Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 15 (10.4.1920)
- Date
- 1920-04-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2827798-2827816-2827831--311-2828367- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
NR. 15 SEITE 3 hi eigener, (Naturalwirtschaft befriedigen» sondern sind auf die industrielle Produktion angewiesen. Zudem sind diese Bedürfnisse bedeutend höhe r. Sie können' deshalb bei größter Liberalität der- Verteilungsinstanzen nicht genügende Produkte als Aequivalent für die ihnen übermittelten' I udustrieerzeugnisse erzeugen. Wir unterstellen hiebei natürlich, dau wir die gegebenen Verhältnisse nach der Eroberung der politischen Mannt durch das Proletariat real be-! rächten und uns nicht der U t o p i e hingeben, als ob somit der Kommunismus, der Grundsatz: „Jedem nach seinen Bedürfnissen" durchgerührt würde. Vielmehr wird ein geregelter, ä q u i v a 1 e u t e r T ausch der Produkte von Stadt u n d L a n d statthaben, so- Utngo die Produktion nicht dic^e Höhe erreicht bat, um alle (Jütcr in Ueborüuß herstellen zu können. f .Die, Abwanderung aus der jüdischen Stadt ins Dorf wird infolgedessen den Charakter der Zuwendung nur intensiven Landwirtschaft, zum Gartenbau, sowohl für den unmittelbaren menschlichen Konsum wie zur Erzeugung von Industriepilanzen und .Rohprodukten, tragen. Diese Wirtschaftsform ist aber nur unter ganz best! m mt. e n P> e ding u n g e n, bei Anwesenheit einer dichten Bevölkerung und zur Erhaltung einer sehr starken liulusiue möglich und erfordert eine vorhandene, aufgestapelte K ajiitalsmasse in der Form von Maschinen, anderen technischen Behelfen, Vieh, Dünger und, in erster Linie, eine grotie Schar von gelernten ho c luvortigea V o rarltejtera und Instruktoreu wie sie nach durchgeführter .Revolution und all ihren zerstörenden! Folgen in keinem Lande und bei keinem Volke zu finden sind. Aus diesen Gründen sind wir zu der erwähnten Prognose gelangt, eine rasche Massenkoloniesierung für fast u n in ö, g 1 i c h zu betrachten, wenn sie in unmittelbarer Höhe der alten Siodlungszcutren gedacht wird. Inwiefern aber eine Ansiedluug in entfernten Teilen der Sowjetstaaten, im gegenwärtigen Falle also Sibirien oder Turkestan in Betracht, kommt, müßte noch genauer untersucht werden. Kür jeden Fall hätten wir es in diesem Falle mit Emigration und Neusiedlung im wahren Sinne des Wortes zu tun, da ja nicht das Verlassen der politischen Lnndesgrenzen, sondern 'die Aufgabe alter ökonomischer Lebensbeziehungen und die Abwanderung in neue Wirtschaftsgebiete und Anpassung deren Wirtschaftsbedingungen den Inhalt der Auswanderung ausmachen. Alle diese Probleme, die wir bisher nur in Hinblick auf die Auswanderung nach Uebersee au erörtern gewohnt waren, kämen auch bei dieser Binnenwanderung in Betracht, zumindest soweit sie Ökonomischor Natur sind. Nur die politisch-diplomatischen Momente, soweit' sie das Einwanderungsland betreffen, würden wahrscheinlich eine bedeutende Erleichterung erfahren,, Gewiß wird auch ein namhafter Teil der überflüssig gewordenen jüdischen Bevölkerung als ungelernte Arbeiter in den großen, Wiederherstellungs- und Aufbau-Arbeiten Verwendimg finden. Nichtsdestoweniger glauben wir, daß auch bei den günstigsten äußeren Umständen: Einstellung des ..Bürgerkrieges, , Aufhören der Pogrome, selbsttätiger Abdämpfung oder staatlicher Bekämpfung dos Antisemitismus, und bei den günstigsten inneren Bedingungen:; rechtzeitiger Erkenntnis der Notwendigkeiten, Bereitwilligkeit des jüdischen Proletariats zur Aktion, schwacher Widerstand des Kleinbürgertums, Ausbau eines entsprechenden Räte-Apparates, ein großer Teil der Massen der Auslände- .