Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 11 (13.3.1920)
- Date
- 1920-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2827798-2827816-2827827--291-2828343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
NR. 11 FREIE TRIBÜNE SEITE 3 Jen der „Revolutionierung" iür verfehlt halte, — werde ich löchstwahrscheinlich von den Genossen des O. B. — mit lessen Barometer gemessen — als „zauderndes, von opportunistischen Eierschalen noch nicht befreites Element" — benennet werden. Dennoch soll diese Ansicht meine Stellunglahmo zum O. B. hier nicht hindern . . . Was will das O. B. und was bezweckt es? „Die Kerolutionierung des Weltverbaudes, indem es alle linken P. Z. Parteien und Gruppen in einen aktionsfähigen Block zusammenschließen will, um den Anschluß an die III. Internationale zu erzwingen, eventuell allein durchzuführen." Die Veranlassung zur Gründung des O. B. bildete die opportunistische Taktik des V. B. Diese hätte sich im Telegramm an Wilson deutlich dokumentiert. Und auch jot^t iioch wolle das V. B. nach Genf gehen und könne sich nicht zu einer prinzipiellen Nichtbeteiligung an den zionistischen Kongressen entschließen. Ich bin der letzte, der diesen Opportunismus des V. B. verteidigen will, aber man muß doch der Sache einmal auf den Grund gehen. Es geht doch wahrlich nicht an, daß man immer wielor fast in jeder Polemik gegen das V. B. mit dem Wilson- Pelegramm-Argument operiert, da doch diese bedauerns weite - meinetwegen „opportunistisch verhängnisvolle" Tatsache - in einer Zeit geschah, in welcher der gegenwärtige revoitionäre Geist in unserer Bewegung noch nicht so weit vor- [edrungen war, und es überhaupt noch keine offizielle linke >. Z. gab. Nun der zweite Punkt der Hauptmotivierung: Die Ablicht,' nach Genf zu gehen. Genau so wie ich, werden auch die Wiener Genossen los O. B. den gegenwärtigen Standpunkt des V. B. /au [. Internationale kennen, nach welchem eine Beschickung ler Genfer Konferenz fast ausgeschlossen ist. Auch bei diesem Argument lohnt es sich nicht, ausiihrlich auseinanderzusetzen, daß es wie das erste seine jeltung verloren hat. Es wäre doch höchst angebracht, üese leeren Motivierungen des 0. B. aus dem Bereich soiner »olemik endlich auszuschalten .... Das einzige objektive und sachliche Motiv des O. B. täre also „der nicht erfolgte offizielle Austritt aus der II. md direkte Anschluß an die III. Internationale. Nun selbst nach der Feststellung der vom Of B. in den Mitteilungen Nr. 4 („Hüter oder Richter"), soJ. das V. B. ideologisch „nicht mehr die große Mehrheit unserer Weltbewegung repräsentieren" . . . Wenn dem so ist, kann das V. B. als solches, als Vertretung unseres Weltverbimdes nach außen nicht mehr angesehen werden, und demnach auch schon juridisch kein Recht haben, irgend welche Aktionen gegenwärtig in dessen Namen zu unternehme*n . . . Wenn man solcher Meinung ist, dann wäre doch jede erfolgte Tat — sei es der offizielle Austritt aus der II., oder der eventuelle Anschluß an die III. Int3ruaf.on.ile eine Aktion einiger „Vertreter", die niemanden vertreten . . . Wie kann man also heute vom V. B. diese Aktionen — die eigentlich Sache der Gesamtbewegung sind, welche es nicht mehr repräsentiert — verlangen? So auch die Nichtbeteiligung an den Zionisten - Kongressen. Mußte nicht diese Aktionen, oder richtiger gesagt, diese Revolutionierung des Verbandes, allein die