Mannheim
Compact Memory

Freie Tribüne · 1920-04-03 · 14 (3.4.1920) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
14 (3.4.1920)
Date
1920-04-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2827798-2827816-2827830--306-2828361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

NR. 1 FREIE TRIBÜNE SEITE 3 und diese Drohung kein Spaß, sondern bitterer Ernst ist, so ist das ein Skandal und eine Schande, die nicht verschwiegen werden, dürfen. Aber was soll man zu den nichtjüdischen Bourgeois und Sozialdemokraten sagen, wenn man unsere jüdischen „Glaubensgenossen" im selben Tone reden hört? Unser alter Versorger Paul Nathan und seine Umgebung vom liilfsverein haben in dieser Angelegenheit die Sprache verloren. Hingegen schreibt die demokratische ,.Frankfurter Zeitung", die sich in jüdischen Händen befindet und ia heiligen Zorn gerät, wenn ein deutscher Jude scheel angesehen wird, folgendes: „Die wachsende Einwanderung von Ostjudon wird allmählich ein ernstes Problem. Wenn man auch weit entfernt ist, diesen Unglücklichen das Asylrecht abzusprechen, muß man dennoch einsehen, daß ein Teil der Einwanderer Menschen sind, gegen deren Einwanderung und Ansiedlung in Deutschland ernste Bedenken bedienen. Das Mitleid mit ihnen darf vor der Tatsache nicht verblenden, daß ein großer Teil von ihnen in einen westeuropäischen Staat nicht hineinpaßt. Und die Tatsache, daß vielen von ihnen alle Skrupel fehlen, macht sie zu einer unliebsamen Erscheinung im ökonomischen Leben, während andere in ihrer Heimat Elemente wurden, denen jede Fähigkeit, die Notwendigkeiten des Lebens in einem westeuropäischen Staate zu schätzen, abgeht." Dies bedeutet nichts anderes, als daß die jüdischen Einwanderer, die „unglücklichen Glaubensgenossen aus dem Osten", nichts anderes sind als Parasiten oder Bolschewiki. Der preußische Minister des Innern Heine hat eine Verordnung herausgegeben, daß denjenigen Einwanderern, die keine Personaldokumente besitzen, solche auf Grund von Zeugnissen jüdischer Gemeinden oder anderer Organisationen erhalten können. Das paßt unseren Frankfurter Demokraten nicht, weil die Gemeinden in einen Gewissenskonflikt kommen können und aus Mitleid mit ihren ,.Glaubensgenossen" die Interessen des- Vaterlandes opfern werden. Ueber die Zahl der jüdischen Einwanderer werden die phantastischesten Gerüchte verbreitet, gn offizielles Kommunique das durch das Wolffbüro veröffentlicht wurde und angeblich vorsichtig in der Schätzung sein Will, £rt ungeheuer übertrieben: 90 Prozfent der Auslander aus dem Osten seien Juden. In Berlin hätten sich im Oktober 780 im November 724, im Dezember 857, im Janner 1018 und vom 1 bis 20 Feber 1588 Fremde bei der Polizei gemeldet Das sei aber nur ein Teil der angekommenen Fremden, die anderen „verbergen sich". Das Kommunique schätzt die Einwandererzahl für Jänner auf mindestens 3000 für eber auf die doppelte Zahl. Wenn von oHi^eller Seje bßhauptet wird, daß die Einwanderung, die zu 90 Pjo«n aus Juden besteht, immerzu wachst und sich von AVortJt zu Monat verdopple, ist es da verwunderlich daß die Gesellschaft von heilern Schrecken vor der judischen Flut befallen wird? Bei der mitgeteilten Proportion der letztenzwei Monate könnte man erwarten, daß die judische Einwanderung bis 100.000 Menschen m^^^^Zn^ Es wäre dies die Zahl der gesamten judischen Emigration der Vorkriegszeit. Eine solche