Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 14 (3.4.1920)
- Date
- 1920-04-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SEITE 2 rmv. tobüne NR. 14 Englaad ebfeääge, ob wir unser Pailstmapragramm verwirklichen oder nicht. Die Politik itaseres Weitverbandes müsse dieser unumstößlichen Tatsache angepaßt werden. Wollten wir, daß der Völkerbund, daß England uns die Realisierung des Zionismus nicht verwehren, dann müssen wir in und außerhalb Palästinas eine Politik der gemäßigten Mitte, eine mit den realen Tatsachen in Einklang befindliche Politik machen. Konkret: die Politik der zionistischen Weltorganisation. 2. Die wirtschaftliche Lage des jüdischen Volkes sei derart beschaffen, daß nur eine sofortige radikale und in großem Maßstäbe durchgeführte Emigration nach und Kolonisation in Palästina uns vor dem Untergange retten können. Eine derartige Kolonisation erfordere einerseits politische Garantien, das heißt Anerkennung der jüdischen Nation und deren Anspruch auf Palästina, andererseits große Kapitalien für den wirtschaftlichen Aufbau. Beide seien nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller im jüdischen Volke für den Zionismus wirksamen Kräfte zu erlangen. Der Völkerbund werde nur dem gesamten jüdischen Volke, also allen Klassen desselben, Anerkennung gewähren; die nötigen Kapitalien könne nur die jüdische Bourgeoisie aufbringen. Der Zionismus — auch der proletarische — sei also nur im Rahmen der zionistischen Weltorganisation realisierbar. Wohl sei die poalezionistische Bewegung die Klassenbewegung des jüdischen Proletariats, wohl lehnten wir jede Ideengemeinschaft mit der jüdischen Bourgeoisie ab; die harte reale Wirklichkeit diktiere uns jedoch gebieterisch die zeitweilige Kampfgemeinschaft, und so müßten wir in der zionistischen Organisation verbleiben, mit der jüdischen Bourgeoisie vorübergehend koalieren. 1 Dabei sei es selbstverständlich, daß wir den Klassenkampf in den „GoIus"ländern ununterbrochen undmit unverminderter Heftigkeit weiterführen, daß wfr uns mit den bürgerlichen Zionisten nur zu dem einzigen Zwecke — Realisierung des Zionismus — koalieren und daß diese Koalition unsererseits als eine neue eigenartige Form des Klassenkampfes gedacht sei. Wh würden innerhalb der zionistischen Organisation die Klasseninteressen des jüdischen Proletariats bei der Verwirklichung des Zionismus wahrem; für die Nationalisierung des Bodens, für die Sozialisierung der Urproduktion und für einen Aufbau auf genossenschaftlidhkoopeirativer Grundlage kämpfen. So etwa argumentieren die Genossen Realpolitiker und bemerken dabei nicht, daß ihre Politik nicht nur jeder proletarisch-sozialistischen Realität entbehrt, sondern sich auch an sich im heftigsten Widerspruche mit den realen Möglichkeiten befindet. In der Tat. Zwischen der Orientierung nach dem kapitalistisch veranlagten Völkerbund, der, ebenfalls kapitalistisch denkenden und 'handelnden jüdischen Bourgeoisie und dem Wunsche, auf eben diese „Realitäten" gestützt ein halb- oder ganzsozialistisches Palästina aufzubauen, klafft ein Abgrund, den zu überschreiten eine goldene, Koalitionspolitik keinesfalls die; erforderliche Standhaftigkeit und Sicherheit gewähren kann. Hier hilft unserer Meinung nach nur — Klassenkampf.; Die Genossen dieser dritten Richtung bemerken auch nicht, daß sie uns eigentlich1 nichts anderes empfehlen, als daß wir diejenige verhängnisvolle Koalitionspolitik auf das Gebiet der jüdischen