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Freie Tribüne · 1920-03-06 · 10 (6.3.1920) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
10 (6.3.1920)
Date
1920-03-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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SEITE 3 der Welt schaffen, daß die Lage des jüdischen Arbeiters in dieser Hinsicht eine besonders erschwerte ist, ja die Notwendigkeit,. weite Schichten der nichtjüdischen Arbeiterschaft der Landwirtschaft anzuführen;- der Zug von der Stadt aufs Land gestaltet die Lage des jüdischen Proletariers besonders kritisch. Aus dieser Tatsache nahm man die Berechtigung in Anspruch, den Schluß zu ziehen, daß somit die zwingenden Voraussetzungen für die Notwendigkeit der territorialen Lösung des. jüdischen Arbeiterproblems gegeben sind. Nun wäre es verfrüht, heute darüber entscheiden zu wollen, ob die im Aufbau begriffenen sozialistischen Organismen die nötigen Kräfte aufbringen werden, um die Umschichtung der großen Masse der aus der Produktion verdrängten und bisher unproduktiven Elemente in eigenem Wirkungskreise und auf eigenem Territorium durchzuführen, was ja mit Rücksicht auf ihren Bedarf an Produkten und Arbeitskräften ihr Bestreben sein muß. Bei dem jetzigen Zustande der ständigen Fluktuation ist eine entscheidende Beantwortung dieser Frage kaum möglich. Es muß der in nicht allznferner Zukunft zu erwartenden Konsolidierung der Verhältnisse in den Sowjetstaaten vorbehalten bleiben, endgültig dieses Problem zu klären und die Frage zu beantworten, ob eine Auswanderung größerer jüdischer Arbeitermasseh aus Osteuropa überhaupt zu erwarten ist. So lange die Möglichkeit einer solchen Massenwanderung nicht . ausgeschlossen erscheint und andere Länder mit kompakter jüdisch-proletarischer Siedlung, insbesondere Polen, in den .Uteri wirtschaftlichen und politischen Formen verbleiben, kann der Emigrationsfrage eine aktuelle Bedeutung nicht abgesprochen werden. Auf jeden Fall verliert sie — die Lebensfähigkeit der neu entstandenen, zum Sozialismus strebenden Organismen vorausgesetzt — den Charakter eines chronischen Prozesses. Biese jetzt hervortretende Rolle der *7anderungsbewegung müßte dadurch zum Ausdrucke gebracht worden, daß die Frage der Pro&uktivierung der jüdischen Arboitermassen ohne Rücksicht und \mabhängig von eventuellen territorialen Aenderungen in den Vordergrund unseres Programmes gestellt wird. Wenn also, das Problem der jüdischen Wanderung und somit auch die Frage ihrer territorialen Lösung nicht durchaus zu negieren sind, so entspricht die Stellung, die die palästinische Siedlung in unserer Theorie und Praxis einnimmt, absolut nicht den tatsächlichen Verhältnissen. So Jange die Verwirklichung des Sozialismus als Problem künftiger Jahrhunderte gegolten hat, war die Kolonisationstätigkeit in Palästina eine Vorbereitung für den künftigen Kampf, als Plattform, die es dem jüdischen Arbeiter ermöglichensollte, den entscheidenden Streit ohne die Hemmungen, die in seiner jetzigen unnormalen Lage begründet sind, aufzunehmen: Man war dabei bestrebt, durch die Ergebnisse wirtschaftspolitischer und geographischer Forschungen die besondere Eignung des Landes für die in Betracht kommenden Wanderermassen zu beweisen. Solange das Land unter türkischer Verwaltung stand und eine Inemigration in größerem Maße ausgeschlossen war, hat das ganze Problem einen mehr oder weniger akademischen Charakter