Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 11 (13.3.1920)
- Date
- 1920-03-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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SEITE 2 FREI F. TRIBÜNE NR. II daß gerade utiser Wefl'tverbarid die Idee der jüdischen Arbeiterräte in die breiten Massen der jüdischen klassenbewußten Arbeiterschaft trägt. Würde die rußländische proletarische Revolution nicht den Arbeiterrat als höchste Form proletarischer Organisation geschaffen haben, dann müßten wir jüdischen Proletarier, die unter den vielfachen Ausbeutungs- und Unterd'rüdkungsformen zu leiden haben, daher mit den verschiedenartigsten einander bekämpfenden parteipolitischen Orgamisatiomsformen „gesegnet" sind, den Ärbeiterrat, als den einzigen Boden, auf dem sämtliche Klassenkarnpfpartßien der jüdischen Arbeiterschaft sich zumimfc>st treffen und verständigen können, geradezu ersinnen. Ebensowenig wie die gewerkschaftliche und parteipolitische Organisation des jüdischen Proletariats eine bloße Nachahmung der europäischen war, ebensowenig ,Ut die Schaffung eines jüdischen Arbeiterrat es, der die klassenbewußte jüdische Arbeiterschaft der ganzen Welt umfaßt und vertritt, eine bloße Nachahmung fremder Organisationsformen. , Der jüdische Arbeiterrat, so beschaffen, wie wir Ahn anstreben, wird sowohl den Tagesinteressen als auch den dauernden geschichtlichen Aufgaben der jüdischen Arbeiterschaft gerecht werden. Er wird durch ili'> gednigte zielbewußte Kraft aller Arbeitenden und und Schaffenden des jüdischen Volkes kühn und entrchtossen dem jüdischen Proletariat seine volle Befreiung erringen. Der Weg zur Produktivität. Die jüdische Arbeitergenossenschaft.®) Wenn man die wahrhaft revolutionär-sozialistische Idee der Erziehung der allüberall zerstreuten jüdischen Proletarier zur Produktivität, an den geringfügigen Mitteln mißt, welche dem einzelnen jüdischen Proletarier zur Durchsetzung seines Vorhabens zur Verfügung stehen, so muß uns dieselbe als Utopie erscheinen. Nur durch ein Wunder, scheint es, könnte diese riesenhafte Aufgabe gelöst werden. Und doch ist dieses Problem, wie alle anderen Fragen der Jüdischen Arbeiterbewegimg nichts anderes als die Aufgabe der Zusammenfassung der vielen schwachen Einzelkräfte des jüdischen Proletariats zu einer kraftvollen wirksamen Eesultante. Wenn auch die einzelnen jüdischen Arbeiter und Angestellten unvermögend sind, das ihnen aufgezwungene Schicksal zu ändern, vereint mit ihren Brüdern in allen Ländern der Erde, werden sie wohl imstande sein, ihren Willen zur Geltung zu bringen. Nicht zuletzt aus dieser Ursache heraüs hat die jüdische Arbeiterbewegung interterritorialen Charakter angenommen. Das Schicksal irgendwelcher Genossen irgendwo in der Welt ist ein Teil des Schicksals der gesamten jüdischen Arbeiterschaft. Dieses Prinzip der Solidarität der jüdischen Arbeiter auf der ganzen Welt muß besonders bei der Gründung der jüdischen Arbeitergenossenschaften wirksam sein. Auf die Jüdischen Arbeiterkonsumenten allein angewiesen, müßten die jüdischen Genossenschaften einen so schweren Existenzkampf führen, daß sie ihrer besonderen Aufgabe kaum gerecht werben könnten. Daher müssen die wechselseitigen Beziehungen 'der Genossenschaften in den verschiedenen Städten und •Ländern innige und auf gegenseitige Hilfe aufgebaut sein. Auf diese neue'Grundhlage gestellt, eröffnen sich den jüdischen Arbeiter-Kooperat'ven neue Möglichkeiten und Wirkungskreise. Die Produktivgenossenschaften erhalten ein größeres Absatzgebiet und die Möglichkeit, sich im Wege ihrer Schwestergenossenschaften Eohstoffe zu verschaffen, die Konsumentenorganisationen können besser für die Versorgung ihrer Mitglieder arbeiten, indem sie den verschiedenen Nachfragen und Bedürfnissen Rechnung tragend, einvernehmlich die Aufbringung der notwendigen Waren betreiben. *) Siehe „Fr. Tr." 