Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 12 (20.3.1920)
- Date
- 1920-03-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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NR. 12 FREIE TRIBÜNE SEITE 3 vorgeschobener Strohmänner waren, während sich die Hintermänner noch abwartend verborgen hielten. Die Entwicklung wäre natürlich geradlinig dem Muster etwa Ungarns gefolgt, wenn nicht der mit beispielloser Wucht einsetzende Generalstreik dem Spuk vorzeitig ein Ende gemacht hätte. Erst als dies vorauszusehen war, nahmen die Rechtsparteien offen gegen die Putschregierung Stellung. Die historisch gegebene Richtung der Gegenrevolution zeigte sich am klarsten in München, wo ohne offene Gewaltanwendung und Blutvergießen das Koalitilonskabinett Hoffmann einer refin bürgerlichen Regierung der Rechten weichen mußte. Nun zum Generalstreik. Es ist eine tragische Satire, daß dieselben Mehrheitler, die eben noch den Streik als politisches Kampfmittel gegen eine Regierung mit Blut und Feuer bekämpft hatten, denselben proklamieren mußten, daß dieselbe technische Nothilfe, die Noske für sich geschaffen, nun gegen ihn und die seinen in die Bresche sprang. Doch dies ist nicht das wichtige, wenn es auch wenigstens das persönliche Schicksal Noskes besiegelte. Das wesentliche ist, daß durch den Generalstreik das Proletariat zum offenen Klassenkampf kommandiert war und sich mit der Parole „für Ebert—Noske, gegen Kapp—Lüttwitz" nicht zufrieden geben konnte. Speziell die Führer des revolutionären Teiles des Proletariates, der Unabhängigen und Kommunisten«, mußten natürlicherweise die Front gegen beide Regierungera kehren. Daß sie nicht fähig waren, dieser Bewegung in Berlin vom Anfang an eine planmäßige Richtung und Führung zu geben, ist. so bedauerlich an und für sich, wohl neben, der lähmenden Zerissertheit der Führung der Unabhängigen, den Wirkungen des Äusnähmszustandes, den unausgesetzten Verfolgungen zuzuschreiben, denen gegenüber die organisatorische Anpassung noch nicht gefunden war. Nun, nachdem die Regierung Kapp zurückgetreten, nicht ohne das sonst niemals fehlende Mittel versucht zu haben, das Bürgertum unter der Losung des Kampfes gegen den Bolschewismus zu gewinnen, nun ist der Kampfboden geebnet, die Luft geklärt. Nicht mehr für die alte Regierung und gegen die neue geht der Kampf, sondern gegen die alte una für eine neue, gegen den Weg der Bourgeoisie^ für den des Proletariats. So ihat der Spaziergang /nach Berlin die Spannung ausgelöst, die in der Luft lag, hat die Austragung der neuerlichen Kraftprobe auf dem Forum eingeleitet, das stets noch über dem legalen der Parlamente stand... * „ Noch sind die Ereignisse nicht abgeschlossen und schon beschreitet diese famose „verfassungsmäßige" Regierung den alten Weg. Anstatt die meuternde Reichswehr zu entwaffnen, sendet man sie gegen die streikenden und heldenmütig kämpfenden Proletarier. Die Regierung, die soeben durch die Arbeiterschaft aus der Gefangenschaft der Reichswehr befreit wurde, begibt sich wieder in dieses Joch. Wahrlich, die Herren scheinen nichts gelernt und nichts vergessen zu haben; sie müssen sofort unschädlich gemacht werden. An ihre Stelle müßte die einheitliche proletarische Regierung gesetzt werden. Der Kommunismus in den Vereinigten