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Freie Tribüne · 1920-02-21 · 8 (21.2.1920) · page 2

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
8 (21.2.1920)
Date
1920-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sturm im Wasserglas, Die aus Eitelkeit und rücksichtsloser Profttwut heraufbeschworene M'eiidlaffäre hat übermäßig weite Kreise gezogen. Eine m sich ebenso freche, Wie dummdreiste Provokation eines Unternehmers, der vom? „Herrn-imiHause-Standpunkt" sich die Berechtigung abgeleitet hat, wegen ein^s Schmarotzers 1800 Arbeiter stofweit zu brüskieren, daß das Brot tiner Milliofi Hungernder vorenthalten wurde, würde zur Haupt- und Staatsaktion gemacht. Die gesamte bürgerliche Presse ergriff mit Freuden das Stichwort des eitlen Gecks und heulte in allen Tönen: „Terror!", „Knebelung der Freihdt", und was dergleichen demokratischer Phrasen mehr sind. Vor allem jedoch sprangen, wie von einer Natter gestochen die christlichsozialen Koaliliojisbrüder in die Front für MendJ. Es schien, daß dieser nichtige Anlaß, wie mit einem Blitzßicht alle Gegensätze erfaßt habe und scharf hervortreten lasse. Es schien, daß das Kfassfeninteresse den Burgfrieden sprengen und die M ac h tfr ag e, die Frage wer regiert? in ihrer ganzen Tragwete aiufrollen werde. ' So schien es! Und schließlich, konnte man sich denken, ist der Anlaß, der die latente Krise zum Vorschein bringt, gleichgiltig. Glejchgiltig, ob es die Probleme der Vermögensabgabe, der Verfassungsfrage, der Wehr- Jrage sind, die die unüberbrückbaren Klassengegensätze aufdecken, und die unmoralische Koalition zum Scheitern bringen werden, i . Kampfansagen schallten herüber und hinüber! Die Christlichsozialen pochten auf den Koalitiönsvertrag. Die Sozialdemokraten lehnten es ab, Arbeiterfragen in Gemeinschaft mit Bürgerlichen lösen zu wollen. Man ließ durchscheinen, daß man das Schwergewicht der Politik vom Beratungssaal der Gesetzesmaschine in die Sphäre der internationalen Machtverhältnisse verlegen wolle. Rasch glätteten sich jedoch die Wogen der parlamentarischen Aktion der Christlichsozialen, die mit dem üblichen Journalistentamtam, mit der sensationellen Aufmachung der guten, alten Habsburgerzeit, in Szene gesetzt wurde. Die glänzend arbeitende Reaktion, die. geschickt alle Möglichkeiten den Gegner zu treffen auszunützen weiß, hat diese Komödie inszeniert, um durch die Fenster hinauszureden. Und die Sozialdemokraten gingen ihnen auf den Leim. Sie nahmen diesen parlamentarischen Klassenkampf auf. So halfen sie die Gegensätze zu verschleiern, statt die Gelegenheit zu ergreifen, die Probleme richtig anzuschneiden und klarzulegen, ob tatsächlich der Zufall derArit hm e t i k .und der Offensivgeist der Reaktion die Macht haben, dort das unvermeidliche Treffen zu inszenieren, wo es ihnen taktisch am besten paßt.! Die ganze Affäre endigte mit einem Sturme im Wasserglase. Unter der aufgeregten Oberfläche schlummert die schlaffe Tatlosigkeit der Sozialdemokratie, die jede spontane Bewegung der Arbeiterschaft niederbremst. Die vom Kreisarbeiterrat beschlossene Massenaktion des Proletariates wird nicht durchgeführt. Die führerlos ausbrechenden Verzweiflungstaten der verhungernden Massen werden im Blute erstickt^(Leobenl). Und immer schwerer und schwerer lastet das Leichentuch der Not und des Elends über dem Lande, das unter der Trägheit der Gedanken und des Willens der sozialdemokratischen Politik langsam aber sicher der Restauration nach Horrhys Muster entgegensteuert. FEUILLETON. HerbstHed eines Chinesen. Von H off mann v. Fallersleben. Wir sind nicht reif! Das ist das Lied, das sie gesungen haben Jahrhundertelang uns armen Waisenknaben, Womit sie uns noch imer beschwichten, Des Volkes Hoffen immer vernichten, Den Sinn der Besseren immer betören Und unsere Zukunft immer zerstören. Wir sind nicht reif! / Wir sind nicht reif? Reif sind wir immer, reif zum. Glück auf Erden, Wir sollen glücklicher und besser werden, Reif sind wir, uns're Leiden zu klagen, Reif sind wir, uns're Wünsche zu sagen, Reif sind wir, euch nicht mehr zu ertragen. Reif, für die Freiheit alles zu wagen. Wir sind reif! Literatur und Kunst. Ein interessantes Bühnenjubiläum. 