Gesamtbewegung tun„ deren Gesamtausdruck nur die Weltkonferenz sein kann? Wozu also diese von außen nachkopierten, eigenartigen „Revolutionierungs"-Methoden des „Abstoßens-' und „Ausscheidens", bevor noch der Wille und die Richtung der Gesamtbewegung zum Ausdruck kam? Und das ist der springende Punkt, an welchem alle vom O. B. ins Feld geführten Argumente in nichts zerrinnen müssen. Aber der Zweck des 0. B. ist ja doch die schnelle Revolutionierung durch die geheiligten Mittel „eines einheitlichen Blocks", durch welchen man den Anschluß an die III. Internationale erzwingen, eventuell „allein durchführen will". . . Es ist ja das bekannte Verfahren, nach weichem schon der Zweck die Mittel heiligt, mögen diese Mittel „Spaltung" oder Zersetzung heißen. Diese Tendenz wird doch schon in allen in den 0. B. Mitteilungen behandelten Fragen (1. Artikel: „Grenzen der Einheit") verraten. Sehr richtig, Genossen vom 0. B.! Es waren immer „Grenzen" in unserem Verbände und die waren: „Grenzen der Orientierung und Denkrichtungen", die eben aus den in diesem Artikel richtig angeführten Ursachen hervorgingen, die auch immer bestehen werden und sogar aus dem vom O. B. zu beschaffenden „einheitlichen Ideen-Typus" nicht verschwinden werden. Das waren aber nicht Grenzen des Einheits-Verbandes. Diese hat es nicht gegeben; daher die Allweltlichkelt. Solche Grenzen will erst eben die Spaltung schaffen. . . Ja, um Himmelswillen, ist denn diese Methode gerade die absolut einzige zur Revolutionierung einer Partei? Um eine greifbare Tatsache anzuführen: Sind denn die revolutionären Beschlüsse des U. S. P. Parteitages in Leipzig, wie das Aktionsprogramm, der Anschluß an die III. Internationale gerade infolge solcher Methoden, durch „Zusammenfassung aller Linken" oder sonstiger Spaitungs- Tendenzen — gefaßt worden, oder ist dessen Bevoluüonierung vielmehr nicht durch die in der Einheit s-P a r t e i durch intensive Aufklärung gekommene Erkenntnis zustandegekommen? Und bei uns? Diese vom O. B. schon bei seiner Begründung angewandten Methoden führen ja bereits nicht nur zur Spaltung sondern zur Zersetzung der Partei, und alle Erklärungen und Erläuterungen über „Einheit der Idee" oder über „Grenzen der Einheit", sind doch nur reine Palliativen ^regen diese gegen den Willen' der Genossen vom 0. B. entstehende Zersetzung, ja geradezu Demoralisierung . . . Wohin dieser Weg führt, haben wir in Berlin bei dem geistigen Bruderkampfo im Proletariat zwischen der U. S. P. und K. P. D. erlebt, mit dessen geistigen Waffen der indifferente Arbeiter täglich gespeist wurde, was schließlich dazu führen mußte, daß dieselben zum Arsenal in öffentlichen Versammlungen wurden' derer man sich auch zur Aupöbelung abscheulicher Art eines Kautsky oder Bernstein bedient ... Das ist Zersetzung. Und solche Keime lassen sich auch schon leider in dem polemischen Ton der „Mitteilungen" ersehen. Daher Genossen von 0. B.!!: Besinnung tut auch im leidenschaftlichsten Kampfe not! . . Ohne Zweifel: für die Revolutionierung und Umgestaltung unserer Weltbewegung, für die Revidierung unseres Programms und endlich für den Anschluß an die III. Internationale ist nach meiner Meinung die Mehrheit unseres Verbandes. Diese kann aber nur und einzig allein durch ihren Gesamtausdruck zur Geltung kommen und der ist die Weltkonferenz! Und bis dahin?, Ja, bis dahin ist intensive Aufklärung auf Grund reiflich