von Rosa Luxembiu*g, Liebknecht und Mehring stand und der einen bedeutenden Auharig in Berlin, am Niederrhein, in einigen Städten Sachsens sowie Süddeutschlands besaß, daß es vor allem gelte,, den geistigon Einfluß der Parteibürokratie auf die Massen zu brechen und daß der Kampf u m die Massen dort gefühlt werden muß, wo diese bereits gesammelt sind, also innerhalb der bestehenden Organisationen des Proletariats. Solange die einheitliche sozialdemokratische Partei bestand» blieb daher Spartakus in ihren Reihen, Als die Spaltung vollaogen war und die Unabhängige sozialdemokratische Partei gebildet wurde, schloß sich Spartakus unter Wahrung seiner vollen Aktionsfreiheit, dieser neuen Partei an. Denn es handelte sich, darum, die U. S. P, „in der Reichweite äusserer Peitsche zu haben", wie das Liebknecht in einem Rückblick1) sagt, um sie vorwärts zu treiben, nicht in der Hoffnung,, daß diese Partei jemals revolutionär werden könnte, sondern gerade in der Voraussicht» daß sie im entscheidenden Augenblick immer versagen wird und eben dadurch es Spartakus ermöglichen wird, der Partei m a s s e die Augen zu öffnen und sie für die eigene Taktik zu gewinnet;. Der Spartakusbund machte es sich also zur Richtschnur :i Bei den Massen bleiben dort, wo sie bereits organisiert sind ttnd durch rücksichtslose, kritische Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Vergangenheit und den Mängeln der bisherigen Arbeiterbewegung die Denkweise der Massen umzuwälzen. Denn: „es genügt nicht, daß «ine Handvoll Leute das beste Rezept in der Tasche hat und schon weiß, wie man die Massen führen soll. Die sie Massen müssen geistig den Traditionen der bOjährigen Vergangenheit entrissen, von ihnen befreit werden. Und da* können sie nur im großen Prozeß ständiger, schärfster, innerer Selbstkritik der Bewegung im ganzen."2) i Im vollen Gegensatz zu dieser Taktik stand die Methode der. Linksradikalen. Das Gebiet ihrer Wirksamkeit -bildeten vor allem die beiden, industriell hochentwickelt«!! .Hafenstädte. Hamburg und Bremen. Die ersten literarischen •Aeußertmgen dieser Gruppe waren die von Lauienberg und Wolffheim. gemeinsam verfaßten Broschüren über „Envperia- -lismus und! .»Demokratie" sowie „Demokratie und Organi- -sation". Besonders in dieser letzteren Broschür* wurde der *) Referat auf der Gründungskonferenz der K. P. D. 2) ^Duisburger „Kampf" vom 25. Mai 1817. Versuch unternommen, den „Umfali" der Sozialdemokratie im Lichte feiner historisch-soziologischen Analyse zu erklaren und* die weiterem Entwicklungstendenzen der Arbeiterbewegung aufzudecken. Im Vordergrund der ganzen Untersuchimg stand das Problem der Organisation der Massen. Wenn die Arbeiterklasse noch unfähig war, den Kampf gegen das kartellierte Finanzkapital aufzunehmen, so war das nicht nur dem Versagen ihrer bisherigen Führer oder dör geistig>en_ Unreife der Massen zuzuschreiben, sondern vor allem aer organisatorischen Bückständigkeit der Arbeiterschaft, weil sie es unterlassen hat, aus der neuen monopolistischen Organisation des Kapitals die notwendigen Konsequenzen für di« Umbildung der eigenen Kampfformationen zu ziehen. „Der Form der monopolistlsohela Industrie entspricht auf Seiten der Arbeiter der rein» Industrieverband auf der Grundlage der Betrlebsorganisatio n," so schrieben Lauienberg und Wolffheim sohon im Jahre 1915.3) „Und ebenso wie das Finanzkapital die bisherige Trennung zwischen wirtschaftlicher Unternehmermacht