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Freie Tribüne · 1919-11-15 · 42-43 (15.11.1919) · page 7

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
42-43 (15.11.1919)
Date
1919-11-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 42—43 Freie Tribüne Seite 7 b) das Verbandsbüro aufzufordern, diese Kundgebung in entsprechender Form zu bestätigen. 2. Die Parteiberatung beschließt, das Bestreben aller linken Bruderparteien und Gruppen, unseren Weltverband auf dem Boden und im Rahmen der dritten Internationale zu organisieren, mit allen Kräften zu unterstützen. Die Parteileitung wird beauftragt, eine möglichst breite Propaganda für diese Bestrebimg zu entwickeln und energisch dafür einzutreten, daß diese linken Bruderparteien und Gruppen auf der nächsten Weltkonferenz gehörig vertreten sind. 3. Das bestehende Verbandsbüro wird in seiner Paläsiinatätigkeit, seinen Bestrebungen, eine Weltkonferenz zu organisieren, und die Verbindungen zwischen den Bruderparteien aufrecht zu erhalten, bzw. herzustellen, und insoferne es politische und wirtschaftliche Aktionen unternimmt, die zu unserer kommunistischen Anschauung nicht in Widerspruch stehen, tatkräftigst unterstützt. .' Von einer Resolution, die Gen. Sokal einbrachte, wurden folgende Absätze einstimmig angenommen: Die Parteiberatung (P.-lß.) ist der Meinung, daß von der Tätigkeit des V. B. im allgemeinen insbesondere seine Bemühungen, dem jüdischen Proletariatc und dem Poaleziontsmus Anerkennung in der Internationale zu verschaffen, mit Dank hervorgehoben werden müssen. Die P.-'B. beurteilt die Teilnahme des' V. B. an diesen Konferenzen als logische und zeitliche Folge unserer jahrelangen . Bestrebungen um Anerkennung in der Internationale. Die P.-iB. erklärt ausdrücklich, daß die d.^ Partei zum Welt verbände gehört und sie fordert die Parteileitung auf, dafür zu sorgen, daß auf der kommenden Weltkonferenz, die in allen Landes^'Parteien vorhandenen Richtungen in cm> .. sprechender Weise vertreten werden. lieber Palästinatätigkeit referierte Rewutzki. Er wies auf die Notwendigkeit selbständiger Tätigkeit der Poale Zion hin, lehnte die dauernde Mitarbeit mit dem jüdischen Bürgertum auf den zionistischen Kongressen ab. Im übrigen betonte er die Notwendigkeit aktiver Betätigung des Proletariats an dem Kolonisationswerk und wies auf die Bedeutungder Schaffung von Kooperativen hin, denen gegenüber er seine Vorkriegsstellung geändert habe. Im Korreferate gab' Gen(. Kohn der vollen Uebereinsti'mmuug der Parteimehrheit mit den Anschauungen Rewutzkis, die vom kommunistischen Standpunkt selbstverständlich wären, Ausdruck und leitete aus dem' Gesichtspunkte der begonnenen ' 'Weltrevolution die Notwendigkeit kritischer Betrachtung der EinWanderungs- und Kolonisationsmöglichkeiten und positiver revolutionärer Tat zumi Zweck der Vernichtung« des Imperialismus und der Eroberung der Macht durch das Proletariat ab. Nachdem' noch die Stellung und das Programm unserer russischen Partei dargestellt worden war, wurde die Wähl einer der Parteileitung unterstehenden P a, 1ä s t i n a- . komm iss i on, der die .Resolutionen der Referenten 2ugewiesen würden, sowie prinzipiell die Beteiligung an der Paläst in,ad elegation des Verbandsbüros beschlossen. Nach: dem Referat der Genossin Sehorr über Abgnäernng d es O rg'ajii tfiait ions Statutes Wurde eine Kommission zu seiner Durchberatiing gewählt und die Parteiberatung vertagt. Unsere Einheit als Wille zur Tot.!Aus den Ausfiü'lirungen de& Genossen, Kapfans!ky in der „Freien Tribüne'' wie auch! aus der Begriißungsdepesdhe, die dalsl Verbands'büro an die außerordentliche Parteikonferenz gesandt hat, ist zu ersehen, daßi die Stellung der