Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 6 (7.2.1920)
- Date
- 1920-02-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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■I 44 FREIE TRIBÜNE SEITE 3 AUS DER INTERNATIONALE. Friede für Sowjatrußland. Die russischen Arbeiter haben den Herbststurm der russi^-cr; und europäischen Konterrevolution, der von der gan- Ve: kapitalistischen Welt mit Jubel begrüßt wurde, abgesebtoaen. Die Offensive Judeniischs auf Petrograd endete mit ^j,,.,." vollen Niederlaffe. Der Vormarsch Denikins auf MosvcrwandeKe sich in einen Rückzug, auf dem saine uti:;€ii Garden immer mehr zerfallen. Die Arme? Koltschnks jSf gewesen. Der von der Entente begrüßte Vertreter Rußland« befindet sich jetzt hinter dem Baikalsee, umgeben von ((er brandenden Revolution, verfolgt von den roten Truppen. Di Milliarden, die die Entente aus den Taschen ihrer Völker zur Wiederaufrichlung des Kapitalismus geopfert hat, sin.: dank d(em Heroismus, dem Opfermut der russischen -\ri erferschaft, dank der beispiellosen Energie der russischen Smvieiregierung nutzlos verpulvert. Trotz des schärfsten DnrJces der Entente sind die kleinen Randstaaten, ihre bisiicnaen Vesallen, genötigt, mit SowjetruBland zu verhandeln. Ju. Lloyd George selbst, der Häuptling der Oligarchie, die heute England beherrscht, ist genötigt einzugestehen, daß Sovnctrußland mit dem Schwerte nicht zu vernichten ist. Di. Blockade mußte aufgehoben, die Handelsbeziehungen aufgenommen werden. Mit Freuden begrüßt die revolutionäre Arbeiterklasse der oanzen Weit den Siegeszug des russischen Proletariats, aber "gleichzeitig gilt es festzustellen, daß, wenn es der Konterrevolution nicht gelungen ist, die russische/1 Arbeiter wic-Jer ins Joch zu zwingen, dies nur das Verdienst der rutschen Arbeiter ist. Die europäische und amerikanische Arbeiterklasse war bisher nicht nur niicht imstande, dem rutschen Proletariat in seinem Kampfe um den Sozialismus rw>itiv zu helfen, sondern sie war bisher sogar nicht irnsta'i'ie, ihre eigenen Regierungen zu zwingen, auf die Untersümmg der Konterrevolution wirklich zu verzichten, und der Frieden mit Sowjetrußland zu schließen. Es unterliegt qj?r keinem Zweifel, daß in den Massen der revolutionären .Arbeiter der ganzen Weit das Gefütil der Solidarität mit Sowietrußland wächst, daß das Bewußtsein wächst, daß sie nur ihre eigenen Interessen verteidigen, wenn sie die Weltrevoluiton verteidigen. Dieses Bewußtsein dringt sogar den Arbeitern durch, die keinesfalls auf dem Boden des Kommunismus stehen. Aber leider gelingt es noch immer der, Führern der opportunistischen Arbeiterparteien, die Arbeiterklasse von dem revolutionären Kampfe zurückzuhalhallen, der allein imstande ist, den russischen Arbeitern wirklich zu helfen. Die deutschen Arbeiter haben sich mit hingen Wortprotesten begnügt, als deutsche Söldner versucht haben, eine Basis für den Angriff auf Petrograd in den Obtseeprovinzen aufzubauen, und nur der Angst des Entente- Imperialismus, daß das Baltikum zu einer Verständiigungsbrficke zwischen der deutschen und russischen Konterrevolution werden könnte, ist es zu verdanken, daß die deutschen Sc.Idner keine Rolle bei der Offensive JudenAtschs gegen Pcfcpoqrad gespielt haben. Die französischen Arbeiter haben bisher nur durch den, Wahlzettel und durch Demonstrationen gegen die wiederholten Erklärungen Clemenceaus protestiert, der den Krieg gegen Sowjetrußland bis zur Ausrottung der russischen Revolution