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Freie Tribüne · 1920-01-10 · 2 (10.1.1920) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
2 (10.1.1920)
Date
1920-01-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 2 gen, verlieren wir Leser - also schicken wir Kriegsberichterstatter hinaus; die Mehrzahl unserer Mitglieder ist antisemitisch -- also schreiben und handeln wir antisemitisch; wenn wir immer prinzipiengetreu sind, machen wir uns unpopulär, also — - usw. usw." Ist das alles schon wieder vergessen? Der Begriff der Mehrheit darf erst dann in der Politik eine Rolle spielen, wenn das wirtschaftliche und geistige Niveau ihrer Subjekte nicht mehr in so schreiende Gegensätze zerrissen ist, wie unter der jetzigen Gesellschaftsordnung. Das ist oft genug gesagt worden, allerdings bisher nur in Bezug auf die bürgerlich-parlamentarische Mehrheit. Ist aber das, was man heute unter dem Begriff ,,Proletariat" vereinigt, jene im obigen Sinne „einheitliche" Masse, daß in ihr die Tatsache der „Mehrheit" irgendeine Rolle spielen kann? Der bloße Augenschein erübrigt die Antwort, wenn nicht, so die Möglichkeit eines Nos'ke-Sozialismus. Zu scharf ist die Differenzierung der einzelnen Schichten des ''heutigen Proletariats. Wirklich revolutionär, wirklich nun sofortigen Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung und zum hemmungsfreieu sofortigen Verzicht auf die jetzige sind nur einige bereit. Diese zu erfassen, muß das Ziel der linkssozialistischcn Parteien sein. Ueber das Idol der Zahl muß das Ideal der Reinheit triumphieren, der Leitstern der Taktik darf nicht mehr scin^ immer neue Schichten y.um Anschluß zu bewegen, sondern im Gegenteil, alle solche,, die nur lähmende Bleigewichte sein können, abzuschrecken. Von Grund aus verfehlt erscheint daher das immer deutlicher werdende Streben, Universalerbe der sozialdemokratischen Parteien in Ihrer ganzen chaotischen Größe zu werden. Ueber das Schlagwort „Einigkeit", bezw. ^Einigung" ist wohl nun wenig mehr zu sagen. Es entpuppt sich ebenfalls als eine reine Blüte des opportunistischen Gedankenbeetes. „Einigung" ist für eine vorübergehende Periode, etwa im Bürgerkrieg geg^u die Monarchisten, mög- Hch, kommt auch dann von selbst, darüber hinaus aber würde sie den Zusammenbruch der einzigen Errungenschaft dieser Epoche bedeuten, der ,,reinlichen Scheidung". An d«en linken Parteien ist es also, diese Errungenschaft heilig zu halten', das hohe Ideal rein und kompromißfrei zu bewahren! Üssischkin, der Pascha. Seine vielgerühmte „Energie" hat eben alle Widerstände gebrochen. Wie jubelten ihm da immer die Jiebraistischcn Don Quixotes auf Kongressen, Konferenzen, allen zionistischen Zusammenkünften zu: ,,Dcr eiserne Mann", „Israels Hammer" (der neuerstandene Makkabi, der mit Unduldsamkeit wie mjt einem flammenden Schwerte kämpft), „der Führer aus der Wüste des Golus", ,,der Diktator" — — — Die Welle der Fanatisierten trug ihn immer höher und höher, trug ihn, als Repräsentanten des zionistischen Imperialismus, bis vor den ,iFriedens"tisch des Viererxates des siegreichen Imperialismus . . . Dort hat er die größte Schlacht geschlagen. Er hat . . . eine hebräische Rede geredet . . . Lloyd jGeorge, Clemenceau, Balfour, Wilson wiußteVn nun, was dem jüdischen Volke in der Zeii der grauenvollsten Pogromleiden nottut . . . Wer also wäre würdiger, an die Spitze des palästinensischen Gemeinwesens, das zum jjidi siehe n Heim1 ausgebaut werden soll, zu treten, denn