Liener Organisation nodh i'mim'er nidhlt ridh'tig verstanden wird. D)as ist autifo wteiter nidhit so verwunderlich!. Man kann von den Genossen, welche die Jahre des Weltgemetzels fernab von all'e'm1 Aufeinanderstihlagen der .Völker verbradhlt Waben, nidh/t verlangen, daß sie dieselbe seelische und geistige Entwicklung durdh'gemadhit haben sollen, wie wir, die BVuthoch'zeit des Kapitals: selbst erlebt haben. Aber wenn es auch nichft angeftf, bei den Genossen im1 Verbandsibüro jene Vorstell'ungs'kraft vorauszusetzen, welche dazu gehört,;sichJ in die Denk- art der Proletarier in Mittel- und Osteuropa zu finden, 'so will! es und dodh1 bedürften, ,daß, die -Genossen ihr Bedürfnis i'zu tadein, einschränken, und uns nidhlt Absichten zumuten sollten, die uns ebenso ferne liegen, wie ihnen selbst — In der Dämmerung einer Epoche, in der sich Staatsverträge, Kongreßbeschlüsse und internationale Kautelen als Fetzen Papier erwiesen haben, geht man daran, ein neues, papierenes Jerusalem zu bauen. Daß die Genossen im .Verbandsbüro an dem Versuch1, die entschlafene zweite Internationale zu erwedken, teilnehmen, kann uns nicht-wundernehmen. Sie sind Ja die alten geblieben, wie sie s(o oft mit Stolz verkünden; sie bewegen sidh noch immer im; Zirkel von Diskussionen, Kompetenzstreitereien und ellenlangen Resolutionen. Und so sehen sie nicht, daßaußerhalb ihres Kreises das jüdische Arbeiterleben ganz andere Forderungen stellt, daß die Stunde der befreienden organisierten Tat geschlagen hat. Uns Kommunisten wird vorgeworfen, daß wir die alten Organisationen zerstören wollen; aber die Organisationen mächt nur der unwirksam, der die Zeichen der Zeit nicht erkennt und verhindern will', daß sich die alte Form' mit neuem Leben fülle. Wir sind überzeugt, daß die Genossen im Verbandsbüro, wenn sie in unserer Lage wären, nicht anders handeln könnten als Iwir. Es' fällt uns nicht ein, in den redlichen Willen, die Aufopferung und Hingabe unserer führenden Genossen auch nur den geringsten Zweifel zu setzen; doch wünschen wir, daß. sie ihre Auffassung in unsjerem Sinne revidieren, und hoffen, ihnen klarmachen zu können, daß den vielen, allzuvielen Reden und Worten endlich Taten folgen müssen, wenn die jüdische Arbeiterbewegung nicht versumpfen und versanden soll. Die neue Tat, die gesetzt werden muß, ist die Produktivierungder jüdischen Massen. Das jüdische .Volk muß von allen ihm anhaftenden parasitären Erscheinungen befreit und der werktätigen Arbeit zugeführt werden. Das, was bislang die latente Triebkraft des Poale-Zionistnus ^gewesen ist, muß jetzt; sein Ausdruck, £<ein offen eingestandenes Ziel werden. Welchen Weg müssen wir aber zur Verwirklichung unserer Aufgabe ~ beschreiten? Genosse Kaplansiky bezweifelt die Richtigkeit der sowjetistisichen Methoden. Ob ihm vielleicht die ungestüme Art nicht gefällt, in der dieses! gesunde Kind der proletarischen Revolution in die Weltgeschichte getreten ist, oder ob er, gleich Genossen Rewutzky, die russischen Arbeiter nicht für genügend reif hält, wird nicht ausgesprochen. Viele unserer mensiCh'ewi'k'istäWen Wissenschafter können an die sozialistische Wirklichkeit nicht früher glauben, als bis ein einwandfreier, leibhaftiger sozialistischer Homunkulus/ in ihrer Retorte erscheint. Sie bedenken nicht, daß der Weg ins sozialisftische Paradies durch das Fegefeuer der Unfreiheit und Fehler führen muß. Genosse Kaplansiky mag über die Sowjet-Verfassung wie im'mer denken — auch er wird sich der Erkenntnis nicht versdhiließen können, daß sie die wiirik'liche Emanzipation der Arbeiterklasse bedeutet, der höchstes Gesietz gewordene Wi 1 ile des \ver'k>tlä tigen Vo l1 k e s. Und wie könnte die Herkulesarbeit der