proklamiert hat. Die englischen .Arbeiter erlauben ihren opportunistischen Führern immer wieder, jeden Kampf gegen die englische Intervention in Rußland zu verschieben, immer wieder ließen sie sich von diren Führern mit Worten vertrösten. Es gilt, diese Tatsache zu konstatiere'«, sie die große Gefahr für SowjetruBland wie für die Arbeiterklasse aller Länder bifd e t Es wäre leichtsinnig, über der Freude über die Siege der russischen Arbeiterklasse aus dem Auge zu Tassen, daß Sowietrußland sich immer noch in der großen Gefahr befindet. Im Westen stört die Enteiitediplomatie die Friedensverhandlungen Sowjetrußlands, mit den kleinen Randstaaten, indem sie diese durch ihre Agenten mit wirtschaftlicher Blockade bedroht. Frankreich hetzt die Polen zu einer Frühjahrs© ffensive gegen SowjetruBland auf. Im fernen Osten finden Verhandlungen zwischen den Veremügten Staaten Amerikas und Japan über eine neue Intervention in Sibirien statt. England unterstützt immer noch Denikin und lehnf immer noch Friedensverhandlungen mit SowjetruBland ab, wodurch es sich freie Hand läßt, im Frühjahr von neuem die russische Konterrevolution zu «unterstützen. Wir sind überzeugt, daß auf die Dauer alle diese militärischen Aktionen sich afs Abenteuer erweisen weräen. Clemenceau mag bereit sein, den Krieg gegen die russischen Arbeiter bis zum letzten polnischen Arbeiter und Bauer zu führen, aber die wirtschaftliche Lage Polens, die ungeheure Not seiner Massen, macht es sehr fraglich, ob die polnischen Arbeiter und eine gelungene Schöpfung des Dichters ~ trägt Zücje jener „problematischen Naturen", die bei uns nicht gerade populär siiwi: blasierter Indefferentismus, chaotische Zerfahrenheit ist sei.i Wesen; das ihm geläufige Wort: „es plontert sich" kann für ihn als Lebensdevise gelten; er weiß weder wozu er qckommen, noch wozu oder wohin er wegfährt; er ist innere Ziel- und Sustemlosigkeit — Chaos — eben: „es plcutert sich." Ironie und teuflisches Spielen mit fremdem und eigenem Leben sind ihm nur übrig geblieben; es ist ein feiner Zug der Dichtung, daß er keinen Namen erhält: die Namenlosigkeit entspricht seiner Inhalte- und Richtungslosigkeit; er heißt „Freund", könnte aber Ebensogut „Feind" heißen. Daß auch dieser Zerfahrene in die Sgnagoge mit ckm Herzensschrei: „Schuldig!" kommt, ist nicht glaubhart genug. — Auf der Bühne kann diese Gestalt nur von einer spezifischen schauspielerischen Individualität ganz bewältigt werden. — Ferner Asja — das leidvolle jüdische Mädchen — erhält allmählich unter den Händen des Dichters das Gesicht jener „Teufeline" der Weltliteratur, die man seit Schönherr „Weibsteufel" nennt. „Ein wildes Tierchen" — nennt sie sich selbst — das die Waldireiheit braucht. Eine Mäunerfresserin — nur selbstquälerisch und wider Willen: „Ich weiß nicht, so bin ich, bei mir wird aus allem nichts." Es muß freilich dahingestellt bleiben, ob in der Tat jene? Heimlosigkeit, Selbstentfremdung und Zerrissenheit, die den Konflikt unseres Dramas begründen, gerade der Nährboden dieses Frauentypus sind. Die Aufführung selbst war sauber vorbereitet und zusaminengespielt, alle Darsteller der „älteren Generation" auch durchaus und ohne Ausnahme auf der Höhe ihrer Aufgaben; wir möchten unter ihnen nur den jungen Schauspieler Herrn •Viondelssohn namentlich erwähnen, der die Episodenrolle des „Juden'* mit sicherem Geschick gab und auf dem Theaterzeitel ungenannt blieb. Von den Verkörperern der „jungen" scheint uns leider nur Frau