Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 13 (27.3.1920)
- Date
- 1920-03-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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NR. 13 PREIE TRiBÖNE «oi! de)- sozialen Revolution uemachi wurde«;. in Wahrheit j<;- :'Di<' Mitteilungen, unserer russischen Genossen, smcb der konununistischen, bestätigen nur, was theoretisch von vorne - herein zu erwarten v/ar. Die proletarische Revolution in« jtu- ■jarhs;. .in Kampf um die politische Macht, und setzt sicha-rs einer Heiße von Rin/e'kämpjen zusammen! die das wir!sehn;diche Leben völlig zerr litt. vi. Selbst nach ihrem Sieg :nnl1 vie alle Krähe an die Bokämjuung der konterrevolutiolüren Bestrebungen setzen., Es ist deshalb Utopie, zu;>;lau-!>,•!!, es könnte sofort, mit «n/aalen Reformen iu großem Maßstäbe oder mit einem Umbaue der ganzen Wirtschaft auf v/,ialisMscher Basis bogonnen werden. Wir haben damit r-u p.-linen. dat.'. lange Zeit nient mir die kleinbürgerliche Produktion, wenn auch irn beschrankten Masse-, sondern a\u:h KoUewirkungcn der groüknpilaliatischcn Prod.jktionsJonn erhalten tdeiben. Wir müssen lief der Erörterung der Fragen die LSad.uunterscheiden, je nachdem, ob in ihnen die proletarisch* Involution gesiegt, lud. ob sie begönne,, hm, ob sie dort in Ansicht steht, oder ob in ihnen eine Weiterentwicklung d.t kapitalistischen Gesellschaft v.u erwarten ist. Allgemeine iiolscbewikische Anschauung ist es. daß iu allen europäischen Ländern die prolelat isehe Revolution in unmittelbare Nahe gerückt, ist. bezw. schon begonnen hat. Für die außereuropäischen Lander mit kapitalistischer Produktionsweise, wi2 z. ö. Amerika, in welchem noch ein so namhafter Feil d?r arbeitenden jüdischen Volksmassen lebt, ist diese vorve-isage schon schwerer zu inachen, in den auf prim'.tivoreii Wirfschafts- und Kulturstufeu stehenden Ländern Asiens;uid Afrikakann von einer proletarischen Revolution noch id/.ht die Rede sein. Gewi 1.1 weiden sich auch dort durch den noch immer nicht gesättigten Kolonienhunger der Imperialistischen Staaten in wachsender Häufigkeit and Intensität Konliiktc entwickeln, die zu nationalen Revolten und bewaffneten Aufständen, führen können. Bei der gegebenen Sachlage können die Träger dieser revolutionären Bewegungen nur die neu auftauchenden bourgeoisen Schichten 4or "betreffenden Völker werden und ihr Charakter ist der, der uns so gut bekannten, national-bürgerlichen Revolution. Daß überall dort, wo das Proletariat die Macht noch nicht «.•rrungon hat. die Eniigraf.onsteiidenxcn der iudisohou Massen, ungeheuer groß sein worden, gesteht ja auch XI--s r.n. Solange die Möglichkeit einer solchen Massenwanderung aus den Sowjetstaaten nicht ausgeschlossen erscheint und andere Länder mit, kompakter jüdisch-proletarischer Siedlung, insbesondere Polen, in den alten wirtschaftlichen und politischen Formen verbleiben, kann der Emigrantenirage eine aktuelle Bedeutung nicht abgesprochen werden." Das ist allerdings sehr vorsichtig ausgedrückt! Was wir unter aktueller Bedeutung am verstehen haben, geht, aus dem iolgeuden Satze hervor, in. dem betont wird, daß die Einig;«-. tton den Charakter* eines chronischen Prozesses verlier-.. Das ist ein Bekenntnis zum Glauben an. die rascheste .Eroberung der politischen Macht in den europäischen