Arbeiterprobleme übertragen, die sie selbst in allgemein sozialistischen Fragen auf das entschiedenste ablehnen. Worin bestand denn eigentlich sozialistische Koalitionspolitik? Doch nur darin, daß man einen bestimmten geschichtlichen Abschnitt aus der allgemeinen gesetzlichen Entwicklung herauszuschälen versuchte, daß man die soziologischen Gesetze der Klassengliederung, der Klassengegensätze und der Klassenkämpfe auf bestimmte, wenn auch kurze Dauer unterbrechen zu dürfen und zu können glaubte; daß man angesichts irgendeiner dem Volksganzen drohenden Gefahr oder angesichts irgendeiner im gegebenen Moment allen Volksklassen gemeinsam scheinenden Aufgabe daran ging, den Kampf gegeneinander in einen solchen füreinander zu vertauschen. Immer noch hieß es: diese Gefahr wollen und müssen wir gemeinsam abwehren; diese gemeinsame Aufgabe können und müssen wir nur gemeinsam lösen. Dasselbe empfehlen uns die Genossen Realpolitiker. Der Zionismus, zu dem sowohl wir als ' auch die jüdische Bourgeoisie strdben und der unsere einzige Rettung sei, könne heute nur gemeinsam mit dieser jüdischen zionistischen Bourgeoisie realisiert werden, ergo müßten wir uns dazu bequemen. „Diese Koalition ist eine, wena auch bittere, aber eine Notwendigkeit." Das ist so ziemlich die Rechtfertigung. Es ist und bleibt aber Koalition s p o 1 i t i k. Dies unaufhörlich zum Bewußtsein unserer Genossen zu bringen, scheint uns eine dringende Notwendigkeit. Und nun zur Hauptargumentation. Die Machtverhältnisse in der Welt. Soweit wir nicht nur an die nackten Gewaltmittel, an die momentane politische Konstellation, an die Sta* tik, an das Heutige als an etwas Unabänderliches, stets konserviert Bleuendes denken; soweit wir an die wirklichen realen Machtverhältnisse der in Europa wirksamen wirtschaftlichen Kräfte, die Entwicklung dieser Kräfte denken, sind wir von dem Zusammenbruch des Kapitalismus und Ergreifung der Macht — in einer oder der andern Form — durch das Proletariat überzeugt. Diese Überzeugung macht es uns unmöglich, dte RealisjerdiHg des 26oaismus, <$c wir uas cfbenfafls als einen Prozeß der Entwicklung denken, mit dem Schicksale der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zu verknüpfen. Die W^ltrevolution ist für uns kefine Phrase, sondern eawe Wirklichkeit. Wir sehen sie a*H~ mählich und in vielfacher Gestalt herannahen. Und so lehnen wir es afb, die Realisierung des Zionismus auf die absterbende bürgerliche Ordnung zu begründen. Aus demseVben Grunde sehen wir die Notwendigkeiten und die Möglichkeiten der jüdischen Arfbeiterklasse in ganz anderem Lichte. Nicht in den Kapitalien der jüdischen Bourgeoisie finden wir die einzige Möglichkeit für die Realisierung des Zionismus. Eine Arbeiterbank scheint uns wohl sehr notwendig, aber keinesfalls derart, daß man den Klassenkampf gegen die jüdische Bourgeoisie in und außerhalb Palästinas auch nur einen Augenblick aufgeben sollte. iAuch werden wir gut tun, aus der bisherigen Geschichte der kapitalistischen Entwicklung die für uns sehr nützliche Lehre zu ziehen, daß der Völkerbund, durch welchen Mandatar immer vertreten," aus Palästina nicht einen jüdischen Staat, sondern vielmehr eine englische oder französische Kolonie machen will. Und noch an eine Wahrheit seien unsere Genossen an dieser Stelle erinnert. Nicht das Problem der jüdischen Exterritorialität will die zionistische Bourgeoisie lösen; sie sucht vielmehr in Palästina ein Asgl für ihre in den Golusländem unsicher