'Nr. 9. Insbesondere für die Arbeitergenossenschaften in Palästina muß das Prinzip der gegenseitigen Hilfe zur Anwendung gelangen, da es hier gilt, mit den geringfügigsten Mitteln Höchstleistungen zu erzielen, mit den btoßen Händen des jüdischen Arbeiter-Emigranten eine freie Siedlung der jüdischen Arbeiter hervorzubringen. Die jüdischen Arbeitergenossenschaften müssen als© einen festen Ring bilden, der die wirtschaftlichen Organisationen in allen Ländern umfassen soll. Ist diese Vereinheitlichung der jüdischen proletarischen wirtschaftlichen Arbeit zustande gekommen, dann können wir an die Lösung der eigentlichen Aufgabe denken, der Erziehung zur produktiven Arbeit. Der Ring der jüdischen Arbeitergenossenschaften wird zu diesem Behufe überall wo nur die geringste Möglichkeit besteht, Organisationen von jüdischen Konsumenten und von jüdischen Arbeitern als Produzenten begründen. Dank der zentralen Erfassung von Angebot und Nachfrage der einzelnen Zweiggenossenschaften in den verschiedenen Ortschaften und der Vereinhefitlichung von Warenaufbringung und Verteilung wird es ihm möglich sein, alle valutarischen Schwierigkeiten zu überwinden und die Versorgung der örtlichen Filialen nach dem Grundsätze des Warenaustausches und der Ersetzung der Geldwährung durch die Warenwährung zu erreichen. (Aehnlich dem Kompensationsverkehre der heute schon von kapitalistischen Regierungen und Privatunternehmungen geübt wird.) i Durch die zentrale Versorgung und Belieferung der einzelnen Arbeiterkooperativen werden dieselben wohl auf eine feste, solide Grundlage gestellt, sind aber nichtsdestoweniger von der Zentrale abhängig. Es wird also möglich sein, die einzelnen Produktiv-Zweiggenossenschaften Zu verhalten, den durch die Zentrale ausgesprochenen Willen des wirtschaftlich organisierten jüdischem Proletariates zu erfüllen. Dann wird wenigstens in der Arbeiterkooperative, nicht die Rentabilität allein als Maßstab der jüdischen Arbeit gelten müssen. Unsere Genossenschaften werden nicht nur für die Gegenwart, sondern im Hinblicke auf die volkswirtschaftlichen Hxistenzbedingungen des jüdischen Proletariats errichtet werden. Sie werden demgemäß eine größere Belastungsprobe auszuhalten haben als Arbeitergenossenschaften bei anderen Völkern. Diese Belastungsprobe wird in der Einstellung des ungelernten Arbeiters bestehen. Jede Genossenschaft muß verpflichtet sein, nach Maßgabe ihres Könnens, ungelernte Hilfskräfte zu beschäftigen, um aus ihnen vollwertige Arbeiter zu machen. Ist dieses vollbracht, dann müssen die ausgebildeten Arbeiter anderen Platz machen, bei denen sich der gleiche Werdegang vollzieht. Unsere Genossenschaft wird also außer der Warenproduktion, Aufbringung und Verteilung, noch eine neue, nie gesehene Aufgabe haben, die Anwendung einer volkswirtschaftlich erkannten Notwendigkeit im Arbeitsprozeß selbst. Ohne Zweifel bedeutet diese Mehrleistung einen Hemmschuh für die Entwicklung im kapitalistischen Sinne. Wir glauben aber, daß der Geist der Solidarität, der Motor der Zivilisation, auch das Pfingstwunder der Umwandlung des unsteten, ungelernten jüdischen Proletariers in einen Werte .erzeugenden Arbeitsmann vollbringen wird. . R. G. Aus der Internationale, Ein Aufruf der Gew rk chafts internationale. Die Erkenntnis, daß das Proletariat im Kampfe um seine Befreiung nur auf sich selbst angewiesen ist, blicht sich auch in den Kreisen der Gewerkschaftler Bahn. In diesem Sinne ist der Aufruf des Büros des Internationalen Gewerkschaf tsbundea als ein revolutionäres Ereignis ersten Ranges zu werten. Die Boykottierung der gegenwärtigen ungarischen Regierung durch die Proletarier aller Länder ist ein wirksames Mittel, um die ungarischen Banditen von ihrem verbrecherischen Vorgehen gegenüber der Arbeiterschaft abzuhalten. Dies