Staaten. \ Die Kommunistische Partei Amerikas, der frühere linke Flügel der Sozialistischen Partei, konstituierte sich am 1. September 1919 als selbständige Partei. Dreiundeinhalb Monate dauerte ihr tegaloc •organisatorisches Dasein. Während dieser Zeit wurden fast 700 Ortsgrupen gegründet, 5 Proklamationen erlassen, vier davon in einer Auflage von \% ^Millionen Exemplaren, 2 Broschüren gedruckt, darunter Radeks „Die Entwicklung des Sozialismus von der Wissenschaft zur Tat." Eine dritte war im Druck, als in der ersten Jännerwoohe der gesamte Staatsaparat auf die Kommunisten losgelassen wurde, die bekannte offizielle Kommunistenhetze begann. Arbeitssekretär Wilson erklärte, daß die Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei Grund genug zur Deportation sei. Das Newyorker Gericht erklärte im Falle Gitlow, der wegen Veröffentlichung des Manifestes des Linken Flügels angekfegt worden, daß jede Diskussion kommunistischer Prinzipien und Taktik als „kriminelle Anarchie" gelte, ein Delikt des nordamerikanischen Strafgesetzes. 160 Männer und Frauen wurden in Illinois einzeln und zusammen unter Anklage gestellt, auf Grund von Gesetzesparagraplhen, die bis zu zÄin Jahre Strafe fordern. 'Im ganzen wurden mehr aß 3000 Mitglieder der Kommunistischen Partei deportiert, über 250. meist Mitalieder der Exekutiven, wegen Vergehens aegen das oben genannte Gesetz ins Gefängnis geworfen. So blieb nichts anderes übrig, als dlie Partei als illegal 2U erklären und die Arbeit unterirdisch fortzusetzen. Da jedes Mitglied sich ständig von Deportation und Einkerkerung bedroht weiß, ist die Organisation zwar kleiner aber dafür um so kräftiger. Gegenwärtig wird die Schaffung von Betriebsorganisationen propagiert.' In der freien demokratischen Republik der Vereinigten Staaten herrschen somit auf diesem Gebiete dieselben Zustände wie im schwärzesten zaristischen Rußland, als die Sozialdemokratie mit Gefängnis und Verbannung bedroht sund zu illegaler Organisationstätigkeit gezwungen war. Welmen Erfolg dies hatte, zeigt die Geschichte... * ßie Sozialistische Partei Äme^ka* und die Internationale. Diese Partei,' obwohl schon längst aus der 2. internationale ausgetreten, dennoch aber irn Wesen opportunistisch1 und durch und durch „demokratisch", veranstaltete eine Abstimmung wegen Stellungsnahme zur 3. Internationale. Sie ergab eine Majorität für den Anschluß an dieselbe, „ohne Annahme ihres Programms und ihrer Methoden..." Bin sozialistisches königliches Ministerium. iSchweden ist dös La,nd, dem diese neueste Blüte der Sozialdemokratie entsprossen ist. Branting ist königlicher Ministerpräsident, sein Kabinett Ist, abgesehen von unpolitischen Fachrainistern, rein sozialdemokratisch und steht einer bürgerlichen Mehrheit des Parlamentes gegenüber, beziehungsweise vor. Weiter konnte die Kapitulation der Sozialdemokratie /or dem bürgerlichen Staate nicht mehr gehen. Sie liegt vor ton und seinen Einrichtungen anbetend auf dem Bauche. Tiefer konnte die Sozialdemokratie nicht mehr sinken, «s von einer Klassenkampfpartei zu einer Partei königlicher "unisterpräsidenten... Die Sitzung des großen zionistischen Aktionskomitees. 