Schätzung zeugt von einer lebhaften Phantasie mit grober Unwissenheit gepaart. Die oben mitgeteilten Ziffern (die Schätzungen über die polizeilich Nichtgemeldeten sind gewiß übertr eben) «klar« s^h dadurch daß in der letzten Zeit eine Anzahl von Einwanderern aus den jetzt an Polen fallenden Gebieten, darunter; au n Juden, eingetroffen sind. Das erwähnte Kommunique weist auf dieses Element hin, ohne zu bemerken, daß dies Z Ausnahmsfall ist. Der Zweck ist die Gesellschaft zu er- " schrecken um die Mittel zu rechtfertigen, die von der Regierung ^fätwete*. poli2eipräsidetlten nassen" Ernst ist kein blinder Schuß, es besteht wirklich de Absicht, die „unerwünschten Gäste" im Konzentrationslager zu sperren, und halb offiziell wird gemeldet, daß die Regierung Baracken für 40.000 Ausländer bauen lasse, daß Baracken für 15.000 Menschen schon fertig seien. Welche Katastrophe für unsere Einwanderer dies bedeutet, kann sich jeder ausmalen: es werden die Polizei hetzen gegen Juden mit all den Grausamkeiten und Schendlichkeiten, die wir aus der österreichischen Praxis gegen die Flüchtlinge genügend kennen, beginnen. Wird erst die Polizeihetze beginnen? Sie hat schon begonnen, sie ist zur täglichen Praxis in Berl n und der Provinz geworden. In der Grenadierstraße, der „iüdisenen Gasse" Berlins, kommen oft Razzien nach alt russischen Muster vor und es wird jeder arretiert, der irgendwie vedäehtig erscheint und zur Polizei geschleppt, wo sich jeder richtig legitimieren muß. sonst muß er sich von der Freihet empfehlen- Die Legitimierung ist aber in Berlin eine schwere Prozedur: In Berlin darf niemand Arbeit annehmen, der nicht vor dem Kriege liier gelebt hat. Das gilt nicht bloß für Juden und Ausländer, sondern für jeden. Wenn nun ein jüdischer Einwanderer zum Polizeiverhör kommt, findet er sich zwischen Hammer und Amboß. Erklärt er keine Arbeit zu haben, so ist er ein Schacherer und Spekulant; weist er seine Arbeitsslelle nach, dann hat er das Gesetz übertreten, in beiden Fällen ist er hineingefallen. Wer von den Emigranten nicht nachweisen kann, daß er von Barem lebt, kann hingehen, woher er gekommen. Wer Arbeit hat, muß es leugnen und es kommt oft vor. So ist eine; Art Märtyrer nicht des Glaubens, sondern der Arbeit entstanden. In der Hauptstadt der sozialistischen Republik muß man sich als ein Mensch mit e.nem größeren oder kleinerem Geldsack, also als Parasit, vorstellen, wenn man Berliner Luft atmen will. Zu diesen Märtyrern gehören auch die jüdischen Arbeiter aus Polen und Litauen, die, wie die belgischen, unter dem alten Regme hierher verschleppt wurden und die man jetzt hinschicken möchte, wo der Pfeffer wächst. Es ist selbstverständlich, daß dieser Zustand demoralisierend wirken muß, weil v.ele, die keine Arbeit annehmen dürfen, nur den Ausweg allerhand dunkler Geschäfte suchen müssen. Wird einer ertappt, dann ist es eben ein Beweis, daß Juden nicht arbeiten, sondern nur als Parasiten auf fremdem Körper leben wollen. Für den Antisemitismus in allen seinen Schatt erungen ist dies ein fetter Bissen, und keimen von unseren „deutschen Staatsbürgern „jüdischer Konfession" oder unserem sonstigen halben Freunden fällt es ein;, diiie jesuitische Heuchelei, idie in einer solchen Behandlung dieser Frage liegt, zu entlarven. Wegen dieser geplanten Ver rdnung gegen die Ostjuden geht im Schöße der Regierung ein stiller Kampf vor. Der