und der politischen Staatsgewalt unter Umgehung der Parlamente aufgehobeai hatte, ebenso muß auch auf Seite des Proletariats die alte Trennung zwischen Partei und Gewerkschaften beseitigt und eiue neue Einheitsorganisation gebildet werden, welche die ökonomische und politische Klassenbewegung verschmolzen und die Arbeiter zum unmittelbaren Kampf um die Diktatur des , Proletariats befähigen sollte. Ks ist klar, daß die erste praktische) Konsequenz aus; '■■ dieser Anschauung eine Loslösung der revolutionären, Ar- , beiterschaft von den bisherigen Organäsationsverbünden sein mußte. Die rückständigen Massen sollten für die revo- ' lutionäre Taktik dadurch gewonnen werdesa, dal> man ihnen die Ueberlegenheit der neuen Form gegenüber der altt-n 'praktisch bewies. Zum ungestörten Aufbau der neuen Oiganisationen war vor allem die volle Bew<8gung.sfreiheiD der revolutionären Soziallsten nötig. So wurde, die Spaltung der Sozialdemokratie zur Parole des Linksrai iikalisraus, welche yor allem in der von Johann Knief begründeten Bremer i,, Arbeiterpolitik" mit rücksichtsloser Schärfe propagiert Wurde. D,,e»e Spaltung ist auch schließlich eiugetret.-n, aber Ihre nächste Folge war vorläufig noch nicht die erhoffte llmorgaDlsierung der Arbeiterbewegung. 3Da die Spartakusgruppe ein zeitweises Zusammengehen mit den Unabhängigen noch für notwendig hielt, konnten Üie auf sich selbst gestellten, numerisch viel schwächeren Lijiksradikalen, Keine Organisation aus eigener Kraft bilden. Eis blieb ihnen 'zunächst nichts anderes übrig, als durch -weitere soharie Kritik dem' wachsenden Groll der Massen g{egenj den Krieg l>e,- wußten Ausdruck zu verleihen, bis endlich der militärische Zusammenbruch und als seine Folge d ie Revolution gekommen ist» Sil' Die Vereinigung unter kommunistischem B a n n e r. Der Novemberumsturz brachte zu.'aächbt noch heinen Wandel im Verhältnis der beiden radikalen .Gruppen« '/.ucinander. Der Spartakusbund entfaltete M .Berlin und anderen Großstädten eine ausgedehnte, erfolgreiche Massenagitation, ganz unabhängig von den Instanzen .dter ü. S. P. Aber es fiel ihm deshalb - nicht, ein, seine organisatorischen Beziehungen zu dieser Partei zu lösen. Dlenn seine* geistigen .Vorkämpfer waren sich der Tatsaohe wphl bewußt, daß das Proletariat als Ganzes zur Uebernahme! der Macht noch nlicht, reif war, daß es in seiner übergrfoßen Mehrheit den aech^sozialisten und1 Unabhängigen noch Folge leistete und um'^sie für Spartakus zu gewinnen, deri Kontakt mit diesen ' unentschlossenen Arbeiterschichten aufrechterhalten worden mußte. Spartakus bekämpfte die Einberufung der Nationalversammlung, aber er rechnete doch ndt der Möglichkeit ihres Zusammentrittes. Für diesen Fal l erschien os aber sehr zweokmäßig, eine, den Spartakusbund zu nichts verpflichtend«; unabhängige Fraktion in dfei- Nationalversammlung zu haben, der man je nach den ' fVechselfällen der revolutionären Entwicklung einmal von üußenher dai Rückgrat stärkte, um sich so den herrschenden Partoieu auf Ihrem eigenen Boden möglichst unbequ;em zu machen, — das andere Mal wiederum durch KritiSk der Resultate der unabhängigen Politik, sowohl diese P artei als auch den Parlamentarismus vor den Massen draußen zu diskredWoren, um sie derart von der Notwendigkeit eines Kampfes außerhalb des Parlaments und gegej\ das Parlament bu überzeugen* Wie wenig Spartakus noch bis Mitte Dezember 1918 an den organisatorischen Brueh mit den