3. Die Nationalisierung des Bodens. , Herr Shire ist der Ansicht, daß die Forderungen der wdjschen Arbeiter in Bezug auf dfca Nationalisierung des J°d3ns unberechtigt seien, da wir auf die Zuziehung von taptal angewiesen sind. r Dr. Ruppin vertritt die Anschauung, daß die Durchzug einer zweckentsprechenden Steuerpolitik in der Haupt- Jcie den Zweck erreichen werde, jede Privatspekulation M dem Boden auszuschließen. Selbstverständlich dürfen n a- '°iale Mittel niemals so verwendet werden, daß irgeod- "eichc Unterstützung einer Spekulation möglich sei. Dr. Weizmann meint, wenn dem jüdischen Arbeiter Tradition und Disziplin und die volle organische Verbindung mit der Arbeit noch fehlen, so steht doch fest, daß es der jüdische Arbeiter ist, in welchem das Maximum des konstruktiven Idealismus lebt, ohne welchen der Aufbau eines jüdischen Palästina unmöglich ist. Dieser Idealismus muß voll ausgenützt werden. Er kann aber nur zur Auslösung kommen, wenn der jüdische Arbeiter weiß, daß er Jür sein Volk, für die ganze Nation arbeitet, nicht für irgendwelche Privatinteressen. Deshalb ist Dr. Weizmann für die Nationalisierung des Bodens. Um dem Arbeiter die Möglichkeit der Existenz zu schaffen, müssen ihm die besten technischen Arbeitsbedingungen geschaffen werden, da er bei der Anwendung primitiver Arbeitsmethoden nicht konkurrenzfähig sein kann. Dr. Weizmann schildert hierauf den Eindruck, den er nach gründlichsten Untersuchungen von den Arbeitergenossenschaften bekommen hat. Er sieht in ihnen die Keimzeilen der ganzen kommenden Siedlung. Sie repräsentieren den Anfang des hebräischen Dorfes im Gegensatz zu manchen anderen Kolonien, die zwar vom ökonomischen Gesichtspunkte aus erfolgreich erscheinen, dere nSystern aber für den Aufbau eines Jüdischen Palästina unbrauchbar ist. Allerdings kann an die Arbeitergenossenschaften, wie sie sich bisher entwickelt haben, der Maßstab der Ökonomischen Rentabilität nicht angelegt werden, da sie bisher niemals unter Bedingungen gestellt wurden, die als normale! zu betrachten sind und deshalb eine ökonomische Beurteilung rechtfertigen. Ueberdies dürfen sie für die Zukunft nur ein Durchgangsstadium, eine landwirtschaftliche Schule darstellen, indem sich aus ihnen heraus die selbstarbeitendein Kleinsiedler loslösen und entwickeln werden. Angenommen wurde der Antrag Böhm: „Die Aktionskomitee-Sitzung spricht sich dafür aus, daß die Mittel, welche die Zionistische Organisation für landwirtschaftliche Kolonisation aufwendet, nur solchen Ansiedlern zugute kommen soll, welche sich den Grundsätzen der Bodenpolitik des jüdischen Nationalfonds unterwerfen." Ferner wurde der Antrag Sprinzak angenommen: „Das große Aktionskomitee betont, daß die Errichtung von Siedlungen von E i g en a r b e i t er n in die erste Reihe der nächsten Aufgaben in Palästina fäillt." Schließlich wurde der Antrag Sprinzak-Feiwel angenommen: „Das Aktionskomitee genehmigt prinzipiell die Begründung eines Institutes für kooperativen Arbeiterkredit in Palästina." Eine kritische Würdigung des vorliegenden Berichtes ergibt folgendes: Der Standpunkt des Herrn Shire ist klar. Nationale Schalmeien seien kein Lockmittel für das Kapital. Ist seine „Zuziehung" zum Aufbau Palästinas notwendig, dann sei es zwecklos, von der Nationalisierung des Bodens zu faseln. Der Kapitalist müßte wahrlich aus dem Irrenhause entsprungen sein, wollte er