Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 4 (24.1.1920)
- Date
- 1920-01-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Freie Tribüne Seite 3 welchen Rohstoffen die russische Räterepublik durch die Bemühungen der gegenrevolutionären Soldateska und dahinter ihr stehenden Entente abgeschnitten ist. I (Schluß folgt.) Aus der Internationale. Die Siege der Noskiten. Die konterrevolutionäre Bestie in Deutschland feiert Triumph auf Triumph. Alle Errungenschaften des Proletaxiates seit der Novemberrevolution 1918 werden schrittweise den erbitterten Massen entrissen. Es mehren sich die Opfer, die revolutionären Erhebungen werden im Blute erstickt und was auch das a b s o 1 u,t i s t i s c h e Regime des G ot t esgTi ad e n t u m s nicht zu tun wagte, das vollbringt tollkühn die bewaffnete Maffia Noskes und der rcclrtssozia* listischcn Henker der Revolution. Er stellt das ganze Land unter Ausnahmegesetz, beschlagnahmt und verbietet das Erscheinen ,,bis auf weiteres" allen wahrhaft sozialistischen Blattern. Und nun setzt er seinem wahnwitzigen Wüten die Krone auf: er verhaftet alle Führer des sozialistischen Proletariats Deutschlands. Auf den Straften die. Leichen der Märtyrer der proletarischen Revolution, die Gefängnisse überfüllt mit den Kämpfern und Führern, das Bürgertum, die Junker, die Reaktion in Waffen, das ist das Bild Nosfcc* Deutschlands nach Außen. Und im Inneren bebt das Grollen des kampfbereiten Proletariates. Dort wird die fetzte Kugel gegossen für Noske, den Henker, und seinen Freundeskreis, die Verräter. Mit ihnen wird die letzte Machtposition der Reaktion fallen, die die deutsche Revolution von der siegreichen russischen trennt. Der weiße Terror der Polen in Litauen. Die Polen führen in dem von ihnen besetzten Teile Litauens ein Sehrcckensrcgimcnt, das lebhaft an die Taten der ungarischen Henker erinnert. Unser Warschauer Bruderorgan ,,Naje Arbajicr Cajtung", veröffentlicht folgenden Brief, der dem Abgeordneten Geuossen Dr. Schipper von politischen Gefangenen verschiedener sozialistischer Parteien aus dem Minskcr Gefängnis zugegangangen ist: i Genossen! Erreicht Euch denn nicht der Verzwcif* hrngsschrei Eurer Genossen, die in den polnischen Gefängnissen in 'Minsk schmachten?.iWißt Ihr nichts von Wen grausamen Taten, die gegen Eure verhafteten Genossen begangen werden? pder 'wißt; Ihr vielleicht doch, aber J'hr: habt keine Möglichkeit, irgend .welche Maßnahmen zu ergreifen? Allabendlich werden die Räume des Minsker Spionagedienstes in ein Schlachthaus verwandelt. Die politischen Verhafteten werden wie Schafe gebunden. Hände und Füße zusammen, und sie werden auf bloßen Leib mit cisj^rneri_Jlute^^ötd«rialdi gurscWagCT). Damit sie "' nicht schreien, wird ihnen der Mund mit Tüchern ver^= bunden. Audi Frauen werden mit Ruten auf bloßen, Leib geschlagen. Kranke und schwache Frauen werden in kalte und finstere Einzeikam'mem eingesperrt. Wenn der Abend 'anbricht, wird die Stimmung: unter den Ver^ hafteten aufgeregt, denn niemand weiß, ob nicht heute ihn das Schicksal treffe^ wird. Genossen! Organisiert eine Protestaktion, damit die breitem Massen ihren Zorn gegen die an ihren verhafteten Genossen begangenen Gewalt; taten zum Ausdruck bringen. Verliert keine Zeit, denn Zeit kostet Opfer! (Folgen mehrere Unterschriften.) P. S. Wir legen einige blutgetränkte Tücher als Beweis bei. Sorgt dafür, daß alle sozialistischen Zeitungen unseren Hilferuf zum Abdruck bringen! Das Berliner Organ der U. S. P. IX Freiheit" fügt dem nachstehende Darstellungen der Bestialitäten der