Unabhängigen und die Bildung einer eigenen Partei dachte, das beweist am besten eine bisher gar nicht beachtete Stelle seines Programms, worin es heißt: ,'Der Spartakusbund ist keine Partei die über die Arbeitermasse oder durch die Arbei. termasse zur Herrschaft gelangen will. Der Spartakusbund ist nur der zielbewußteste Teil des Proletariats, der die ganze breite Masse der Arbeiterschaft, bei jedem Schritt auf ihre geschichtlichen Aufgaben hinweist.1, .'j Und bezeichnend für die Entfremdung, die zu jener Zeit noch zwischen Spartakus und den „Internationalen KoramunistenMA(wie sich die Linksradikalen nach der Revolution nannten},, herrschte, ist die Tatsache, daß auf der Konferenz dieser letzteren in Berlin Mitte Dezember, infolge eines „zufälligen" Mißverständnisses vöm Spartakusbund nicht einmal ein Gast zugegen war. Aber die Menschen denken uud die gesellschaftlichen Verhältnisse lenken. Es waren noch keine zwei Wochen seit Veröffentlichung des Programms vergangen, in welchem Spartakus jede Parteibildung mit so klaren Worten ablehnte, als sich seine Vorkämpfer durch äußere Umstand« dennoch gezwungen sahen, an die Gründung einer Sonderpartei zu schreiten. Den Hauptanstoß dazu gab det rapide Verfall der U. S. P., welcher in den Dezemberwochen vorübergehend in Erscheinung trat. Es schien damals ganz ausgeschlossen) daß dieser „verwesende Leichnamauch nur die Wahlen zur Nationalversammlung überdauern werde. Die politische Situation war in diesen Tagen scharf ausgeprägt und drängte immer größerq Arbeiterscharen zur klaren Entscheidung zwischen Scheidemaim und Liebknecht. Ganze Wahl vereine der U. S. P. gingen damals zu den Mehrheitsssozialisten über. Anderseits gerie fcder radikale Partolflügel unter Ledebours und Däumigs Führung in schroffsten Gegensatz zu den unabhängigen „Instanzen". Er organisierte sich selbständig im Verbände der revolutionären Obleute und machte ernste Mine nach links abzuschwenken. Es galt jetzt diesen wertvollsten Bestandteil ans der Konkursmasse der Unabhängigen für Spartakus Zugewinnen. Und es galt ferner, da die parlamentarische Vertretung durch die Unabhängigen zweifelhaft wurde, auch für einige Vertreter in der Nationalverßanailang zu sorgen, damit die Herren Gesetzgeber nicht allein untereinander bleiben. Wollte man sich anden Wahlen selbständig beteiligen,- dann war es nötig, zu diesem Zwecke eine politische Partei zu gründen. Die Loslösung vom .»Kadaver" der Unabhängigen wurde so zur unaufschiebbaren Notwendigkeit. Damit entfiel aber auch für die Linksradikale'ü jeder Grund, sich von Spartakus noch weiter fernzuhalten. Das Rätesystem brachte ihnen, die. lange gesuchte Form* für die neue Organisation des Proletariats. Die Trennung zwischen Spartakus und den Unabhängigen — gleichviel aus wel' chen Motiven sie erfolgte — ermöglichte die Vereinigung beider revolutionären Gruppen zu einer kommunistischen Partei. Aeußerlich war so alles aufs Beste bestellt. Di» alten Gegensätze schienen für immer überwunden zu sein. Aber mit dem Niedergang der Novemberrevolution zeigt» es sich sehr bald, wie schwach noch die Grundlagen der kommunistischen Einheit waren. £ (Schluß folgt. )ä 9);„Demokratie und Organisation |", S. 55. V„Was will der Spartakusbund", iüuiter Abschnitt. Diese Programmsohrift ist bekanntlich von der kommunistl-- schon Partei ohne jede Veränderung übernommen ^forden. Rykow. Die wirtschaftliche Lage Sowjetrußlands/) Die metallbearbeitende