das Kapital dort investieren, wo ^es rettungslos der Expropriation, verfällt. Dr. Ruppin ist trotz seiner gewundenen Redensarten gleichfalls gegen die Nationalisierung des Bodens. Das von ihm vorgeschlagene Allheilmittel, nämlich, die Verscheuchung der Bodenspekulation durch zweckentsprechende Steuern, wird entweder das Kapital überhaupt verscheuchen oder es wird diese „Wegsteuerung" durch die unheimliche Macht, welche die Agrarier bei einer auf Privateigentum beruhenden Bodenverteilung immer und überall ausüben, unwirksam gemacht werden. Dessen ist sich das westjüdische Kapital, sofern es — vorläufig noch, weitab-..von,..den .Grenzen Palästinas — von Zion träumt, wohl bewußt; die angekündigte Steuerpolitik des Dr. Ruppin wird ihm kaum ein Gruseln einjagen. Dr. Weizmann, der die Entschlossenheit der jüdischen Arbeiter, ihre ganze Kraft ausschließlich einem sozialistischen Palästina zu widmen, kennt, ist zwar für die Nationalisierung des Bodens, doch glaubt er allen, die &s zu hören wünschen, den Trost spenden zu düren, daß sich für die Zukunft aus den in Palästina bereits bestehenden und in Bildung begriffenen Arbeitergenossenschaften selbstarbeitende Kleinsiedler, also kleine Grundbesitzer, loslösten und entwickeln werden. Das will heißen: Nicht die Köpfe hängen lassen, Ihr Kapitalskräftigen Israels, denn es handle sich doch nur um ein „Durchgangsstadium", das von kleinen Grundbesitzern abgelöst werden wnrd, welche bekanntlich das konservativste Element und die treuesten Stützen der auf Privateigentum beruhenden Wirtschaftsordnung sind. Also die Arbeitergenossenschaften nicht als Durchgangsstadium zur höheren Form der sozialistischen Wirtschaft, sondern zu der primitiven Form der Kleinsiedler! Dr. Weizmann scheint jedoch übersehen zuhaben, daß die von ihm gewünschte Entwicklung durch „die besten technischen Arbeitsbedingungen" in ihrem Gange nur gehemmt wird; denn will man von der Arbeitergenossenschaft zum selbständigen leinsiedler kommen, so fördert man diese Entwicklung am besten, wenn mari bei der „Anwendung primitiver Arbeitsmethoden",bleibt: Doch ist dies seine Sache. Für uns scheint es wichtig, festzustellen, zu welchem Chaos man gelangt, wenn man diese beiden entgegengesetzten Pole des sozialen Lebens: Arbeit und Kapital miteinander auszusöhnen versucht, sowie zu betonen, vor welchem schwierigen Problem die neue Siedlung in Palästina steht. Ein Produkt dieser Verwirrung sind die angenommenen oben zitierten Anträge. Aus der Poale-Zion Bewegung. Aus Palästina. Einem Bericht der „Achduth Haabodah** an das Verbandsbüro entnehmen 'wir: Die Organisation „Achdath Haabodah" umfaßt: 1. Die Landarbeiterorganisation mit 1050 Mitgliedern, Von denen 350 in Kewuzoth organisiert sind» 350 (Europäer und Jemeniten) als Lohnarbeiter arbeiten in den Kolonien, 350 in der jüdischen Legion. 2. Professionelle Verbände, und zwar: 80 Metallarbeiter in Jaffa und Pefcach-Tikwah,. 30 Maurer in Jaffa, 30 Tischler in Jaffa und Haifa, 80 Schriftsetzer in Jerusalem und Jaffa,. 40 Näherinnen in Jaffa und Tiberias, 20 Schuster in Jaffa, 45 Weinkellerarbeiter in Rischon Lezion, Buüanimen 825. 3. Vermischte Berufe;, Beamte, Lehrer, Aerzte, Handelsangestellte, Hilfsarbeiter in Jaffa, Jorusalem, Haila, Tiberias und Zefat, zusammen 320. 