kontcr* revolutionären Armeen Polens air. Nicht nur hinter Gefängnismauern vollziehen sich dieescgrauenhaften Akte. Wie die jüdische Bevölkerung gepeinigt wird, geht aus einer Interpellation der jüdischen Stadträte der Wilnaer Stadtverordnetenversammlung vom 13. Dezember 191() hervor. Darin wird berichtet, daß am Dienstag, den 6 (.Dezember, am hellen Tage gegen 60 Juden, junge und alte, d u r dh g e p c i f. s c h i wurden. Es handelte sich' um jüdische Träger und Fuhrleute, also einfache Arbeiter. Man umzingelte die Leute an ihrer Arbeitsstätte plötzlich, trieb sie mit Gewaft eine Strecke wc'jt fort bis zu den Kasernen. Hier wurden sie einzeln vorgenommen. Je der mußte sieh auf eine B a u k I e g c n, einer der Wüteriehe setzte sich auf den Kopf, ein anderer auf die Füße und zwei .schlugen mit P e i t s c h e n und Stöcken a ti f d i e w ehrlosen Opfer ein. Audi beim Weggehen wurden die Leute <j es ch lagen. , < Diese barbarischen Rohheiten sind in den Gebieten LU tauetrs und Weißrußlands, die von den Polen an sieh' ge* rissen sind, Jan der Tagesordnung. Sie richten sich besonders, gegen Juden und Sozialisten. Alles geschieht mit stiller. Billigung der Behörden, ganz wie in Ungarn. Was tat 7'. Bder Stadtrat in WShia? Er leitet beileibe keine Untersuchung ein oder'macht etwa die Schuldigen namhaft und führt sie ihrer Bestrafung zu. Nein, er entsendet eine D e I e g'af i o n an die h ö h e re Behörde. Was das auf sich' hat, geht aus der Behandlung hervor, die diese Dclegation erfährt. Als sie sich beim polnischen Hauptkommaudierenden der litauisch=\veißrussischen Front vorstellte und ihm über die erwähnten Vorgänge sowie über eine die jüdische Bevölkerung im höchsten Maße verletzende Revision in der großen Wilnaer Synagoge .berichtete, bei der sogar Aufgrabuhgcn im Innern der Synagoge vorgenommen wur~ den, fragte der General der Delegation, ob sie sonst was zu berichten habe, und als er darauf eine verneinende Ant* wort erhielt, entließ er die Deputation ohne Ä n t w ort. Das ist die, Blut= und Gewaltpolitik der polnischen Junker, die von einem maßlosen Machtwalmsinn besessen sind. Eine Willkürherrschaft sondergleichen breitet ihre Schrecken über das Land. Juden und Sozialisten sind Freu wild. Aber die Aeußcrungen der rohen Gewalt, die Hetze gegen Juden und Sozialisten sollen das polnische Proletariat ablenken von seiner traurigen materiellen Lage. Denn in diesem von Ententegnaden konstruierten neuen Polen, für dessen Blutregiment, ebenso wie in Ungarn die Machthaber in Paris und London die volle Verantwortung tragen, Produktivität der Eisenbahnwerkstätten ging ununterbrochen 7.v,rcdk. Im Frühjahr dieses Jahres traf das Volkskommissariat fiix Verkehrswesen eine Reihe von Maßnahmen zur Steige* rur,.fc der Produktivität in den Eisenbahnwerkstätten. GMchzeitig ertönte aus den Reihen der gewerkschaftlich ozonisierten Arbeiter der. Ruf „Alles für den Trans^ poft!". Die dem Eisenbahntransport. dienenden Unterneh* mraigcii wurden mit qualifizierten Arbeitern besetzt. Die kommunistischen Organisat-onsgruppen organisierten die sogesinnten .Samstage", d. h. nicht entlohnte Ucberstunden. im .lenen ein Muster Jmher Arbeitsleistung ge^ bren wurde. Das Resultat dieser Samstage blieb nicht mo In der Zeit, vom I-, Mai bis zumi I. Jitiyi erhöhte sico' die Zahl der betriebsfähigen Lokomotiven um 4.1 Pro-- zer-t. die Zahl der Lokomotiven, an denen die normalen Reparaturen vorzunehmen waren, verringerter sich um' 8.6 Pro^ /.eir?. die Zahl solcher, die einer geldlichen Instandsetzung iiroerworfen werden mußten, um 3 