-aag bedürfen wird' mag sie nun im Gebiete innerhalb des Sowjetstaates oder jenseits seiner Grenzen ihre fUchtung nehmen. Und da ist es selbstverständlich Aufgabe des jüdischen Proletariats, das als Teil des allgemeinen Proletariats die Herrschaft auszuüben und alle Agenden des Staates zu führen, alle sozialen Fragen zu lösen, alle Formen der Volksnot zu lindern oder aufzuheben haben wird, zu versuchen, auch diese schwierigste Frage einer Lösung zuzuführen. In dieser Beziehung erweitert sich unser Aufgabonkreis gegen die Vorkriegszeit, entsprechend dem Wechsel der Bolle, die das Proletariat in der Gesollschaft zu spielen berufen ist, und entsprechend dem Wachstum unserer Bewegung, um die Fragender Emigration und um die Schaffung.neuer Wirts ch a f. isge bilde und Wirtschaftskrise. Unser Programm stellt sich somit in dieser Beziehung als ein allgemeinterritoria;Hstisclies dar. Aber wir schließen Palästina als Einwanderungsland und autonomes jüdisches Wirtschaftsgebiet nicht aus, wie es die ehemaligen SoziaUsten-Territorialisten aus oportonistischen Gründen getan haben. Ein Teil der ans den Grenzen der Sowjetstaaten hinausfbv.onden Masse •wird sicher das Besirebeu haben, nach Palästina zu fließen. Tn den Ländern, in denen das Proletariat die Macht noch nicht erlangt hat, wird der VerdrängungsprozeS der jüdischen arbeitenden Massen entsprechend dem dortigen chronischen! Verlaufe des proletarisch-revolutionären Kampfes alle Üebel auf die Spitze treiben und das im Sowjetstaat gegebene eigene Sauierungsmittei der inneren Kolonisation nicht wirksam werden. Dort stehen wir dem Problem der Emigrätion in seinem vollen Umfange gegenüber. Die Auswanderung wird von dort überall hin fc.tidi.aen, wo Arbeitsplatz für die Massen vorhanden sein wird. Nun sprechen viele Umstände, wie z. B. die niedrige Valuta der Auswanderungsländer, die Tatsache, daß es in den Haupteinwandernugsländeru fast keinen freien Boüen, somit auch nur im beschränkten Maße freien Arbeitsplatz gibt, die dort vorhandene oder deutlich herrannaheude wirtschaftliche Krise, der hiedurch hervorgerufene verschärfte proletarische Bman zipationskampf und besonders die damit verbundene Abwehr der Fri-mdenelowÄnderung, dafür, daß die Wanderung den Auswanderungsländern) räumlich und wirtschaftlich nähere Gebiete, im besonderen den vorderen Orient, aufzusuchen geneigt sein wird. Daß die Tendenz zur Einwanderung nach .Palästiina. besteht, wird wohl auch Genosse M—s. nicht leugnen. Sie hat viele Ursachen. Manche, ideologisch-romantischer Art. wirken nur oder voruehm'ich aul das Kleinbürgertum, aber sie wirken. D:esc Wirkung ist eine ebenso reale soziologische Tatsache wie irgend eine rcii ökonomische Erscheinung. Für Palästina sprechen aber auch ökonomische Momente, die aus dem Charakter des Landes und der Einwandetor entspringen. Immerhin' daß Palästina gerade das einzigeLa nd zur Realisierung des Tctritorialismus abgibt, das heißt zu- Schaffung einer autonomen konzentrierten jüdischen \Vlrfc!ch.ikygescliscb.ait auf einem einheitlichen Wirtschaftsgooicte möchten wir Jetzt nicht mehr behaupten. Die Aufgaben unserer Bewegung sind im einzelnen jetsi. andere als wie früher. Soweit das Proletariat