Produktivierung der Juden, die Ausm erzung des Schmiarot zertum's bei uns e remj Vo 1 k e anders) bewerkstelligt werden, als durch die Diktatur der jiidisehen 'Arbeiterriäte, durch den Zwang, der auf die jüdisdhe Bourgeoisie ausgeübt werden soll, sich in die Reihten der Schaffenden zu stellen, Aüdh1 der Zionismus nadh! proletarisicher Auffassung isft nichts! anderes1 als die Erkenntnis, daß das jüdische Volk ein Arbeitervolk werden muß. Für das jüdische Bürgertum bedeutet er aber die Verpflanzung eines Privilegiertensysitems in ein anderes Territorium. Desfhalb kann auchl die Gesundung des jüdischen Vollk'els1 und sieine Wiedergeburt als! Faktor in der Welftproduktion nur das Werk der jüdischen Arbeiterklaslsle sjein, in gemeinsamer Arbeit mit den Proletariern aller anderen Völker in der siowjetistisldhen Internationale. /Der Weltverband der jüdischen Arbeiter aller Länder ist f|ür uns eine Leber^notwendigkeit Aber er htußi ein Bund der Tat sein, eine kraftvolle Wehr und eine scharfe Waffe im Kampfe der Arbeiterinternationale um' die Befreiung der Menschheit R. G. Aus unserer Weltbewegung. einen Grufc den Genoffen! Lebt wohl! Ich sende Euch nieinen Gruß vor meiner Abreise nach Palästina. Dort soll, in naher Zukunft die weitgestreckte praktische Arbeit beginnen, von der wir so lange geträumt haben. Die Fragen der Kolonisationsmethoden, die Fragen unserer Taktikbrennende Kamptestatsachen! Und wir, die Linken, werden nur eine Minorität in Palästina bilden! Noch schwerer und verantwortungsreicher sind deshalb die Aufgaben, die wir dort zu erfüllen haben. Darum keinerlei Kompromisse mit den bürgerlichen Elementen! Eine der nächsten Aufgaben ist es, einen revolutionären Bund mit der arabischen Arbeiterschaft zu schaffen. Dieser wird vielleicht am ehesten das arabisch-jüdische Problem entwirren. Wir sind überzeugt, daß beim ersten Ansturm revolutionären verbündeten Kampfes die allzu zugespitzten Konflikte, die durch die bürgerlichchauvinistischen Elemente entfacht wurden, in Nichts vergehen werden, und daß unser Bund die revolutionäre Bewegung im Orient einleiten wird. Die Epoche der sozialistischen Revolution eröffnet uns weite Aussichten auf schöpferische sozialistische Kolonisationsarbeit. Die Arbeiterklasse wird die Avantgarde der neuen Menschheit. Die jüdische Arbeiterklasse nimmt die Verantwortung für die Aufgaben auf sich, die dem jüdischen Volke bevorstehen. Darum muß unsere praktische Palästina- Arbeit aktiv werden. Allerdings ist es beim Fortbe- * stehen der kapitalistischen Ordnung unmöglich, die Arbeit im großen Maßstäbe zu beginnen, aber sie kann begonnen werden, die Arbeit und der Kampf gegen den allgemeinen und gegen den jüdischen Imperialismus, die Palästin i in eine Sklavenkolooie verwandeln wollen. Mit Mut und Glauben fahre ich hin. Vor Euch, Genossen, spreche ich meine Hoffnung aus, daß die Arbeit für Palästina beginnen, der Kampf für die Weltrevolution fortgesetzt wird. Lebet wohl, arbeitet und kämpft! Es lebe die sozialistische Revolution! Es lebe das sozialistische Palästina! Nnße n, Vertreter der litauisch-lettischen Partei in der poale-zionistischen Palästinadelegation. Landeskonferenz der jüdischen sozialdemokratischen ürfaeiterorganisatioo Foale Zion in Deutschland. Am 5., 6. und 7. Oktober 1919 tagte in Berlin die erste Landeskonferenz unserer deutschen Partei. Vertreten war das Parteisekretariat in Berlin und folgende Ortsgruppen: Berlin^ Chemnitz, Dresden, Frankfurt, Hannover, Leipzig, München und Regensburg. Ferner das Verbandsbureau durch Gen., Rewutzki sowie die Organisation in Polen und der Tschecho-, Slowakei durch Vertreter der Arbeiterzeitung (Warschau) und des Jüdischen Sozialisten (Brünn). Die Konferenz führte nach gründlicher Beratung aller zur Verhandlung stehenden Fragen zu den anschließend wiedergegebenen Beschlüssen. $ Programm der jfldison-soziaidemokrat. Arbeiterorganisation in Deutschland, angenommen auf dem ersten Parteitag, 6. bis 8. Oktober 1919. 