Reichsminister des Innern ist entschieden für d e Internierung der unerwünschten Einwanderer aus dem Osten in Konzen tralionslagern während der Außenminister unterscheiden will zwischen solchen, die des Bolschewismus oder des Schleichhandels verdächtig sind, und solchen, denen man 'das Asyl nicht versagen kann. Eine solche Unterscheidung wäre aber noch keine Lösung dieser Frage. Solanqe unsere Einwanderer in Berlin, dem Zentrum der Einwanderung, kein Recht auf Arbeit haben, solange die Einwanderung nicht reguliert und über das Land verteilt wird, besteht für die große Mehrheit die Gefahr, in die Kategorie der verdächtigen Händler zu fallen. Die Hetze gegen die jüdische Einwanderung muß energisch bekämpft das geplante Mittel der Konzentrationslager muß entschieden abgelehnt werden; es muß aber auch etwas Positives getanwerden. Das steht aber im Zusammenhange mit unserer ganzen Emicfrationsfrage und den Plänen des ökonomischen Wiederaufbaues. Darüber im nächsten Artikel. L. CWasanowitsch'. RUNDSCHAU. Das Ringen des deutschen Proletariats. Wir sind die Kraft. Wir hämmern jung Das alte morsche Ding, den Staat Die wir von Gottes Zorne sind Das Proletariat...... Als die Sklavenhalter von ehemalsher, die Werkbarone und Landwucherer in schimmernder Wehr, unzufriedene Baltikumer Landsknechte nach Berlin marschieren ließen da dachten sie wohl nicht daran, daß sie damit die E nheit des Proletariats zur revolutionären Tat schmiedeten. Das deutsche Proletariat, von den verblendeten Führern der Mehrheitspartei' in den blutigsten Bruderkrieg gehetzt, hat, als es zum Generalstreik gerufen wurde, seiner wahren Meinung unverhohlen Ausdruck gegeben. Nicht gegen Kapp allein richtete sich der Kampf, sondern auch gegen alle Sozialverräter der Ebert-Noske-Richtung welche durch ihre konterrevolutionäre Infamie, den Boden für den monarchistischen Putsch schufen. In der Ablehnung jeder Koalitionsregiererei, jenes Zwitterdinges von ehemaligen Sozialdemokraten und preußischen Generalsanbetern, ist wohl die Masse des Proletariates, wenn auch nicht die Führer, einig. Diese Tatsache ze gt sich besonders darin daß im Ruhrgebiet die bewaffneten Proletarier von einer Auslieferung der Waffen auf Grund des Bielefelder Abkommens angesichts der noch immer bis an die Zähne bewaffneten Reaktionären nichts wissen wollen. Auf dem Kampfplatze proletarischen Ringens im Ruhr gebiete herrscht Ein gkeit von der äußersten Rechten bis zu den Spartakisten. Die Regierung Müller, welche in ihrer knieweichen Energie dem Drängen der tatenlüsternen Reichswehrtruppenführer nachgegeben und den Befehl zum Vormarsch gegen die Brüder im unbesetzten Gebiete erteilt hatte, mußte sich von französischen Offizieren und zuletzt von Millerand selbst desavouieren lassen, welcher erklärte, ein militärischer Enmärsch ins Ruhrgebiet könne nur verderblich wirken und die dort bestehende Ordnung vollends zerstören. — Diese wackelige Regierung von der Reichswehr Gnaden wird ihre Rolle als geschichtliche Lückenbiisserin bald ausgespielt haben. Das werktätige Volk das die Kultur jeden Tag von neuem schafft, ist auf den Plan getreten und! so wird das Ringen der deutschen Arbeiterklasse nur ein Teil der großen Rebellion sein;, die von Ost nach West die Welt umspannen und den großen Kehraus aller Schemen einer 'fluchbeladenen Vergangenheit vornehmen wird. Die internationale Reaktion. Bulgarien. Der