die Macht errungen hat, gilt es, bei der Realisierung des Territorialismus nicht mehr den Kampf gegen die Bourgeoisie zu führen* sondern es muß schöpferische Arbeit in weitestem Maße geleistet werden. Hingegen ist der unmiitelbai-j Kampf gegen die herrschenden Gewalten in denjenigen Lä:»de:u, vre die proletarirekou Maßen noch unterdrückt sind, in ein viel schärferes Stadium getreten. Konnte mnu ir die: noch einigermaßen hoffen, durch friedliche Mittel von den kapitalistischen Regierungen Reformen und Zugestä lumssa zu erlangen, ist jetzt, da der Imperialismus um seine Existenz auf Tod und Leben zu kämpfen gezwungen isr., eine derartige Erwajtung utopisch. Jede proletarische Partei muß sich bewußt s-eiu, daß sie den unmittelbaren, auf die Vernichtung des Imperialismus gerichteten Kampf aufzunehmen hat. Für das jüdische Proletariat handelt es sich im Hinblick auf Palästina um den englischen Imperialismus. Aul friedliche Vereinbarungen mit ihm zu hoffen h;.t das ji di whe Proletariat, unsere Bewegung im besonderen, längst aufgegeben. Wir müssen uns aber bewußt sein, daß, zur Erlangung Palästinas aktiver Kampf nötig ist. Daß wir nur dann alle Widerstände überwinden, könneu, wenn wir die Pioniere der Weltrevotion im vorderen Orient sind, wenn wi: dort Zellen der zukünftigen sozialistischen Wirtschaftsform zu schaffen versuchen. Das ist die unmittelbare Aufgabe, die uns kommunistischen Poale-Zion aus dem l'alästinaproblem erwachst. Somit nicht Einschränkung unseres Tätigkeitsbereiches, nicht Ignorierung der konkreten Erscheinungen des jüdischen Massenlebens, nicht Abschüttelung der Pflichten, die dem jüdischen Proletariat als der führenden Klasss des Volkes erstehen, nicht Rückgang unserer Erkenntnis und uuserer Tatkraft auf das primitiv-bundistische Entwicklungsstadiums jüdisch-proletarischen Kampfes mit bloßer Anerkennung der Tagesinteressen, sondern vielmehr der Versuch, alle Nöte, die im jüdischen Volksleben zu Tag< treten, begrifflich zu erfassen und praktisch in allen Formen und nach allen Richtungen hin zu lösen: das sind die Aufgaben, die sich die Revision des Programmen zu stellen hat. Michel K o h n. AUS DER INTERNATIONALE. Das Exekutivkomitee der kommunistischen Internationale an die Unabhängige sozialdemokratische Partei Deutschlands. Die unabhängigen Arbeiter haben eine ganz andere Gesinnung als die rechten Parbriführer; praktisch stellen sie sich immer mehr auf unseren Boden, jedoch sind die rechten Führer ein Hindernis. Diese haben während des Krieges die Vaterlandsverteidigung unterstützt, später saßen sie mit den Scheideniännern in einer Reg ,'erung, propagierten die Ententearientierung, trieben einen Wlilson-Kult, in entscheidenden Momenten traten sie als Zwischenhändler auf, agitierten für eine Verkopelung der Räte mit der Nationalversammlung, und jetzt noch schwanken sie wenn es ans Handeln geht. Kautsky sammelt die schmutzigsten Klatschgeschichten gegen uns. Ohne Bruch mift diesen Führern kann die Partei die Entwicklung der Revolution n>cht fördern. In Deutschland wird die Revolution dadurch gehemmt, daß das Volk entwaffnet, die Vereinigung mit Sowjetrußland behindert tfnd der alt« Regierun;gsapparat behalten worden ist. Ein großer Teil da- Schuld trifft die rechten Führer der Unabhängigen. Die Arbeiter müßten . ihre Front wieder geraderichten selbst über die" Kopfe "einiger Führer hinweg. Dieselbe Ideologie teilendie Longuetisten und dfie Independent Labor Party, die zwischen offenem Sozialvcrrat und Kommunismus hin und her schwanken. 