ist die richtige Antwort des internationalen Proletariats auf die Aufforderungen der österreichischen und ungarischen Sozialdemokraten zur Inteivention durch die Entente-Regierungen, von denen es feststeht, daß nur durch ihre. Hilfe die Restauration in Ungarn möglich war. Wie tief beschämt müssen sich die wackeren Vanczag, Miakits und Konsorten in ihrem Bestrebensich an Horthy anzubiedern angesichts dieses .Solidaritätsaktes fühlen. FEUILLETON. Bilder aus Sowjet-Rußland. . Das rote Petrograd. Keine andere Stadt im Räterußland ist bei der Bourgeoisie so verhaßt und bei dem klassenbewußten Proletariat so beliebt, wie das rote Petrograd. Das 'Bürgertum kann es nicht verschmerzen, daß die Zarenpaläste in Arbeitsstätten und Heime für proletarische Kinder umgewandelt sind. Die Bourgeoisie hat unter Anspannung aller Kräfte versucht, durch alle möglichen Mittel, durch Verschwörungen im Inneren und Angriffe von Außen, die „rote Stadt" den Händen der Arbeiterschaft zu entwinden. Jedesmal aber stieß sie auf einen hartnäckigen Widerstand des Petrograder Proletariats und jede mißlungene Verschwörung, jeder Kampf hatte eine umso größere Stärkung und Festigung der großen Arbeiterstadt zur Folge. Dabei hat das Petrograder Proletariat mit ungeheuren Schwierigkeiten zu kämpfen: Der Hunger und die (Entbehrungen sind hier noch schrecklicher als in Moskau. Ueber die finnländische Grenze kann wegen der Blockade nichts eingeführt werden und die meisten Transporte, die vom Wolga-Gebiete kommen, werden in Moskau, zur Linderung der dortigen Not aufgehalten. Umsomehr sind der Heldenmut und die Ausdauer, mit der das Petrograder Proletariat trotz seiner verzweifelten Lage im Kampfe ausharrt, bewundernswert. Koltschak bedroht vorn .Osten die Räternacht — und schon eilt die Petrograder Arbeiterschaft dorthin; Charkov ist in Gefahr — und wieder schickt Petrograd sei.ie Söhne, um diesen Zugangspunkt zum Kohlenbecken zu schützen, Denikin nähert sich Tula — und die Petrograder Arbei er n,obilisieren eine Abtei ung nach der anderen, um sie an die südliche Front zu schicken. Kein Ruf der Räternacht bleibt ohne Anklang unl stündig sind sie bereit, jedem Feinde ihrer proletarischen Heimat mit der Waffe in der Hand entgegenzutreten. ' ■ » Petrograd ist kein wichtiger sträteßischer Punkt, wie z. B. Moskau, kein Zentrum der Waffen- und Muniüonserzeugung, wie Tula, es ist die Wiege der so. iilen Revolution, der Stolz der russischen Arbeiter, die' dafür stets zu jedem Opfer bereit sind. Nicht einmal haben de Gelegenheit gehabt, es durch Taten zu beweisen und am unzweideutigsten offenbarte sich die;e Opferfreudig.:*«!; während des Angriffes Judenitschs auf Petrograd. Im 0 ,te:i bedeutete Koltschak noch immer eine ständige Bedrohung, im Süden setzte Denikin seinen Vormarsch fort und besetzte soeben Orel, Kursk und.. Woronesch. im Westen lauerten die Polen Esten und die übrigen Verbündeten der Gegenrevolution — eine Kampffront von fast 8000 km. Die Ratemacht eilebte damals eines ihrer kritischesten Stadien und diesen günstigen Moment wählte Judenitsch für einen Angriff auf Petrograd. Und wieder hat die Räteregierung ihren Kampfruf erschallen lassen: „Das rote Petrograd ist in Gefahr!" — und schon waren die besten Truppenteile, die mutigsten Kämpfer, Tausende der klassenbewußtesten Arbeiter in Bereitschaft, um den Liebling der russischen Revolution zu schützen. An der Spitze der Verteidiger hatten sich Trotzil und der Vorsitzende der Petrograder Kommune, Sinowiew, gestellt. Ihre energievollen Manifeste haben die Begeisterung der Arbeiterschaft entfacht und die Kraft der Kämpfer verzehnfacht. >£ina fieberhafte Tätigkeit 'hatte begonnen, zu der die ganze Bevölkerung herangezogen wurde. Das Proletariat traf dip, Vorbereitungen für den entscheidenden Kampf. Der Feind kam immer näher und