Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 1 (3.1.1920)
- Date
- 1920-01-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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St-'e 4 Freie Tribüne Nr! So ist es unsere Pflrdit, gegenüber dem vielen unflätigen Lugen über die A..-R, an die ausschlaggebenden Tatsachen zu verweisen. Und. darum wird der A.„R. gegenüber der antimilitarischcn Heischelei und der Weißgardrstischen Minierarbeit, in der säfpdh? unsere Bourgeoisie gefällt, darauf sehen müssen, daß die Vollcswehr nicht zu einer Waffe gegen das Proletariat werde. Ich wollte nur auf die politische Aufgabe des A.-R. hin* weisen, weif der A;uR. 711ml1 Kampfe 'für den Sozialismus da ist, für den Sozialismus, für den auch im I. Bezirke, irt, der Residenz des jüd. Kapital», eine jüdische sozialisti. siehe Partei mitkämpft. Wir Poale.Zion sind die Partei des jüdischen Proletariat feSj das im Kampfe um die soziale Gleichheit auch für <■ Seine nationale Freiheit kämpft, für die Freihheit des jüd. Volkes!, die unlösbar verknüpft ist mH dem Siege des völkerbefreie#den Sozialismus." # Mitzuteilen wäre, daß in die Exekutive ein Genosse gewählt wurde. Brigittenarj Hoffentlich wird der Beginn der konstituierenden Vollvertjammlnng dieses Bez.-Arb.-R., die am 23. Dezember stattfand, nichr das Master abgeben für seine fernere Tätigkeit. Der unter Stimmenthaltung der kommunistischen Arbeitsgemeinschaft neu gewählte Obmann des Arbeiterrates Janecek wies auf die drohende Reaktionsgefahr hin, der gegenüber im Arbeiterrat alle Parteipolitik zurückgestellt und einige proletarische Klassenpolitik getrieben werden müsse. Wie dies von den Sozialdemokraten verstanden wird, erwies sich in dem hartnäckigen und „erfolgreichen" Widerstand, den sie bei der Vornahme der Wahl in die Exekutive dem Antrag der Kommunisten auf eine Vertretung im Präsidium der Exekutive entgegensetzten. Ihr Wortführer, M i h a 1, sprach es ungeniert aus, daß sie vom Arbeiterrat sozialdemokratische Politik fordern und deshalb die Möglichkeit verhindern wollen, daß die Füh'img des Arbeiterrates einem Kommunisten in die Hände fallen könnte. Der Vorsitzende ließ, gewissermaßen als Konzession, über die Gesamtliste der Exekutive abstimmen, unter Vorbehalt der Funktionenverteilnng. Den Kommunisten wurden drei Sitze in der Exekutive tinter zwölf bewilligt. Erst auf den Appell unseres Sprechers an das ßilligkeitsgefiihl gelang es, einen durch freiwillige» Verzicht eines sozialdemokratischen Arbeiterrates erledigten Platz in der Exekutive für die zwei jüdischen Fraktionen, „Bund" und „Poale Zion" zu erhalten. Hiebet hielt es der Sprecher der „bundistischtn" Fraktion für nötig, in einer besonderen Erklärung im Gegensatz zu den Poale Zion seinen „Internationalismus" herauszustreichen. Er meinte, daß die jüdische Arbeiterschaft keine besonderen Aufgaben im Arbeiterrat habe und errang damit den Beifall der Sozialdemokraten, der ihn vielleicht über das Befremden der Kommunisten und ihre begreifliche Frage, wozu denn dann der „Bundu noch eine besondere Fraktion gebildet habe, trösten wird. Nichtsdestoweniger wurde der von uns vorgeschlagene Genosse Michael Kohn-Eber gewählt. Bei den nachfolgenden Kommissionswahlen, die nach wiederholten Versuchen, den kommunistischen Flügel zu majorisieren, schließlich zu einem leidlichen Einvernehmen führten, wurden von unserer Fraktion Delegierte in den Approvisionierungs-, Wohnnngs-, Bildungs- und Arbeitslosen-Ausschuß entsendet. Bei den Wahlen iu den Kreisarbeiterrat drohte allerdings der Friede wieder in die Brüche zu gehen, als der offizielle WahlvovBchlag von 11 Mandaten der Minderheit nur zwei zugestehen wollte. Durch den Antrag auf Durchführung