gewordenen Profite. Nicht jüdische Arbeit, sondern billige Arbeitskräfte sucht sie dort. Nicht proletarischen Zionismus, auch nicht Zionismus, wie ihn die großen Massen jüdischer Kleinbürger verstehen, wird die jüdische Bourgeoisie in Palästina realisieren. Nein. Gerade für. die Verwirklichung des Baseler Programms ist das jüdische Kapital nicht der geeignete Geburtshelfer. ' So sehen wir, daß die Realpolitik unserer Genossen von der „Mitte" jeder realen Grundlage entbehrt. Die entsetzliche Not, die unermeßlichen Leiden der jüdischen Volksmassen in den Golusländem bewirken es, daß ein Teil unserer Genossen verblüfft nach Palästina, dem Landender Hoffnungen und Träume, hinüberschaut und jede Regung als die erlösende Tat zu deuten. bereit ist. Sie übersehen dabei, daß eine jüdische Kolonie mfit arabischen landwitschaftlichen Arbeitern, eine jüdische Fabrik mit arabischen Lohnsklaven, eine hebräische Universität mit jüdischen Bourgeoissöhnchen, eine Nationalbank, deren Vermögen nicht das Volk, sondern eine Parteiclique schlimmsten Ursprungs verwaltet, und ein Ersatzparlament, das selbst in seiner gegenwärtigen Ohnmacht schon von niedrigstem Kastengeist beherrscht wird, alles andere nur nicht ein proletarischer Zionismus ist. |Wie also wollen wir den proletarischen Zionismus verwirklichen,? ' Sollen wir etwa auf die Weltrevolution warten? Und bis dahin? Warten, passiv zusehen ist überhaupt keine sozialistische Tugend. Haben wir einmal' die historische Notwendigkeit erkannt, deren Entwicklungstendenzen verstanden, dann ist es unsere Aufgabe, Geburtshelfer zu sein.! Unsere Weltkonferenz wird dem jüdischen Proletariat den Weg seiner Emanzipation mit sicherer Hand ■ zeigen müssen. Die Erkenntnis, daß wir in der Epoche der proletarischen Weltrevolution (in ihren verschiedenartigsten Formen) leben, diktiert uns unser Handeln. Der Weltverband muß sofort darangehen: Ueberall dort, wo es heute schon möglich ist, jüdische Arbeiterräte zu schaffen, diese zu Landesorganisationen, letztere zu einer Weltorganisation zusammenzufassen. Die jüdischen Arbeiterräte hätten die Aufgabe, die Minoritätsrechte der jüdischen Arbeiter, die proletarisch-nationale Selbstverwallung, die Umschichtung der jüdischen Erwerbs- und Berufsarbeit, die Produktivierung der jüdischen halbproletarischen Schichten, die planmäßige Regelung der jüdischen Wanderung und die Kolonisation Palästinas unverzüglich in Angriff zu nehmen. Ueberall dort, wo die Schaffung solcher Arbeiterräte derzeit undurchführbar erscheint, hätte unser Weltverband gemeinsam mit den anderen proletarischen Parteien und Organisationen derartige interparteiische Institutionen zu schaffen, die ebenfalls an die sofortige Realisierung obenangemerkter Aufgaben schreiten. Dort aber, wo die Schaffung derartiger gemeinsamer Organisationen auf den Widerstand anderer proletarischer Parteien stoße, müßte unser Weltverband durch unsere Landes- und Lokalorganisationen die Urzeiten solcher gemeinsamer Institutionen schaffen,, die vorläufig die Aufgaben des jüdischen Arbeiterrates nach Möglichkeit zu erfüllen und dadurch den Boden für den jüdischen Arbeiterrat vorzubereiten hätten. Dadurch werden wir einerseits anschaulich1 das Schicksal der jüdischen arbeitenden Massen mit demjenigen des für die Weltrevolution kämpfenden internationalem Proletariats verknüpfen. Unsere Teilnahme an diesem Kampfe hört auf, ein Nur~Golusprogramm zu sein. Unser Kampf für die Weltrevolution ist