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Freie Tribüne · 1920-04-17 · 16 (17.4.1920) · page 2

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
16 (17.4.1920)
Date
1920-04-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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SfclTE 2 FREIE TRIBÜNE NR. 16 bediente. Die Geschüditc der jüdischen Sprache ist die Geschichte des Werdens, des Aufstieges und des heroischen Kampfes der werktätigen jüdischen Massen für ihre materielle und geistige Emäanzipation. ■ Jidische Kultur und jidische Sprache bedeutet proletarische Kultur, proletarische Sprache. In dieser Hinsicht sind wir jüdischen Proletarier gegenüber unseren Klsasengenossen anderer Völker im Vorteile. Haben (unsere Klassenbrüder mit ihren Unterdrückern gern einsame Spradhe und gemeinsame Kultur, so hat uns unser Schicksal davor bewahrt. Kann die deutsche Bourgeoisie sich auf die deutsche Kultur, auf Goethe und Wagner als deren Großmeister berufen und dadurch nur allzuoft die geistigen Arbeiter in ihr Lager Iocken, so kann ein solches Manöver der jüdischen Bourgeoisie nicht leicht gelingen. Denn bei uns sprechen Ausbeuter und Ausgebeutete im buchstäblichsten Sinne des Wortes zwei verschiedene Sprachen. { Zwei? Nein. Die jüdische Bourgeoisie spricht ja alle Sprachen der Welt. Nur nicht die jidijsche. Das alles ist so klar, so einfach und so richtig, daß man darüber eigentlich nicht zu debattieren hätte. Und doch — so unglaublich es ist — gibts in unseren Reihen Leute, die Antijidischlisten, ja, Hebräisten sind# ( Wie das möglich ist? Vermittelst einer ScMffsfearte von Odessa nach Haifa. In Kiew, Berdidschew, Warschau, Minsk, Moskau, ja selbst in Samara haben sie alle nach jüdischen Schulen in jidischer Sprache verlangt, für diese gekämpft und solche gestiftet. Haben sie aber einmal die Schiffskartenach Palästina gelöst, dann wurden sie sofort... Anti-Jidischisten-Hebräer. x In Warschau Jidischist, in Palästina Hebräist. Wieviele unserer Genossen," sind an dieser Selbstzerfleischung geistig zugrunde gegangein? Wieviele werden es noch? Sie empfinden selbst nicht, welch' grausame Verhöhnung unserer poale-zionistischen Idee in ihrem Hebrädsrrius steckt. Palästina hört auf, die Lösung der Exterritorialität des jüdischen Volkes zu sein; Poalezionismus bedeutet nur noch Auszug aus Äegy,pten. Wir hören auf, Juden zu sein, wir werden Hebräer. Wir hören auf die Sprache des Golus zu reden, wir fangen an die Sprache des heiligen Landes zu sprechen. Sie bemerken dabei nicht, daß sie dem jüdischen Arbeiter nichts anderes empfehlen, als die .. . Assimilation. Auf der Wanderung nach Europa nimmt der jüdische Intellektuelle sich ein deutsches, französisches oder englisches Wörterbuch mit, auf seiner Wanderung nach Amerika führt der jüdische Arbeiter nichts als seine feilzubietende Arbeitskraft und seine jidische Sprache mit; auf der Reise nach Palästina aber wollen rrfanche unserer Genossen den jüdischen Proletariern h ebräische Wörterbücher mitgeben. Und sie reden von einem jüdischen Zentrum, sie sprechen von einer Massen Siedlung. Für uns bedeutet Palästina die Fortsetzung, Konzentrierung und Weiterentwicklung der durch Blut und Tränen geborenen und großgezogenen jüdischen, proletarischen Kultur; für unsere Hebräisten muß der jüdische Proletarier in Odessa nicht nur den feuchten Keller, die dumpfe Werkstätte, den nagenden Hunger, sondern auch seine Sprache, seine Kultur