45 Jahre jüdischer Bühnenlaufbahn! Bin Jubiläum, das Einblick eröffnet im ein ganz eigenartiges Kapitel jüdischer Kulturgeschichte. Denn diese Zeitspanne umfaßt die Gründungszeit und die ersten Entwicklungsjahre des jüdischen Theaters. ,Schulim Podzaincze gehört zu jener nicht mehr zahlreichen Generation jüdischer Schauspieler, die noch unmittelbar mit der vorhistorischen Epoche des jüdischen Theaters verbunden sind — mjt der Zeit des Badchens und dies vagabundierenden Volkssängers. In seinen Anfängen kam er künstlerisch und persönlich in nahe Berührung mit den nun historisch berühmten galizisch-jüdischen Volkssängern — den sog. „Brodern" (Berl,. Ephraim und Kofke D^binski): wie diese von Stadt zu Stadt — durch Galizüen, Rumänten, Rußland — wanderten, gewöhnlich in Gasthäusern, um sich jüdische Massen sammelten und feierlich, in Samtntkäppchen, bei kerzenbeleuchtetem Tische stehend, ihre Lieder vom ,-,armen Melamed", vom „finstern Baihagole", vom „bidnem Pastech" u. dgl. sangen oder rezitierten — darüber AUS DER INTERNATIONALE. Leitsätze . über die Taktik der kommunistischen Internationale im Kampfe um die proletarische Diktatur. Das „Westeuropäische Sekretariat der Kommunistischen Internationale" versendet an alle der Dritten Internationale angeschlossenen Parteien und Gruppen einen „Entwurf", zu einem taktischen Programm. Wir behalten uns den Abdruck im Wortlaut vor und veröffentlichen nur vorderhand die grundsätzlichen Thesen. 1. „Die vierjährige Zerstörungsarbeit des Imperialismus könnte nur dann einer kapitalistischen Aufbauarbeit P'atz machen, wenn sie siegreichen Kapitalcliquen den Besiegten Rohstoffe und Lebensmittel zur Verfügung stellen könnten, um von neuem die Proletariermassen unter das kapitalistische joch zu beugen. Indem das siegreiche Ententekapital Rußland verwüstet, Zentraleuropa der fetzten Produktionsmittel zu berauben sucht, verurteilt es nicht nur diesen größten Teil Europas zur wirtschaftlichen Vernichtung und zum Hungertode. Es spricht vielmehr auch das Todesurteil über, die kapitalistische Entwicklung in den eigenen Ländern. Nur die Arbeiterklasse ist dazu berufen, Ordnung in das'kapitalistische Chaos zu bringen . . . Die kommunistische Weltrevolution wird durch die* Politik des siegreichen Ententekapitals noch beschleunigt.'1 2. „Die kommunistischen Parteien der noch kapitalistischen Länder nehmen diese auf die Weltrevolution hinarbeitenden Tendenzen des Weltkapitals zum Ausgangspunkt ihres Kampfes.'' Nicht die Umgestaltung der kapitalistischen Welt, oder die Eroberung einzelner Zugeständnisse, sondern die Niederringuno des Kapitalismus ist unsere Aufgabe, nur durch die Diktatur des Proletariats, ausgeübt durch die Arbeitende, wird, der Liebergang zur kommunistischen Gesellschaftsordnung ermöglicht. „Der Gewalt der Konterrevolution müssen dabei al!e Gewaltmittel der Revolution entgegengesetzt werden. Die Kommunistische Internationale lehnt in der energischesten Weise als "Betrug des Proletariats jeden Versuch ab, die Gegensätze zwischen dem proletarischen Bestreben nach Befreiung und dcT kommunistischen Diktatur durch ein Kompromiß zu verkleistern, wie es u. a. die Führer der rechten Unabhängigen und die linke Sozialdemokratie Oesterreichs vertretend indem siz neben dem bürgerlichen Parlament die Bildung der Kammern der Arbeit befürworten." Die Propaganda durch Wort und Tat für diese Grundgedanken ist die eiste Aufgabe der kommunistischen Parteien in den noch kapitalistischen Ländern." 