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Freie Tribüne · 1920-02-14 · 7 (14.2.1920) · page 2

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
7 (14.2.1920)
Date
1920-02-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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SEITE 2 FREIE TRIBÜNE NR. 7 . $)as Organisationsbüro hat durchaus nicht die Absteht» sich dife Funktionen des Vertiarkjsbüros auf dem Gebiete mrterer Or^anisätk)iisangietegdthjeiten \$tiüi~ mafen, \fäfe &*e Verbindung ftw&ehen «Ifen Poale 2ion-£artiHen, Verbandssteufer, offizielte ye^ÜfentlS^u^en, Palästma(-ilrbjeöterfonds, Orgafllsierung der WelftonfVrsnz. Wir sind auch fernerhin der Änsicfrt, daß das V.-Ö. ä)e jüdische Arbeiter- Weltkonterenz vorbereiten, pla?ngeänäite Informationseinrichtungen tUr die jutlischß ArbcMferausWÄnderimg nach Palästina organisieren u. dgl. darf und kann. Wir sfrid aber der Äriscfrauuhg, daß bei dem jetzigen Stand unserer Weltbewegung, das Verbandsbüro politische Aktionen, bei denen es sich nicht mit <*ön einheitiiehen, geschlossenjsn Willen aller unserer Genossen stützen kann, nicht durchführen darf. Solange es eine Politik betreibt, die im Gegensatz steht zu einem großen Teile der Weltbewegung, halten wir es für unsere Pflicht, eine Politik zu treiben, die sich mit unserer kornmiMsiischen Weltanschauung im Einklang befindet, Pas O.-B. will die revolutionären Gruppen unseres Weltverbandes vereinigen, damit sie im Rah-mea» des Verbandes eine A^'acht darstellen, die, auf ideotogisctei und prinzipiellen Grundlagen organisiert, fährig.wäre, die einzelnen Lanr ■dasparteien und die Gesamtbewiqguing im Sinne und im Geiste der III. Internationale zu beeinflussen. (Bis dahin bestrebt sich das O.-B., eine innige organisatorische Verbindung mit der III. Internationale zu schaffen, damit wir schon jetzt als aktiver Teil der proletarischen, für den Sozialismus kämpfenden Familie anerkannt werden. Und wir körnten den Genossen die frohe Botschaft künden: Unwaihr ist, 'was man immer wieder behauptet, die III. Internationale sei eine engherzige Sekte. Vielmehr stellt die III. Internationale jene höhere Form proletarischer Organisation dar, die alle Fragen der Airbeiterpolifßk von wahrhaft internationaler Warte betrachtet. Wir haben jetzt schon bei führenden Genossen der III. InternationaM Verständnis und Sympathie in hohem Grade gefunden. Unsere Pflicht ist es, durch aktive und entschiedene Klassenkampfpolitik unsere Bruderparteien in Rußland zu unterstützen und zu dem zu werden, was wir sein wollen und müssen: die Klassenkampfpartei des jüdischen Proletariats, die jüdischle Sektion der III. Internationale. Genossen, Poale Zion aller Länder! Ihr habt vernommfcn, was das O.-B. wiM; Ihr -sieht, wie wir die Krise überwinden wollen, die unser Weltverband jetzt durchmacht; Ihr wißt nun, daß wir s.ehferi wollen. f : '■ > \ '{Geeinigt auf dem Boden und in den Reihen der III. Internationale. ' ' Fragt nun aber auch das Verbantfsbüro, was es wüH Mit Aufmerksamen und Efrisi fröret es an urttl daaffti; entscheidet für öder gegen uns! Genossen und öeftossmnen! f«e Frage: II. cätfef itl. Internationale beschränkt sien nicht auf <ße Frage, Ob wir natft Ittjoskau oder l&m gehören sollen. Durchaus nicht! Es handelt sich, uni die schwere Gewissenäfrage, öb wir den Klasseaianipf des jüdischen Proletariats für seine soziale und nationale Befreiung naefe den Methoden der versumpften II. oder nach denen der lebendigen, heldenmütig ftampteriden, wahrhaft sozialistischen III. Internationale führen sollen. Nur darüber h'abt Ihr zu entscheiden! Von Eurem Entschluß hängt das Schicksal unserer Weltbewegung vh: Sollen wir eine Klassenkampfpartei des jüdischen Proletariats, ein voHwe^ifres Glied der aufstrebenden, kommunistischen, internatiioinaten