Vs>sisich k i n? Wer denn sonst, wenn nicht der Allgewaltige, der eiserne Mann", der „Hammer Israels"? Ussischkiu wurde zum Leiter der Palästinakommission berufen, jubelte die bürgerlich-zionistische Presse. Und nun jubelt sie tagtäglich von seinen Taten! Höret denn die Mär vom „eisernen Mann"! Schlag um Schlag folgen einander die epochalen Ereignisse, die er gestaltet. Die ersten, die daran glauben mußten, waren natürlich wer denn sonst? — seine Beamten. „Das wichtigste aber — verkündet der Diktator in seiner Antrittsrede „was War durchführen müssen, das Hebräische auf allen Gebieten Unserer Arbeit. Wer von jder Erkenntnis der Notwendigkeit des Hebräischen durchdrungen ist, sei Uns willkommen, wer nfjchtf möge Biet ät'Üg ung an anderen Orten sudhen". Also ist sie in Wille, des Paschas in schein Paschalik! Langjährige Mitarbeiter der Palästinakommission, bewährte Fachmänner, aber stümperhafte Sprachgelehrte werden auf die StrtVi'ße gesetzt, wenn sie die „bestimmte Frist", die sie „zur Erlernung der Sprache erhalten", mit der Kinderfibel in der Hand, erfolglos verstreichen lassen werden. Die Beamten haben eben nicht in fieberhaftester Tätigkeit alle Voraussetzungen für eine Massenein wände ning der Juden, die, von der Not gejagt, das' Land überschwemmen werden, zu schaffen, sondern hebräisch zu lernen und dem Diktator zu Willen zu sein. Der kühl-sachliche, deutsch-praktische Sinn Artur R u p* PI ins erkennt die Notwendigkeiten des Aufbaus. Leider nur im „engsten" Kreise, mit Ausschluß der Oeffentlichkeit, hat er unlängajt in W|en klargelegt, daß der kaujm 30.000 Hebräischsprechender zählende alte Jischub in dem nächsten Jahre schon überflutet werden kann vom Strom der Einwanderer aus dem Osten. Aber was stört das den Kazikcn Ussischkiu in seiner (,eisernen" Arbeit "t\ „Fiat justitia^ peieat mundus." Das Hebräische soll erstehen, auch wenn Palästina untergeht... Auch wenn der „G; roß e" am Rande der Lächerlichkeit wandelt, jubelt ihm das „Volk" zu,. Höret denn: Ein ostjüdischer (Rabbiner wjll von seinen Andächtigen ve rstanden werden. Ein begreiflicher Wunsch! Er predigt also jüdisch. Wahrlich, ostjüdische Rabbiner sjnd keine Kämpfer für das Recht einer Sprache. Zweckmäßigktits menschen, wie sje immer sind, bewegen sie sich immer auf der Linie des leichtesten Widerstandes. Aber Pascha Ussischkiu kennt seine Mission. Während einer solchen Predigt in j ü d i s'"c h e r Sprache, erhebt sich der A 11 g ew. alt ige und verläßt demonstrativ mit seinem G c f o 1 g e die Synagoge. Erzittere', o Israel, Dein H a'm m e r kam über Dich! .. . Die Eröffnung des Jüdischen Arbelterhefmes Am 3. Jänner wurde das Jüdische Arbeiterhei m in der Blumauergasse mit einer schlichten, aber eindrucksvollen Feier eröffnet. Die sehr zahlreich erschienenen Genossen und Genossinnen füllten den freundlich eingerichteten Hauptsaal des Heims bis aufs letzte Plätzchen. Nach den Begrüßungsworten der Gen. Schorr würdigten Vertreter der einzelnen Bezirksorganisationen die Bedeutung des Tages. Die Gen. Sing e r, Bio d h' und S o k n 1 betonten, von verschiedenen Gesichtspunkten ausgehend, übereinstimmend den Wert und die Wichtigkeit einer ständigen, in wahrhaft sozialistischem Sinne aufgebauten und geleiteten Zusammen - kunfts'stälte, an der nicht nur leibliche, sondern auch die richtige geistige Nahrung} unseren Genossen unter den möglichst besten Bedingungen geboten werden soll'. Gen. H i n d- 1 e r teilte mit, daß die Küche mit allen Kräften für die