Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 7 (14.2.1920)
- Date
- 1920-02-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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P/QOAfTAA/fA ^iwDEA V£AEW/Qf £ U Cm/ IIHijHli^ituiiiitiiiiiiiiftrifttMif fMiiurriiitNtnitiiMVfCiiiiftritiiiiftftiitiii vihunnuin imitniHfiiihniHiwin in if rimiirrn«iniififtypi^^ffrufiiiiitifiiniitiirifitiifiirit III TRIBÜNE Organ (Ter jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poaie Zion in Deutschösterreich Erscheint jeden Samstag REDAKTION UND VERWALTUNO: WIEN II, GLOCKENGASSE 6, Tür 17 Erscheint jeden Samstag Bezugspreis samt Zustellung: Ganzjährig K 24.—.....Halbjährig K 12.—.....Vierteljährig K 8.-.....Einzelnummer SO Heller II. Jahrgang Wien, 14. Februar 1920 Nr. 7 Das Organisationsbüro der Linken Poaie Zion erläßt folgenden Aufruf: enossen und Einige Wochen sind vorbei, seit wir unseren ersten Ruf an Euch ergehen Ihßws. •Wir wissen es: nicht überall konnte unser Ruf eindringen. Haben es doch jene finsteren Mächte, die nunmehr im Namen der kapitalistisch-imperlaEstischen ,,Gerechtigkeit" die Weit beherrschen, verstanden, die Länder gegeneinander abzusperren, daß keines vom anderen höre. Wir wissen es: nicht überall wird es jetzt schon leicht sein, unseren Ruf zu begreifen. Haben es doch die sogenanntein „Sozialisten" während der letzten Jahre für ihre erste Pflicht gehalten, die gegenseitige Verständigung der Arbeiter unmöglich zu machen, auch wenn sie dieselbe Sprache gebrauchen.; Und doch liegen uns jetzt schon Beweise vor, daß wir njicht wie der Prediger in der Wüste unseren Ruf hab^n ierschjaifen lassen. Efm starkes Echo der Sympathie und des Einverständnisses hiat' unser erster Ruf erweckt. Ueberall, wohin unsere Stimme dringen konnte, haben unsere Genossen ihr ernst gelauscht, und sie erkannten, daß es die Stimme des klassenbewußten, revolutionären Poalez<ionismus ist; viele haben sich schon jetzt unseren Reihen angeschlossen und stehen uns hilfreich zur Seite»'; -. ' ' i ' (ftllie Stimmseri unserer Genossen sagten uns, daß auch dort, wo man uns noch nicht gehört, ja selbst dort, wo man uns nicht verstanden hatte, hunderte und tausende Gehirne über alle Fragen der jüdischen und allgemeinen Arbeiter - Politik ebenso wie wir denken, hunderte unld lausende poaleziaaiistiscber Prol'etartertierzen in gleichem Takte mit unseren schlagen. \In Rußland, und in der Ukraina, ist nicht nur die Jüdische Kommunistische: Paitei~(Poale Zion) die stpfce; Trägerin) dies revpJutio;nären Poülezionismus. Auch die Jüdische Sozialdemokratische •' Arbeiterpartei .(PoW"'' Zion) 'ISeghiWt siüt* von ihrer Halbheit und Unentschiedenjheit zu befreien und erklärte auf ihrer - letztest Konferenz, daß sie nur dann dem Vierbandsbüro sich anschließe,, wenn diases a|us der II. Internationale austrete und seiner bisherigen opportunistischen Politik in allgemeinen und jüdischen Fragen ein Ende macht. Jn Litauen-Lettlan d hat die erste Parteikonferenz beschlossen der III. Internationale beizutreten und sich dem Verbandsbureau lediglich zu informativen Zwecken anzugliedern. Unter einem schweren, an den Zarismus gemahnenden Regime, trotz heftigster politischere Verfolgung, führt unsere litauische Brudarpartei als Teil des Organisationsbüros trotz heftigster politischer Verfolgung einen energischen Kampf für den revolutionären Gedanken innerhalb unserer Bewegung. > Entschlossen und zielbewußt tritt die deutschösterreichische Part 2 i für den Block der Linken Poaie Zion ein. Auch' in Galizien hat eine mächtige Bewegung für das O. B. begonnen und einige der stärksten. Organisationen haben ihre Uebereinstirnmung mit seinen Grundsätzen erklärt. in Amerika ist das „Sozialdemokratische Propagandakomiize" unserem ersten Rufe mit lebhafter Zustimmung gefolgt. Es hat uns verständigt, daß es mit uns in allen Fragen übereinstimvnt, und ist in eine regelmäßige