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Freie Tribüne · 1920-01-17 · 3 (17.1.1920) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
3 (17.1.1920)
Date
1920-01-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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St**e 4 Freie Tribüne Nr. 3 l#jge cter Arbeiterklasse, sondern in erster Linie das Mittel für die Aufgabe der Arbeiterklasse sein, die besteh-ende Geseflsschaft zu stürzen und durch die sozialistische zu ersetzen. Die Gewerkschaften müssen zu Fundamenten für den Aufbau des Gebäudes: der sozialen Revolution um'gevvandeft werden. Zur Frage des Rätesystems berichtete Madsen (Norwegen) zuerst einige interessante Details über die Vor* läge der norwegischen Sozialjsierungskorrimjssjon über die Einsetzung von sogenannten Betriebsräten. Manches im1 Vor* schlage sei gut, doch könnte die Vorlage als Ganzes nicht von der norwegischen Arbeiterschaft«* akzeptiert werden. Durch die spezifische Gruppierung derselben würden nämlich die Arbeitskäufer auch Bestimmungsrecht erhalten, was in Fällen, wo es gegen das Kapital geht, Hinterhalte bedeuten würde. Die Leitung der Unternehmen muß völlig in die Hände der Arbeiter und Funktionäre (resp. Angestellten usw.) gefegt werden. Nur derartige Betriebsräte wurden als Ausgangspunkt für die Sozialisierung der Produktionsmittel und die vollständige Einbeziehung der kapitalistischen Vermögen benützt werden können. 'Die nachstehende Resolution wurde einstimmig anges nfolmmen: Das kapitalistische Gesellschaftssystem ist durch den Weltkrieg in das Stadium des Weltchaos getreten. Die Rettung; liegt in der Abschaffung des Kapitalismus, der kapitalistischen Eigentums* und Produktionsordnung. Da die Entwicklung in dieser Richtung mit allen Mittehr von der herrschenden Klasse bekämpft wird, werden die Klassengegensätze in allen Ländern verschärft und reift solrtit die Zeit für die Weltrevolution heran. In allen Ländern steht die Revolution auf der Tages« Ordnung, zuvörderst in den Ländern, die unmittelbar in das Elend des Krieges hineingezogen worden sind, doch auch überall da, wo die kapitalistische Entwicklung Pros bleme geschaffen hat, die auf den' Grundlagen der alten Gesellschaft unlöslich sind. In der II. Internationale stand vor dem Kriege die geslalmte organisierte Arbeiterschaft der Welt, politisch wie auch gewerkschaftlich, versammelt und sah in ihr die Fahne für ihren Befreiungskampf. Doch bei Kriegsausbruch und während des Krieges hörte diese Internationale auf, zu bestehen, auf Grund des1 schamlosen Verrats) ihrer Führer an den Lebcnsprinzipjen des Sozialismus und des Unvermögens der Arbeiter, trotz ihrer Führer zur Aktion zu schreiten. Und damit beging sie also den geistigen Selbstmord. Demgegenüber haben sich nun innerhalb der III. Internationale diegroße Majorität des organisierten, revolutionären Proletariates der Welt, getreu dem! Klassen* k,ajmpf und den internationalen Ideen, versammelt. Die norwegische Arbeiterpartei, Schwedens sozialdemokratische Linkspartei, Dänemarks1 linkssozialistische Partei und Finn* .;Iaiqds Kommunistische Partei sind dieser Internationale bei* getreten und haben deren Richtlinien als wegweisend für ihre Tätigkeit anerkannt. Unbestreitbar machf sich auch in der gewerkschaftlichen iWellt die Tendenz 'zxim1 Anschlüsse a]n die Idee des Rätc&ystems immer stärker geltend. Der Kongreß spricht ,die Ueberzeugung aus, daß auch die gewerkschaftlichen, wirtschaftlichen und anderen Organi» sjationen, welche auf der Grundlage des revolutionären .Klassenkampfes in enger Gemeinschaft mit den Parteien der III. Internationale stehen, die skandinavische Gemein* schlaft für die Weltrevolution unterstützen und fördern werden. Aus den Arbeiterräten. VoUvorsammlung unserer Fraktion. Die Neuwahlen der Arbeiterräte und die Konstituierung derselben sind nun abgeschlossen. Der Bericht in der kon* stituierenden Vollversammlung unserer Fraktion ergab einen Stand von 60 A.