getragen und man war geneigt,. auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich am Anfang der Siedlungsarbeit der Niederlassung jüdischer Arbeiter in den Weg stellten und diese meistenteils aus dem Lande trieben, der rückständigen Verwaltung zur Last zu legen. - Nunmehr, nachdem sich das politische Regime geändert hat, unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß bei einem kapitalistischen Kolonisationssystem jede Möglichkeit einer ■> großzügigeren Einwanderung von proletarischen Elementen in Anbetracht der unüberwindlichen Konkurrenz des arabischen Arbeiters ausgeschlossen ist. Der heldenmütige und opferreiche Kampf der Pioniere der jüdischen Arbeit in Palästina um ,,die Eroberung der Arbeit", in dem sie unterliegen mußten, hat auch ihnen die Aussichtslosigkeit und Unmöglichkeit jeder großzügigeren Arbeit unter den bisherigen Voraussetzungen klar gemacht. Um nicht, alle ihre Wünsche und Hoffnungen aufgeben zu müssen, sind sie auf die Idee gekommen, Palästina mit Ausschluß des .Privatkapitals zu kolonisieren. Wer diesen Standpunkt der ,,Achduth Haawodah" vorfolgt, wird begreifen, daß der Glaube, das jüdische „Volk" — alias Bürgertum — werde die für den Aufbau eines sozialistischen Palästinas erforderlichen Milliarden freiwillig beisteuern, der. letzte Hoffmmgsschimmer ' eines Verzweifellen ist, der nichts mehr zu verlieren hat. Wenn man außerdem die Tatsache in Betracht zieht, daß im Moment, als die soziale Revolution ihr Werk begoimou hat, die palästinensische Siedlung als Voraussetzung für den künftigen Klassenkampf vollständig gegenstandslos würde, verbleibt das Problem der Kolonisation Palästinas nur insoferne aktuell, als dieses Land als einer der Sammelpunkte für die eventuelle Wanderung in Betracht, kommt. Von einer Ausnahmsstellung der paläsüninensischen Siedlung innerhalb der jüdischen Wirklichkeit kann ebensowenig .die Rede sein, wie von einer Lösung des jüdischen Arbeiterproblems durch Palästina. Wenn man unter diesen Gesichtspunkten unser Programm verfolgt, sieht man sich vor die unbedingte Notwendigkeit einer gründlichen Revision derjenigen traditionellen Formeln gestellt, die, ohne wirklichen, Bedürfnissen zu entstammen, den Zwiespalt innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung begründen und vertiefen. M--s. AUS DER INTERNATIONALE. Der Jahrestag der dritten Internationale. Zum Jahrestag der dritten Internationale wendet sich das Sekretariat des französischen Komitees der III. Internationale mit einem besonderen Manifest an die Kommunisten aller Länder. — Nach einer Würdigung der Opfer, die das Proletariat der ganzen Welt der Sache der sozialen Revolution gebracht hat, nach dem Hinweis auf die Märtyrer des Befreiungskampfes der Arbeiterklasse: Wolodarsky, Luxemburg, Liebknecht, Landauer, Levine,, Korvin und Kunfinen, versichert das Komitee die Kommunisten aller Länder der Unterstützung des französischen Proletariats und. schließt mit den Worten: „In Frankreich entsteht' eine starke Stütze der III. Internationale und sie wird ohne Schwäche ihre Pflicht erfüllen, geleitet durch das Beispiel derer, die für die Freiheit der Arbeit gestorben sind. Es lebe die kommunistische Internationale! Es lebe jlifi Weltrevolution! Die Reaktion in Deutschland. iWährend die Reaktion, der weiße Terror, als letztes Auskunftsmittel der den wirtschaftlichen Erscheinungen ratlos gegenüberstehenden Bourgeoisie in Ungarn wild in anarchischer