Generalstreik der Staatsbediensteten, der' zwei Monate gewährt und das wirtschaftliche Leben lahmgelegt hatte, ist zusammengebrochen und vom weißen Terror schlimmster Art abgelöst worden. Die unmittelbare Ursache des Generalstreiks war die konterrevolutionäre Politik der Regierung Stambulinski gewesen, die ,m Dezember vorigen Jahres nach dem Zusammenbruch der Front Denikins unter Mitwirkung der Entente die Wjederaufrichtung derselben mit allen Kräften unterstützte und — als die Kommunisten im ganzen Lande Protestversammlungen einberiefen, eine Treibjagd gegen dieselben begann, die Entlassung aller Staatsbeamten und -arbeiter veränlaßte, die an den Versammlungen teilgenommen hatten und von den übrigen verlangte, sich der kommunistischen Bewegung fernzubleiben; zu verpflichten. Schon während des Streiks war der gesamte Staatsapparat auf die Streikenden und Kommunisten losgelassen. Zwei Jahrgänge sowie die Streikenden wurden mobilisiert, die ganze kommunistische Parte außerhalb des Gesetzes gestellt. Der große Genieraistab der Armee gab täglich Kriegsberichte über den Gang der Streikbewegung heraus. Als der Streik zusammengebrochen, war die erste Tat der Regierung die Auflösung der Nationalversammlung, in der die Kommunisten 47 Sitze innehatten. In blutrünstigen Proklamationen fährt Stambulinski fort, den Kommunisten! den Kampf bis aufs Messer anzusagen. Die Gefängnisse sind überfüllt, Kommunistenfülhrer werden „bei Fluchtversuchen" erschossen kurz, das alte, traurige Lied, das wir täglich von der östlichen Grenze hören. Trotz alledem lebt der kommunistische Geist ungeschwächt fort. Am deutlichsten geht dies aus der Tatsache hervor, daß aus den Gemeindewahlen, die knapp vor dem* Abbruch des Generalstreiks stattfanden, in den größten Städten'; * Sophia, Burgas, Plewna und Philipopoli, kommunistische Mehrheiten hervorgingen. Und wie die Zeitungen eben melden, sind bei den eben beendigten Wahlen, in die Nationalversammlung sicher Kommunisten gewählt, die in der alten saßen, die von Stambulinski aufgelöst worden war, weil sie „dem Vollkswillfenj nicht mehr entsprach". Es ist das Gesetz der Revolutionen, daß Siege und Niederlagen einander folgen. Auch in Bulgarien hat die Geschichte noch nicht ihr letztes Wort gesprochen. . Rumänien. Obwohl ein „Siegerstaat", kämpft dieses Land vergeblich mit der inneren wirtschaftlchen Zerrüttung. Die Banknotenpresse ist in unausgesetzter Bewegung, um das wachsende Defizit zu decken und trotz dei einst ungeneuren uetreiaeprodiuiktion ist das Brot i:i den Städten knapp. Am besten charakterisiert sich die Lage durch den Stand der Leinote, die nicht viel höher als die deutsche Mark notiert. Schwer drückt auch die noch immer zu einem Viertel unter den Waffen stehende Armee das Budget. Diese ist noch nicht gänzlich demobilisiert, weil über dem Land eine schwere soziale Spannung liegt, aber auch, weil die rumänische Bourgeoisie noch mmer nicht ernstlich an das Aufgeben des Krieges gegen Sowjetrußland denkt. \ , Nun hat die Reaktion auch in Rumänien versucht, das Ruder zu ihrer alleinigen Verfügung zu ergreifen. Durch eine Palastrevolle wurde die alte, kleinbürgerlich-demokratische Regierung Vlad—Lupu, . die sich vor allem auf die kleinbürgerliche Demokratie in den neu erworbenen Ländern gestützt hatte, gestürzt, und an ihre Stelle eine „liberale" Regierung mit dem General Averescu