Ländern durch das Proletariat, und deren sichere Behandlung. Mag man iu dieser Beziehung noch so sehr Sanguiniker sein und diesen Glauben teilen, wird man doch nicht der genaueren Ueberlegung ledig, was nach der Ergreifung der politischen Macht geschieht. Der proletarische Staat wird in ollen Landern notwendigerweise eine Reihe von Maßnahmen treffen, die zunächst die wirtschaftl. Positionen des jüd. Proletariats schwer erschüttern müssen, soweit sie nicht schon, durch die Revolntion zerstört sind. Manche dieser Maßnahmen können *ii;h im, weiteren Verlaufe als überflüssig, ja sogar als allgemein schädlich, als Fehler erweisen, und doch wird sie jeder proletarische Staat treffen müssen, weil er geleitet wird von der Arbeitcrideologio, die in der Zeit der kapitalistischen Gesellschaftsordnung im Proletariate sich entwickelt hatten. Nehmen wir ein Beispiel: In allen bisher bestehenden Sowjetstaaten wurde der Versuch gemacht, auch die kleine Produktion sofort zu sozialisieren. Das hat sich im Laufe der Zeit als ein. Fehler herausgestellt und Sowjetrußlaand hat darauf wenigstens zum Teile verzichtet. Mittlerweile hat aber der erste Versuch die Katastrophe, die <ieu Wehlen jüdischen Handwerker schon lange bedroht«;, herbeigeführt, die jüdische, kleinbürgerliche Masse vollkommen ruiniert. Das hatte zur Folge, daß der jüdische Arbeiter der ja zum größten Teile im Kleingewerbe beschäftigt ist, seinen Arbeitsplatz verlor. ' Nun aber wirft der an die Wnnderheilung dvueh das Zauberelixier der sozialen Revolution Glaubende ein, daß auch die nichtjüdischen Arbeiter in der proletarischen. Revolution ihre Arbeitsplätze verlieren, denn auch von ihnen ist ein großer Teil in der Kleinproduktion beschäftigt. Der erste Akt der siegreichen proletarischen Revolution besteht darin, die unrentablen, d. i. meist die kleinen Betriebe stillzulegen und in den größten. Betrieben die Arbeit *u konzentrieren. Der Uebergaug zu dieser höheren Produktion -.form muß, wie auch in der kapitalistischen Produktion eine größere Zahl von Arbeiferhänden in der betreffenden Industrie überflüssig machen. Sorge des proletarischen Staates maß r-s sein, diese üeberzähligen sofort anderen Betriebszweigen zuzuführen, die eine größere Zahl von Arbeitern erfordern. Da stellt sich nun zunächst heraus, daß es überall die Landwirtschaft, ist. der mehr Arbeitskraft zugewendet, werden muß als früher, und so machen die Wirkungen der proletarischen Revolution die Durchführung alles dessen notwendig, was wir mit innerer Kolonisation bezeichnen. Nun ist bei keinem der kontinentalen europäischen Völker die Arbeiterschaft mehr als drei Generationen von der Landwirtschaft entfernt. Gerade in Osteuropa stammen die Arbeiter last unmittelbar vom Lande. Ein ü-roßer Teil ist nicht: nur formell heimatsberechtigtin seinem Dorfe, sondern steht mit ihm auch im engsten Zusammenhange,; war seiner Rechtssprechung unterworfen und arbeitete auch zeitweise in dem Dorfe. Er hat. den Zusammenhang mit ihm noch nicht verloren. Seiner Rückkehr int -^«^'•^^•^^•^^•^ Geaossen, Genossinen! Wir wenden uns an eure OpferwiHigkeit. Trotzdem die Druck- und Papierkosten ms Ungeheuerliche gestiegen, so daß auf eine Nummer der „Freien Tribüne" an diesen allein mehr entfalle:! als ihr Verkaufspreis beträgt wollen wir diesen nicht erhöhen. Wir unierlassen dies nur in dem Vertrauen, daß eine e n ergisc h e P re. Q fo nd s- Ak tl o n die Mitte! zur Erhaltung des Blattes aufbringen wird. Genossen, Genossin?