=R., die sich' folgendermaßen auf die Be. zirke verteilen: 1'.; — 7, 2\ t- 29, 4. r~ 4, H, — 2, 9. — V, 13. — 1, 1% — 10, 20/ — 6.< In die Exekutiven der B.fA,-R, kamen unsere Gen.: im 1., 4.> 7;.? 19\ und 20. Bez'. je 1, im 2. Bez. 2. In den Kreisarbeiterrat wurden gewählt von den B.*A.-R, 1, und 20. Bez. je 1, vom B.-AiHRl 2. BezL .2, 1 wird kooptiert, so' daß unsere Fraktion im'{Wiener Kr.*A.-R. fünf (Mitglieder zählt. In den Reichsarbeiterrat entsandte der B.sA.-R. 2 einen Genossen unserer Fraktion. Die Vollversammlung unserer Fraktion hat den Bericht, der einen bemerkenswerten Erfolg, unserer Propagandatätig5 keit und des Vertrauens,' das die jüdischen Arbeiter unserer Tätikeigt in den Arbeiterräten entgegenbringen, ziir Kenntnis genommen. Als Fraktiorisexekutivc wurde die Spreeher der der Bejzirkst'raktionen bestimmt. Die nächste Vollvcrsamm* long der Fraktion wird der Besprechung unseres Aktions* Programms gewidmet sein. t Leopoldstadt. Die letzte Vollversammlung wnrde am Sonntag durch den Vorsitzenden des alten Arbeiterrats Meth mit einem Nachruf auf die Heroen der Weltrevolution Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg eröffnet. Es entwickelte sich eine lebhafte Debatte bei den Wahlen in die Exekutiv«, da die Sozialdemokraten die Wahl mehrerer ihrer Parteigenossen, die sieh besonders um den Arbeit errat Leopoldstadt verdient gemacht haben und von dem Wahlkomitee übergangen, aber von den Kommunisten vorgeschlagen wurden, verhindern wollten. Das gelang ihnen auch. Die Vorschläge des Komitees wurden gegen die Stimmen der kommunistischen Fraktionen angenommen. In die Exekutive wurden gewählt als Obma&oner Hoffmann (Soz.), Dr. Trebitsch (Soz.), Na gier (Poale Zion), als Schriftführer Radwan (Soz.) und Zindwer (Komm.)« als Kassierer Blümel (Soz.), Zeznla (Soz.), in die Kontrolle Lenz (Soz,), Fischer (Soz.) und Funk (Komm.,» In die erweiterte Exekutive wurde von unserer Fraktion noch Gen. Zloczower gewählt. In den Kreisarbeiterrat wurden die Genossen unserer Fraktion Serpow und N a gl er, in den Reichsarbeiterrat Genosse Serpow gewählt. Genosse Schurak stellt hierauf den Antrag der auf dem Boden der dritten Internatiö'naie stehenden Fraktionen, den westnnganschen Arbeiter- und Banernrat, der der berufene Vertreter des westnngarischen Volkes ist, die Möglichkeit zu geben, in Wien zu tagen, um von seinem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch zu macheD, da dies momentan der Wille des unterdrückten westnngarischen Volkes sei. Ferner stellt er den Antrag, um den Kontakt mit den Ui Wählern zu wahren, der Exekutive zu empfehlen, jeden zweiten Monat eine Versammlung der Urwähler einzuberufen und diesen Reebenschaft über die Tätigkeit des A.-R. zu geben. Beide Anträge werden nach kurzer Debatte einstimmig angenommen. Glossen. Palästinensischer Klassenkampf. Wer dem äußeren Scheine, den Delegationen unsiierer, nalc'h1 der letzten V^rbandsberatung, Bruderpartei „Ach'duth' Haavvoda'h" zur zionistischen Konferenz na'dhl London, der Teilnahme der Arbeitervertreter an der zionisit&öhen Verwaltung im neu zu erbauenden „jüdisldhen Heime", wer all1 diesen Anzeichen einesi burgfriedlidien Zusammenwirkens Von Kapital und Arbeit bei der verantwörtungs?