Verproviantierung des Abendheimes sorgen werde. Es sei zu hoffen, daß es trotzdem' gelingen werde, im Abendheim schmackhaftes und nicht allzuteures Essen zu verabreichen. Damit war der offizielle Teil des Abends erledigt. Im inoffiziellen Teile wurde gleich eine Probe aufs Exempcl gemacht. Außer einem Imbiß gabs überraschend gute Gesangsvorträge. Insbesondere lösten die von Gen. Körner gesungenen Lieder stürmischen Jubel aus. Um 10 Uhr gingen die Genossen in bester Stimmung vom ersten Abend im ^Jüdischen Arbeiterheim" nach Hause. Zum Schlüsse wurde zum Zwecke der weiteren Ausstattung des Heims, sowie zur Anschaffung von Lehrmitteln eine Sammlung veranstaltet, die einen Betrag von ungefähr K 1S0O.— ergab. Da diese Summe natürlich nicht ausreicht, werden die Genossen gebeten, weitere Spenden der Gen. Hindier (Arbeiterküche) zukommen zu lassen. Gen. Steinhardt zurückgekehrt. Aus rumänischer Zwangsarbeit erlöst, ist der Führer der deutschösterreichischen Kommunistischen Partei, Gen. Steinhardt, zurückgekehrt. Als Vertreter des österreichischen Proletariates nahm er an der Gründungskonferenz der dritten Internationale im März 1919 teil. Das Flugzeug, das ihn in die Heimat bringen sollte, ging in Rumänien nieder, wo er -zu Zwangsarbeit gepreßt wurde und Unsägliches erleiden mußte. Nach neunmonatiger Qual wurde er endlich durch die Kriegsgefangenen-Austauschaktion befreit. Wir begrüßen den Gen. Steinhardt zu seiner Rückkehr aufs herzlichste und sind überzeugt, daß sein Kämpfergeist ungebrochen erhalten geblieben ist. Unsere Plattform Sonntag, 11. Jänn , 3 Uhr Hollinger Akadem. Verband Dienstag, 13. Jänner Bez.-Org. il. Mittwoch, 14. Jänner Bez.-Org. I. Akadem. Verband Donnerstag, 15. Jänner Partei-Leitung Samstag, 17. Jänner Bez.-Org. II. Montag, 19. Jänner Bez.-Org. XX. Privatlokal: XX. Wallensteinstraße 62 Dienstag, 20. Jänner Bez.-Org. II. Schapira, Singer Elisabeth Luzatto Bloch Kohn Nagler Vorlesungen aus der jüdischen Literatur Geistige und manuelle Arbeit. Liebknecht - Luxemburg-Gedenkfeier Was ist Politik? Englische Orientpolitik und Zionismus Die Aufgaben des Arbeiterrates Wo sonst nichts angegeben, Ort: Arbeiterheim, II., Blumauergaßse 1; Zeit: ti Uhr abends. Verein „Freie Jüdische Volksbühne". Samstag, den 10. Jänner um halb 3 Uhr nachmittags wird vom Vereine „Freie jüdische Volksbühne" im Bürgertheater ,Uhn a Heim", Drama in 4 Akten von Jakob G o r d i«, aufgeführt. Als Gedenkfeier für A. Weiter, einen der bedeutendsten unter den jüngeren jüdischen dramatischen Dichtern, der während des Pogroms in Minsk erschlagen wurde, wird sein Drama „Der St im er" am 17. und 31. ds. Mt. gegeben. Gedenkrede gehalten von Dr. Elias Wattenberg. Donnerstag, den 15. ds., findet im »Jüd. Arbeiterheiinc, II., Bluroauergasse 1, eine Liebknecht* Luxemburg» Gedenkfeier •iatt, an der sich die Genossen Serpow, Schiller, Weißmann, Uestel u. a. beteiligen werden. — Regiebeitrag K 2,~. Beginn pünktlich 6 Uhr abends. Während der Vorträge bleiben die Saaltüren geschlossen. Achtung, Parteigenossen! Um den 20. Jänner beginnt der Referentenkars, Anmeldungen in allen Bezirksgruppen nnd im „Arbeiterheim" beim Schriftführer, resp. diensthabenden Genossen. Genossin Elisabeth Luzatto spricht Mittwoch, den 14. ds. Ms., 6 Uhr abends, im „Jüd. Arbeiterheimu über „geistige und manuelle Arbeit." Konsumgenossenschaft für jüdische Arbeiter und Angestellte in Wien, IL, Taborstraße 44 (Eingang Blumauergasse) Fernsprecher Nr. 44.189. Die Verkaufszeit