an der Spitze gesetzt. Die Liberalen sind in Rumänien de alte Parbei der Großbourgeoisie. Da die neue Regierung im Parlament auf heftigsten Widerstand stieß, löste sie es am 26. März auf und schrieb die Neuwahlen für die Kammer für den 25., 26. und 27. Mai aus. Inzwischen wird sie versuchen, nach alten Methoden mit Knute und Bajonett zu herrschen. Die sozialistische Partei Rumänens, die vor einem die Frage der Internationale entscheidenden Parteitag steht, wird durch die eingetretene klare Situation wohl auch zu einer klaren, revolutionären Politik gedrängt werden. Dänemark. Wo alies liebt, kann Karl allein! nicht hassen. Und so hat sich auch der dänische König Christian X., dem auch sein bürgerlich-sozialdemokratisches Koalibionskabinett zu radikal war, zu einem Staatsstre.chj entschlossen der einen Sturm im Wasserglas entfesselt hat, der ihm vielleicht auch die Krone herunterfegen wird. Der Grund der königlichen Unzufriedenheit war die enwandfreie Haltung des alten Kabinetts in der Schleswigfrage, da dieses freiwillig auf die Abstimmung in der dritten Zone die rein deutsch ist, verzichtet hatte. Diesem „defätistischen'' Verhalten schrieb er auch den Ausgang der Abstimmung in der zweiten Zone zu. So forderte er den Ministerpräsidenten} auf, zu 'demissionieren und als dieser ablehnte, benutzte er die Osterferien des Parlaments weither dajzu, das alte Ministerium direkt zu verabschieden und sich ein reaktionäres Kabinett an die Seite zu stellen. i Das Volk hat den Strauß angenommen und die sozialdemokratische Partei ruft mit den Gewerkschaften zum Generalstreik auf, der bis zum 6. April allgemein durchgeführt sein soll, falls der König nicht klein beigibt. Die Parteibonzen Tiaben dem Streik e;ne Reihe von polit sehen und wirtschaftlichen Losungen gegeben, darunter auch die Forderung nach Betriebsräten, nicht aber die direkte republikanische Parole. Dies besorgten aber die Massen selbst, dfo \auf den Gassen und bei den Versammlungen republikanische Rufe erschallen lassen. So beginnt auch in Dänemark das revolutionäre Exerzieren. Die Sozialdemokraten der Slovakei für die dritte Internationale. Die deutschen, slowakischen und magyarischen Genossen in der Slowakei haben beschlossen, sowohl gewerkschaftlich wie politisch nur eine enheitliche Organisation zu bilden und sich Prag anzuschließen, und zwar, wie es in dem Beschlüsse der Soljetner Konferenz heißt, „unter Wahrung der sprachlichen und kulturellen Bedürfnisse'*, die auch von den Vertretern der tschechoslowakischen Sozialdemokratie und .der Prager Gewerkschaftskommission zugesagt wurde. Außerdem erklärte die Konferenz in einem Beschlüsse, daß die Genossen der Slowakei auf dem Boden der dritten Internationlale stehen. Revolutionäre Bewegung in Japan. Die Arbeiterschaft Japans ist zum revolutionären Klassenbewußtsein erwacht. In Kobe streikten die Hafenarbeiter und Staatsangestellten. In Kioto zogen 40.000 Arbeiter vor die Präfektur und forderten die Auflösung der Deputiertenkammer. Diese wurde auch durch den Mikado aufgelöst. Als die Regierung scharfe Maßregeln gegen die f>treikentden begann, wie z. B. die Verweigerung der Lebensmittelzufuhr, traten 3000 Arbeiter der Schibana-Maschin2,nwerke in Tokio in den Proteststreik. Dies die Nachrichten, die bis jetzt herübergedrungen sind und die zeigen, daß die Streikwelle, d/e eine Folge des Krisenzustandes ist, über