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Freie Tribüne · 1919-12-27 · 49 (27.12.1919) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
49 (27.12.1919)
Date
1919-12-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sete 4 Freie Trfbüne Nr. 49 König von Preußen^ ftir eine neue blutige Zukunft des Reiches sind. Ein Abrücken auch der mehrheitssozialistischen Arbeiter von ihren, den Matrosenmördern verbündeten ^Führern" ist unverkennbar. Der vom Parteitag der Un- ^bbängigen angenommene Besehluft, den Kongreß der Sozialpatrioten in Genf zu boykottieren und sidh' mit den Kornministen und linken Sozialisten aller Länder in der dritten Internationale zu finden^ ist von allen klassenbewußten Arbeitern mit Befriedigung aufgenommen worden. Deutschlands Rettung liegt in dem Lebenswillen des deutschen Proeltariats», welches, wenn es sich auf sich selbst besinnt, die Militärkaste zerschntetltern wird. Ungarn, Die reaktionäre Hochflut, welche in Ungarn nach der Erdfückung der Räterepublik durch die Militärmacht der Rumänen eingesetzt hat, ist noch nicht zum Stillstand gekommen. Täglich werden neue Mordtaten, Plünderungen Und Reehtsberanbungen der weißen Horthygarden gemeldet, unerhört sind die Gewaltakte, durch welche sich1 der oligarchrsiche Klüngel behaupten will. Ein eigenes' Gesetz gegjen alle des Kommunismus Verdächtigen steHt es den Machtti&bern änheim1, die ihnen mißliebigen Personen in den Internierun'gslagern von Hajm'asker verfaujen zu lassen. Die Behandlung, die den verhafteten Kommunisten zuteil wird, spottet jeder Beschreibung. Nichit genug an dem), hat die Budapester Polizei eine ausgebreitete Spitzelörg.anisation ins Leben gerufen, deren Tätigkeit weit über die Landesgrenzen hinaus wirksam ist. So wurden mehrere kommunistische Flüchtlinge unter verschiedenen Vorspiegelungen von Wien nach1 Ungarn verlockt, wo sie auf bestialische Weise hin- (gemordet wurden. Ganz natürlich ist es1, daß ungarische Sozialdemokraten an dieser erzreaktionären monarchistischen Regierung teilnehmten! Die ^Führer", die neben den mit Arbeiterblut befleckten Regierungsmännern auf der Ministerbank platzgenommen haben, sind in den Augen des" ungarischen Proletariats1 afe Verräter gezeichnet. Für uns in Deutschösterreich ist der Kämpf gegen die Reaktion in Ungarn nicht nur eine Frage der Solidarität «rit unseren ungarischen Klassengenossen, sondern geradezu eine politische Existenzfrage. Die spärlichen ^Errungenöchiaften" der Novemberrevolution, die republikanische Verfassung, ist insolange bedroht als die weiße Bande in Ungarn regiect. Unsere reaktionäre, bürgerliche und christftch&oziale Presse hat Friedrich und Horrhy zu ihren Schützlingen erkorenf, in der geheimen Hoffnung auf die monardiistisehe Restauration. Aber ihre Hoffnung wird getäuscht werden. Der Tag wird kommen1", an dem« in Ungarn das arbeitende Volk wieder die Zügel ergreift. Ben rechtssozialistische lunfcer. |>1q der preussisohen Landesversammlung iübrle der Mln)B»er des Innern Wolfgang Heine «ns, dass man die Frage der o»ijfidlsch«n Einwanderer, von den Ö r u n d s ä t s es der Menschlichkeit aus lösen wollte. Jedoch könne nicht bestritten werden, dass diese Einwanderung einen bedenklichen Umfang und Charakter angenommen hat, Er habe vorgeschlagen, diese Einwanderer aus den Großstädten za entfernen und in Konzentrationslagern zu vereinigen; die Reichsregierung habe sich dieser Absicht widersetzt, aber er werde welter versuchen, sie durchzusetzen.