1. Es ist ein Fehler, wenn man (verlangt, daß die revolutionäre Avantgarde zunächst die Mehrzahl des Volkes hinter sich haben müßte, wo die Lohnsklaverei noch existiert. 2. Es ist ein Fehler, wenn man glaubt, daß der Widerstand der Ausbeuter ohne Gewalt und Terror gebrochen* werden kann. 5. Es ist ein Fehler, wenn man den Bürgerkrieg gegen die Ausbeuter beklagt, der ja eine unvermeidliche Folge der Regierungspolitik ist. k. Es ist ein Felder, wenn man nicht offen bekennt, daß die Diktatur des Proletariats die vollkommene Zerschmetterung des bürgerlichen Staatsaparates bedeutet. 5. Nur Blinde sehen nicht, daß die Krisis iund der Zerfall unvermeidlich sind und wir sie nur milt revolutionären' Mitteln überwinden können; damit aber schrecken zu wollen, ist gegenrevolutionäre Feigheit, 6. Die bürgerlichen Lügen da* Versammlungs-, Gewissens-, und Preßfreiheit zu unterstützen, die Notwendigkeit der Expropriierung von Druckereien und Papier aLcht klar auseinanderzusetzen, ist ein schädliches Vorurteil. 7. Die Unabhängiggen treiben keine Propaganda für sofortige "revolutionäre Maßnahmen, für Besitzergreifung großer Güter. Klassen nicht nur (he Macht der Ausbeuter, der Gutsbesitzer und Kapitalisten stürzen, nicht nur ihr Eigentumsrecht .ibschaffen, sondern daß man auch jedwedes Privateigentum an den Produktionsmitteln abschaffen muß. Man muß sowohl den Gegensatz zwischen Stadt und Land wie auch den Unterschied zwischen körperlich und geistig arbeitenden Menschen aufheben. Das ist ein langwieriges Werk. Damit <?s möglich wird, ist ein sehr großer Schritt nach vorwärts erforderlich zur Entwicklung der Produktionskräftc zur (Teberwindung des Widerstandes, zahlreicher Ueberreste der Kleinproduktion; eines Widerstandes, der oft passiv und somit besonders zäh und schwer überwindbar ist; ist erforderlich die Ueborwindung der an diese Uoberrcste gebundenen ungeheuren Macht der Gewohnheit und Trägheit. Die Voraussetzung, daß alle „Werktätigen" in gleichem Maße zu dieser Arbeit iälüg seien, wäre eine leere Phrase oder eine Illusion des vorsintflutlichen, vormaisisti-' sehen Sozialismus. Denn die Fähigkeit kommt nicht von selbst, sondern erwächst allein aus den materiellen Bedingungen der kapitalistischen. Großproduktion. Diese Fähigkeit besitzt, am Anfang des Weges vom Kapitalismus zum Sozialismus, einzig und allein das Proletariat. Diese Klas.se ist imstande, die ihr obliegende ungeheure Aufgabe zu erfüllen. Erstens weil sie die mächtigste und fortgeschrittenste Klasse der zivilisierten Gesellschaft darstellt. Zweitens weil sie in den vorgeschrittenen Ländern die Mehrheit der Bevölkerung bildet. Drittens weil in den rückständigen kapitalistischen Ländern, wie etwa in Bußland, die Mehrheit der Bevölkerung aus Proletariern und lfalbproletariera besteht, d. h. aus Personen, die einen Teil des Jahres beständig proletariermäßig leben und bis zu einem gewissen Grade ihre Dasein dadurch fristen, daß sie sich an kapitalistische Unternehmungen verdingen. Diejenigen, die die Probleme des Ueberganges vom Kapitalismus zum Sozialismus lösen wollen, indem sie von den allgemeinen Begriffen Freiheit, Gleichheit, Demokratie ..überhaupt", der Gleichheit der Arbeitsdemokratie usw. ausgehen — wie es Kautsky, Martoff und die anderen Helden;Jer Berner gelben Internationale iura — sie enthüllen nur 8.