überlegter Erwägungen innerhalb der Partei notwendig, denn mehr als je ist es Gebot der Stunde für einen jeden Proletarier, selbständig zu denken und es genügen nicht 2 bis 3 Exemplare der „Freien Tribüne", um das Monopol als „linke P. Z." für sich in, Anspruch zu nehmen..... Aufklärung, sachliche Erwägungen aller dieser Fragen innerhalb der Partei, wird die Aktion zur Revolutionierung unserer Bewegung, und durch die Weltkonferenz, zum Anschluß an die III. Internationale führen 1 Andere Wege und die des 0. B. führen zur Zersplitterung und dem Gegenteil der Revolutionierung . . . L. R o s n e r, Berlin. Aus der Poale-Zion Bewegung. Die Gemeinderatswahlen in Bräun and die Poale-Zlan. Die Wahlen in den Brünner Gemeiindierat haben unserer Partei dort eine kleine Einbuße gebracht: die Partei hat das einzige Mandat, das sie bei den letzten Wahlen im Gemeinderat erobert hatte, verloren. Zur Erlangung eines Mandats fehlten unseren Genossen 82 Stimmen. Gegenüber der letzten Gemeinderats wähl 'hat die Partei in Brünn einen Verlust von 397 Stimmen zu verzeichnen. Die tschechoslowakische Poale-Zion-Partei hat sich in den letzten Monaten energisch naoh links entwickelt und hält die Fahne des internationalen Klassenkampfes hoch. Das mag die Ursache dieser Stimmen Verminderung stln Wenn auch die bürgerliche Presse von einer Niederlage der Poale Zion spricht, so wissen unsere Genossen daß die Abwanderung einer Anzahl kleinbürgerlicher Elemente keineswegs d.ieh Verlust, vielmehr einen Gewinn bedeutet. Für die Sache des Sozialismus ist es nicht wesent i .in, ob man Mandate in bürgerlichen Parlamenten hat, sondern, ob die Mügiadschaft einer sozialistischen Partei von Klassenbewußtsein erfüllt, zum Kampfe für den Sozialismus entschlossen, das Ziel klar im Äuge behaltend, vorwärtsschreitet. Dies sehen unsere Genossen in der Tschechoslowakei ein und werden diesen Weg weitergehen, zum Wohle des jüdischen Proletariats. Eintritt der Poale Zion Englands in die Labour Party. Das Zentralkomitee der jüdischen sozialis i ,chei. Arbeiterpartei „Poale Zion" Englands teilt mit, daß die Partei als Mitglied der britischen Labour Party aufgenommen wurde. Die Labour Party ist bekanntlich eine Foederation alier sozialistischen Parteien GroBbritaniens und hat in der .letzten Zeit unter der 'früher unpolitisch gesinnten Arbeiterschaft Englands große Fortschritte gemacht, so daß bei den kommenden Wahlen eine Mehrheit dieser Partei i n Parlament erwartet wird. Unter dem Drucke der Arbeiterschaft hat die Partei gegen die Intervention in Rußland entschieden Stellung genommen, und es ist ihr gelungen, die Entsendung von englischem Militär naoh Rußland zu verhindern. Im übiigen steht diese Partei noch .heute unter der Führung von Henderson, der durchaus sozialreformerisoh orientiert i;t, sodaß die kommunistische Partei Englands, die „Bji.ish Socialist Party", sich gezwungen sah, aus der Partei auszutre.en. Die Labour Party wird in kurzem einsehen müssen, daß ihre Forderung auf Verstaatlichung der Eisenbahnen und Kohlengruben auf parlamentarischem Wege nbht durchzusetzen sind; dann wird die Arbeiterschaft über cie Köpfe der Führer hinweg revolutionäre Wege beschreiten müssen. Der Poale Zion-Partei Englands wird es mögiieh sein, die Labour Party für die Ideen des Poalezionismus zu gewinnen, andererseits mit dem englischen Proletariat für di2 Durchsetzung der revolutionären