Weintraub-Graf den richtigen Ton gefunden und ihrer Aufgabe entsprochen zu haben. Der Schlußakkord der Dichtung ging verloren. — Die Architektonik des Synagogenarrangements überstieg etwas clitnensknial die gebotene Proportion: das tote Gebäu ließ die lebendigen Menschen nicht ganz zur Wirkung kommen. Dr. ] e s e k i e 1 L i r s c h ü t z. Bauern keinen Strich durch die Pläne und Wünsche des französischen Finanzkapitals machen werden. Japan, das nach dem Zusammenbruch des deutschen und russischen Imperialismus vollkommen isoliert Amerika gegenübersteht, kann nicht große Kräfte in den Kampf gegen" Sowietrußland einsetzen, und wenn es sich dazu entschließen würde, so ist es sehr schwierig, den Kampf über ganz Sibirien hinweg zu organisieren, wo dem japanischen Eindringling nur eine ruinierte Eisenbahnlinie zur Verfügung stehen würde. Auf Englands weitere Einmischungen in die Angelegenheiten des russischen Volkes wird die Sowjetregierung imstande sein zu antworten durch die Organisation des Kampfes der aufstehenden orientalischen Völker gegen den englischen Imperialismus, für den, wie die Ereignisse in Aegypten, Indfien beweisen, der Boden immer günstiger wird. Aber wenn es keinem Zweifel unterliegt, daß SowjetruBland nicht daran denkt, die Waffen zu strecken, sondern bereit, für den Frieden große Opfer zu bringen, gleichzeitig bereit ist, sich mit allen Mitteln zu verteidigen, üo unterliegt es keinem Zweifel, daß seine Verteidigung ungeheure VJpfer erfordert und das wirtschaftliche Leben von SowjetruBland immer mehr desorganisiert. Diese Desorganisation des Wirtschaftslebens i'i Rußland verurteilt nicht nur die Volksmassen zu ungeheuren Leiden, sondern sie bedroht den Sieg der europäischen Revolution. Die russischen Rohstoffe und Lebensmittel sind für die hungrigen Arbeiter Europas notwendig und sie werden noch notwendiger in dem Moment, wo die Arbeiter irgend eines europäischen Landes im Kampfe gegen ihre Kapitalisten siegen werden. Dann wird das englische und amerikanische Kapital, wenn es sich noch an der Herrschaft befindet, jedes neue Land, wo das Proletariat siegt, durch Hunger zu erdrosseln versuchen, der in den alten kapilaltetishchen Ländern mit ihrem Uebergewicht der industriellen über die landwirtschaftliche Bevölkerung noch ganz andere Dimensionen annehmen wird, als in Rußland. Aber nicht nur aus diesen Gründen, sondern aus dem einfachen Grunde, daß jeder Groschen, den die kapitaisltischen Regierungen zur Unterdrückung der russischen Konterrevolution anwenden, aus den Arbeit er taschen geholt wird, die ungeheure Kriegslast vergrößert, daß indes die kapitalistischen Klassen Europas sich zur Niederwerfung der russischen Revolution rüsten, sie gleichzeitig die Waffen zur Niederwerfung der eigenen Arbeiterklasse schmieden, handelt es sich bei der Unterstützung der russischen Revolution um die direkten Lebensinteressen der Arbeiter aller Länder. Es gilt bei jedem Kampfe, den die Arbeiter in Europa und Amerika führen, bei ihren ökonomischen Streiks, wie politischen Demonstrationen den Frieden mit SowjetruBland zu fördern. Es gilt, die Verschiffung der Munition und der Soldaten nach den russischen Häfen zu verhindern, es gilt in allen Ländern Demonstrationen für den Frieden und die Wiederaufnahme der diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Sowjetrußland zu fördern. Es gilt den Arbeitern in allen Ländern zum Bewußtsein zu bringen, daß sich ihre Führer von den Regierungen mit hohlen