« >Arbelteneltung«, Wien, 17. XII. 1919. Herl' Wolfgang Heine, die markanteste Minister» Persönlichkeit der Npske'sehen Sozialdemokraten hat eine neue Note zur Lbsnug der Ostjndenfrage gefunden. Er wehrt •ich energisch, diese vom Menschlichkeitsstandpunkte aas lösen zu wollen. Beileibe nicht! Am liebsten würde er ja überhaupt die Grenzen vor jeder Zuwanderung ans dem Osten — es kommen ja mit den Menschen auch Ideen mit, die dem Herrn Heine halt unangenehm sind — hermetisch verschließen. Er würde das tun, wenn er auch damit in Kauf nehmen müßte, daß die polnischen Militärniichtlinge statt nach Heines Deutschland zu kommen, in die Armeen der polnischen Reaktion eingereiht werden, nm gegen sein „geliebtes Vaterland" zu kämpfen. Den Noskesozialisten schert das nicht. Nur die Reichsregierung, die die Znsammenhänge richtig zn würdigen weiß, fällt ihm da in den Arm. Aber der Ruhm der S e v e r und E 1 d e r s e h, der dentschosterreichischen Gesinnungsfreunde in der Answeisungsfrage, läßt ihn nicht ruhen. Die haben ja auch vor der Menschlichkeit keinen Halt gemacht. Wenn also keine Grenzsperre, keine Ausweisung, als» Konzentrationslager! Dieses Schandmal der Kriegszeit soll also vom sozialistischen Hinister gegen friedliche Arbeiter angewendet werden. Wahrlich, v«n Menschlichkeit ist da nichts zu spürei. Wer würde sie auch bei ^Herrn Heine and sonstigen Noskekonsorten erwarten? Wir würden nur den Genosse n Oskar Kohn fragen, o b e r s e in e E in i g u n g sb es tr e- »ungen mit den Rechtssozialisten auch angesichts dieser Offenbarung ihres Geistes weiter betreiben will? Brief aus Mau. Krakau ist die einzige Stadt in Galizien, die nrcWt unmittelbar unter dem Krieg gelitten Na(t. Sie war vielmehr als Verkehrsknotenpujikt für das ganze östliche Kriegsgebiet,, insbesondere für die okkupierten Gebiete Polens, von größter Bedeutung und deshalb' auch Sitz zahlreicher hoher militärischer Kommanden, Da sich aber die Heeresapprovisionierung niemals um Zwangswirtschaft, Höchstpreise und dergleichen gekümmert hat, machte sich hier schon während des Krieges der Hi r e i e Handel" und mit ihm furdrtbarc T e u e r u n g, ein unerhörtes P r o t ek 1i o n sL und Best e c h u n g s w e s e rt breit. So ist in Krakau die Brotkarte ein legendärer Begriff, nur vom Hörensagen bekannt. Noch während des Krieges war hier alles ,;/.u hnben", d.h. für „Zahlungskräftig e", die allerdings irr Krakau verhältnismäßig dichter gesät sind, als in anderen GroRstä'dten. Nach dem Zusammenbruche der Monarchie hat sich, das wirtschaftliche Leben nur wenig geändert. Innerlich genötigt, das typische Wesen einer übernationalistischen Polentums überall zum Ausdrucke zu bringen, wurde die Burcauk r a t i e noch kopfloser, ihre Bestechlichkeit nahm einen unerhörten Umfang und dabei eine unverfrorene Offenheit an. ..Nicht einmal ein Armutszeugnis bekommt man — ohne Bezahlung", meldet die Mär, der jeder, der mit polnischen Behörden in Berührung kommt, ohne weiteres Glauben schenken wird. Die zielbewußte Politik der durch die Posener ^Märtyrer der polnischen Nation" gestärkten Sehl ach ta im Verein mit der selbstverschuldeten, in Eigensinn und Größenwahn gehüllten Ohnmacht der polnischen Sozialpatrioten haben im neuerstandenen Polen ein wirtschaftliches Chaos geschaffen, das im Eiltempo zum unvermeidlichen Zusammenbruche führt. An allen Straßenecken;, in allen Lebensmittelgeschäften findet man Brot und Semmeln, aber ein Kilogramm Brot kostete schon Mitte November1, also zwei Monate nach der Ernte, dreißig Kronen. Kaum eine Stunde von den Kohlengruben, in Javorzno, wenige Stunden vom' Dombrowaer und Ostrauer Revier entfernt, muß hier der Betrieb des Elektrizitätswerkes1, also die elektrische Beleuchtung, der Straßenbahnverkehr wegen Kohlenm'angels eingestellt werden und gehört die Kohle zu den ( Gütern mit Seltenheitswert". Freilich kann man bei einzelnen Aemtern und Beamten gegen schwindelerregend hohe Summen beliebige Mengen erstehen,^ aber der Stadt und dem Staate ist sie ebenso unerreichbar wie uns gewöhnlichen ^Sterblichen". Während der;>HandeI" in üppigster Blüte steht, leiden Gewerbe und Industrie Mangel an Rohsto ffen,, was freilich' zur Bereicherung der Industriellen und Gewerbetreibenden ebenso, wie zu furchtbarer Arbeitslo.