«! Ihr alle mfiät euch durch Sammlungen. Werbung vor. Abonaentcn beteiligen, müßt wo immer möglich, selbst in die Tasche greifen! Sammelbogen bei den Sekretären der Bezirksgruppen und im Parteisefcretanat, Ii,, Glocken gasse 6/17.' Genossen, Gcwcssinen! Geht an die Preßfonds-Sammlung! Die Parteileitung. Dorf steht fast kein psychologisches Hindernis entgegen. Deshalb sehen wir, wie sich dio Abkehr der Arbeiter reu der Industrie zurück in das Dorf verhältnismäßig schmerzlos vollzieht, wie sich die Großstädte entleeren. Wie ist es aber mit den Juden? Sie haben keinerlei Beziehungen /um Dorfe mehr; ihrem Bestreben zum Uebergang in die Landwirtschaft stellen sich eine Reihe von psychologischen. Hindernissen in den Weg. Zunächst müssen wir nämlich beachten, daß die Bauernschaft in die Revolntion eintritt, beladen mit all den Wünschen und Anschauungen aus der bürgerlichen Epoche. Sie glaubt allein Anspruch auf Grund und Boden erheben zu dürfen, nur ihnen allein ist es vorbehalten, Landwirtschaft betreiben zu dürfen. Wer nicht zum Dorfe gehört, ist ein Fremder, ein Feind, dem man unter keinen Umständen das Recht geben darf, Boden erlangen zu können. Hiezu kommt die Tatsache . der ideologischen Krbschaffe, die der Bauer aus der früheren Zeit übernommen hat. Die nationale Fremdheit, die beim Bauern erst in dem Moment in Feindschaft umschlägt, wo es um seine, wirklichen oder vermeintlichen Interessen geht, wird plötzlich wirksam, sobald der gefürohtete und gehaßte Konkurrent um das so lange ersehnte Stück Boden einer anderän Nalahren lebe. Aber ich greife den Dingen vor. Ich will Euch der Reihe nach erzählen, wie alles gekommen ist Als in unserer Genend die Agrnrunruhen begannen, lebten wir in heller Angst vor einem jüdischen Pogrom. Aber Gott kann Wunder vollbringen und das Schlechte zum Guten wenden. Das Gouvernement schickte zur Verteidigung einen Trupp Soldaten, so da!} wir in Ruhe leben konnten. Irn Städtchen setzte ein reges Leb an ein. Was kann es für die Bevölkerung Besseres geben als Feldwebel, Heilgehilfen, Offiziere und Regimentsführer?" „Selbstverständlich!" „Wer hätte ahnen können, daß die Kantorstochter sich auf Tod und Leben in einen Husarenorliz'icr verlieben würde und sich taufen lassen wollte, um den Offizier zu heiraten! Furchtbar, was sich alles iu unserem Städtchen abgespielt hat! Aber habt keine Ang.si! Die Kantorstoehter hat sich nicht getauft und den Offizier nicht geheiratet. Denn als die Unruhen nachließen, zog das Militär vom Städtchen fori, und der Offizier vergaß tri de- Eile, sich von der Kantorstochter zu verabschieden. Dagegen konnte die Kantorstochter dan Offizier nicht vergessen, bedauernswert waren die Eiter«! Was mußtet! die armen Leute leiden! Die gaitze Stadt war aufgebracht. Auf Schritt und Tritt hörte man nur von der Kantorstoehter sprechen. Ali die bösen Zungen! Was haben die Leute bessere:» zu tun! Sie schickten zu der Frau eine Hebamme und ließen den Kontor fragen, nach wem er das Kind nennen würde . . . Möglicherweise war die ganze Geschichte erlogen. Man kann sich nicht vors feilen, was böse Zungen im Städtchen eninden können! „Ach