Forderungen zu kämpfen. * Ein vereinigter Rat der jüdischen Ärbei er in Palästina. Nach dem Mißllingen des Versuches der „Achduth Haabodah", alle Arbeiterparteien des Landes zu vereinigen ist ein neuer Vorschlag aufgetaucht, der dahingeht, die Parteien weiter bestehen zu lassen und aus gewählten Delegier ben einen vereinigten Rat zu bilden. Ei2 Wahl so;l proportional sein. Dieser interpartei;che Rat hätte dann gemeinsame Institutionen zu begründen, u .zw. 1. ein Arbeitsbüro; 2. ein Informationsbüro; 3. Krankenkassen; 1. Emigrantenhäuser> 5. Küchen; 6. Abendkurse; 7. Leihkassen. Der gemeinsame Rat soll auch bei der Grndung von Gewerkschaften helfen. Die „Achduth Haabodah" hat diesen Vorschlag unter der Voraussetzung angenommen, daß die Delegierten wirklich durch Proportionalwahl hervorgehen. \ v * JLrbeiterkooperationen in Palästina. Nach Ml'tei'ungen des „Kuntres", des offiziellen Organs der „Achduth Haabodah", sind der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation folgende Kewuzoth angeschlossen. 19 Kewuzoth mit 348 Arbeitern und 12.466 Dunam Land. * Informationsstelle für jüdische Einwanderer in Argentinien. In Erwartung des jüdischen Wandererstromes, der sich in der nächsten Zukunft, wie über die ganze Welt, auch nach Argentinien ergießen wird, hat unsere .Partei in Argentinien, zusammen mit den anderen Parteien -des Landes, eine Informationsstelle für Einwanderer geschaffen. Diese Institution hat sich folgende Aufgaben gestellt: 1. Erteilung von Informationen über die wirtschaftliche und politische Lage Argentiniens an alle jüdi;cheri Gemeinden des Auslandes, aus denen eine Auswanderung zu gewärtigen ist; 2. Information über die Einwanderung s ge s e t z e; 3. Erleichterung des Landens (Grenzübertritt); 4. Erteilung von Auskünften an 'die Einwanderer über die Arbeitsbedingungen in den Kolouan und Provinzstädten, um die Erlangung eines Arbeitsplatzes zu erleichtern; 5. vorläufige Ermöglichung der Existenz für Ankommende. Vertreter der Poale-Zion-Parlei und Mitglied des Sekretariats der Informationsstelle ist Genosse J. B. Schleifer, an den sich jüdische Arbeiter wenden können. Adresse: J. B. Schleifer, Valentin Gomez 2623, Buenos Aires. j Die Sitzung des großen zionistischen Aktionskomitees. 1. Wirklichkeit und Möglichkeit. Mitglied des engeren A. K. Dr. Weizmann stellte in seinem politischen Berichte lest, daß i.i der <allernächsten Zeit mit der Erteilung des Mandats zu rechnen sei (cias die Möglichkeit). Auf die Lage in Paläslina übergehend, .betonte er insbesonders, daß die wider alles Erwarten ausgedehnte Uebergangszeit infolge der mit dem System der Okkupation vemundenen Folgen zu einer außerordentlich schwierigen Ökonomischen Sltua.iJn geführt hat. (Dies die Wirklichkeit.) Ja, das Mandat! Von diesem neuesten Sculager erhofften sich die meisten Redner, die in der Debatte zu Worte kamen, die Entfesselung einer noch nie dagewesenen Begeisterung mit bedeutendem finanziellem Ergebnisse. Und Wiedel* ist es ein Wort,'dessen Begilffsbildung im dunklen Schöße der zionistisch-ententischen Diplomatie ruht, das die gemarterten jüdischen Volksmassen ködern soll. Dazu-* mal war es der Charter, diesmal ist es das Mandat, dazumal hätten wir den Charter aus den Hand» dtr Clürkei» di2Smal soll eine der Schutzmächte (wir vormulen En£l, *d oder Frankreich oder beide zugleich) das Mandat erhalten, fcaEisimj so zu