Industrie. Um von der Lag« der metallbearbeitenden Industrie im Räterußland ein anschauliches Bjki igebea zu können, seien hier zum Vergleich die entsprechenden Zahlen aus dem Jahre 1913 angeführt. So haben z. B. die Lokomotivbauanstalten 1919 eine Leistung; von 40 Prozent, höchstens von 5ü Prozent gegenüber, 1913 aufzuweisen gehabt. Hierbei s;od auch die reparierten Lokomotiven miteingerechaet, obgleich die Fabriken erst im vorigen Jahre für Instandsetzungsarbeiten hergerichtet wurden. Der Wagenbau ist auf zirka 10 Prozent, *) Fortsetzung s. „Freie Tribüne" Nr. 15 n. 17 (Russ. Korr.). Internationale, an diesem Tage zur Arbeit rufen und damit die Freude an der Arbeit bekunden. Es ist kein Zufall, daß wir uns erst im dritten, Revolutionsjahre vion-den früheren, automatisch überlieferten Formen der Maifeier der II. Internationale befreit haben und jetzt zum Arbeitsfeste uns bereiten, zur Form der Feier, die einzig der Revolution würdig ist, der siegreichen Revolution, die uns eine neue Welt erobert hat,- deren Inhalt in nichts anderem, als in der Umwandlung der Arbeit besteht. Das Fest der Arbeitswandlung — wahrlich ein frühlingsfrohes, sonnendurchglühtes Fest, helleuchtend und freudvoll..,. Jetzt werden Kinder ruhen, nur Kinder. Ihr Ruhen wird den Glanz des Maisymbols verstärken. Der rastlosen, besonders intensiven Arbeit der Erwachsenen gegenüber, soll das Spielen der Kinder den Tag erhellen ... Denn wir feiern die gemeinsame Anspannunö aller Kräfte zur gemeinsamen Arbeit, deren Fostesf/lanz sich m dar vollen Hingabe offenbart____" Der Festtag des Proletariates in einem ostjüdischen Städtchen. (Erinnerung«*!.) Ein Städtchen in Mittelgalizien, der wolhynischen Gronig nah«. Ungefähr 15 Jahre sind es, seitdem die ersten Strahlen des Sozialismus in dieses weltfremde Nest eingedrungen sind: Zwei jüdische Studenten haben ihre Ferien dazu benützt, um unter die jüdischen und nichtjüfiischen Arbeiter des Ortes etwas Leben und Licht zu bringen und sie zu organisieren. Es waren keine zwei Wochen vergangen und schon munkelte man davon in der ganzen Stadt, und wenn man sich auch über die Absichten dieser Rebellen n&cht klar war, der «inen Tatsache war man sich bewußt, daß sie früher oder spätermit den „maßgebenden" Ortsgrößea, mit dir Basiriöjhauptmannschaft und Polizei, in Kon flikt geraten müßten. Daß diese „Gesetzwidrigkeit" das InterlBsse für die neue Bewegung und ihre Träger besonders bei der jüngeren Generation stark gesteigert nat, ist wohl ganiz selbstverständlich. Für ihren ersten öffentlichen } hiftritt hatte sich die junge Gesellschaft den 1. Mai erkoren,) Bereits acht Tage vorher prangten in der ganzen Stadt gr« »ße rote Ankündigungen in polnischer Sprache, und wenn auc'jh die meisten sie kaum lesen konnten oder nicht verstanden3, verbreitete sich doch sehr rasch die Kunde, daß am 1. #/4ai „etwas los sei". So mancher freute sich auf die bevorstehende „Abwechslung", den meisten aber raubte die Angst y or Unruhen den Schlaf. Je näher der „kritische'' Tag heranrückte, desto mehr stieg die Unsicherheit. Dge unglaublichs iten' Nachrichten über die »Anarchisten" (unter diesem «gemeinsamen Namen faßte man alle radikaleren oder auch kritis;;cher' gesinnten Elemente zusammen) tauchten auf und faind< tw /gläubige Ohren. Schon sah man die Aufwiegler gefesselt na< :h Lemberg transportiert.. Dia Unruhe stieg unaufhörlich! Einten Tag vor der Maifeier war die Stadt mit Gendarmen