Form wüten, gehen sie in Deutschland, dent Nationalcharakter gemäß, planmäßig und gut organisiert vor. Die Form der 'Herrschaft ist dieselbe. Hier wie dort regieren die monarchistischen Berufssoldaten. Und während ihnen in Ungarn bereits eine „christlichnatlonale" Regierung das erforderliche staatsrechtliche Dekorum verleiht, stehen Jn Deutschland noch sozialdemokratische Strohmänner an der Spitze der Staatsgewalt.!Aus der Entwicklung der letzten Zeit seien nun die wichtigsten Punkte herausgehoben. Der Ausnahmezustand bietet Gelegenheit, innerhalb der „demokratischen Republik" die schrankenloseste Militärdiktatur (die „Diktatur der Bourgeoisie" In offener Form)auf „verfassungsgemäßer" Basis zu errichten. So wurde ein systematischer brutaler Kampf gegen alle klassenbewußten Organisationen eröffnet. In einzelnen Provinzen wurden sämtliche Zeitungen der unabhängigen Sozialdemokraten (von den kommunistischen gar nicht zu reden!) auf „unbestimmte" Zeilverboten, in den übrigen Provinzen die Mehrzahl von ihnen. Die Begründungen, wenn sich die „kommandierenden Generäle'' der Mühe solcher unterziehen, sind wortwörtlich dieselben, wie sie unter dem berüchtigten Sozialistengesetz gegen die heutigen Scheidemänner praktiziert wurden. Die Niedertracht hat ihre Blüten darin, daß z. B. das Verbot eines unabhängigen Blattes mit dem geplanten Erscheinungstag eines neuen mehrhe'ttssozialisllschen zusammenfällt. Daneben wird von der schändlichen Institution der Schutzhaft willkürlich Gebrauch gemacht. Eine Versammiungsrede, ein Artikel, ja nur Beziehungen zu kommunistischen r-ührern genügen zur Verhaftung und Einkerkerung auf unbestimmte Zeit. Ein ' Hauptstreich war die^ Schließung der Eisenbahnwerkstätten. Die Wiederaufnahme der Arbeiter, die den reaktionären Amts Vorstehern übertragen war, zeigte die Tendenz deutlich: neben der Unterwerfung unter verschärfte Arbeitsbedingungen mußten sich die Arbeiter die Nichtwiedereinsteliung der meisten im Sinne der Unabhängigen und Kommunisten politisch und gewerkschaftlich täligen Genossen gefallen lassen. Daneben wird unermüdlich an der Ausmerzung aller republikanischen Elemente aus der Reichswehr gearbeitet. Die Reduktionsverschriften des Obersten Rates werden dazu benützt, ganze republikanisch gesinnte Truppenkörper glatt zu entlassen. So schaffen sich die Generäle unter der Patronanz Noskes eine stretig reaktionäre, monarchistische Prätorianergarde. Reichswehr und Baltikumtruppen wirken nun bei. der systematischen Sprengung aller nicht reaktionären Versammlungen zusammen. Aber auch die üppig blühende Pogromhetze findet an ihnen den mächtigen Rückhalt. Diese zeitigt die barbarischsten Erscheinungen. In den Berliner Antisemiten- Versammlungen wird der „Kunze-Knüppel4', ein Totschläger mit vorbestimmtem Verwendungszweck, in Massen verkauft. Aber auch in der Provinz werden die Vorbereitungen zum Pogrom von der Reaktion ganz offen betrieben. Wes Geistes Kind sie ist, zeigt der Aphorismus Prinz Heinrichs, des Bruders des Kronprinzen: „Soll Siegfried ersteh«, muß Juda vergehn.1' Ein mächtiger Wind fuhr durch die Glut, als das Äuslieferungsverlangen der Entente alle nationalistischen Geister entfesselte. Und würdig stehen die Mehrheitss'ozlalisten mitten im chauvinistischen Hetzkonzert, einer der ihren pries die Wiederkehr des Geistes des hehren 4.' AugustI Die Entente mußte nachgeben und an allen Gliedern weiter gestärkt ging die eaktion aus dem