von Listenwahlen wurde erst die sozialdemokratische Majorität „bewogen", ein Mandat abzutreten, das unserer Fraktion zufiel. Der wirklich üboriinssige Widerstand der Sozialdemokraten gegen die berechtigten Forderungen der Minoiität hat es zuwege gebracht/ daß nebst den Kooptierungen auch die Behandlung einer Reihe wichtiger politischer und wirtschaftlicher Fragen für die nächste Sitzung vertagt werden mußte. Glossen und Notizen. Die Zlonislen als Torwächter des englischen Imperialismus. Schlecht wird dein Redakteur der „Jüdischen Zeitung", Herrn Heinrich Mar Julies, die Wahrheitsliebe gelohnt. Im' Hinweis auf die „bolschewistische Ciofahr" wollte er ja nur rasch und vor aller Oeffentliehkeit sagen, was ist, rufen: „caveant consules! mit den Arbeitern inid Chaluzim kommt der B o 1 s d'h e ,w i s m us, der beste Schutz dagegen sind die Unter ne Inner". Nun wird er von allen Seiten desavouiert. Vom zionistischen Landeskomitee, von der „Ch'aluzimorganisation", vom „Hapoel-Hazair" usw. Und entschuldigen muß er sich auch noch dazu im Sprechsaal der „Jüdischen Zeitung" vom 19. Dezember 1919, ,,dafi er es auf eigene Verantwortung aussprechen" muß, was die anderen denken und tun, aber lieber im freiheitlichen Phrasendunkel ^^ausgesprochen lassen.!Mf£eusehe Ohren mögen's nicht hören, was keusche Herzen nicht missen mögen." Bezeichnend für die Gesmmmgslos,igkeii der bürgerlichen Politik1 ist es ja, daß es für sie völlig; /.ohne Belang is,t,ob Palästina vom kapitalistischen England oder vom bolschewistischen Rußland zu erhalten" sei. Da nun England das Heft in der Hand hält, zeigen wir uns als brave Buben und lehnen wir mit moralischer Entrüstung die gefährlichen Bolschewiken ab, die in Palästina nicht für den Profit des Unternehmers und nicht im'■ Dienste des englischen Imperialismus frohnen wollen. Laßt uns mit den blindwütigsten englischen Imperialisten um die We^te gegen die Bolschewiken Zetcr und Mofdio schreien! Bedienen wir uns des senil gewordenen Kämpfers gegen die „konventionellen Lügen*' dfcs Bürgertums, der jef/t in einem Aufsatz über „Bolschewismus und Judentum" die gleichen bürgerlichen Lügen übernimmt. Der assimilierte Leiter des jüdischen Kommissariates in Petersburg, D im entstein, hat wohl Recht, wenn er vor dem imperialistischen bürgerlichen Zionismus, dem kriecherischen Lakaien Englands, wie Um auch Herr Margulies und Herr Nord au repräsentieren, warnt. Der proletarische Zionismus wird allerdings durch die Stellungnahme der assimilierten Juden innerhalb der MI. Internationale nur insoweit getroffen, als er der Gefahr ausgesetzt ist, UI der unaufgeklärten Oeffentliehkeit mit dem bürgerlichen verwechselt -zu werden. „Der Wecker", das Blätfchen des Wiener ^Bundes" benützt natürlich die Gelegenheit, um seiner krassen Ignoranz in allen Fragen und seinem bornierten, in Daszynskis Schule herangewachsenen Parteifanatismus Luft zu machen. Vielleicht kommen wir noch darauf zurück. Umso schärfer sei daher noch einmal festgestellt: Wir setzen unsere Hoffnung für den Aufbau einer autonomen Siedlung arbeitender Juden in Palästina auf den Sieg der proletarischen Welt revolution über den Weltimperialistnus, seine Faktoren und seine Lakaien. Exterritoriale Ausbeutung. Es soll auch hier im Inland, in der deutschösterreichischen Republik, trotz Ides sozialdemokratischen „Einflusses" tn der Regierung, trotz des Achtstundentag., des Betriebs* räte. und auch sonstiger „hervorragender" sozialer Gesetze auch hier sehr oft vorkommen, daß man bei niedrigen Löhnen eine sechzehnstündige Arbeitszeit im Tage verlangt, das Koalitionsrecht der Arbeitenden schmälert^ das Recht auf Bildung von Betriebsräten raubt, und so fort nach bewährten Mustern