war endlich kaum sieben Kilometer von der Stadt entfernt. Man (war schon entschlossen, ihm in dem Stadtinnern entgegenzutreten. Wir müssen bereit sein, den Feind auf den Straßen von Petrograd zu empfangen. Aus den Fenstern, von den Dächern und Kellern werden wir ihn beschießen. Jeden Bezirk werden wir verbarrikadieren. Jedes Haus wird eine Festung sein. Kein Stein wird ohne Kampf preisgegeben. In dem Straßenlabyrinth des „roten Petrograd" wird der Feind seine Niederlage erleiden" — schrieb damals Trotzki. Die Konterrevolu ion war ihres Sieges gewiß. „Petrograd ist gefallen" flüsterten d:h die Moskauer Saboteure zu und eine heimlicne Freude leuchtete in ihren Augen. Im Okkupationsgebiete Deriiluns wurden bereits Dankgottesdienste seitens der Bourgeoisie veranstaltet ... . (Aber neue und immer neue Arbeitermassen ritten an die bedrohte Front. Aus Moskau sind die „Roten Kursisten" Besucher der Offizierskurse, herbeigeeilt. Schon i.t der Angriff zum Stillstand gebracht, die Rote Armee »geht zur Gegenoffensive über; sie hat die Inüutive bereits an sich gerissen. Judenitsch ist geschlagen, jetzt geht der Kampf nicht mehr um die Verteidigung Petrograds, ri:ht mehr um die Verfolgunc des Feindes, sondern um seine vollständige Vernichtung. Noch eine Woche ist vorbei und vdie Front Judenitschs hat zu existieren aufgehört. Anläßlich der zweiten Feier der Oktoberrevolution hat Trotzki und zwar mit Recht erklärt: „Heute -haben wir Ihnen (den Arbeitern und Roten Kursisten) gesagt: Judenitsch ist der Feind, und sie haben ihn be iegt; moigen werden wir ihnen sagen: Feind ist der Hunger, die Kälte, die wirtschaftliche Zerstörung und sie werden sie mit derselben Energie und mit demselben Erfolge bekämpfen." I. EHascheff. Der polnische Imperialismus. Die Sowjetregierungen Rußlands und' der Ukraine hatten in dem Bestreben, nach harten, für sie erfolgreichen Kämpfen, zu aufbauender, sozialistischer Tätigkeit zu gelangen, an alle Randstaatea Friedensangebote gesandt. Besonders an- Polen wurde eine eindringliche brüderliche Note gerichtet, in welcher die polniscke Regierung aufgefordert wurde, das Blutvergießen zu beenden, damit unter gegenseitiger Achtmng der errungenen Freiheit mit der schöpferischen Arbeit begonnen werden könne. Die polnischen und jüdischen Arbeiterorganisationen, besonders die im Warschauer Arbeiterrat vereinigten rovolutionär-sozialistischen Parteien taten ihr Möglichstes, um die polnische Regierung auf die Bahn des Friedens mit Sowjetrußland zu drängen. Es zeigte sich jedoch, daß der Einüuß der französischen Imperialisten, der polnischen Schlächter und der klerikalen und chauvinistischen Pogromhot/.er stärker war als die Stimme des arbeitenden Volkes. So konnte es geschehen, daß gerade der säbelrasselnde Klüngel, der durch sein Vabanquespiel schon zweimal das Reich ins Verderben gejagt hatte, die Oberhand gewinnen konnte. Trotzdem die Häupter der polnischen Republik, die Patek und Pilsudski, erklärt haben, der einzige Wunsch der polnischen Regierung sei, zum Frieden mit Rußland zu gelangen, erfolgt jetzt eine polnische Offensive. Der Tatendrang der Hallerschen Pogromhelden, der sich bisher nur gegen wehrlose Juden und Bauern ausgetobt hat, richtet sich jetzt gegen Sowjetrußland. Durch Zusammenziehung überlegener Streitkräfte gegen einzehi eG-renzorte wollen die polnischen Söldlinge des Ententeimperialismus zu billigen Lorbeeren gelangen. Es besteht aber die Gewißheit, daß sie sich an der festgefügten Mauer des bewaffneten russischen Proletariats die Köpfe einrennen werden. Der Tag des Zusammenbruches der polnischen Militärkamarilla wird ein Befreiungstag für alle in Polen unterdrückten Klassen und Volksstämme sein. Anerkennung der jüdischen Nation in der tschechoslowakischen Republik. Die Verfassung der tschechoslowakischen Republik erfüllt