Prozent. Von dem gcsarrfen Lokomotivbestand befanden sich in Reparatur oder .harrten ihrer Instandsetzung am J. Alai 52.5 Prozent, am 1. Juni inur noch 46.6 Prozent Das gleiche Bild ergeben die zaWeumafiigcn Angaben über die Reparatur der Güterwagen. D--.r Bestand der betriebsfähigen Wagen erhöhte sich in dem gleidten Monate um 10.5 Prozent, die Zahl der in Reparatur befindlichen Wagen verringerte sich um 3.9 Prozent; die yjr.l der instandgesetzten Wagen erhöhte sich um 38 Prozent. Berücksichtigt man, daß die im Monate Mai eingetretene Heuerling keine zufällige war, sondern nur die in den Moriateti sich bemerkbar machende Tendenz in ausgeprägt i.c:x Form zum Ausdruck gebracht hat, so läßt sich mit .Bestimmtheit sagen, daß auf dem Gebiete der Instand- Setzung des Eisenbahntransportes, wenn auch keine völlige -Gesundung, so doch ein wesentlicher Fortschritt erzielt worden ist. Eine Bestätigung hiefür findet man auch in den Betriebs* unterlagen der für (las Transportwesen tätigen Werke. So bewerkstelligte beispielsweise die baltische Fabrik in der Zeit vom 1. Juni bis 1. Juli die Instandsetzung von zwei Lokomotiven und 252 Güterwagen, cl. h. sie erfüllte 10Ü Pro* ^t'.rt ihres Programmcs. Einen hohen Grad .von Leistungs* Bbigkcit hatte auch die Fabrik für Signalvorrichtungen .zu: verzeichnen, die im Monate Juli 97 Prozent der übervr-veneu Arbeiten bewerkstelligte. Ein anderes Beispiel bietet die Instandsetzung der Flußfaiirzeuge für die Schiffahrtsperiode 1910. Trotz der äußerst schwierigen Schiffahrtsverhältnisse verstand es die Verwais tung; des W'oigagcbiexs gestützt auf die Gewerkschaft der irrt Wassertransportwesen beschäftigten Arbeiter, eine Flotte von ungeheurer Trag* und Leistungsfähigkeit •fertigzustellen, tegesamt wurden St Prozent der Dampfschiffe und 52 Pro* zeirt der nicht mit Dampf betriebenen Schiffe mit einem gesamten Tonnengchalt von 152,500.000 und einer Leistung von 85.000 Pferdestärken wieder gebrauchsfertig gemacht. uicacn Beispielen ist zu ersehen, daß es zur Wieder^ .SttTStelliing der russischen Industrie nicht am guten Willen ieir Arbeiter gebricht, sondern an dem fehlenden Naphtha au.« Baku, der mangelnden Kohle aus dem Donetzbecken ~uzd der nicht vorhandenen Baum'wolle aus Turkesian, von Arbeiter, der Paria der Kultur, hat als blindes Werkzeug nur mit den Händen in tiefer gesellschaftlicher Unterdrückung die Befehle von fcben auszuführen, 'wobei nicht einmal ihm ■das Genießen der Kultur zuteil und möglich wurde. . Aus diesem geistigen Tiefstand das Proletariat zu heben. Mit in der Kultur nicht eine ausführende, sondern auch eine produktive, schaffende Rolle zuzuweisen das ist die leuchtende Idee, welche der ganzen Arbeit des Prolctkultes vorangeht. Eist wenn die Arbeiter selber Ingenieure und Techer werden, erst wenn sie selber großj, 'herrliche Wicrke -kr Literatur und Kunst geschaffen haben, erst wenn sie eine -'i;-;cne Lebensanschammg aus sich heraus geschaffen haben — erst dann werden sie die ganze Macht erobert haben, das h ißt außer der politischen und der wirtschaftlichen auch die geistige. Bis dahin ist die Proletarierklasse, sei sie noch so ■nark tuid mächtig, ein Kind, das gezwungen ist., in wichtigen, >m:seheidendeu Fragen des Lebens zum Wissenschaftler, zum Techniker und anderen in die Lehre zu gehen, die ihre ^.