4. Aus den amerikanischen Legionen in Palästina verblieben 250. Im ganzen umfaßt die Partei 1945 Mitglieder. Die Landarbeiterorganisation verteilt sich folgendermaßen im Land!e: Kewuzoth: In Ober-Galiläa: Keiar Giladi 20, Tel Chaj 20, Chamarah 14, Jeleth Haschachar 22, Machnajim 24, Birija 10; in Unter-Galiläa: Kinereth 70, Ramah 10. Merchawiah 17, Tel Adasch 18; Samaria: Karkar 20, Garn Schemuel 17, Tirah 13, Karmel 8; Judäa: Ain Ohai 16, Ben Schemen 17, Petach Tikwah 15 und 6, Jaffa 12; *u« sammen 19 Gruppen mit 351 Mitgliedern. Dazu kamen in der letzten Zeit In Jerusalem 14 und Kalandiah 7, zusammen 21 Gruppen mit 372 Mitgliedern. Ueberdies sind organisiert von „Hapoel-Hazah'4* in Kewuzoth Mötulah 9, Migdal 14, Baganiah 24 und 16, Bei laniab 9t .Mercnaviab 11, Qnoiiah 20, Kelar Uriah 11, Bear Tubiah 19, Chuldah 8, Mozah 8, Zilab 8, Hebron 8, Beer Scheba 10, Har Kenaan 11, Ain Ganim 5S Kinereth 9; zusammen 17 Gruppen mit 209 Mitgliedern. Die professionellen Kooperativen gjuedßrn sich folgendermaßen: Buchdrucker:( Jaffa 15; Darlehen des P. A. F. an die Kooperative 1400.— ägypt. Pfund; Buchdrucker:. Jerusalem 20; Darlehen usw. —.— ägypt. Pfund. Schlosser: Haifa 7; Darlehen usw. 900.— ägypt. Pfund; Schuster: Jaffa 6; Darlehen usw. 75.— ägypt. Pfund; Tischler: Jerusalem und Haifa 20; Darlehen usw. 900.— ägypt. Pfund; Schneider: Tiberias 6; Darlehen usw. 30'.— ägypt. Pfund. In Gründung begriffen sind Bäcker-, Fischer- und Wasserleitungsmonteur- und Schneider-Kooperativen. „Achduth Haabodah" hat folgende zentrale Anstalion; 1. Konsumgenossenschaft, 2. Krankenkasse, 3. Bildungbausschuß, 4. Verlag. 1. Die Konsumgenolsenschaft. (,,Hamaschbir")j| ist vor 7 Jahren gegründet worden und hat in der Zeit seiner Tätigkeit von, der zionistischen Organisation Darlehen in der Höhe von 10.000 Pfund erhalten. Als nach der Invasion Oer Engländer in Palästina ein ungeheuerer Preissturz eintiat, hatte die Konsumgenossenschaft einen großen Verlust erlitten, so daß ihre Existenz in Frage gestellt war. Gerettet wurde die Anstalt dadurch, daß alle Mitglieder verpUiculet wurden, ihren Genossenschaftsanteil um 2 Pfund au erhöhen. Auf diese Weise wurde im Verlaufe des Winters der Betrag von 1200 Pfund eingenommen, so daß die Existenz dieser Anstalt sichergestellt erscheint. Während des Kriogjs hat die Konsumgenossenschaft unter schwersten Bedingungen 3000 Arbeiter mit Lebensmitteln versorgt. Die Genossenschaft besitzt ein zentrales Lager in Jaitu und 5 Fihalen in Tel Aniw, Tiberias, Rischovo-Lezion, Reelioboth, öiehrou Jaakob. In Gründung begriffen sind Filialen in Haifa und Jerusalem. Die Genossenschaft beschäftigt 12 Arbeiter und hat einen Monatsunisatz von mindestens 4U00 Pfund. 2. Die Krankenkasse ^(„Kupath Hacholim")^ ist an Jahre 1913 auf der' Grundlage der gegenseitigen Hilfe begründet worden und hat den jüdischen Arbeitern, die während des Krieges unter den schlechtesten Bedingungen und unter ungeheurem Mangel an Lebensmitteln schwerste Ar-. beit verrichten mußten, medizinische und sanitäre Hilfe gebracht. Außer der Bekämpfung der Seuchen (Typhus, gelbes Fieber, Malaria) hat die Krankenkasse auch für Aulbesserung der Nahrung und für Schaffung besseret Wohnungsverhältnisse für die Kranken gesorgt. Seit dem Kriege grassiert