organisatorische Verbindung mit uns getreten. In Palästina hat sich die wiedererwachte S o z i a ,1 i s t i s che A r b c ilerparte! (Poaie Zion) begeistert dem 0. B. angeschlossen und führt ein^n prinzipientreuen Kampf für die unverfälschten Methoden des Klassenkampfes. In Deutschland ist die Fraktionder „Linken" dem 0. B. beigetreten und hat die Arbeit für unsere Idee energisch in Angriff genommen. Die schweizerischen Genossen wirken mit großem Enthusiasmus für die Ziele und Aufgaben des 0. B. und helfen uns moralisch und materiell. ,Aus Rumänien erhalten wir soeben die Nachricht, daß die Partei in allen Fragen mit uns prinzipiell einverstanden ist und ihnen formellen Beitritt:;airn O. B. für die nächste Zeit in Aussicht nimmt. •, I <Aber auch dort, wo vorläufig noch dar Opportunismus die Oberhand behalten hat, auch dort mehren sieh; die Stimmen — wenn schon nicht für das O: ö. selbst, so doch für seine Aufgaben ufiid Ziele. M,l?in lese nur <die Wa rischauer „Noje Arbajter-Oajtuug"! Während die offiziellen Politiker unermüdlich auf der ersten Seite dieser Zeitung - und dies mit vollem Bewußtsein - die Tätigkeit des O. B. bekrittein und verdächtigen, büssen sie verdientermaßen ihre Handlungsweise auf den letzten Seiten des Blattes, in denen eine ganze Reihe bewährter und überlegter Genossen mit Energie unjd Ueberzeugungskraft die Ziele und Aufgaben verteidigen, die sich das O.-B. gestellt hat. ifllan lese den „jüd. Sozialist", unser Bruderorgan in Mähren und erkenne den gewaltigen Ruck nach links, den die politische Entwicklung der Bewegung in der Tschechoslowakei in der letzten Zeit gemacht hat. Zwar begreifen sie noch immer nicht die Notwendigkeit des O. B., doch richten sie an das Verbandsbureau die Forderung, endlich einmal die II. Internationale zu verlassen. JSo können wir mit Befriedigung konstaföeren, daß die große Idee der III., kommunistischien Internationale, für die wir kämpfen, innerhalb unserer Weltbewegung dauernd an Boden gewinnt und daß sich aus Zielen und Aurgaben des 0. B. der linken Poaie Zion mit wachsender Klarheit dje historische Notwendigkeit seiner Existenz erschließt. Pas Verbandsßüro aber, das sich der Bewegung immer nur nachschleppt, statt an ihrer Spitze zu marschieren; dieses Verbandsbureau aber, das es verabsäumt hat, die revolutionäre Entwicklung vorauszusehen, sich ihr voranzustellen und auf diese Weise einen Block, wie es das 0. B. ist, unnötig zu machen; das Verbandsbureau aber will weder die Aufgaben, noch auch die bloße Existenz des 0. B. anerkennen. Es wendet sich in einem Zirkular an alle Bruder parkte* und fordert sie auf, keinerlei Beziehlungen mjit dem O.-B. zu unterhalten. -Wach den ältesten Mjanieren unserer Voreltern verhängt das Verbandsbureau den Bann über das 0. B. und bildet sich ein, damit ebenso das O. B. wuediseidbei, die es verkörpert, vernichtet zu haben. {Am interessantesten ist dabei der. Umstand, daß das V. B. es nicht einmal für nötig erachtet, mit dem O. B. zu diskutieren, seiine eigene Weltanschauung der unseren, seinen Ausblick auf die weitere Entwicklung dem unsrigen, sein,£ Ansichten in den großen Fragen internationaler und jüdischer Arbeiterpolitik der unsrigen entgegenzusetzen. Wozu sich anstrengen? Wozu kämpfen, wenn man kampflos siegen kann? Man belegt einfach das' 0. B. mit dem großen Bajnn(. .". . . - bastal | [ < ' ■•; , j : ■; . IDie Genossen begehen aber einen schweren Irrtum1, wenn sie glauben, uns durch das Zauberinstrument einer Bannbulle loszuwerden. Nein, wenn sie der Ansicht sind, daß das O. B. überflüssig ist, so müssen s(j,e tun, was sie uns raten — frei agitieren, ihre Weltanschauung dler unseren, ihre Klassemkanipfmethoden den unsrigen entgegenstellen, den Genossen der Weltbewegung die Entscheidung für oder gegen uns überlassen. f; Damit die Diskussion, welche größte Objektivität und durchsichtige Klarheit nötig macht, nicht durch falsche