3. Die Entwicklung des Kampfes muß nicht unbedingt in den Formen eines raschen Anlaufs vor sich gehen. Zum Ausgangspunkt ihrer Taktik machen die kommunistischen Parteien die „Einsicht von dem langsamen, mühseligen Charakter des proletarischen Befreiungskampfes." „Nur so können die kommunistischen Parteien des Westens das Proletariat vor unüberlegten Versuchen der Eroberung der Macht, mit nicht genügenden Kräften kleiner, ungeduldiger Minderheiten warnen. Der Sieg wird ihm nicht früher zufallen, bevor nicht breite Massen der Proletarier, die geistigen Arbeiter inbegriffen, bevor nicht die sozialentscheidenden Schichten der ■Arbeiterklasse (Gruben-, Metall-, Eisenbahn-, Landarbeiter) auf der Seite des Kommunismus stehen." '{• Die proletarischen Massen sammein sich in den Gewerkschaften. Die Kommunisten haben die Pflicht, in diese Massenorganisationen des Proletariats zu sehen, obwohl die Gewerkschaftsbureaukratie sie aus Kampfesorganisationen des Proletariats in opportunistische und gegenrevolutionäre Organe der Verständigung mit dem Kapital zu verwandeln sucht. Dort haben sie nicht nur die kommunistischen Ideen propagandistisch zu vertreten, sondern auch den Einfluß der Gewerkschaftsburcaukratie zu brechen, indem sie im wirtschaftlichen Kampfe den vorwärtetreibenden Faktor bilden. Sie haben ferner dahin zu winken, daß die Gewerkschaften sich in Industrie-Verbände verwandeln, daß die zentralisierte konterrevolutionäre Gewerkschaftsbureaukratie einem elastischen System der Vertrauensmänner Platz macht. In Wirtschaftskümpfen haben die Kommunisten mit aller Schärfe der Idee der Sabotage der Produktionsmittel entgegenzutreten." 5. *v Einen Durchgangspunkt im Kampfe bildet das Ringen um die Kontrolle der Produktion. „Das Bestreben, die Produkweiß unser Jubilar gar anschauliche Bilder zu scliö'lderu. Auch den hervorragendsten — und zugleich letzten — Größen des Badchentums — Eljakum Zuuser und Welwel Zbaradzer — kam er in Gafizien und in Amerfilka noch vielfach persönlich nahe. Au Stelle des Badc'hens trai aber bald das jüdische Theater, ja man kann sagen: dieses wuchs aus dem Badchejn heraus, denn Abraham Goldfaden, der Schöpfer des jüdischen Theaters, hatte — wie es D. Pinsku treffend hervorhob — nur den Badchen ins Theatralische projiciert. Schulini Podzameze wurde niui Schauspieler dieser Goldtndenschule. Charakterkomiker im Stile Goldfadens. Komik ist eben die stärkste Seite Goldfadens,, in ihr liegt se%i bleibender Wert: Goldfadens Karrikaturen sind volkstümlichen Humors erfüllt und mehrere von ihnen — wie Kunz Lemel, Schrnendrik — erlangten die Popularität von Gattungsnamen. Eine der Lieb- Hngsrollen Podzamczes noch heute ist die Großmutter in Goldfadens „Großmutter und Enkel". Es ist historisch das erste Stück, das überhaupt auf dem jüdischen Theater aufgeführt wurde, das erste Stück Goldfadens. Und da zu jener Zeit die jüdische Frau noch nicht Theater spielen durfte,, so spielten eben Männer auch dfie weiblichen Rollen. Herr Podzamcze zählt sich mit ironischem Stolz zu den erstem „Primadonnen" des jüdischen Theaters. Das Schicksal des jüdischen Theaters war auch das Schicksal seiner Schauspieler. Beide wanderten aus dem Osten Europas nach Amerika. Auch Podzamcze kam hin und spielte jahrelang in den jüdischen Theatern in Newyork, Boston, Philadelphia, in persönlichem Verkehr mit Goldfaden und seiner schriftstellerischen Jüngerschar: Lateiner, Horowitz, Schomer u. a., "bis er endlich in Wien landete, wo er seit 20 Jahren o'Cc Bühne der sog. „Polnischen" leitet, wie mau diese im 'Wiener Jargon nennt. Die Zeiten ändern sich. Der Goldfadenschule folgte in der jüdischen Theatergeschichte