Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 1 (3.1.1920)
- Date
- 1920-01-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. i Freie Trfbfine Seft« 3 Petiten, um wenn ititM gegen jdi* .Ukrainer, st> gegen die Botektfiewiiki zu kämpfen. Dutzende von Teltcrratnmen berichteten über die kriegerischen HeMentaten der Armee Halfcrs und teilten Einzelheiten über «eine Fortbewegung durch Deutsdh'lanü mit- Endlich traf der „ruhmbedeckte" General an seinem Bestimmungsorte ein. Endlidh' erhalten wir da* erste Telegramm über seine erste „Kriegstat". NadV der Einnähme .v,on Kowel veranstalteten sie in dieser Stadt eineti fürchterlichen Pogrom. Aber noch» mehr Exzesse haben die Soldaten der Armee Halle™ in vielen Städten Polens begangen, so auch in Tvrhenstochau, das sicher nicht an der Front liegt, wo die Legionäre Hallers. die jüdischen Häuser und Magazine plünderten. 7 Juden wurden dabei getötet, 0 Schwer verwundet; altf leicht .verwundet sind einige Dutzend Menschen registriert. Eine Menge iüdisther Magazine sind ausgeraubt worden. Die Polizei leistete keinerlei Widerstand. Der Tschenstotftauer Arbeiterrat hat einen Protesit gegen den Pogrom erlassen. Dieser kurze Bericht über den kleinen Pogrom kennzeichnet deutlich die Rolle der ■polnischen Regierung und ihrer mächtigen Bejichützer der Entente bei der Organisation der Pogroms. Daüsind die Einzelheiten der größten Pogrome, die im Nordwestgebiet stattgefunden haben; die ■■Kleineren wurden nicht angeführt. Solche wurden in jeder jüdischen Ortschaft, in jedem: Dorfe, wo es auch nur einen Juden gab, veranstaltet. Die Grausamkeit und die Befriedigung der wildesten Instinkte fanden hier natürlich freien Spielraum. Hier konnte man ungeniert die Juden in kleinen Häuflein töten, Mißhandlungen ersinnen und sich an ihnen berauschen, all daS konnte man hier schön im Stillen tun, ,ohVie von ganz Europa beobachtet zu werden. Berichte über siol'che kleine Judenhetzen gibt es viele, •sie aFle anzuführen ist unmöglich. Das Angeführte genügt, um über das Wesen und die Organisation der Pogrome aufzuklären. Wer hat die Pogrome organisiert? Man braucht nur die angeführten Beschreibungen mit einander zu vergleichen, um eine deutliche Antwort zu erhalten. Die U!mzingelürig bestimmter Stadtteile, die allgemeinen Haussuchungen, die von Mißhandlungen und Morden begleitet sind; die ausfecMießliche Betätigung der Legionäre, 'd. 'h'. der disziplinierten Soldaten, und die Fernhaltung von Marodeuren und Hooligans:; die wiederholten Provokationsakte: daraus setzt sich das Bild afler Pogrome zustammen. Al'le sind nach einer Schablone organisiert* Alles ist bis zu den kleinsten Einzelheiten bestimmt, im Voraus berechnet. UeberaM fühlt man ein und dieselbe Hand. Sogar die .Verunglimpfungen und Mißhandlungen selbst sind einartig. Der Befehl' an die dem Tode Geweihten :oder deren Verwandten, die Gräber sielher zu graben, dasi Schlagen mit dem Gewehrkolben, sogar das Anspeien, alles wiederholt sich bis ins kleinste. Die po 1n i siehe n Behörden sind die Anstifter, die O r g a n i s a t c> r e n der P o g r o m e, die Verfasser der Pläne und vielleicht auch der ausfuhr lieh en Dislpos.it ion e n. Und die Verbündeten? Ihre Vertreter befinden «(ich in eleu polnischen Armeen. Vor ihren Augen entroflte sieh das fürchterliche Bild des Pins*ker Blutbades). Nun und? . . . Sie verließen PinsJk und versicherten Europa, daß altes ruhig, daß. „nichts geschehen sei" . . . üüs der Internaflonaie. Iiis den leipziger Parteitag der U. S. f. Q. Frankreich. Genosse Daniel Renoult, einer der Führer der fian» 'ösischen Parteimehrheit, schreibt im „Populairc" vom i~. Dezember: ,,üas Problem der Wiederherstellung der Internationale, das «reit langer Zeit bereits alle Sozialisten