Familie — oder ein [Anhängsel der reaktionären zionistischen Bourgeoisie se'.n? Von Eurem Beschlüsse hängt auch in gewissem Maße das Schicksal 6nv jüdischen Arbeiterklasse im allgemeinen ab. Soll sie gemeinsam mit dem Weliproletariat für den Sozialismus kämpfen und siegen oder zusammen mlf der jüdischen Bourgeoisie untergehen und in Vergessenheit versinken? JVfögen nur unsere opportunistischen und schwankenden Genoss»} die Entscheidung fürchten und sie auf den Jüngsten Tag zu verschleppen suchen! Wir, die Linken Poale Zion, dje auf dem Boden der III. Internationale stchjen, wissen: Das jüdiscti'e klassenbewußte Proletariat gehör! Rur kommunistischen internationalen Arbeiterfamilie. Die poalezionistischen Arbeiter gehören zu den klassenbewußtesten jüdischen Proletariern. Ihr Ziel ist der Sozialismus. — Ihr Weg derselbe, den die liekknmütige kommunistische internationale Arbeiterklasse beschreitet. Dorthin rufen wir Euch! Genossen und Genossinnen! 1 Haltet hoch die revolutionären Ueberliefeiungen unserer Bewegung) Erfüllet Eure Pf Hebt! Wien, im Februar 1920. Organisationsbüro der Linken Poale Zion. Für das Exekutivkomitee: Alexander Serpow. Dr. Mersch Nagler. Ignaz Kandel. EMax Rosenfeld« 1 Zum ersten Todestage, i Ein Jahr ist nun vorbei, seit wir ihn zu Grabe trugen, und wir können es noch' kaum fassen, daß wir ihn nicht mehr unter uns haben. Ein Jahr schweren Ringens, in dem die Wellen der sozialen Bewegung hoch gingen und uns vor tausend Aufgaben, neue Fragen stellten und uns dabei unseren hehren Kampfzielen näher brachten. Und in diesem, so ereignisreichen Jahre fehlte uns seine bewährte Führerhand, sein klarer Blick, sein umfassendes Wissen und politische Intuition. Max Rosenfeld hatte Kaium den Weg erreicht, der ihm die volle Entfaltungsmöglichkeit seiner reichen Persönlichkeit, seines großen Könnlens und starken Wülens gewährleistete; kaum hatte er die Stufe erklommen, von der aus er die rasch anschwellende Weltbewegung in ihren vielfältigen Zusammenhängen übersehen konnte, und sich an ihre Spitze stellen konnie, um zielbewußt die Massen des jüdischen Proletariats zum entscheidenden Kampfe, zum Siege zu führen; und es war ihm nicht, es war uns nicht vergönnt... Auf halbem Wege mußten wir ihn verlieren. 1/Äax Rosenfeld verschied den 13. Februar 1919 in Wien, wo er sich kurze Zeit .auflieft, um zur internationalen Sozialistenkonferenz nach Bern zu reisen. Wenige Tage später erreichte ihn auf dem Krankenbette die Siegesbotschaft, daß er als erster jüdischer Sozialist in die polnische Konstituante gewählt wurde. Nun hat er weder in Bern vor der Internationale das Leid des jüdischen Proletariates klagen, noch jemals wieder die jüdische Arbeiterschaft führen können. Uftax Rosenfeld gehörte, seitdem er denken konnte, zur jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion in Oesterreich und war gleichzeitig .einer der bedeutendsten Theoretiker der aufstrebenden nationalen Bewegung des jüdischen Volkes. War er doch einer von jenen wenigen Persönlichkeitein, die die Fähigkeit hatten, sich an die schwersten und verwickeltsten Probleme unseres Volkslebens heranzuwagen und Wege für-ihre Lösung zu suchen. Trotz seiner, jungen Jahre — er erreichte kaum die Mitte der Dreißig — hatte JÄax Rosenfeld die grundlegendsten Arbeiten über das Problem der jüdischen Autonomie geschrieben, die überall größtes Interesse fanden. Als einer der besten Kenner der Geschichte des Wirtschaftslebens des jüdischfcn Volkes in Polen,, war. er unentwegt bemuht, unsere nationalen Forderungen in Polen zu vertreten und den Weg für den praktischen Ausbau der nationalen Autonomie zu. finden, wie er dies so klar und deutlich , in meinem Buche „Die polnische Judenfra^e" zum Ausdruck gebracht hat. ' Es war ihm