Verdächtigungen, wie „Spaltunjgszentrale" und andere verdunkelt werde, erklären wir hiernit nochmals vor den Parteigenossen in aller Welt: ' ,Wir wollen die Einheit unserer Weltbetoegu-ng. Aber «Sie E inhielt jfür-. ii n $e re .sozi aListjische Idpee und nicht E(in;!h'eii an sich, die mit revolutionärem Sozi'alismu's keliihe' BerfuihTungr meto r hat.; Pas Organisationsbüro der Linken Poaie Zion ,(unter „Linke" verstellen wir alle jene, die auf dem Boden der III. Internationale stehlen) „stellt sich als Aufgabe: a) einheitlich und planmäßig dje Propaganda dqs (im Sinne der III. Internationale) kommunistischen Po aleziontslmus zu führen. ,! ' (; Wir halten es für unsere Pflicht, ebensowohl vor der Internationale als vor der jüdischen Arbeiterbewegung zu demonstrieren, daß der revolutionäre Gedanke der III. Internationale in unserer poa!lezionistischen Weltbewegung konkrete, greifbare Formen angenommen hat. Dem revolutionären Denken in unserer Bewegung wollen wir ein einheitliches Ziel setzen, die gerade Richtung weisen, damit eis fällig sei, auf die ganze Bewegung Einfluß m nehmen und Sie auf neue Grundlagen zu stellen. b) Alle linken Poaie- Zion-- Parteien und -Gruppen i a einem Block zu vereinigen, der sich auf den Boden urnd in die Reiften der III. Internationale stellen soll. Wir hauten es darum für unsere Pflicht, positive Taten auf dem Geriete internationaler und jüdischer Arbeiterpoliilik zu setzen, damit in der gegenwärtigen Epoche der proletarischen Revolution, der profezionistische Teil des jüdischen Proletariats an dein Kampfe für die Verwirklichung des Sozialismus aktiv teilnshlme. (Solange unser Weltverband formeil und offiziell mit allgeniein-jüdäsdren Institutionen verbunden und in der II. Internationale vertreten ist, erachtet es jdas „O.-B. der Linken Poaie Zion" als seine Aufgabe, der jüdischen und internationalen Arbeiterwelt klarzumachen, daß der revolutionäre Flügel unserer Weltbewegung jegliche Gemeinschaft mit alljüdischer Volkspolitik ablehnt und zugleich mit dem klassenbewußten, revolutionären, in der III. Internationale vereinigten Weltproletariat, einen rücksichtslosen Klassenkampf führt. Solange das Verbandsbüro gegen den Willen der Mehrheit unserer Weltbewegung in der zionistischen Organisation verbleibt, müssen wir, die linken Poale-Zion, zwischien uns und dieser offiziellen Politik einen dicken Strich ziehen; solange sich das Verbandsbüro der Hoffnung hingibt, zusammen mit der jüdischen zionistischen Bourgeoisie ein „sozialistisches" Palästina zu errejchian und zu errichten, sind wir gezwungen, erbarmungslos diese gefährliche Illusion zu zerstören und dem jüdischen Arbeiter klarzumachen, daß er nur, wenn er sich auf die revolutionäre Kraft des Weltproletariats stützt, das. außerordentliche Problem der jüdischen ArbeiteremigratSton im Interesse und im Geiste des sozialistischen jüdischen Proletariats wird zur Lösung bringen können. Solange das Verbandsbüro noch daran denkt, gemeinsam mit der nationalbewußiten jüdischen Bourgeoisie „nationale Rechte" zu erreichen und die nationalen Interessen der jüdischen Arbeiterklasse zu „verteidigen", müssen wir den jüdischten Proletariern beweisen-, daß sie nur danin in Wahrheit eine proletarisch-nationale Selbstverwaltung erlangen können, wenn das Weltproletariat für sich die volle proletarische Selbstverwaltung, die siegreiche proletarische Diktatur, erringt. Solange das Verbandsbüro jüdische Arbeiterpolttik gegen den Witten eines überwältigenden Teiles unserer Genossen nach iden Miethoden der II. Internationale macht, müssen wir, das „Organisationsbüro der Linken Poaie Zion1", jüdische »Arbeiterpolitik nach den Methoden der III. Internationale zu machen. c) alle linken Poaie Zion-Parteien und -Gruppejn in Verbindung zu bringen, um den Weltverband auf die fegten Grundlagen sozialistischen Klassenkampfes uw<i der III. I n,t ejr n a ti finale zu stellen.