----Cversftümmelt übermittelt). 9. Sie tun nichts, um den Uebergang der Truppen zu uns vorzubereiten. 10. Die Notwendigkeit der Konfiszierung wird durch reformistische Illusionen verwischt. — Die Unabhängigen erwähnen nichts von einer Verschmelzung mit den deutschen Kommunisten, die notwendig wäre. In Fragen der internationale vertuschen sie das Verbrecherische des Reformismus. Sie appellieren nicht an den untersten Bevölkerungsschichten. — Sie agitieren nicht für Unterstützung der Aufstände der Kolonialvölker. Sie dulden in ihrer Reihe Mitglieder, die die Grundideen der Diktatur des Proletariats ablehnen. Sie haben mit den Sozialverrätern nicht endgültig gebrochen;. Sie wenden sich an Parteien, wie die weiißen (finnischen Sozialdemokraten. Ihr Versuch, eine vierte Intern(atio,tmlc ins Leben zu rufen, ist hoffnungslos. Das Exekutivkomitee der kommunistischen Internationale fordert alle, die aufrichtig für die Diktatur des Proletariates kämpfen, auf, sich ihr anzuschließen; das Exekutivkomitee der kommunistischen Internationale hält die Bildung von neuen internationalen Vereinigungen von problematischer Natur für unzulässig, dagegen wäre es bereit, mit alle« Parteien, die mit der II. Internationtale zu brechen gewillt sind Verhandlungen anzuknüpfen, und fordert die Vertreter solcher Parteien auf, nach Rußland zukomme»; doch lehnen wir die Zusammenarbeit mit den rechten Führern der Unabhängigen und der Longuetisten ab. indem das Exekutivkomitee der kommunistischen Internationale den Beschluß des Leipziger Parteitages, mit der zweiten Internatiionale zu brechen, begrüßt, und eine Delegation der Unabhängigen zu Verhandlungen auffordert, gibt es der Ueberzeugung Ausdruck, daß das Anwachsen der revolutionären Massenbewegung, ihre Partei zum Anschluß an die kommunistische Internationale zwingen wird. Die klassenbewußten Arbeiter Deutschlands werden aufgefordert, diese Antwort in Versammlungen zu besprechen und von den unabhängigen Führern Antwort zu verlangen. Exekutivkomitee der kommunistischen Inte nationale. Arbeiterkongresse und die Internationale. Englische Parteikonferenzen. Die Socialist Party, die schon immer als kommunistisch gilt, und deren Sprachrohr der „Daily Heraki" ist. hielt am 5. April in London ihre Jahresversammlung ab. Es wurde der Anschluß an die 3. Internationale beschlossen. Andererseits ist die Independent (Unabhängige) Labour Party, deren Kongreß gleichzeitig in Glasgow stattfand, ihrem Namen treu geblieben und nun als dritte dem auf dem Leipziger Parteitag der Unabhängigen Sozialisten Deutschlands gegebenen Beispiele gefolgt. Es gab wieder die bekannten drei Richtungen, Snowden „warnte" ror ihre wahre Natur als Kleinbürger, Philister, Spießer, die sich sklavisch an den Ideengehalt der Bourgeoisie klammern. Eine richtige Lösung dieses Problems bietet mir die konkrete Erforschung der besonderen Beziehungen zwischen der Klasse, die die politische Macht ergriffen hat, nämlich dem Proletariat, und der ganzen unproletarischen wie auch halbproletarischen Masse der werktätigen Bevölkerung^ Diese Beziehungen bilden sich aber nicht etwa in einem phantastisch-harmonischon, ideellen "Milieu, sondern in der realen Atmosphäre des wahnwitzigen und vielgestaltigen Widerstandes von Seiten der Bourgeoisie. Die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung eines beliebigen kapitalistischen Landes, darunter auch Rußlands — und die Mehrzahl der