nicht beschieden, im großen Ideenstreite in ,der sozialistischen Internationale Stellung zu nehmen. Aus der reformistischen Schule kommend, wäre er vielleicht im anderen Lager, als wir, aber als ehrlicher Sozialist hätte er Sicherheit auch so dem jüdischen ßroletariate treu gedient. Als die Revolution ausbrach, fand sie ihn am Orte seiner militärischen Dienstleistung in Przerngsl und hier im Sturme der Revolution begann er zu verwirklichen, was er theoretisch begründet hatte: die jüdische Autonomie. Er war Führer des jüdischen Proletariates und stand bald an der Spitze des dortigen jüdischen Volksrates und der jüdischen Gemeinde, die als erste aus der reaktionären Kultusgemeinde zu einer modernen demokratischen Volksgemeinde umgestaltet wurde. Nun, da sich der Verwirklichung seines theoretischen Gedankens so viele Möglichkeiten zu bieten schienen, wurde er seinem Werke entrissen. Er war Vorsitzender der Parteiexekutive der Landespartei in Oesterreich und Mitglied des Verbandsbüros, des allweltlichen jüdischen sozialistischen Ärbeiterverbandes Poale Zion. Doch weit über die Parleikreise hinaus hatte er Freunde unter den jüdischen Sozialisten aller Richtungen. Rosenfeld vv"urde mitten im Kampfe, auF der Höhe seines Lebens stehend, von einem unbarmherzigen Geschicke uns entrissen. In der Stunde des Schmerzes lebt für uns nur der eine Trost, daß die Gedanken, für die er gelebt und gekämpft hatte, nun, da er nicht mehr unter den Lebenden weilt, einen mächtig ein Widerhall bei den jüdischen Proletariern aller Länder finden. AVANTGARDE! Eine Losung ists! Und ein Kampfruf, der von der Kopfseite des Zentralorgans des Organisationsbüros der Linken Poale Zion alle Gleichgesinnten und Kampfbereiten zum Sammeln ruft, zum Sammeln, mit bebenden Trommeln!... Avantgarde! , Das war die kleine Schar der Zielbewußten innerhalb unserer so stark geschwellten Weltbewegung,' Vertreter dreier Landesparteien, die der großen Verantwortung vor der Zeit, vor der fortschreitenden sozialen Revolution, vor dem jüdischen Proletariate der ganzen Welt, vor unserer großen, im Kampfe erprobten und bewährten Ideologie, vollauf bewußt, in der ersten Nummer ihrer „Mitteilungen", als einem Beiblatt unserer ^Freien Tribüne", zur Tat gerufen hat. Es war dar Vortrupp unserer großen Idee, der Idee der Verknüpfung des Schicksals und des Kampfes des jüdischen Proletariats der ganzen Welt mit der Vorkämpferin der Weltrevolutkm, der volkerbefreienden dritten Internationale. Und nun, da der Ruf aus tausenden Herzen jüdischer Arbeiter widerhallt, nun, da die Scharen sich sammeln, die Aufgaben sich mehren, der Rahmen, der die Massen der Gleichgesinnten umfaßt, immer weiter und weiter wird; da nun die /.Mitteilungen des Organisationsbüros der Linken Poale Zion" als selbständiges Organ, mit der stolzen Losung „Avantgarde" iu unseren Genossen und Freunden gelangen, nun wollen wir unserer Freude unverhohlen freien Lauf lassen, daß die so zuversichtlich gestreute Saat so kräftig in die Halme geschossen ist. (Wir waren stolz darauf, die große historische Aufgabe, die dem Organisationsbüro zufällt, auf unsere Schultern nehmen zu dürfen; stolz darauf, daß unsere „Freie Tribüne" ihre Spalten diesem Werk zur Verfügung stellen durfte. Wir werden auch fürderhin dem stolzen Kämpfer innerhalb unserer Weltbewegung zur Seite stehen und mit ihm unsere Genossen zum Siege unserer Ideen führen. Da er aber nun selbständig setee Aufgabe übernimmt, begleiten ihn unsere heiße» Wünsche. Immer in erster Reihe voran, möge die „Avantgarde" das Ziel der Lösung aller sozialen und nationalen Fragen des jüdischen Proletariates durc'is die Weltrevolution, an der Spitze der revolutionären jüdischen Arbeiterschaft erreichen. Die „Avantgarde" zieht in den Kampf, die „Freie Tribüne" bleibt