ist von 8 bis halb 12 und von halb 2 bis halb 5 Uhr. '; i Wir erwarten vom Solidaritätsgefühl der Mitglieder für die Angestellten, deren Arbeitszeit sjch sonst ins Ujigemessene ausdehnt, daß sie rechtzeitig erscheinen. Nach Einlaßsperre Erscheinende werden nicht eingelassen! Die Warenabgabc erfolgt für n i c h t r a y o n i c r t e Kunden: Montag Nr. 1-700, Dienstag Nr. 701—1500. für rayonierte Kunden: Mittwoch Nr. 1—600, Donnerstag Nr. 601—1000. Freitag Nr. 1001—150Q. Ferner bringen wir unseren Mitgliedern zur Ker.ntnis, daß es uns gelungen ist, eine neue Post Textilwaren, (Sweaters, Kiuderstriimpfc, Trikotagen) zu erwerben, welch?, zu billigen Preisen abgegeben werden. Wir machen unsere Mitglieder aufmerksam, daß in der nächsten Woche E i n he'ijt s w a s e h seife gegen Seifenkarte abgegeben wird. Ferner werden an alle Kunden Holl. F e 11 h ä r i n g e und R um abgegeben. Die Mitglieder werden daher ersucht, Flas-cher; mitzubringen. Diejenigen Mitglieder, die bisher mit der Einzahlung, des Geschäftsanteiles im Rückstände sind, werden ersucht, die geschuldeten Beträge zu entrichten, damit in der 'Zuweisung der Waren keine Unterbrechung eintrete. jadische Arbeiterküche, Ii. Blumauergasse 1. Die Wockenbezugsscheine für die laufende Woche werden folgendermaßen ausgegeben: am Freitag, von Nr. 1—300 „ Samstag, „ „ 103—600 ' „ SonDtag, „ „ 601—10Ü0 Die Wochenbezugsscheine, die an den betreffen des Tagen nicht abgeholt werden, können für die entsprechencie Woche nicht mehr bezogen werden. Spenden. Palästina-Arbeiterfonds: Gen. Chaim Ron Bestreich und Rachel Hönig anläßlich ihrer Verlobung K 150 — Arbciterheim: Gen. Oh. Rottenstreieh und R. Hönig K 150.—. 16. Preßfonds-Ausweis. Chaim Rottenstreieh — Ruchel Honig: empfehlen sich als Verlobte nnd spenden K 20.—. Wien, im Jänner 1920. Hotel Leitner gratuliert herzlichst seinem lieben Freunde und Genossen Chaim Rottenstreieh und Ruche! Hönig zu ihrer Verlobung und wünscht ihnen eine glückliche Zukunft, K 10.—. Klara Lieber gratuliert herzlicbar ihrer Cousine Ruchel Hönig zur Verlobnng mit Herrn Chaim Rottenstreich, K 10.—. Chaim, Jakob und Isak Hönig graia lieren herzlichst ihrer Schwester Hüchel zur Verlobung mit Gen. Ch. Rottenstreich und wünschen ihnen viel Glück, K 10, S. Mayer und Frau gratulieren ihrer Schwester, respektive Schwägerin Ruchel Hönig zur Verlobung mit Gen. Cham Rottenstreich, K 10.—. Dem Gen. Sorokin gratuliert herzlichst zu «einer Hochzeit Feldblum und Frau, K 30,— Gen, Fischl anläßlich seines Geburtstages K 10. — , Czaczke Osias K 10.—, Willner K 3.—, .Nette Löwenkron-OskiJ K 10.—, durch Gen. Straßmann: Leo Kohn (IL, Ru«pp gasee 15) anläßlich der Auswanderung nach Argentinien K 20.—, durch Gen. Margulies (sen.) K 16.50, gesaminel bei der Eröffnung des Arbeiterheimes: durch Gen. Schor K 20.—j durch Gen. Bermann K 12.—, durch Gen. Schille: K 47.—. Insgesamt 238.50. — Bisher ausgewiesen K 4589.80. Gesamtbetrag K 4828 30. nachrichten über Moses Leib Gilmait, der, iu Janow, Gouvernement Kamenetz-Podolsk, geboren als russischer Soldat in den ersten Kriegsjahren in öster reichische Kriegsgefangenschaft geriet, werdei für seinen Bruder in Argentinien an die Adresse unseres Blattei erbeten. Wir bitten alle unsere Parteiorgane, obiges nuei zu druck feil, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Arnold Deut ich „Central", Druck- und Verlagsautalt (vorm. I Höver), Wien, IX., Liechtensteinetraile 8

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