- v-oflen Kölonislationstätiglkeif trauen würde, der müßte überzeugt sein: ein Eilland ist dort aufgetaucht, am ösitlfeihen Mittelmeerufer, ein klas slen'k am pfHlo ses Land. Dort wird der Mensch- Weit das feuchtende Beisjpiel1 gegeben, wie in sozialer Eintracht ein Gemeinwesen erridhtet wird. So der äußere Sdhfein. Und die WiricTidhkeit? Die zeigt dasi 'Wäßlidhe, grausam ria'dkte Antlitz einesi rüdksidbJtslbsen und , perfiden Klas'sienkrieges. Allerdings;. Die Arbeiterschaft, die ist lammsfromm. 9 i e opfert' sicW um der „heiligen Arbeit" willen. Verpflanzen will sie die jüdische Arbeit in den (unfruchtbaren Boden desl jüdischen Kapitals, auch1 Wenn der elende LdhJn kaum für trockenesi Brot reidht; und keine Red inte will sie für sidh1 iverl'angen, um nur ja nidh't den „Kapitalisten ab'zus'dhreclken". Die Arbeiterschaft hat sfch Institutionen geslc'haffen, um ihre Positionen im Klassenkampfe zu stärken: den Pallästina-Arbeiterfonds', Genossenschaften, Kooperativen, Arbeiterh'äus^r, Arbeiterküdhen ujs/f. Ja, die Positionen stehen stark da, aber K l'aSls e n'k a m pf, den führt der kapitalkräftige Kolbnisjt und der Arbeiter . . . wird streng an der Parterkrippe: Gewerkschaft usf. im Zaumei gehalten. , Dem Briefe einesi Gemos'sen, der auszugsweise im jiddischen Teile unserer „Mitteilungen" jveröffentlidht wird, entnehmen wir folgende bezeichnende Schilderung des! VerWältniSsiejs' zwischen Kapital und Arbeit in Palästina: ,;Die Beziehungen zwisldhen den Arbeitern und der zionistischen Organisation" (das1 muß man dem1 jüdisldhen Bürgertum s'chon lassen: es hat neben dem deutschen die bestorganisierte Klasis'enorganisiation unter dem Ausihängeschil'de der VoUksorganisiation) „Verschärfen sich immer mehr und mehr. Die zionistische Organisation ergreift alle Mittel, um die Autonomie der Arbeiterinsi'titutionen zu ersticken. Es1 werden Attacken geritten gegen die Arbeiterkooperativen. Die Zionismen dulden audh k eine besonderen A r b ,e i t e r k r a n k1 e n k a s s e n. Esl herrscht bei ihnen eine groß;e Unzufrieden- Weit mit den la n d wi r tslch a'f:(t Ii dhle n K omni unen, die unter der Leitung der „Aohduth HaawodahJ" stehen. Die Lage der Arbeiters'dhäft ist eine sehr traurige. Die Zionismen schidk'en sich' an, die Emigration naeti1 Palästina zu „reinigen" — po 1 itis.'eh1 zu r einige n". So unser Freund. Und es ist klar. Zielbewußt?iein und Zielstrebigkeit wird man wohl diesen bürgerlichen Klassenkämpfe™ kaum absprechen können. 1 Aber die jüdisldhen Arbeiter? Werden sie sich endlich auf ihre Interessen besinnen? Ihren Aufgaben gerecht werden? Siie haben die Waffen des; Wfasserikampfes gestreckt. Werden sie nun vom k'riegerislch'en Kapitalismus endlidh zur Notwehr gezwungen werden? Sonst wird dieses Unikum in der Zeit der sozialen Wel'treivolution bestehen bleiben, daß der Träger des1 Klassenkampfes in Palästina lediglich das, aus Europa flüchtige Bürgertum bleiben wird, daß es1 ein Eiland aufrichten wird — ein Eiland für1, dasi ajflisieits bedrängte Kapital. Donnerstag, den A3, ds., findet im »Jüd. Arbeitern »»im* II., Blumauergasse 1, eine , Liebknecht- Luxemburg- Gedenkfeier »taft. an der sich die Genossen Serp.Ojr, Schiller, WeUmafitt^ Mestel u. a. beteiligen werden. - Regiebeitrag .K 2.—. Beginn pünktlich 6 Uhr abends. Während der Vorträge bleiben die Saaftüren geschlowec. Achtung, Parteigenossen! Die Referentenschule beginnt gegen 20. Jänner. Anmeldungen bei den Bezirksobmännern, im „Arbeiterheim* und im Parteisekretariat. Die Genossen werden aufmerksam gemacht, daß die Ver> ans tal tun gen und Vorträge der Bezirksorganisationen II und XX in jiddischer, der Bezirksorganisation I in deutscher Sprache abgehalten werden. Samstag, 17. Jänner Bez -Org. II. Montag, 19. Jänner ßez.