leidenschaftlich beschäftigt, ist in eine neue Phase getreten. Die deutschen Unabhängigen Sozialisten haben beschlossen, d ie /weite Internationale zu V e r fajsis' e n. Hiermit ha. t diese den Todesstoß erhalten. Der Genfer Kongreß wird nicht berufen werden; die zweite Internationale ist \-Erurreilt, *u ver< schwinden. Was nun? Das erste Ergebnis, das man erreichen muß, ist also der Beitritt im allgemeinen zum Akt i Ot ns p r o r a m'm d;e r Unabhängige n. Dieses Programm verwirft zunächst die Zusammenarbeit der Klassen, eint Forderung, die die Grundlage der ErkUU rungen bildete, welche in Amsterdam die gesamte lutcrnatio» wate verpflichteten, und im besonderen die gesamte französische Partei durch ihren Einigungsvertrag. Diese Verurtei» lung. der Teilnahme an einer bürgerlichen Regierung nach soviel schmerzlichen Erfahrungen, erscheint als cm« unbe, dingte Notwendigkeit. Ohne sie kann es keine vorwärts» schreitende sozialistische Aktion geben, die mit Festigkejt auf das unverrückbare Ziel der Revolution gerichtet ist. Das ist die höchste Regel, von der es keine Ausnahme geben darf, und unter welche die gleiche Disziplin die Men* sehen und Organisationen beugen muß. Die Unabhängigen verlangen außerdem, und hier sehen wir eine Annäherung an die letzten Kundgebungen der Italiener und die der dritten Internationale, die Anerkennung des Kampfs und Aktionswertes der Arbeiterräte für die Verwirklichung des revolutionären Zieles. Es handelt sich für sie nicht um einen Ergebeuhcitsakt für den russischen Sovv-- jetismus, sondern um einen Ak* der Anerkennung der his«t o - ri sehen Rolle, die diese Organe gespielt haben, deren Einrichtung und Bedeutung in den einzelnen Ländern in allen aus dem Kriege entstandenen Revolutionen verschieden waren. Der westliche Sozialismus kann im Namen seiner poli* tischen und gewerkschaftlichen Erfahrung verlangen, mit einer besonderen Au f nr e r k s a m k e i t an dieses Problem heranzutreten, für welches übrigens viele setner Anhänger bereits deutlich Partei genommen haben. Und es scheint, daß es möglich ist, über diesen Punkt zu einer Einigung zu kommen, wie früher über die so schwierigen und bestritte, nen Fragen des revolutionären Generalstreiks und des Auf-. $t and es. Nur auf diese Weise kann man gegenwärtig aufs schnellste alle sozialistischen Kräfte der Welt wieder ziu sammenfügen für die Verteidigung der russischen Re volution, die immer noch' in großer Gefahr ist und für die Verleidigung der deutschen Rcvol|ut i o n, die durch die S c h u 1 d u n d durch das V e r* brechen der korrupten R e c h t s s o z i a 1 j s t e u, die nach dem Sturz des Kaisers ihre Verbindung mit dem preussischen Militarismus und der imperialistischen Bureaukratje fortgesetzt haben, ihrem Ruin entgegenzugehen droht. Es ist das wirksamste und geeignetste Mittel gegjgn die Reaktion, die überall die geschlossenen und disziplinierten Kräfte des Proletariates aller Länder bedroht. Schweiz. Die „Berner T a g w a Ch t",' eines der führenden Or* gane der schweizerischen Sozialdemokratie, kommentiert in einem redaktionellen Artikel die Beschlüsse des Leipziger Parteitages. Sie stellt fest, daß . die Beschlüsse des.- Partei* tages über Programm und Taktik selbstverständlich auch analoge Beschlüsse hinsichtlich (der Internationale zeitigen. ,;Dem scharfgezogenen Trennungsstrich gegenüber der zweiten Internationale folgte djie prinzipielle Anerkennung der dritten Internationale. Es1 ist einerseits die logische Konsequenz des Aktionsprogramms, 'das sich zum' Räte« system und zur Diktatur bekennt^ aber ebenso logisch ist der nur bedingt ausgesprochene Beitrijttswillen, entspre* chend den taktischen Vorbehalten im Programm hinsieht* lieh Parlamentarismus und Diktatur." Man sieht, daß