kapitalistischer Ausbeutung. J3as alles gibt's!, wie gesagt, hier wie überall. Aber nirgendwo dürfte es vorgekommen sein,- daß man sich bei Auseinandersetzungen über die Rechte der Arbeitenden auf . . . . „exterritoriale" Privilegien beruft. Das blieb dem Kinderheim des J o i n t D i s\t r i b u t i o n K o m mi 11 e e s im Baumgartner Barackenlager vorbehalten. Gerade die jüdische Wohltäterei will sich ihre Lorbeeren auf Kosten der Arbeitenden erwerben^ indem sie sich von der Erfüllung der gesetzlichen Pflichten unter dem Deckmantel der ., , . „Exterritorialität" schleicht. „Man sei doch ein amerikanisches Hilfskomitee, also vom Betriebsrätegesetz Oesterreichs unerreichbar. So weit sei man ja bekanntlich in Amerika nicht, diaß m'an Betriebsräte — lies: Kommunismus, Bolschewismus — dulden würde." Und der Joint, das Kinderheim, die Verwaltung und der „Schuldircktor", der sich theoretisch auf den modernen Pädagogen aufspielt und so gern mit dem „radikalen Sozialismus" kokettiert!, sind eben ...:<. iu diesem Falle „Amerikaner",.! Also die Arbeitenden mögen sich's merken. Sechzehn Stunden arbeiten, schlecht bezahlt werden, bei der Arbeit zusammenbrechen^ d-as muß sein, weit ja das Institut ein philantropisches ist. Die ihm vorstehende Dame, die auf allen Gebieten der Politik und des WohÜtuns sich hervorzuten . sucht, wird bei Forderungen sofort mit "dem „KrempeLvor* die-Füße=werten" drohen. Denn sie reibe sich auf, laufe sich die Füße wund und faulenzende PflcgcsclvwesteYu oder Kindergärtnerinnen verlangen da einm'al in fünf Wochen einen freien Nachmittag. Unerhört! . . . Und gar:. Mitverwaltung? . . . Man höre doch diese jüdische Chuzpe der Arbeitenden: „Wir wollen auch 16 Stunden für die Kinder arbeiten', aber auch1 wissen, daß es sein muß. Wir wollen dies selbst bestimmen und nicht uns, wie gedankenloses Arbeitsvieh, zu „Idealen" zwingen . . ." So reden die Aufwiegler. Ist das nicht unerhört? . . . Kein Wunder also, daß die Kündigungs'maschine flott arbeitet (es verträgt sich ja bekanntlich vorzüglich mit de rjüdischen Wohltäterei, daß man iu der Zeit der höchsten Not gr u n d Ios Arbeitende auf) die Straße wirft! . \ .), daß der Zeigefinger gewichtig miti tfösen Folgen droht, wenn m'an es wagen sollte, bei der Wald von Vertrauensmännern auch einen „Kommunisten" üben das Gesetz der Betriebsräte referieren zu lassen. Denn wir sind ja ... . „exterritorial". Einige erniste Worte: Das JoiirLKomitce wird besonders von Arbeitergeldern gefördert. Wir werden es nicht dulden, daß man ihnen ihre Rechte durch Täppische Drohungen und Ausreden schmälert. Wir werden Mittel und Wege dagegen auch in Amerika finden. Aber das Komitee und die sozialistischen Vertreter in demselben seien hiemit nochmals auf diese Mißstände, die sofort abgestellt werden müssen, aufmerksam gemacht. Sonst müßten wir das jüdische Proletariat Wiens aufrufen, ihre Meinung über diese Zustände abzugeben. Jüdische Arbeiterküche, II. Blumaaergasse 1. Die Wochenbezngsscbeine für die laufende Woche werden f olgen den« aßen ausgegeben : am Freitag, von Nr. 1—300 „ Samstag, „ „ 103—600 e „ Sonntag, „ „ 601—1000 Die Wochenbezugsseheine, die fan den betreffenden 'J agen nicht abgeholt werden, können für die entsprechende Woche nicht mehr bezogen werden. Voranzeigen. Achtung, Parteigenossen! Mitte jänner beginnt der Referentenknrs. Anmeldungen im Parteisekretär rat und in den Bezirk sgr Uppen. Die Kulturkommission._ Jüdische Sozialistische Arbeiterpartei Poale Zion, ~ Bezirksorganisation Leopoldstadt. Samstag, den 3. Jänner Eröffnungsfeier des „Arbeiterheims'. Mitwirkend Frau Graf-Weintraube Herr Deutsch, Schapira u. a. Beginn halb 6 Uhr abends. Nach dem offiziellen Teil gemütlicher Abend. Diens>agr