Worten und Versprechungen abspeisen lassen, und dies bewußt tun, um den wirklichen Kampf zu vermeiden. Wir appellieren au alle kommunistischen Parteien, wie an alle Arbeiterparteien und Gruppen, denen die Sache der Weltrevolution teuer ist: Die Kampagne für den Frieden mit SowjetruBland während der Wintermonate in der energischesten Weise zu führen, sie keinen Augenblick einschlafen zu lassen, sie mit jedem Kampfe zu verbinden, den die Arbeiterklasse führt. Sowjetrußland muß im Frühling seine Felder in Ruhe bebauen können, seine Fabriken aufrichsien; können. Diese Losung darf nicht verstumme«, siemuB den kapitalistischen Klassen aller Länder in die Ohren gellen. Sie muß den Regierungen durch Schläge eingebläut werden, die immer beweisen, daß die Sache Sowjetrußlands die Sache der Arbeiter aller Länder ist. Westeuropäisches Sekretariat der Kornmunistischen Internationale. DieErnährungsverbältnisseRätenißlands3). Im letzten Jahre haben sich die Verhältnisse in Rußland stark geändert. Die negativen, zerstörenden Kräfte der Revolution, die bisher fast ausschließlich am Werke waren, haben nach und nach schaffenden Elementen zu weichen begonnen. Wenn auch Sowjet-Rußland nach außen noch immer dasselbe Bild der Zerstörung bietet, mangelt es nicht mehr an Anzeichen und Vorboten neuer wirtschaftlicher und sozialer Aussichtspunkte. Nach wie vor steht die Approvisionierungsfrage;rn Vordergrunde des Interesses, als das brennendste Problem, dessen Einflüssen sogar die Militärpolitik unterworfen ist. Der immer nüchtern Denkende, immer offenherzige Lenin hat des öfteren in seinen Reden hervorgehoben, daß die strategischen Ziele Sowjet-Rußlands durch die Ernährungspo- , lilik diktiert werden, der Lauf nach der Ukraine, nach Sibirien und Turkestan ist auch in erster Reihe „ein Kampf ums Brot". Kein Wunder, daß auf die Ernährungspolitik die größte Aufmerksamkeit der Regierung gerichtet war und daß der Approvisionierungsapparat mit der größten Sorgfalt ausgebaut wurde. Es wurden zu dieser Arbeit die Vorstände der professionellen Vereine, die Kooperativen und die Fabr;kskomitees herangezogen. An Stelle der vorher herrschenden Zersplitterung, der verschiedenartigen kooperativen Vereinigungen ist ein einheitliches Organ, „Die einheitliche Gebrauchskommune" geschaffen worden. Sie ist nicht mehr eine Abteilung des Rates mit von. oben bestimmten Arbeitern und Angestellten, sondern eine autonome, von der ganzen Bevölkerung (insofern sie nach der Räteverfassung stimmberechtigt ist) J frei gewählte Institution, die "bloß der Kontrolle des Kommissariates für Volksernährung unterstellt ist. Allenfalls Defindet sich Rußland, was die Approvisioriierung anbelangt, in einer sehr schweren Lage. Wenn aber im Jahre 1918 die Bevölkerung mit zeitweiligen Ausnahmen in Moskau — aus Regierungsquelleu überhaupt nichts erhalten hat, so erstreckt sich jetzt die Tätigkeii des Ernährungskommissariates fast über das ganze Land und die Bevölkerung wird versorgt, wenn auch das zugewiesene Quantum noch äußerst spärlich ist. Es sind noch gewisse legale, von der Rätemacht sanktionierte Palliativmittel vorhanden, die teilweise die Lage erleichtern. Alle professionell zusammengefaßten Arbeiter und sogar die Hauskomitees**) * sind berechtigt, von Zeit zu Zeit durch Bevollmächtigte nichtrauonierte Artikel, wie Erdäpfel, Gemüse, Früchte, Honig, Käse usw. einzukaufen. Die *) Wir entnehmen diesen interessanten Bericht einem Artikel vonErem in unserer Warschauer Bruderzeitung ,,Naje Arüejterzajtung". **)jln allen größeren Städten werden die dichtbevölkerten Häuser durch von sämtlichen Einwohnern gewählte Hauskomilees verwaltet. Regierung ist ihnen dabei durch ihren Einkaufsapparat und durch Erleichterungen beim Transporte behilflich. Außerdem wurde im letzten halben Jahre zweimal der Bevölkerung die Erlaubnis erteilt, für jedes Familienmitglied je iy.