die* Unabhängigen Deutschlands zu;ihnliehen Beschlüssen kamen wie die sozialdemokratische Partei der Schweiz. Sie knüpfen an den Beitritt zu Moskau Vorb e Ii a 11 e, d i e ano h a n d e r n P a r t e i e n, b e s o n d e r s denen der w e st I i C Ii e'.n Länder, den Beitritt e r in ö g I i c h en soll e n. Der Parteitag der Schweizerin sehen Sozialdemokratie lehnte in Basel die Vorbehalte ab, trotzdem sie -in allen den Eintritt befürwortenden Reden immer wieder als „selbstverständliche Voraussetzungen" zum Ausdruck kamen. Die Urabstimmung konnte diesen Be= Schluß nur noch bestätigen oder verwerfen. 'Sic verwarf, we^l sie, nicht bedingungslos beitreten wollte. Verwarf mit einer Motivierung, die im Grunde das gleiche besagt, was die prinzipielle 'Zustimmung der Unabhängigen bedeutet: 0 r u u d s ä t z liehe Auer k e n n u u g d e r M o s k a u e r 1 n t e r n a t i o n a f e ti n d Solid a r i s i e r u n g mit d e r russischen Revolution, aber Schaffung einer Plattform, auf der sich auch andere sozia.U r e v o I u t i o u ä r e P a r t e i e n b e w e g en kö iv.ii e «. Der Wirtschafsrat des französischen Proletariats. Die Leitung des französischen G e w erksch a.t" tshu ndes hat hald nach Abschluß des Waffenstillstandes die Oeffeutlichkeit Frankreichs durch Aufrufe auf die kommen« den wirtschaftlichen Schwierigkeiten hingewiesen und den Sozialismus als Mittel zu ihrer Ueberwinduug gefordert. Der L y oner G e w e r k sc h a f t s k o n g' r e ß, der im Sotnnier tagte, hat den Beschluß gefaßt, einen Wirtschafte rat einzusetzen, um die Propaganda für den Sozialismus zu verstärken und die Wege zur sozialistischen Produkt tionsweise zu suchen. Des Arbeitsprogramm des Wirtschafts« rat es fordert für die Arbeiterschaft das Recht der Mit» best im m un g in Erzeugung und Austausch und die Nationalisierung der Produktionsmittel. Nach dem Arbeitsprogramm versteht di« Arbeiterschaft „unter Nationalisierung die Uebergabe der Produktions= und Austauschmittel in d i c Hunde der Erzeuger und Verbraucher, die ihnen zum Vorteil einiger genommen sind. Den Staat cm* waffneu, indem er dorthin gedrängt wird, wo er nichts anderes mehr isi als die Vertretung der gemeinschaftlichen Organismen der Erzeugung und des Austausches; ihm so das Mittel des Zwanges entziehen, den Händen des Kapitals die Leitung der nationalen Wirtschaft e n t w i n d e n, den Arbeitern die Rechte geben, wonach sie sich sehnen, und die Verantwortung-, die sie selbst übernehmen wollen: das ist das zu vollbringende Werk des Wirtschaftsrai es;' Ueber die Mittel, die der Witfschaftsrat zur Durch- Führung der sozialistischen Produktionsweise empfiehlt, sagt das Aktionsprogramm: „Das Heil liegt in der Organisierung, einer vermehrten Produktion. Diese ist allein imstande, die Bedürfnisse der allgemeinen Konstuntion zufriedenzustellen. . . . Diese Organisation ist nur zu verwirklichen durch den Beistand aller derer, die an der Produktion teilhaben, also durch die Arbeiter und Techniker, und durch den Beistand derer, die von Berufs wegen zur Verbindung dej Tätigkeiten von Gemeinschaften bestimmt sind, also durch die Beamten, und schließlich durch den Bestand der Vertreter der Verbraucher, also durch die Kooperativen. Die Organisation kann nur bestehen, indem in brevem Maße die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung (der Betriebs* und Arbeitsweise) benutzt werden, welch letztere weitergetrieben und methodisiert werden muß." Ferner heißt es, die Produktion müsse so organisiert sein, daß die Erzeuger, deren Rechte geleugnet worden seien, die Gewißheit haben!, daSR ihre Arbeit unverkürzt der Gemeinschaft und nicht dem Sondervorteil einer Klasse zugute käme. Der Gewerkschaftsbund sucht zur Durchführung der Arbeiten des Wirtschaftsrates