- sigkeit und Verelendung der Massen geführt hat. Das ununterbrochen andauernde Standrecht hat hier die Arbeitsbedingungen auf. demselben Niveau erhalten, wie vor dem Kriege und sie nur um die Auswüchse des Krieges, Frauen-i sund Kinderarbeit, versehledhtertf, die hier wie in keiner zweiten Stadt in Polen verbreitet sind. Die Hoch st löhne der Handelsangestellten im zwanzigsten Dienstjahre betragen noch' immer 500 bis 600 K monatlich. Lohrikämpfe begegnen größten Schwierigkeiten in der -Unzahl arbeitender Frauen und ''Kinder. Aus einzelnen Berufs- .und Industriezweigen), z. B. der Buchbinderei, sind die 'männlichen', aus; anderen, wie in den zuckerverarbeitenden Gewerben, sährtliche erwachsenen Arbeitskräfte gänzlidh verdrängt. Daß gerade in diesen Betriebfen die Arbeitszeit eine unglaublich hohe (14 bis 16 Stunden sind gang und gäbe£, 18 Stunden nicht selten) und die Löhne selten 3 bis 4 Kronen tauglich übersteigen, ist fast selbstverständlich. f Um die Erbitterung der verhungerten Massen abi zu lenken, versuchen es die Sozia lpjätrioten (mit denselben Mitteldheni, mit denen SchTachta und Bureaukratie ihre SchandWirtschaft, ihre Unfähigkeit und inten niedrigen Egoismus zu verdecken suchen: mit nationalistischer und der von ihr unzertrennlichen antisemitischen Hetze. Und so erlebt m'an die Tragik!, daß Arbeiter m den Kohlengruben die Belieferung jüdischer Arbeiterkönsunivereine verhindern!, daß die Maifejpr und die Solidaritätskundgebung am 21. Juli zur Bolschewiki- und Judenhatz' ausgenützt werden u. dgt mehr. , Nur allzu oft treibt diese nationalistische Verhetzung der polnischen Arbeiterschaft auch die jüdischen Arbeiter ins Lager der Reaktion. Die jüdische Bourgeoisie, die Sieb trotz der Pogrom^ aus diesem Höllenfeuer ihre Kastanien holt, versteht es sehr gut, alle Unbilden der Zeit ynd der Verhältnisse auf die Arbeiterschaft abzuwälzen, während diese kaum' die ersten Versuche der Gegenwehr macht, die, durch unsinnige Parteizwistigkeiten erschwert, oft auch durchkreuzt werden. Unsere Partei hat infolge ihrer verfehlten politischen Taktik bei den Landtagswahlen seit Beginn dieses Jahres eine schwere innere Krisis durchgemacht, von der sie sich erst fml letzten Monat zu erholen beginnt. Doch hat darunter nur die politisch-organisatortschte Arbeit gelitten, während auf gewerkschaftlichen* und .genossenschaftlichem Gebiete schöne Erfolge erzielt wurden. In wenigen Wochen haben unsere Krakauer Genossen irrt ehr als tausend Mitglieder, darunter einzelne Berufe (Hutmacher, Modistinnen u. ä.)"* geschlossen in ihren Ge w e r k s c h a f t e n organisiert. Allerdings verursachen der Mangel an Zentralisierung und die parteimäßige Zerklüftung der Gewerkschaftsbewegung unjgjeahnte Schwierigkeiten. In den letzten drei Monatten haben unsere G«$- werksehaften Streiks der Handelsangestenten (in drei Branchen), der Männerschneider, Hut- und Kappenmacher durchgeführt', die, bis auf den letzten^ mit materiellem und moralischem Erfolge beendet wurden. Ueberau* wurden Ve rkü r z u n g der Arbeitszeit (der Achtstundentag), 50bisl lOOprozenttge Loh nerhöhitng und Anerkennung der Organisation errungen!. Außer der Konsumgenossenschaft, die mehr ah 1000 Mitglieder zählt und sich'prächtig entwickelt, habe« unsere Genossen fünf Produktivgenossenschaften ins Leben gerufen, die nicht nur erzieherisch wirken, sondern auch schon auf die Preisbildung und