zurücklassen. Für uns ist Palästina die materielle Grundlage unseres eigenen kulturellen Aufstieges; unsere Hebräisten aber meinen, wir müßten in den Wellen des Jordans untertauchen, damit wir gereinigt und geläutert amOelberge eine neue hebräische Kultur empfangen. Und das sind dieselben Genossen, die in den Golu Ländern für jidische Schulen gekämpft haben! Man greift sich an den Kopf. Warum gingen diese Leute nicht zusammen mit Rabbiner Mase,'als'dieser in Moskau hebräische Schulen schuf? Haben sie nichts von den verzweifelten Sprachkämpfen der rußländischen und ukrainischen Poale- Zion gegen die zionistischen Mehrheiten der jüdischen Gemeindestuben gehört. Die Schamröte steigt ins Gesicht: jidische Zeitungen können in Palästina nicht gedruckt werden. So wollen es, nicht etwa bolschewistische Volkskommissäre, sondern die Führer der Ächdut Haawoda — gewesene Poalezionisten. Genosse Rewutzki darf in einer poalezionistischen Versammlung nicht jidisclh sprechen. Genosse Nußen darf vor den Verehrern" Borochow's über Borochow nicht jidiscb reden. r Nicht darüber soll unsere Weltkonferenz entscheiden, ob Palästina zum Lande der jüdischen Arbeit und der jidis etilen Kultur werden soll — das jst ja das A und Z unserer poalezionistischen Lehre — sondern darüber soll die Weltkonferenz entscheiden, ob Männer, die Palästina zum Lande einer hebräischen Nation machen wollen, in unseren Reihen Platz haben. Und die Sprachenfrage? Die wird von den ersten fünfzigtausend Einwanderern gründlich gelöst werden. Ich erinnere mich: es war in den Jahren 1908—10» Die jüdische literarische Gesellschaft veranstaltete einen großen literarischen Abend. Die Sprachenfrage: Jidisch — Russisch — Hebräisch — war der Brennpunkt aller literarischen Dispute. Da griff unser großer jüdischer Humorist „Reb Mordchele" (TsChemerinskg) aktiv ein. Er fertigte drei Tafeln mit folgenden Inschriften an: 1. „Jibrim, dabru Jibrith!" „Hebräer, sprecht hebräisch 1" ' , < 2. „Rebjata, waljai po ruski!" „Burschen, redet russisch!" 3.. „Kinder, hackt Mameloschenl" „Kinder sprecht munter die Muttersprache!" Jawohl. Die Muttersprache des jüdischen Proletariats, die ist und bleibt Jidisch. Und wenn unsere Hebräisten schon vergessen haben, wie wir, jüdischen Proletarier, in Lemberg und in Tarnopol, in Kiew und in Petersburg, für unsere Muttersprache gegen die Winawers und Diamants gekämpft haben, dann Averden wir sie daran erinnern müssen. Plästina wird Jidisch — oder es wird nichlt! Aus der ungarischen Hölle. Die entmenschte blutrünstige Maffia, welche sich nach der Niederkämpfung des Proletariats in Ungarn etabliert hat, wird immer toller in ihrem unersättlichen Blutdurst. Nachdem die proletarischen Märtyrer, die edelsten Menschen, die Ungarn je hervorgebracht hat, für' ihre Ueberzeugungstreue auf dem Galgen büßten mußten, nachdem mannhafte Schriftleiter der -Arbeiterblätter von den Offziersbestien meuchlöngs gemordet wurden, ist der Blutwahn der'uniformierten Strauchritter ins Unermeßliche gestiegen. Es ist bei dem Charakter der ungarischen Horthygardisten, welcher eine Verquickung von Feigheit und Bestialität darstellt, natürlich', daß sichdie Mordlust hauptsächlich' gegen die friedlichen wehrlosen Juden in den ungarischen Städten und Dörfern richtet. Hierüber bringt der Preßbericht erschütternde Zeugnisse: Die gesamte jüdische Bevölkerung der Umgebung von Kecskemet flüchtet. Die christliche Bevölkerung protestiert gegen die-e Greuel, aber