gleicht zeitig der Kampf für den die jüdische Wirklichkeit beherrschenden jüdischen Arbeiterrat. Abgesehen von der proletarischen bietet uns die Organisation der jüdischen Ärbeiterräte auch die wirtschaftliche und finanzielle Möglichkeit der Kolonisation Palästinas im großen Maßstabe und auf solider Grundlage des Gemeindeeigentums durchzuführen. Andererseits führt uns dieser Weg zu tätiger Selbsthilfe und gewöhnt die jüdischen Arbeitermassen, ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen. Möge der ffidisdhe Ärbeiterrat. in den heute noch kapitalistisch regierten Ländern noch so wftiig finanzielle Mittel aufbringen, mötje unser Welt verband über noch so wenig Kräfte verfugen, die Verwendung dieser Mittel und Kräfte im alleinigen Klasseninteresse des jüdischen Proletariats wird uns der Realisierung des proletarischen Zionismus näher bringen, als die Koalition mit den bürgerlichen Zionisten. Aktiver Kampf des jüdischen Proletariats für die proletarische Weltrevolution, eine auf sich selbst vertrauende jüdische Arbeiter-Weltorganisation und unser Weltverband als zielbewußte Vorhut derselben, das sind in großen Umrissen Mittel und Weg, die uns zur Realisierung des proletarischen Zionismus führen.- Zur Emigrationsfrage. Die Emigration und die Konzentrationslager in Deutschland. In Deutschland ist in den letzten Monaten eine jüdische Einwanderungsfrage oder, wie es im Jargon der deutschen Staatsbürger mosaischer Konfession hjißt, eiue Ostjudont'rage entstanden. Die Behandlung dieser l'Tage in der deutschen Oelientüohkelt und seitens der offiziellen liegierungsbiäitor ist für üie geistige Verfassung dos republikanischen Deutschland charakteristisch; die Erscheinungen, die mit der jüdischen Einwanderung in dieses Land zusammenhängen, offenbaren aber auch den wahren Cnarakter dor so gerühmten Fürsorgetätigkeit. Unsere Emigrationslrage in Deutschland ist ein Teil unserer allgemeinen Emigrationsfrage, die schon vor dem Kriege eine schnelle Lösung heischte und durch den Krieg noch tausendfach verschärft wurde. Der Gegensatz zwischen dem Auswanderungsbedürfnis und der ninwanderimgsmüglichkeit ist jetzt ungeheuer, und Deutschland ist geographisch ein natürlicher Zufluchtsort für diejenigen Jaden, denen es gelingt, über die Grenze zu kommen. Die Ankunft und der Aufenthalt einer Zahl Juden in Berlin und in Deutschland hat eine allgemeine Unruhe verursacht, als ob es sich um eine Ueberschwernmung handelte. Die Deutschen mit ihrem Organisationstalent und ihrer Gründlichkeit treffen ernste Vorbereitungen, um der neuen Gefahr, die ihrem Vaterlande droht, zu begegnen. Aus allen Kreisen, auch aus denen der Regierung, wird geheizt, sogar vom „Vorwärts", dem Zentralorgan der S. P. von Deutschland: Die „Ostjuden", die „polnischen Juden" verbreiten Bolschewismus, Schmutz, drücken die Arbeitslöhne, sind Spekulanten und Wucherer, verursachen Nahrungsmangel und Wohnungsnot .... Daß ein Argument das andere ausschließt, ficht diese Leute nicht an, und fragt ihr nach der Logik, so beweist dies ja nur, daß Ihr ein verdorbener Jud seid. Man -muß gestehen, daß Deutschland als jüdischos Einwanderungsland nicht in Betracht kommt, da es überhaupt kein Einwanderungsland ist. Im Gegenteil, es wird ein Auswanderungsland. Vor dem Kriege hat Deutschland eine große Zahl ausländischer Arbeiter beschäftigt; es waren dies aber, mit geringen, Ausnahmen, polnisch© und ukrainische Saisonarbeiter für die Landwirtschaft. Sie nahmen jene