> Pud Getreide ans den „satten" Gouvernements einztiführen. Die F<-.Lrik.s~ und Berufskoriiifees haben im ur.r« des Sommers d.en Arbeitern Urlaube zum Einkaufe von Erdäpfeln 7.n festen Preisen im Symbirsker Gouvernement ei-teili. Es ist klar, das dies keine radikalen Reformen, sonder* bloß Hilfsmittel sind, denen es nicht an Nachteilen mangelt. So haben diese „Hamster" nicht nur die Transportverhältnisse erschwert, sondern auch spekulative Preissteigerungen verursacht. Doch vom Standpunkte Lenins, vom Gesichtspunkt* des „Gebrauchskommunismus" ist es eine Art Atempaus* im schweren Lebenskampfe. Es ist selbstverständlich, daß die leqalen Weae nicht die einzigen sind, auf denen die Bevölkerung ihre Badürfnisse zu decken bestrebt ist. Der maßgebende Produzent, der Bauer, bringt seine Produkte lieber auf den freien Markt, wie in die Verkaufsstellen der Regierung. Die Spekulation mit Lebensmitteln ist daher sehr groß und ihre Bekämpfung sehr schwer und oftmals erfolglos. Ungeheuer entwickelt ist das pudweise abschmuggeln von Lebensmitteln von einem Orte zum andern, welches voa den Bauern dem Grundsätze „je größer der Hunger, desto höher der Preis und je höher der Preis, desto besser für uns'', gemäß allgemein betrieben wird. Die schweren Approvisionierungsverhällnisse haben die Rätemacht auf den Gedanken gebracht, Kategorien von Konsumenten zu schaffen. Es war dies eine selbstverständliche, wenn auch unbarmherzige Regung des Selbsterhaltungstriebes einer lebensfähigen, lebensdurstigen Gesellschaft. In erster Reihe mußten die Sch äffenden, die Nützlichsten, die, denen die Zukunft gehört, gerettet werden: der Arbeiter, der Soldat, das Kind. Es sind daher in die erste Kategorie einaereiht worden: Fabriksarbeiler, verantwortliche Beamte der* Räteregierung, die. ohne Entlohnung Ucberstunden leisten, Alütter von drei oder mehr Kindern, die ohne bezahlte Hilfe die Hauswirtschaft besorgen, ferner Schwangere vom sechsten Monate, angefangen und Kinder bis zum lo. Lebensjahre. In die zweite Ernährungskalegorie wurden alle Beamten der Räteregierung, Arbeitslose und die in freisu Berufen tätigen eingereiht, bis auf die Lehrer, die in der letzten 'Zeit in die erste Gruppe versetzt wurden. Der dritten Kategorie endlich wurden alle Anderen, die keine produktive Arbeit leisten, zugeteilt. Das Kommissariat für Volksernährung hat seine besondere Aufmerksamkeit auf die Ernährung der Kinder gerichtet, denen es besondere Kinderzubussen in Milch, Schokolade, Käse, Butter, u. dergl. zugewiesen hat. Alle Schulen, Kinderheime und -Gärten bekommen für ihre Zöglinge das Frühstück und Mittagessen kostenlos. Vom Letzten und Besten wurde für die Kinder abgesperrt. Im vorigen Jahre wurden für die Schulen gewöhnlich Brot, Butter, Honig, Käse, oder — für warme Mahlzeiten — Linsen, Fleisch, Graupen, Erdäpfel, ja sogar Geflügel, ausgegeben. Viel schwieriger und mit viel kleinerem Erfolge konnte die Unterabteilung für gesellschaftliche Ernährung ihre Tätigkeit entfalten. Zwar haben sich die Küchen der Räteregierung in den großen Städten nach und nach zu den