jai" „Obgleich mir die Kantorsleute, die an dem Unglück Ikeine Schuld hatten, sehr ieid taten, verbot ich meina-r '! ochter ein für allemal, die freundschaftlichen Beziehungen zu der Kantorstoehter weiterzuptlegen. Ich bin streng und verlange von meiner Tochter Respekt, nach wenn sie das ei:i~ Üge Kind war . . . Wer mitte ahnen hon'i?n, daß meine Tochter sich heimlich mil ihr treffen würue! ich erfuhr es erst, als alles vorbei war . . ." Der Erzählende hielt einen Augenblicu inae, durch das Krächzen und Stöhnen der am Boden Schlafenden aufgestört, und fuhr leiser fort: ..Icherinnere mich, als wäre"es heute, der ha.uor hatte die Gcueie sieben mit solchem Ausdruck hergesagt, daß er Steine hätle rühren können. Es ging woh'i kaum jemandem so zu Herren wie mir. Die heutigen Kinder sind ein Unglück für die Väter! Nachdem ich meine Gebete verrichtet hatie, ging ich »aclihause aß sine tion angehört. Gen. M-s wird sich hoffentlich nicht du:cU die fcundlstasche Ausflucht diese alten Ideologien müßte» kämpft werden, der Anerkennung ihrer ^E^fetenz cnt?.i«;* wollen. Crowiß ist, daß der Bauer nf«eh einiger Zeit. «oL.d.i er erst eine höhere Produktionsstufo erklommen ha;, T k davon überzeugen wird, daß der Reichtum an freiem 3o; ■» unerschöpflich isf. und die > oben gekennzeichnete Hulluni gegen jenen Fremden aufgeben wird, doch kostet die Ueberwindung all dieser Vorurteile viel Zeit, während deren da« Rmigrationsbedürfnis anfrechtbleibt. Mit. dem allen soll nicht gesagt sein, daß eine llinl*»*- kuug der jjüdischen arbeitslosen Massen auf die Landwirtschaft überhaupt unmöglich wäre, sondern nur unterstrichen werden, daß sie in der ersten Zeit in Masse »»geschlossen ist und deshalb dem bezeichnetem Bedürfnis aidt .«.renüsren kann. Mfena«) Korm-Bh«r. £{Fort8«tzurig folgt.)| RUNDSCHAU. Klassenfriecle und Klassenkampf in Ungarn. Wäln-end der Klassenkampf auf Befehl Horthuseingestellt worden ist und in ganz Ungarn sozusagen dte fcahe und der Frieden des Kirchhofes herrschen, ist ein ander«; Kampf innerhalb der herrschenden Klassen entbrannt, dev sich vorläufig noch in der Nationalversammlung und zvrar in sehr erregten Debatten und drohenden Handgreiflichkeit«« äußert. Kleingegen Großbürger, Kleingege» Großbau?!-« und Großgrundbesitzer, ist der „materialistische" Hintergrund. Unter den führenden Geschäftspolitikern äußert sich der m«- gensalz der Parteien durch gegenseitige Beschuldlgtin *a von Panamas, Korruption, kurz, all der ans der „vorch d^ lichen" Zeit bekannten ungarischen Parlamentarismen, iirwi da natürlich die Schiebereien, Durchstechereien, Schmuggeleien usw. auch im Interesse indischer Kapitalisten wn'*-- stützt werden, ist, alles in allem — nach dem Urteile <W „Reichsposf' — der christliche Kurs in Ungarn in kritsrher Lage. Was ja seit jeher nur eine Frage der Zeit war, de es natürlich den besitzenden Klassen nie gelingen k-m», die Klassengegensätze — nicht einmal im eigenen Lag»: — unter irgend einen) Deckmantel für die Dauer zu urdardiücken. Eine kritische Lage also, in der Vanczak und Konsorten auf den Plan traten und — ganz wie im chrfetKc«- sozialen Märchen — „mit einfacher, mänilicher Aui7:ch:igkeir . . . bereitwillig unsere schwielige Hand.....zur n:-'Vnalen Auferstehung und zum Wiederaufbau, zur Verhöhnung bieten'1 und es „der Weisheit Euer