überrh,'»"*t — der Bezirkshauptmann gehörte eben zu den „Vorsichtigen'4 — und die Spannung erreichte ihren Höhepunkt. Auch die Gegenseite ließ es a n Vorbereitungen nicht fehlen. Die jung«n sozialistischen Pioir liere waren ihrer Sache scheinbar nicht ganz sicher, denn sine hatten aus Lemberg nicht nur einen Redner, sondern auf fli einigeältere sozialistische Genossen geholt, in der Uebeif «zeugung, daß die „Lemberger" den Behörden mehr Respeh t einflößen würden. Endlich kam der 1. Mai. Schou)»in dan ersten Morgenstundien sah man junge Arbeiter, die j mit roten Abzeichen geschmückt waren. Mißtrauische Blicke Uder Gendarmen begleiteten deren Verkäufer und Verkäufer,/ innen,, die zaghaft ihran Vierfolgern auswichen. I Gegen neun Uhr früh begamjhfcn die Arbeiter sich vor Ihrem Vereinslokale (von dessen Exil rtenz bisher kaum jemand gewußt Ihatte) zu sammeln und in */»iner halben Stunde setzte sich der Zug in Bewegung. Voran 1 »ine große rote Fahne, begleitet von den zwei Studenten urf t<d einigen Arbeitern, dann die übrigen Teilnehmer, alles in ii allem gegen hundert Personen. I ■! Einen merkwürdigen Eiiidrm/ ck erweckte diese Demon " ' ' ' V.n " *------ stration. Noch immer wußte ke* angestrebt werde, eines aber 1 sind, 4H etwas fordere! Mensch, was eigentlich /urde klar: daß es Enterbte Aber Männer mit Frauen, Juden mit Nichtjuden vereint, Arbeiter verschiedener Professionen in einer Reihe und an deren Spitze Studenten „aus guter Familie'1 — das konnte man nicht begreifen . . . Ein Teil der Zuschauer ergötzte sich an der „Hetz", hie und da warnte einer vor den gefährlichen „Zivillisten", nichtsdestoweniger wohnte der Versammlung, in der die „Lemberger" reüerierten,' eine ganz* stattliche Menge beö. Die Redner sprachen polnisch und die jüdischen Zuhörer 4 verstanden nicht viel, aber Achtung und Mitgefühl empfanden sie doch. Auch die nichtjüdjischien Arbeiter waren sich der Bedeutung des Tages nicht bewußt, es begann sich aber in ihnen das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit ,den arbeitenden Klassen der anderen Völker und Länder zu regen. Diese Saat ist an dem 1. Mai gelegt worden und sie hat tausendfache Frucht getragen.^ i * Einige Jahre später haben in derselben Stadt drei sozialistische Parteien den 1. Mai gefeiert. An den Versammlungen und Umzügen nahmen viele Hunderte teil. Die Stadt war von Aufrufen und Zeitungen überschwemmt. Man wußte aber auch schon, was die Feier bedeutet, und reinlich teilte sich die Bevölkerung in zwei Lager: hier die Arbeiter — dort alle anderen: die Besitzenden, die Kaufleute, die „Stajdt- Vor Jahresfrist war es, während der ukrainisch-polnischen Kämpfe. Die Stadt war eine Zeit lang unbesetzt und man befürchtete Unruhen. Man entschloß sich, zur Äufrechterhflltung der Ordnung eine Abteilung der Roten Armee über die Grenze einzuladen und sie blieb in der Stadt zwei Tage. Die roten Soldaten sorgten mit Hilfe der einheimischen Arbeiterschaft für die Ruhe und betrieben fleißig kommunistische Propaganda. Beim Abmärsche schloß sich ihnen freiwillig eine beträchtliche Anzahl jüdischer Arbeiter an, um zusammen mit dem russischen Proletariats in den blutigen Kampf für den Sozialismus, für die internationale Arbeiterklasse zu treten. Es war darunter gar mancher, der vor 15 Jahren in so schlichter Weise zum ersten Male den Festtag des Proletariats gefeiert hatte ... Menachem,

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