-Org. XX. Serpow Die Ereignisse in Berlin _ Kohn Englische Orientpolitife Pri;vatlQkal: XX. Wallen- und Zionismus stemstraße 62 Dienstag, 20. Jänner Bez -Org. II. Nagler Die Aufgaben d?s Arbeiterratea Mittwoch, 21. Jänner Dr. Glücker KlimatischeVerhaltnisae Bez.-Org. II. in Palästina (mit Lichtbildern) Donnerstag, 22. Jänner Schiller Staat und Revoluüoa Bez.-Qrg. I. Samstag, 24. Jänner Wattenberg Thema vorbehalten Bez.-Org. II. Nationale Autonomie und Klassendiktatur Dawid Montag, 26. Jänner Ber.-Org. XX. XX. Wallensteinstraße 62 Dienstag, 27. Jänner Qr. Glücker Gesundheitsverhältaisse -Bez.-Qrg. II. in Palästina Wo sonst nichts angegeben, Ort: Arheiterheim, II., Blumauergasse 1; Zeit: 6 Uhr abends. Konsumgenossenschaft für jüdische Arbeiter und Angestellte Jn Wien, IL, Taborstraße 44 (Eingang Blumauergasse) Fernsprecher Nr. 44.180. Die.Verkaufszeit ist von 8 bis halb 12 tuid .von halb' 2 bis ltolh 5 Uhr. Wir erwarten vom Solidaritätsgefühl der Mit- I glieder für die Angestellten^ deren Arbeitszeit sich1 sonst ins Ungemessepe ausdehnt, daß sie rechtzeitig erscheinen. Nach Einlaßsperre Erscheinende werden nicht eingelassen! * Zur Abgabe an Mitglieder gelangen: Heringe, Marmelade, türkische Erbsen, Feigen- und Frankkaffee, ferner Gewürze wie Pfeffer, Kümmel, Rosinen nnä Lorbeerblätter. Vormerkungen für Holzbezug werden entgegengenommen. (Lieferung Ende Februar.) Weiters können Mitglieder noch Textilwaren bezieheu (solange der Vorrat reicht) und zwar Trikotagen, Wollwesten, Stoffe, Socken etc. Wir ersuchen alle Mitglieder, die noch ausständigen Anteile an unserer Kassa zu erlegen, damit im Warenbezug keine Unterbrechung eintritt. Jüdische Arbeiterküche, II. Blumauergasse 1. Die Wochenbezugsscheine für die laufende Woche werden folgendermaßen ausgegeben: am Freitag, von Nr. 1—300 , Samstag, „ „ 301—600 „ Sonntag, „ „ 601—10Ü0 Die Wochenbezugsscheine, die an den betreffenden Tagen nicht abgeholt werden, können für die entsprechende Woche nicht mehr bezogen werden. Gründung eines jüdischen Arbeiter-Turn- und Sportvereines. Durch das offizielle Bekenntnis zur zionistischen Partei, das die hier bestehenden jüdischen Turn- und Sportvereine abgelegt haben, ißt es dem klassenbewußten jüdische» Arbeiter schier unmöglich gemacht, ihnen anzugehören. Die umgebenre Wichtigkeit der Leibesübungen für die geistige und körperliche Regeneration d*es jüdischen Proletariats macht die Gründung eines alle Sportz.weige umfassenden jüdischen Arbeiter-Turn- und Sportvereins zur unbedingte» Notwendigkeit. Die Vorbereitungen sind schon im Gange, alle zum Beitritt bereiten Genossen und Genossinnen mögen sich im Parteisekretariat, IL, Glockengasse 6/17, schriftlich oder mündlich anmelden. Direkte Auskünfte jeden Dienstag von 6 - V, 8 Uhr daselbst. 17. Preßfonds-Ausweis. N. N. K 400.—, Rottenberg K 20.—, Nagler K 4.—, Jenny Neumann K 3 —, Dr. Artur Singer K 20.—, Singer Arpn K 6.—, Straßmann K l.—, F. Rosenblum gratuliert dem Gen. Sorokin zur Trauung mit Fräulein Neumann und spendet K 5.—, Goldfarb (Tarnow) gratuliert seiner Freundiu und G§n. Honig zur Verlobung, K 10.—. Insgesamt K 469.— Bisher ausgewiesen K 4828.30, zusammen K 5297.30. Sattcielt Mmafci für tm glatt! SSftSiw Herau»g«ber und verantwortlicher Redakteur Arnold Deutsch »Central», Druck- und verlagsan*talt (vorm. J. Hoyer), Wien, IX., Liechten»tain»tr»tSe 8.

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