Gordin und seine Schule; gegenwärtig kämpfen tiefere künstlerische Tendenzen gegen diese beiden Richtungen: unsere „Freie jüdische Volksbühne" ist ein Ausdruck dieser neuen Tendenzen. Und es mutet wie ein Symbol an, wenn sich unser sechzigjähriiger Jubilar — von Goldfaden herkommend — den neuen Bestrebungen auf dem Gebiete jüdischer Kunst einzufügen sucht und — im Rahmen der „Volksbühne" — auch Sn der Gestaltenwelt Asch's und Pinsku's Platz für künstlerische Betätigung findet. Ein Stück jüdischer Kulturgeschichte... Ein interessantes Jubiläuni ... tion zu kontrollieren, muß zum Ausgangspunkt dauernder,ununterbrochener Kämpfe um den Ausbau der Betriebsräte werden.'« Aber „nicht als von oben dem revolutionären Teil des Proletariats aufgezwungenes oder anempfohlenes Schema, sondern als im Kampfe entstellende, im Kampfe zusammengeschlossene Organisation können die Betriebsräte sich entwickeln." Kampr gegen die S c h e i n betriebsräte! 6. Der Sieg des Proletariats ist nur auf dem Wege der vollkommenen Zersetzung und Zerbrechung der Unterdrückung* - organe des kapitalistischen Staates möglich. „Jeder Gedanke an die Eroberung der Macht auf Umwegen, durch Sabotage der kapitalistischen Produktion, durch Verbarrikadierung der Arbeiterklasse in'den Betrieben vermittels der Betrieibsorganisationen ist ein ebensolcher Opportunismus, wie der Gedanke an den Sieg durch den parlamentarischen Stimmzettel." In. der Zeit, wo sich die Massen erst zum Kampfe sammeln, oder im Momente nach den Niedermeien, haben die Kommunisten die revolutionären Arbeiter auf die Notwendigkeit der Ausnützung auch der geringsten agitatorischen und organisatorischen Möglichkeiten hinzuweisen; daher kein pihizipiel.'er Verzicht auf die Parlamentstriibüne. Schon vor der Eroberung der politischen Macht haben die Kommunisten für den Ausbau der politischen Arbeiterrate mit aller Energie einzutreten. 7. .Zwischen der Zweiten und Dritten Internationale ka.-rn. es kein Kompromiß geben, wie jedes Kompromiß zwischen Bourgeoisie und Proletariat unmöglich ist"--„Die kommunistischen Parteien müssen den immer revolutionärer werdenden Arbeitermassen, die sich bisnun mit der Dritten Internationale noch nicht organisatorisch verbunden haben,, in solidarischen Aktionen die Hand reichen und sie von der Notwendigkeit der Trennung von ihren opportunistischen Führern überzeugen." „Die Einheit der Arbeiterklasse karirrnicht durch Kompromisse mit den bankrotten Führern des Sozialpatriotismus und Sozialpazifismus erreicht werden, sondern nur durch die im revolutionären Kampf wachsende Klarheit und Entschlossenheit der Arbeiterklassen." „Die Unterstützung Sowjetrußlands bildet den Ausgangspunkt der Weltpolitjik des Proletariats und die aktive Verteidigung der russischen Revolution ist die oberste Pflicht der Arbeitermassen aller Länder, die zu erfüllen ist, ohne Rücksicht mif" die Opfer, die der Kampf; erfordern wird, Frankreich. In Frankreich finden jetzt die Kongresse der Sozialisten der einzelnen Departements statt, auf denen die Delegierten und die ihnen mitzugebenden Resolutionen für den bevorstehenden Straßburger Parteitag bestimmt werden. Es kommen drei Richtungen zur Geltung: die „Rechte", welche für das Verbleiben in der zweiten Internationale ist, das Zentrum, welches die „Rekonstruktion der Internationale" im Sinne der Unabhängigen Deutschlands verficht und de;- sen Programm am besten in der Resolution festgelegt ist, die wir in der letzten Nummer der „Fr. Tr." auszugsweise veröffentlichten, und schließlich die „Linke", .welche für den klipp und klaren Anschluß an die dritte Internationale wirkt,. Soweit sich die bisherigen Abstimmungnsergebnnlsse überblicken lassen, kann von einer ,;l'i echten" fast gar nicht mehr gesprochen werden, wie auch