ohnmächtig... Die zu ruß wandernden Hüchtinge werden unterwegs von den Offizieren der brachialgewait ausgeraubt. Die Züge werden'von einer eigens zu die~em Zwecke organisierten Patrouille nspiziert. Diese flüchtenden Juden hab.n auch vor Budapest, wohin sie sich wenden. Angst, denn an den Toren der Hauptstadt harren ihrer gewiß neue Schändlichkeiten der Brachial - Offiziere. In der Gemeinde Kis kurrmajsa wurden die Juden am letzten Pessachtage aus der Synagoge getrieben. Die Prona/j- und Hejjasoffiziere ließen die Männer und Frauen in Re hen aufsteilen. Geschwister und Verwandte mußten einander gegenüber Aufstellung nehmen die Kinder und Frauen bildeten eine eigene Gruppe..Den Stärkeren wurde ein Knüppel in die Hand gegeben und an sie die Aufforderung gerichtet, auf die schwächeren Juden mit voller Kraft loszuschlagen! Parierte einer nicht, wurde er selbst totgeschlagen". Schlug einer nicht aus voller Kraft zu, wurde der Knüppel dem ursprüngiiehen Opfer in die Hand gedrückt. Die Unglücklichen blieben in ihrem Blute auf der Wahlstatt liegen!, umgeben von ihren Frauen und Kindern . . . * Am vorletzten Pessachtage wurden plötzlich die in der Umgebung von Kecskemet gelegenen Dörfer besetzt u:id die jüdischen Bewohner von Izsak, Fülöpszallas, Orgovany, Kiskurrmajsa und der übrigen Ortschaften erhielten den Befehl, binnen 48 Stunden ihren Wohnort in den betreffenden Dörfern zu verlassen. Jeder Jude, der nach Ablauf dieser Frist von der Offiziersbrachialgewalt in den Dorfgemc ndea angetroffen werde^ werde unbarmherzig hingerichtet. Sofort, nachdem der Befehl mittels Trommelschlages in den Straßen der Dörfer verkündet worden war, schritten die Offizierskollegen des Ivan Hejjas, des Busenfreundes von Horthy. an die b.uäge Arbeit. In der Gemeinde Izsak wurden) sämtliche Juden des Dorfes, Männer und Frauen, auf einen Platz zusammengetrieben, in brutalster Weise mißhandelt, mit Stockschlägen traktiert. Mit Gewehrkolben wurde auf die Ungucklichen eingehauen. Dem einen wurde die Barschaft von 40.000 Kronen geraubt und auch die übrigen wurden ausgeplündert. Dies alles geschah unter dem Kommando, für angeblich begangene Preistreiberei Sühne zu n u men. Tatsache aber ist. daß die jüdischen Kaufleute 3es lieben Friedens willen und um sich auf solche Weise die Gunst der Dorfbewohner zu erwerben, die Zündhölzer Monate hindurch um 50 Prozent unter dem Einkaufspreis abgaben. Da trat eine Preissteigerung in Zündhölzchen ein. D e Juden haben gleichfalls den bisher um 50 Prozent unter dem Einkaufspreis festge.etzten Preis um 10 Heller erhöht. Ihr Verlust blieb hiedurch nach wie vor 50 Prozent der Gestehungskosten. Diese Erhöhung um 10 Heller bildete nun den Vorwand für die Stockprügel, die Plünderungen, die inquisitorischen Peinigungen. Zum Schlüsse wurden die Juden aus dem 'Dorfe hinausgepeitscht. Und Hejjas konnte stolzerfüllt melden: In Izsak gibt es keinen Juden mehr! Auch in Fülöpszallas gibt es keinen Juden mehr, sie mußten bis spätestens Donnerstag nachts 12 Uhr, das Dorf verlassen haben. Frau David Grosz, eine gebrochene Greisin von 88 Jahren, wurde von ihrem Sohne, dem Fleischhauer Grosz, aus dem Krankenbett gehoben, da man selbst diese hilflose Greisin trotz Flehens ihres Sohnes nicht länger im Dorfe dulden wollte. Zu mitternächtlicher Stunde nahm der unglückliche Sohn seine kranke Mutter' auf die Arme und schleppte sich mit ihr aus dem Dorfe. Am Dorfrande wurde, diese alte kaum noch lebende