Lohn.xv! z}+- ' nisse Einfluß haben. Letzthin wurde in unserem1 nArbeiterhehn" eine A r* beiterküche eröffnet, und bald sofl unsere V o'. *,< s- Universität ins Leben treten. Am bewundernswertesten aber ist die wirtschaftliche und kulturelle Arbeit unserer Jugendorgan isatior^ die 'zu den ältesten und stärksten unserer gesamten Be>. wegung zählt. Voranzeigen. BezirksorganisatiOH Leopoldstadt. Mittwoch, den .24. d. M., 4 Uhr nachm., im Saale des Arb^iterbildnns'svereines (Blnmaunrgasse 1/J,* Vortrag eines Palästinensischen (r eno?se n über „Die Lage in Palästina" Samstag, den 27. ds. 6 Uhr abends im Arbeiterbi]» dungsverein Vortrag Gen. D a w i d : Die nationale Autonomie und Klassendiktatur. Gäste willkommen! Akademischer Verband jüdischer Sozialisten Poale Zion} Anfang Jänner beginnt ein Seminar „Kapital V0S& Marz". Mitglieder des akademischen Verbandes, die darai teilnehmen wollen, haben sich bis znm ersten Jänner bei Genossen Salamon 0 m s t e i n, IX., Dletrichsteingasse 5 /4 zu melden. Sonntag, 28. d. 31, 3 Uhr nachm., findet im Caf« „Jägernhof", IX., Porzellangasse 22,. ein Vortrag des Genossen H o 11 i n g e r statt. Thema : „Unsere Plattform." Anschließend wichtige Mitgliederversammlung. Wir ersuchen die Genossen, bestimmt zn erscheinen, Gäste will kommen! 1 eingesendet. Achtung, Sagau, Müozer, Honig! Dringdrahtet sofort Wien Parteisekretaria^Paßangelegenheit Schnejur. Parteistekretariat. Achtung, Genossen Schuhmacher, Schuhoberteilmacher und alle anderen Arbeiter des einschlägigen Berufes, ferner Wäscher und Wäsoherinnen, melden sich beim Oen. Efrousi tätlich zwische ■>» 12 bis 2 in dem jüdischen Arbeiterbildungsvereir, II., Blumauergasse \jl Parteisekretaria* Konsumgenossenschaft für jüdische Arbeiter und Angestellte in Wien, II., Taborstraße 44 (Eingang Blumauergasse) Fernsprecher Nr. 44.189. Achtung! Donnerstag, den 25. d. M. wegen des gesetzlichen Feiertages kein Verkauf. Der Einkaufstag der rayonierten Kunden wird auf Montag, den 29. d. M. verschoben. Da die Mehlzuweisimg immer erst im1 Laufe der zwefc ten Wioehenhälfte erfolgt, sind wir gezwungen, eine neu© Nitomemelnteihing vorzunehJmen. Die Warenabgabe erfolg-t für nitrfttrayoniierte Kunden: Montag Nr. 1-700, Dienstag Nr, 701—1500. für rayonierte Kunden: Mittwoch Nr. 1—600, Donnerstag Nr. 601—100©, » Freitag Nr. 1001—15001. Ferner bringen wir unseren Mitgliedern zur Kenntnis^ da* es uns gelungen ist, eine neu© Post Textilwaren^ (Sweaters, Kinderstrümpfe, Trikotagen) zu erwerben, weich zu billigen Preisen abgegeben wenden. Wir machen unsere Mitglieder aufmerksam', daß »i der nächsten Woche (Marmelade' i frei, ohne Einkaufeschein ' abgegeben wird. Geschirre &*W mitzubringen! Die Mitglieder werden neuerlieh darauf aufmerksam gL macht, daß der Einlaß der Mitglieder in den Verkaufsraum sdwn eine halbe Stunde vor Verkaufe^chhiß^ also um halb '. bezw. um halb 5 Uhr gesperrt werden muß. « Wir erwarten vom Solidaritätsgefühl der Mr» glieder für die Angestellten, deren ArbfcitBfceit «ädW sonst im* Ungemessene ausdehnt, daß sie rechtzeitig .ersehekuet.* Nach Einlaßsperre Erscheinende werden j nicht eingelasS'e»! | Jüdische Arbeiterküche, II. Blumauergasse 1. Die W«chenbezugsscheine lür die laufende Woche wer 7 folgendermaßen ausgegeben: am Freitag, von Nr. 1—300 , Samstag, „ „ 103—600 „ Sonntag, „ „ 601—1000 Die Wochenbezugsscheine, die an den betreffende* Tagen nicht abgeholt werden, können fdr die entsprechend- Woche nicht mehr bezogen werden, Sammelt Abonnenten für im Blatt! ^r^m^tT^f^ Hwanifritar and verantwortlicher Redakteur Arnold Deutsch ,C«atral«, Dm*- und Vertapasatalt (vorm. 3. Hoy«r), Wien, IX., Uoohtan«teta»traft« 8.

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