iür zur Seite! Die Kontrolle der Produktion. *) In den „normalen" Zeiten der kapitalistischem Iferischaft ist die Arbeiterklasse ein Element der Produktion -wie die Maschinen. Es wird über ihre Verwendung iu der .Produktion bestimmt, sie hat aber über die Produktion nicht zu bestimmen. Selbst iu ihren kühnsten Träumen über die „Verfassung in uer Fabrik" dachten die Reformisten nicht daran. für die Arbeiterklasse die Mitbestimmung darüber *;u lordern, wie und was produziert wird. Sie erstrebten nur die Teilnahme der Arbeiterklasse an der Bestimmung über Lohn und Arbeitszeit, Arbeiterschutz, soziale Fürsorge und im besten Falle Mitbestimmung bei der Anstellung und Entlassung der Arbeiter. Und das Proletariat selbst empfand kein Interesse an der Gestaltung der Produktion. .Dem Schriftsetzer war es gleichgültig, ob er Bibeln oder pornographische Erzählungen druckte, und dem Textilarbeiter, ob er Stoff produziert zur Deckung der Nacktheit unraorelißcher Neger oder zur Entblößung der gepflegten Körper moralischer Damen. Seine Sorge war, möglichst hohen Lohn zu kriegen, um dafür einkaufen zu können, was or bedürfte. Jetzt liegt die Sache ganz anders. Wenn die Bergarbeiter Rheinland-Westphalens in kalten Baracken wohnen müssen,weil es an Kohle fehlt zum Brennen der Ziegel linden Bau von Bergarbeiterwohnungen, während Kohle genug vorhanden ist für die unsinnigste Luxusindustrie, für di» Kaffeehäuser und Kinos, so verstehen die Bergarbeiter, daß sie ein Interesse daran haben, zu kontrollieren, für -wem sie die Kohlen produzieren. Wenn die englische Bourgeoisie, um das Publikum gegen die Bergarbeiter aufzuputschen, di» Preise der Kohle um 6 Schilling pro Tonne erhöht, ohn» daß dies in den höheren Bezügen der Bergarbeiter begründet wäre, so verstehen diese, daß sie ein Interesse an der Preisfestsetzung haben. Wenn die deutschen Eisenbahner verantwortlich gemacht werden für den Ruin des Transportes, so haben sie ein Interesse, zu kontrollieren, wieviel neue Lokomotiven und Eisenbahnwaggons in den Dienst gestellt, wieviel alte in Reparatur gegeben worden sind, wieviel die Eisenbärone für den dazu gelieferten Stahl bekommen haben Wenn die Fabriken geschlossen werden aus angeblichem Mangel an Rohstoffen oder Bestellungen, so haben die Ar» beiter ein lebhaftes Interesse, sich zu überzeugen, ob e» sich hier nicht um Sabotage von Kapitalisten" handelt, dia die Produktion einstellen, um das Schäfchen ins Tro4ken© zu bringen, d. h. das Kapital ins Ausland zu schmuggeln. Und schließlich, wenn die Junker und Großbauern Lebensmittel verschieben,, während die Städte hungern, gleich'<*«Ui& aber dio Landarbeiter bei der geringsten Forderung nach Besserung ihrer armseligen Lage auf hartnäckigen'' 'Nfftterständ stoßen, daß sie genötigt sind, zu streiken,; woräul si« wioder für den Hunger der Städte verantwortlieh gemacht werden, haben sie nicht, hat nicht die große Mehrzahl der Bürger ein lebhaftes Interesse daran, daß die Landarbeit rxät'e die Verhälthisse der landwirtschaftlichen 'Fr&düttioa kontrollieren? Die hier angedeuteten Tatsachen zeigen erstens, nicht nur daß das objektive Interesse des Proletariats an der voUkqinmenen Uebersicht der Produktionsverhältni^e uehr groß ist, sondern aiieh, daß dem Proletariat dieses Interesse mit jedem Tage bewußter wird, zweitens, daß es iich dabei nicht nur ihn das Interesse - der Industrieprblet nier, sondern auch um das Interesse der überwältigendem« <Mehr« heit der durch den Krieg in arge Bedrängnis gor^Wne* *) Aus der Broschüre von Karl Radek: Die Entwicklung der Weltrevolution und die Taktik der kommunistischen Parteien im Kampfe um die Diktatur des Proletariats. Sammelt für den SO.OOO Kronen-Fonds der „freier» Tribüne".

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