Menschenruine in den Armen ihres Sohnes von einem Offizier des Detachements in bestalischer Weise mit den Füßen gestoßen, weil sie es gewagt hatte, nach der anberaumten Frist die Luft der kernniag-iarischen Gemeinde mit ihrem jüdischen Gestanke zu verpesten, Angesichts dieser „Kulturtaten" der königlich ungarischen Briganten wird die ganze Heuchelei der von Fäulnis zerfressenen bürgerlichen Gesellschaft, der sogenannten zivilisierten Welt, offenbar, die durch, ihr Sprachrohr Herrn Lloyd George-verkünden konnte, es sei nicht so schlimm. Vor aller Welt wird die Bundesgenossenschaf t aller Mordgesellen von Denikin bis Horthy mit dem internationalen Parasitentum der ausbeuterischen Bourgeoisie kund. Diesen Ring zu durchbrechen, muß die vornehmlichste Aufgabe des organisiertem Proletariats im Namen der Menschheit sein. Auf dem Wege zur Revolution in Polen. Es scheint, daß die Würfel endgültig gefallen sind . . Indem mehrere Noten wegen der Friedensverhandlungen zwischen Sowjetrußland und dem polnischen Staatq gewechselt wurden, mußte der Volkskommissar für äußere Angelegenheiten der sozialistischen Republik, Tschitscheiia, konstatieren, daß bei den polnischen Machthabern kein ehrlicher Friedenswille vorhanden sei. Er war daher gezwungen, die weiteren, direkten Vorverhandlungen weyem Berl der Schneider. Von J. L. Perez. Erew Jom-Kippur — Vorabend des Versöhnungstages — in der Berditschewer Schul. Es senkt sich die Nacht. Die alten Leute haben bereits vor dem Thoraschreine das Gebet: „Mit Wissen des Schöpfers und 'mit Wissen der Schöpfung..." gesprochen und sind auf ihre Plätze zurückgekehrt. Rabbi Levi-Jizchok steht am Vorbeerpult: er soll das Kol- Nidrej anstimmen, doch er schweigt. Alle Blicke hängen an seinem Rücken. In der Weiberabteilung ist es still wie auf dem Meere vor dem Sturmei. Vielleicht wird er zuvor, wie er das schon manchmal tat, einige Worte sprechen wird sich in der gerne nen Volkssprache mit dem Schöpfer der Welt auseinandersetzen, wie ein Mensch mit seinem Nächsten spricht. über Rabbi Levi-Jizchock steht, in Kittel*) und. Gebetmantel gehüllt, vor dem Pulte und schweigt. Was hat das zu bedeuten? Sind die Tore des Gebets zu einer so späten Stunde xnoch geschlossen? Hat Rabbi Levi-Jizchok nicht die Kraft, anzuklopfen? Er hält seinen Kopf etwas geneigt, wie lauschend; lauscht er, ob man die Tore nijht schon aufschließt? Und plötzlich wendet sich Rabbi Levi-Jizchok um und ruft: „Schuldiener!" Der Schuldiener eilt zUi'ihrn hin, und der Rabbi fragt: „Ist Berl der Schneider noch ni:ht da?" Die Gemeinde ist vor Erstaunen wie versteinert. Der Schuldiener stammelt: „Ich weiß nijht..." und sieht sich um. Auch Rabbi Levi-Jizchok mustert die Anwesenden. „Nein, er ist noch nicht da!" sagt er schließlich. „Ist zu Hause geblieben." Und dann' wendet er sich wieder zum Schuldiener: „Geh zu Berl dem Schneider ins Haus und ruf ihn her! Ich Levi-Jizchok, der Rabbi der Stadt, ließe ihn rufen!" *) Kitfei: Totenhemd das jeder Jude am Versöhnungstage während des Gottesdienstes trägt. Berl der Schneider wohnt In der Schulgasse, nicht weit vom Bethause. Und er kommt auch sehr bald, ohne Kittel und Gebetmantel, in Werktagskleidern. Sein Gesicht ist finster seine Augen sind böse Und erschr,cken zugleich. Er geht auf Rabbi Levi-Jizchok zu und sagt: „Ihr habt mich rufen lassen, Rabbi, so bin ich zu Euch gekommen." Er betont: „Zu Euch". „Sag einmal, Berele," fragt der Rabbi lächelnd, „warum wird heute dort