der „Populaire" im Anschluß an den Kongreß der Seine ausruft: „Es gjbt keim* Rechte mehr!" „Zentrum'- und „Linke", dürften sich so ziemlich die Wage halten. Eines aber ist sicher: Der Austritt aus der zweitau Internationale ist soviel wie beschlossen. Der Kongreß in Straßburg hat nur noch zu entscheiden: unmittelbarer Eintritt in die dritte internationale oder „Verhandlungen" mit ihr zwecks „Wiederaufbaues der Internationale". Das Programm der Linken in der tschechoslowakischen Sozialdemokratie, Die „R'ovnost" vom 24. v. M. veröffentlicht das Piogramm der marxistischen Linken ler tschechischen Sozialdemokratie. Diese Fraktion der t^chr.chteohen Sozialdemokratie verfolgt die Rückkehr zum Marxismus und die Durchführung seiner Grundsätze. Das Hauptziel der tschechischen Sozialdemokratie ist in der gegeuwaVigeii historischen Periode die Durchsetzung der Sozialisiormig und dos Austausches der Erzeugnisse. Voratusotaung hvefür ist die Uebernalime der Staatsgewalt. Aufgabe de.- Partei ist es, die natürliche Entwicklung der Dinge nicht zu bremsei.«, fondevn Zur Frage: „Jüdische Volksbühne." Was ist das eigentliche Ziel der „Jüdischen Volksbühne" in Wien? Es ist: Vermittlung künstlerischer Selbsterkenntnis inneriialb der jüdischen Gemeinschaft, d. h. künstlerische Durchdringung des jüdischen Lebens im Wiener GolusZentrum. Das ist ein ungemein wichtiges Ziel; d«?nn künstlerische Erkenntnis ist das durchgreifendste Mittel, sieh die Welt der Dinge, Ideen und Ideale zuzueignen. Wie kann ein jüdisches Theater dieses Ziel.erreichen r Durch lebendige künstlerische Gestaltung auf der Bühne -- d. h. durch Verdichtung menschlichen Schicksals, mense'üliehen Zwiespalts, menschlicher Sehnsucht zu lebendigen Charakteren, zu sprechenden Bildern und Situationen — natürlich in Abhängigkeit vom Kunstwerke des Dramas. ri.s gibt viele, die in der Wiener „Jüdischen Volksbühne" hauptsächlich eine Pflegestätte der jüdischen Sprache sehen wollen ■.. das sind die Verständnislosen, von elendem Mangel an Kunstsinn behafteten. Die jüdische Sprache ist für das jüdische Theater sehr wichtig, darf aber niemals das wichtigste werden. Denn das Theater ist seinem Wesen nach kein Sprachinstitut, sondern ein Kunstinstitut! Wer geht in Wien in die „Jüdische Volksbühne"?-Hauptsächlich sind zwei Besuchertypen bemerkbar. Zunächst der von Haus aus sprachlich und geistig jüdisch orientierte Jude. Ihm bietet die itVolksbühne" eine Erziehungsstätte zur sinnst, eine wichtige Bildungsstätte. Der zweite — minderzählig vertretene — Typus ist der Wiener assjmilöeru! und. haibassimilierte Jude. Dieser verstellt meist gar nicht die jüdische Sprache, ja er äußert für sie als solche kein Interesse, und was ihn ins Theater lockt ist nichts anderem als eine /Art Sehnsucht nach dem Jüdischen, ein unbestimmter Wille zum Jüdischen. Es ist allerdings ein Bedürfnis, das sehr berechtigt ist und ganz in der erwähnten Wesensaufgabe des jüdischen Theaters Hegt. Eine jüdische Volksbühne in Wien hat mit beiden diesen Besuchervarianten zu rechnen. Soll die „Jüdische. Volksbühne" in Wien eine eigene Zeitschrift haben? Wohl wünschenswert, wenn finanziell durchführbar. Ihr Ziel wäre in der Hauptsache: Popularisierung der jüdischen Theateridee und der jüdischen dramatischen Ideenwelt in deren eigenen Tendenzen, Problemen und Motiven. Sie müßte also wesentlich im Dienste jüdischer Kunst und Literatur stehen. — In welcher Sprache hätte diese Zeitschrift in WCen zu erscheinen? Das hängt von einer anderen Frage ab: Sollte sich diese Zeitschrift auf den von vornherein gegebenen engeren jüdisch sprechenden Kreis beschränken, oder auf das weitere Ziel der- Ideenpropaganda ausgehen? Im letzten Falle müßte die Zeitschrift deutsch

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