•Jirze Gedankenwelt aus dem Bürgertum herbringen. Wenn auch die ungeheure Arbeit, welche das Proletariat;,i Verbindung mit der Eroberung der politischen Macht in jHen Gebieten des sozialen Lebens zu leisten hat, nicht auf eiert oben beschriebenen Weg des selbständigen Schaffens gedrängt hätte, so wäre doch noch eine andere Seite der Kulturentwickhing, die auf den nämlichen Weg führt. Das ist -Jer Verfall der bürgerlichen Kultur. Aum besten wissen es iie Bürgerlichen selbst, wie es um die Sache steht und die zahlreichen Kritiker aus ihrem Lager sind das sicherste Todesurteil. Schon bei Goethe kann jedermann nachlesen, wie sich Mephistopheles über alle Wissenschaften und die Universitäten rüstig macht. Wie in der Politik und Wirtschaft, so hört nan in Wissenschaften und Kunst ein Rufen nach Reformen, •.lach Erneuerung, nach neuem Geist. Denn das Alte zerfällt fast-unter den Händen und verliert allmählich' alles Interesse an Autorität, vorausgesetzt, daß es nicht eine gar zu schäm* ose und bewußte Art industrieller .großkapitalistischer Interessen zu vertreten hat. Wir wissen* daß die Technik jetzt ganz im Dienste des Kapitals steht; ein Ingenieur kann seine Entdeckungen nur insoweit verwerten, als sie das Profit* jachen des Industriellen erfordert •— darum die Blüte der Kriegstechnik, die vollkommene Versimpelung der wissenschaftlichen Technik. Die pozialen Wissenschaften sind alle 'itsgesamt von der einzigen Idee beseelt und durchdrungen, J(fen Kampf des Kapitals mit der Arbeit mit gesetzlichen Klauseln aller Art zu umstellen und so von dem unvermeidrieheu Untergang - der ihnen, den Juristen und Nationalöko* ™nien am beste« sichtbar ist - das Bürgertum noch zu '-'^ten. Ein verzweifeltes Ringen entspinnt sich. Die historischen Wissenschaften, entsetzt von dem Bilde des Faulens, der Schlächterei, der Korruption der ganzen Menschheit, bemühen sich,- in höhere Regionen zu fliegen und von dort aus wie gewöhnlich in' allen Zeiten des Verfalles ~- einen Idealisan'us zu predigen, der darin besteht, daß man arbeiten', dulden und leiden muß —'■ natürlich mir eine Klasse, denn die andere hat das Leiden und Arbeitein gar nicht notwendig. Die moderne Literatur und Kunsti ist tief gesunken, daß darüber schon jedes Schulkind unterrichtet ist. Von den Hirngespinsten der Kaffeeliteraten, von den Kritzeleien der modernen Malerei, von der niedrigen, gierigen Sinnlichkeit, die die ganze Kunst frißt, ist schon sehr viel geschrieben und ge* sprodhen worden. Diese Kunst ist bereits eine Leiche, an der die Schüler sezieren. Es wird weiter fieberhaft produziert, weil man eben leben tuid verdienen muß, aber die Produkte hauchen einen toten Atem uud verdanken ihr Dasein nur dem Gelde, das aus den Taschen wiederum desselben Bürgertums fließt. Und nun, wie hat sich der Arbeiter diesem Verfall der bürgerlichen Kultur1 gcgenübcr;aistcllen? Soll er p!anz gleicligültig darüber hinweg.ehen und alles als ihm vollständig gleicligültig erklären? Soll er seine Kunst und Litcra> tur auf das schäbige Kino (und eine Zeitung und Broschüre beschränken? Oder soll er seine ganze historische Rolle, die er in der Umwälzung im wirtschaftlichen Leben spielt, auch auf das Geistige übertragen und sich eine neue, schönere, entsprechendere Wissenschaft, Kunst schaffen? Das revolutionare Proletariat wird nicht im' Kino sitzen bleiben, es svird den weiten Weg wählen, sobald es nur die Macht, die wirt^ schaftlichen Verhältnisse in den Händen hat. Dann aber muß es auch in der Geisteswelt eine Revolution herbeiführen, mit dem Vermorschten aufräumen uud eine tüchtige Ventilation durchführen. Und wiederum wie oben steht die Arbeiter* schaft vor der Frage des selbständigen Schaffens. Der Prolet kult schreckt nicht vor der Tatsache zurück, daß das Pro^ letariat noch ungebildet an das ungeheuer