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Freie Tribüne · 1919-10-25 · 40 (25.10.1919) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
40 (25.10.1919)
Date
1919-10-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40 Freie Tribüne Seite 3 Qen. Dr. Syrkin hielt ein ausführliches Referat über die künftige Tätigkeit des Verbandes in Palästina. Diese Referate bildeten die Grundlage einer breiten Diskussion über die Prinzipien der Palästinaarbeit des Weltverbandes, deren Ergebnis die Annahme entsprechender Resolutionen war. Besonders erwähnenswert sind die Reorganisation des Palästina-Arbeiterfonds im Zusammenhang mit der erweiterten Tätigkeit in Palästina und die Frage einer kooperativen Arbeiterbank für die Finanzierung der genossenschaftlichen Tätigkeit der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Die Frage der Aufnahme der zionistisch-sozialistischen Vereinigung der Arbeiter Palästinas „Achduth Haavodah« (Solidarität der Arbeit) in den Weltverband an Stelle der ehemaligen Poale Zionpartei rief ausführliche Auseinandersetzungen hervor, die schließlich zur e i n s ti m m i g e n Anerkennung der „Achduth Haavodah* als der palästinensischen Landespartei des Verbandes führten. Oen. Kaplansky referierte über die Instruktionen für die demnächst nach Palästina abgehenden A r b e i t e r k o m m i s s i o n. Ihre Aufgaben wurden in einer besonderen Resolution formuliert. Die Debatte über den jüdischen Weltkongreß wurde durch Oen. Locker eingeleitet. Wegen des prinzipiellen Charakters dieser Frage wurde beschlossen, sie auf die Tagesordnung der nächsten Weltkonferenz zu setzen. Ebenso wurde die Frage des zionistischen Kongresses bis zur Weltkonferenz vertagt. Die Beratung behandelte bloß einige aktuelle Fragen, u. a. die Stellungnahme zur reorganisierten zionistischen Palästinak o m m i s s ( o n. Die Beratung bestätigte schließlich den Finanzbericht des Verbandsbüros für die Jahre 1915—18 und bewilligte das Budget für die nächste ArbeitspeHode. Damit waren die Arbeiten der Beratung beendet. Ein Auszug aus den Protokollen der Beratung -wird in dem demnächst erscheinenden Sammelbuch veröffentlicht werden. Wir bringen im nachstehenden den Text der angenommenen Resolutionen. Die Resolution über die Luzerner Konferenz wurde auf der zweiten Tagung der Beratung (Ende August) angekommen. Resolutionen der Beratung des ISA- Verbandes Poale Zion. 1. i ■ Luzerner Konferenz. Nach Anhörungdes Berichtes der Vertreter des Verbandes m\ der permanente« Kommission der Intern ationale über die Luze rner Konferenz ist die Bcr a t u n g des ISA-V e r b a n d e (S Poa le-Zio n der An. sieht, daß diese Konferenz im' allgemeinen als ein Schritt vorfwäris auf dem Wege des revolutionären Sozialismus zu betrachten ist. Die Beratung gibt ihrer Ueberzeugimg Ausdruck, daß im Mittelpunkt der internationalen proletarischen Aktion der nächsten Zeil die energischeste Bekämpfung der Intervention des E n t e n t e -1 m p e - riaüismü s gegen Rußland und gegen andere sozialistische Regierungen stehen muß. Ebenso ist es die •«dringendste Aufgabe der Internationale, mit aller Kraft eine Verständigung aller Teile des internationalen Proletariats und den Wiederaufbau seiner organisatorischen und revolutionären Einheit anzustreben. Die Beratung ist der Ansicht, daß der Völkerbund in seiner gegenwärtigen Gestalt im' Gegensatz zu den Grundideen und Interessen des revolutionären sozialistischen Proletariats steht, und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die Fra^'e auf dem Genfer Kongreß behandelt und endgiltig entschieden werden soll. hn Zusammenhang mit der Stellungnahme der Luzerner Konferenz zur Frage der Entschädigung