den Wunsch des jüdischen Volkes, auf Anerkennung als eigene Nation. Wir bringen nachfolgend das diesbezügliche Kapitel der Verfassung und. die entsprechende Stelle aus dem Motivenbericht. „Sechstes Kapitel. Die Bestimmungen des sechsten Kapitels der Verfassungsurkunde sind die innerstaatliche Durchführung der durch, unsere Republik eingegangenen internationalen Verpachtungen. Von einer Aufzählung der nationalen Minderheiten in der Verfassungsurkiunde wird abgesehen. Es wird hier nur aufmerksam gemacht, daß die Juden der tschechoslowakischen. Republik nicht genötigt werden können, bei Volkszählungen, Wahlen und anderen politischen und amtlichen, Handlungen, sowie wenn es sich um kiulture'.le und soziale Institutionen handelt, die im internationalen Minoritätenvertrag angeführt sind (Erziehung, Religionsübung, sot iale Fürsorge), sich zu einer anderen ethnischen nationalen Minorität als zur jüdischen zu bekennen, ohne Rücksicht darauf, was für eine Umgangssprache sie sprechen." Der Verfassungsausschuß begründet in seinem beigelegten Bericht die Abfassung der betreffenden 128 bis 152 (Minoritätenschutz) sowie des bezüglichen Absatzes im Motivenbericht nachstehend: „Der § 128 spricht die volle Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetze aus, auch wenn sie nicht der tschechoslowakischen Nation angehören, und sichert ihnen den Genuß gleicher bürgerlicher und politischer Rechte. Es ist das eine Folge der in den §§ '106 und 124 ausgesprochenen Grundsätze. Die Verfassungsurkunde zählt' die nationalen Minoritäten nicht auf, denn sie müßte dann auch wissenschaftlich ungeklärte Fragen lösen. Ist doch selbst der Begriff „Nation" bis jetzt nicht genau definiert. (Besonders nachdrücklich hat Slonimsky im „Vestnik Evropy", Jahrgang 1889, auf die Schwierigkeiten einer solchen Definition hingewiesen.) Ungeklärt ist z. B. die Frage, ob die Juden eine Nation»- sind. Indem die Verfassungsurkunde die Wendung „ohne Rücksicht auf Rasse, Sprache oder Religion" (race, langage ou religion) übernimmt, überläßt sie es jedem, ü:h zu entscheiden, worin er das Kennzeichen der Nation erbl:kt und sich frei danach zu entschließen. Sieht also jemand die? Juden als eigene Nation an, so ist er berechtigt, U:h national als Jude zu erklären, selbst wenn er z. B. in religiöser Hinsicht konfessionslos und dabei tschechischer, deutscher usw. Muttersprache wäre. Die Juden sind also nicht genötigt, bei Volkszählungen, Wahlen u. a. sich zu einer anderen ethnischen nationalen Minorität zu bekennen, als. zur jüdischen." Revolutionäre Einheit oder Spaltung? Wir bringen die etwas naiven Ausführungen des Berliner Genossen gegen das O.-B., trotzdem sie bereits Gesagtes enthalten, vollinhaltlich. Der Genosse erklärt, für den Anschaiß' an die III. 'Internationale zu sein, aber nicht jede „von Moskau beschritten» und anbefohlene Taktik" billigen zu können. Gerade in Berlin hätte der Genosse Gelegenheit gehabt, sich davon zu überzeugen, daß die III. Inte.nationale ihre Taktik niemals von Moskau aus anbefoh.en hat. Das zweite stereotype Argument ist die Zersplitterungstaktik, welcher sich das O.-B. beiueügen soll. Wir wollen dem nur eine Tatsache entgegen sieben, daß wohl die Politik des O.-B. die Weltbewegung gespalten hat, daß aber die erste Tat des O.-B. darin bestanden hat, die jüdische kommunistische Partei (P. Z.) Rußlands zur Teilnahme an der kommenden Weit- konferenz und das bedeutet ihren Wiedereintritt in den Weltverband — zu bewegen. Dies sind unsere Zersplitterungsabsichten. Die Redaktion. Mein Bekenntnis: Ich bin für den Anschluß an die III. Internationale. Da ich aber nicht aui jede von Moskau beschrittene und teilweise anbefohlene Taktik gleich mit „Ja und Amen" äntworte und die hauptsächlich vom O. B. der linken P. Z. übernommenen und eingeschlagenen hyperradikalen Motho-