Durchlaucht \v>- , heinT'-stellen, „den Wert oder Unwert döes-er Hand hinzustellen", eine kritische Lage, da der „Arbeiter f»'-r er Miakins" den Wunsch der sozialdemokratischen Partei dach „Mitarbeit. an der Konsolidierung", einverrtehmlich mit desi Bürgertum an dem Ausbau des Nationalstaates mitzuwirken, ihr Festhalten an den auf der Berner Konferenz dargelegte« Standpunkt der Integrität Ungarn;-; und schließlich ihren Verzicht, auf parlamentarische Vertretung vermittelt. Mit Einfriedigung sei noch festgestellt, daß man sich im Laufe dee . Verhandlungen überzeugt habe, „daß der Minfcterpräsideirt ebenfalls von dem Gefühl durchdrungen ist, daß die Mbü;»«i» der Arbeiterschaft den aus dem Auslande kommenden Verhetzungen Widerstand leisten" (das geht auch gegen c«'* „Arbeiterzeitung'' — man denke!) Ob dem allen noch etwas hinzuzufügen ist? Höchstens, daß diese christlichsoziale Partei der Zwei;«n Internationale angehört. Welch farbenprächtiges Gemisch: Englische Liberale, belgische Königshuldiger, schwedische UuparministerlaKsten, deutsche Noskiten, uogorisebe Christlich«Dziaie und — Allerdings, eine gewiss* Intematioualilät läßt sich :2nwu nicht absprechen . . . Polens Antwort auf das Fnedensar.bot Sowjetrußlands.' Im Innern Chaos, wirtschaftliche Auflösung, Streikt wx allen Ecken und Enden: Heilmittel — Krieg. Sie ist noch nicht satt, die polnische Bourgeois;», und wo Appetit besteht, da stellt sich bald . irgend ein i»t ta^- risches oder rechtliches Mäntelchen ein; alsD: Polen i« <i,m Grenzen von 1772, Polen vom Baltischen bis zum Schwarza Meer. Und damit die Antwort ganz sicher unannehmbar sei: Forderung nach der Konstituante. Kleinigkeit, nahm die Schlüssel und ging nach dem Marktplatz, um meinen Speicher zu öffnen. Ich" wartete au'f meinen Angestellten, aber es verging eine halbe Stunda, eine Stunde — er kam nicht. Endlich erschien er. „Warum so s.-ä-t. Berel?'' fragte ich ihn. „Ich war beim Kantor", erwiderte ar. „Wozu denn?" fragte ich. „Sie wissen wohl nicht, was i*ü Chajka passiert ist?" (So hieß die Tochter des Kantus.) „Was ist denn passiert?" fragte ich. „Was passiert is!? hat sich vergiftet . . . aus . . ." Als ich'das hörte, lief ich nachhause. Mein eisler .;e~ danjke war, was Eftka, meine Tochter, dazu sagen würde. „Wo ist EtUka?" rief ich, zuhause bei meiner Alten iangt. „Etlfka schläft noch, warum denn?" „Weißt du n i,(> nicht? Chajka hat sich vergiftet!" Kaum hatte ich ge sagt, als meine Frau sich mit beiden Händen beim Kopf faßte und rief: „0 weh! Verflucht sei sie!" „Was? Wer?'!" rief ich. „0 weh!" rief sie verzweifelt, „Etflka ist t.est-ain abend mit Chajka spazieren gegangen!" „Ettjka mit Chaika?" rief ich. „Wie ist das ntö^'Viil Was redest du!!" „Ach, frage mich nicht! Ich mußte es ihr erlauben: Sie' hat mich so darum gebeten! Sie traf sich jeden »Tig nxit ihr - du durftest es nicht wissen! Ein Unglück ist ges-hallen! Gott gebe, ich härte Unrecht!" rief meine Ahe uad stürzte nach Elijas Zimmer. Dort fiel sie zu i:)o:,';'.-(. (oij lief hinter ihr her, an Etfckas. Bett.....Ettka!" Ich ko.;ni« kinge rufen. Ettka war nicht da. .Nicht da?" „Sie war tot. Auf dem Bette lag sie tot. ttera Nachttisch stand ein leeres Fläschchen und'daneben In;.; ein von ihrer Hand auf |iddisch geschriebener Zettel; eine .u:gmweide war es, ihre Schrift zu lesen. „Liebe, teur» \ uter und Mutter," schrieb sie, „verzeiht mir, daß ich euch so; «an Schmerz und solche Schande bereite, ich muß euch hticide; um Verzeihung bitten. Ich und Chajka haben. ge.