spricht die Beratung -ihre Meinung aus, daß diese Frage in Uebereinstimmung mit •dem internationalen Wesen des Sozialismus durch die Schaffung eines internationalen Entschädigungsfonds gelöst werden muß, der durch die Besteuerung -der intcrnati'onalcji Bourgeoisie zu schaffen ist ■und zur Wiedergutmachung der Kriegsverwüstungen in allen betroffenen Ländern dienen soll. Indem sie die Vertretung des ISA -Verbandes Poale- Zion durch die Palästina-Sektion als provisorisch betrachtet, beauftragt die Beratung das Verbandsbüro, auch fernerhin für eine jüdische Sek tion in der Internationale •energisch einzutreten. 2. Zum Bericht des Arbeltssekretariats in Palästina. Die Beratung des ISA-Verbandes Poale-Zion nimmt den Bericht des Arbeits-Sekretariats in Palästina zur Kenntnis und [gibt ihrer Genugtuung Ausdruck, daß es gelungen ist,, in hohem Maße, dank seiner energischen und hingebungsvollen Arbeit, die jüdische Arbeitersiedlung in Palästina zu erhalten •und ihren schweren und mutigen Kampf in den langen' Kriegsjahren zu erleichtern. Die Beratung drückt dem Leiter des Arbeits-Sekreta- -riars, Gen. Efraim Blumenfeld, ihr Vertrauen und ihren besonderen Dank aus für seine verantwortungsvolle und unermüdliche Arbeit. Graß an die jüdische Arbeiterschaft Palästinas. Die Beratung drückt der jüdischen Arbeiterschaft Pa lastinas, die mit soviel Hingabe und heldenhafter Hartnäckigkeit in den schweren Jahren des Krieges und der Reaktion auf ihrem verantwortungsvollen Posten ausgeharrt hat, ihre Bewunderung aus und sendet ihr ihren brüderlichen Gruß. (Diese Resolution wurde vom Verbandsbüro dem Zentralkomitee der zionistisch-sozialistischen Vereinigung der Arbeiter Palästinas ,,Achduth Haavodah" telcgraphisch übermittelt.) Resolution, betreffend die Zionistisch-Sozialistische Vereinigung der Arbeiter Palästinas „Achduth Haavodah" (Solidarität der Arbelt). i. In Uebereinstimmung mit dem Beschlüsse der 13. Konferenz der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Poale-Zion Palästinas und mit dem Beschhiß der Gründlingskonferenz der Zionistisch-Sozialistischen Vereinigung der Arbeiter Palästinas „Achduth Haavodah" beschließt die Beratung des ISA-Verbandes Poale-Zion, daß die Organisation „Achduth Haavodah" als die den politischen und wirtschaftlichen Klassenkampf des jüdischen Proletariats in Palästina leitende Partei dem Weltverband Poale-Zion mit den Rechten und Pflichten einer Laudcspartci des Verbandes angeschlossen wird und alle organisatorischen Beziehungen zwischen der Poale- Zion-Partei Palästinas und dem Verbände Poale-Zion laut den bestehenden Satzungen auf die Partei Achduth Haavodah" übertragen werden. II. Die Beratung stellt auf Grund der Aufklärungen der Palästina-Delegation fest, dal! die Beschlüsse der Gründungskonferenz der „Achduth Haavodah" über die Beziehungen der Partei zu Organisationen außerhalb des Verbandes Poale- Zion in Uebereinstimmung mit dem Statut des Wcltverbaudcs zu verstehen sind. Zu dieser Resolution gab die ,D e 1 e g a t i o n aus P o l e n folgende Erklärung ab : I. Wir konstatieren: a) daß die Diskussion und die Aufklärungen der Vertreter der ,,Achduth Haavodah" über die eigenartigen Bedingungen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina und über den provisorischen Charakter des Programms dieser Organisation viele Zweifel und Mißverständnisse beseitigt haben; b) daß die endgültige Bestätigung der Aufnahme neuer Parteien in den Weltverbänd statutengemäß in die Kompetenz der Weltkonfcrenz gehört; und stimmen dafür, daß die ^Achduth Haavodah" in den Weltverband an Stelle der jüdischen;sozialdeinokratischen Arbeiterpartei P.-Z. Palästinas aufgenommen wird. II. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß das Fehlen von Klarheit in der Formulierung der Rolle des Klassenkampfes im Programme der „Achduth Haavodah" und ihrer Stellung zur Sprachenfrage einen Grund zu unerwünschten Mißverständnissen im Weltverbände bilden können. Wir hoffen deshalb, daß die Organisation „Achduth Haavodah" zwecks voller gegenseitiger Vcrstäudigunng aller Richtungen und Stimmungen in unseren, Landesparteien die Gründe derartiger Mißverständnisse beseitigen wird. Resolution Aber die Wahlrechtsfrage in Palästina. Die Beratung nrmrnt mit Befriedigung die Erklärung ( der Palästina-Delegation zur Kenntnis, daß sie den Sprachenzensus für das passive Wahlrecht zu der jüdischen Gründuugsversammlung in Palästina verwirft und durch die Partei /.Achduth Haavodah" für die Beseitigung dieser Begrenzung eintreten wird'. 6. Resolutionen zur Palästina-Arbeit. i, Die Beratung ist der Ansicht, daß die Schaffung einer jüdischenn nationalen Heimstätte in Palästina, die die breiten arbeitenden und arbeite suchenden jüdischen Massen aufnehmen soll, durch die privatkapitalistische Kolonisation gefährdet wird, die nur auf ihren Eigennutz und ihre Profite bedacht und geeignet ist, Palästina jeder Bedeutung für das jüdische Volk zu berauben; 1 v daß die Lebensbedürfnisse der breiten jüdischen Volksmässen ein weittragendes soziales Siedlungssystem erfordern, das auf Nationalisierung des Bodens, genossenschaftlicher Arbeitskolonisation in Dorf und Stadt, Volkskontrolle der Produktion, Nationaleigentmn an den gemeinnützigen Einrichtungen, genossenschaftlicher Organisation des Konsums und systematischer sozialer Gesetzgebung auf dem Gebiete der Immigration, Kolonisation, Arbeit, des Wohnungswesens, der Volksgcsundheit, Versicherung, Erziehuag und Volksbildung beruhen muß; Die soziale Kolonisationstätigkeit in Palästina schafft Möglichkeiten für eine breite Volkseinwanderung, gibt den sozialen Schaffenskräften in der jüdischen Arbeiterschaft Ausdruck, und in der gegenwärtigen Periode der sozialen Revolution, zur Zeit des Entscheidungskampfes des Proletariats gegen die kapitalistische Ordnung bahnt sie den Weg zum sozialistischen Palästina; Die umfassende systematische soziale Kolonisationstätig-, keit kann nur gesichert werden, wenn die jüdische Arbeiterklasse -ihre organisierten Kräfte auf den Aufbau Palästinas richten, ihre Interessen und Bestrebungen in dem langen Prozeß der Auswanderung und Kolonisation systematisch beschützen und, (gestützt auf die Solidarität des internationalen Proletariats, unaufhörlich den Kampf führen wird gegen die kapitalistischen Tendenzen und für ein sozialistisches Palästina. II. Die Beratung erklärt: In der gegenwärtigen schicksalsschweren Stunde, da di«|j politischen und nationalen Kämpfe das Leben der bedett™ tendsten Teile des jüdischen Volkes gefährden, da die sozialen Umwälzungen die Grundlagen der jüdischen Existenz erschüttern und den bäldigen Uebergang großer jüdischer Volksmassen zu produktiver Wirtschaft fordern, da in ganz Osteuropa das jüdische Volk zu baldiger Massenauswanderung getrieben wird und da Palästina das Land jüdischer Einwanderung und Wiedergeburt werden kann, — in dieser verantwortungsvollen Stunde ist es das Gebot der Poale- ,Zion in der ganzen Welt, die Arbeit für Palästina .auf die Tagesordnung der jüdischen Arbeiterschaft zu stellen, das Palästinabewußtsein in ihr zu erwecken und zu vertiefen und sie zu energischer, aufopferungsvoller, planmäßiger und zielbewußter Tätigkeit aufzufordern für die Schaffung einer jüdischen Gesellschaft in Palästina auf sozialistischen G r u n d 1 a g e :n. III. Die Beratung verpflichtet alle Landesparteien, den Kampf für die Palästinaarbeit in allen