komplizierte und verwickelte Gebiet herantritt. Einst, am Anfang der Neuzeit, trat das Bürgertum gleich roh und ungebildet dem vornehmen, feinen, höchstgebildeten Adel entgegen und modelte die aristokratische Kultur auf seine Weise um. Jetzt schreit dasselbe Bürgertum, daß die Welt verrohen und in einen banbarischen Zustand zurückfallen wird, wenn die Arbeiter mit ihren schwieligen Händen und dicken Schädeln sie regieren wollen. Darauf hat die Arbeiterschaft nur eine Antwort: Ohne sich viel um das Geschrei zu kümmern, tapfer und entschlossen — ganz wie in dem' Gebiete der Politik und der Wirtschaft -- sich in das Reich des Geistes zu stürzen und an Stelle der vom Genießen! und Nichtsjtun zerfressenen Kultur des Bürgertums ihre frische, gesunde, kräftige. arbeitsfähige und neue proletarische Kultur entgegenstellen. Eines nur darf nicht geschehen. Es darf nicht gleidhgültig oder geringschätzig auf dieses Gebiet herahgeschaut werden, denn das wäre tatsächlich auch schon ein Verfall des Proletariats1. In der so weit ^gehenden, so ferne Grenzen streifenden Entwicklung der proletarischen Kultur können jetzt natüxlieh nur ganz allgemeine, anfängliche Richtlinien geschaffen weiden. Diese neuen Elemente, welche die Arbeiterklasse in die Entwicklung der Menschheit'hineinbringt, sind die gleichen, sind eine gerade organische Fortsetzung der Eigenart, die die ganze Arbeiterbewegung kennZeidh.net. Das Prinzip der Organisation ist es vor allem, da» die modeine sozialistische Bewegung durchströmt. Die Wirtschaft war bis jetzt dem freien Spiele der Kräfte überlassen und brachte in ihrer Entwicklung die Veredelung uud Verkümmerung der Menschheit. Der Kommunismus greift in die Wirtschaft ein und unterwirft sich die naturliehen Kräfte, um «iie zielbewußt und .planvoll auszumifzeu, und zum Wohle aller Menschen zu organisieren. Zum Zwecke des Kampfes wird eine Klasse, das Proletariat, organisiert. Dieses ordnende Prinzip, die Organisation, muß auch an Stelle der freien und unbewußt sich entwickelnden Kultur der Menschheit treten. Die Geisteskräfte sollen nicht verschwendet und verloren werden, wie es üietife vielfach geschieht, wo einer zum Beispiel jahrzehntelang über ein Tierchen oder einen Satz eines Philosophen oder Bildchen aus dem Jahre 1000 v. Chr. nachgrübelt uud dicke Bücher darüber schreibt, während ein anderer überhaupt in seinem Leben nichts liest1 und nicht denkt. Hier wie in der Wirtschaft das gleiche Geset2 der kapitalistischen Ordnung: Ucberfluß auf einer Mangel auf der anderen Seite. Erst der Sinn und das Streben der Arbeiter für einen Ausgleich, für die soziale Gerechtigkeit, für eine gleiche Verteilung der Güter kann wieder die Kultur erfrischen und zur neuen Blüte bringen. Alles UeberflüSsige wird über den Haufen geworfen, alles Uebrige muß allen Menschen zugänglich werden. Nicht nur eine priviligierte Klasse soll es sein, die imstande ist, Wissenschaft und Kunst zu betreiben. Das Bürgertum hat diese Gebiete mit einem uuübersteigbaren Gitter von Vorschriften, Klauseln, Examen versehen1, die bürgerlichen Wissenschaften haben Bände, dicke, zahllose welt- und menschen fremde Bände misgedacht und geschrieben, die man alle durchstudiert haben muß, um dann - „so klug als wie zuvor", zu sein/' Das alles ist entstanden, damit Irtan dies übliche Studium im Mindestmaße von 12t bis 14 Jahren bei gänzlicher Hingabe tmd materieller Sicherstellung - also Bedingungen, d*e nur einem Bourgeoissöhnchen zugänglich sind — durchmachen muß. Das alles ist nur entstanden, um eine endlose Reihe von, trojtz aller Studien*