Zwischenfalle hervor. Doch da naht der faulen Koalition eine neue Gefahr: eine der Hauptstützen der Regierung, der Reichsfinanzminister Erzberger geht aus dem Prozeß Helfferich als unmögliche, kompromittierte Person hervor. —Welch Schandsehauspiel gegen den Parlamentarismus dieser Prozeß an und für sich! Da vor aller Oeffentlichkeit gezeigt wurde, wie die Bourgeoisie mittels der „Volksvertreter" ihre Geschäfte besorgt . . . Und während die eine Krise noch schwebt, treibt die „Abfindungsaftäre" die Gegensätze innerhalb der Regierung aufs äußerste heraus. So kristallisiert sich in Deutschland das scharfe politische Bild der wirtschaftlichen Lage heraus. 'Was feststeht, ist: die Koalition, der Versuch der Klassenversöhnung muß früher oder später bankrottieren. Die Frage ist nur, was an ihre Stelle tritt, ob die offizielle Diktatur der Bourgeoisie, um mit den brutalsten arbeiterfeindlichen Mitteln die Wiederaufrichtung des historisch (erledigten Kapitalismus zu versuchen, oder die Diktatur des Proletariats, um schon jetzt die historische Mission des Proletariats durchzuführen. Leider hat die erste Möglichkeit die Wahrscheinlichkeit für sich und somit auch die Aussicht auf unerhörtes Leid und Blutvergießen als Vorspiel dessen, was im November 1918 ohne solches zu erreichen war — von denen, die Gewal tund Blutvergießen vermeiden wollten . . . Stadt-Sowjets in Italien. In der italienischen Arbeiterpresse nimmt die Propaganda für die Errichtung von städtischen Sowjets einen breiten Raum ein. Im Zentralorgan der italienischen sozialistischen Partei „Avanti" erscheint eine Artikelserie, in der dieses Problem zur Diskussion gestellt wird. Die zu schaffenden Stadtsowjets sollen folgenden Aufgaben gerecht werden: 1. In den arbeitenden Massen die Ueberzeugung zu vertiefen, daß der Kommunismus möglich und unumgänglich notwendig ist; das Proletariat an revolutionäre Errungenschaften zu gewöhnen und es zu diesem Behufe straff zu organisieren. Stadtsowjets (in Gemeinschaft mit den Bauernsowjets) bilden die elementare Organisationselriheit, deren Aufgabe es nach dem Triumph der sozialen Revolution sein wird, die politische Macht in die Hände des Proletariats zu legen, die Grrundsätze der Diktatur des Proletariats zu verwirklichen. 2: Indem der Sowjet immer seine aiküntige politische Funktion im Auge hat, betrachtet er als seine gegenwärtige Aufgabe die Aufklärung und Organisierung derbreiten Massen, ferner die Wahrnehmung und Vorbereitung aller geeigneten Mittel und Organe, um den Kommunismus zu verwirklichen und in immer höherem Maße die Macht auszuüben, die vom Proletariat ergriffen wird. 3. Ersetzung aller demokratischen und pseudosozialen Einrichtungen, welche mit dem Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft gegenstandslos werden, durch die sowjetischen Organisationen der Arbeiterklasse. Immer schärfere Hervorkehrung des Gegensatzes zwischen der bourgeoisen Weltordnung und dem neuerstehenden proletarischen poetischen Organismus. Es wird das Bestreben der Stadtsowjets sein, im Einvernehmen mit anderen Arbeiterorganisationen schon jetzt alle Vorbereitungen für die Sozialisierimg der Erzeugung und Verteilung der Produkte zu treffen. Sie werden zu diesem Zweckeneue proletarische Organe schaffen, wie Arbeiterkomitees in den Fabriken, volkswirtschaftliche Zentren und so weiter. Alle diese Einrichtungen sollen aber auch den besonderen Zweck haben, die Arbeiter zu befähigen, daß sie die Gütererzeugung beherrschen. Nicht außeracht darf aber auch die Agitation gelassen werden, welche unter den geistigen Arbeitern, Technikern und Verwaltungsbeamten entfaltet werden muB, um aus diesen bisherigen Stützen der bürgerlichen Ordnung Bundesgenossen des Proletariats zu machen. 