Organen der jüdischen nationalen Autonomie (Gemeinden, Gemciiidcverbänden und Nationalversammlungen), in den jüdischen Kongressen, in der gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Bewegung und in den Arbeiterorden zu führen' und die Lösung der sozialen Kolonisation in Palästina bei allen Wahlen, zu vertreten. In den Gemeinden haben die Poale-Zion zu fordern: a) die Einsetzung von besonderen Palästinakommissionen zur Aufklärung über Palästina-Angelegenheiten, zur Förderung der Planmäßigkeit in der Palästina-Einwanderung und zur Organisation der Arbeit der Gemeinden für Palästina, im allgemeinen; b) einen regelmäßigen obligatorischen Beitrag für die demokratischen Siedlungsfonds in Palästina, die die Aufgabe haben, die Sozialisicrung des jüdischen Lebens in Palästina zu fördern. In der gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Bewegung sowie in den Arbeitcrorden haben die Poale-Zion entsprechend den Bedingungen des* betreffenden Landes ii*- folgender Richtung tätig zu sein: a) für die Einführung einer regelmäßigen Steuer zugunsten des Palästina-Arbeiterfonds; b) für die Beteiligung an den genossenschaftlichen Unternehmungen der Arbeiterschaft Palästinas (wie die genossenschaftliche Bank, Konsumgenossenschaft „Hamäschbir"); c) und für die Einsetzung von besonderen Kommissionen für Palästina-Arbeit. .IV. ' Die Beratung ist der Ansicht, daß die Ermöglichuiig einer breiten Massenauswanderung nach Palästina, die Erschließung von neuen Bahnen für eine sozialkooperative Mass'enkolonisation und die Schaffung neuer. Fonneni produktiver Arbeit und gesellschaftlichen Zusammenlebens eine wohlorganisierte, im sozialistischen Geiste erzogene Pionierbewegung erfordert, die sich vorbereiten müß; um mit der organisierten, palästinensischen Arbeiterschaft zusam'menzu-» ■wirken, sich an den ländlichen und industriellen Genossenschaften zu beteiligen und die Kräfte der Arbeiterschaft Palästinas zu verstärken und zu vertiefen. Die Organisationsformen und Arbeitsmethoden der Pionierbewegung werden angesichts der Verschiedenheit der Bedingungen in jedem Lande von den. Landesparteien im Einvernehmen mit dem Verbandsbüro bestimmt. Zur Organisation der Palästina-Arbeit, 1. Um die Tätigkeit der Landesparteien für Palästina zu systematisieren, zu vermehren und zu leiten, beauftragt die Beratung das Verbandsbüro, ein besonderes R-essort für Palästina-Angelegenheiten innerhab des Büros und unter der Leitung eines seiner Mitglieder einzurichten. Die Aufgaben des1 Palästinaressorts sind: a) im Verbandsbüro über alle Angelegenheiten der Palästina-Arbeit zu berichten, die die Interessen der jüdischen Arbeiterschaft im allgemeinen und die Tätigkeit des Weltverbandes im besonderen berühren; b) die regelmäßige Verbindung zwischen dem Verbandssekretariat und dem Arbeitssekretariat in Palästina aufrecht zu erhalten, - c) die Tätigkeit der Patästinaorgane -~ (Palästina-Komitees, Palästina-Arbeiterfonds-Kommissioneu u. a. m. —, die von den Landesparteien geschaffen werden, zu leiten und zu kontrollieren, d) ein Bulletin für die Information der Parteien und; der Parteipresse über die Lage und jdie Probleme der Arbeitersiedlung in Palästina zu publizieren und, so weit möglich^ die weite Arbeiteröffentlichkeit mit der palästinensischen Arbeiterliteratur bekannt zu mächen. 2. Die Beratung ist der 'Meinung, daß es die dringendste Aufgabe der Landesparteien ist, Zentralorgane für die Palästinaarbeit zu schaffen, insofern solche noch nicht bestehen-. Die Aufgabe dieser Palästinaorgane ist es: Auf den Tisch eines jeden jüdischen Arbeiters und Angestellten gehört die ■■ ,fFreie Tribüne".

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