in Palästina eine neue Krankheit, die in dauerndem Schwächezustand besteht. Die Krankenkasse hat aber Rekonvaleszentenhäuser errichtet, in denen die Arbeiter bis zur Wiedererlangung ihrer Arbeitsfähigkeit untergebracht werden. Nachdem sich die Tätigkeit der' Krankenkasse auch auf nichtorganisierte Arbeiter ausgebreitet hatte, beteiligte sich auch die zionistische Organisation durch eine monati liehe Subvention an den Ausgaben. Das Budget wird immer höher und die Tätigkeit der Kränkenkasse erstreckt sich auf immer weitere Kreise, sodaß die Ausgaben sowohl durch die Subvention als auch durch die Mitgliederbeiträge ni^ht gedeckt werden. Im Jahre 1919 betrugen die Monatsausgaben zirka 3000 Pfund und es wurden monatlich zirka 100 Menschen behandelt. Die Krankenkasse verfügt über ein Rekonvaleszentenheim in Jerusalem, ein Ambulatorium in Jaffa, Krankenzimmer in Rechoboth und Petach Tikwah (für Jemennitenj, eine Wanderapotheke für die jüdischen Eisenbahnarbeiter. 3. Der Bildungsausschuß hat die Aufgabe, Abendkurse für Arbeiter einzurichten. Bis jetzt sind Kurse für folgende Lehrgegenstände eingeführt: Hebräisch, Mathematik, Naturwissenschaften, gewerbliches Zeichnen, englische Sprache, Angestellt sind bei dieser Institution 16 Lehrer, außerdem erteileq au°n andere Lehrer Unterricht in den Kursen. Die Zahl der Kursteilnehmer ist: in Jaffa 60, in Haifa 60, in den übrigen Städten und Kolonien 570. Der Ausschuß hat auch Lesesäle eingerichtet, u. zw.: in Jaffa, Haifa, Tiberias und Zefat und in 22 Kolonien. Die Bücherzahl ist 6400, darunter eine landwirtschaftliche' wandernde Fachbibliothek von 400 Büchern, Auch Fortbildungskurse iür Lehrer sind eingerichtet worden. 4. Der Verlag gibt die Zeitschrift „Haadamah" unter der Redaktion von J. Ch.. Brenner und eine Wochenschrift „Kuntres", das offizielle Organ der „Achduth Haabodah", heraus. Während de sKrieges sind drei Sammelwerke über das Leben und die Arbeit im Lande erschienen. Das dritte Sammelwerk ist der jüdischen Legion gewidmet. Ein Sammelbuch führt den Namen „A8hduth Haabodah". Die Partei hat an der Aufstellung der Legion einen tätigen Anteil genommen. Der P. A. F. hat sich mit seinen materiellen Mitteln an der .Gründung von landwirtschaftlichen und gewerblichen Kooperationen, von denen oben die Rede war, beteiligt. In der Kriegszeü wurde die Arbeit von ihm unterstützt und auch das Z. K. der „Achduth Haabodah" wurde vom P. A. F. unterstützt. Außerdem unterhält er Informationsbüros in Jaffa, Haifa, Tiberias und Jerusalem. Zwei Bauplätze aur Erbauung von Arbeiterhäusern in Tel Awiw und Haifa sind in" seinem Besitz. Der P. A. F. hat seit dem Krieg in verschiedener Weise 6000 Pfund investiert. Die zionistische Organisation beteiligt sich an dem Aufbau der Kooperation durch Gewährung von Darlehen, die in den Jahren 1919—1920 die Summe von 27.000 Pfund erreicht haben. Die Krankenkasse bezieht seit 1919 eine monatliche Unterstützung von 400 Pfund. Der Bildungsausschuß hat im Jahre 1919 1000 Pfund bekommen. Die Konsumgenossenschaft hat bis lum letzten Jahre 10.000 Pfund erhalten. ummmwAW Genossen, Genossinnen! s Werbet Abonnenten für die „Freie Tribüne"! Es ist für unsere gemeinsame Sache! 0 Kronen kostet ein Vierteljahrsabonnement, 9«mt Postzustellung. *M*MWIWhWfcWWfl