5. Bis die Losung „Alle Macht den Sowjets!" verwirklicht ist, soll das Proletariat schon jetzt überall, wo es inur möglich ist (z. B. in den Stadtgenieinden), Öle Macht: ergreifen und sie den Sowjets anvertrauen, uni sich so an die. Ausübung der proletarischen Diktatur zu gewöhnen. Um den voraussichtlichen Repressalien der bürgerlichen Staatsgewalt zu begegnen, sollen die Sowjets im EihvertteHrrieri fnlt den ihnen übergeordneten proletarischen Organen, wie Kreis-, Provinz- und Nationalsowjets, die Massen 'der Arbeiter zur Verteidigung der proletarischen Errungenschaften gegen die Anschläge des bürgerlichen Staates zusammen fassen. 6. Außer den genannten Aufgaben sollen die Stadtsowjets die Arbeiterschaft über die wirklichen Ursachen der so traurigen Begleiterscheinungen der bürgerlichen Gesellschaftsordnung, die sich besonders in den für Proletarier unerschwinglichen Preisen der Lebensmittel und in der Wort- - rtuftgsnot äußern, aufklären und darauf hin weisen, daß milder Sieg des Kommunismus die radikale Beseitigung dieser Uebelstände bedeutet. Die Streikwelle. Die unerhört schweren Lebensbedingungen, unter denen die Proletarier auf der ganzen Welt leiden, ferner das Ueberwuchern der reaktionären Maffia haben allenthalben zu spontanen Streiks geführt, welche nicht anders denn uls revolutionäre Verzweiflungsausbriiche der gepeinigten Arbeiterschaft gewertet werden müssen. In Frankreich ist es zu einem allgemeinen Streik der Eisenbahner, gekommen. Gefordert wurde die Nationalisierung der Eisenbähneri und die ReguHcruno der Löhne. Von Seiten der Regierung wurd* unerhörter Terror ausgeübt und mit Verhaftungen und 'Maßregelung von Streikenden vorgegangen. Indessen ist zwlscheri den Direktoren Und deai Streikenden eine Einigung erzielt Worden, sodaß die Arbeit wieder aufgenommen werden konnte. In Italien habe;i die Straßenbahner an Sonntagen in allen Städten die Arbeit eingestellt. Es wurden Lohn- und Avancementsforderungeh erhoben und Befreiung von der Zahlung der Einkommensteuer verlangt. Im ganzen Lande streiken die Arbeiter der chemischen Industrien. Beiläufig 60.000 Arbeiter sind der Streikparole gefolgt und haben in einigen großen Betrieben, wie in den Destillerie Italiane u. a. die Bewilligung ihrer Forderungen erzwungen. In Stiditalien ist es zu Ausständen der Metallarbeiter" gekommen, die aber bald die Bewilligung ihrer Forderungen durchsetzten. Im deutschen Buchdruckergewerbe droht ein folgenschwerer Konflikt. Die Unternehmer haben die Forderungen ddr Arbeiter bezüglich der zu gewährenden Teuerungszulagen als unerfüllbar abgelehnt und auch den Spruch des Schliohtttagsausschusses des Reichsärbeitsministeriüms zurückgewiesen. Die Straßburger Entscheidung. Äuf dem Straßburger Kongreß der französiscHen sozialistischen Partei wurda der Austritt aus der zweiten Internationale fast einstimmig beschlossen. Für den sofortigen Anschluß an die dritte Internationale waren 1621, für die vom Zentrum und von der Rechten vertretene Entschließung des bedingungsweisen Eintrittes 39000 Stimmen, Die tschechischen Arbeiter für Sowjet- Rufiland. Die tschechische Arbeiterschaft hat in