>;L .na selben Tage, "zur gleichen Stunde, auf gleiche Weise sterbet!, denn wir künne/i nicht ohne einander leoca. Im wetb, daß ich an cueü ein großes Verbrechen begalw Ich habe lange dagegen angekämpft, aber es muß ein . . Es ist meine Bevlimmimg. Eine bitte habe ich .inmeine Teuren . . . Beerdigt uns nebeneinander." Zum Sc 'iuii schrieb sie: „Lebt wohl! und vergaßt, daß ihr »eiu.u-d okie Tochter Ettka hattet . . Hören Sie, wir soften ve.-f.e en, daß wir «inmal eine Tochter Ettka imtl&n." Deutsch vou Sveraaia Goid^i: n„. bokl angeschlossen, um nackte junge Mädchen beim Baden zu beobachten." „Was war das Ende?" fragte ich „Dos Er.de war, daß der Trunkenbold Ssanin wie ein Pferd zu wiehern begann, sogar seine Schwester Ludia wieherte er an. Als er nachhause kam^ wollte er . . ." „Pfui!" unterbrach ich Berel „hör auf von diesem Trunkenbold, erzähle lieber, was die Quintessenz war." — „Die Quintessenz war," erwiderte Berel, „daß der Offiizier sich erschoß, der Student desgleichen, und das junge Mädchen, die Lehreri.i, dch vergiftete. Einen Juden, namens Solowejschik, gab es ,utch, der hat sich aufgehängt." — „Aufgehängt? Hämg du dich; .selber auf mit allen zusammen!" — „Warum schilt Ihr mich? Ich bin doch nicht schuld daran!" — „Ich meine rieht dich, sondern den Arze-Baschcw!" sagte ich' zu Berel, während ich im Grunde den Nawarodelker jungen Mann' meinte, den der Teufe! holen soll! Glauben Sie, daß ich nicht Jen Mut hatte, mir den jungen Mann vorzunehmen?" „Sehr richtig!" „Sag' mal, Vte kann mau solch ein sinnloses Buch leseny Wo hast du es nur her?" fragte ich ihn. „War; für ein sinnloses Buch?" fragte er, micu mit seinen roten Augen unter der Brille hervor anglotzend. „Na, die Geschichte von dem 1 runlkenbokl Ssanin", erwiderte ich. Ssrntiri i*t kein Trunfkenboldi" sagte er. „Was denn?- fragte ich ,Ehi Held!" meinte er. „Ein Held? Weil er Schnaps aus Tecyläsern trinkt und Gurken dazu ißt und wie ein Pferd wiehert?" Hierauf wurde der Jüngling feuerrot, nahm die Bride ab und starrte mich mit seineu roten Auge.; an. „?iir habt etwas läuten hören, aber Ihr wißt es nicht vuederzugebsn", sagte er. „Ssanin ist ein Naturmensch, der sieh mu h Frei-' heit sehnt. Ssanin sagt, was er denfkt, und tut, was er will . " Er redete noch lange und breit von Freiheit und Liebcy und Heldentum, und er stellte dabei seine Vor/clbrusi heraus, fuchtelte' mit den Händen und erregte sich, wie ein Prediger auf der Kanzel. Ich uetrachteie ihn und dachte bei mir: „Allmächtiger Göll! Dieser unappetitliche Bursche redet von solchen Dingen! Am liebsten hätte ich ihn neim Kragen gepackt und hinausgeschmissen, daß er alle seine Zähne aufle-cn müßte. /Iber ich besann mich. Wäre e>, oesser, wenn dieser blöde junge von Bomben reden würde?! Ich konnte nicht ahnen, daß e.> schlimmere Dinge gab als f.omi;en, und daß k durch dieses unsinnige Z^^ug mein Kinü verlieren würde, meine einzige Tochter! meinen Augapfel; daß .neine Frau beinahe wahnsinnig geworden wäre und ich vor Schmerz und Schande mein Geschäft' aufgeben und nach ■Aiuer andern Stadt überredete mußte, wo fch seit zwa