verwalten, daß die Scheffung ein« jüdijjcii atonale,) Heimes ermöglicht wird. (S» derofftei jse Kommentar u «i:r . Wiener Morgenzeitung vom 3. März, Nr..400; das aatlientische zionistische Erläuterung Siegt nicht vor, da die §anze Mandatsangeiegenheit über das Stadium der Vorverhandlungen noch nicht hinausgegangen ist.) 2. Valutadifferenzen. Das die Palästinadebatte einleitende Referat des Herrn Julius Simon, welches im Wesentlichen den vor einiger Zeit vom Palästinadepartement veröffentlichten Kolonisationsplan wiederholte, wurde durch Dr. Ruppin* ergänzt, der. in der Hauptsache darauf aufmerksam machte, daß das Finanzprogramm sowohl den Verhältnissen Palästinas, als der Psychologie der Kreise angepaßt sein muß, von welchen die not- wendigen Mittel erwartet werden. Mit Rücksicht auf die finanzielle Katastrophe in Mittel- und Osteuropa, welche infolge der Valutaentwertung die finanzielle Att.arbelt der jüdischen Massen Mittel- und Osteuropas fast ganz : un-' mOghcii gemacht »A, schlägt Dr. Ruppin besondere Maßnah- .. Arbeit von den jüdischen Kreisen des Westens, 'spezieH. men vor, welche gestatte«, daß vorläufig die \ finanzielle Amerikas, getragen wird, welche aber auch die Möglici kesn. offen lassen, daß die an der Palästinaarbeit linierest irrten jüdischen Volkskreise in Osteuropa, wenn sich die Vaiuta-; Verhältnisse gebessert haben, in der Lage sind, später Anteil, an dem Aufbauwerk zu nehmen. Ferner schlug Dr. Ruppin die Gründung einer großen Pflanzungsgesellschaft vor, welche vorläufig mit den aus dem Westen kommenden Finanzmitteln' zu arbeiten hat, aber vorsieht, daß das aaf dice Weise, , kulturfähig gemachte Land auch für die Emigranten aus dem Osten erreichbar bleibt, sobald sich die i.iänzieiten Verhältnisse geregelt haben. beim Lesen dieses keuschen Finanzprogramms siehtman sich vor zwei Fragen gestellt: 1. Wie schaut die Psychologie dieser Kreise aus, von welchen die Mittel erwartet werden? 2. In welcher Form muß der Anpassungsprozeii an diese Psychologie vor sich gehen? Ad 1. ist das erlösende Wort bald -gefunden. Es . lautet: Profit (in der Sprache der Volkswirtschaftler und Politiker: Rentabilität. Zur Frage ad 2. möge man il.h nur erinnern, wie von offizieller iijnflS'Üischer Seite, als svor" " einigen Jahren Dr. Birnbaum den Gegensatz zwischen Ost-''- und Westjuden zur Diskussion brachte, ,die Teilung \deä-.. einheitlichen und unteilbaren Judentums gebrandmarkt wurde... Der Macht der starken Valuta kann jedoch selbst dieses Dogma' der Unteilbarkeit des Judentums nicht standhalten Und so»-' erleben wir die merkwürdige Zerreißung des jüci.cben Vol-:;« kes in Juden mit guter Valuta, bzw. Westjuden und solche, t mit schlechter Valuta, bzw Ostjuden. Palästina soll vor altern, das expansionsbrünstige, westjüdische Großkapital erlösen..' Dies verträgt keine ostjüdische Arbeit, denn die Araber rha-' chen es bedeutend billiger, hs müsse also ' zuerst' Jas LgidV „kulturfähig" gemacht werden, d. h. es müssen dem west-t jüdischen Kapital durch Ausbeutung der — an europäischen!. Verhältnissen gemessen — fabelhaft billigen arabischen Ar-" beitskräfte fette Profite gesichert werden. Erst wenn .das* Land „auf diese Weise kulturfähig gemacht 'worden Ist,***' mögen die Emigranten aus dem Osten Kommen. Wohl ist dte Ostjudenfrage brennend, doch die gute Valuta wird deswegen nicht kopfscheu. Sie begnügt sich nicht n.L der