arbeitenden Bevölkerung ganz besonders — hat tausendmal an sich selbst und au ihren Nächsten den Druck des Kapitals, die Ausbeutung, die Entwürdigungen jeder Art erfahren, die mit der Kapitalsherrschalt verbunden; sind. Der imperialistische Krieg, d. h. das Abschlachten von 10 Millionen Menschen, um zu entscheiden, ob das englische oder das deutsche Kapital in der Ausbeutung der Welt den Vorrang haben solle — hat diese Leiden ungeheuer verschärft, erweitert, vertieft und. zum Bewußtsein gebracht. Daraus ergibt sich das unvermeidliche Sympathisieren der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung und besonders der werktätigen Massen mit dem Proletariat, deshalb, weil es heldenmütig mit revolutionärer Unerbittlichkeit das Joch des Kapitals abschüttelt, die Ausbeuter stürzt, ihren Widerstand bricht und mit Einsetzung seines Lebens einen Weg bahnt zur Schaffung einer neuen Gesellschaftsordnung, in der für Ausbeuter kein Platz mehr .sein wird. So groß, so unvemeidlich auch das kleinbürgerliche Schwanken von Seiten der nichtproletarischen oder halbproletarischen Massen der arbeitenden Bevölkerung sein mag, ihr Zurückfallen in die alte bürgerliche „Ordnung", ihr Zurückflüchten unter, die „Fittiche" der Bourgeoisie, so können diese Massen doch nicht umhin, einzusehen, daß die moralische und politische Autorität dem Proletariat gehört. Ist es docU das Proletariat, das nicht allein die Ausbeuter niederwirft und ihren Widerstand überwindet, sondern auch ein neues, höheres gesellschaftliches Band knüpft, eine Gesellschaftsdisziplin schafft, die Disziplin der klassenbewußten und geeinten Arbeiter, die keine Macht und kein Joch über sich kennen als die Macht ihrer eigenen Gemeinschaft, ihrer eigenen viel 'zielbewußteren und mutigeren, erprobten, geschlossenen revolutionären Vorhut. Um den Sozialismüs zu erkämpfen, ins Leben au rufen und zu besiegeln, hat das Proletariat eine zweifache oder doppelteinfache Aufgabe zu lösen. Es muß erstens durch seinen rückhaltsloson Heroismus im revolutionären Kampfe gegen das Kapital die ganze Masse der Arbeitenden und Ausgebeuteten mit fortreißen, sie organisieren und leiten zur Niederwerfung der Bourgeoisie und der vollständigen Unterdrückung jedweden. Widerstandes ihrerseits. Bs muß fernor das Proletariat der ganzen Masse der Arbeitenden und Ausgebeutete«- ebenso wie alle kleinbürgerlichen Schichten in der Anbahnung des neuen wirtschaftlichen Aufbaues vorangehen, indem es einen neuen gesollschaltüeheu Zusammenhang, eine neue Arbeitsdisziplin, eine neue Ai-- beitsorganisation schafft, die sowohl die letzten Ergebnisse der Wissenschaft und der kapitalistischen Technik praktisch verwirklicht, wie den Massenzusaramenschluß der zielbewußten Arbeiter, die die sozialistische Großproduktion durchführen. Diese letzte Aufgabe ist schwieriger als die erste, denn sie kann keineswegs durch den Heroismus vereinzelter gelegentlicher Begeisterung erzielt werden, sie erfordert vielmehr langanhaltenden beharrlichen, schweren Heroismus der Alltagsarbeit der Massen. Aber diese Aufgabe ist auch wesentlicher als die erste, denn letzten Endes kann die tietste Kraftquelle zur Ueberwindung der Bourgeoisie und die einzige Bürgschaft der Dauer und Sicherheit dieses Sieges bloß eine neue höherstehende gesellschaftliche Produktionsmethode sein, bei der an Stelle der kapitalistischen oder kleinbürgerlichen Produktion die sozialistische Großproduktion tritt.