Arbeitsplätze an, die von den deutschen Arbeitern» angelockt durch die besseren Arbeitsbedingungen in den Industriegebieten, verlassen wurden. Nun, da Deutschland seine auswärtigen Märkte eingebüßt und ein großer Teil der industriellen Bevölkerung somit die E.dstenzinögliohkeit verloren hat, ist eine radikale Berufs Umschichtung irt Deutschland zu erwarten, d. h. der Uebergang vieler Industriearbeiter zur Landwirtschaft, andernfalls wären diese Teile der industriellen Bevölkerung zum Tode verurteilt oder eine schwere Last auf den Schultern des erschöpften Volkes. Dies alles ist uns klar. Es ist auch wahr, daß in Deutschland, insbesondere in den Großsfcädfcan, ein großer Nahrungsmangel und Wohnungsnot herrscht: Wir sind die letzten, die dies leugnen oder kein Mitleid mit dem leidenden deutschen Volke besitzen. Aber all das gibt keinem das Eecht, die Einwanderer, die nicht zum Vergnügen nach Deutschland kommen, sondern das Leben zu retten,- mit Kot zu bewerfen. Deutschland ist infolge seiner geographischen Lage stets ein Durchgangsland für die jüdische Emigration gewesen und vor dem 'Kriege bedeutete dies für Deutschland Einkünfte von vielen Millionen. Mit allen Tricks des alten Regimes, dem System der Kontrollstationen und der Wanderungsgesetze, sind die jüdischen Wanderer gezwungen worden, deutsche Schiffe zu beni'itzen, und sind auf diese Weise schändlich ausgebeutet worden. Und werden die deutschen Schiffahrtsgesellschaften, wenn ein halbwegs normaler Verkehr wieder beginnt, nicht die jüdische Wanderung als einen wichtigen Einkommensposten in ihr Budget einstellen?, Hätten die Deutschen sonst keino Verpflichtungen aas der Kriegszeit den Juden gegenüber? Abgesehen davon, daß die Deutschen die Hauptschiüd am Ausbruche des Krieges trifft, sind sie nicht frei von der Verantwortung für die große jüdische Volkskatastrophe: das Vorgehen der deutschen Behörden während der Okkupationszeit in Polen, Litauen, Ukraine ist eine Kette schwerster direkter Verbrechen gegen die Juden. Die Deutschen haben sich verpflichtet, die zerstörten Provinzen Frankreichs wiederaufzubauen — werden sie auch an den Aufbau des zertrümmerten jüdischen ökonomischen Lebens der östlichen Provinzen, in denen sie die Bevölkerung bis zum letzten Blutstropfen ausgesogen haben, mit Hand anlegen? Oder wird jemand leugnen, daß die jüdischen Auswanderer ein Teil joner Masse unserer Opfer des Krieges und der Okkupationsherrschatt sind?] Ist doch ein großer Teil (10.000 bis 15.000) jener, fremden Juden Deportierte aus der Okkupationszeit, die zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt 'wurden. Und diese Ostjuden werden genau so behandelt wie die anderen. Haben die Deutschen ihnen gegenüber etwa auch keine Verpflichtung? In voller Anerkennung aller inneren Schwierigkeiten Deutschlands,, in der Erkenntnis, daß Deutschland kein Land für jüdische Masseneiuwanderung sein kann, müssen wir doch gegen die Art der Behandlung der jüdischen Emigrationsfrage, gegen die Lügen und Verleumdungen, die in der Presse gegen die „Ostjuden" ausgestreut werden, gegen die grausamen Maßnahmen, die getroffen werden, um uns loszuwerden, energisch protestieren. Wenn ein Mann, wie d<u- Berliner Polizeipräsident, der Sozialdemokrat Eugen Ernst, eine Erklärung veröffentlicht, daß die polni-schon Juden das bolschewistische Gift und allerhand andere kapitalistische Plagen verbreiten, mit Konzentrationslagern droht» *) Aus dem Warschauer „Arbeiterwort",