1. Die J, 5. A-. O. Poale Zion in D. steht auf dem Boden des revolutionären Klassenkampfes und der inter* nationalen Klassensolidarität und führt den Kampf des jüdk sehen Proletariats in Deutschland. Sie beteiligt sich an derni Klassenkampf des gesamten deutschen Proletariats um die Verwirklichung der sozialistischen Wirtschafts- und Gesell* schaftsordnung. , Jedes Mitglied der Organisation hat das Recht, an denT jenigen deutsehen sozialistischen Parteien teilzunehmen, welche auf dem Boden des1 revolutionären Klassenkampfes stehen. Die Teilnahme an bürgerlichen politischen Organisationen ist mit den Parteiprinzipien unvereinbar. 2. Die J. S. A O. Poale» Zion in D<, als ein Teil detsf allweltlidhen J. 5). A. V'^ Po:ale Zion, erblickt die territoriale Lösung der Judenfrage in' der Schaffung eines jüdisch-sozi^ listischen Zentrums' in Palästina. 3. In anderen Ländern fordert die Organisation volle bürgerliche und nationale Rechte für die jüdischen Minderheiten und erstrebt, in Erkenntnis der unnormalen Wirt-, schaftslage des jüdischen Proletariats, die Berufsumschichh tüngt der jüdischen Massen, um! ihnen den Uebergang zur sozialistischen Wirtschaftsordnung zu erleichtern. Beschluß znr Frage der Internationale. I. In der Erkenntnis^ daß die zukünftige Internationale nur dann produktiv sein kann, wenn sie eine wirkliche Macht besitzen wird und das höchste legislative und exekutive Organ der internationalen Arbeiterbewegung darstellen wird, II. daß ferner der 'Klassenkampf des Proletariats nur dann die Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung] erreichen wird, wenn das Proletariat jede Koalition mit den bürgerlichen Parteien ablehnen wird, nimmt die Konferenz den Beschluß der Stockholmer Weltberatung mit Befriedigung zur Kenntnis, daß die Frage der II. oder III. Internationale der nächsten Weltkonferenz zur endgültigen Entscheidung gestellt ist. Sie schlägt den Ortsgruppen vor, die Frage nochmals zur gründlichen Diskussion* zu stellen, und beauftragt die Redaktion der Parteipresse, dieser Frage besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Bescblnß znr Palästina-Arbeit .Die Konferenz erachtet für die erfolgreiche Palästina- Arbeit für notwendig: 1. Eine Zentralverwaltung des Palästina-Arbeiterfonds für Deutschland zu gründen. 2. Einen Referenten für Palästin.a-'Arbeit im Z. K. der Organisation zu bestimmen. 3. Vorbereitungsgruppen jüdischer Arbeiter zu organisieren, die nach Palästina fahren Wollen, und dieselben in einem Verbände zu vereinigen, der in enger organisatorischer Verbindung mit dem1 Z. K. stehen soll. 4. Die Organisation und Vorbereitung von Fachgruppen jüdischer Arbeiter, die in Palästina sozialistische Arbeitsgemeinschaften gründen sollen. 5. Zusammen mit der deutschösterrcichischen und tschechoslowakischen Partei die Informationsarbcit der jüdischen Arbeiter-Emigration aus diesen Ländern 'zu organisieren. 6. In der Presse und in der Partei eine Agitation für eine genossenschaftliche Palästina-Arbeiterbank zu führen. Beschluß zur Frage der Beteiligung am zionistischen Kongreß. 1. Die Konferenz nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, daß die Frage der Beteiligung des Weltverbandes Poale Zion am zionistischen Kongreß zur endgültigen Entscheidung der nächsten Poale Zion-lWeitkonferenz vorgelegt wird. Die Konferenz schlägt allen Ortsgruppen vor, die Frage

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