Verbindung mit denv National» verband der G c n o s s e n s c h a f t e n, dem Gewerkschafts-- verbande der Techniker und der LandesYcreinigung der Beamten. Die französische Arbeiterklasse hat damit eine Zert* traisteile der Propaganda, und Arbeit für die Sozialisierung geschaffen, die, unabhängig von kapitalistischen Interessen, vor allem dazu beitragen kann, in der Arbeiterschaft selbst die Voraussetzungen für die praktische Durchführung" der sozialistischen Produktionsweise zu schaffen. Armeebefehl Trotikis, Die russllndlsolien Kommunisten und das Reoht der Nationen. Dem weißgardistischen „Prisyw" entnehmen wir folgenden Armeebefehl, den Trotzki an die Rofc Armee geleg^njfr Tich ihres Vormarsches in der Ukraina ucrließ. Die ihm vertretenen Anschauungen über die nationale Frage werden die Vorurteile unserer Genossen über den angeblichen „lm'^ periah'snms" der russischen Kommunisten gründlich zerstreuen, und vielleicht auch mithelfen, in den Reihen der deutsch-- österreichischen Kommunisten Klarheit über diese Probleme zu schaffen. ■>; * „Genossen! Soldaten^ Kommandanten und Kommissäre! Ihr seid in die Ukraine eingedrungen und zerschlagt, die Denikinschcn Banden zu Staub. Ihr befreit das Bruderland von seinen Verg;ewartigern. , Ukraina ist das Land der ukrainischen Arbeiter und werktätigen Bauern. Nur die u k' r;aun i. s eh e Arbeiter^ und Bauernschaft hat das Recht, ihr eigenes Land z u v e r w a 11 e n. Während Ihr Denikin schlagt, müßt Ihr den arbeitende» ukrainischen Massen Achtung und Liebe entgegenbringpn. W e h e, d; e m, d e r a u dh hur ein Haar de: m uk r«a< i.niscßhcn Arbeiter in Dorf und Stadt krümmt!: Die ukrainischen Bauern und Arbeiter müssen sich im Schutze unserer Bajonette völlig sicher fühlen. Denkt daran, daß unsere Aufgabe die 'Befreiung und nicht die Versklav vung der Ukrainer ist. Wenn die Denikinschcn Banden vernichtet sein werden, dann werden die ukrainischen Massen allein zu bestimmen haben, welche Gesellschaftsordnung sie bei sich haben und in welchen Beziehungen* sie zu Sowjet-Rußland stehen wollen. F ort mit den H ä u b e r u u n d Ver g, e, w a Jl t i g e r n i Es lebe die befreite, unabhängige Ukratna!"' Spanien. Der Parteitagder spanischen sozialdemokratischen Partei, der am Tl. und 12. Dezember 1919 tagte, hat mit einer geringen Majorität den Antrag auf Beitritt zur III. Internationale angelehnt. Die Delegierten cler Majorität verfraßen 14.000,. die der Minorität 12.000 Stimmen. Aus den Arbeiterräteti. Innere Stadt. In der konstituierenden Sitzung des Bez.-Arbeiter=-Rates Innere Stadt gab für unsere Fraktion Gen:. Sokal folgende Erklärung ab: Es ist gewiß richtig, wenn der Vorsitzende auf die wichtige Aufgabe der A..R. hinweist, Verwaltung^* und KontrolU arbeit zu leisten. Aber diese alltägliche Kleinarbeit darf nicht den weiten Horizont der großen politischen Tätigkeit beschränken. Wenn es ein traurig/es 2ei;cht;n d.tf Zeit ist, daß. viele. Ange-# stellte in unserem Bezirke an den A.-R.=Wahlen überhaupt: nicht teilnehmen wollten, so muß uns Scham darüber ergreifen und Scham wird, nach einem Worte von Marx zur Revolution, wenn sie die -Maasen ergreift. Schämen aber müssen wir uns, muß sich das gesamte Proletariat auch, daß seit Jahr und Tag von der Vermögensabgabe gesprochen wird, daß aber dem Kapital auch nicht ein Haar gekrümmt wurde. Die A...R. aber, als Instrument des Klassenkampfes, des Kampfes gegen den Kapitalismus müssen darauf achten, daß die Vermögensabgabe endlich einmal aus einem Diskussionstheniia feu. einer (politischen Tat sich gestatte. / _ —----- ------- """«"=■ ---- —* —" '««wiingniut "luv Mw w m&uiaiTsraies'. iai sien ge^taue. Auf den Tisch eines jeden jüdischen Arbeiters und Angestellten gehftrt die ■ n Freie Tribüne».