einer Reihe V-ön großen Kundgebungen 4im Fried^aifträg SdwjetrüBiands Stellung genommen. Einstimmig wurde überall der ÖesdituB gefaßt, den Friedenszustand mit Rußland sofort zu proklamieren und mit dem genossenschaftlichen .WäreriaustäusÖh zu beginnen. Für den Friedensschluß treten in der Tschechoslowakei nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Vertreter der anderen Schichten der Bevölkerung, ja sogar ein erzreaktionärer Klerikaler wie Zahradnik ein. Die große eBdeutung eines ungehinderten Warenaustausches mit der russischen Sowjetrepublik wird allgemein anerkannt, und schon werden große Vörbereitungen durch Anhäufung von einschlägigen Wären, wie landwirtschaftlichen Maschinen und Gerätschaften, Werkzeugen, Präzisionsinstrumenten, Häüsgeräfr, Bekleidungsgegenständen usw., getroffen, um im Momente des freien Verkehrs mit Sowjetrußland unverzüglich mit der Einfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln beginnen zu können. , Glossen und Notizen. Dementis. Zu den widerlichsten Begleiterscheinungen .'der, kapitalistischen Aera gehört die ungeheuere Wucherung des Äeitungswesens. Die Konjunktur beherrscht den Markt, industrielle, Händler und Börseaner, die Leitei der kapitalistischen Produktion, sind also gezwuugsn, mit größter Aufmerksamkeit die Vorgänge auf den verschiedenen Märkten, zu verfolgen und haben größtes Intere3se an einem möglichst prompten Nachrichtendienst. Nachrichten- und Inseratenteil sind also vor allem ihren Bedürfnissen gemäß. Dazu kommt, daß die Zeitung in der kapitalistischen Ordnung auch ein sehr gutes Geschäft sein kann, da die uns beherrschende Minorität, die Großbourgeoisie, Großfinana usv-. In den Geschäftsbeziehungen zu diesem ihrem Kommis der öffentlichen Meinung nicht knauserig ist. ^Schließlich vertritt, jede Zeitung auch eine Parteirichtung; denn die Bourgeoisie könnte im Zeitalter des allgemeinen Wahlrechtes nicht so ohneweiters herrschon, wenn sie nicht ihre nüchterne Weltanschauung der Me'.iigkeit des Profits in ein einladendes, dem Kleinbürger gefallendes Mäntelehen kleiden würde. Sie macht sich also politische Parteien, läßt sich die Sache sogar viel Geld kosten. Denn schließlich gibt man lieber ein paar Milliönchen, zur rechten Zeit, als daß einem alle die Milliarden, vom Volke genommen werden. Ihre Zöitungea sind also nicht Ui eSprachrohre der Bourgeoisie; sondern ~~ die von politischen Parteien. Viel Geld, sehr viel Geld kann diese Fabrikation von öffentlicher Meinung kosten. Es gehört ins wichtigste Kapitel der Kulturgeschichte die»er Zeit, daß z. B. die Wiener Tageszeitung „Die Zeit" stets schwor passiv war und daß die Millionen, die jährlich zu ihrer Weitererhaltung nötig Avaren, von der Wiener Hoohiinanz aufgebracht wurden, damit dieses ,,freiheitliche Organ" weiterbestehen könne. In diesem Komplex ist aber noch ein Faktor au berücksichtigen, der ihm erst seine Bedeutung verleiht. Es ist der, daß die ragoutmäßige geistige Kost, die kurzen Meldungen, Berichte aller möglichen Nichtigkeiten, der Feuilletonismus als die geschäftsmäßige Verzapfung von Kunst in Raten, ausgeübt durch Halbgebildete, den geistigen iladurfnissen einer nervösen, von der Hetzjagd des kapitalistischen Getriebes erschöpften, Menschheit entspricht. So wurde die Zeitung ein notwendiges Glied des Reproduktionslebenr, des modernen Menschen, sie liefert ihm die geistige Kost. Und

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