einzigen Ausspeiseslellen entwickelt, die Qualität des ihnen gebotenen hat mit ihrer großen Verbreitung keinesfalls Schritt gehalten. Das Essen war spärlich, wenig nahrhaft, die Wirtschaft nachlässig und oftmals sehr schmutzig. In der letzten Zeit sind fast in allen Betrieben eigene Küchen gegründet worden, deren Leitung die Angestellten selbst übernommen haben. Diese Küchen erfüllen ihre Aufgaben bedeutend besser, was auf die gesellschaftlichen Anstalten nicht ohne Wirkung bleibt. Seinen Grundsätzen nach sollte das Kommissartat für Volksernährung ganz allein die Zustellung und Zuteilung der Verpflegung für die ganze Bevölkerung besorgen. Das Bezugskartensystem erstreckt sich daher nicht nur auf die notwendigsten Gebrauchsartikel, wie "Brot, Zucker, Fleisch, Salz usw., sondern auch auf andere Produkte des ausgedehnteren Verbrauches wie Manufaktur-, Galanteriewaren, Seife, Schuhe usw. Es sind dies zum größten Teile Vorräte der nationalisierten Geschäfte und Maga.?rne. In der letzten Zeit erscheinen auch schon Artikel der neuen „Räte- Produktion": Seife, Schuhe, Kleider... Die alten Vorräte sind leider schon zum großen Teile erschöpft. Das Meiste geht aufs Land als Tauschmittei, ein Teil ist durch schwindlerische und spekulative Machinationen von Räteangestellte* auf den verbotenen freien Markt geschmuggelt worden. Die neue Produktion ist noch klein, so daß die Versorgung der . Bevölkerung sehr erschwert ist. In erster Reihe werden die Arbeiter und andere Elemente der „ersten Kategorie" versorgt. (Schluß folgt.) Betriebsräte in der Schweiz. Auf Antrag der Sozialdemokraten wurden die Betriebsräte „verankert''. s\ Angesichts dieser „Verankerung", die ein Ventil für den Drang der Massen zum Rätesystem sein soll, hat die K. P. S. heftig den Kampf und die Propaganda für die Schaffung von politischen Arbeiterräten aufgenommen. AUS DEN ARBEITERRÄTEIV Neubau. Mittwoch, den 28. d. fand eine Vollversammlung desB. A. R. VII statt, in der Gen. Müller (ö. D.) über die Vertrauensmännerkonferenfc berichtote. In der Debatte deckte Gen. Toman (Komm.) die Taktik der Sozialdemokraten und der Gewerkschaftsführer auf, welche den Arbeiterrat abbauen und an seine Stelle eine „Arbeiterunion" einsetzea wollen. Er sprach dieser Konferenz jede Kompetenz ab utid forderte das revolutionäre Proletariat auf, für die alleinig© Kompetenz des Kreisarbeiterrates zu kämpfen. Der Sprecher unserer Fraktion, Gen. Gerber, wies entschieden, die Absicht, die Kompetenz des A. K. auf eüxe derartige Konferenz zu übertragen, zurück. Er betonte, daß einzig und allein dem Arbeiterrat, in dem alle Richtungen des gesamten Proletariates vertreten sind, die Kompetenz zusteht, den 'Willen des gesamten Proletariats kundzutuu. Er bespricht sodann die Vermögensabgabe und weist darauf hin, daß das Proletariat seinen Lohn in der Form von indirekten und direkten Steuern dem Staate abgibt, wie z. B. durch die tägliche Erhöhung der Lebensmittel- und Bedarfsartikelpreise usw., während die Kapitalisten, durch die Unzulänglichkeit der Devisenzentrale, ihr Kapital ins Ausland bringen und sich, sojru't mit einem großen Teil ihres Vermögens der Vermögensabgabe entziehen. Er fordert die einmalige, radikale, sofortige Durchführung" der Vermögensabgabe, ohne Rücksicht auf die Koalitionsregierung. Er fordert, daß die Durchführung der Vermögensabgabe durch den A. R. vorzunehmen, sei. Huf den Tissta eines jeden jüdischen Äriaeiter und Angestellten geliert die „Freie Tribüne".