den 6. Jänner Vertrag Alexander: Wie helfen wildem jüdischen Arbeiter in seiner Not? Beginn halb 6 Uhr abend«. Samstag, den 10. Jänner, 6 Uhr abends Vortrag: Darf der jüdische Arbeiter Zifr nist sein? Ort aller Veranstaltungen II., Blumanergasse Bezirksorganisation Briglttenau. D 0 n n e r 81 a g, den 8. Jänner Vortrag Singer; W i e helfen wir dem jüdischen Arbeiter in seiner Not? Näheres im „Abend". Bezirksorganisation Innere Stadt. Mittwoch, den 7. Jänner, halb ß Uhr abends, Vortrag Sokal: Warum sind wir judische Sozialisten? Ort des Vortrages wird im „Abend" bekanntgegeben. Mittwoch, den 14. Jänner, 6 Uhr abends, Vortrag- Emilie Luzatto: „Geistige und manuelle Arbeit". Lokal' II.» Blumauergasse 1/1. Akademischer Verband jüdischer Sozialisten Poale Zion. Samstag, den 8. Jänner, 4 Uhr nachmittag Marx-Seminar, 1. Kaffee Künstler, vis-ä-vis der Universität. Sonntag, den 4. J ä n n e r, halb 4 Uhr nachmittags - „Schulini AI eich im-Abend«. Mitwirkend Gen. Sieger,. Schapira u. a. Ort: II., Blnraauergasse 1/1. Sonntag, den 11. Jänner, 3 Uhr nachmittags: Ca« „Jägerhof", IX., Porzellangasse, Vortrag Hö 1 Iin *ep „Unsere Plattform". Mittwoch, 14. J ä n n e r, 6 Uhr abends, IL, Stam-v auergasse 1/1: Vortrag Emilie Luzatto: „Geistig* aae manuelle Arbeit", Achtung, Mitglieder der Leopoldstadt! Die Inkassanten der Bezirksgrnppe amtieren täz'.teikvon 6 bis 8 Uhr abends im „ Arbeiterbeim8, IL, Blnmawi'- gasse 1/1. Konsfxnigenossenschaft für jüdische Arbeiter und Aufstellte in Wien» II., Taborstrafie 44 (Eingang Blamaue*- gasse) Fernsprecher Nr. 44.189. Die Verkaufszeit ist vor« 8 bis halb i2 und von 2 fcfc halb; 5 Uhr. ( , Die Mitglieder werden neuerlich darauf aufmerksam gemacht, daß der Einlaß der Mitglieder in den Verkaufsraum schön eine halbe Stunde vor Verk'aufsschluß, also .um 11T bezw. um 4 Uhr gesperrt werden muß. <0< Wir erwarten vom S o 1 i d a r i t ä t s g e fü h 1 der Mitglieder für die Angestellten, deren Arbeitszeit sich sonst ins Ungemessene ausdehnt, daß sie rechtzeitig erscheinen,. 1 Nach Einlaßsperre Erscheinende werakTc nicht e i n g e 1 a ss e n! Da die M eh {Zuweisung immer erst im Laufe der zweiten Wochenhälfte erfolgt, sind wir gezwungen, eine r^ve Nutnhierneintcihmg vorzunehmen. Die Warenabgabe erfolgt für nic-h-trayonierie Kunden: Montag Nr. 1—700, Dienstag Nr. 701—1500. für r a y o n i e r t e Kunden: Mittwoch Nr. 1—600, Donnerstag Nr. 601—1000. Freitag Nr. 1001—1500. Ferner bringen wir unseren Mitgliedern zur Kenntnis, dafi es uns gelungen ist, eine neue Post Textilware n, (Sweaters, Rinderst rümpfe, Trikotagen) zu erwerben, weiche zu billigen Preisen abgegeben werden. Wir machen unsere Mitglieder aufmerksam, daß in d«t nächsten Woche Marmelade' frei, ohne Einkaufsscbein abgegeben wird. Geschirre s-infä mitzubringen! Spenden. Palästina-Arbeiterfonds: N. N. K 200..— .. Arbeiterküche K 400. — . 15. Preßfonds-Ausweis. Edi Locker (Wette) K <i.—, Straßmann K 2.—, Goidsehmidt K 1.—. Dem Genossen Z i p k i n gratuliert zu seiner Verlobung W. M. Willuer und spendet 3 K für Prefifond der „Freien Tribüne", P. K 100.—, Norbert Weichselbauw spendet anläßlich der „Jahrzeitena nach seinen in Luiblin verstorbenen Brüdern Zwi und Elkune Goldberg-Weichselbäum für P.-F. K 20.—. Den Freunden Lew und Paja zu ihiem Lj n 1 ek die besten Grüße von Hersch (K 20.—)., Michel (K 10.—\ Malke (K 20.—), Wattenberg (K 60. — ). Präger KL—, Klipper K 15.-S Sorger K 2.—, Wilker K 2.—. Zusammen K 252.—. — Bisher ausgewie—n:. K 4337 80. Gesamtbetrag K 1589 80. gammelt Abonnenten für öier Blatt! ^STiXSTt Hörnusgebwr und reraulwortliciier Uedakteur Arnold Deutsch „Uentral*, Druck- und Yerlagsansrtalt (vorm. J. Hoyei), Wien, IX., Uachtonsteinttratie