auß'erordent-' lieh günstigen Konjunktur, die es ihr ermög i jrit, die Produk-: tionsmittel äußerst billig zu erstehen. Sie will auch in der Konsumption der menschlichen Arbeitskraft bis zur äußersten^. Grenze der Möglichkeit gehen. Diese Vaiutß wird i,l:h daher . unter keinen Umständen die Gelegenheit enigänen lasseiüV selbst billige orientalische Arbeitskräfte ins Land 'zu impor-'- tieren, wenn die vorhandenen nicht ausreichen sollten. D|a>. ostjüdischen Arbeiter können warten, bis das Land „kultut-, fähig" gemacht wird und sich die Valuta i.irer Stammländer, gebessert hat. " .;v" (Fortsetzung in der nächsten Nummer!) '' Glossen und Notizen. ' Das Vaterland. O, wie glühend liebten sie das Vaterland, in dem Han- ' del und Gewerbe unter dem Schutze einer gesicherten Bechtsordnung blühten, wo es noch eine Autorität gab, die darüber wachte, daß Profit, Dividende, , Grundrente gesichert sproßten, für gute Zölle, Steuern usw. sorgte; übgrr all war alles für einen da, alle Einrichtungen des Staates^ überall konnte man „hinaufgehen und sich's richten . . . Und als Personifizierung alles dessen unser lieber, gu.ter Kaiser, der Tag und Nacht für unser Wohl sorgte., wie lachte einem das Herz,, wenn man die . blühenden Geüldp, die rauchenden Schlote übersah und sagen konnte: „dies alles dient mir", oder die schmucken Soldatenstets bereit die Grenzen des Vaterlandes vor räuberischen Nachbarn zu schützen, einen Verteidigungskrieg zur Vermehrung miseier wirtschaftlichen Hilfsquellen zu führen, in unzufriedene, verhetzte Pöbolhorden zu schießen — — — I Es war das hert-/ liehe, geliebte Vaterland, in allen Zungen belallt und besungen — — —, ein idealer Lichtpunkt in unserer malen««- listischon Zeit. Verlachte, verfluchte, mit Todesstrafe Dedrohte Hochverräter waren es, die Katzeimacher, die mit ihrem Südtirol zu Italien kommen, die 'böhmischen Wenzeln, die Autonomie wollten, usw. Nur besungen, geiobt und geheiligt durfte das Vaterland werden; alles andere — „valerlandslose Gesellen" (mau denke, unsere ScwAalderaokrafen — vaterlandslose Gesellen!). Man) truij die letzte Banknote in die Bank, als sie sich mit 5.75 Prozent verzinste und das Vaterland iu Gefahr war und es eine patriotische Pflicht war. In allen Cafehäusern konnte man den allea Biach hören: „Kriegsanleihe zeichnen ist eine patriotische Pflicht. Haben Sie schon gezeichnet?" Zeichne: Kriegsanleihe, tönte es aus allen Winkeln, allen Zeitungen, .allen Kehlen •— —- — . Und jetzt? Tag für Tag zankt die „Arbeiter-Zeitung1" die bösen Kapitalisten aus, daß sie einmal Vorarlberg an die Schweiz anschließen wollen, dann wieder in ihren 7/§ituiigeu das Ausland gegen „unsere Republik" soharitnachjh, keine Steuern zur Linderung „unseres" Defizits .zahlen, ja, idcht einmal 4prozentige Losanleihe zeichnen wollen»., die doch nicht einmal aufgelegt ist, um unsern Hunger' izu stillen, sondern um ihre Kriegsanleihen zu tilgen — ■«*.—-, So sank auch dieses letzte Ideal, das ,-,Vaksrlaiid'% dem Materialismus zum Opfer. Kein Dichter besingt es mehr, kein Erzherzog gibt Gut und Blut dafür;,- kelü Börseaner macht eine .patriotische Einsendung aa die „Nene Freie Presse" ... " > >• * •'*••'» Und warum dies alles? Weil es nicht mehr alleinige Domäne der Feudalen und Bourgeois ist, nicht mehr schrankenlos für die Blüte von Handel und Gewerbe, Proiii, .Dividende, Grundrente, für Privilegierungen aller Art'"auf