oben von dir so viel gesprochen? Die himmlischen Heerscharen sind nur mit dir allein beschäftigt. Man hört nichts als: Berl der Schneider und Berl der Schneider!" „Aha!" triumphiert Berl. „Hast du irgendeine Beschwerde vorzubringen?" „Gewiß!" „Gegen wen denn, Berele?" „Gegen den Schöpfer der Welt!" antwortet Berl. Die Gemeinde hätte ihn in Stücke gerissen. Doch Rabbi Levi-Jizchok lächelte noch freundlicher. „Vielleicht wirst du uns erzählen, um was es sich handelt?" „Gerne!" sagt Berl. „Von mir aus kann die Sache sogar gleich hier von Euch entschieden werden. Darf ich sprechen?" „Sprich!" „Den ganzen Sommer lang", beginnt Berl der Schneider seine Anklage „habe ich, nicht auf Euch gesagt, Rabbi, gar keine Arbeit gehabt... Weder von einem Juden noch von einem Bauern. Ich könnte mich einfach hinlegen und sterben so schlecht ging es mir!" „Ach!" zweifelt der Rabbi: „Der Same Abrahams, Issaks'und Jakobs i;t doch mildtätig — du hättest auf die Barmherzigkeit der Leute vertrauen sollen!" „Darum handelt es sich nicht, Rabbi. Ich sage niemandem ein Wort und nehme von niemandem etwas an." Von einem Geschöpf aus Fleisch und Blut nimmt er keine Geschenke an. Er hat vor dem Schöpfer der Welt die g'eichen Rechte wie die andern Leute. Das einzige, was er getan hat — er hat seine Tochter in ein» größere Stadt zu fremden Menschen dienen geschickt. Und er sitzt allein zu Hause und wartet, was der Schöpfer mit ihm zu tun beschließt. Einmal vor dem Laubhüttenfesie geht die Tür auf. Aha! Nun hat er es doch erlebt. Und in der Tat, es ist ein Bote vom Gutsherrn: Berl soll ihm einen Mantel mit; Pelz füttern. Der Schöpfer will also doch um ihn sorgen! Er geht aufs Schloß, man führt ihn in ein eigenes Zimmer und übergibt ihm den Mantel und die Felle. „Hättet Ihr nur die Felle cjesehen, Rabbi! Die schönsten Fuchsfelle die es nur gibt!" Es ist aber die höchste Zeit zum Kol Nidrej-Gebet. Darum sucht der Rabbi die Erzählung abzukürzen: „Also kurz und gut, du hast den Mantel gefüttert und warst fertig. Was geschah dann?" „Eine Kleinigkeit geschah: drei Felle hieben mir übrig." „Und die hast du eingesiedet?" „Das ist leichter gesagt, Rabbi, als getan! Denn wenn man aus dem Schlosse kommt, steht vor dem Tore ein Wächter, und wenn dieser Verdacht hat, so durchsucht er die Kleider und zwingt sogar einen die Stefel auszuziehen. Und findet man bei mir, Gott behüt, die Felle, so hat der Gutsherr böse Hunde und Reitknechte..." „Was tatest du nun?" „Bin ich aber doch Berl der Schneider! Ich gehe in die Küche und bitte, daß man mir ein Brot schenkt." „Christenbrot, Berele!" „Nicht zum Essen brauchte ich es, Rabbi! Man schenkt mir einen gr Ben Laib. Ich gehe damit in das Z mmer, wo ich genäht habe schneide das Brot auf, höhle die Hälfte aus, rolle das Weiche, das ich herausgenommen, so lange in den Händen herum, bis es den Geruch vom Schweiß annimmt, und werfe es den Hunde vor, der in dem Zimmer liegt. Hunde lieben Menschen;chweiß. Und die drei Fuchsfeile ste:ke ich in den Laib und g^he. Am Tore hält man, mich an: Was trägst du Jude, unterm Arm? Ich zeige den Brotlaib her und man läßt mich gehen. Etwas weiter beginne ich schon zu laufen. Ich ge';e nicht durch die Landstraße, sondern nehme den kürzeren Feldweg. „So gehe ich und hüpfe beinahe vor Freude: Nun werde ich zum Laubhüttenfeit einen eigenen Palmenzweig haben und einen eigenen Paradiesapfel! Nichts von der Ge-

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