die ganze Welt geht, ohije vor Ozeanen Halt zu machen. Die Gewalttaten Denikins und seiner „Schwärzen-Hundert". Das Londoner Zentralkomitee für die jüdischen Opfer der Pogroms in Rußland hat an das zionistische Aktionskomitee in London eine ausführliche Denkschrift über dies von den Heeren Deniküns verübten Gewalttaten gerichtet, Die offizielle Vertretung der Denikinschen Regerimg hat dem Komitee nicht nur jedwede Hilfe und Erleichterung verweigert, sondern offen den Krieg gegen die Juden proklamiert und die Volksmassen gegen dieselben aufzuwiegeln versucht. Wo immer die öffentliche Verwaltung an Denikinsche Elemente überging, so in Kiew, Rosbow, Filittzow, entstanden spontan Judenmfassakers, so daß in der kurzen,1 Zeit der Denikinschen Herrschaft in der Ukraine und in der Domgegend mehr als 170.000 Juden umgekommen sind. Unter der Patronanz Denikins wurde eine Liga zur Vernichtung der Juden gegründet, deren Mitglieder sich fast zur Gänze aus monarchistischen Parteigängern zusammensetzten. Jedes Mitglied dieser Liga nahm auf sich de Pflicht, nicht weniger als 300 Juden zu ermorden; für jedes Opfer wurden' 1000 Rubel bezahlt. Für die Ermordung von Kindern von weniger als drei Monaten betrug das Blutgeld nur 500 Rubel, Die Militärgerichte wüteten gegen unschuldige jüdische Angeklagte. An 76 Tagen fanden vor diesen Berichten Massenverhandlungen gegen Gruppen von Angeklagten statt, welche zu 80 Prozent aus Juden bestanden. Alle Juden, ohne Ausnahme, wurden erschossen oder aufgehängt, von den Nichtjuden wurden 4 Prozent freigesprochen. ( Bevor General Trakonulow Kiew verließ, eiferte er die Soldaten an, mit den Juden aufzuräumen. In tzweü Tagen wurden mehr als 20.000 massakriert. Der General Skura erklärte den Vertretern der jüdischen Gemeinden aus Charkow ganz offen, daß in dieser Stadt kein Jude verschont werden würde. Soweit der Bericht der Kommission. Ein anderer Bericht, der der „Wiener Morgen-Zeitung" von einer in Italien angekommenen Emigranlengruppe zuging, mußte zugeben, daß die Bolschewiki alles daransetzen, um mit den gegenrevolutionären Pogromhelden gründlich aufzuräumen. Revolution oder Gegenrevolution bedeutet für die in der Ukraine lebenden Juden Sein oder Nichtsein. Die Bolschewiki, welche einen heldenhaften Kampf gegen die Klasssenherrschaft des Bürgertums führen, müssen notwendigerweise auch den der bürgerlichen Weltordnung entspringenden Imperialismus bekriegen, der nur Herrennationen und Helotenvölker kennt. Deswegen findet auch die Botschaft der Bolschewiken bei allen getretenen ausgebeuteten Völkern Osteuropas und des Orients e'n williges Ohr, während die Tiraden eritentistischer Propaganda, die Phrasen vom Völkerbund und von der Freiheit der kleinen Nationen, angesichts der Unterstützung der russischen Pogromisten durch den Kapitalismus des Westens, als eitel Lug und Trug entlarvt werden. Die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten. „Jewish Chronicle" schreibt: „Man weiß noch nichts Definitives, was die Ziele der verschiedenen Projekte von Gesetzen, die Einwanderung in dieses Land zu beschränken, anlangt. Diese Gesetze würden, falls sie in Kraft träten, die 'iore der Vereinigten Staaten während längerer Jahre für jede Einwanderung verschließen. Diese Eventualität ist jedoch, scheint es, nicht zu fürchten, da in diesem Lande

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.